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No Man’s Sky: The Abyss-Update erweitert die Space-Sandbox erneut

Im Juli erst erhielt das Weltraumspiel No Man’s Sky das große NEXT-Update, welches das Spiel um viele neue Features erweiterte. Drei Monate später veröffentlicht Hello Games nun das nächste große 1.7-Update „The Abyss“. Das neue Update schickt uns diesmal tief in die Ozeane der Planeten. Die neuen Biome sollen unter Wasser fünfmal so viel Abwechslung bieten, wie es vorher der Fall war. Nicht nur neue, exotische Wasserbiome verbessern das Erlebnis unter Wasser, sondern auch eine Vielzahl neuer Kreaturen und ihr Verhalten. Im Ozean müsst ihr auf ganz neue Gefahren aufpassen.

Neue Missionen und Schätze

Auch mehrere Stunden neuer Story sollen in das Spiel finden und lassen euch unter anderem das Schicksal einer gestrandeten Crew erleben, dessen Frachter abgestürzt ist. Zum Erkunden lädt nicht nur die reichhaltigere Pflanzen- und Tiervielfalt ein. Am Meeresgrund dürft ihr Ruinen und Wracks erkunden und entdeckt dabei womöglich den ein oder anderen Schatz. In den Tiefen der Meere findet ihr außerdem auch neue Rohstoffe und Handelsgüter.

Mobilität unter Wasser

Um die Wasserwelten von No Man’s Sky: The Abyss zu erkunden, hat Hello Games die Steuerung im und unter Wasser überarbeitet. Sogar euer Jetpack findet unter Wasser nun ebenfalls seinen Einsatz. Mit neuen Unterwasser-Gestiken, könnt ihr anderen Tauchern auch nonverbal Zeichen geben.

Ein neues Exocraft-Fahrzeug, die Nautilon, erlaubt euch unter Wasser eine noch schnellere und vor allem sicherere Fortbewegung. Auch allgemein wurde das Fahrzeugsystem überarbeitet. In den Raumstationen gibt es zudem einen neuen Händler speziell für die Exocrafts.

Die eigene Unterwasser-Basis

Was wäre der Unterwasserfokus des Updates ohne eine Erweiterung des Basis-Baus? Mit No Man’s Sky: The Abyss könnt ihr nun auch eure Basis unter Wasser erbauen. Über ein Dutzend neuer Bauelemente erweitern die kreativen Möglichkeiten. Damit ihr die schöneren Unterwasserwelten genießen könnt, sind die neuen Elemente aus Glas und ermöglichen einen schönen Blick in die Weiten der See.

No Man’s Sky bessert stark nach

Zu Release wehte dem Entwickler Hello Games ein ausgewachsener Shitstorm entgegen. Die vollmundigen Versprechungen sorgten für einen Hype, dem das kleine Entwicklerteam nicht gerecht werden konnte. Doch anstatt das Geld zu behalten und das missglückte Spiel abzuhaken, leistet das britische Team über kostenlose Updates vorbildliche Wiedergutmachung.

Das große NEXT-Update brachte das Spiel schließlich auf einen Stand, den sich Fans schon seit Release gewünscht hätten. The Abyss ist Teil des Versprechend, das Spiel auch weiterhin regelmäßig mit neuen Inhalten zu versorgen. Auch im Trailer wird angemerkt, dass noch einiger Inhalt für das Spiel folgen wird.

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Image by Hello Games

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Wenn Sci-Fi Wirklichkeit wird – Die Roboter von Boston Dynamics

Boston Dynamics Spot Mini (Screenshot by Lisa Kneidl)

Es wirkt wie ein Ausschnitt aus der Science Fiction Serie „Black Mirror“ . Nachdem Boston Dynamics ein neues Video ihres “SpotMini” veröffentlicht hatte, überstürzten sich die Reaktionen in den sozialen Medien. Quasi über Nacht wurde der vierbeinige Roboter zum viralen Hit.

In dem Video steht ein SpotMini vor einer verschlossenen Tür. Ein zweiter SpotMini, der mit einem Greifarm ausgestattet ist, ist in der Lage dem ersten problemlos ebendiese Tür zu öffnen. Der SpotMini wiegt rund 30 Kilo, kann 14 Kilo stemmen, ist rund 90 Zentimeter hoch und ist dafür gedacht Objekte zu greifen, Treppen zu steigen und als Assistenz in Büros oder Zuhause zu dienen. Als kleinere Version des Spot verfügt über einen Elektroantrieb, 17 Gelenke, einen beweglichen Greifarm und Wahrnehmungssensoren, die Stereo-Kameras, Tiefen-Kameras, eine inertiale Messeinheit und Positions-Sensoren an den Beinen. Ob und wann der SpotMini in den Verkauf geht – oder die Menschheit unterjochen will – ist nicht bekannt.

Boston Dynamics ist ein Robotik-Unternehmen aus Waltham, Massachusetts. Bevor es Teil des japanischen Telekommunikationsunternehmens Softbank wurde, gehörte die Firma zu Google. Seit 1992 werden vordergründig Laufroboter durch das Unternehmen entwickelt, die im Militär eingesetzt werden sollen.

Wenn Science Fiction zur Realität wird

Die Meinungen auf den sozialen Medien sind geteilt und schwanken zwischen Begeisterung und Unwohlsein. Zu sehr scheint der SpotMini an die Folge „Metalhead“ der beliebten SciFi-Serie Black Mirror zu erinnern. Star der gänzlich in schwarz-weiß gedrehten Episode ist ein Killer-Roboter, der in einer dystopischen Welt auf unerbittliche Menschenjagd geht – und er sieht dem Spot Mini erschreckend ähnlich! 


Screenshot by Lisa Kneidl

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Wie Blade Runner 2049 uns auf eine Zukunft mit Robotern vorbereitet

Blade Runner (adapted) (Screenshot by Warner Bros. Pictures)

Die Vorstellung von einer äußerst gefährlichen künstlichen Intelligenz, die unsere Welt übernimmt, ist den meisten unter uns dank abschreckenden Filmreihen wie Matrix oder Terminator mittlerweile nicht allzu fremd.

Aber wie sieht es mit mitfühlenden Darstellungen von Robotern aus? Während die gutmütigen Züge von Arnold Schwarzeneggers Charakter in den späten Teilen der Terminator-Filmreihe eine absolute Ausnahme dieser Zeit darstellten, werden menschenähnliche Maschinen in gegenwärtigen Kinofilmen oft hilfsbereit und in einer positiven, unterhaltsamen Weise inszeniert. Ex Machina, Chappie oder A.I. Artificial Intelligence sind nur wenige der zahlreichen Beispiele.

Der Wandel in den Darstellungsweisen von damals zu heute steht höchstwahrscheinlich auch in Verbindung mit der Art, wie sich unsere Denkweise und Beziehung zu derartigen Technologien verändert hat. Blade Runner 2049, die langersehnte Fortsetzung des Originalfilms aus dem Jahr 1982, ist Teil dieser Veränderung.

Die Fähigkeit von Science Fiction, technische Erfindungen zu inspirieren, dürfte weithin bekannt sein. Eine Vielzahl von Schriftstellern und Technologen – wie beispielsweise Arthur C. Clarke und Geoffrey Landis – sowie unterschiedliche Einfälle aus der Welt des Science Fiction regten zu den wissenschaftlichen Nachforschungen an, denen wir moderne Innovationen wie Touch Screen-Bildschirme oder Tablet-Computer verdanken. Aber das Genre erfüllt noch andere Zwecke. Im fiktiven Umfeld können nämlich mögliche Lebensweisen der Zukunft ausgetestet und die gesellschaftlichen und ethischen Begleiterscheinungen heute entwickelter Technologien entdeckt werden. Auf diese Weise kann uns Science Fiction auf den Umgang mit derartigen Ereignissen in der realen Welt vorbereiten.

Jacques Ellul, ein Philosoph und Kritiker moderner Technologien, zog nach näherer Betrachtung eine eher pessimistische Schlussfolgerung aus Science Fiction. Bereits 1980 äußerte er, dass das Genre uns einen übermäßigen und unkontrollierten Umgang mit Technik aufzeigt, um uns als Zuschauern nahezulegen, uns mit der momentanen technischen Entwicklung zufrieden zu geben.

Die negativen Aspekte der Technologie, von der wir heute Gebrauch machen, sind gewissermaßen durchtriebener als solche, die in Orwells Film von 1984 dargestellt werden – wobei sie natürlich dennoch missbraucht werden können. Selbstverständlich sind Ausführungen solcher Art zutreffend für alle Arten von dystopischer Fiktion. Einige Wissenschaftler haben die wichtige Rolle, die Science Fiction in der Haltung der Öffentlichkeit zur modernen Technologie spielt, längst erkannt und flehen entsprechende Autoren daher regelrecht an, keine dystopischen Werke mehr zu publizieren. Erfolgreich waren sie hierbei allerdings weniger, innerhalb der letzten Jahre wurde vor allem die Jugendliteratur mit Science Fiction geradezu überschwemmt.

Blade Runner

Blade Runner basiert auf Philip K. Dicks Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen? aus dem Jahr 1968. Gestaltet wird die im Jahr 2019 erschöpfte Erde, welche von den meisten Menschen zugunsten eines besseren Lebens in außerirdischen Kolonien verlassen wurde. Künstliche Menschen (Androiden), auch bekannt als „Replikanten“ wurden für die Sklavenarbeit innerhalb solcher Kolonien konstruiert. Rick Deckard (Harrison Ford) ist ein sogenannter „Blade Runner“ – Sein Job besteht darin, aufsässige Androiden zu verfolgen und sie „zur Ruhe zu setzen“ (zu töten). Erst als Deckard Rachel kennenlernt, eine Replikantin, die durch implantierte Erinnerungen manipuliert wurde und nun glaubt, ein Mensch zu sein, beginnt unsereins daran zu zweifeln, dass die Androiden sich von den Menschen unterscheiden. In Wahrheit sind sie nicht anders als die Menschen.

Teil der Intrige des originalen Blade Runner-Films – für alle, die den Director’s Cut nicht gesehen haben – ist die dauernde Diskussion, ob Deckard selbst auch ein Replikant ist. Buch und Film ziehen hier unterschiedliche Schlüsse über Deckards Identität beziehungsweise Zugehörigkeit. Die verschiedenen Aussagen von Harrison Ford und Regisseur Ridley Scott bestärken diese Spekulationen seit Veröffentlichung des Films zusätzlich.

Doch spielt die Tatsache, ob Deckard ein Replikant ist, wirklich eine Rolle? Wir alle haben bereits mit Rachel sympathisiert und fühlten eine tiefe Erleichterung, als sie und Deckard im Originalfilm ihrem persönlichen ‚Happy End‘ entgegenfahren. Wir sind an ihrer Seite, als die beiden sich gegen die unbestreitbar menschlichen Blade Runner zur Wehr setzen, welche sie ohne zu zögern „zur Ruhe setzen“ wollen.

Blade Runner 2049 greift die Handlung 30 Jahre später auf. Neue Regeln und Gesetze, um die Replikanten zu kontrollieren, wurden mittlerweile erlassen und sollen ihre eindeutige Unterscheidung von den Menschen sicherstellen. „K“ (Ryan Gosling) ist ein Blade Runner soll verdächtige Vorfälle untersuchen, die mit Deckard und Rachel aus dem früheren Film in Verbindung stehen. Er deckt Informationen auf, die große Bedeutung für die Zukunft der Replikanten und ihrer dystopischen Gesellschaft tragen – und wir alle fiebern mit, als die menschlichen Emotionen Überhand nehmen und er gegen seinen Zwang zum Gehorsam ankämpft.

Je mehr die fiktiven Roboter unser Mitgefühl erregen, desto mehr können wir uns ihre Existenz im wirklichen Leben vorstellen. Zugegebenermaßen erkennen wir Deckard und K auf der Kinoleinwand weniger als menschenähnliche Maschinen, jedoch als wirkliche Schauspieler an. Unsere Sympathie hängt größtenteils also auch mit den menschlichen Zügen des jeweiligen Darstellers zusammen. Die Sympathie, die wir mit den äußerlich menschlichen Charakteren empfinden, legt uns gleichzeitig auch eine gegensätzliche Ansicht nahe, laut welcher es sich lediglich um menschenähnliche Gestalten handelt. Ob solche Maschinen menschliche Emotionen tatsächlich so überzeugend darstellen könnten, bleibt immerhin eine andere Frage.

Die unheimliche Stadt

Eine Fragestellung von enormer Tragweite bleibt letztendlich die, wie wir tatsächlich auf die Existenz menschenähnlicher Maschinen reagieren würden. Forscher, die auf dem Gebiet der Robotik arbeiten, entwickelten hierzu das sogenannte Phänomen der „unheimlichen Stadt“, welches beschreibt, dass wir auf Roboter, die Menschen zunehmend in Erscheinungsbild und Ausdruck ähneln, genauso einfühlsam wie auf echte Menschen reagieren. Gleicht das Erscheinungsbild jedoch weniger der humanen Gestalt, schwenkt die besagte Empathie jedoch augenblicklich wieder in Ekel und Unwohlsein um.

Diese unheimliche Stadt, die zwischen den Maschinen, welche „nahezu menschlich“ – und Abscheu hervorrufen – und solchen, die „vollkommen menschlich“ – und somit eine vertraute Erscheinung abgeben – existiert, könnte von evolutionärer Bedeutung sein. Wir sind darauf eingestellt. Lebewesen, die uns ähneln, jedoch auf bestimmte Weise „fehlerhaft“ oder „mangelhaft“ aussehen mit einer ansteckenden Krankheit oder einem genetischen Defekt in Verbindung zu bringen. Oder es handelt sich um das psychologische Unwohlsein, etwas, das menschlich scheint, wie einen Roboter fortbewegen zu sehen – Menschen können Dinge gut in unterschiedliche Kategorien einordnen, reagieren allerdings irritiert, sobald diese Kategorien sich überschneiden.

Diese Vorstellung einer unheimlichen Stadt wird bedeutsam, sobald wir die Existenz von menschenähnlichen Robotern in Betracht ziehen, mit welchen wir ansonsten ausschließlich in fiktiven Geschichten in Kontakt kommen. Mit einer solchen emotionalen Dissonanz müssen wir kaum rechnen, sobald Maschinen ins Spiel kommen, die ausschließlich auf Zerstörung aus sind – wir rufen uns ihre unheimlich vertraute Erscheinung ins Gedächtnis zurück, hassen sie aber für ihre gewaltsamen Handlungen und wollen uns ihnen keineswegs ergeben. Dennoch können wir ihnen gegenüber Zuneigung, Freundschaft und sogar kameradschaftliche Gefühle empfinden.

Blade Runner 2049 regt uns an, die emotionale Grenze hinüber in die unheimliche Stadt zu überwinden. Eine Irritation erzeugt dieses Werk auf gelungene Art und Weise: Klaffende Wunden verschließen sich nicht von selbst durch eine sanfte Berührung – und niemand sollte einfach zu töten sein. Aber die offensichtlich nicht-humanen Eigenschaften von K schützen uns nicht davor, seine ebenso menschliche Seite zu akzeptieren oder gemeinsam mit den unterdrückten Replikanten zu leiden. Diese beiden Tatsachen bleiben in der trostlosen Welt von Blade Runner erhalten.

Würden Roboter also jemals eine autarke Annäherung an die menschliche Psyche erzeugen, könnten sie offen von uns Menschen empfangen und in unsere Gesellschaft aufgenommen werden. Wenn sie nur menschlich genug erscheinen und agieren, würden wir ihre weniger menschlichen Eigenschaften schlichtweg hinnehmen und ignorieren. Immerhin haben wir diese fiktiven Erscheinungen in Geschichten seit Jahren willkommen geheißen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf The Conversation unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Screenshot (adapted) „Blade Runner“ by Warner Bros. Pictures


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Internet immer, Schlafen nimmer: Die Menschheit im Jahr 2167

uge (adapted) (image by geralt [CC0] via pixabay)

Wir leben in einer von Technologie geformten Welt. In den kommenden 150 Jahren des Fortschritts und der Entdeckung wird sie sich noch mehr verändern. Das Leben im Jahr 2167 wird erstaunlich, aufregend, praktisch – und ist trotzdem noch vorstellbar für jemanden aus dem Jahr 2017.

Jede konkrete Vorhersage darüber wie das 22. Jahrhundert wohl aussehen wird, wird fast mit Sicherheit falsch sein. Dennoch könnten bahnbrechende Entwicklungen in der Wissenschaft und reine Annahmen aufzeigen, was die Zukunft bereithalten könnte. Es ist unausweichlich, dass wir mit unseren eigenen Körpern experimentieren werden. Die Wohlhabenden werden routinemäßig ihre Gene überarbeiten und ihre Babys designen. Ob reich oder arm, fast jeder wird einen implantierten Internet-Chip tragen, sodass wir innerhalb eines Wimpernschlags online sein können. Und nachdem wir die Notwendigkeit zu schlafen beseitigt haben, werden wir sowohl sehr viel produktiver sein als auch weit mehr Zeit für Freizeit haben.

Menschlichkeit

Wir werden sicherlich länger leben als jetzt und wir werden größtenteils gesund bleiben, bis wir unser Ende erreichen. Allerdings werden frühere Versprechen von Verjüngung oder Unsterblichkeit niemals verwirklicht werden. Und was ist mit den kryogenisch eingefrorenen Köpfen? Sie werden immer noch gelagert werden.

Mehr verwegene Experimente werden versuchen, die eigentliche Definition von Bewusstsein zu verändern: Computer werden ein Bewusstsein erlangen und viele (aber nicht alle) von uns werden akzeptieren, dass Maschinen die gleichen Rechte haben werden wie wir Menschen. Einige werden sogar damit beginnen, sich in die gegenteilige Richtung zu bewegen, indem sie ihr Bewusstsein auf Software überspielen, um sich selbst von den Einschränkungen des verfallenden menschlichen Körpers zu befreien. Kernfusionen oder andere Energiequellen werden unbegrenzte, billige Energie hervorbringen. Demzufolge kann das fliegende Auto wirklich existieren.

Keine Wunder

Kanada wird jedoch auch nach 300 Jahren kein Land der Wunder sein. Unser Leben findet mitten im permanenten Klimawandel statt – der Schaden wird dann bereits angerichtet sein. Kriege sind ausgefochten, Regierungen gefallen und die Schere zwischen arm und reich dramatisch auseinandergegangen. Aber in den großen Städten Nordamerikas, die wir dem Meer abgetrotzt haben werden, sieht die schonungslose Wirklichkeit so aus, dass Menschen sich anpassen werden und das Leben weitergehen wird.

Über den Tellerrand hinaus betrachtet, deutet die atemberaubende Anzahl an Sternen in unserer Galaxie, der Milchstraße, darauf hin, dass wir Kontakt mit anderem intelligenten Leben hergestellt haben werden – und wir werden mit den Konsequenzen ringen. Tatsächlich könnten wir in jenen Tagen damit begonnen haben, selbst mit langsamen, schwerfälligen Schiffen eine ewig lange Reise zu den Sternen zu machen.

Realitäts-Check

So futuristisch all das auch klingen mag – die utopische Zukunft im Star-Trek-Stil, wie sie viele von uns erhoffen, wird Fiktion bleiben. Teleporter könnten theoretisch möglich sein, sind aber absolut unpraktisch. Und egal ob Warp-Antrieb oder Wurmlöcher, wir werden nicht mit Überlichtgeschwindigkeit durch die Galaxie schwirren. Wir werden noch keine Post-Mangelgesellschaft erreicht haben, in der Geld nicht mehr länger existiert.

Und was ist abschließend mit dem besten aller Science-Fiction-Träume, dem Zeitreisen? Nun ja, es gibt einen Grund, warum jede Geschichte über Zeitreisen voll mit Widersprüchen ist: Weil es traurigerweise etwas ist, das (zumindest meiner Meinung nach) niemals in der echten Welt passieren wird.

Auch im Jahr 2167 wird es nur einen Weg geben, durch die Zeit zu reisen: Jahr für Jahr und mit allen zusammen – hinein in eine ungewisse Zukunft.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Auge“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Leben wir in der Matrix? Was Elon Musk glaubt – und was wirklich dran sein könnte

In einem Interview im vergangenen Jahr hat der Technikunternehmer Elon Musk darauf hingewiesen, dass wir inmitten einer Computersimulation leben. Hört man das zum ersten Mal, scheint diese Behauptung weit hergeholt. Als Gründer von mehreren namhaften Unternehmen wie Tesla und Space X liegen die Interessen von Musks Geschäft eindeutig in führenden Technologien.

Der Schlüssel zu seiner Behauptung ist, dass sich Computerspiele in den letzten 40 Jahren rapide bis zu dem Punkt weiterentwickelt haben, dass sie innerhalb der nächsten paar Jahre so gestaltet sein werden, dass man vollkommen in ihnen verloren gehen kann. Dies geschieht mittels einer computergenerierten und kontrollierten Welt, die nahtlos mit der physischen Welt verschmolzen sein wird. Anders gesagt, wir sind kurz davor, eine Art erweiterte Realität (AR) zu erleben, die mit künstlicher Intelligenz einhergeht. Letztlich könnten die realen Erlebnisse und die Simulationen voneinander nicht mehr zu unterscheiden sein.

Musk sagt dazu folgendes: „Wenn Sie ein beliebiges Maß an Veränderung annehmen, werden die Spiele von der Realität nicht mehr zu unterscheiden sein. Das kann sogar dann passieren, wenn dieses Maß an Fortschritt im Vergleich zu dem jetzigen Standpunkt massiv abfallen würde. Dann sagen Sie einfach, okay, stellen wir uns vor, es sind 10.000 Jahre in der Zukunft. Auf der Evolutionsskala ist das noch gar nichts.

Also angenommen, wir bewegen uns dorthin, wo Spiele von der Realität nicht mehr unterscheidbar sind und diese Spiele könnten auf jedem digitalen Gerät oder einem PC oder wo auch immer gespielt werden und da wären vermutlich Billionen von diesen Computern und digitalen Geräten, dann wäre die logische Konsequenz, dass die Chance dafür, dass wir uns in der Basisrealität befinden, etwa eins zu einer Milliarde.“

Die Idee, dass Menschen in einer Realität leben, die von außenstehenden Institutionen wie Computern oder anderen Entitäten kontrolliert werden, geht schon seit einer Weile um. Dies ist eine Frage, die Philosophen und sogar Physikern über die Jahrhunderte hinweg erforscht haben. Der Philosoph Nick Bostrom kam schon 2003 zum gleichen Entschluss.

Die Ähnlichkeiten zwischen den Argumenten, die von Musk und Bostrom hervorgebracht wurden, gehen allerdings weiter als nur anzunehmen, dass wir ein Teil einer größeren Computersimulation sind. Beide betrachten die Entwicklung der künstlichen Intelligenz (KI) als einen gefährlichen Technikbereich. Laut Musk wird das Ergebnis des Fortschritts der KI-Forschung und ihrer Entwicklung das Ende der Zivilisation darstellen. Bostrom vertritt einen ähnlichen Standpunkt, sollte eine angemessene Risiko-Beurteilung während den Entwicklungsprojekten nicht durchgeführt werden.

Fakt oder Fiktion?

Aber ist das nur Paranoia? Die Behauptungen beinhalten mehr als seine bestehende Ähnlichkeit zu Science-Fiction-Filmen, wie Matrix und Odyssee im Weltraum, aber sind die von Musk und Bostrom geäußerten Ansichten wirklich Grund zur Sorge?

Die Möglichkeit, dass wir nicht in einer Simulation leben, wird stark durch wissenschaftliche Argumente unterstützt. Man bedenke die unglaubliche Rechenkraft der Computer, die benötigt würde, um eine solche Simulation zu erstellen. Ein Simulationssystem müsste all die Einheiten der Welt und deren Interaktionen managen. Dies würde eine riesige Menge an Verarbeitung erfordern. Weitere Unterstützung kann in Argumenten hinsichtlich der Quantenmechanik gefunden werden – eine wahrhafte lebensechte Simulation einer Stadt zu betreiben, mit all ihren Milliarden an Interaktionsbeispielen, würde einen Rechner erfordern, der ebenso groß wie eine Stadt ist. Das macht die Möglichkeit, dass wir in einer Simulation leben, höchst unwahrscheinlich.

Gesetzt dem Fall, eine Maschine würde existieren, die unsere Existenz simulieren könnte, wäre die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass wir sogenannte “Realitätsmängel“ erleben würden. Diese Fehler in der Simulation würden durch Pannen im Modell gesehen oder gehört werden.  Beispielsweise würden Sterne entweder existieren oder nicht, wenn sie durch Teleskope verschiedener Größen betrachtet werden. Solche Fehler wären in einer Simulation von diesem Ausmaß unausweichlich, aber bisher hat kein Mensch solcherlei Fehler bemerken können.

Maschinen, die mittels Selbstlernfunktion arbeiten oder eine Art superintelligenter Softwares sind immer noch sehr weit entfernt von dem momentanen Entwicklungsstand entfernt, außerdem können Systeme, die KI nutzen, diese nur in sehr eingeschränkt definierten Bereichen verwenden. Gegenwärtige Systeme lernen es, ihre Leistung in spezifischen Arbeitsbereichen zu optimieren – und gerade nicht die Welt zu übernehmen.

Neuronale Netzwerke, die manchmal auch als elektronisches Modell des Gehirns betrachtet werden, werden beispielsweise verwendet, um Veränderungen in Aktienmärkten vorauszusagen. Mithilfe der Nutzung von vorhandenen Aktiendaten können diese Systeme darauf trainiert werden, Gewohnheiten in Live-Datenübertragungen zu identifizieren, die darauf hinweisen könnten, dass etwas passieren wird. So können Händler rechtzeitig etwas tun, um negative Auswirkungen abzuschwächen.

Zudem gibt es Systeme, die eigens entwickelt wurden, um KI-Technik zu verwenden. Sie sollen die Arbeitsbelastung abmildern, indem sie voreingestellte Regeln und Fakten anwenden. Diese kennt man als wissensbasierte Systeme. Während die menschlichen Nutzer dieser Systeme nicht mitbekommen, dass sie mit einer Maschine interagieren – so wie Jill, der KI-Online-Tutor, der in einem KI-Kurs Fragen von Studenten beantwortet und ihnen Feedback gibt, sind sie auch entwickelt worden, um an oder mit klar definierten Problemen oder Bereichen zu arbeiten. 

Nimmt man die eingeschränkten Bereiche, in denen KI-Systeme entwickelte werden, erscheint die Gefahr, dass es zu einem Ende der Zivilisation durch die Erschaffung einer KI kommt, sehr gering. Tatsächlich wird die KI hauptsächlich dazu verwendet, um menschliche Entscheidungen und Handlungen zu unterstützen, statt sie zu ersetzen.

Alternative Realität

Allerdings scheint Musk in einem gewissen Teil seiner Theorie davon auszugehen, dass bestimmte Dinge in der nahen Zukunft auftreten werden. Eines davon ist die Entwicklung von Technologien, die die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine unterstützen sollen. Während wir im Alltag immer abhängiger von technischen Geräten werden, verändert sich die Art und Weise, wie wir sie nutzen, permanent. Unser Verlangen, auf Daten zuzugreifen und zu kommunizieren, hat zu einer Weiterentwicklung im Bereich der Wearables geführt. 

Musk behauptet, dass wir für die KI zu einer Art Haustier werden, sollten wir keine effektive Schnittstellen zwischen Hirn und Maschine entwickeln. Allerdings setzt sich Steve Mann, der Begründer der Wearables und der erweiterten Realität, dafür ein, beide Technologien zu kombinieren, damit die Gesellschaft davon profitiert. Diese Idee hat Hand und Fuß, da viel Arbeit auf unterstützende medizinische Systeme ausgelegt ist. Forscher entwickeln beispielsweise Hirnimplantate, um elektronische Signale im Gehirn zu nutzen und die Bewegung von beeinträchtigten Gliedmaßen zu stimulieren.

Es ist anzunehmen, dass wir eher nicht in einer Computersimulation leben und die Behauptungen von Musk haarsträubend sind. Dennoch denkt er in die richtige Richtung, denn wir werden in Zukunft noch viel mehr technische Entwicklungen erleben.

Künftige Entwicklungen innerhalb der AR und mit ihr verwandte Technologien werden uns in einer Welt leben lassen, die zunehmend miteinander verbunden ist. In diesen erweiterten Realitäten werden wir nahtlosen Zugang zu Daten und digitalen Darstellungen haben, die in die physische Welt projiziert werden. KI-Technik hilft uns dabei, die Daten zu verstehen und Entscheidungen zu treffen, die von Computern aufgestellt worden sind. Aber auch wenn sie in ihren Funktionen erweitert sind, werden diese Realitäten immer noch auf und in der echten Welt geschaffen sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „sea-landscape-nature-sky“ by Bradley Hook (CC0 Public Domain)


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Irgendwann in Cyborgland: Ghost in the Shell weicht den philosophischen Zukunftsfragen aus

Ghost in the Shell (adapted) (Image by Christian Frank [CC BY 2.0] via flickr).jpg

Wie eng werden wir mit unserer Technologie in Zukunft zusammenleben? Inwiefern wird sie uns verändern? Und wie nah ist “nah”? Ghost in the Shell stellt sich eine futuristische, hochtechnologische, jedoch auch schmutzige und ghettoartige Metropole vor, die von Menschen, Robotern und technologisch erweiterten menschenartigen Cyborgs bewohnt wird.

Hinter Fähigkeiten wie übermenschlicher Stärke, Ausdauer und einem Röntgenblick, die alle durch körperliche Erweiterungen ermöglicht werden, liegt einer der transformativsten Aspekte dieser Welt, nämlich die Tatsache, dass wir als Cyborgs zwei Hirne statt nur einem besitzen können. Unser biologisches Gehirn – der “Geist” in der “Schale” – würde sich via neuralen Implantaten mit leistungsfähigen Computern verbinden, die uns blitzschnelle Reaktionen sowie erhöhte Kräfte im Bereich Schlussfolgerung, Lernen und Gedächtnis ermöglichen.

Im Jahr 1989, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, sah der japanische Künstler Masamune Shirow, der Verfasser der Mangaversion von Ghost in the Shell, voraus, dass diese Schnittstelle zwischen Hirn und Computer die fundamentale Einschränkung des Menschlichen überwindet: Dass unsere Gedanken in unseren Köpfen gefangen sind. In Shirows transhumaner Zukunft wären unsere Geister befähigt, herumzuwandern und Gedanken und Eindrücke an andere verbundene Hirne weiterzugeben, via Cloud in entfernte Geräte und Sensoren einzudringen und sogar in das Hirn eines anderen “hineinzutauchen”, um dessen Erfahrungen zu verstehen.

Shirows Geschichten mahnten ebenso einige der Gefahren dieses gigantischen technologischen Sprungs nach vorn an. In einer Welt, in der Wissen mit Macht gleichzusetzen ist, würden diese Schnittstellen der Hirnrechner neue Wege für Überwachung und Kontrolle der Regierung und neue Arten von Verbrechen wie beispielsweise den “Geistraub” – ferngesteuerte Kontrolle von Gedanken und Handlungen anderer, erschaffen. Trotzdem gibt es zu Shirows Erzählung auch eine spirituelle Seite: Dort könnte der Cyborgzustand der nächste Schritt in unserer Evolution darstellen und die Erweiterung der Perspektive und die Verbindung von Individualität mit einer Verbindung von Geistern ein möglicher Weg zur Erleuchtung sein.

Lost in translation

Stark anlehnend an die Neuerzählung der Version von Regisseur Mamoru Oshii aus dem Jahr 1995 präsentiert die aktuelle Hollywood-Interpretation mit Scarlett Johansson als Major einen Cyborg für Sektion 9, einer von der Regierung betriebenen geheimen Sicherheitsorganisation, die beauftragt ist, Korruption und Terrorismus zu bekämpfen. Der neue Film unter der Regie von Rupert Sanders ist visuell atemberaubend und die Geschichte stellt einige der besten Szenen des Animes liebevoll nach.

Schade ist jedoch, dass Sanders’ Film sich betreffend der Kernfrage, wie diese Technologie den menschlichen Zustand verändern könnte, deutlich zurückhält. Wenn die Besetzung mit westlichen Schauspielern für die meisten Rollen schon nicht genug ist, übt er eine Form von kultureller Aneignung durch die Überlagerung des Mythos eines actiongeladenen amerikanischen Helden aus. Wer man ist, wird von den einen Handlungen in einer Art definiert, dass beinahe das genaue Gegenteil dieser Idee verkörpert wird.

Major kämpft die Schlachten ihrer Herren mit einer zunehmenden Zurückhaltung und hinterfragt die von ihr verlangten Taten, immer steht eine mögliche Flucht und ein Reflektieren im Raum. Sie ist keine Actionheldin, sondern jemand, der versucht, Fragmente von Bedeutung innerhalb der Existenz als Cyborg zusammenzufügen,  mit man sich ein lebenswertes Leben zusammensetzen kann.

Eine Szene in der Mitte des Films zeigt noch schonungsloser die zentrale Rolle, die die Gedanken rund um die eigene Erschaffung spielen. Wir sehen den kompletten Zusammenbruch eines Mannes, der, seines ‚Geistes‘ beraubt, mit der Feststellung zu kämpfen hat, dass seine Identität mit falschen Gedanken eines Lebens, das nie gelebt wurde, und einer Familie, die niemals existierte, zusammengesetzt ist. Der Anime aus dem Jahr 1995 besteht darauf, dass wir lediglich aufgrund unserer Erinnerungen zu Individuen geworden sind. Während der neue Film den größten Teil des Geschichtsverlaufes beibehält, verweigert er sich den Schlussfolgerungen der Vorlage. Statt uns über unsere Erinnerungen zu definieren, sagt uns Majors Stimme, dass „wir an Erinnerungen hängen, als ob diese uns definieren, wir jedoch von unseren Handlungen definiert werden“. Vielleicht soll es beruhigend gemeint sein, für mich ist es jedoch verwirrend und entspricht nicht der Idee des ursprünglichen Films.

Der neue Film weicht ebenso von einer anderen Schlüsselidee aus Shirows Werk ab, dass der menschliche Geist, eigentlich sogar die gesamte menschliche Rasse, im Grunde aus Informationen besteht. Wenn der Anime aus dem Jahr 1995 die Möglichkeit behandelt, den Körper verlassen zu können, die das Bewusstsein in  höheren Ebenen befördert und man so „an allen Dingen teilhaben kann“, gibt die Neuverfilmung lediglich verschleierte Hinweise darauf, dass der Zusammenschluss von Geistern oder die Formung eines menschlichen Geistes mit dem Internet entweder positiv oder auch nur transformativ sein kann.

Offene Leben

In der  echten Welt sehen wir uns bereits jetzt mit dem Gedanken von verbundenen Geistern konfrontiert. Touch-Bildschirme, Tastaturen, Kameras, Handys oder gar die Cloud: Wir sind immer mehr direkt und unmittelbar mit einem erweiternden Kreis von Menschen verbunden, während wir unser privates Leben der  Überwachung und einer potenziellen Manipulation von Regierungen, Werbetreibende oder schlimmerem offenhalten.

Die Schnittstellen zwischen Hirn und Computern sind ebenso im Kommen. Es existieren bereits Hirnimplantate, die einige der Symptome von Hirnerkrankungen wie Parkinson und Depression lindern können. Andere werden entwickelt, um Beeinträchtigungen wie beispielsweise Blindheit oder gelähmte Gliedmaßen zu kontrollieren. Auf der anderen Seite wurde die ferngesteuerte Verhaltenskontrolle mit implantierten Gehirnstimulatoren mit verschiedenen Tierarten demonstriert – eine erschreckende Technologie, die – zumindest theporetisch – auch an Menschen angewendet werden könnte.

Die Möglichkeit, unseren Geist freiwillig zu verbinden, ist ebenso vorhanden. Geräte wie Emotiv sind einfache, tragbare, auf Elektroenzophalografie (EEG) basierte Geräte, die einige der von unserem Hirn ausgestoßenen charakteristischen Signale erkennen und intelligent genug sind, um diese Signale zu interpretieren und in nützlichen Output zu verwandeln. Beispielsweise kann ein mit einem Computer verbundenes Emotiv ein Videospiel mit den bloßen Gedanken des Trägers kontrolliert werden.

Zu den Aspekten der künstlichen Intelligenz untersuche ich in meinem Labor bei Sheffield Robotics die Möglichkeit, Nachbildungen mit Robotern für Veranstaltungen zu bauen. Diese Verschmelzung solcher Systeme mit dem menschlichen Gehirn ist mit der heutigen Technologie bisher nicht möglich – es ist jedoch in den nächsten Jahrzehnten vorstellbar. Wer wäre nicht interessiert, wenn ein Implantat entwickelt werden würde, das unser Gedächtnis und unsere Intelligenz verbessern könnte? Solche Technologien zeichnen sich bereits am Horizont ab – und solche SciFi-Ideen wie bei Ghost in the Shell machen deutlich, dass wir gut daran täten, die Macht der fundamentalen Veränderung der condition humana nicht zu unterschätzen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Ghost in the Shell“ by Christian Frank (CC BY 2.0)


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Wer Parkbänke besetzt, sollte sich nicht als Revoluzzer inszenieren

revolution (adapted) (Image by keep_bitcoin_real [CC BY 2.0] via flickr)

Viele Konzernmanager denken nur an die gut geölte Effizienz der New Work-Belegschaft und die Bonus-Zahlungen ihrer Fünfjahres-Verträge. Ist es nicht an der Zeit, ihr leeres Geschwätz zu entlarven? Also jene Protagonisten, die uns mit Exporterfolgen, gut aufgestellten und fokussierten Sätzen benebeln oder mit New-Age-Weisheiten ins Koma reden – etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos, das mit ganzheitlichen Esoterikritualen in Luxushotels aufwartet, damit alte Seilschaften die Öffentlichkeit mit neuen Phrasen bedienen können.

Schon am zweiten Tag erstickt man beim Elitetreffen in den Schweizer Alpen an einer Wolke von Abhandlungen und Parolen, die alle direkt aus irgendwelchen Handbüchern für Persönlichkeitsentwicklung und positive thinking entnommen sind, bemerkt der französische Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmproduzent Emmanuel Carrère. Die inflationäre Beschwörung von positiven Floskeln und die völlige Entkopplung von jeder Alltagserfahrung sind beim Davoser Klassentreffen so penetrant, dass auch der gelassenste Beobachter am Ende zwischen revolutionärer Empörung und schwärzestem Sarkasmus hin und her schwankt.

Revolte hinter Absperr-Gittern

Man sollte das Ganze nur noch mit Gelächter begleiten angesichts dieser Kilometer von selbstgefälligen, überzogenen Kommuniqués, die dazu einladen, ‚to improve the state of the world‘, den Zustand der Welt zu verbessern, ‚to expect the unexpected‘, das Unerwartete zu erwarten – nur nicht den eigenen Niedergang. Dafür sollte man aber ‚to face the talent challenge‘, also die Talentsuche als Herausforderung annehmen und irgendwie ‚to enter the human age‘ – also Eintreten ins Zeitalter der Menschen oder so.

Wie kann man bei dieser Phrasendrescher-Rhetorik Gegenpositionen entwickeln? Sicherlich nicht mit Iglus und Jurten, die die Occupy-Bewegung mit einem kleinen Häuflein von zwanzig Schweizer Jung-Sozis vor ein paar Jahren während des Weltwirtschaftsforums aufbauten. Sie frieren sich hinter Absperrgittern den Hintern ab und verteilen brav Flugblätter, die überhaupt nichts Revolutionäres enthalten: ‚Nieder mit den Finanzgeschäften‘ oder ‚Unser Leben ist mehr als Eure Profite‘ haut nun wirklich keinen Banker vom Sockel. Am Schluss winkt dann vielleicht eine Diskussionsrunde mit dem täglich meditierenden Davos-Häuptling Klaus Schwab zum Thema ‚Warum wir Euch brauchen?‘.

Occupy ist toll, Google ist toll und Lizenzverkäufe an WalMart sind toll

Occupy war wohl ein überschätztes Ereignis, vermutet der Publizist Thomas Frank. Ihrem Namen zum Trotz besetzte die Bewegung keine Banken, sondern Parkbänke, die mit Camping-Zelten umbaut wurden. Dafür kreierten die Akteure den gelungenen Slogan ‚We are the 99%‘ und ein nettes Plakat mit der Ballerina auf dem Wall-Street-Bullen. Das war so gut, dass WallMart die Lizenz kaufte. Protest-Ikonen, wie die selbst ernannte Anarchistin Justine Tunney, sehen ‚Occupy Wall Street‘ wohl mehr unter Markenrechtsgesichtspunkten.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass Tunney nach Auflösung der Zuccotti-Park-Besetzung von Google als Software-Ingenieurin eingestellt wurde. Ihre Rechtfertigung würde Karl Marx wohl noch nicht mal mit Verachtung bestrafen: „Zwar operiert Google innerhalb des kapitalistischen Systems, aber sie tun viel Gutes für die ganze Welt. Ich respektiere Google und würde niemals versuchen, die Firma zu sabotieren.“ Auweia.

Dass eine Aktivistin Parolen wie ‚Stomp out capitalism’ in die Welt streut und zugleich das Loblied ihres Arbeitgebers mitsingt, mag seltsam anmuten. Dabei ist sie nur konsequent; bereits während der Besetzung hatte sie ihr superkritisches Kapitalismusverständnis unter Beweis gestellt: ‚Diese Bewegung hat nichts gegen Konzerne, sie ist nur gegen Wall Street’“, schreibt Guillaume Paoli in seinem Beitrag ‚Marktkonforme Antikapitalisten‘, erschienen im Matthes & Seitz-Band ‚Zonen der Selbstoptimierung‘.

Hacktivisten-Unterwanderung für Klickverkäufe

Pharisäer sind auch im deutschen Ableger des Hacktivisten-Kollektivs Anonymous aktiv. Sie haben sich zumindest eingeschlichen. Etwa Mario Rönsch, der hinter der berühmten Guy-Fawkes-Maske nicht nur abstruse Verschwörungstheorien absondert, von Lügenpresse schwafelt und bösartige Pläne einer weltumspannenden Illuminati-Bewegung an die Wand malt, sondern sein Geld mit der Firma ‚Fandealer‘ macht. Er verkauft Klicks von Facebook-Fans und Twitter-Followern an Marken und Konzerne, die ihren Einfluss in der digitalen Welt künstlich aufbauschen wollen. „Ob es um das Politische oder um das Geschäft geht, der gelernte Bankkaufmann hat gut verstanden, wie Simulationsökonomie funktioniert“, führt Paoli aus.

Heute lesen Netzrevoluzzer wohl nicht mehr Marx oder Engels, sondern eher Robert Heinlein, der langweilige Science Fiction über futuristischen Gruppensex zu Papier bringt. Roboter, die dauergeil durch die Gegend torkeln und Marsianer wie Michael Valentine, die gerne vögeln und Erdlingen beibringen, wie Marsianer zu vögeln.

Solche Wirrköpfe werden dazu beitragen, dass die Vulgärkapitalisten auch in Zukunft in Ruhe ihren Geschäften nachgehen können. Wahrscheinlich arbeitet die Konzernfreundin Justine Tunney im Verbund mit Ray Kurzweil an einer technologischen und singulären Befreiungstheologie und will uns den Roman-Mist von Vernor Vinge als Religionsersatz überstülpen. Vorher muss natürlich noch ein Slogan und ein Logo entwickelt werden – sonst können Handelskonzerne wie WalMart keine Lizenzen kaufen. So erobert man die Welt. Das Notiz-Amt versagt sich weitere Kommentare.


Image (adapted) „revolution“ by keep_bitcoin_real (CC BY 2.0)


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Warum in naher Zukunft spielende Science-Fiction so beängstigend ist

Binär (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Von Humans bis Westworld, von Her bis Ex Machina, und von Agents of S.H.I.E.L.D bis Black Mirror – Science-Fiction, die in der nahen Zukunft spielt, gab dem Publikum in den letzten Jahren einige unangenehme und prophetische Visionen der Zukunft. Laut diesen alternativen oder ausgedachten Zukunftsszenarien steht uns eine posthumane Realität bevor, in der die eigenen Geschöpfe gegen die Menschen ankämpfen oder sie gar ersetzen. Diese Geschichten zeigen eine Zukunft, in der unsere Leben durch Wissenschaft und Technologie verändert werden, sodass der Mensch neu definiert wird.

Das Teilgenre der Science-Fiction in naher Zukunft umfasst eine Zukunft, die sich nicht weit vom Zeitpunkt der Entstehung der Geschichten befindet.

Die Serie Humans von Channel 4 AMC stellt sich eine nahe Zukunft oder alternative Welt vor, in der fortgeschrittene Technologie zur Entwicklung von anthropomorphischen Robotern geführt hat, die Syths genannt werden und schließlich ein Bewusstsein erlangen. Als die Syths immer weniger von den Menschen unterschieden werden können, ergründet die Serie Standpunkte darüber, was den Menschen ausmacht, und zwar gesellschaftlich, kulturell und psychologisch.

Die zweite Staffel beschäftigte sich vor allem mit den Rechten in Bezug auf die Fähigkeit, zu denken und zu fühlen – und das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren. Odi, ein Syth des längst überholten NHS-Pflegesystems aus Großbritannien, der in beiden Staffeln mitspielt, wählt eine Form von Suizid (indem er in seine Werkseinstellungen zurückkehrt und ein Bewusstsein ablehnt), da er mit seinem neuen Leben nicht zurechtkommt.

Die Roboter, die den Zukunftsthemenpark in Westworld bewohnen, werden auch als Spielzeug der Superreichen vorgestellt. In beiden Fällen kreieren die fiktionalen Wissenschaftler David Elster (in Humans) und Robert Ford (bei Westworld), die diese Androiden geschaffen haben, Möglichkeiten für ihre Kreationen, so dass diese „menschlich werden“, und tun dies mit einer Vielzahl an Beweggründen und sowohl utopischen als auch schrecklichen Möglichkeiten. Beide Serien stellen die Unterscheidung zwischen „realem“ und „künstlichem“ Bewusstsein und die Schwierigkeiten einer Kreation, die zum Leben erwacht, in Frage.

Zu glaubwürdig

Die Herausforderung für Science-Fiction der nahen Zukunft liegt darin, dass sie sich nach den neuesten Entwicklungen in Wissenschaft und Technologie richten muss, um glaubwürdig zu sein. Dies bedeutet, dass es passieren kann, dass die Geschichte obsolet wird oder sich sogar zu Lebzeiten des Erschaffers abspielen kann. Nachrichtenübertragungen und Kommentare von Wissenschaftlern wie Stephen Hawking über die Gefahren von künstlicher Intelligenz und Bedenken, dass „die Menschheit der Architekt ihrer eigenen Zerstörung ist, wenn es eine Superintelligenz mit eigenem Willen schafft“, machen die Ängste in Filmen und Serien noch realistischer und furchteinflößender.

Einige der beliebtesten Werke der Science-Fiction heutzutage nehmen die Wissenschaftler der echten Welt als Grundlage und führen diese bis zu einem möglichen Ausgang weiter, was zeigt, dass sie einen direkten Einfluss auf unser Leben haben kann und nicht nur auf globale und intergalaktische Ereignisse in ferner Zukunft. Geschichten über die nahe Zukunft haben deutlich zugenommen, da sie beim Publikum und bei Filmemachern gleichermaßen beliebt sind. Sie bieten Raum für Diskussionen über die Auswirkungen von glaubwürdigen Veränderungen wie dem Betriebssystem mit künstlicher Intelligenz Samantha (gesprochen von Scarlett Johansson) im Film Her oder den Kontaktlinsen, die durch Gedanken gesteuert sind, die in verschiedenen Formen in Folgen von Charlie Brookers Black Mirror vorkommen.

Diese Fiktion in der nahen Zukunft bietet vorhersehende Alternativen zu anderer Science-Fiction, die in ferner Zukunft spielt. Man denke nur an die beängstigende Bedeutsamkeit von ‚The Handmaid’s Tale‘ (zu deutsch: ‚Der Report der Magd‘). Der Roman von Margaret Atwood wurde für das Fernsehen verfilmt und wird Ende April ausgestrahlt. Es spielt in einer getrenntgeschlechtlichen, theokratischen Republik, die auf Wohlstand und Klasse fixiert ist. Frauen werden nach ihrer Fähigkeit, zu gebären bewertet, in einer nahen Zukunft, in der Umweltkatastrophen und zahllose Geschlechtskrankheiten die Mehrheit der Bevölkerung unfruchtbar gemacht haben.

Inmitten von wachsender Angst vor religiösem Konservatismus in Amerika im Trump-Zeitalter bemerkt Samira Wiley, einer der Stars der neuen Verfilmung, dass es “uns die Atmosphäre zeigt, in der wir leben und besonders in Bezug auf Frauen und ihre Körper und wer darüber die Kontrolle hat“.

Die alternativen Welten und ausgedachte Zukunft von Science-Fiction, egal ob schrecklich oder utopisch, zwingt das Publikum, seine eigene Realität zu betrachten und zu bedenken, wie Veränderungen unserer Gesellschaften, Technologien und sogar unserer eigenen Körper aussehen und unsere eigene Zukunft direkt beeinflussen könnten. Ob sie eine positive oder negative Zukunft zeigt, Science-Fiction zielt auf eine Reaktion und betont Themen, die jeden einzelnen betreffen – nicht nur Wissenschaftler und Regierungen.

Vergangenheitsschock

In gewisser Wiese hat die Science-Fiction uns eingeholt. Die Idee, dass wir Androide als Diener oder eine persönliche Beziehung zu unseren Computern haben, hat sich durch den persönlichen Assistenten Siri von Apple herausgestellt. Die Forschung von selbstheilenden Implantaten hat die Aussicht eröffnet, dass unsere Körper übermenschliche Fähigkeiten annehmen.

Die Zukunft ist nicht so weit hergeholt, wie sie es einmal war – und oft fühlen sich Zukunftsszenarien, die wir auf den Bildschirmen sehen, so an, als müssten sie bereits da sein oder als seien sie bereits da, obwohl sie es nicht sind. Wir wechseln womöglich von einem „Zukunftsschock“, wie es der Futurologe Alvin Toffer nennt, zu einer Art „Vergangenheitsschock“.

Toffler definiert den Zukunftsschock als “zu viel Veränderung in einem zu kurzen Zeitraum“ – ein überwältigender psychologischer Zustand, der sowohl Gesellschaften als auch Individuen betrifft, die mit der Geschwindigkeit von technologischen Veränderungen, die scheinbar stetig die Auffassungen von sich selbst und der Gesellschaft verändern, nicht mithalten oder diese nicht verstehen können. Wir betreten nun aber möglicherweise ein Zeitalter des ‚Vergangenheitsschocks‘, in dem wir uns technologische Veränderungen vorstellen und diese akzeptieren können, bevor sie entwickelt oder gar patentiert wurden. Der Schock besteht nicht mehr aufgrund der Geschwindigkeit des technologischen Wandels, sondern eher aufgrund der scheinbaren Verlangsamung, da Wissenschaftler nicht mit unseren vorgestellten Zukunftsszenarien mithalten können. Wenn die Grenze zwischen der realen Welt und Science-Fiction schwammiger wird, fühlt sich die Zukunft näher an als je zuvor.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Binär“ by geralt (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • SPACEX golem: Wiederverwendung soll normal werden: Nachhaltigkeit im Weltraum – das Projekt war 15 Jahre in Arbeit und nun ist es den Entwicklern von SpaceX endlich gelungen, eine wiederverwendbare Antriebsrakete, die „Falcon 9“, ins All zu schicken. In der Nacht zum Freitag startete die Rakete im Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida und landete rund zehn Minuten später auf einer schwimmenden Plattform im Atlantik. Gründer und Multi-Unternehmer Elon Musk sprach von einem Meilenstein in der Raumfahrt. Für 2018 hat sich Musk für das Projekt „Falcon 9“ schon wieder höhere Ziele gesetzt.

  • VIRTUAL REALITY gruenderszene: Oculus-Gründer Palmer Luckey verlässt Facebook: Er brachte mit seiner Firma “Oculus VR” das angestaubte Thema “Virtual Reality” wieder ins öffentliche Intersse, um kurz darauf von Social-Media-Übermacht Facebook aufgekauft zu werden. Heute ist jedoch Oculus-Gründer Palmer Luckeys letzter Tag bei Facebook. Der Konzern möchte sich derzeit nicht weiter zu den Gründen äußern, Luckeys Ruf hat jedoch die letzten Monate durch diverse Vorkommnisse – beispielsweise die Unterstützung durch Donald Trump und aktive Verunglimpfung von Hillary Clinton – gelitten und auch von seinen Social-Media-Kanälen hat sich der 24-jährige seit Wochen zurückgezogen.

  • FILESHARING t3n: Illegaler Upload: Eltern müssen Kind verraten – oder selber zahlen: Der Bundesgerichtshof (BHG) hat jetzt entschieden, dass Eltern den Namen ihrer Kinder angeben müssen, wenn diese im Internet auf Tauschbörsen unterwegs waren und Urheberrechtsverletzungen begangen haben. Ausgangspunkt für das Urteil war eine Schadensersatzklage der Plattenfirma Universal an einen Münchner Familienvater. Wenn die Eltern also wissen, dass die Kinder eine Urheberrechtsverletzung begangen haben und dies nicht melden, dann machen sie sich selbst schadenersatzpflichtig. Der Schadensersatz beläuft sich auf rund 3.500 Euro.

  • TWITTER computerbild: Einer der größten Störfaktoren ist beseitigt!: Die 140 Zeichen, die ein Tweet maximal lang sein darf, machten schon so manchem Plappermaul Probleme. Bei direkten Antworten an Tweets – vor allem, wenn mehrere Gepsprächspartner verlinkt wurden – wurde der Platz schnell knapp und man musste sich extreme kurz fassen. Einen der größten Störfaktoren hat Twitter jetzt mit einem Update beseitigt. Der Nutzername am Anfang des Antwort-Tweets entfällt und taucht stattdessen über dem Tweet selbst auf. Somit stehen die vollen 140 Zeichen für Antworten zur Verfügung.

  • KINO heise: Ghost in the Shell: Die Renaissance des Cyberpunk: Zu Beginn der Dreharbeiten war die Manga-Verfilmung “Ghost in the Shell” noch Gegenstand heftiger Debatten, vor allem auch aufgrund des angeblichen “Whitewashing” mit der Besetzung von US-Amerikanerin Scarlett Johansson in der japanischen Hauptrolle Motoko Kusanagi. Erste Kritiken äußern jedoch ein größtenteils positives Urteil und gleichzeitig kann der Film das Genre des Cyberpunk – einer Subkategorie der Science Fiction – ganz neu beleben.

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Brains vs. Robots: Der Aufstieg der Roboter ist nicht aufzuhalten

Arzt (adapted) (Image by tmeier1964 [CC0 Public Domain] via pixabay)

Elon Musk, der Tesla-Boss und Gründer von OpelAl, schlug vor ein paar Tagen vor, dass die Menschheit ihre eigene Irrelevanz hinauszögern könnte, indem sie sich selbst mit ihnen verbindet und zu Cyborgs werden möge. Jedoch lassen aktuelle Trends in der Software künstlicher Intelligenz und tiefergehender Lerntechnologie, vor allem auf lange Sicht gesehen ernsthafte Zweifel über die Plausibilität dieser Aussage entstehen. Diese Zweifel lassen sich nicht nur auf Einschränkungen in der Hardware zurückführen, sie haben auch damit zu tun, welche Rolle das menschliche Gehirn bei dem Zuordnungsprozess spielt.

Musks Theorie ist einfach und direkt: Ausreichend entwickelte Schnittstellen zwischen dem Gehirn und dem Computer soll es den Menschen ermöglichen, ihre Fähigkeiten durch besseres Verständnis über den Einsatz von Technologien wie maschinelles Lernen und tiefergehende Lernerfahrungen massiv zu erweitern. Aber der Austausch verläuft in beide Richtungen. Durch den Menschen als „Lückenfüller“ in der Verbindung zwischen Hirn und Maschine könnte die Leistung maschineller Lernalgorithmen verbessert werden, vor allem in Bereichen wie differenzierten kontextabhängigen Entscheidungen, in denen die Algorithmen noch nicht ausgereift genug sind.

Die Idee an sich ist nicht neu. So spekulierte beispielsweise unter anderem J. C. R. Licklider bereits Mitte des 20. Jahrhunderts über die Möglichkeit und Implikation der „Mensch-Computer Symbiose“. Allerdings entwickelte sich der Prozess seitdem nur langsam. Ein Grund hierfür ist die Entwicklung der Hardware. „Es gibt einen Grund, wieso sie ‚Hardware‘ genannt wird – sie ist ziemlich kompliziert“ (engl.: hard), sagte Tony Fadell, der Entwickler des iPods. Die Schaffung der Hardware, die sich mit organischen Systemen verbindet, sei noch schwieriger. Aktuelle Techniken sind primitiv im Vergleich zu der Vorstellung einer Verbindung von Gehirn und Maschine, wie sie uns in Science-Fiction-Filmen wie Matrix verkauft wird.

Macken der tiefgehenden Lernerfahrung

Angenommen, das Hardware-Problem würde letztendlich gelöst, gibt es noch weitaus größere Probleme. Das vergangene Jahrzehnt der enormen Fortschritte in der Forschung des Deep Learning hat aufgedeckt, dass weiterhin grundlegende Herausforderungen bezwungen werden müssen. Eine davon ist die Problematik, die Funktionsweise komplexer neuronaler Netzwerksysteme zu verstehen und zu charakterisieren. Wir vertrauen in einfache Technologien wie einen Taschenrechner, weil wir wissen, dass er immer genau das tun wird, was wir von ihm erwarten. Fehler lassen sich fast ausschließlich auf menschliche Eingabefehler zurückführen.

Eine Vorstellung der Verschmelzung von Gehirn und Maschine ist es, uns zu Supermenschen mit unfassbaren Rechenfähigkeiten zu machen. Statt einen Taschenrechner oder das Smartphone zu zücken, könnten wir die Rechnung einfach denken und sofort die richtige Antwort der „assistierenden“ Maschine erhalten. Besonders knifflig wird es bei dem Versuch, tiefer in die fortgeschrittenen Funktionen der maschinellen Lerntechniken zu gehen, wie beispielsweise bei Deep Learning.

Angenommen, Sie arbeiten in am Flughafen in der Sicherheitsabteilung und verfügen über eine Verschmelzung von Gehirn und Maschine, die jeden Tag automatisch tausende Gesichter scannt und über mögliche Sicherheitsrisiken alarmiert. Die meisten maschinellen Lernsysteme leiden unter einem Problem, bei dem eine kleine Veränderung in der äußeren Erscheinung einer Person oder eines Objekts dazu führen kann, dass katastrophale Fehler in der Klassifizierung entstehen. Verändern Sie das Bild einer Person um weniger als ein Prozent, kann es vorkommen, dass das maschinelle System denkt, es sähe ein Fahrrad statt eines Menschen.

Terroristen oder Verbrecher würden die verschiedenen Schwachstellen der Maschine ausnutzen, um Sicherheitskontrollen zu umgehen – solcherlei Probleme bestehen bereits bei der Online-Sicherheit. Auch wenn Menschen auf andere Weise eingeschränkt sind, bestünde diese Verwechslungsgefahr bei ihnen zumindest nicht.

Ungeachtet seiner Reputation als nicht emotionale Technologie leiden maschinelle Lerntechnologien wie Menschen unter Voreingenommenheit und können mit entsprechender Dateneingabe sogar rassistisches Verhalten aufweisen. Diese Unvorhersehbarkeit hat grundlegende Auswirkungen darauf, was passiert, wenn ein Mensch sich in die Maschine einklinkt und, wichtiger noch, dieser auch vertraut.

Vertraue mir, ich bin Roboter

Vertrauen ist ebenfalls eine beidseitige Angelegenheit. Menschliches Denken ist eine komplexe, höchst dynamische Angelegenheit. Schaut man sich dasselbe Sicherheitsszenario mit einer ausreichend entwickelten Verbindung von Gehirn und Maschine an, stellt sich die Frage: Woher soll die Maschine wissen, welche menschlichen Neigungen sie zu ignorieren hat? Schließlich sind unbewusste Neigungen eine Herausforderung, von der jeder betroffen ist. Was, wenn die Technologie bei der Befragung möglicher Bewerber hilft?

Wir können in bestimmtem Ausmaß die Vertrauensprobleme einer Hirn-Maschine-Verbindung vorhersehen, wenn wir auf die weltweiten Verteidigungskräfte blicken, die versuchen, das Vertrauen in menschliche Maschinen in einem stetig wachsenden menschlich-autonom gemischten Schlachtfeld anzusprechen. Die Forschung beschäftigt sich mit beiden Fällen: Bekannte autonome Systeme, bei denen Menschen den Maschinen vertrauen und Maschinen sich wiederum auf die Menschen verlassen.

Es existiert eine Parallele zwischen einem Roboter-Krieger, der die ethische Entscheidung trifft, eine rechtswidrige Anweisung des Menschen zu ignorieren und dem, was im Interface zwischen Gehirn und Maschine passieren muss. Dies sind Interpretationen der menschlichen Gedanken durch die Maschine, während flüchtige Gedanken und tiefe unbewusste Neigungen gefiltert werden.

In Verteidigungssituationen übernimmt die logische Rolle für ein menschliches Hirn die Prüfung, ob Entscheidungen ethisch vertretbar sind. Doch wie wird das funktionieren, wenn das menschliche Gehirn an eine Maschine angeschlossen ist, die Schlussfolgerungen aus Daten zieht, die kein Hirn begreifen kann? Auf lange Sicht ist das Problem, ob und wie Menschen in Prozesse involviert sein müssen, die zunehmend von Maschinen bestimmt werden. Bald werden Maschinen vielleicht sogar medizinische Entscheidungen übernehmen, die kein menschliches Team ausloten kann. Welche Rolle kann und sollte das menschliche Gehirn in diesem Prozess spielen?

In manchen Fällen vermehrt die Kombination aus Automatisierung und menschlicher Arbeitskraft die Jobaussichten, jedoch dürfte dieser Effekt demnächst verschwunden sein. Die gleichen Roboter und automatische Systeme werden allerdings weiterhin verbessert und schlussendlich die von ihnen geschaffenen Jobs ersetzen. Während Menschen zunächst eine „nützliche“ Rolle in Gehirn-Maschine-Systemen spielen könnten, entwickelt sich die Technologie weiter und es wird dementsprechend weniger Gründe geben, Menschen überhaupt in den Prozess zu integrieren.

Der Gedanke, die Relevanz der Menschheit mit der Verbindung von menschlichen und künstlichen Gehirnen aufrechtzuerhalten, scheint verlockend. Abzuwarten bleibt auch, welchen Beitrag das menschliche Gehirn hier beitragen wird – besonders, weil die technologische Entwicklung die des menschlichen Gehirns um eine Million zu eins überbietet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arzt“ by tmeier1964 (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Fabian Westerheide über Künstliche Intelligenz

Neural (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, was den Menschen und die Maschine zusammenbringt, treibt den Unternehmer, Venture Capitalist, Autor und Redner Fabian Westerheide um. Nachdem er in verschiedene Unternehmen investierte, ist er seit 2014 Geschäftsführer von Asgard – human VC for AI und leitet die KI-Konferenz Rise of AI. Außerdem ist er Koordinator für Künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups. Ich habe mich mit ihm im Vorfeld zur Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland, bei der er als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen.

Was fasziniert Sie an Künstlicher Intelligenz?

Das war ein Prozess. Ich komme vom Land und habe schon immer an Computern herumgebastelt und mich für die Auswirkungen zwischen Mensch und Maschine interessiert. Dann bin ich Unternehmer geworden und habe in insgesamt 35 Firmen investiert, von denen die meisten aus dem Softwarebereich stammen. Irgendwann wusste ich, dass das Thema Künstliche Intelligenz, was mich durch Science-Fiction-Literatur schon seit den Achtzigern beschäftigt hat, endlich greifbar wurde. Mich fasziniert vor allem, dass es so ein komplexes Thema ist und wirtschaftliche, gesellschaftliche, militärische und politische Konsequenzen hat. Es betrifft sowohl Unternehmen als auch den einzelnen Menschen, es betrifft letztlich die ganze Menschheit. Das ist ein Thema, bei dem ich meine ganze Begeisterung für Politik und Gesellschaft einfließen lassen kann. Und ich fühle mich sehr wohl damit, weil es um mehr als Geldverdienen geht. Künstliche Intelligenz kann wirklich die Menschheit verändern – in die eine oder in die andere Richtung.

Was ist der nächste Entwicklungsschritt für die Künstliche Intelligenz?

Die Maschine muss noch besser lernen zu lernen. Das bedeutet, dass sie mit wenige Daten zurecht kommt und mit weniger Transferwissen arbeiten kann. Zum Beispiel kann man derzeit eine KI, die ein bestimmtes Auto fährt, nicht einfach in ein anderes selbstfahrendes Auto verpflanzen. Man kann sie auch nicht benutzen, um mit ihr mit Aktien zu handeln oder ein Flugzeug zu fliegen. Sie ist eigentlich ziemlich idiotisch angelegt und genau auf ihre Hardware programmiert. Innerhalb dieser Grenzen kann sie aber jederzeit weiterlernen. Wir müssen also den Schritt schaffen, dass die Software Hardware-unabhängig wird und Vorwissen aufbauen kann. Vor ein paar Wochen hat Google Deep Mind ein sehr interessantes Paper veröffentlicht, wo sie mit einer KI ein Spiel gespielt haben. Dieselbe KI wurde verwendet, um ein neues Spiel zu lernen. Die KI wurde also deutlich besser, weil sie über das Wissen verfügt, wie man so ein Spiel spielt. Sie konnte es auf ein anderes Spiel übertragen und dadurch besser werden als eine KI, die nur auf dieses eine Spiel hin programmiert wurde.

Ist das der Schritt zwischen einem gut funktionierenden Algorithmus und einem denkenden Wesen? Ich gebe zu, ich scheue mich etwas, diesen Prozess schon als Denken zu bezeichnen. Ich würde eher sagen, es ist eher ein Weiterverarbeiten. Oder fängt das Denken hier schon an?

Das ist schwierig zu sagen, hier fängt eigentlich eher die nächste Diskussion an: Denkt der Mensch wirklich, oder sind wir nicht viel eher hormon- und instinktgetrieben? Wie viel davon ist durch unser Unterbewusstsein bestimmt? Die meisten Menschen treffen Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde. Wir nennen das Bauchgefühl oder Instinkt. Eigentlich ist es aber eine Erfahrungskurve. Wir brechen unsere Erfahrungen herunter und denken nicht darüber nach, sondern handeln. So ist es bei der Maschine auch. Sie können noch nicht auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen oder auf eine jahrelange Erziehung. Wir als Menschen hingegen haben ungeheuer viel Input verarbeitet und sind biologisch dafür ausgelegt, alles abzuspeichern. Seit es im Jahr 2012 den großen Durchbruch mit den neuronalen Netzen gegeben hat, haben die Maschinen auch ein Kurzzeitgedächtnis. Was noch fehlt ist ein Langzeitgedächtnis und das Abstraktionslevel. Und genau das passiert gerade: Wir bauen Schritt für Schritt ein kollektives Gedächtnis auf, eine Art Schwarmintelligenz. Wir müssen also noch nicht einmal eine menschenähnliche KI haben, um zu erreichen, dass sie denkt, sondern wir brauchen eine KI, die untereinander kommuniziert und kollektiv Wissen verarbeitet. Wenn ein Auto beispielsweise einen fatalen Fehler macht, wie es bei dem Tesla-Unfall mit dem LKW geschehen ist, dann passiert ihm das ein einziges Mal. Seit diesem Vorfall können alle hunderttausende Teslas da draußen LKWs erkennnen. Das ist eine Intelligenzleistung, die mehr schafft als ein einzelner Mensch.

Image by Fabian Westerheide
Image by Fabian Westerheide

Wir müssen die KI also nicht nur schulen, sondern auch erziehen?

Genau das. Der Hirnforscher Danko Nikolic sagt, wir brauchen einen KI-Kindergarten, eine Art DNA für künstliche Intelligenz. Ich finde diese These sehr interessant. Wir müssen es schaffen, diese Lernalgorithmen einer KI beizubringen. Sie muss lernen zu lernen, damit sie weiß, wie man selbst Wissen generiert. Das können wir Menschen besonders gut. Die KI kann das noch nicht, also wird der Durchbruch im Lernalgorithmus die nächste Stufe sein. Dann muss man sie trainieren, ausbilden und erziehen, wie man Kinder erzieht. Wenn das passiert, wird das, was wir jetzt haben, schneller und auch deutlich interessanter. Eine KI hat noch keine Eigenmotivation, ich weiß aber, dass Teams bereits daran arbeiten.

Welche Jobs sind bisher immer noch nicht vollständig durch Maschinen ersetzbar? Wo geht hier die Entwicklung hin?

Momentan sind es zwei: Menschen und Komplexität. Wir sind Menschen und wollen deshalb natürlich weiterhin menschliche Interaktion. Ich behaupte, dass ‚Made by Humans‘ irgendwann bei Produkten ein Qualitätsmerkmal sein wird, für das die Leute mehr bezahlen werden. Bei der Interaktion kann es zu einer Mischung kommen: In der Pflege werden wir Pflegeroboter haben, die uns beispielsweise dabei helfen, den schweren alten Mann zu wenden, aber die menschliche Komponente muss erhalten bleiben. Eine KI nimmt dich nicht in den Arm, sie kann aber konkrete Ergebnisse liefern. Das dauert wohl aber noch gut 10 bis 15 Jahre. Eine KI kann erkennen, wie Prozesse am besten durchzuführen sind, aber bei emotionaler Intelligenz muss sie eben passen. Wir brauchen keinen menschlichen Maler, aber einen menschlichen Innenarchitekten. Je einfacher der Job ist, desto eher können wir ihn durch die Maschinen erledigen lassen. Sie hat aber noch immer ein Problem mit der Motorik, das haben wir noch nicht gelöst. Softwaretechnisch hingegen ist sie uns natürlich haushoch überlegen, jeder Taschenrechner kann besser rechnen als du und ich.

Wir müssen der KI auch Kontext beibringen, damit sie uns wirklich helfen kann.

Bei Service-KIs funktioniert das sogar schon. Die KI kann erkennen, ob der Kunde gut oder schlecht gelaunt ist, ob er etwas umtauschen will und ob sie ihm noch mehr Angebote machen soll oder nicht. Das würde ich schon als Kontext bezeichnen. Jeder, der schon einmal Kundensupport gemacht hat, wird das kennen – man muss Zweideutigkeit erkennen und das kriegen schon wir Menschen manchmal nicht ordentlich hin. Wie wollen wir da erwarten, dass die KI es besser macht? Der erste Schritt ist also: Sie muss lernen, es zumindest schon einmal besser zu machen als der Schlechteste von uns.

Wenn man manche Artikel liest, werden die Maschinen oft sehr dystopisch als unser Untergang beschrieben, sowohl gesellschaftlich als auch arbeitstechnisch. Wie gehen Sie mit dieser Angst der Menschen um?

Ich erlebe es ab und zu, dass die Menschen bei einem gewissen Level fast schon technologiefeindlich sind und regelrecht Angst vor der KI haben. Aber ich finde, dass Probleme wie die globale Erwärmung, der Terrorismus oder auch nur zu viel Zucker im Blut viel gefährlicher für die Menschheit sind. Wir sollten wirklich versuchen, etwas unaufgeregter an das Thema KI heranzugehen. Ja, die Digitalisierung frisst eine Menge Jobs. Aber das ist doch super! Niemand muss mehr langweilige Jobs machen, wir haben viel mehr freie Zeit. Wir können die KI benutzen, um in unserer Tätigkeit noch produktiver zu sein. Wir können so sogar mehr Jobs nach Europa holen, weil es günstiger und effektiver ist, die Handgriffe an eine KI outzusourcen als an irgendwelche ausgebeuteten Clickworker in Indien. Das Ganze bringt einen enormen strukturellen Wandel mit sich, weil wir uns von der Industriegesellschaft zur Servicegesellschaft und auch zu einer Wissensgesellschaft wandeln.

Die Großkonzerne von heute haben bereits begriffen, dass sie sich entwickeln müssen, sie tun sich damit aber noch etwas schwer. Das sind reine Industrieunternehmen, die aus einer ganz anderen Hierarchie und einer anderen kulturellen Epoche kommen. Künstliche Intelligenz ist hier nur die Spitze des Eisberges, denn unsere Industrie ist nicht für digitale Umbrüche gerüstet. Wir sind an dieser Stelle in kultureller Hinsicht noch komplett falsch aufgestellt.

Wie steht es um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland?

Das deutsche Problem daran ist, dass wir mal wieder den Trend verschlafen. Es gibt kaum KI-Unternehmen hierzulande – wir sind eher auf den abgeschlagenen Plätzen zu finden. Im Moment sind die US-amerikanischen KI-Unternehmen besser finanziert und es gibt viel mehr Firmen als hier, obwohl der Markt nicht so groß ist wie unserer. Es geht auch nicht darum, noch etwas zu entwickeln, dass uns unser Essen schneller liefert, sondern darum, dass uns eine strategische Entwicklung entgeht. Wir brauchen endlich mehr Forschung, mehr Kapital und mehr Unternehmen in Deutschland und Europa, um eine strategisches, wirtschaftliches und politisches Gegengewicht herstellen zu können. Nur dann können wir auf Augenhöhe miteinaner verhandeln.


Image (adpated) „Neural“ by geralt (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACEBOOK süddeutsche: Dieses Programm zeigt Ihnen, was Facebook über Sie weiß: Auf Facebooks Servern lebt ein Doppelgänger von jedem seiner Nutzer. Vergangenen Woche stellten die beiden Programmiererinnen Hang Do Thi Duc und Regina Flores Mir eine Erweiterung für Googles Chrome-Browser mit dem prägnanten Namen „Data Selfie“ vor. Data Selfie ist eine Browser-Erweiterung, die dem User die Machine-Learning-Algorithmen vor Augen halten soll und uns zeigt, welche Informationen über uns gesammelt werden, ob bewusst oder unbewusst. Durch diese Daten erstellt Facebook ein digitales Abbild von den Nutzern und ihrer angenommenen Persönlichkeit, Data Selfie hält uns demnach den digitalen Spiegel vor.

  • FAKE NEWS horizont: ZDF startet Faktencheck-Projekt zur Bundestagswahl: #ZDFcheck17 – das ist der Hashtag zum neuen Anti-Fake-News-Projekt des ZDF zur Bundestagswahl 2017. Der Sender hatte bereits zu vergangenen Wahlen ähnliche Projekte aufgesetzt, aber das Thema Fake News ist bekanntlich derzeit brisanter denn je. Das Projekt soll nach den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai starten. Das Team wird sich aus Redakteuren aus verschiedenen Fachbereichen zusammen setzen, welches seine Erkenntnisse für TV, Online und Social Media aufbereiten soll und wird in der ZDF-Nachrichten-Redaktion angesiedelt sein.

  • WISSENSCHAFT golem: Angewandte Science Fiction: Das Science Fiction Genre ist dazu da technische Entwicklungen weiterzuspinnen und davon zu träumen, was einmal möglich wäre. Der Plan des britischen Unternehmens Tokamak Energy grenzt schon fast daran. Sie haben vor, bis 2025 Strom aus Kernfusion zu produzieren. Aussicht auf Erfolg gibt es kaum. Trotzdem ermöglichen die Pläne des britischen Unternehmens einen Einblick in die Schwierigkeiten bei der Entwicklung von praktisch nutzbaren Kernfusionsreaktoren.

  • UMWELT t3n: MIT-Forscher verwandeln Luftverschmutzung in Tinte- und verkaufen sie auf Kickstarter: Aus Luft Geld machen? Ein Team ehemaliger MIT-Wissenschaftler hat jetzt genau das vor! Die sogenannte „Air-Ink“ ist ein nachhaltiges Kickstarter-Programm des Graviky Labs, das sich mit Luftverschmutzung auseinandersetzt. Aus Abgasen, wie solchen aus Schornsteinen oder Auspuffen, soll demnach mittels einer neu entwickelten Methode Tinte gewonnen werden. Demnach reichen schon 30 bis 40 Minuten Auto-Abgase für eine Stift-Füllung. Es ist nicht die flächendeckende Lösung für das weltweite Problem der Luftverschmutzung, aber dennoch ein revolutionäres Konzept.

  • SMART HOME stern: “Alexa, wo ist der Schnuller?” – So veränderte Amazon Echo unseren Familienalltag: Das Internet of Things ist derzeit regelrecht omnipräsent in der Tech-Welt. Gerade “Smart Home” Artikel stehen dabei im Fokus, so auch allen voran Amazons “Alexa”-System auf dem Echo-Lautsprecher. Dieser ist seit gestern nun auch ohne Einladung frei verfügbar. So nützlich der sprachgesteuerte Lautsprecher auch sein mag, so verhängnisvoll ist er auch mit Kindern im Haus. Autor Malte Mansholt schildert sein Familienleben mit Alexa und wie die künstliche Intelligenz schon beinahe zum Familienmitglied wird.

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Die menschliche Natur: Wo die Serie Westworld falsch lag

The Wild West (adapted) (Image by Chris Bickham [CC BY 20] via flickr)

Ein zentrales Thema in der neuen Science-Fiction-Serie Westworld von HBO von  ist die Frage danach, was genau Menschsein bedeutet. Die Serie spielt in einem großen Erlebnispark für Erwachsene, der nach dem Vorbild einer amerikanischen Westernstadt gebaut wurde und von intelligenten und lebensechten Robotern bewohnt wird. Über die Jahre wurden die Roboter – auch Wirte genannt – immer weiter entwickelt. Sie sehen Menschen immer ähnlicher und benehmen sich auch so. Deshalb haben sie damit begonnen, von ihrer Programmierung abzuweichen. Sie sind unberechenbar – genauso wie wir Menschen.

Während die Zuschauer dazu eingeladen werden, über die Menschlichkeit in Robotern zu reflektieren, liegt die Ironie von „Westworld“ darin, dass die reichen, menschlichen Gäste des Parks eher unmenschlich wirken. Sie leben ihre wildesten Fantasien aus. Hier kommt es nicht darauf an, wie verdorben sie sind. Sie misshandeln und töten die Wirte, ohne mit der Wimper zu zucken, sie empfinden dabei sogar eine gewisse Freude. Ein Besucher erschießt ohne jeglichen Grund einen Wirt in einer Bar und ruft danach: „Das nenne ich Urlaub!“

Durch den sadistischen Umgang der Gäste mit den Wirten wird ein düsteres Bild der menschlichen Natur gezeichnet. Als Zuschauer wird man gezwungen, sich zu fragen: Was würden wir machen, wenn wir Westworld besuchten? Könnten wir wirklich einen menschlich wirkenden Wirt ins Gesicht schießen, wenn dieser um Gnade fleht? Psychologen haben versucht, herauszufinden, wie die meisten Menschen tatsächlich in Westworld agieren würden.

Das Bewusstsein der Roboter verstehen

Unsere Bereitschaft, jemandem zu schaden, hängt teilweise davon ab, was wir denken, das dieser jemand denkt und fühlt. Im Jahr 2007 haben die Psychologen Heather Gray, Kurt Gray und Daniel Wegner eine Studie darüber ins Leben gerufen, was Menschen über das menschliche, tierische und mechanische Bewusstsein denken. Indem sie die Antworten von über 2000 Teilnehmern eines Onlinefragebogens ausgewertet haben, fanden sie heraus, dass die Teilnehmer die mentale Kapazität auf zwei unabhängige Faktoren stützen: das Fühlen von Schmerz und Freude („Erfahrung“) und die Fähigkeit Pläne und Entscheidungen zu machen („Handlungsfähigkeit“).

Die Teilnehmer wurden auch danach gefragt, wie schlimm es für sie wäre, verschiedenen Charakteren etwas anzutun. Zum größten Teil ordneten sie dies als „sehr schlimm” ein, wenn Charaktere einen hohen Anteil an „Erfahrung“ (die Fähigkeit zu fühlen) hatten. Allerdings hatten die Schätzungen der „Handlungsfähigkeit“ (Fähigkeit zu Planen und Entscheidungen zu treffen) – egal ob „sehr viel” oder „nicht so viel” – weniger Einfluss auf das Gefühl beim Verletzen eines Charakters.

Ein anderes Beispiel beschreibt einen Charakter mit dem Fragebogen Kismet, ein sozialer Roboter der Gefühle durch Gesichtsbewegungen ausdrücken kann. Kismet wurde erfahrungstechnisch einigermaßen hoch eingeschätzt, bei der Handlungsfähigkeit jedoch eher niedrig. Daraus resultierte, dass der durchschnittliche Teilnehmer eher dazu bereit war, ihm etwas anzutun. Das ähnelt der Gleichgültigkeit der Gäste in Westworld, denen es nichts ausmacht, den Roboter-Bewohnern wie dem Wirt etwas anzutun. Aber da gibt es einen Unterschied zwischen Robotern wie Kismet und den Wirten in Westworld. In Westworld sind die Wirte nicht von den Menschen zu unterscheiden. Das gilt für das Aussehen und das Benehmen. Sie werden von menschlichen Schauspielern dargestellt und können sogar bluten.

In der zweiten Folge hat der Charakter William, der den Park zum ersten Mal besucht, folgende Unterhaltung mit einem Wirt:

„Bist du echt?”

– „Na, wenn du das nicht sehen kannst, dann tut es doch auch nichts zur Sache, oder?”

Die Hauptsache, in der du oder ich oder William entscheidet, ob die andere Person einen Verstand hat, liegt darin, dass wir das Aussehen und das Benehmen beobachten. Wenn der Wirt aber menschlich aussieht und sich auch so benimmt, kann es schwierig werden, das Gefühl abzuschütteln, dass er ein Bewusstsein hat und Schmerzen fühlen kann, auch wenn uns erzählt wurde, dass dem nicht so ist.

Eine Studie aus dem Jahr 2012, die von Kurt Gray und Daniel Wegner entwickelt wurde und von den Grusel der lebensechten Roboter untersucht, unterstützt die Idee, dass das Aussehen der Roboter einen großen Anteil daran hat, wie wir die Eigenschaft einschätzen, wie es ist, etwas zu fühlen.

In einer Reihe von Experimenten haben sie herausgefunden, dass Roboter, die eher lebensecht erscheinen, so eingeschätzt wurden, dass sie auch eher Schmerz und Freude zu empfinden in der Lage sind. Das hat die Teilnehmer beunruhigt. In einem Experiment wurde 105 Teilnehmern ein Video über den Roboter KASPAR gezeigt – einmal von vorne, wo man ein menschenähnliches Gesicht sah und von hinten, wo man die Mechanik und Kabel sehen konnte. Wenn KASPAR von vorne angeschaut wurde, bekam er in Sachen Erfahrung“ höhere Werte zugeschrieben, zugleich empfand man ihn aber als gruselig.

Das suggeriert, dass die meisten Westworld-Gäste nicht einfach einen lebensähnlichen Wirt in die Hand stechen und dann zusehen könnten, wie dieser sich unter dem Schmerzen quält (was genau das ist, was Williams‘ Schwager Logan in der zweiten Episode macht). Stattdessen würden die meisten von uns mit Entsetzen reagieren.

Entmenschlichte Roboter, entmenschlichende Menschen

Aber manche Leute können herzlose Gewalt ausführen, sogar gegen echte Menschen. So etwas ist einfacher, wenn der Täter das Opfer entmenschlicht, indem er es behandelt, als hätte es kein eigenes Bewusstsein. Wenn man die Geschichte betrachtet, wurde so bei vielen Genoziden gehandelt, als wären die Opfer nichts weiter als lästige Tiere wie Ratten oder Kakerlaken.

Das sehen wir bei „Westworld“ auch: die Mitarbeiter des Parks werden dazu angehalten, die Wirte als hirnlos und wertloser als Menschen zu betrachten. In einer Szene zum Beispiel rügt Dr. Ford (gespielt von Anthony Hopkins), Westworlds mysteriöser Erfinder, einen Techniker dafür, dass er einen nackten Wirt bedeckt, während er an ihm arbeitet:

„Warum ist der Wirt bedeckt? Wolltest du verhindern, dass er friert oder sich schämt? Du wolltest seinen Anstand bedecken. Er friert nicht! Er schämt sich nicht! Er fühlt nichts, was wir ihm nicht gesagt haben, das er fühlen soll.”

Er schneidet in der Folge ganz nebenbei das Gesicht des Wirts mit einem Skalpell auf, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen: Wirte sind hirnlos – und damit keine Menschen. Denkt man so von ihnen, können die Mitarbeiter jede Misshandlung rational einordnen.

„Westworld“ wirft also einen unrealistischen Blick auf die typische menschliche Natur. Die Serie erinnert gleichzeitig daran, wie sehr wir dazu fähig sind, Schaden anzurichten. Dadurch, dass die Wirte menschlich aussehen und handeln, würde es uns wahrscheinlich schwerer fallen, ihnen etwas anzutun. Gleichzeitig könnte es aber auch sein, dass wir, wenn man uns beibringen würde, die Wirte als weniger denn menschlich anzusehen, uns die Frage stellen müssen, ob man uns auch dazu bringen könnte, andere Menschen für ebenso wertlos zu halten?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) The Wild West“ by Chris Bickham (CC BY 2.0)


 

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Die künstliche Hilfskraft: Wie ein Roboter jedes unserer Bedürfnisse errät

Banksy NYC, Coney Island, Robot (adapted) (Image by Scott Lynch [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Sie ist da – die Welt, in der Hilfsroboter mit uns leben, uns durch den Tag bringen und sogar unsere Freunde werden. Science-Fiction wird zur wissenschaftlichen Tatsache.Wie der Science-Fiction-Autor William Gibson offenkundig bemerkt hat: „Die Zukunft ist bereits hier – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.“ Die Nachfrage nach Hilfs-Robotern boomt, und sowohl die akademische als auch die industrielle Welt und das Militär machen Überstunden, um den Bedarf zu decken, während eine völlig neue Industrie an Fahrt gewinnt. Die Nachfrage wird durch die Existenz dieser langweiligen, schmutzigen und gefährlichen Jobs angekurbelt, die trotzdem gemacht werden müssen. Also durch dieser schlecht bezahlten Jobs, die als unter der Würde eines Menschen angesehen werden, zumindest in der entwickelten Welt. Was gäbe es also besseres als einen lebensechten Roboter, um uns von dieser Schufterei zu befreien?

Gute Gesellschaft

Natürlich müssen Roboter auch eine angenehme Gesellschaft sein, wenn wir sie in unser Leben lassen, unser Zuhause und unseren Arbeitsplatz mit ihnen teilen und sie Dinge für uns tun lassen sollen. Diese Anforderungen gelten für alle Roboter, nicht nur diejenigen, die laufen und sprechen, sondern auch für künstliche Intelligenz, die in größere Systeme oder das Internet integriert sind. Benutzerfreundlichkeit wird durch natürliche Sprache und affektives Berechnen erreicht, die es der KI erlaubt, Sie „kennenzulernen“, indem sie den Zyklus Ihres emotionales Zustands durch eine Ableitung Ihrer Stimmlage oder Körpersprache im Laufe der Zeit erkennt. Die Großen in der Technikwelt, wie etwa Google, Microsoft, Apple und Facebook, stecken großen Aufwand in Softwares, die Sprache verstehen können und als sogenannte Chatbots bekannt sind. Sie werden als die nächste große Sache angesehen. Der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, Satya Nadella, sagte auf der Build-Konferenz in San Francisco im März, dass Chatbots, oder „Konversation als eine Plattform“, die nächste große Sache im Programmieren wäre, genauso wichtig wie der Wechsel zu graphischen Benutzeroberflächen, dem Webbrowser und Touchscreens. Das ist ein hoher Anspruch, nachdem viele sagen würden, dass dies wichtige Entwicklungsschritte der Interaktion zwischen Mensch und Computer sind. Chatbots bergen das Potenzial in sich, Computerressourcen für nicht-technische Benutzer leicht erreichbar zu machen. Man kann einen Chatbot nutzen, um einen Termin auszumachen, das Auto zur Inspektion anzumelden, Blumen für den ganz besonderen Jemand zu kaufen, einen Urlaub zu buchen, eine Wohnung zu finden oder besondere Interessen auszuleben. All dies wird möglich werden, wenn man einfach einen natürlich sprechenden digitalen Assistenten danach fragen kann, dies zu erledigen. Unter dem Deckmantel von Microsofts Cortana, Facebooks M, Apples Siri, Amazons Alexa und all denen, die noch kommen, werden sich diese kleinen Chatbots einschmeicheln und die Kontaktstelle zwischen Ihnen und den vielen Arbeiterrobotern sein. Sie werden wie eine Kombination aus Vorstandsassistent und Concierge sein, ein enger Vertrauter, der Ihre Bedürfnisse vorhersieht und die Aktivitäten der Vertreter auf einer niedrigeren Ebene reibungslos koordiniert, während diese ihrer Arbeit in der Cloud nachgehen.

Die Poeten von Silicon Valley

Schriftsteller finden heutzutage einträgliche Beschäftigungen in der Welt der Spitzentechnologie, wie neulich in der Washington Post berichtet wurde. Autoren, die einst Drehbücher und Gedichte geschrieben haben nutzen ihr Talent nun, um liebenswerte Charaktere für Chatbots zu erschaffen und ihnen coole Dinge einzupflanzen, die sie sagen können. Die neue Rasse intelligenter digitaler Assistenten sieht gut aus, klingt gut und werden unterstütz durch die neuste KI. Da der Trend hin zur Integration von Geräten in verschiedenen informationstechnologischen Umgebungen geht und den Menschen somit Zugang zu ihren Cloud-verbundenen Anwendungen und Daten über Plattformen hinweg gibt, ist es angemessen, zu erwarten, dass Ihr digitaler Assistent mit Ihnen geht, wenn Sie von einem Gerät zum nächsten wechseln oder von einem Ort zum anderen gehen. Wenn Sie beispielsweise Ihr Zuhause verlassen und in Ihr selbst fahrendes Auto steigen, das seine Batterien mit der Energie der Solarzellen auf Ihrem Dach selbständig geladen hat, wird derselbe digitale Assistent, mit dem Sie in Ihrem Heimarbeitsplatz interagiert haben, zur Stimme in Ihrem Auto werden, der Sie nun die Richtung ansagen. An einem bestimmten Wochentag wird das Auto Sie, wohlwissend, dass Sie zu dieser Zeit an diesem Tag normalerweise zur Arbeit fahren, in einem angemessen gesprächigen Tonfall fragen, ob dies Ihr Ziel ist, so wie es jeder gute Chauffeur tun würde. In der Folgewoche werden Sie ins Auto springen und es bitten Sie zur Arbeit zu bringen, aber der digitale Assistent wird sie an Ihren Arzttermin in Ihrem Kalender erinnern und sollten Sie nicht stattdessen dorthin fahren? Auf dem Weg zu dem Termin werden Sie einige Emails, die der Assistent verfasst hat, überprüfen und versenden. Sie haben außerdem die Zeit, die Inhalte eines Antrags zu diktieren, mit Hilfe Ihres wissenschaftlichen Mitarbeiters/Fahrers. Die Vorstellung eines intelligenten, natürlich sprechenden Assistenten wird trotzdem wahrscheinlich die vier Stadien der Ideenakzeptanz durchlaufen, wie sie durch den Britischen Genetiker John Burdon Sanderson Haldane beschrieben wurden:

  1. Das ist wertloser Unsinn
  2. Das ist eine interessante, aber abwegige Sichtweise
  3. Das ist wahr, aber ziemlich unwichtig
  4. Ich hab’s doch immer gesagt!

In etwa fünf, vielleicht auch erst in zehn Jahren, wenn wir unsere Skepsis überwunden haben und auf unsere digitalen Assistenten angewiesen sind, werden wir uns wundern, wie wir überhaupt jemals ohne sie zurecht gekommen sind. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Banksy NYC, Coney Island, Robot“ by Scott Lynch (CC BY-SA 2.0)


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Produktionsstätten im Weltraum: Wie außerirdische Industrien Menschen am Leben halten können

Raumfähre (image by NASA-Imagery [CC0] via Pixabay)

Science Fiction wurde wahr, als im Oktober 1957 der Sputnik abhob – der erste Schritt der Menschheit in das Weltall. Seit diesem Ereignis war die Entwicklung gigantisch. Eine beachtliche Anzahl von Männern und Frauen ist seither ins Weltall geflogen, um diesen zu erkunden und zu forschen.

Während wir das Weltall eher als Spielplatz von Wissenschaftler betrachten, könnte es eine Möglichkeit geben, es in Zukunft besser zu nutzen? Könnten wir eines Tages ökonomische Vorteile durch innovative Industrien mithilfe von Fabriken im Weltall erzielen und den Vorteil der minimalen Schwerkraft dabei ausnutzen?

Die sehr preisintensiven, staatlich finanzierten Weltraummissionen suchen schon sehr lange nach Alternativen, um einen wirtschaftlichen Erfolg sicherzustellen. In den späten 1990er Jahren forderte die NASA verschiedene Industrien zur Mitarbeit auf, um mit deren finanzieller Hilfe die Forschung vorantreiben zu können. Durch den finanziellen Anreiz wurden viele Versprechungen für die industrielle Entwicklung in der Schwerelosigkeit gemacht. Die fehlende Schwerkraft könnte das Wachstum von Proteinkristallen, die wichtig für den Kampf gegen Krebs sind, ermöglichen. Neue Materialien könnten mithilfe der Schwerelosigkeit erzeugt werden, die neue und nützliche Eigenschaften vorweisen. Es wurden auch zahlreiche weitere Vermutungen aufgestellt.

Die Kosten für den Abschuss der Materialien und der nötigen Ausstattung, die die Bestandteile verarbeitet und die Endprodukte zur Erde zurückbringt, zeigten, dass diese Ideen wirtschaftlich untragbar sind. Der Zugang zum Weltall hat seinen Preis, zurzeit ist dieser so hoch wie der Goldpreis. Es stellte sich heraus, dass fast jedes im Weltall erzeugte Produkt viel zu teuer ist, um ein rentables Geschäft auf der Erde darzustellen. Aber wird sich das jemals ändern?

Die nahe Zukunft

Wir haben bereits Möglichkeiten für eine industrielle Beteiligung auf der internationalen Raumstation (ISS). Diese umkreist die Erde 16 Mal am Tag mit etwa sechs bis neun Astronauten an Bord. Eine Vielzahl an Experimenten auf den Feldern der Biowissenschaften und der Physik werden jeden Tag von der ISS durchgeführt, womit es zu einer Art fliegender, schwerelosen Forschungsstätte wird. Viele dieser Experimente generieren Informationen mit einer direkten Bedeutung für die Industrie.

Beispielsweise ist es wichtig, zu verstehen, wie geschmolzenes Metall durch Gussteile komplexer Formen fließt. Dies erfordert Messungen von verschiedenen Eigenschaften von Metall nahe dem Schmelzpunkt. Dieses Experiment wird am besten mit schwebenden, schwerelosen Versuchsstücken durchgeführt, die von keinem Behältnis verschmutzt werden. Die erhaltenen Daten verbessern die zukünftigen wirtschaftlichen Aspekte sowie die Beständigkeit des Gussteils auf der Erde. Die schwerelose Umgebung ist sehr wichtig für das Verständnis von physikalischen Prozessen sowie Lebensprozessen hier auf der Erde.

Die Europäische Weltraumbehörde (ESA) befragte kürzlich Industrien, um nach neuen Ideen für die kommerzielle Einbindung in der ISS zu suchen. Die meisten Vorschläge haben sich auf einen kostengünstigeren Zugang zur ISS mit vereinfachter Ausstattung und nicht auf neue industrielle Prozesse bezogen. Die Industrie hat somit die Chance, sich zu beteiligen und neue Ideen zu testen. Im Großen und Ganzen beteiligt sich die Industrie an der Suche nach kostengünstigen Möglichkeiten, um ins Weltall und zurück zu reisen, und nicht, um Geschäfte in der Schwerelosigkeit zu machen.

Die Lebensdauer der ISS ist beschränkt. Die ESA wird im Dezember dieses Jahres entscheiden, ob das Vorhaben in Zusammenarbeit mit NASA bis zum Jahr 2024 verlängert wird oder nicht. Es ist so gut wie sicher, dass die ISS vom Himmel geholt und bis 2030 zerstört sein wird.
Der nächste Schritt der ISS wird zurzeit unter der etwa rätselhaften Bezeichnung „Deep Space Habitat – DSH“ diskutiert. Dies könnte eine vorläufige „Kolonie“ sein, abgelegen von der Erde und jenseits des niedrigen Erdorbits, in der die ISS schwebt. Es wird aus Teilen der ISS gebaut und könnte Materialien von nahen Monden oder Asteroiden verarbeiten. Das Ziel ist, die Kosten der Ersatzlieferungen von Wasser und Sauerstoff zu reduzieren – vor allem, weil ein Mensch ungefähr 30 Kilogramm davon braucht, um am Leben zu bleiben.

Die ferne Zukunft

Zukünftige Forschungsmissionen können auch von der Verarbeitung von Materialien auf Asteroiden zur Erzeugung von Raketenbrennstoff für die Rückkehr oder für Baustoffe profitieren. Aber dies ist ein Schritt in noch weit entfernter Zukunft. Einige dieser Vorhaben werden als langfristige wirtschaftliche Vorteile für alle gesehen. Diese Materialien sind auf vielen planetarischen Oberflächen vorhanden, aber die bestehenden verarbeitenden Fabriken würden hohe Ressourcen bezüglich Transportmittel brauchen, die energiereicher als das Endprodukt sind. Diese Ideen werden innerhalb eines Jahrzehnts auf dem Mond oder auf dem Mars-Mond „Phobos“ getestet.

Wir müssen noch viele Materialien identifizieren, die nur unter Schwerelosigkeit erzeugt werden können, jedoch woanders eine andere Verwendungen haben. Um eine Art festen Schaum zu erzeugen, müssen Gase in eine Mischung von geschmolzenem Glas und Metall eingeführt werden. Anschließend muss diese Mischung gekühlt werden, ohne dass die Bestandteile von der Schwerelosigkeit getrennt werden. So kann ein Konstruktionsmaterial mit der Stärke von Stahl und der Korrosionsbeständigkeit von Glas erzeugt werden. Ein wahrscheinlicheres Produkt dieser Fabriken im All würde der Aufbau großer Bauprofile sein, um weitere Fabriken und Weltraumstationen zu errichten.

Vor vielen Jahrzehnten stellten sich Menschen dauerhafte „Weltraumkolonien“ vor, die von der Erde abheben. Diese würden Unabhängigkeit von einer krisengeschüttelten Erde bedeuten und brauchen nachhaltige Unterstützungssysteme. Der amerikanische Physiker Gerard K. O’Neill plante große, kilometerlange Zylinder. Hübsche Illustrationen zeigten Felder und Fabriken, die nebeneinander in dieser künstlichen Welt bestehen können. Sputnik, die ISS und das Deep Space Habitat sind die ersten Schritte auf dem Weg zu solchen Kolonien. Sobald diese existieren, werden vielleicht auch Fabriken im Weltall benötigt, um uns am Leben zu halten, obwohl sie doch so weit weg von der Erde sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Raumfähre“ by NASA-Imagery (CC0 Public Domain)


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Star Treks Version der Zeitreise ist realistischer als viele andere Filme

galaxie-sterne-spiralgalaxie (image by wikilmages[CC0] via Pixabay

Star Trek Beyond mag keine galaktische Reaktion von Seiten der Kritiker erfahren haben, aber man kann sagen, dass es – genau wie die beiden vorhergehenden Filme des Franchise – die Philosophie der Zeitreise deutlich besser versteht als viele andere Werke aus dem Bereich der Science Fiction.

Das liegt hauptsächlich daran, dass die neu gestartete Star Trek-Serie nicht im selben Universum spielt wie das Original, sondern in einem Paralleluniversum, das dieselbe Vergangenheit teilt – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Im ersten Film der neuen Serie, Star Trek (2009) fallen einige Charaktere des originalen Star Trek-Universums – Spock, zusammen mit dem romulanischen Bösewicht Nero und seinen Gefolgsmännern – in ein schwarzes Loch im Jahr 2387. Die Romulaner tauchen im Paralleluniversum im Jahr 2233 auf, Spock dann erst 25 Jahre später.

Die Anwesenheit der Romulaner im Paralleluniversum macht sich fast sofort bemerkbar: sie zerstören das Raumschiff USS Kelvin der Förderation, wobei Kirks Vater getötet wird. Wie Spock bemerkt: „Allein Neros Anwesenheit hat den Lauf der Geschichte verändert – und eine komplett neue Kette von Ereignissen geschaffen.“ Das Paralleluniversum und das Originaluniversum driften ab diesem Punkt auseinander. Im Paralleluniversum wächst der vaterlose Kirk verbittert und orientierungslos auf, Kirk und Spock treffen auf den Spock aus dem Originaluniversum, und der Planet Vulkan wird zerstört – alles Ereignisse, die im Universum der Originalserie nicht stattfanden.

Die Abweichungen zwischen den beiden Universen werden in Star Trek Into Darkness (2013), dem zweiten Film der neuen Serie, weiter untersucht. In diesem Film erhebt sich die Besatzung der Enterprise gegen den gentechnisch veränderten Schurken Khan, wie es auch die Original-Crew in Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) tut. Aber wie dies umgesetzt wird, ist praktisch in jeder Hinsicht verschieden, genau wie die Möglichkeiten, die die beiden Besatzungen finden, um ihn zu besiegen.

Die Art und Weise, wie die Idee der Zeitreise benutzt wurde, um die Star Trek-Serie neu zu starten, ist raffiniert. Sie unterscheidet sich stark von anderen Zeitreise-Filmen, die typischerweise nur eine einzige Zeitlinie beinhalten, auf der die Charaktere zurück reisen und die Vergangenheit ändern. Dieses Modell wird in den Terminator-Filmen benutzt und sogar in einem der frühen Star Trek-Filme („Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ aus dem Jahr 1986), in dem die ursprüngliche Besatzung ins 20. Jahrhundert in der Zeit zurück reist, um zwei Wale mitzunehmen, die benötigt werden, um eine Krise in ihrer eigenen Zeit zu bewältigen.

Das Großvaterparadoxon

Das Problem mit diesem Zeitreisemodell ist, dass es zu logischen Absurditäten führt. Dies wird üblicherweise mit dem Großvaterparadoxon verdeutlicht, welches wie folgt lautet: angenommen, du reist in der Zeit zurück und tötest deinen biologischen Großvater, bevor er deine Großmutter trifft. Dann wärst du niemals empfangen worden und hättest gar nicht erst existiert, um in der Zeit zurück reisen zu können. In diesem Szenario gibt es einige offensichtliche Widersprüche (du hast gleichzeitig existiert und nicht existiert, die Zeitreise hat und hat nicht stattgefunden), die uns zeigen, dass es unmöglich ist.

Aber ein Paradoxon tritt nicht nur auf, wenn Zeitreisende das Ziel haben, ihre Großeltern zu töten, sondern auch, wenn sie versuchen, die Vergangenheit in irgendeiner Weise zu ändern. Angenommen, jemand reist heute in der Zeit zurück, um die Vergangenheit nur relativ geringfügig zu verändern, beispielsweise, indem sie ihren Namen zur Mittagszeit des 1. Januar des Jahres 1900 in einen Baum ritzt. Die Logik besagt, dass sie keinen Erfolg haben kann, denn wenn sie ihn gehabt hätte, würde das bedeuten, dass es sowohl richtig als auch falsch wäre, dass ihr Name am Mittag des 1. Januar 1900 in den Baum geritzt wurde. Der Widerspruch bedeutet, dass es nicht funktionieren kann.

Es wird oft angenommen, dass das Großvaterparadoxon zeigt, dass Zeitreisen unmöglich ist, aber tatsächlich zeigt es die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu verändern, was jedoch nicht dasselbe ist. Das Paradoxon schließt Zeitreisen als solche nicht aus, sondern lediglich die Möglichkeit, dass Zeitreisende die Vergangenheit verändern. In einer einzelnen Zeitlinie gibt es keine Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern, sogar wenn Zeitreisen möglich ist. Und wenn es mehrere Zeitlinien gibt, welche in Paralleluniversen umgesetzt werden, gibt es immer noch keine Möglichkeit, die Vergangenheit in einer von ihnen zu verändern, sogar wenn Zeitreisen möglich wäre.

Natürlich ist die Idee der Paralleluniversen in Werken der Science Fiction verbreitet. Aber sie wird heute auch von vielen Wissenschaftlern und Philosophen ernst genommen. Gemäß mancher Theorien sind Paralleluniversen absolut voneinander getrennt und können nicht interagieren, während andere Theorien enthalten, dass Paralleluniversen interagieren, was es möglich macht, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, nach ihnen zu suchen. Manche Physiker behaupten sogar, dass es möglich sein könnte, in ein Paralleluniversum zu reisen.

Und wenn es Paralleluniversen gibt, und wenn es möglich ist, von einem bestimmten Datum aus in einem Universum zu einem anderen Datum in einem anderen Universum zu reisen, dann ist es für die Reisenden möglich, die Ereignisse in der Zeitlinie, in die sie gereist sind, zu verändern im Vergleich dazu, wie sie sonst geschehen wären. In diesem Fall wird nicht die Vergangenheit verändert, sondern nur die Zukunft. Die Autoren hinter der neuen Star Trek-Serie haben das verstanden – und haben im Ergebnis die heikle Angelegenheit der Zeitreise geschickt bearbeitet, ohne auf die Paradoxien herein zu fallen, von denen einige andere Science Fiction-Werke geplagt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Galaxie-Sterne-Spiralgalaxie“ by Wikilmages (CC BY 1.0)


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Könnten wir ein Gehirn hochladen – und sollten wir es überhaupt versuchen?

Nervenbahnen (image by geralt [CC0] via Pixabay)

Die Menschen träumten schon immer davon, über die Grenzen ihres Körpers hinauszugehen: die Schmerzen, die Krankheit und allen voran der Tod wollen überwunden werden. Jetzt weitet eine neue Bewegung dieses ursprüngliche Bedürfnis aus. Unter der Bezeichnung Transhumanismus will die Forschung einen Weg bereitstellen, der es uns ermöglicht, über unsere jetzigen physischen Verfassungen hinauszuwachsen und so unseren  Traum von Überlegenheit wahrzumachen.

Die möglicherweise schlimmste Art, wie die Technologie aus Sicht der Transhumanisten die menschliche Verfassung verändert, ist die Idee, dass der Verstand einer Person in digitale Daten konvertiert und in einen unglaublich leistungsfähigen Computer „hochgeladen“ werden könnten. Das würde es erlauben, in einer Welt der grenzenlosen virtuellen Erfahrungen zu leben und tatsächlich unsterblich zu sein – solange jemand daran denkt, Backups zu erstellen und den Computer nicht abschaltet.

Bisher scheint es, als würden die Transhumanisten die Tatsache ignorieren, dass dieser Upload des Bewusstseins einige unüberwindbare Hindernisse aufweist. Die praktischen Schwierigkeiten zeigen, dass es in der näheren Zukunft nicht umsetzbar ist – doch es gibt auch einige weitere fundamentale Probleme des gesamten Konzepts.

Die Idee des Hochladens des Hirns basiert auf Science Fiction. Ray Kurzweil, Autor und technischer Leiter bei Google, hat vermutlich am Meisten dazu beigetragen, den Eindruck zu erwecken, dass die Idee Realität werden könnte – eventuell schon ab dem Jahr 2045. Zuletzt hatte der Ökonom Robin Hanson die Konsequenzen eines solchen Szenarios für die Gesellschaft und Wirtschaft im Detail erforscht. Er hat eine Welt vor Augen, in der alle Arbeit auf körperlose Nachbildungen des menschlichen Geistes ausgeführt wird, die Simulationen einer virtuellen Realität durchlaufen, die Rechneranlagen nutzt, die so groß wie eine ganze Stadt sind.

Es ist nur ein kleiner Schritt von der Idee, dass unser Bewusstsein hochgeladen werden könnte bis hin zu der Vorstellung, dass dies bereits geschehen ist und wir in einer Computersimulation im Matrix-Stil leben. Der Unternehmer Elon Musk hatte diese Diskussion wieder aufblühen lassen, indem er argumentierte, dass die Chance, nicht in einer Computersimulation zu leben, nur etwa eins zu einer Milliarde wäre. Natürlich ist das nur eine technische Wiederbelebung der Ansicht, dass die Realität eine Illusion ist, eine Idee, die von Philosophen und Mystikern seit hunderten von Jahren diskutiert wird.

Aber es gibt einige ernste Probleme mit der Idee, dass wir unsere Gedanken auf einen Computer hochladen können. Zunächst das praktische Problem: Unsere Gehirne haben jeweils Billionen von Verbindungen zwischen etwa 86 Milliarden Neuronen. Um das Gehirn digital zu replizieren, müsste jede dieser Verbindungen zugeordnet werden, was weit über unseren jetzigen Möglichkeiten liegt. Mit der jetzigen Entwicklungsgeschwindigkeit von Computern und darstellender Technologien könnte uns dies erst in einigen Jahrzehnten möglich sein. Dies würde jedoch nur für ein totes und zerlegtes Gehirn gelten.

Mehr als nur Moleküle

Auch wenn wir solch ein „Verbindungsdiagramm“ für ein lebendes Gehirn erstellen könnten, wäre das noch nicht genug, um zu verstehen, wie es funktioniert. Dafür müssten wir exakt beziffern, wie die Neuronen an jeder Verbindungsstelle interagieren. Das ist eine Detailangelegenheit auf molekularer Ebene. Wir wissen nicht einmal, wie viele Moleküle im Gehirn vorhanden sind, geschweige denn wie viele notwendig für dessen Funktionen sind. Was immer die Antwort sein mag, es ist zu viel, um es mit einem Computer zu replizieren.

Das bringt uns in die Richtung einer tiefergehenden konzeptionellen Schwierigkeit. Nur weil wir einige Aspekte davon simulieren können, wie das Gehirn funktioniert, bedeutet das nicht unbedingt, dass wir ein komplettes echtes  Gehirn nachbauen könnten – oder sogar ein Bewusstsein erschaffen. Kein denkbarer Zuwachs an Rechenleistung wird es uns erlauben, das Gehirn auf der Ebene einzelner Moleküle zu simulieren. Gehirn-Nachahmung wäre als nur möglich, wenn wir seine digitalen und logischen Abläufe von der chaotischen Molekularebene abstrahieren könnten.

Um die Abläufe eines menschengemachten Computers zu verstehen, müssen wir nicht die Ströme und Spannungen in jedem seiner Komponenten verfolgen und noch weniger verstehen, was jedes einzelne Elektron macht. Wir entwickelten den Schaltvorgang der Transistoren, so dass eine unmissverständliche Zuordnung der Stellung der Kreisläufe auf die einfache Logik von Einsen und Nullen erfolgt. Aber niemand hat ein Gehirn designed, sondern es hat sich entwickelt, also gibt es keinen Grund, eine einfache Zuordnung seiner Abläufe auf eine digitale Logik zu erwarten.

Gefährliche Idee

Auch wenn das Hochladen des Geistes ein unerreichbarer Traum ist, werden einige sagen, dass es niemandem schadet, von solchen Möglichkeiten zu träumen. Jeder muss an einem bestimmten Punkt seine eigene Sterblichkeit fürchten. Ich maße mir nicht an, darüber zu diskutieren, wie die Menschen mit diesen Ängsten umzugehen haben.

Das Verschmelzen des Transhumanismus mit grundsätzlichen religiösen Vorstellungen und wissenschaftlicher Sprache ist jedoch durchaus von Bedeutung, denn dies verzerrt die Art, wie wir über Technologie nachdenken. Transhumanismus tendiert dazu, die Technologie als Lösung zu verstehen, die alle unsere Wünsche erfüllen soll. Dies ist oft durch das Argument gerechtfertigt, dass Technologie die menschliche Entwicklung ausnahmslos in eine positive Richtung treiben wird.

Diese Annahme verfälscht unsere wissenschaftlichen Prioritäten und behindert uns dabei, bezüglich der Entwicklung der Technologien, die wir brauchen, um unsere derzeitig bestehenden Probleme zu lösen, vernünftige Entscheidungen zu treffen. Das Hochladen eines Gehirns ist eine wichtige Voraussetzung der spekulativen Fiktion, aber ist nicht als eine Basis für Diskussionen über die Zukunft geeignet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Nervenbahnen“ by Geralt (CC0)


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Warum das Reisen zu den Sternen plötzlich ein realistisches Ziel ist

Space (image by Ronobald (CC0 Public Domain) via Pixabay)

Man muss schon mutig sein, um zu verkünden, dass interstellare Raumfahrt von nun an durchaus in unserer Reichweite liegt. Als Teil der „Breakthrough Starshot“-Initiative hat der Physiker Stephen Hawking gezeigt, dass genau das auf ihn zutrifft. Das Projekt hat ein mit 100 Millionen US-Dollar ausgestattetes Forschungsprogramm angekündigt, das untersucht, wie die Lichttechnologie aus dem Sonnensystem zum Antrieb von Raumfahrzeugen genutzt werden kann, um benachbarte Sterne zu entdecken. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit ist die interstellare Raumfahrt nun ein realistisches und erreichbares Ziel und nicht mehr nur Spielplatz für Science Fiction.

Was hat sich also verändert, dass interstellare Raumfahrt möglich wird? Zu allererst: die Erwartungen. Es geht hier nicht um ein beeindruckend großes Raumschiff mit einer Kolonie von Astronauten an Bord, die einen entfernten Stern einnehmen und für zukünftige Generationen bewohnbar machen wollen. Auch geht es nicht darum, schneller als das Licht durch Wurmlöcher zu reisen und im Bruchteil einer Sekunde am anderen Ende des Universums wieder herauszukommen. Vielmehr geht es um Technologie, die bereits oder so gut wie existiert und in einer neuen, aufregenden Art und Weise genutzt wird.

Grundlage ist die Technologie von Sonnensegeln in Kombination mit der Möglichkeit, die Instrumente in kleiner Form bauen zu können. Die Idee hinter Sonnensegeln ist die, dass das von der Sonne ausgestrahlte Licht zum Antrieb von Objekten genutzt werden kann. Langsam fängt das Objekt an sich zu bewegen und nimmt immer mehr an Geschwindigkeit zu, bis es Werte erreicht, die einen signifikanten Anteil der Lichtgeschwindigkeit ausmachen. Bislang wurden die Tests an Segeln ausgeführt, die mehrere Meter breit sind und eine Traglast von mehreren Kilogramm haben. Und die Technologie funktioniert – sowohl die Europäische Raumfahrtstation (ESA) als auch die NASA haben Systeme entwickelt, die auf Raumfahrzeuge angewendet werden könnten. Um effizient funktionieren zu können, müssen die Segel mehrere Meter breit sein, ebenso wie die Segel eines Segelboots eine gewisse Größe haben müssen, um das Schiff vorwärts bewegen zu können.

Die Verkleinerung von Instrumenten war schon seit Inbetriebnahme von Sputnik – der erste künstliche Satellit, der die Erdumlaufbahn umkreiste – der ausschlaggebende Antrieb für die Weltraumforschung. Das ideale Instrument für eine Weltraummission hat eine möglichst geringe Masse und einen minimalen Energieverbrauch. Diese Auflagen führten zur Konzeption von CubeSat, einem kleinen Satelliten, auf dessen Basis eine Standardplattform entwickelt wurde, auf die unterschiedliche Instrumente angepasst werden können. Der ganze Satellit kann außerdem von einer Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge gestartet werden.

Wir alle wissen um die rasche Entwicklungszeitspanne, in der das Equipment immer kleiner wird – ein einziger Blick auf das Smartphone mit seiner präzisen Kamera, seiner Fähigkeit, gigabytegroße Mengen von Audio- und Bilddateien zu speichern und abzuspielen, zeigt uns, was Technologie heute bereits alles kann. Es gab Pläne, einen CubeSat zu nutzen, um viele kleine Sonden herzustellen und mit ihnen Instrumente auf den Mond und den Mars zu fliegen. Die „Breakthrough Starshot“-Initiative setzt jedoch auf einen einzigen Mikrochip – ein Raumfahrchip, der ein Raumfahrzeug ist (und andersherum!).

Das Konzept baut auf individuellen Mikrochips auf, die jeweils von einem Sonnensegel angetrieben werden sollen. Vorausgesetzt, dass das Segel deutlich größer ist als das Schiff – der Chip wird etwa einen Zentimeter groß sein – gilt es, diverse praktische und technologische Schwierigkeiten zu bewältigen. Das Segel am Schiff zu befestigen, dürfte jedoch eine der am wenigsten schwierigen Herausforderungen darstellen.

Interstellare Bedrohungen

Der interplanetare und interstellare Raum ist voller Bedrohungen für so einen winzigen Reisenden. Die zwei größten Bedrohungen sind in dem Fall Staub und Strahlung. Auch wenn es große Fortschritte in der Fertigung von dünnen, aber starken Materialien gab, die geeignete Sonnensegel darstellen würden, könnte ein schnell beschleunigtes Staubkorn das Sonnensegel auseinanderreißen. Zudem sind Mikrochips hohen Dosen von Strahlung gegenüber sehr sensibel – und der interstellare Raum ist voll von kosmischen Strahlen. Und: Wie verletzungsanfällig werden die Chips sein, wenn sie sich noch im Sonnensystem befinden und mit Veränderungen der Solarwinde fertig werden müssen?

Wenn alle technologischen Entwicklungen abgeschlossen sind und die Chips eingeführt wurden – was eher früher als später der Fall sein könnte, sollte die „Breakthrough Starshot“-Initiative erfolgreich sein – wohin sollen die Chips dann reisen und was sollen sie tun, wenn sie dort angekommen sind? Der Plan ist, dass sie zum nächsten Nachbarn unseres Sonnensystems reisen, Alpha Centauri, wohin sie etwa 20 Jahre unterwegs sein werden und mit einer Geschwindigkeit von 60000 km pro Sekunde reisen werden.

Dies ist nicht nur eine beeindruckend kurze Zeit, um eine Distanz von 40 Billionen Kilometer zurückzulegen, sondern ebenfalls eine vernünftige Zeitspanne, die eine Raummission beanspruchen sollte – man denke nur daran, wie lange das Hubble-Teleskop im Einsatz war und mit was für spektakulären Bildern es zurückgekehrt ist. Unterwegs nach Alpha Centauri werden die Chips sich wie Touristen verhalten – sie machen Bilder, treffen die Einheimischen vor Ort (Planeten? Kometen?) und betrachten die Landschaft (wie beispielsweise weiter entfernte Sterne).

Diese möglichen Forschungsergebnisse an sich dürften bereits eine ausreichende wissenschaftliche Rechtfertigung für die Durchführung des Projekts sein. Wir haben noch nie einen Stern oder eine Supernova aus dem interstellaren Raum beobachtet – wir schauen immer durch die Linse des Sonnensystems. Sobald die winzigen Reisenden Alpha Centauri erreicht haben, werden die Instrumente Messungen des Weltraums vornehmen und uns – wiederum zum allerersten Mal – detaillierte Einsichten in Sterne ermöglichen, die ganz anders als unser eigener sind. Sie könnten sogar neue Planeten und Monde finden.

Wir haben darüber spekuliert, auf Gravitationswellen zu surfen und dabei durch die Zeit zu reisen – was noch immer sehr viel Science Fiction ist. Zumindest aber segeln wir jetzt in einem Solarwind und interstellare Reisen sind in unsere Reichweite gerückt. Wir mögen noch nicht an dem Punkt angekommen sein, an dem interstellare Reisen für Menschen möglich sind, aber die Möglichkeit zu haben, dabei zuzusehen, wie das Reisen durch den interstellaren Raum aussieht, während wir dabei noch in der gemütlichen Umgebung unseres eigenen Zuhauses sind, ist sicherlich ein erster Schritt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Space“ by Ronobald (CC0 Public Domain)


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Objekte mit Gedanken kontrollieren – bald kein SciFi mehr?

13365 you're like a rubik's cube (adapted) (Image by Jin [CC BY 2.0] via flickr)

Es ist ein spannender Schritt nach vorn für die Wissenschaft und Medizin, wenn berichtet wird, dass der querschnittsgelähmte Ian Burkhart aus Ohio in den USA es geschafft hat, die Kontrolle über seine Finger wiederzuerlangen, nachdem ein Chip in sein Gehirn implantiert wurde. In der Tat kann es sein, dass Sie sich jetzt wundern, wie lange es dauern wird, bis wir eine Tür entriegeln, den Wasserkocher einschalten oder sogar eine E-Mail senden können, indem wir lediglich daran denken. Der Durchbruch in Ohio beruhte auf einer Technik, die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) genannt wird, um das Muster der elektrischen Impulse in dem Teil des Gehirns zu identifizieren, der Bewegungen kontrolliert – dem motorischen Kortex – die erzeugt wurden, als Burkhart daran dachte, seine Finger zu benutzen. Das System hat gelernt, dieses Muster zu erkennen, wenn es in seinem Gehirn auftauchte und dann die Empfänger anzuleiten, seine Armmuskulatur zu stimulieren, um die richtigen Bewegungen auszuführen. Diese Technologie könnte lebensverändernde Ergebnisse für Menschen mit Behinderungen hervorbringen, aber sie hat auch nur ein eingeschränktes Potenzial außerhalb des Körpers. Es geht darum, Bewegungsanleitungen an jene Körperteile zu schicken, die auf die übliche Weise nicht erreicht werden können. Wir könnten in der Lage sein, sie zu verwenden, damit ein Roboter unsere Bewegungen reproduziert – aber da könnte auch schon Schluss sein. Andererseits haben wir schon Wege entdeckt, um fremde Objekte zu beeinflussen. Vor drei Jahren habe ich ein modifiziertes Scalextric Set auf dem Lancashire Science Festival vorgeführt, welches es Menschen ermöglichte, Autos schneller auf der Piste zu bewegen, indem sie sich einfach stärker auf diese konzentrierten. Hunderte von Leuten konnten es ausprobieren, indem sie ein Bluetooth-Headset, das „Neurosky Mindwave„, verwendeten, welches lediglich mit einem Laptop und einem einfachen Microcontroller verbunden war. Die Technologie hinter dem Schritt von der Telekinese aus Science-Fiction-Filmen oder Comicbüchern hin zur realen Welt ist die Elektroenzephalographie oder EEG. Sie überwacht durch Nutzung von auf dem Schädel platzierten Elektroden die elektrischen Aktivitäten des Gehirns. Die Daten werden dann ausgewertet, um die den Impulsen zugrunde liegenden Frequenzen zu sehen, die mit den verschiedenen Gehirnaktivitäten verbunden sind. Das Alpha-Frequenzband gehört beispielsweise zu einer wachsamen Entspannung mit geschlossenen Augen, während die Beta-Frequenz mit dem normalen wachen Bewusstsein verbunden ist. Die Headsets in meiner Vorführung haben diese Informationen auf das Laptop übertragen, welches Algorithmen verwendete, die die Konzentration als Kombination verschiedener Impulse erkannten: auf mehreren Frequenzen steigend und gleichzeitig auf anderen Frequenzen fallend. Als es diese erkannte, wies es den Microcontroller an, die Energie zu steigern, die zum Scalextric ging. Es gibt einen Kniff, damit dieses System gut funktioniert: Manchmal stellten Leute fest, dass die Autos schneller fuhren, obwohl sie dachten, dass sie sich nicht konzentrieren würden. Ich habe herausgefunden, dass ich die Autos beschleunigte, indem ich das Alphabet in meinem Kopf aufsagte; und konnte sie abbremsen, indem ich auf eine weiße Wand schaute. Jeder ist ein wenig anders. Nun gibt es Spielzeuge zu kaufen, die auf derselben Technologie basieren. Ein Beispiel ist der Star Wars Force Trainer, bei dem EEG, und nicht Jedi-Power es den Nutzern ermöglicht, einen Tischtennisball zu heben, indem man nur seine Gedanken verwendet. Es gibt auch ernsthaftere Anwendungsmöglichkeiten. Um beispielsweise die Nutzung von Computerprogrammen zu vereinfachen, haben Forscher EEGs untersucht, um das Ausmaß an kognitiver Anstrengung zu erkennen, die jemand für verschiedene Elemente eines Programms aufwendet. Ich habe die Gehirnaktivitäten von erfahrenen Bogenschützen erforscht und einen Unterschied zwischen Impulsen von „guten“ und „schlechten“ Schüssen entdeckt. Dies könnte es Trainern ermöglichen, den Sportlern mitzuteilen, wann sie sich im richtigen Geisteszustand befinden, während die Sportler in der Lage sein könnten, ihre Gedanken zu trainieren, um bessere Ergebnisse zu erzielen.

Die Schwierigkeiten mit Gedanken

Dies sind vielversprechende Entwicklungen, aber sie befassen sich mehr mit den „globalen“ Aktivitäten des Gehirns, anstatt mit jemandes Gedanken. Es gibt einen sehr großen Unterschied. Zum Beispiel haben Forscher einen EEG-betriebenen elektrischen Rollstuhl gebaut, jedoch kommt er in Schwierigkeiten, sobald ein Hindernis auftaucht. Der Nutzer neigt dazu, sich auf das Hindernis zu konzentrieren und da das System nicht in der Lage ist, einen Moment der Konzentration von dem anderen zu unterscheiden, bewegt sich der Rollstuhl weiter fort und die Person könnte in Gefahr geraten. Um dieses Problem zu lösen, haben Forscher ein sekundäres Kontrollsystem hinzugefügt, das es dem Nutzer erlaubt, ein Pad zu berühren, damit sich der Rollstuhl bewegt und es noch einmal zu berühren, um dies zu unterbinden – mit mäßigem Erfolg. Das Hirn ist ein sehr komplexes Organ mit vielen Bereichen, die für viele verschiedene Aktivitäten zuständig sind. Es ist eine große Herausforderung, alles voneinander zu trennen und „Gedanken“ in den Daten zu isolieren. Die Grenze der aktuellen Technologie ist es, eine Vielzahl von Elektroden auf dem Schädel zu befestigen und die Aktivitäten in den verschiedenen Bereichen des Gehirns gleichzeitig zu messen. Da unterschiedliche Bereiche unterschiedliche Handlungen steuern, ermöglicht es die Verwendung von Algorithmen. Man will damit herausfinden, ob eine Person etwa daran denkt, den linken oder rechten Arm zu bewegen. Dies könnte zum Beispiel eine etwas ausgefeiltere Art der gedankengesteuerten Kontrolle des Rollstuhls ermöglichen. Aber obwohl es sich leicht der Gedankenkontrolle annähert, ist es immer noch ziemlich allgemein und muss an das Individuum angepasst werden, da die exakten Gehirnaktivitätsmuster von Person zu Person variieren. In Zukunft werden wir die Struktur und die Funktionsweise des Gehirns besser verstehen lernen. Zusammen mit sensibleren Elektroden und einer besseren Rechenleistung der Computer könnte dies ermöglichen, die Hirn-Computer-Verbindung in ein präziseres System weiterzuentwickeln, das sich den Unterschieden zwischen einer Person und der nächsten anpassen kann. Dies würde es einer Person, die mit einer Behinderung leben muss, vereinfachen, ein Gerät zu steuern oder zu kommunizieren. Und sogar dann wäre es noch ein ziemlicher Weg hin zu echter „Gedanken“-kontrolle. Es ist bereits möglich, einen Wasserkocher durch Konzentration und durch Nutzung der EEG-Technologie einzuschalten, aber wir sind noch immer ziemlich weit weg davon, verschiedene Anweisungen an verschiedene Objekte, die an ein einziges System angebunden sind, zu erdenken. Was E-Mails betrifft, sieht es zumindest so aus, dass wir die nächste Zeit weiter tippen werden. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „13/365: You’re like a Rubik’s Cube“ by Jin (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 24. November

In unseren Lesetipps geht es heute ums Urheberrecht, Flipagram, wie Snapchat funktioniert, Science Fiction bei Microsoft und die Antiwerbung der Telekom. Ergänzungen erwünscht.

  • URHEBERRECHT Tom Hillenbrands Blog: Armer Autor, Du hast echt keine Freunde: In seinem Blog kommentiert der Schriftsteller Tom Hillenbrand das aktuelle Urteil des Europäischen Gerichtshof zur Urheberpauschale und erklärt die Thematik und Entwicklung an sich. Es geht darum, ob die Verlage etwas von der eingesammelten Urheberpauschale wie bisher abbekommen oder nicht, vor allem da das EuGH diese Praxis als rechtswidrig ansieht. Fazit der ganzen Geschichte ist eigentlich die Erkenntnis, die man bei jeder Debatte um das Urheberrecht bekommt: Es geht nie um Rechte, sondern stets um Geld.

  • FLIPAGRAM Forbes: Flipagram Could Be Bigger Than Instagram: Mit Flipagram können aus Bildern, Videos und Musik kurze Mashups erstellt und in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Die App hatte nach einem Jahr bereits 30 Millionen Nutzer, eine Benchmark für die Facebook drei Jahre gebraucht hat, Snapchat immerhin zwei Jahre. Kathleen Chaykowski geht für Forbes der Frage nach, ob es sich bei Flipagram um das nächste Instagram handelt und gibt einen interessanten Einblick in die Entwicklung durch den Gründer Farhad Mohit.

  • SNAPCHAT Medienspinnerei: Was ist Snapchat? Wie geht das? Wozu brauche ich das?: Snapchat ist ein Messenger, mit dem man zeitlich nur begrenzt angezeigte Bilder und Videos veröffentlichen kann. Soweit so gut, was Snapchat ist, kann man leicht erklären, aber wie es funktioniert und wie man es nutzen kann, fällt mir persönlich schon schwerer zu erklären, denn bisher hat es für mich nur in der direkten Kommunikation mit meiner Freundin Sinn ergeben. Etwas mehr Klarheit bringt dieser Artikel von Falk Sieghard Gruner, der gleich auch ein paar Beispiele für gelungene Kommunikation mithilfe von Snapchat anzeigt.

  • MICROSOFT The Next Web: 9 sci-fi authors went to Microsoft’s research labs and wrote a book: Microsoft hat neun Science-Fiction-Autoren – Elizabeth Beat, David Brin, Nancy Kress, Greg Bear, Ann Leckie, Seanan McGuire, Jack McDevitt und Robert J. Sawyer – in sein Forschungslabor eingeladen und ihnen die vermeintliche Zukunft gezeigt. Herausgekommen ist ein Buch mit Science-Fiction-Literatur über eine mögliche Version der Zukunft, in dem es vor allem um das Verhältnis zwischen Mensch und Technologie geht. Amanda Connolly zeigt sich in ihrem Artikel auf The Next Web beeindruckt.

  • DEUTSCHE TELEKOM Horizont: Warum die Antiwerbung in Wahrheit ein Geniestreich ist: Marco Saal kommentiert die aktuellen Werbespots der Telekom, die sich mit dem Thema „Digital Detox“ auseinandersetzen und, für einen Telekommunikationsanbieter sicher ungewöhnlich, es beinahe propagieren, im Familienkreis auch einmal die vielen Geräte wegzupacken, die uns sonst so wichtig geworden sind. Doch von Antiwerbung kann keine Rede sein, wie Saal erklärt, sondern von einem aus Markensicht gelungenen Geniestreich, auch wenn der Vertrieb der Telekom vielleicht ganz leichte Bauchschmerzen bekommt.

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