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LiFi: Internet über Licht von Signify ausprobiert

WiFi Lifi Licht Symbolbild

Internet-Daten über Lichtstrahlen verschicken? Klingt nach einem coolen Gadget in einer Sci-Fi-Geschichte. Tatsächlich handelt es sich um eine ganz reale Technologie, die Firmen und Forscher aktiv vorantreiben. Zweifelt nicht an euch, wenn ihr noch nichts über das sogenannte LiFi gehört habt. Denn obwohl die Tech-Bubble das Thema als potenzielles „Next big thing“ diskutiert, hebt sich der Vorhang dafür erst allmählich. Philips-Hue-Hersteller Signify (ehemals Philips Lighting) gehört zu den ersten Firmen, die ein marktreifes LiFi-System parat haben. Kürzlich hat der Hersteller sie vor Journalisten am Firmensitz in Hamburg demonstriert. Immer interessiert an Innovationsthemen, haben wir uns die Lösung von Signify gern angeschaut.

Das steckt hinter der Internet-Technik

Bei LiFi handelt es sich um eine Technik für kabellose Datenübertragung mit Geschwindigkeiten auf außerordentlich schnellem Breitband-Niveau. Damit ähnelt sie WLAN, doch mit einem wichtigen Unterschied. Denn statt auf Funkwellen surfen die Daten bei LiFi auf Lichtstrahlen. Zum Einsatz kommt je nach System sowohl sichtbares, als auch unsichtbares Licht im infraroten Bereich.

Als Sender dienen die Leuchtdioden moderner LED-Leuchtmittel, wie sie heutzutage in praktisch allen Lampen stecken. Jede Leuchte ist dabei mit einem eigenen Modem ausgestattet. Dieses wiederum ist über die Wandverkabelung mit dem Internet-Router verbunden. Dabei erhalten die Leuchten ihre Signale beispielsweise über Netzwerkkabel, die gleichzeitig auch als Stromkabel dienen können (Power over Ethernet).

Als kabellose Empfangsgeräte für LiFi-Signale sind alle Geräte vorgesehen, die sich auch jetzt auch ins Internet einklinken. Weil in noch keinem Laptop oder Smartphone entsprechende Empfangstechnik steckt, dient derzeit ein LiFi-Dongle am USB-Port als Brückenlösung.

Signify LiFi USB-Dongle
Ohne einen USB-Empfänger am Laptop geht es nicht, weil noch kein Gerät die Technik eingebaut hat. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Angelehnt an die Markenbezeichnung von WLAN, WiFi, hat der deutsche Informatiker Harald Haas im Jahr 2011 die Bezeichnung LiFi eingeführt. Andere Forschergruppen und Unternehmen übernahmen den Begriff und tüfteln seitdem daran, die Technik zum Fliegen zu bringen. Dazu gehört auch Signify, einer der großen Player der Licht-Branche.

Wozu brauchen wir LiFi statt WiFi?

„Der Einsatz von LiFi kommt überall dort infrage, wo WLAN von anderen Funksignalen gestört wird oder selbst welche stören kann – in Flugzeugen und Krankenhäusern beispielsweise“, erklärt Martin Kapralek, IT-Systemarchitekt bei Signify in Hamburg. Auch in Sachen Sicherheit punktet die junge Internet-Technologie. Denn anders als WLAN-Funkwellen dringt Licht nicht über die festen Wände der Büroräume hinaus.

Die Datenübertragung erfolgt nur bei direktem Sichtkontakt bzw. über von Oberflächen reflektiertes Licht. Hacker müssten also physisch vor Ort sein, um Daten abzugreifen. Per Fernzugriff können sie dort nicht einbrechen. „Das macht LiFi potenziell interessant für die Finanzwirtschaft, staatliche Dienststellen und alle anderen Büroumgebungen, in denen sensible Daten ausgetauscht werden“, betont Martin Kapralek. Dort könnten Wissensarbeiter, die der Sicherheit wegen mit ihrem Rechner jetzt noch am LAN-Kabel hängen, endlich auch die Vorteile mobiler Computer nutzen.

Signify LiFi YouTube Windows Laptop
An einem Windows-Laptop streamte Signify ein YouTube-Video über LiFi – das WLAN blieb ausgeschaltet. Image by Berti Kolbow-Lehradt

In der Praxis: YouTube-Streaming per Licht

Am Firmensitz in Hamburg demonstrierte uns Martin Kapralek von Signify, wie man sich ein solches Setup vorzustellen hat. Die Komponenten: eine etwa einen Meter im Quadrat messende Einlegeleuchte für die Bürodecke, ein handelsüblicher Windows-Laptop und ein USB-Receiver, etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel. Auf dem Laptop streamte Martin Kapralek ein YouTube-Video in Full-HD-Auflösung. Dabei diente das LiFi-Signal der Büroleuchte als einzige Verbindung. Der Laptop befand sich nachweislich im Flugmodus, hatte also keinen WLAN-Zugriff. Die Büroleuchte selbst verband sich über die PoE-Deckenverkabelung mit dem hausinternen Netzwerk und surfte so den YouTube-Server an. Die Demo verlief reibungslos, das YouTube-Video wurde flüssig ohne Aussetzer in Bild und Ton übertragen. Video-Konferenzen via LiFi-Verbindung zu führen, ist somit ein denkbarer Anwendungsfall.

Geht es nach Signify, hätten wir parallel auf anderen Geräten noch diverse weitere Web-Videos schauen können. Einen Downstream von bis zu 30 MBit/s ermöglicht das System von Signify bisher. Da ist im Vergleich zu dem, was DSL-Leitungen hergeben, nicht viel, aber laut Martin Kapralek mehr, als für die üblichen Büroaufgaben nötig ist. Dafür würden 8 Mbit/s reichen. Doch technisch ist LiFi zu erheblich höherem Tempo im Stande. Unter idealen Testbedingungen haben andere Forscher sogar bereits wahnwitzige LiFi-Spitzengeschwindigkeiten von 240 GBit/s erzielt. Für den kommerziellen Einsatz ist das aber vorerst weder ein realistischer noch ein erforderlicher Wert.

Die „Schattenseiten“

Bei der LiFi-Demonstration von Signify wurden jedoch auch die, Pardon, Schattenseiten, also die Kompromisse dieser Technologie greifbar. Nur auf kurzen Strecken ist die LiFi-Technik sinnvoll einsetzbar, wenn auch nicht nur auf so kleinem Raum, wie es die kompakte Demo-Station während unseres Besuchs bei Signify nahelegte. Nicht mehr als 150 bis 400 Zentimeter sollten Leuchte und Empfangsgerät entfernt voneinander sein, erläuterte Martin Kapralek. Das setzt Grenzen. „Um einen ganzen Raum abzudecken, sind mehrere LiFi-fähige Leuchten nötig. Wenn Anwender dann beispielsweise mit ihren Laptops den Raum durchqueren, nehmen diese dann einfach mit dem nächsten LiFi-Zugangspunkt Kontakt auf“, erklärt der IT-Systemarchitekt.

Das aber multipliziert die ohnehin schon hohen Anschaffungskosten eines LiFi-Setups. Bei 1.500 Euro geht eine kompatible Einbauleuchte aus den Signify-Serien Philips PowerBalance gen2 und Philips LuxSpace Downlight los. Hinzu kommt der USB-Receiver zu je 250 Euro. Da es sich um Pionierprodukte handelt, sind LiFi-fähige Leuchten entsprechend kostspielig und somit derzeit eher nur für größere Unternehmenskunden zu rechtfertigen.

In Zukunft könnten Bürolampen Laptops mit dem Internet verbinden, wie diese LiFi-Demo-Station von Signify veranschaulicht. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Die Energiekosten schraubt LiFi immerhin nicht sehr stark nach oben. Denn die Signify-Leuchten müssen nicht maximal hell leuchten, um Daten zu übertragen. Für einen stabilen Transfer genügt es, wenn sie auf 20 bis 30 Prozent herunter gedimmt sind. Und wer noch herkömmliche Glühbirnen im Büro verwendet, kann mit einer Modernisierung auf LED ohnehin viel Strom sparen.

Vor LiFi liegt noch ein langer Weg ins Rampenlicht

Es handelt sich sich ganz klar um eine faszinierende Internet-Technik mit großem Einsatzpotenzial in vielen Bereichen. Die Vorteile gegenüber WLAN sind einleuchtend. Internet über Licht stört nicht und ist sicherer. Und der Anfang ist gemacht. Schließlich haben nach jahrelangem Vorlauf neben Signify auch die deutlich kleineren Spezialisten Oledcomm und PureLiFi Produkte für eine WiFi-Alternative zur Marktreife gebracht.

Doch neben den hohen Installationskosten gibt es auch noch einen ganz banalen Nachteil, der den Durchbruch von LiFi ausbremst. Die bisher noch nötigen USB-Dongles sind für den dauerhaften Alltagsgebrauch einfach zu unpraktisch. Der Mangel an Laptops und Smartphones mit integriertem Licht-Internet ist derzeit der größte Flaschenhals. Bei großen Hersteller wie Apple und Samsung steht das Thema zwar seit einer Weile auf der Entwicklungsagenda, aber eher in der Kategorie „Zukunftsmusik“.

„Wir gehen davon aus, dass integrierte LiFi-Verbindungen in fünf Jahren in populären Endkundengeräten erhältlich sind“, prognostiziert Martin Kapralek von Signify. Vielleicht sehen wir schon während des kommenden Mobile World Congress die ersten Prototypen. Insbesondere PureLiFi war an seinem MWC-Stand in den vergangenen Jahren immer für eine Überraschung gut. 2018 präsentierte der Pionier dort eine Smartphone-Hülle mit integriertem LiFi-Modul für ein Samsung Galaxy S5. Zwar nicht gerade mit Lichtgeschwindigkeit, aber mit Trippelschritten kommt LiFi seinem Durchbruch immer näher.

Bürobeleuchtung bei Amazon (Provisonslink)


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Smarte Heizkörperthermostate erklärt: Mehr Komfort, weniger Verbrauch – so geht‘s

Smarte Heizkörperthermostate mit Conrad Connect - das bringt's

Smarte Heizkörperthermostate kümmern sich um eine wohlige Wärme und sorgen gleichzeitig dafür, dass Bewohner „nicht für die Straße heizen“. Anders als herkömmliche Thermostatköpfe denken sie mit und regeln die Temperatur genau zur richtigen Zeit. Das erhöht den Komfort und senkt den Energieverbrauch. Wie sich auf intelligente Weise Wärme ins Smart Home bringen lässt, erklären wir zusammen mit Conrad Connect.

So funktioniert die intelligente Heizungssteuerung

„Anders als herkömmliche Modelle verfügen smarte Heizkörperthermostate über einen Elektromotor und sind mit dem Internet verbunden. Dadurch können sie die Wunschtemperatur aufs Grad Celsius genau regeln – und zwar auch per Fernsteuerung in und außerhalb des Hauses“, erklärt Giorgi Jashiashvili, Technik-Experte bei Conrad Connect. Wer öfter einmal vergisst, die Heizung in den Sparmodus zu schicken, kann dies mit smarten Heizkörperthermostaten auch dann noch nachholen, wenn er das Haus bereits verlassen hat.

Allerdings müssen Bewohner noch nicht einmal selbst daran denken, die Heizung ein- und auszuschalten. Per sogenanntem Geofencing sorgen smarte Heizkörperthermostate für eine ortsbasierte Steuerung. Dabei lassen Bewohner per GPS und WLAN ihres Smartphones die Heizsteuerung wissen, ob sie sich im Smart Home aufhalten oder es verlassen haben. Darüber hinaus erkennen smarte Heizkörperthermostate abhängig vom Modell, ob Fenster oder Türen beispielsweise zum Lüften geöffnet sind. Sowohl bei der Fenster-Offen-Erkennung als auch beim Geofencing fährt die Heizung dann rechtzeitig herauf und herunter.

Wenn sie nicht gerade auf Ereignisse und manuelle Eingriffe reagiert, folgt die intelligente Steuerung festgelegten Zeitschaltplänen. Diese sind für einzelne Räume definierbar. Manche Heizungsteuerungen lassen dabei sogar die Wettervorhersage einfließen und fahren die Energie zurück, wenn die Sonne scheint. Das verringert den Energieverbrauch zusätzlich.

Einfache Installation und flexible Bedienung

„Wer von smarten Heizkörperthermostaten profitieren möchte, muss keinen Neubau hochziehen. Sie lassen sich einfach montieren und können so vorhandene Heizkörper modernisieren“, betont Giorgi Jashiashvili, Technik-Experte bei Conrad Connect. Zur Montage genügt eine Rohrzange, mit der der alte Thermostatkopf abgeschraubt und der smarte Ersatz angeschraubt wird. Das gelingt selbst Laien. Um Funkchip und Elektromotor mit Energie zu versorgen, wird das Thermostat noch mit Batterien bestückt. Sie halten in der Regel sehr lange. Eine App im Smartphone sagt Bescheid, wenn es Zeit für einen Tausch ist.

Smarte Thermostate lassen sich sehr flexibel bedienen. Wer es gerade wärmer oder kälter haben möchte als im Zeitschaltplan vorgesehen, kann die Wunschtemperatur über Apps oder mit Sprachbefehlen einstellen. Für den Signalaustausch zwischen den Thermostaten auf der einen Seite sowie den Bediengeräten wie Smartphones und smarte Lautsprecher auf der anderen Seite sorgt ein sogenanntes Gateway. Diese kleine Box verbinden Anwender mit ihrem WLAN-Router.

Smarte Heizung mit Smartphone steuern
Smarte Heizkörperthermostate lassen sich per Smartphone-App, Sprachsteuerung oder über Conrad Connect steuern. Image by Andrey Popov / stock.adobe.com

Natürlich lässt sich die gewünschte Temperatur auch weiterhin direkt am Thermostat festlegen. Denn trotz digitaler Aufrüstung verfügen alle Regler immer noch über Tasten oder einen Drehring.

Weniger Energieverbrauch: So viel Ersparnis ist drin

Geld sparen zu wollen, ist ein häufiger Grund, sich smarte Heizkörperthermostate anzuschaffen. Tatsächlich lassen sich der Energieverbrauch und damit die Nebenkosten senken. Eine Ersparnis von bis über 30 Prozent halten die Thermostat-Hersteller selbst für möglich. Doch dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa, wie häufig Bewohner ihr Smart Home verlassen oder das Fenster zum Lüften öffnen. Deshalb kann die Höhe der Ersparnis im Einzelfall stark abweichen. Außerdem sind in der Rechnung natürlich die Anschaffungskosten zu berücksichtigen. Diese fallen etwas höher aus als bei herkömmlichen Modellen, weil eben auch erheblich mehr Technik drinsteckt.

„Auf jeden Fall deutlich spürbar ist jedoch der Komfortgewinn. Die Heizung dank automatischer Abläufe nicht mehr selbst regulieren zu müssen, bedeutet für viele Verbraucher im Alltag ein deutliches Plus an Wohnqualität“, erläutert Giorgi Jashiashvili, Technik-Experte von Conrad Connect. Darüber hinaus freut sich die Umwelt. Denn, wenn die Heizung weniger Energie verbraucht, gelangt auch weniger CO2 in die Luft. Dadurch leisten Verbraucher ihren persönlichen Beitrag dazu, wem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die besten Heizkörperthermostate für das Smart Home finden

„Smarte Heizkörperthermostate unterscheiden sich bei den Funktionen, dem Design und natürlich im Preis. Ein genauer Vergleich lohnt sich“, rät Giorgi Jashiashvili. Schon rein optisch sind die Unterschiede groß. Reicht etwas Schlichtes oder soll Premium-Design die Heizkörper zieren? Und wenn auch gleich ein Display integriert ist, lässt sich die Temperatur ohne App und Web ablesen. Außerdem verstehen sich viele Lösungen nicht mit beiden, sondern mit jeweils einem der beiden großen Sprachdienste Google Assistant und Amazon Alexa.

Beim Einstieg in die smarte Heizungssteuerung muss ein Gateway für 50 bis 150 Euro her. Ein einzelnes Thermostat kostet dann zwischen 40 und 80 Euro. Abhängig vom Modell ist eine Fenster-Offen-Erkennung an Bord. Falls nicht, lässt sich diese über externe Tür- und Fensterkontaktsensoren nachrüsten.

Smarte Heizung mit Fenster-Offen-Erkennung.
Praktisch: Viele smarte Heizkörperthermostate erkennen offene Fenster und drosseln dann automatisch die Leistung. Falls Sensoren dafür nicht integriert sind, lassen sie sich per Conrad Connect verknüpfen. Image by Creativemarc / stock.adobe.com

Einfacher geht’s nicht: Einstellungen für die smarte Heizung per Mausklick

Nutzer von Conrad Connect brauchen sich nicht auf smarte Thermostate von einem Hersteller festzulegen. Stattdessen können sie verschiedene Lösungen kombinieren und gleichzeitig steuern. Darüber hinaus lassen sich auf der Plattform weitere Komponenten einbinden, zum Beispiel Sensoren für Raumluft, Fenster-Offen-Erkennung und Bewegungsmeldung.

Dies bietet nicht nur mehr Freiheit bei den Kombinationsmöglichkeiten sondern erleichtert auch die Bedienung. Denn anstatt jedes Thermostat in der jeweiligen Hersteller-App zu konfigurieren, können Nutzer Zeitschaltpläne und automatische Abläufe für sämtliche im Smart Home verbauten Heizkörperthermostate in einem Rutsch festlegen.

Und das Beste daran: Die fleißige Community von Conrad Connect hat bereits ganze Arbeit geleistet und automatische Abläufe für viele gängigen Geräte-Kombinationen und Szenarien erstellt. Diese können neue Nutzer in Form von gebrauchsfertigen Projekten mit einem Mausklick per Web-App einfach in ihr Profil importieren und sofort damit loslegen. Weitere Tipps bietet dieser Blog-Post zum smarten Heizen bei Conrad Connect.

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Technik-Trends für das Jahr 2019

Es ist schon wieder soweit: Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu und 2019 erscheint langsam am Horizont. In diesem Jahr gab es viele technische Neuerungen. Gerade die Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz und die Verbesserung vieler Wearables-Produkte bestimmten die News aus der Technik-Branche. Doch was hält das neue Jahr bereit? Was sind die technischen Themen, die uns 2019 begleiten werden? Wir wagen einen Blick in die Zukunft.

„Alte“ Trends bleiben bestehen

Auch im neuen Jahr werden wir auf altbekannte Trends stoßen, die bereits 2018 für Aufsehen sorgten.

So wird zum Beispiel die Künstliche Intelligenz ein Forschungs- und Entwicklungsfeld mit hoher Relevanz bleiben. Ganz egal ob intelligente Service-Systeme oder Home-Assistants wie Google Home und Amazons Alexa. Auch in 2019 werden wir in diesem Feld einige Verbesserungen und Neuerungen sehen, die die Künstliche Intelligenz dem menschlichen Verstand noch näherbringen wird. Außerdem wird in diesem Zusammenhang das Machine Learning im Mittelpunkt stehen. So nennt sich das selbstständige Erlernen von neuen Fähigkeiten, ohne dass es von Menschenhand programmiert wurde. In 2019 werden Künstliche Intelligenzen fähig sein, Bilder und andere äußere Einflüsse besser zu analysieren und zu verarbeiten, um somit den eigenen „Horizont“ selbstständig zu erweitern.

Auch der Bereich Blockchain wird uns 2019 in der Technik weiter beschäftigen. Dass Blockchain noch viel mehr kann, als nur für die Verwaltung von Kryptowährungen herzuhalten, haben wir bereits in diesem Jahr gelernt. Wie diese Systeme verbessert und vor allem sicherer gemacht werden können, werden wir dann im neuen Jahr sehen. Das Forbes Magazine spricht in seinen Voraussagungen für das neue Jahr zum Beispiel von innovativen B2B2C-Beziehungen, also wirtschaftlichen Beziehungen zwischen mehreren Firmen und Endkunden, die durch das Einsetzen von Blockchain vereinfacht werden könnten. Des Weiteren wird die Verbesserung der derzeitigen Sicherheits-Mechanismen ein großes Thema im Blockchain sein.

The Internet of Things bleibt im Trend

Wer sich schon jetzt beschwert, dass das WLAN vom Toaster mal wieder nicht funktioniert, oder einen Kleinkrieg mit seinem Router-gebundenen Rauchmelder führt, den wird im Jahr 2019 mit dem Internet of Things noch mehr Spaß erwarten. Denn das Vernetzen und Verbinden von verschiedensten Haushalts- und Arbeitsgeräten wird im ausgehenden Jahrzehnt weiterhin eine große Rolle spielen. Auch hier ist zum Beispiel die Verwendung von sprachgesteuerten Assistenten ein großes Zukunftsfeld. Letztendlich geht der Trend des Internet of Things auch in 2019 zu einer angenehmeren User-Erfahrung. Hierbei bleibt das Ziel natürlich immer, Technik so nahtlos wie möglich in unseren Alltag zu integrieren und damit unser Leben zu erleichtern.

Neue spannende Technik-Bereicherungen in Sicht

Doch nun ist es an der Zeit sich den spannenden Trends zu widmen, die in 2018 zwar schon absehbar, aber noch nicht im Mainstream angekommen waren. Wie zum Beispiel der E-Sport. Wir haben schon öfters darüber berichtet, wie die Community rund um den elektronischen Sport wächst. Aber in 2019 werden noch einmal ganz neue Dimensionen in Punkto Wachstum angesteuert. Es wird davon ausgegangen, dass die E-Sport Szene im nächsten Jahr 1.1 Milliarde US-Dollar wert sein wird. Mit namenhaften Sponsoren wie Coca Cola, die schon jetzt diese besondere Industrie unterstützen. Außerdem wird beobachtet, wie immer mehr Sport-Clubs auf der Welt sich E-Sport Teams aufbauen, um an diesen noch relativ jungen Events teilzunehmen.

Währenddessen werden wir auch im Bereich Retail-Technologie große Fortschritte sehen. Denn wo Supermarktketten wie Famila mit Selbstbedienungskassen ansetzen, ist noch viel Luft nach oben. Kontaktloses Bezahlen, Essen vom Supermarkt nach Hause liefern lassen, oder benutzerdefinierte Angebote bekommen. Für den Bereich Einzelhandel haben derzeitig entwickelte Technologien bereits viel zu bieten. Infolgedessen wird uns in 2019 eine noch angenehmere Einkaufs-Erfahrung erwarten. Immer abgestimmt auf unsere Vorlieben und Bedürfnisse.

Zuletzt möchten wir auf einen Technik-Trend aufmerksam machen, der sich bisher noch im Hintergrund gehalten hat. Das sogenannte Quantum Computing. Der Begriff steht für den Versuch einen Computer zu bauen, der auf den Gesetzen der Quantenphysik beruht. Einfach gesagt ist damit das Verarbeiten und Kategorisieren, sowie Archivieren von großen Datensätzen deutlich leichter, als mit herkömmlichen PCs und Servern. Derzeit befinden sich diese auch als „Supercomputer“ bezeichnete Geräte noch in der Entwicklung. Aber das Rennen um das Erfinden des ersten effizienten Quantencomputers wird 2019 in seine heiße Phase gehen.

Hier einmal ein Video, welches die Quantencomputer-Experimente des Hardware-Herstellers IBM zeigt:

Die Zukunft wird noch interaktiver

Was ist also festzuhalten? Viele Technologien, die sich über die Jahre entwickelt haben, werden in 2019 einen Feinschliff erfahren. Der allgemeine Trend der Technik richtet sich immer stärker danach, die individuellen Bedürfnisse der Nutzer besser zu verstehen. Somit soll auch die Technik „sensibilisiert“ werden- frei nach dem Motto: Die Maschine dient dem Menschen, und nicht anders herum. Wir sind gespannt, was das nächste Jahr an Entwicklungen bereithält und werden für euch auch in 2019 Trends, Tipps und Geschichten aus der digitalen Welt aufbereiten.


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Smart Home ganz einfach: WLAN-Steckdosen als smarter Geheimtipp

WLAN-Steckdose Smartphone

Nix mit teuer und kompliziert. Wer sein Zuhause zu einem Smart Home aufrüsten möchte, braucht keine kostspieligen und aufwendig einzurichtenden Gadgets. Es geht auch günstig und einfach. Ein Geheimtipp für den Einstieg sind smarte Zwischenstecker. Mit ihnen lässt sich auch ältere Technik via WLAN per App oder Sprache bedienen. Zusammen mit der IoT-Plattform Conrad Connect stellen wir vor, was mit WLAN-Steckdosen alles möglich ist und wie Einsteiger das richtige Modell für sich finden.

Das steckt hinter smarten Steckdosen

Von außen sehen smarte Steckdosen wie ganz normale Zwischenstecker aus. Das Geheimnis steckt im Innern. Dort befindet sich, was alten Lampen oder Lautsprechern fehlt – ein Funkchip. Dadurch nehmen die kleinen Kästchen Kontakt mit einem WLAN oder einem anderen gängigen Funknetz auf. Meist erhalten sie ihre Steuersignale über Funkstandards wie Z-Wave oder ZigBee. Als Vermittler dient dabei dann ein WLAN-Router. Daher ist häufig pauschal von WLAN-Steckdosen die Rede. Seltener kommen Bluetooth oder DECT zum Einsatz.

Egal, auf welche Art sie funken: In der Folge können Nutzer über den Zwischenstecker praktisch jedes kabelgebundene Gerät per Smartphone-App und Sprachsteuerung bedienen oder in komplexe Automationsszenarien einbinden. Wegen dieser Fähigkeiten werden die Kästchen auch als intelligente Steckdose, Smart-Home-Steckdose oder Smart Plug bezeichnet. „Licht, Musik, Wärme, gute Luft und mehr – man sieht smarten Steckdosen gar nicht an, wie viel Wohnkomfort in ihnen steckt. Sie sind die vielleicht am meisten unterschätzte Komponente für den Einstieg ins Smart Home und ein Paradebeispiel dafür, wie einfach der Weg zum intelligenten Wohnen ist“, sagt Giorgi Jashiashvili, Technik-Experte bei Conrad Connect.

Praktisch: WLAN-Steckdosen lassen sich sehr flexibel bedienen

Moderne Funkmodelle lassen sich im Unterschied zu herkömmlichen Steckdosen mit Zeitschaltuhr viel flexibler fernsteuern. So können Nutzer nahezu alle intelligenten Steckdosen per Smartphone-App oder Sprachbefehl von Amazon Alexa und Google Assistant ein- und ausschalten. Mit der Lösung Unified Inbox von Conrad Connect genügt sogar eine Nachricht von WhatsApp oder Viber, um WLAN-Steckdosen zu bedienen. Einige Modelle bieten auch eine physische Taste, mit der sich der Stromkreislauf direkt an der WLAN-Steckdose schließen oder trennen lässt. Eine Fernbedienung zum Anfassen gibt es manchmal als Zubehör.

So findet ihr die beste WLAN-Steckdose für euch

Smarte Steckdosen kosten zwischen 15 und 50 Euro sind damit auch bei einem kleinen Budget erschwinglich. „Die Auswahl von WLAN-Steckdosen ist groß, hochwertig und deckt viele Einsatzszenarios und Nutzerinteressen ab. Nutzer sollten daher darauf achten, das passende Angebot für sich zu wählen“, erklärt Giorgi Jashiashvili von Conrad Connect.

Conrad Connect Service Marketplace Fresh Compare
WLAN-Steckdosen mit Zusatzfunktionen ermöglichen eine intelligente Analyse des Stromverbrauchs. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Beispielsweise weicht die Bedienung voneinander ab. So lassen sich die meisten smarten Steckdosen zwar per App steuern, aber nicht alle per Sprache. Und wenn doch, dann entweder von Google Home oder Amazon Alexa. Ein weiteres Kriterium ist der Einsatzort. Soll die WLAN-Steckdose auch auf dem Balkon oder im Garten ihren Dienst verrichten können, ist sie am besten nach IP44 wetterfest. Entscheidend ist ebenfalls der Funktionsumfang. Beispielsweise messen manche Steckdosen auch den Stromverbrauch. Aus diesen Daten lassen sich mit Stromanalyse-Diensten wie Fresh Energy, wertvolle Erkenntnisse ziehen.

Weitere Tipps für die Wahl der WLAN-Steckdose und konkrete Modelle stellt Conrad Connect in seinem Blog vor.

Das lässt sich in Conrad Connect mit WLAN-Steckdosen alles „smart machen“

„Ältere Steh- oder Tischlampen, in die sich keine smarten Leuchtmittel einsetzen lassen, sind beliebte Einsatzorte für WLAN-Steckdosen“, nennt Giorgi Jashiashvili von Conrad Connect Beispiele. Denn in vielen Haushalten befindet sich eine entsprechende Leuchte. Sie sind leicht zugänglich und die intelligente Steckdose somit einfach einzusetzen. Perfekt, um die Vorteile solch einer smarten Lösung einmal auszuprobieren.

Auf die gleiche Weise lassen sich Luftbefeuchter, elektrische Heizkörper oder Kaffeemaschinen „smart machen“. Morgens schlaftrunken die Küche betreten und der Kaffee ist schon fertig? Mit WLAN-Steckdosen ist das ein Leichtes.

Idealerweise muss kein Nutzer mehr aktiv das Smart Home bedienen. Im besten Fall weiß es selbst, was zu tun ist. Dazu lassen sich WLAN-Steckdosen mit einem kostenlosen Nutzerkonto bei Conrad Connect in festgelegte Zeitschaltpläne oder sensorgesteuerte Aktionen einbinden.

WLAN-Steckdosen und Kaffeemaschine vernetzen mit Conrad Connect
Schöner aufstehen: Per WLAN-Steckdose den Kaffee aufbrühen und gleich genießen können, wenn man in die Küche kommt. Image by Izabela Magier / Adobe Stock

Wer einen Smart Plug mit weiteren gängigen Komponenten wie einen Sensor fürs Raumklima oder einen Bewegungssensor kombiniert, kann auf einfachem Weg eine Automation einrichten. Dann könnte die smarte Steckdose beispielsweise einen Raumbefeuchter aktivieren, sobald die Sensoren trockene Luft und die Anwesenheit des Bewohners bemerken. Im Regel-Editor stellen sich angemeldete Nutzer bei Conrad Connect diese in wenigen Schritten selbst zusammen oder sie übernehmen bereits gebrauchsfertige Projekte aus der Community.

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Images by Daisy Daisy / Izabela Magier / Adobe Stock, Berti Kolbow-Lehradt

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Trustable Technology Mark: Das IoT-Gütesiegel

In der Lebensmittelindustrie sind sie schon längst üblich: Siegel, die bestimmte Produktmerkmale garantieren. Das Bio-Siegel garantiert den ökologischen Landbau, das Fairtrade-Siegel faire Bedingungen im Produktionsland. Im Haushalt sind uns außerdem auch die Energielabel der EU, das GS-Zeichen für Sicherheit und der blaue Engel für Umweltbewusstsein bekannt. Nur für Produkte aus dem Internet of Things (IoT) gab es bislang noch kein entsprechendes Zertifikat.

Das Trustable Technology Mark vom ThingsCon e.V. soll künftig IoT-Produkte auszeichnen, die nachweislich persönliche Daten schützen und respektieren. Als IoT-Produkte verstehen sich übrigens Produkte, die über das Internet vernetzt sind. Das können sowohl Fernseher und Lautsprecher, als auch Spielzeug, Fitness-Armbänder und sämtliche Smart-Home-Geräte sein.

Darum brauchen wir das Trustable Technology Mark

ThingsCon ist ein weltweit tätiges Netzwerk aus Forschern, Designern und Entwicklern, das sich für faire, verantwortungsvolle und menschenzentrierte Technologie einsetzt – vor allem im IoT.

Peter Bihr, ThingsCon-Mitgründer und Mozilla-Fellow, zuständig für die Trustable Technology Mark Initiative erklärt: “Das Internet der Dinge, also mit dem Internet verbundene Produkte, werden immer mehr Teil unseres Alltags — sie leben zunehmend in unseren Küchen, Wohn- und Schlafzimmern, sie haben Zugriff auf unsere Kalender und sind Teil unserer Gespräche. Daher ist es wichtig, dass Verbraucher jederzeit wichtige Fragen beantworten können wie

  • Welche persönlichen Daten sammelt dieses Produkt?
  • Wie lange werden meine Daten gespeichert?
  • Wer hat Zugriff auf diese Daten?
  • Und kann ich meine Daten jederzeit einfach exportieren oder löschen?“

Um sicher zu stellen, dass Daten über uns nicht in die falschen Hände geraten, braucht es einen Indikator für Produkte, denen wir vertrauen können. Vor lauter Dingen, sollte das IoT nicht den Menschen aus den Augen verlieren. Mit dem Trustable Technology Mark will ThingsCon nun Licht ins Dunkel des IoT-Marktes bringen.

Die Anforderungen an ein Produkt

Um sich das Trustable Technology Mark zu verdienen, muss ein Produkt sich in fünf Kriterien beweisen.

Umgang mit Privatsphäre und Daten: Das Produkt muss nach modernsten Datenschutzstandards entwickelt sein um Datenschutz und Nutzerrechter zu respektieren.

Transparenz: Dem Verbrauer wird erklärt, was das Produkt tut, welche Daten es sammelt, und wie es Nutzerdaten verwendet.

Sicherheit: Das Produkt ist nach modernsten Sicherheitsstandards entwickelt, und integriert Schutzmaßnahmen, die jederzeit Datenschutz und Sicherheit gewährleisten.

Stabilität: Das Gerät und die Software dahinter ist robust und von einer angemessenen Lebensdauer.

Offenheit: Offenheit des Produktes (im Sinne von Open Source und Open Data) und der Verfahren des Herstellers, sowie Nutzung und Generierung offener Daten.

Neutrale Experten des ThingsCon e.V. führen die Überprüfung der Produkte durch. Dabei gehen sie sehr streng vor. Produkte, die den Evaluationsprozess bestehen, können das Trustable Technology Mark Logo sowohl auf der Website, als auch auf der Verpackung des Produkts verwenden.

Proof of Concept

Das Qualitätssiegel startet vorerst mit einem Proof of Concept. Darunter versteht man die Prüfung der Machbarkeit eines Großprojektes. Diese findet zunächst in zwei Kategorien statt: Sprachassistenten und vernetzte Spielzeuge. Der Sprachassistent snips.ai und das vernetzte Spielzeug Vai Kai konnten sich bereits im Vorfeld für das Gütesiegel qualifizieren.

Dr. Rand Randi, CEO und Mitgründer von Snips äußerte sich: “Diese Qualifikation ist wahrhaftig die Bestätigung der großartigen Arbeit des Snips-Teams im Laufe des vergangenen Jahres. Darauf bin ich extrem stolz. Wir sind überzeugt, dass unser on the Edge-Sprachassistent, der komplett offline anstatt in der Cloud funktioniert, Unternehmen erlaubt Privacy by Design zu garantieren können ohne Performance, Brand oder User Experience zu opfern.”

Unternehmen können ab sofort Bewerbungen für ihre Produkte einreichen. Im Formular müssen sie bereits einen ausführlichen Fragenkatalog zu den fünf Kriterien beantworten und belegen. Die Antworten werden zudem als Teil der Anforderungen des Gütesiegels vollständig unter einer offenen Lizenz veröffentlicht.

Erste Gütesiegel stellt ThingsCon ab dem ersten Quartal 2019 aus.


Image by ThingsCon e.V.

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Netzpiloten @IoTcamp

Mit smarten Technologien und interaktiven Geschäftsmodellen das Leben der Menschheit einfacher gestalten – ein guter Ansatzpunkt über den ihr mehr auf dem IoTcamp erfahren könnt. Dafür versammeln sich alle Interessierten, Unternehmer und Gründer am 12. und 13. Oktober im innovativen  Space Shack Berlin.

Worum es genau geht? – Um die Vollvernetzung und um Künstliche Intelligenz im Zeichen des Internet of Things. Es geht um Fragen, die unsere Zukunft betreffen und unsere Realität. Zudem erfahrt ihr mehr über aktuelle Forschungen und Entwicklungsstände. Anlass genug, um sich das Barcamp – veranstaltet von der Cassini Consulting GmbH – nicht entgehen zu lassen.

Beim IoTcamp spontan die Themen mitbestimmen

Was ist eigentlich ein Barcamp? Bei dem aus der Bloggerszene entstanden völlig freien Format (wir lieben es!), werden weder die einzelnen Sessions noch die Sprecher vorher festgelegt. Und das macht das Ganze so spannend. Die Teilnehmer entscheiden erst am Morgen des Konferenztages, wie die Planung verläuft.

Es ist das erste Mal, dass das IoTcamp an zwei Tagen veranstaltet wird. Während wir also am 12. Oktober spannende Businessaspekte und Entwicklungen neuer Geschäftsmodelle kennenlernen, geht es dann am 13. Oktober über Entwicklungs- und Anwendungsfragen.

Um welche Themen wird es gehen?

  • Business-Modellentwicklung
  • IoT-Strategie
  • Success Stories
  • Industrial Internet of Things

Dabeisein ist alles!

Wer sich das spannende Barcamp und den sicherlich angeregten Austausch untereinander nicht entgehen lassen möchte, sollte also nicht lange zögern und sich die passenden Tickets sichern. Wir wünschen zwei tolle Tage!

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Gigaset GS185: Kollege Roboter macht das erste Smartphone „made in Germany“ rentabel

Gigaset GS185 Smartphone-Fertigung

Technisch ist das Gigaset GS185 keine Besonderheit. Im Netzpiloten-Test überzeugt das Einsteiger-Smartphone als ein im besten Sinne unauffälliges Modell zum günstigen Preis für unter 200 Euro. Zum Smartphone-Star der Stunde machen es hingegen Art und Ort der Herstellung. Anders als praktisch alle anderen Mobiltelefone läuft es nicht in Asien vom Fließband, sondern entsteht in einem deutschen Werk. Diese Überraschung gelingt dem kleinen Hersteller, weil er zum großen Teil auf moderne, smarte Roboter und das Internet of Things setzt. Bei einem Werksbesuch in Bocholt nahe der niederländischen Grenze ermöglichte uns Gigaset Einblick in ein Musterbeispiel für die Industrie 4.0 und zeigte uns, wie das erste Smartphone „made in Germany“ entsteht.

Ein kleines Kapitel deutsche Industriegeschichte – ein sehr kleines

Ob Smartphones, Fernseher oder Kameras: Unterhaltungstechnik stammt nur noch ganz selten aus Deutschland. Bei Mobiltelefonen ist das nicht anders. Nokia und Siemens machten ihre Produktion hierzulande vor einem Jahrzehnt spektakulär dicht.

Die inzwischen unabhängige Ex-Tochter von Siemens bricht nun mit diesem Trend. In Bocholt, wo bis 2006 Siemens-Handys ohne Apps und modernes Internet das Werk verließen, baut Gigaset nun das erste Smartphone, dass das Siegel „made in Germany“ zieren darf. Zusätzlich bemerkenswert ist, dass es sich um kein Luxusprodukt handelt, bei dem sich hohe Lohnkosten rechnen, sondern eben ein günstiges Einsteiger-Gerät mit deutlich niedrigerer Marge. Egal wie dieses Pilotprojekt ausgeht, ist Gigaset daher ein Eintrag in der deutschen Wirtschaftsgeschichte sicher. Die Zuversicht ist aber so groß, dass der Hersteller uns am Rande der Werkstour bestätigte, noch im Laufe des Jahres ein zweites Smartphone in Bocholt zu produzieren.

Gigaset Smartphone Verpackungsstation
Rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185 verpacken die Mitarbeiter pro Woche in Bocholt. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Trotz allem hebt der kleine Hersteller den weltweiten Smartphone-Markt damit wohlgemerkt nicht aus den Angeln. Denn vorerst verlassen die Fertigungsstrecke auf einer Etage in einem Nebengebäude des Werks pro Woche nur rund 2.000 Exemplare des Gigaset GS185, also etwas über 100.000 Stück pro Jahr. Bei entsprechender Nachfrage ließe sich die Produktion kurzfristig um zwei Schichten und einem Ausstoß von bis zu 6.000 Geräten pro Woche aufstocken. Im Verhältnis zu den 1,5 Milliarden Smartphones, die alle Hersteller zusammen im Jahr 2017 weltweit verkauft haben, ist das jedoch verschwindend gering.

Warum Gigaset das deutsche Smartphone-Experiment wagt

Gigaset verdient sein Geld überwiegend noch mit Festnetztelefonen für Privatkunden. Doch davon verkauft der Hersteller weniger und weniger, weil immer mehr Menschen auch von zuhause aus mit dem Smartphone telefonieren. Stattdessen setzt Gigaset Hoffnung in Sicherheitsprodukte für das Smart Home und mehr noch in Smartphones. Zur Premiere erwies sich High-End-Smartphone Gigaset ME im Jahr 2015 zwar als Flop. Hingegen Einsteiger-Smartphones wie das GS160 oder Mittelklasse-Geräte wie das GS270 und das GS370 finden Gefallen.

Gigasets Smartphone-Geschäft ist jedoch noch ein smartes Pflänzchen. Es droht von den Platzhirschen des Marktes zu zertrampelt werden, wenn der Hersteller nicht eine sichere Nische findet. Daher plant Gigaset sich im Smartphone-Wettbewerb einen Vorteil zu verschaffen, indem der Hersteller großen Mobilfunkprovidern und Händlern ermöglicht, sie ohne große Vorlaufzeit „just in time“ zu beliefern. Holt die Geräte ein Lkw von einem Werk in Deutschland ab, geht das einfacher und flexibler, als wenn asiatische Fabriken erst die Produktion ankurbeln müssen.

Vorteile für Kunden

Schnell und in kleinen Chargen produzieren zu können, versetzt Gigaset zudem in die Lage, Modelle nach Kundenwünschen zu konfektionieren. Großbesteller können schon jetzt Namen auf den Rückseiten eingravieren und eigene Apps auf das Gigaset GS185 aufspielen lassen. Bis diese Form der „Mass Customization“ aber einzelnen Endverbrauchern ermöglicht, ihr Gigaset-Smartphone so individuell zu designen wie etwa einen Sportschuh, braucht Gigaset noch Zeit, das Geschäft auszubauen.

Für Verbraucher am praktischsten an der deutschen Produktion ist aber, dass die Gigaset das GS185 auch in Bocholt repariert. Eine Etage unter der Smartphone-Fertigung beseitigen Beschäftigte Displaybrüche und andere Schäden innerhalb eines Tages. Dadurch müssen Kunden nicht wochenlang auf ein Ergebnis warten. Zudem erhalten sie ihr eigenes Gerät und kein Austauschgerät zurück, sodass alle Einstellungen und installierten Apps dableiben, wo sie waren.

Gigaset Kundenservice Bocholt
Vorteil von „made in Germany“. Gigaset repariert auch Geräte in Deutschland, und zwar innerhalb eines Tages. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Der werbepsychologische Vorteil eines Smartphone „made in Germany“ ist laut Unternehmenssprecher Raphael Dörr nur ein Nebeneffekt und war nicht Vater des Gedanken. Nichtsdestotrotz macht sich das Marketing von Gigaset das Siegel gern zunutze und verwendet es auf dem Gerätekarton, Werbeanzeigen und der Webseite.

Ein 100-prozentiges Smartphone „made in Germany“ ist das Gigaset GS185 nicht

Die Bezeichnung „made in Germany“ sollten Käufer nicht auf die Goldwaage legen. Tatsächlich bezieht Gigaset fast alle Komponenten aus Asien. Die Bocholter Mitarbeiter fügen die Bauteile lediglich zusammen. Anschließend installieren sie die Android-Software, testen die Gerätequalität und packen das Smartphone in den Karton, der als einziger Produktbestandteil von deutschen Zulieferern stammt. Nur die Endmontage unterscheidet das GS185 von anderen Gigaset-Smartphones. Diese importiert Gigaset komplett aus Asien.

Die Voraussetzungen für das Siegel „made in Germany“ erfüllt das Gigaset GS185 dennoch. „Über 60 Prozent der Wertschöpfung rund um das GS185 entstehen in Deutschland. Dazu zählt zum Beispiel auch das äußere Design des Geräts und die Konzeption des Produkts, also, welche Funktionen es besitzen soll“ erklärt Jörg Wißing, Leiter Automatisierung bei Gigaset in Bocholt.

Ein vollständig in Deutschland gefertigtes Gerät ist aber utopisch. Beispielsweise bei Displays haben koreanische und japanische Herstellern die Nase uneinholbar vorn. „Ein 100-prozentiges Smartphone ‚made in Germany‘ wird es bis auf Weiteres nicht geben“, betont Jörg Wißing.

Gigaset Jörg Wißing
Gigaset-Smartphones sollen künftig mehr Komponenten aus eigenem Haus enthalten, Leiterplatten etwa. Eine 100-prozentige Fertigung ist dennoch nicht möglich, so Jörg Wißing von Gigaset.

Dennoch will Gigaset die Lücke verkleinern und den Anteil der Wertschöpfung auf 75 Prozent erhöhen. Denn Gigaset verfügt bereits über die Maschinen für die Kunststoff-Gehäuseschalen und für die grünen Leiterplatten. Noch sind diese zwar mit der Produktion für die DECT-Festnetztelefone ausgelastet, für die Smartphone-Fertigung aber bereits umgerüstet. Diese auch dort einzusetzen, wäre attraktiv. Weil die Anlagen soweit automatisiert sind, dass nur noch wenige Arbeitskräfte benötigt werden, kommt Gigaset eine Fertigung damit günstiger, als die Bauteile gegen Aufpreis bei Zulieferern einzukaufen und anliefern zu lassen.

Industrie 4.0: Roboter und Menschen arbeiten am Gigaset GS185 Hand in Hand

Einsteiger-Smartphones in Deutschland zu fertigen, rechnet sich für Gigaset, weil Roboterarme 60 Prozent der Aufgaben übernehmen. Dadurch kommt der Hersteller mit zehnmal weniger Arbeitskräften aus. „Wenn asiatische Auftragsfertiger 20 Menschen am Fließband benötigen, schaffen wir das in Bocholt mit zwei Beschäftigten“, erklärt Jörg Wißing.

Die Roboter übernehmen keinen Fertigungsschritt exklusiv, sondern arbeiten Hand in Hand mit den Beschäftigten. Es handelt sich nämlich um eine neue Generation „kollaborierender Roboter“, die kleiner, beweglicher und interaktiver sind. Sie müssen nicht in Glaskästen gesichert werden, wie ihre Vorgänger in der Festnetztelefon-Produktion.

Im Zusammenspiel erledigen Roboter stark standardisierte und sich wiederholende Tätigkeiten, die menschliche Mitarbeiter ermüden und langweilen würden. Stattdessen kümmern sich die Beschäftigten um komplexere Aufgaben. So greifen Roboterarme die Bauteile vom Vorratsstapel und halten sie in Position, damit die Beschäftigten sie montieren können. Auch die mechanische Qualitätskontrolle der Tasten und des Touch-Displays nimmt Kollege Roboter vor. Ein anderer Fall ist es, wenn die Schutzfolie vom Display zu entfernen oder Kabel in der Gehäuseschale zu montieren sind. Damit kommen menschliche Hände besser klar.

Gigaset Smartphone-Fertigung Bocholt
Diese kleine Fertigungsstrecke genügt für 2.000 Smartphones pro Woche, weil Mensch und Roboter zusammenarbeiten. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Teilweise fußt die Smartphone-Fertigung zudem auf Ansätze der Industrie 4.0. So müssen die Mitarbeiter bei einigen Teilschritten nicht eingreifen. Stattdessen kommunizieren die Roboter untereinander über das lokale Netzwerk (Internet of Things), um ihre Aufgaben auszuüben. An einer Station, in der die Bauteile mit bis zu 15 winzigen Schrauben fixiert werden, stimmen sich zwei Roboterarme autonom ab, wer welche Schraube aus dem Vorrat entnimmt. Eine Mitarbeiterin fügt das Smartphone lediglich in die Vorrichtung und entnimmt es wieder.

Trotz der Unterstützung durch Roboter behalten die Mitarbeiter die Oberhand. Sie durchlaufen mit dem Gigaset GS185 alle Fertigungsphasen und bestimmen den nächsten Schritt. Dadurch tragen sie mehr Verantwortung als bei monotoner Fließbandarbeit. 

Gigasets Smartphone-Produktion in Deutschland wird wohl kein Jobwunder

Zu Spitzenzeiten arbeiteten im Bocholter Werk 4.000 Menschen, heute sind es noch über 500. Die Smartphone-Fertigung ermöglicht, Arbeitsplätze zu erhalten, wird aber voraussichtlich keinen Jobwunder den Weg bereiten.

An der Fertigungsstrecke des Gigaset GS185 selbst sind acht Männer und Frauen tätig. Zudem verschafft die Smartphone-Produktion 30 weiteren Menschen in der Produktionstechnik, im Produktdesign, Vertrieb und Kundenservice Aufgaben. Das ist die Größenordnung für menschliche Beschäftigung, für die in einer stark automatisierten Produktion hierzulande noch Bedarf ist.

Gigaset Industrie 4.0 Roboterarme
Industrie 4.0. Diese beiden Roboterarme, die die die Smartphones verschrauben, stimmen sich autonom über das Netzwerk ab. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Dennoch stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Fertigungsstrecke für das zweite Smartphone-Modell ist schon halb aufgebaut. Daneben bietet die Etage noch Platz für vier weitere Fertigungsstrecken. Mit der Massenproduktion aus vergangenen Jahrzehnten hat das natürlich nichts gemein.

Unser Werksbesuch bei Gigaset verdeutlich daher den neuen Charakter moderner Industrieproduktion. „Made in Germany“ ist im Bereich der Consumer Electronics wieder möglich und verschafft auch kleineren Technologie-Herstellern wie Gigaset Perspektiven im Weltmarkt. Genialer Einfallsreichtum von Erfinderunternehmen und der großflächige Einsatz von Fachkräften wie in vergangenen Zeiten sind dafür aber nicht verantwortlich. Stattdessen sind heute moderne, hochgradig digitalisierte und automatisierte Produktionsmethoden der Schlüssel zum Erfolg.

Das Gigaset-Smartphone bei Amazon (Provisions-Link)


Images by Berti Kolbow-Lehradt

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Kleines Smart-Home-Lexikon: 15 wichtige Begriffe zur Heimautomation

Kleines Smart-Home-Lexikon

In vielen Haushalten ist das Thema Smart Home erstmals buchstäblich in aller Munde. Denn Sprachassistenzen wie Amazon Alexa und Google Assistant ermöglichen einen bequemen und spielerischen Zugang dazu. Doch es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Wer die unendlichen Möglichkeiten der Heimautomation erleben möchte, stößt zunächst auf viele neue Begriffe. Weil sie aus der Computer- und Gebäudetechnik stammen, erklären sie sich mitunter nicht von selbst. Sie zu verstehen, erleichtert den Einstieg jedoch nochmals deutlich. Wir präsentieren hier ein kleines Smart-Home-Lexikon mit wichtigen Begriffen aus der Welt des vernetzten Heims. Dies ist der zweite Teil einer Serie, in der wir zusammen mit der Smart-Living-Plattform Conrad Connect erklären, wie sich das vernetzte Heim dank automatischer Abläufe viel einfacher bedienen lässt.

Kleines Smart-Home-Lexikon: Was versteht man unter einem Smart Home?

Smart Home: Beim „Intelligenten Heim“ handelt es sich um einen Oberbegriff. In einem erweiterten Sinn fällt er, wenn es um Geräte in Wohnräumen geht, die sich über das Internet fernsteuern lassen. Wirklich intelligent ist das aber noch nicht. „In einem engeren Sinn ist von einem Smart Home die Rede, wenn die darin verwendete Technik wie Heizung, Licht und anderes so miteinander vernetzt ist, dass sie automatisch funktioniert“, erklärt Giorgi Jashiashvili, Technik-Experte bei Conrad Connect.

Heimautomation: Dieser Begriff, der auch als Hausautomatisierung zu finden ist, verdeutlicht die engere Bedeutung des Smart Home. Statt Vorgänge per App oder Sprache zu aktivieren, registriert die Haustechnik die Bewohner und startet Aktionen automatisch. Dabei können Nutzer die Automatisierung auf Webseiten von Smart-Home-Plattformen an ihre Bedürfnisse anpassen.

Smart Living Fitness-Challenge
Smart Living ist eine Erweiterung des Smart-Home-Konzepts. Seine Fitnessuhren in die Automatisierung einzubeziehen, ist ein Beispiel dafür. Image by Conrad Connect

Smart Living: Warum sollte die Idee des digitalen Alltags an den Wohnungsmauern enden? Schließlich nutzen viele Menschen internetfähige Fitnessuhren oder Autos. Diese in die Heimautomation einzubinden, bietet Vorteile. Für diese ganzheitliche Vorstellung gewinnt der Begriff „Smart Living“ an Bedeutung.

Internet of Things, IoT: Das „Internet der Dinge“ ist ein weiterer Sammelbegriff für die Automatisierung von technischen Vorgängen. Dabei sollen vernetzte Geräte so reibungslos miteinander zusammenarbeiten, dass Menschen nicht eingreifen müssen. „Ist vom IoT die Rede, geht es allerdings meist um Automatisierung in der Industriefertigung oder anderen gewerblichen Bereichen, während Smart Home sich auf den privaten Einsatz bezieht“, erklärt Giorgi Jashiashvili.

Cloud-to-Cloud-Connection: Praktisch alle Anbieter von Vernetzungsplattformen nutzen Internetserver, über die die verknüpfte Technik Daten austauscht. Würde dies nicht über die Cloud laufen, könnten Verbraucher beispielsweise ihre Heizung nicht aus der Ferne ein- und ausschalten. Eine Meta-Plattformen wie Conrad Connect verbindet mehrere Clouds und baut damit eine sogenannte Cloud-to-Cloud-Connection auf.

Kleines Smart-Home-Lexikon: Wichtige Begriffe zur Einrichtung

Plug & Play: „Anschließen und loslegen“ stammt aus dem Computerbereich und gilt auch immer öfter für Smart-Home-Geräte. Verbrauchern signalisiert der Begriff, dass sich Geräte ohne Installation in Betrieb nehmen lassen. Insbesondere für Wohnungsmieter sind solche Produkte interessant, weil sie ohne Spuren zu entfernen sind. „Die Zeiten, in denen ein Smart Home nur mit einer Unterputz-Installation realisierbar war, sind vorbei. Viele Produkte lassen sich nachrüsten und kabellos einbinden“, so Giorgi Jashiashvili.

Gateway: Wer Geräte eines Herstellers in sein Smart-Home-System einbinden möchte, benötigt oft zunächst ein Gateway, auch Hub oder Bridge genannt. Dabei handelt es sich um eine kleine Box, die Nutzer per Kabel oder per WLAN und der App des Herstellers mit ihrem Internetrouter verbinden.

Smart Home Gateway Philips Hue Fritz!Box Router
Beispiel für ein Gateway: Um smartes Licht von Philips Hue zu steuern, verbinden Anwender die kleine weiße Box rechts im Bild mit dem Router. Image by Conrad Connect

API: Sollen Geräte eines Herstellers mit den Geräten eines anderen Herstellers Daten austauschen, brauchen sie nicht immer ein Gateway, aber stets eine API. Die Abkürzung für „application programming interface“ bezeichnet eine Programmierschnittstelle, mit der Entwickler eine Brücke zwischen der Betriebssoftware der Geräte schlagen.

ZigBee: Es fällt Geräteentwicklern viel leichter, den Datenaustausch mit Geräten anderer Hersteller zu gewährleisten, wenn sie einen gemeinsamen drahtlosen Kommunikationsstandard nutzen. WLAN und Bluetooth kennen zwar viele Verbraucher von ihren Smartphones. Aber bei Smart-Home-Geräten viel häufiger anzutreffen ist der ZigBee-Standard. Andere sind beispielsweise Z-Wave, HomeMatic und KNX.

Smart Home Dashboard Conrad Connect
Mit einem Dashboard behalten Nutzer den Überblick. Image by Conrad Connect

Dashboard: Jedes smarte Gerät liefert viele Informationen. Praktischer, als jede einzelne App zu checken, ist eine Ansicht, die alle Daten bündelt. Für solch eine Überblicksseite hat sich der Begriff „Dashboard“ durchgesetzt. Übersetzt bedeutet er „Armaturenbrett“ oder „Instrumententafel“.

Kleines Smart-Home-Lexikon: Wichtige Begriffe zur Automatisierung

Szene: Das ist ein beliebter Schlüsselbegriff, weil er das beschreibt, was ein intelligentes Heim erst ausmacht. Denn Szenen starten und stoppen mehrere Geräte gleichzeitig, um eine bestimmte Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Geht es nur darum, dass ein Gerät eine Aktion auslöst, spricht man von einem Projekt statt einer Szene. Ein Beispiel für ein sensorbasiertes Projekt: Registriert der Raumklimasensor im Büro schlechte Luft, aktiviert sich die per smarter Steckdose vernetzte Lampe, sodass die smarte Glühbirne mit rotem Licht zum Fensteröffnen mahnt.

Sensor: Für automatische Abläufe, bei denen Nutzer nichts manuell starten, sind Sensoren unverzichtbar. Als Sensor können etwa der Temperaturfühler im Heizungsregler, die Bewegungserkennung der Sicherheitskamera oder die CO2-Analyse im Raumklimathermostat dienen.

Smart Home Sensoren
Sensoren sind ein Schlüsselelement für die Heimautomation. Dabei kann es sich um Rauchmelder, Wetterstationen, Sicherheitskameras oder Bewegungsmelder handeln. Image by Conrad Connect.

Aktor: Damit der Messwert eines Sensors nicht ins Leere läuft, übernimmt mindestens ein Gerät die Rolle des Aktors, auch Aktuator genannt. Das sind Geräte, die eine Aktion ausführen, beispielsweise eine intelligente Glühbirne oder eine smarte Steckdose.

Regel: Wenn ein Projekt nicht per Sprachbefehl, sondern sensorbasiert ausgelöst wird, dient eine Regel als Klammer. Damit bestimmen Nutzer, bei welchem Sensorwert welches Gerät eine Aktion starten soll. Soll die Aktion nur unter bestimmten Bedingungen stattfinden, hilft ein Logikgatter.

Logikgatter: Warum sollte der Bewegungsmelder das Licht aktivieren, wenn es taghell ist? „Erstellen Nutzer ein Projekt, können sie dessen Umsetzung anhand eines Logikgatters mit Bedingungen verknüpfen. Beispielsweise lässt sich das Licht an eine bestimmte Uhrzeit koppeln“, erläutert Giorgi Jashiashvili von Conrad Connect.

Mit dem Basiswissen, das unser kleines Smart-Home-Lexikon bietet, gelingt die Heimautomation viel leichter. Einfach ausprobieren!

Weitere Folgen der Smart-Living-Serie, die in Kooperation mit Conrad Connect entsteht:

1: Smart Home per Sprache steuern: 5 Tipps wie Alexa und Google aufs Wort hören
3: Heimautomation für Einsteiger: So einfach geht intelligentes Wohnen
4: Smart-Home-Projekt im Eigenbau: 5 praktische Vernetzungsbeispiele für intelligentes Wohnen
5: Fünf Mythen zum Smart Home und warum sie nicht mehr stimmen


Images by Creativa Images / stock.adobe.com; Conrad Connect

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Das IoT – Gefahren und Chancen im Internet of Things

Vernetzte Produkte begegnen uns in allen Lebenslagen: Das sogenannte Internet of Things (IoT) berührt zunehmend alle Lebensbereiche. Was vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik war, ist heute praktisch Alltag. Und doch ist das Internet der Dinge gerade am Scheideweg.

Einerseits können vernetzte Produkte richtig Spaß machen und, zumindest manchmal, sogar sehr nützlich sein. Zudem sehen Experten gerade in stimmgesteuerten Interfaces die Zukunft des Internets und quasi unseren Schlüssel zur Welt.

Andererseits sind die Medien voll von Berichten über unsichere Geräte, heimlich lauschende Fernseher und spionierende Spielzeuge.

Vernetzte Produkte: Vergnügen oder Alptraum?

In welches Lager fällt die schicke neue Smartwatch, der Home-Assistant oder der nächste Fitnesstracker? Als Verbraucher ist es heute praktisch unmöglich, diese Frage zu beantworten. Vernetzte Produkte funktionieren grundlegend anders als traditionelle, nicht vernetzte Produkte — so wie das Internet anders funktioniert als eine Tageszeitung.

Iot-Produkte sind nicht nur komplexer, da sie vernetzt sind. Häufig funktionieren sie auch nicht ohne einen zentralen Server. Fällt der weg, hört der Fitnesstracker bald auf, unsere Schritte zu zählen. Das nächste Software-Update könnte ein Produkt grundlegend verändern, zum Beispiel Features hinzufügen oder wegnehmen. So ist auch Amazons Echo neuerdings Teil einer Art sozialen Netzwerks geworden. Und Last but not Least laden wir mit dem IoT häufig Sensoren wie Mikrofone, Kameras oder Bewegungssensoren in unser Leben ein,  ohne dass wirklich klar ist, wer Zugriff auf diese Daten hat oder in Zukunft bekommen könnte. Wenn ein Hersteller sagt, dass Produkt und Daten sicher sind, müssen wir ihm derzeit einfach blind vertrauen.

Ein Verbraucherschutzsiegel für das Internet der Dinge

Ich bin überzeugt, dass es einen besseren Weg gibt. Dass es möglich ist vernetzte, vertrauenswürdige Produkte zu nutzen ohne den Spaß am Neuen zu verlieren oder zu bereuen.

Gemeinsam mit dem ThingsCon-Netzwerk, das ich vor einigen Jahren mitgegründet habe, arbeiten wir deshalb derzeit an einem Weg, mit welchem Verbraucher einfach sehen können, welche vernetzten Produkte vertrauenswürdig sind. Wir entwerfen ein sogenanntes Trustmark für IoT, ein Qualitätssiegel für vernetzte Produkte. Die Mozilla Foundation hat mich zum Mozilla Fellow gemacht, um dieses Vorhaben zu unterstützen.

Die Idee des ThingsCon Trustmarks ist simpel: Firmen, die das Trustmark nutzen wollen, müssen standardisierte Fragen zu ihren Produkten beantworten und die Antworten veröffentlichen. Wir evaluieren dabei 5 Dimensionen: Privatsphäre und Datenschutz, Transparenz, Offenheit, Sicherheit und Stabilität (im Sinne von Verlässlichkeit und Langlebigkeit). Erfüllt das Produkt die hohen Anforderungen, darf das Unternehmen das Qualitätssiegel nutzen. Wer mogelt, fliegt schnell auf.

Augen auf beim IoT-Kauf

Vor 2019 wird das Trustmark wohl nicht verfügbar sein, zuvor müssen wir noch unsere Hausaufgaben machen, damit dann auch alles rund läuft. Bis dahin empfehle ich folgende Faustregeln:

    • Die erste Generation eines vernetzten Produkts zu kaufen ist nur etwas für erprobte Early Adopter. Wer sich mit diesem Label nicht wohl fühlt, sollte lieber ein oder zwei Jahre abwarten.
    • Dem gesunden Menschenverstand vertrauen. Wenn etwas ein Mikrofon hat, aber zu billig scheint, dann ist die Privatsphäre in ernster Gefahr: Finger weg!
    • Mit Offenheit und Spaß an die Sache herangehen: Einige Tipps für vernetzten Dinge die richtig Spaß machen, gibt’s hier auf Netzpiloten.de.

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Bundesinnenminister will Hintertüren in Smart-Devices

Time traveler (adapted) (Image by Alessio Lin [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Die Diskussion um Hintertüren in Software geht weiter. Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der CDU hat nun sogar eine Variante zur Diskussion gestellt, die weiter geht als die meisten bisher diskutierten Pläne. Der Minister fordert, dass neben Computern, Laptops und Mobilgeräten künftig sogar Smart-Devices wie Fernseher, Autos und Haushaltsgeräte mit Hintertüren für die Ermittlungsbehörden versehen werden. Das allerdings würde nicht nur die Bürgerrechte, sondern auch die Sicherheit der in Deutschland lebenden Menschen aufs Spiel setzen.

Überwachung vernetzter Geräte

Die Pläne des Bundesinnenministers gehen aus einer Beschlussvorlage des Bundes zur bevorstehenden Innenministerkonferenz in Leipzig hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland vorliegt. Der Antrag ist mit „Handlungsbedarf zur gesetzlichen Verpflichtung Dritter für Maßnahmen der verdeckten Informationserhebung nach §§ 100c und 100f StPO“ überschrieben. Im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung sollen dem Papier zufolge Überwachungsbefugnisse der Behörden dramatisch erweitert werden.

Der wohl drastischste Plan zur umfassenden Überwachung: die Industrie soll verpflichtet werden können, Hintertüren für den behördlichen Zugriff einzubauen. In sämtliche technischen Geräte, vom Smartphone über den Fernseher bis hin zu intelligenten Küchengeräten.

Hintertüren: Nicht nur für Behörden nutzbar

Die Diskussion über Hintertüren in technischen Geräten ist keineswegs neu. Was sie allerdings auf jeden Fall ist: fehlgeleitet und gefährlich. Software-Hintertüren sind ein kaum zu kontrollierendes Überwachungswerkzeug, das an den privatesten Stellen unseres modernen, digitalisierten Lebens ansetzt. Außerdem sind sie eine Gefahr für unsere Sicherheit. Ist eine Hintertür einmal vorhanden, gibt es keinerlei Garantien, dass sie wirklich nur von den Behörden genutzt wird. Es ist nicht nur möglich, sondern erwiesenermaßen schon vorgekommen, dass Kriminelle behördliche Hintertüren für ihre eigenen Zwecke verwenden. Seien sie absichtlich eingebaut oder durch Programmierfehler entstanden, von den Behörden aber absichtlich geheimgehalten. So hatte etwa die Infektions-Welle mit dem Erpressungs-Trojaner WannaCry ihren Ursprung in einem Exploit aus dem Werkzeugkasten der NSA. 

Verwundbare Infrastrukturen

Dadurch, dass Thomas de Maizière seine Überwachungs-Ideen auf das Internet der Dinge ausbreitet, verschärft er noch die Gefährlichkeit behördlicher Hintertüren. Beinahe alle Aspekte unseres Alltags sind mittlerweile digitalisiert und vernetzt. Das bietet Chancen, ist aber auch mit erheblichen Risiken verbunden. Nie waren kritische Infrastrukturen so verwundbar wie heute.

Durch den Einbau von Hintertüren, die auch von Kriminellen missbraucht werden könnten, wird das Risiko eines Angriffs auf vernetzte Geräte weiter erhöht. Es braucht nicht allzu viel Fantasie, sich vorzustellen, welche Folgen ein Hackerangriff auf unsere Autos, Router, Fernseher oder Haushaltsgeräte haben könnte.

Dieses Szenario wird keineswegs weniger beunruhigend. Vor allem nicht, wenn man sich die typische Kompetenz deutscher Behörden im Bereich der IT-Sicherheit ins Gedächtnis ruft. Es sei an den allerersten „Bundestrojaner“ erinnert, bei dem nicht nur sämtliche rechtliche Vorgaben ignoriert, sondern auch eine Vielzahl peinlichster Schwachstellen und Programmierfehler eingebaut wurden. Dadurch wurden infizierte Rechner bedeutend anfälliger für Angriffe Dritter. Auch die neue IT-Behörde Zitis hat bislang wenig getan, um sich das Vertrauen der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zu verdienen.

Gefährlich und kurzsichtig

Die Pläne des Bundesministers zu Hintertüren in Smart-Devices sind fehlgeleitet und extrem gefährlich. Das ist für jeden, der sich mit dem Thema IT-Sicherheit befasst problemlos erkennbar. Dass diese Pläne trotzdem ernsthaft auf der Innenministerkonferenz zur Diskussion gestellt werden, zeugt entweder von erschreckender Inkompetenz oder von noch weitaus erschreckender Gleichgültigkeit gegenüber den Gefahren des eigenen Handelns. Es bleibt zu hoffen, dass diese Pläne, wie die meisten, die in den vergangenen Jahren zum Thema Software-Hintertüren geschmiedet wurden, im Sande verlaufen.


Image (adapted) „Time traveler“ by Alessio Lin (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Medienpartner der dmexco 2017

Partnergrafik_dmexco

Sie verspricht Einblicke, spannende Speaker und viele Aussteller: am 13. und 14. September findet wieder die dmexco in Köln statt. Die Digital Marketing Exposition & Conference ist der Treffpunkt für die internationale digitale Branche, Marken, Medien, Agenturen, Influencer sowie Vertreter aus Industrie und Technik und viele Mehr. Der Kongress findet nun schon zum neunten Mal statt.

Auf den ingesamt 15 Bühnen stellen Unternehmen digitale Trends vor, egal ob Startup oder CEOs führender Unternehmen. Über 570 Speaker werden in den acht Formaten erwartet. Dieses Jahr unter dem Motto: Lightening the Age of Transformation. It’s not a Trend – it’s a Movement!

Die Digitale Transformation ist ein fortlaufender Prozess

Themen die unter diesen Bereich fallen sind zum Beispiel das Internet of Things, zunehmende Automatisierung, die Entwicklung von künstlichen Intelligenzen oder auch der Einsatz von Virtual Reality für alle. Aber was wäre eine digitale Transformation ohne die treibende Kraft dahinter: der digitalen Branche. Und so stellen die Speaker ihre Ideen und Vorschläge für die Zukunft in diesen Formaten vor:

  • Congress Hall:
    Hier ist der Ort für Keynotes, Interviews und Panels. Die Congress Hall wird der Mittelpunkt der Veranstaltung werden und spannende Insights zu allen aktuellen Themen und Trends geben. Dieses Jahr hat die dmexco erneut ein hochkarätiges Programm an Speakern zusammengestellt, unter anderem mit Sheryl Sandberg, CCO von Facebook, Jack Dorsey, CEO von twitter, Marc Pritchard, CBO von Procter & Gamble, Claudia Willvonseder CMO IKEA Global und dem ehemaligen ESA Astronaut Dr. Thomas Reiter.
  • Debate Hall
    Nah am Geschehen können Zuschauer in dieser Diskussionsarena Debatten zu aktuellen Themen verfolgen und sogar mitgestalten. Mit einem Voting Tool diskutiert das Publikum live mit.
  • Motion Hall
    Im letzten Jahr feierte die Motion Hall ihre Premiere, jetzt gehört sie schon zum festen Programm. In der Motion Hall dreht sich alles um die führenden Videoproduzenten, Bewegtbildtrends und innovative Marketingmöglichkeiten. In diesem Jahr wird es erneut 13 Casestudies geben zu internationalen Unternehmen, unter anderem CNN, Facebook, RTL, National Geographic, Walt Disney Company und YouTube.
  • Experience Hall
    Hier steht das Verbrauchererlebnis im Mittelpunkt. Hier treffen Visionäre und Vordenker zusammen um über die Zukunft zu sprechen. Unternehmen und Marken stellen innovative Kommunikationsmöglichkeiten und Technologien vor und berichten von ihren Erfahrungen. So können Trends veranschaulicht werden.
  • Außerdem:
    Über 100 Seminare, Work Labs, das Speakers Forum und das Startup Village für Business Pitches, Case Studies und nahen Austausch mit Unternehmen wie: Amazon, Facebook, Spotify, ebay, ProSiebenSat.1 Media, CNN, Snapchat, Gruner +Jahr, Twitter, Mozilla, BILD, Nestlé, BBC World News oder Google.

Dabei sein

Abends hat die dmexco ebenfalls ein Programm aufgestellt, mit der offiziellen dmexco Pure Partyin der Wolkenburg in der Kölner Innenstadt oder verschiedenen Standparties. 

Egal ob junger Unternehmer oder etabliertes Unternehmen, die dmexco hält für jeden etwas bereit. Alle die dabei sein wollen, können sich hier bis zum 29. August noch Frühbuchertickets sichern, danach geht der Verkauf in die nächste Preisstufe. Wir wünschen euch viel Spaß.

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Wenn in Unternehmen nur noch Effizienz ausgeschwitzt wird

Schild 190 - Fortbildung (adapted) (Image by Thomas Reimer via Adobe Stock)

Fu?r Unternehmen bieten hochentwickelte Technologien wie Ku?nstliche Intelligenz, Big Data oder das Internet der Dinge vor allem neue Mo?glichkeiten zur Steigerung von Effizienz und Produktivita?t, sagt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017). Recht fantasielos. Beschränken wir uns auf die Betrachtung von Effizienz und Produktivität? Dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn folgendes Beispiel Schule macht:

Weitreichende Vera?nderungen des Arbeitsmarktes lassen sich am chinesischen Unternehmen Changying Precision Technology verdeutlichen. Das Unternehmen ersetzte 90 Prozent der 600 Bescha?ftigten in ihrer Produktion durch 60 Roboter und erzielte dadurch nicht nur einen Ru?ckgang der Defekte um 80 Prozent, sondern zugleich gar auch eine Produktivita?tssteigerung um 250 Prozent.

Oder die viel zitierte Studie von Osborne und Frey (2013). So sollen 47 Prozent der im Jahr 2010 in den USA ausgeu?bten Berufe in den nächsten zehn bis 20 Jahren von der Ersetzung durch Maschinen bedroht sein. Die Forscher bewerteten 702 Berufe nach ihrer Automatisierungswahrscheinlichkeit.

Automatisierung statt Innovation

Brzeski und Burk (2015) berechneten ebenfalls die Automatisierungswahrscheinlichkeit ganzer Berufszweige. Sie schlussfolgerten aufgrund ihrer Befunde, dass 59 Prozent der Bescha?ftigten in Deutschland in den kommenden zehn Jahren durch moderne Technologien ersetzt werden ko?nnten. Analysen von Bonin, Gregory und Zierahn (2015) zeigen unter Verwendung eines berufsbasierten Ansatzes, dass 42 Prozent der aktuell ausgeu?bten Berufe einer vergleichsweise hohen Automatisierungswahrscheinlichkeit von mehr als 70 Prozent unterliegen. So könnte man die „Prognosen“, die in den vergangenen Jahren vorgestellt wurden, endlos fortsetzen.

Mal abgesehen von der Unfähigkeit der Forscher, wirklich belastbare Aussagen über die Zukunft über einen Zeitraum von 12 Monaten vorzulegen, sind alle Protagonisten von der Überlegung beseelt, dass es ausschließlich um die Steigerung der Produktivität und um die Senkung von (Lohn)-Kosten geht – selbst das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Vielleicht sollten die „Forscher“ mal darüber nachdenken, was erfolgreiche Unternehmer in der Vergangenheit ausmachte und Szenarien darstellen, wie es auch anders laufen könnte.

„Gerade weil Diskussionen über Zukunftsszenarien allzu oft ahistorisch geführt werden, rutschen sie nicht selten, ohne sich dessen bewusst zu werden, in überkommene Denkmuster hinein. Vielleicht besteht der beste Gewinn des Rückblicks auf die vielen Fehlprognosen der Vergangenheit darin, das Neue der Gegenwart schärfer ins Visier zu nehmen und sich von eingefahrenen Gewohnheiten der Zukunftsschau zu befreien. Dazu gehört auch, über technische Innovationen möglichst konkret zu reden“, fordert der Historiker Professor Joachim Radkau in seinem Opus „Geschichte der Zukunft“, erschienen im Hanser Verlag.

Unternehmertum verlernt

Wir sollten uns auch mit der Frage auseinandersetzen, ob wir in Deutschland mit der Digitalisierung wirklich nur Effizienz können und bei Innovationen versagen, wie Detecon-Analyst Marc Wagner im Interview zur Kölner Fachmesse Zukunft Personal ausdrückte:

„Beim Aufsetzen von Effizienzprogrammen und bei inkrementellen Verbesserungen sind wir in Deutschland total gut. Darauf sind wir konditioniert. Da werden die letzten fünf Prozent an Effizienz herausgeschwitzt. Was Unternehmer wie Robert Bosch gut konnten, das haben wir verlernt.“

Als aktionistische Ausweichaktion gründet so ziemlich jedes Unternehmen etwas und dem Stichwort „Lab“ oder „Garage“. Davor steht dann meistens „Digital“. Beheimatet sind die Zukäufe oder Neugründungen meistens in San Francisco, Tel Aviv oder Berlin.

In den Labs ballert man Geld raus

„Man erhofft sich in einem fancy Umfeld tolle radikale Innovationen. Ausgestattet mit einem dicken Budget soll der Anschluss an Unternehmen in den USA, in Asien und Israel gelingen. Es geht aber in diesen Labs primär nur um den Anfang von Innovationen. Es geht um die Frage, mit welchen Ideen die Firmen antreten könnten. Die Umsetzung ist häufig ausgeklammert“, bemerkt Wagner im Vorfeld der Kölner Fachmesse Zukunft Personal.

Das sei abhängig vom „Rest“ der Organisation und die beäugt das Lab-Spektakel kritisch. Im Brot-und-Butter-Geschäft werden Gehälter gekürzt, Konstrukte zur Kostensenkung in Gang gesetzt und Rationalisierung im Kundenservice durchgesetzt. „In den Labs ballert man das Geld raus, pumpt den Kollegen die Finanzmittel in den Hintern, scheut keine Kosten und Mühen, wenn es um die Gestaltung des Arbeitsumfeldes und in der Stamm-Organisation geht, sitzen alle wie die Hühner auf der Stange. Solche Diskrepanzen motivieren nicht zur Umsetzung neuer Ideen.“

Chef-Controller macht die digitalen Buden dicht

Einen weiteren Grund für die mangelhafte Innovationskultur sieht Wagner im klassischen Management, die er vor allen Dingen in Konzernen feststellt. Da werde viel von Innovationen und visionären Ideen gesprochen. In Wirklichkeit gehe es um eine gnadenlose Kapitalmarktorientierung und kurzfristige Optimierungen von KPIs – also Leistungskennzahlen mit denen Mitarbeiter gegängelt werden. Da sei kein Platz für innovative Ideen. Die Hipster in den Labs sind eher Feigenblatt-Einheiten, die beim nächsten Vorstandswechsel wieder rausfliegen.

Irgendwann schlägt der Chef-Controller zu und macht die digitalen Buden dicht. In deutschen Unternehmen gibt es extrem viele Manager, die dafür exzellent ausgebildet sind. Wir finden viele Controller, Finanzexperten und Juristen, die mit dem Kapitalmarkt umgehen können und die am Reißbrett von einer Restrukturierung zur nächsten jagen. Unternehmerischer Sachverstand ist im Top-Management aber Mangelware. Wir sind im Vergleich zu den USA viel stärker auf kurzfristige Maßnahmen gepolt, um den Kapitalmarkt zu pflegen.

Planwirtschaftliche Effizienzorgien

Das ist keine Risikokultur, das sind planwirtschaftliche Effizienzorgien. Richtige Unternehmer gehen Risiken ein und kaprizieren sich nicht auf interne Kontrollsysteme. Im Ergebnis finden wir mehrheitlich Optimierer und kaum noch Erfinder, moniert der Leadership-Strategie Ralf Schwartz im ichsagmal.com-Interview.

„Erfinder sind die Leute, die etwas Neues schaffen, Märkte durchbrechen und Neues kreieren.“ Das würde immer weniger gelingen.

„Wir brauchen Menschen, die Vorbilder sind. Wir brauchen Menschen, die Dinge bewegen. Wir brauchen Menschen, die Dinge verändern. Wir brauchen nicht wirklich Menschen, die auf Konferenzen auf Bühnen stehen und um den heißen Brei herumreden, die sich selbst verkaufen und nur heiße Luft verbreiten. Das sind keine Gestalter. Seit Jahrzehnten hängen wir in der Luft und leben davon, was wir früher mal waren. Es dominiert ein fragwürdiger Vierklang: Adaption ist die neue Innovation; Taktik ist die neue Strategie; Einfalt ist die neue Vielfalt; Billig ist das neue Besser. Wir verhindern unternehmerisches Rebellentum“, sagt Schwartz.

New Work setzt zu spät an

In der Schule, Hochschule und in der Einstellungspolitik werden die Menschen zu Managern erzogen und nicht zu Führungspersönlichkeiten. „Es gibt kein Personalmanagement, um das ändern zu können. Der Rebell fliegt sofort raus. In einer reibungslos funktionierenden Organisation sind die Menschen nur das Getriebeöl“, meint Schwartz. Symptomtherapien wie New Work, Arbeiten 4.0, agile Methoden, flache Hierarchien oder sonstige Managementweisheiten überdecken die Ursachen der Fehlsteuerung. „Wenn New Work einsetzt, ist es schon zu spät. New Work setzt im Unternehmen an und da sind keine Rebellen“, resümiert Schwartz. Das Notitz-Amt verortet Klärungsbedarf bei den Live-Talks auf der Messe Zukunft Personal am 19. und 20. September.


Image (adapted) „Schild 190 – Fortbildung“ by Thomas Reimer/stock.adobe.com


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Mikroben haben ihre eigene Version des Internets

Mikroben (adapted) (Image by geralt) (CC0Public Domain) via Pixabay

Die Erschaffung eines großen, weltumspannenden Netzwerks, das Milliarden von Leuten vernetzt, dürfte bis heute eine der größten Errungenschaften der Menschheit sein. Doch Mikroben sind uns da um mehr als drei Milliarden Jahre voraus. Diese winzigen, einzelligen Organismen sind nicht nur für sämtliches Leben auf der Erde verantwortlich. Sie haben darüber hinaus ihre eigenen Versionen des World Wide Web und des Internets der Dinge. Und so funktioniert es:

Ganz so wie unsere eigenen Zellen behandeln Mikroben bestimmte Stücke der DNA wie verschlüsselte Nachrichten. Diese Nachrichten enthalten Informationen, um Proteine zu molekularen Maschinen zusammenzubauen, die spezifische Probleme lösen können, wie beispielsweise Zellen zu reparieren. Doch Mikroben erhalten diese Nachrichten nicht nur von ihrer eigenen DNA. Sie schlucken auch Stücke der DNA ihrer toten Verwandten oder tauschen mit lebenden Freunden.

Diese DNA-Stücke werden dann in ihre eigenen Genome aufgenommen, die wie Computer funktionieren und die Arbeit der gesamten Protein-Maschinerie überwachen. Auf diese Weise ist die winzige Mikrobe eine flexible Lernmaschine, die intelligent nach Ressourcen in ihrer Umwelt sucht. Sollte eine Protein-Maschine nicht funktionieren, testet die Mikrobe eine andere. Versuch macht klug – so werden alle Probleme gelöst.

Doch Mikroben sind zu klein, um ganz allein zu agieren. Stattdessen formen sie Gemeinschaften. Seit Anbeginn ihrer Existenz leben Mikroben in gigantischen Kolonien, die aus mehreren Trillionen von Mitgliedern bestehen. Diese Kolonien haben sogar mineralische Strukturen hinterlassen, die als Stromatolith bekannt sind. Es handelt sich um mikrobielle Metropolen, eingefroren in der Zeit wie Pompeji, die für das Leben vor Milliarden von Jahren Nachweis erbringen.

Mikroben-Kolonien lernen beständig und entwickeln sich stets weiter. Sie entstanden in den Ozeanen und haben allmählich das Land erobert – und das Herzstück ihrer Forschungsstrategie war der Informationsaustausch. Wie wir gesehen haben, kommunizieren individuelle Mitglieder, indem sie chemische Botschaften auf hochgradig koordinierte Art untereinander austauschen. Auf diese Weise erbauen mikrobische Gesellschaften ein kollektives „Bewusstsein“.

Dieses kollektive Bewusstsein schickt Software-Stücke, geschrieben im DNA-Code, zwischen Trillionen von Mikroben hin und her – mit einem einzigen Ziel: die lokale Umgebung vollständig auf Ressourcen hin zu untersuchen, die Protein-Maschinen nutzen.

Wenn die Ressourcen an einem Platz aufgebraucht sind, rücken mikrobielle Expeditionstruppen aus, um neues Land zu finden: Sie übermitteln ihre Funde zurück zur Basis, indem sie verschiedene Arten chemischer Signale einsetzen, und die Mikroben-Gesellschaft aufrufen, sich von Siedlern zu Besiedelten zu wandeln.

Auf diese Weise übernahmen die Mikroben die Erde, indem sie ein weltweites, mikrobielles Netzwerk erschufen, das unserem eigenen World Wide Web ähnelt, aber chemische statt elektrodigitaler Signale benutzt. Theoretisch kann ein Signal, das am Südpol im Wasser ausgesandt wird, rasch rund um den Nordpol wandern.

Das Internet der lebenden Dinge

Die Gemeinsamkeiten mit menschlichen Technologien hören nicht an dieser Stelle auf. Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten nun daran, unser eigenes Informationsnetzwerk in ein Internet der Dinge auszubauen, das verschiedene Arten von Geräten integriert, indem diese mit Mikrochips ausgestattet werden, die wahrnehmen und kommunizieren sollen. Unser Kühlschrank wird also fähig sein, uns zu benachrichtigen, wenn die Milch alle ist. Unsere Häuser werden und mitteilen können, wenn eingebrochen wurde.

Mikroben haben ihre eigene Version des Internets der Dinge bereits vor langer Zeit gebaut. Wir nennen es das ‚Internet der lebenden Dinge‘, obwohl es allgemein eher als Biosphäre bekannt ist. Jeder Organismus auf diesem Planeten ist in diesem komplexen Netzwerk verbunden und sein Überleben hängt von Mikroben ab.

Vor mehr als einer Milliarde Jahre hat eine Mikrobe ihren Weg ins Innere einer anderen Mikrobe gefunden, die so ihr Wirt wurde. Diese beiden Mikroben wurden zu einem symbiotischen Hybrid, der uns als eukaryotische Zelle bekannt ist, die Basis fast aller Formen des Lebens, die wir heute kennen. Alle Pflanzen und Tiere sind Nachfahren dieser mikrobiellen Verschmelzung, und beinhalten so die biologische „Plug-in Software“, die sie zum Internet der lebenden Dinge verbindet.

So sind wir Menschen beispielsweise so designt, dass wir ohne die Trillionen von Mikroben im Inneren unseres Körpers, die bei der Verdauung von Essen oder bei der Entwicklung von Immunität gegenüber Keimen helfen, nicht funktionieren können. Wir sind so von Mikroben überhäuft, dass wir persönliche mikrobielle Signaturen auf jeder Oberfläche, die wir anfassen, hinterlassen.

Das Internet der lebenden Dinge ist ein sauberes und wunderschön funktionierendes System. Pflanzen und Tiere leben auf dem von Mikroben erstellten ökologischen Abfall. Für Mikroben sind dagegen alle Pflanzen und Tiere „nunmehr das Vieh, dessen Fleisch sie speisen“, dessen Körper verdaut und eines Tages recycelt werden, wie der Autor Howard Bloom es formuliert hat. Mikroben sind potentielle Weltall-Touristen. Wenn die Menschen in den Weltraum reisen, reisen unsere Mikroben mit uns. Das Internet der lebenden Dinge könnte eine große, kosmische Reichweite bergen.

Das Paradoxe ist, dass wir die Mikroben immer noch als unterlegene Organismen wahrnehmen. Doch es verhält sich in Wirklichkeit so, dass Mikroben die unsichtbaren und intelligenten Anführer der Biosphäre sind. Ihre Biomasse übersteigt die unsere. Sie sind die eigentlichen Erfinder der informationsbasierten Gesellschaft. Unser Internet ist nur ein Nebenprodukt des mikrobiellen Informationsspiels, das bereits vor drei Milliarden Jahren initiiert wurde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bacteria“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Warum der Gesundheitssektor oft Ziel von Hackern ist

Bildschirm (adapted) (Image by Pexels) (CC0) via Pixabay

Im Jahr 2016 wurden mehr als 16 Millionen Patientenakten von Gesundheitsorganisationen und Behörden gestohlen. In diesem Jahr war der Gesundheitssektor die fünfthäufigste Industrie, die ins Visier genommen wurde. Zu Beginn diesen Jahres wurde Großbritannien National Health Service von einer Ransomware Attacke getroffen, dessen Virus viele Computer, die Patientenakten und Buchungssysteme enthielten, unzugänglich gemacht hat.

Aber es sind nicht nur Gesundheitsdaten und -dienste gefährdet – sondern auch Menschenleben. Der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney hat bereits im Jahr 2007 seinen Herzschrittmacher modifiziert, um zu verhindern, dass dieser gehackt werden und ihm eventuell schaden könnte. US-Beamte hatten auch kürzlich wieder vor einer solchen Gefahr gewarnt. Jedes medizinische Gerät, das mit einen Netzwerk verbunden ist – von MRT-Geräten bis zum elektrischen Rollstuhl – läuft Gefahr, von Hackern angegriffen zu werden.

Da die vernetzten Technologien immer mehr in den Gesundheitssektor eingebracht werden, wird diese Cyber-Bedrohung wahrscheinlich nur noch zunehmen. Doch wenn wir unser Gesundheitssystem vor Cyberangriffen beschützen wollen, sollten wir keine Angst vor diesen Technologien haben. Stattdessen sollten wir versuchen, sie besser zu verstehen. Wir müssen erkennen, dass diese Bedrohung schlimmer wird, wenn wir Menschen einfache Fehler machen.

Wie hoch ist die Gefahr für den Gesundheitssektor?

Die häufigste Cyberbedrohung für den Gesundheitssektor ist Datendiebstahl. Normalerweise werden diese mit einem Phishing-Angriff eingeleitet. Hat ein Arzt Zugriff zu Patientenakten, sendet der Angreifer ihm möglicherweise eine E-Mail, in der er auf einen Link oder einen Anhang klicken soll und so Malware auf den heimischen Computer herunterlädt. Der Angreifer kann dann diese Software nutzen, um Zugang zu finanziellen, administrativen und klinischen Informationssystem der Organisation zu erhalten. Im Falle des jüngsten „Wannacry“-Angriffs, bei dem auch der NHS betroffen war, hat die Malware – in diesem Fall Ransomware – den Benutzer aus ihren Computern ausgesperrt und Geld gefordert, um sie freizugeben.

Diese Angriffe können sich auch zu „fortgeschrittenen anhaltenden Bedrohungen“ gegen das Gesundheitsnetzwerk entwickeln. Diese treten auf, wenn die Malware in das Gesundheitsnetzwerk gelangt und dort unbemerkt bleibt, während sie mit dem Angreifer in Kontakt bleibt. Von dort aus kann sie sich über das gesamte Netzwerk verteilen, auch wenn der ursprüngliche Download erkannt und entfernt wird. Die Malware kann so Daten stehlen und den Netzwerkverkehr an den Angreifer senden, der dadurch genau sehen kann, was im System in Echtzeit passiert.

Angreifer können auch das Gesundheitsnetzwerk nutzen, um sich in angeschlossene medizinische Geräte und Ausstattungen wie Ventilatoren, Röntgengeräte und medizinische Laser zu hacken. Von dort aus können sie sich eine „Hintertür“ einrichten, durch die sie einen dauerhaften Zugang zu den Geräten erhalten, auch wenn die Software aktualisiert wird, um die Sicherheit zu verbessern.

Es ist auch möglich, dass Angreifer eines Tages künstliche Intelligenz für komplexere Angriffe nutzen. Zum Beispiel könnten Hacker ein intelligentes System verwenden, um Algorithmen im Gesundheitswesen zu blockieren, die Rezepte oder Medikamentenbibliotheken verwalten und diese anschließend durch Fälschungen ersetzen.

Warum ist das Gesundheitswesen so ein interessantes Ziel?

Jede Organisation, die mit Computern arbeitet, läuft Gefahr, Opfer von Cyberangriffen zu werden. Doch wer wirklich Geld erpressen will, findet weitaus interessantere Ziele. Der jüngste Angriff auf die NHS beispielsweise brachte nur sehr wenig Lösegeld.

Ein wesentlicher Grund für die Bedrohung des Gesundheitssektors ist, dass er als kritische Infrastruktur, neben Wasser-, Strom- und Verkehrsnetzen, eingestuft wird. Dies macht es zu einem attraktiven Ziel für Hacker, die Chaos verbreiten wollen, vor allem aus dem feindlichen Ausland. Der Angriff auf eine Gesundheitsorganisation, die Teil einer größeren Infrastruktur ist, könnte auch einen Weg in andere kritische Einrichtungen bieten.

Ein Grund für die riesige Anzahl von Möglichkeiten von Angriffen auf das Gesundheitssystem ist, dass sie sich auf Technologien verlassen. Der Gesundheitssektor macht sich heutzutage massiv von teurer Technik abhängig. Sie nutzen sie nicht nur in Form von Computersystemen und Krankenhausequipment, sondern auch durch die Nutzung von Geräten, die Menschen an oder sogar innerhalb ihres Körpers tragen, wie Fitnessüberwachungsgeräte oder digitale Herzschrittmacher. Es gibt aber auch jede Menge Möglichkeiten für einen Gesundheits-Hacker – von Datennetzen über mobile Anwendungen und sogar nicht-medizinischen Überwachungssystemen wie CCTV.

Insbesondere die Ausbreitung des „Internet of Things“, die mittlerweile fast schon standardmäßige Verbindungen von Geräten und Objekten zum Internet, erhöht die Anzahl von potenziellen Zugriffspunkten für Hacker. Im Gegensatz zu vielen trivialen Anwendungen haben die mit dem Netz verbundenen medizinische Geräte offensichtliche Vorteile, weil sie sofort nützliche Daten oder Anweisungen mit dem medizinischem Personal austauschen können. Hier liegt eine der größten Gefahren, weil die Geräte oft an kritischen Prozeduren oder Behandlungen beteiligt sind. So wäre beispielsweise eine Störung der Signale von einem robotergetriebenen chirurgischen Werkzeug absolut verheerend.

Wie können wir den Gesundheitssektor vor Angriffen schützen?

Die meisten Angriffe gegen den Gesundheitssektor fallen in die Kategorie der Raketenangriffe. Sie können den Angegriffenen nicht nur spontan schaden und begrenzte Spuren hinterlassen, sie können auch erhebliche Schäden verursachen. Dies macht es sehr schwierig, die Angreifer aufzuspüren oder zukünftige Angriffe vorherzusagen.

Die Organisationen des Gesundheitswesens sind sich bereits dieser Gefahr bewusst und beginnen, Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst zu schützen. Dies geschieht beispielsweise durch den Einbau von Cyber-Sicherheit in ihre Strategien zur Informationstechnologie. Auf einen „Delivery level“ können Krankenhäuser neue Sicherheitsstandards etablieren und bessere Wege zur effektiven Integration der verbundenen Systeme finden.

Doch der Gesundheitssektor leidet unter denselben Problemen wie jede andere Technologie. Wenn ein Sicherheitsteam denkt, dass es ein Problem erfasst hat, taucht schon das nächste auf. Wenn ein Problem gelöst ist, gibt es direkt noch mehr. Diese Probleme sind von Menschen für Menschen entworfen – daher lässt sich vermuten, dass sie für menschlichen Fehler anfällig sind.

Obwohl man das Personal so gut wie möglich trainieren kann, braucht nur jemand auf einen Button klicken, um Malware in das System hineinzulassen, die anschließend das ganze System zerstören kann. Desweiteren könnte die Angst vor Rechtskosten und Verantwortlichkeiten dazu führen, dass einige Organisationen bestimmte Vorfälle nicht melden. Sie könnten stattdessen Maßnahmen ergreifen, die die Bedrohung erhöhen könnten, wie beispielsweise Lösegeldzahlungen an Hacker. In Wirklichkeit jedoch hängt der Ruf und das Vertrauen der Gesundheitsorganisationen davon ab, dass sie das wahre Ausmaß der Bedrohung erkennen und ausreichende Maßnahmen ergreifen, um sich dagegen zu schützen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bildschirm“ by Pexels (CC0 Public Domain)


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Ein Tag im Leben eines Smart-City Computers

smartwatch (adapted) (image by Free-Photos [CC0] via pixabay)

Der Alarm deines Smartphones ertönt heute Morgen zehn Minuten früher als sonst. Teile der Stadt sind abgesperrt, für die Vorbereitungen eines beliebten Sommerfestes – die Staubildung wird wohl schlimmer als an anderen Tagen sein. Du musst einen früheren Bus erwischen, um pünktlich auf Arbeit zu sein.

Die Weckerzeit ist deiner Morgenroutine angepasst, die jeden Tag von deinem Smartphone überwacht wird. Es sagt das Wetter vorher (für 7 Uhr wurde Regen angesagt), gibt Auskunft über den Wochentag (es ist Montag und der Verkehrs ist Montags immer schlimm) und sagt dir, dass du gestern spät ins Bett gegangen bist (diesen Morgen wird daher vermutlich alles etwas langsamer ablaufen). Das Telefon summt wieder – es ist Zeit, sich auf den Weg zu machen, wenn du den Bus kriegen willst.

Während du zur Bushaltestelle läufst, schlägt dir dein Smartphone vor einen kleinen Umweg zu machen – aus irgendeinem Grund ist die Straße, die du sonst immer nutzt, heute sehr voll. Du kommst auf dem Weg an deinem Lieblingskaffeeladen vorbei und obwohl dieser heute 20 Prozent Rabatt anbietet, informiert dich dein Telefon nicht – du hast es immerhin eilig.

Nach deinem morgendlichen Spaziergang fühlst du dich frisch und kraftvoll. Du kommst an der mit WLAN und Bluetooth ausgestatten Bushaltestelle an und eine Benachrichtigung wird an den Busfahrer gesendet. Er weiß jetzt, dass 12 Passagiere darauf warten, abgeholt zu werden, weshalb er ein bisschen schneller fahren sollte, wenn er allen genügend Zeit geben will, einzusteigen. Das Busunternehmen ist ebenfalls informiert und schickt bereits einen weiteren Bus los, um dem hohen Personenaufkommen auf deiner Route gerecht zu werden. Während du wartest, fällt dir ein Elternteil mit zwei kleinen Kindern auf, die sich mit dem Touch-Screen der Haltestelle beschäftigen.

Als der Bus ankommt, können alle entspannt einsteigen: fast alle Passagiere nutzten Tickets, die auf ihrem Smartphone gespeichert waren. Nur eine Person musste aufwendig mit Bargeld zahlen. Im Bus holst du ein Tablet aus deiner Tasche, um die Nachrichten und deine E-Mails über das kostenlose WLAN zu checken. Dir fällt plötzlich auf, dass du vergessen hast, dein Telefon zu laden. Du schließt es also an die USB-Buchse neben deinem Sitz an, um es zu laden. Obwohl der Verkehr sehr stockend ist, kannst du fast alle deine Arbeitsmails abarbeiten. Die Zeit im Bus ist also sehr sinnvoll genutzt.

Als der Bus dich vor deinem Büro absetzt, informiert dich dein Chef über einen ungeplanten Besuch. Du buchst daher bei einem Car-Sharing-Dienst wie Co-wheels. Du sicherst dir ein Auto für die Reise, inklusive einem Klapprad im Kofferraum.

Du musst in das Zentrum der Stadt, also parkst du das geliehene Auto in einer nahgelegenen Parkbucht (die eigentlich eine ungenutzte Auffahrt eines anderen Mitglieds ist), sobald du am Stadtrand ankommst. Du nimmst für den Rest des Wegs ein Fahrrad, um Zeit zu sparen und den Verkehr zu umgehen. Deine Reise-App gibt dir Anweisungen über deine Bluetooth-Kopfhörer – es sagt dir, wie du deine Geschwindigkeit auf dem Fahrrad anpassen sollst, je nachdem, wie es um deine Fitness steht. Wegen deines Asthmas schlägt die App dir eine Route vor, die ein Areal umgeht, das starke Luftverschmutzung aufweist.

Nach dem Meeting winkst du ein Taxi heran, um zurück ins Büro zu gelangen. Du kannst auf dem Weg ein paar Mails beantworten. Mit einem Klick auf deinem Smartphone bestellst du das Taxi und in den zwei Minuten, die es bis zu dir braucht, faltest du dein Fahrrad, um es in den Kofferraum eines anderen Autos in der Nähe deines Büros zu packen. Du hast es eilig, also keine grünen Belohnungspunkte fürs Laufen heute. Wenigstens bist du pünktlich beim Meeting gewesen und hast auf dem Weg dorthin zwei Kilogramm CO2 eingespart.

Wach auf

Das mag alles wie Fiktion klingen, aber in Wahrheit werden alle notwendigen Daten dafür bereits auf die eine oder andere Art und Weise gesammelt. Dein Smartphone kann deinen Standort verfolgen, deine Fortbewegungsgeschwindigkeit und sogar die Art von Aktivität, die du ausführst – ob du fährst, läufst oder mit dem Rad unterwegs bist.

In der Zwischenzeit werden Fitness-Tracker immer besser und Smart Watches können deine Herzfrequenz und deine körperlichen Aktivität überwachen. Dein Suchverlauf und dein Verhalten auf den einschlägigen Sozialen Medien können Auskunft über deine Interessen, Geschmäcker und sogar Absichten geben: Zum Beispiel geben die Daten, die generiert werden, wenn du dir Urlaubsangebote ansiehst, nicht nur Auskunft darüber, wo du hinwillst, sondern auch wann und wieviel du bereit bist, zu zahlen.

Neben persönlichen Geräten, ist das Internet of Things mit Netzwerken unzähliger Arten von Sensoren, die von Luftverschmutzung bis Verkehrsaufkommen alles messen können, eine weitere Datenquelle. Ganz abgesehen von dem kontinuierlichen Fluss an Informationen auf Socia- Media-Plattformen zu jedem Thema, das dich interessiert.

Mit so vielen verfügbaren Daten scheint es, als sei die Erfassung unserer Umwelt fast komplett. Doch alle diese Datensätze sind in Systemen gespeichert, die nicht miteinander interagieren und von verschiedenen Entitäten verwaltet werden, die Sharing nicht gerade gut heißen. Obwohl die Technologie also bereits existiert, sind unsere Daten weiterhin bei verschiedenen Organisationen voneinander isoliert und institutionelle Hürden stehen dieser Art von Service im Weg. Ob das gut oder schlecht ist, bleibt dir überlassen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „smartwatch“by Free-Photos ( CC0 Public Domain)


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HomeKit im Praxistest: Apples Smart Home wird endlich bewohnbar

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Seit zwei Jahren versucht Apple mit HomeKit einen Fuß ins vernetzte Heim zu bekommen. Nach langer Bauphase nimmt die Smart-Home-Plattform endlich brauchbare Konturen an. So kündigte Apple auf der WWDC 2017 an, die Anforderungen für die Entwickler zu lockern und die Einrichtung für Konsumenten zu erleichtern, wie 9to5Mac berichtet. Schon jetzt ist die Auswahl an Apple-kompatibler Haustechnik deutlich größer als noch zum Marktstart. Mittlerweile gibt es viele smarte Produkte, die auch dann in Frage kommen, wenn ihr – so wie ich – als Mieter keine baulichen Veränderungen an Haus und Wohnung vornehmen dürft. Welche Möglichkeiten und welchen Mehrwert bietet Smart Home mit Apple HomeKit inzwischen? Eine Bestandsaufnahme.

Das steckt dahinter: Apple HomeKit kurz erklärt

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HomeKit-Geräte lassen sich über das Kontrollzentrum des iPhone steuern. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Kurzer Crashkurs für Einsteiger, die erstmals intensiver mit Smart Home á la Apple befassen. Mit HomeKit möchte Apple einen Standard etablieren, mit dem sich vernetzte Haustechnik bequem im Alltag bedienen lassen soll. Denn heutzutage lässt sich allerlei Haushaltseinrichtung per WLAN oder Bluetooth fernsteuern. Das gilt etwa für Lampen, Sicherheitskameras und Steckdosen, aber auch für Thermostate, Schlösser oder Türklingeln.

Doch lange Zeit war das nicht mehr als eine umständliche Spielerei, weil die Hersteller auf eigene Steuer-Apps und Funkprotokolle setzten. HomeKit schlägt eine Brücke und macht aus all diesen Insellösungen eine vernetzte Technik-Landschaft. So können Nutzer seit iOS 10 ihre HomeKit-fähigen Geräte zentral über Apples Home-App auf iPhone, iPad und Apple Watch steuern.

In iOS ist sie besonders tief integriert. Dort ermöglicht sie auch im Kontrollzentrum den Zugriff auf die wichtigsten Funktionen, wenn ihr zweimal nach links wischt. Für den Apple TV gibt es keine eigene Home-App. Dennoch spielt die Set-Top-Box als Steuerzentrale eine wichtige Rolle, sofern ihr eure HomeKit-Geräte auch von unterwegs aus fernsteuern wollt. Dazu muss lediglich iCloud aktiviert sein. Natürlich stellt sich dabei die Frage nach der Sicherheit der Daten und deren Angreifbarkeit. Zum Glück gehört das Datensammeln an sich – anders als etwa bei Google – nicht zum Geschäftsmodell von Apple.

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Mittels Siri könnt HomeKit-Geräte per Sprachbefehl ein- oder ausschalten. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Eine App-Bedienung ist übrigens nicht die einzige Option. Alternativ leitet Apples Sprachassistenz Siri eure Kommandos an die entsprechenden Geräte weiter. Wem es auf der Couch zu dunkel zum Lesen wird, der geht nicht mehr zum Lichtschalter, sondern bleibt sitzen und ruft in sein iPhone: „Siri, mach das Licht im Wohnzimmer an.“ Ähnlich wie Amazon und Google möchte Apple mit dem angekündigten HomePod bald auch einen Lautsprecher bieten, der Sprachkommandos entgegennimmt.

„Szenen“ helfen bei der Heimautomatisierung

Ein weiteres Feature: Weil sich die Geräte dank der gemeinsamen Plattform über die Hersteller-Grenzen hinweg verstehen, lässt sich eine respektable Heimautomatisierung realisieren. Mit der „Szenen“-Funktionen können Nutzer mehrere Geräte auf einmal ein- oder ausschalten. Beispielsweise aktiviert eine iPhone-Nutzerin in einem Werbeclip gleichzeitig die Jalousien und Kaffeemaschine, einfach, indem sie Siri einen „Guten Morgen“ wünscht.

Auch komplexere Automatisierungsroutinen sind möglich. In solchen Fällen lösen definierte Sensor-Werte vorgewählte Aktionen aus. Einen Ventilator automatisch anspringen zu lassen, wenn die Temperatur einen definierten Wert übersteigt, ist auf diese Weise ein Leichtes.

Diese Geräte verstehen sich mit HomeKit

Nach einem schleppenden Start in 2015 ist die Zahl mit der Home-App steuerbaren Geräte auf eine Größe gestiegen, die den Aufbau eines Smart-Home-Netzwerks aus HomeKit-Produkten sinnvoll macht. Apple zählt 17 Produktkategorien und 113 erhältliche oder angekündigte Produkte, die viele Einsatzzwecke abdecken (Stand Juni 2017). Leider ist davon hierzulande erst rund die Hälfte der Produkte erhältlich. Ob ein Gerät mit Apple Home kompatibel ist, verrät das „Works with HomeKit“-Logo auf der Verpackung.

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Anhand dieses Logos erkennt ihr, ob das Gerät mit Apples Smart-Home-Plattform zusammenarbeitet. Image by Berti Kolbow-Lehradt

In Sachen Beleuchtung verstehen sich zum Beispiel die Leuchtmittel und Lampen von Philips Hue ebenso mit Apple Home wie die LED-Panels von Nanoleaf Aurora. Der deutsche Hersteller Elgato bietet in seiner Connected-Home-Produktreihe Eve einen breiten Strauß vernetzter Sensoren und Steckdosen. Neben Elgato haben auch Honeywell, Tado und Netatmo HomeKit-taugliche Heizthermostate im Programm. Zudem misst Netatmo mit seinem Healthy Home Coach das Raumklima sowie den Lärmpegel und leitet diese Werte an die Home-App weiter.

Eine erste HomeKit-fähige Indoor-Überwachungskamera ist auch erhältlich: Die Omna 180 Cam von D-Link. Im Gegensatz dazu soll Logitechs gerade vorgestellte Sicherheitskamera Circle 2 soll erst in Kürze ein HomeKit-Update erhalten. Schade: Viele andere vielversprechend klingende Kategorien wie smarte Türschlösser und Ventilatoren sind vorerst nur den Nutzern von Apple Home in den USA vorbehalten.

Die kompakteste, aber keine vollständige Übersicht über hierzulande erhältliche HomeKit-Produkte bietet der deutsche Apple Store. Auch Apple-Händler Gravis ist in Sachen HomeKit gut sortiert. Eine erschöpfende HomeKit-Liste inklusive Preisvergleich ist bei Tink zu finden.

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Es gibt immer mehr passende Geräte für Apple HomeKit, zum Beispiel von Elgato, Philips, Netatmo und D-Link

HomeKit in der Praxis

Ein Praxistest mit aktueller Apple-Hardware auf jüngstem OS-Stand sowie einer Reihe von HomeKit-kompatiblen Geräten führt zu einem erfreulichen Ergebnis – allerdings mit Verbesserungspotenzial. Zum Einsatz kommen dabei Hue-Glühbirnen von Philips, außerdem die Klimasensoren Eve Room und Eve Weather sowie die Steckdose Eve Energy und der Bewegungsmelder Eve Motion von Elgato. Ferner habe ich die Überwachungskamera Omna 180 von D-Link und den Healthy Home Coach von Netatmo getestet. Die Test-Exemplare stellten mir die Hersteller sowie der Apple-Händler Gravis zur Verfügung.

Ihre Kernaufgabe als Bindeglied erfüllt die HomeKit-Plattform einwandfrei. Das getestete Zubehör lässt sich mühelos hinzufügen. Entweder gelingt das über die herstellereigene App oder – noch einfacher – über Apples Home-App. Im zweiten Fall liest die Kamera einen HomeKit-Code auf dem Produkt oder dessen Verpackung ein.

Anschließen im normalen Betrieb die jeweiligen Geräte per App ein- oder auszuschalten, klappt

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Per HomeKit-Code liest die Kamera das Gerät und bindet es in die Apple-Home-App ein. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

reibungslos. Auch die Szenen-Funktion, mit der ich mehrere Geräte auf einmal steuere, macht ihren Job einwandfrei. Nachdem ich meinen Apple TV als Steuerzentrale richtig konfiguriert habe, kann ich sogar aus der Ferne mit dem iPhone auf die vernetzten Geräte zugreifen. Noch einfacher als die App-Bedienung ist jedoch die Sprachfunktion.

Ich finde es einfach cool, mit einem „Hey Siri“-Zuruf das Licht zu bedienen oder die Temperatur abzufragen. Mein liebster Life-Hack bisher: Weil ich meinen nicht-smarten Standventilator mit der HomeKit-Steckdose Elgato Eve Energy verbunden habe, brauche ich ihn nicht mehr von Hand einzuschalten. Stattdessen kann ich per Sprachkommando einfach die Steckdose aktvieren, um mir kühle Luft um die Ohren pusten zu lassen.

Das darf noch besser werden

So gut die App- und Sprachsteuerung über Apple Home auch funktioniert – die App-Gestaltung selbst dürfte gern übersichtlicher und selbsterklärender sein. Ein großes Manko in Sachen Oberflächendesign ist die Kachel-Optik. In die Zeilen der kleinen Quadrate passt zu wenig Schrift, sodass sie viele Begriffe unvollständig anzeigen. Dadurch lässt sich zum Teil nur erraten, welche Geräte und Sensoren gerade gemeint sind. Möchte ich Sensorwerte abrufen, sind die herstellereigenen Apps mitunter übersichtlicher.

Auch den Assistenten für automatisierte Vorgänge finde ich nicht benutzerfreundlich genug. Er ist unter

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Was soll das bedeuten? Die Anleitung in im Automations-Menü ist zum Teil sehr kryptisch. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

dem Punkt „Automation“ unten rechts in der Menüleiste der Home-App zu finden. Darüber lassen sich ereignisbasierte Aktionen programmieren. Etwa, dass sich die mit dem Ventilator verbundene Steckdose startet, wenn die Raumtemperatur einen Schwellenwert übersteigt oder wenn die Omna 180 registriert, dass ich den Raum betrete.

Jedoch sind die Oberflächen-Elemente des Automationsmenüs zum Teil leider so kryptisch beschriftet, dass es mich mehrere Versuche kostet, die korrekte „If this, then that“-Regel zu erstellen. Intuitiv geht anders. Allerdings nervt diese Fummelei nicht allein in der Home-App von Apple, sondern auch in der Eve-App von Elgato, in der sich mittels HomeKit ebenfalls solche Routinen programmieren lassen. Das ist bedauerlich. Denn erst mit solchen Automationsregeln wird ein vernetztes Zuhause auch im Wortsinne zu einem Smart Home.

Fazit

Mit der HomeKit-Plattform macht Heimvernetzung richtig Spaß! Einrichtung und manuelle Bedienung per App oder Siri funktionieren einwandfrei. Wer bereits als Apple-Nutzer über ein iPhone oder ein iPad verfügt, findet leichten Zugang zum Thema Smart Home. Er braucht dann nur noch passende Haushaltstechnik, die mit dem HomeKit-Label versehen ist. Das Zubehörsortiment ist hierzulande noch klein, aber es wächst kontiniuerlich. Zudem genügt die Auswahl, um sich ein alltagstaugliches HomeKit-Szenario zusammenzustellen.

Nachbessern darf Apple gerne noch in bei der Oberfläche der Home-App und bei der Automatisierungsfunktion. Mehr Übersichtlichkeit und Verständlichkeit würden den Mehrwert der Plattform nochmals deutlich steigern. Beim derzeitigen Stand werden viele entnervt darauf verzichten, komplexere Routinen vorzuplanen. Insgesamt hat sich Apple HomeKit nach zweijähriger Reifezeit zu einer ordentlichem Plattform entwickelt, die das Smart-Home-Thema einen breitenwirksamen Schub geben dürfte.

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Apple Home-App. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Dieser Artikel erschien zuerst bei Applepiloten


Images & Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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Netzpiloten sind Partner des make MUNICH Festival

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In München findet am 06. und 07. Mai das make MUNICH Festival statt. Das Festival richtet sich an sogenannte „Maker“ und bietet eine Bühne für Erfindungen, Projekte, Technologien und die neue, inklusive und wissensteilende Maker-Innovationskultur.

Making Connections

Bei dem Festival, das 2017 schon zum vierten Mal stattfindet, erwarten euch 150 Aussteller, die sich als „Maker“ bezeichnen. Das sind kreativen Pioniere, die digitale Werkzeuge wie 3D-Drucker, Laser-Cutter und Micro-Controller nutzen, um innovative Dinge zu erfinden, zu entwickeln und zu produzieren. Es werden mehr 10.000 technikaffine, umweltbewusste, kreative und innovationsbegeisterte Besucher und Maker aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien erwartet. Das Motto lautet dieses Jahr „Making Connections“. Themen, die immer wieder im Zentrum des Interesses der Makerbewegung stehen, sind:

  • Elektronik und Internet of Things (IoT)
  • 3D Druck
  • digitale Tools
  • Robotik
  • Maker-Startups
  • FabLab/Makerspace Communityarea

Die Veranstaltung findet in der Zenithhalle in München statt. Hier könnt ihr euch eure Tickets sichern.

+++ Ticketverlosung +++

Wir verlosen 2×2 Tickets. Schnell sein lohnt sich also! Tragt hier eure Daten in das Formular ein und gewinnt mit etwas Glück die Tickets!

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Die Netzpiloten sind Partner beim Year of the Rooster

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In München findet am 27. April das Festival Zukunft des Digital Business im Year of the Rooster statt. Das Motto lautet dieses Jahr „Where Robots meet Buddhas“. Eingeladen zu dem Event sind Führungskräfte, buddhistische Mönche, Bestseller-Autoren und Gründer aus der Technologie-Szene. Hier sind einige der Themen, die bei dem Festival auf der Agenda stehen werden:

  • Zukunft der Arbeit und Bildung
  • Digitale Führung und persönliche Entwicklung
  • Zukunft der Medien und des Marketing
  • Internet der Dinge
  • Digitale Technologien
  • Achtsamkeit und Wohlbefinden

Warum teilnehmen?

Der Veranstalter, die Freeformers GmbH, nennt einige Gründe, die dafür sprechen, an dem Event teilzunehmen:

  • Interaktive Workshops rund um App Prototyping, Design Thinking, Live Video, Drohnen und Blockchain
  • Verständnis der Schlüsselthemen, die die digitale Wirtschaft streifen: Internet der Dinge, VR, Robotics, Zukunft der Medien, der Mobilität und der Arbeit.
  • Speed Networking, internationale „Movers and Shakers“ großen Marken treffen, Startups und Agenturen
  • Internationale Speaker aus den USA, Australien, Deutschland, der Schweiz und Großbritannien

Seht euch hier den Trailer für die diesjährige Veranstaltung an:

Beim Year of the Rooster erwarten euch viele Experten, die ihr Wissen gerne mit euch teilen. Unter anderem vor Ort sein werden:

Die Veranstaltung findet in München im Kulturzentrum Backstage statt. Hier könnt ihr eure Tickets kaufen.

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Destination Check: Digital Business Preview 2017

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Sogar Schafe werden jetzt mit dem Alptracker von Tecsag smart. Image by Lisa Kneidl

Die Digital Business Preview ist das alljährliche Preview-Event im Vorfeld des Mobile World Congress, vom 27. Februar bis 02. März 2017 und der CeBit, vom 20. bis 24. März 2017. Sie findet in kurzem zeitlichen Abstand an den Standorten Hamburg und München statt und versammelt IT-Unternehmen, Presse-Vertreter und innovative Hersteller zum regen Austausch und networking. „Internet of Things“, „Big Data“, „Chatbots“ und „Blockchain“ waren in diesem Jahr die großen Schlagworte.

„Alles wird smart! Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind erstaunlich, aber auch beängstigend.“, so beschreibt Veranstalter und Moderator Peter Becker einleitend den Status Quo in der IT-Welt. Das Internet der Dinge ist im gewerblichen und privaten Raum angekommen und beinahe alles Erdenkliche kann mittlerweile auch als Smart-Artikel auf dem Markt gefunden werden.

Doch was Raum für Innovation bietet, kann auch Gefahren bergen, so können smarte Produkte auch schnell kompromittiert werden. Knud Lasse Lueth betonte, dass vor allem die USA in Sachen Smart-Home den Deutschen um einiges Voraus ist, vor allem ein Artikel wie Amazons Alexa war auf der vergangenen CES großes Thema.


Veranstalter: Peter Becker, Moderator der Digital Business Preview


Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich glaube, wir leben in sehr lebendigen Zeiten, wo die Technologie mehr und mehr unser Leben und unsere Arbeitswelt prägt und die Gesellschaft verändert. Es geht nicht nur um neue Produkte,

die auch zu sehen sind, vom neuesten Smartphone bis hin zum Paket-Butler oder zur ersten App, die mir Geld auszahlt, als erste digitale Essensmarke. Es geht auch darum, über den Tellerrand zu schauen und auch die Technologie zum Greifen in ihren Auswirkungen. Das ist eine sehr schöne Mischung gewesen, die wir heute erlebt haben, zwischen Hardcore-Tech- und Security-Themen, neuen Produkten, aber auch beim Berichten muss man über den Tellerrand hinausschauen. Alles wird intelligent, wie beispielsweise künstliche Intelligenz, die in Deutschland leider noch völlig unterbelichtet ist. Wir sehen die Rieseninvestments von Google und Facebook in diesen Bereichen und auch bei der CES war KI das vorherrschende Thema.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Ich habe gerade sehr positives Feedback von einem Kollegen bekommen, der sagte, dass die Mischung stimme. Es inspiriert einen und es ist von allem etwas dabei, es wäre lange nicht so gut gewesen.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Ich hielt viele Sachen für sehr originell und witzig, beispielsweise auch die Sache mit den Schafen aus der Schweiz! Es lässt sich nur schwer herunterbrechen.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Jedem, der sich für Technologien interessiert. Jedem, der wissen will, wie sich unser Leben und unsere Arbeitswelt verändern. Jedem, der in Kontakt mit der Zukunft bleiben will und Inspiration und eigene Geschäftsmodelle entwickeln möchte, aufgrund von Techniken, die hier vorgestellt werden. Wir erleben das unmittelbare Gespräch auch mit denjenigen, die Technologien und Innovation anbieten, das ist, glaube ich, sehr sinnführend.


Speaker: Udo Schneider, Security Evangelist bei Trend Micro


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Image by Udo Schneider

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Die Digital Business Preview ist für uns ein sehr interessanter Termin im Jahr, um sehr früh Informationen zu bekommen, was auf der CeBit und was thematisch übers Jahr präsentiert werden wird. Sowohl von Sicherheitsherstellern als auch von den Interessen des Kunden her, oder was für Partner interessant ist und zu neuen Geschäftsmöglichkeiten führen kann. Die Veranstaltung ist weniger CeBit-spezifisch und kann als Ausblick und Erdung für das Branchen-Jahr angesehen werden.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Was ich an der Preview sehr gerne mag, ist das große Spektrum an Sprechern. Zum einen gibt es Sprecher von Firmen im Consumer-Bereich oder im großen Firmen-Bereich, mit ganz verschiedenen Themen und solchen, die man normalerweise so nicht mitbekommt. Es ist ein sehr interessanter und breiter Themen-Überblick, was insofern interessant ist, weil diese Themen erfahrungsgemäß dann sehr lange vorhalten. Es kommt vor, dass wir gegen Ende des Jahres Gespräche mit Kunden und Partnern führen, die im gleichen Jahr hier auf der Preview vorgestellt wurden.

Die Langlebigkeit der präsentierten Themen ist also enorm und die Veranstaltung dementsprechend sehr interessant – und das in einer sehr schnelllebigen Branche. Gerade, weil auch erfahrungsgemäß die meisten Sprecher der Veranstalter keine klassischen Produkt-Präsentationen machen, sondern es werden sehr visionäre Themen und Ansätze präsentiert, die weniger an Produkte, sondern eher an Vorgehensweisen gebunden sind. Das sind Informationen, die deutlich langsamer veralten als Produktupdates.

Wir profitieren sehr lange von dieser Veranstaltung! Wenn wir Themen hier präsentieren, die dann auf der CeBit aufbereitet werden, kommt es durchaus vor, dass wir von Kunden und der Presse teilweise Monate später auf das jeweilige Thema angesprochen werden. Für uns ist diese Veranstaltung quasi der Auftakt für die Pressearbeit des ganzen jeweiligen Jahres, von der wir lange profitieren.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Die Veranstaltung würde ich jeder Firma empfehlen, die auf IT-Messen präsent ist, die Produkte oder Lösungen haben, die vielleicht erklärungsbedürftig und nicht auf den ersten Blick verständlich sind, wo aber eine Berichterstattung für die Messen wünschenswert ist. Hier ist die Zeit Visionen und Konzepte vorzustellen und zu erklären deutlich besser gegeben, als im hektischen Messe-Alltag.

Gerade Lösungen, die auch ein wenig Nachdenken erfordern, sind hier sehr gut zu präsentieren, weil man erfahrungsgemäß mehr Zeit hat, diese zu zeigen und zu erklären. Die Berichte und entsprechenden Mitteilungen über die Preview werden dann passend zu den jeweiligen kommenden Messen geschrieben und veröffentlicht. Wenn es Themen sind beispielsweise komplexer sind und wenig „catchy“ sind, würde ich die Preview den jeweiligen Firmen empfehlen.


Aussteller: Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET


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Image by Thomas Uhlemann

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Wie jedes Jahr ein gutes Treffen der entscheidenen Pressevertreter, die wir hier erwarten und die uns als Multiplikatoren dienen sollen. Die CeBit ist ganz klar eine Landmarke im Jahreskalender, auch wenn wir direkt an der CeBit nicht mehr teilnehmen. Die Preview ist aber immer eine gute Gelegenheit, Produkte zu platzieren, zu informieren und Content an die Medienvertreter zu liefern, was das Thema „IT-Security“ im kommenden Jahr betrifft.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Erwartungen sind erstmals das Networking, also bestehende Kontakte zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und auch das Bewusstsein für unsere Firma auf dem Markt weiter auszubauen. Das wird auch jedes Jahr erfüllt, weswegen wir auch jedes Jahr mit dabei sind.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es ist wie immer gut überschaubar, das heißt, es ist genau das richtige Angebot an Ausstellern in meinen Augen, es wird nicht überfrachtet, weil sonst einzelne Informationen verloren gehen würden. Wichtige Innovationen sind auch hier. Beispielsweise halte ich das Sport-Sponsoring Sponsoo für ein gutes Projekt und glaube auch, dass das funktionieren kann. Damit habe ich mich neben altbekannten Playern am meisten beschäftigt. Hier findet sich quasi ein guter Querschnitt wieder.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

In der B2C-Presselandschaft hat sich dieses Event etabliert, deswegen sollte die auf jeden Fall kommen, natürlich als Multiplikatoren für die End-Anwender. Ich glaube nicht, dass es für End-Andwender Sinn macht, herzukommen. Wünschen würde ich mir, dass tatsächlich auch mal neue Medien ihren Weg hierher finden, also mehr dedizierte Internet-Medien als klassische Verlagshäuser und Redaktionen, die aus dem Fernseh- oder Printbereich kommen.


Besucher: Oliver Berger, Consulting Director bei ERFAHRENHEIT


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Image by Oliver Berger

Wie war Ihr Gesamteindruck?

Ich kann das nur in Relation zu den Previews vorher sehen. Ich beginne mit einer Anekdote: Als ich heute hier hereinkam, steuerte ich auf den großen Saal, in dem die Veranstaltung normalerweise stattfand, und war ein bisschen irritiert, dort nichts vorzufinden. Mit Glück habe ich mich dann umgesehen, den Treppenaufgang zur Veranstaltung gesehen und war dann sehr erstaunt, nur etwa sechs Aussteller vorzufinden, die dann zum Teil auch wiederholt hier sind.

Bei manchen muss ich mich auch fragen, wo der Innovationsfaktor war. Ich hab sowieso über die Jahre nicht verstanden was Pearl hier macht. Sie nutzen das Event natürlich als Kommunikationsanlass, sie können sagen, sie waren auf einer Preview zur CeBit und tauchen in der Presse auf. Der tatsächliche Mehrwert der Veranstaltung für den Großteil erschließt sich mir aber nicht, insbesondere weil Sie sich auch aggressiv vermarkten. Ich habe mit den Verantwortlichen des Alptrackers gesprochen und die wurden tatsächlich aktiv vom Veranstalter angesprochen und für das Event gewonnen.

Welche Erwartungen hatten Sie an die Veranstaltung?

Die Frage nach der Berechtigung dieser Veranstaltung versuche ich tatsächlich seit vielen Jahren zu beantworten. Die Veranstalter sind zwar freundlich, aber beratungsresistent. Meiner Meinung nach schwindet die Bedeutung der Veranstaltung von Jahr zu Jahr. Früher war es größer, internationaler und es gab sehr viel mehr Aussteller und Journalisten. Fazit: Wäre ich nicht jemand, der in Hamburg lebt und arbeitet, wäre ich nicht hergekommen.

Auch Veranstaltungen wie die CeBit halte ich in Teilen für überflüssig. Der einzige Grund, wieso man auf solche Veranstaltungen überhaupt noch geht, ist, wie bei Konferenzen auch, die Möglichkeit des Austauschs mit vielen Menschen zum selbigen Thema. Man hat also eine große Zeitersparnis durch solche Events, so habe ich auf der CeBit beispielsweise die Möglichkeit, über Zulieferer eines bestimmten Produktes aus Asien und deren Arbeitsweise zu informieren und muss dazu nicht extra dorthin reisen. Letztendlich muss man dort aber sowieso hinreisen und sich selbst überzeugen. Ich glaube also nicht, dass diese Veranstaltung noch häufiger als ein Mal stattfindet, wenn sich das so weiterentwickelt. Ich komme tatsächlich hierher, um mich mit Kollegen aus dem gleichen thematischen Umfeld auszutauschen. Das schätze ich und es interessiert mich an Konferenzen und Messen generell.

Hatten Sie einen Favoriten bei den Speakern oder Ausstellern?

Es gab hier doch auch Highlights im Sinne von Innovationskraft, für mich ganz klar Christian Bennefeld mit eBlocker. Nicht nur, weil das ein Produkt ist, das tatsächlich gerade während der Ära Trump gebraucht wird. „Privacy“ in jeglicher Hinsicht, ob jetzt im öffentlichen Raum oder im privaten Umfeld, ist ein wichtiges Thema und das ist darum auch auf jeden Fall eine Innovation, die jetzt hier auf dem Event tatsächlich auch vorgestellt wird.

Hierfür trifft tatsächlich alles zu, was für die Veranstaltung angekündigt wurde: es ist ein innovatives Produkt, sie stellen heute die neue „Family-Edition“ vor und es ist tatsächlich vom Kosten-Nutzen-Faktor her ein Produkt, das sich jedes Unternehmen leisten kann. Für jemanden, der hierher kommt und sich informieren will, hat das auf jeden Fall einen Mehrwert. Anders sehe ich das beispielsweise bei der Paket-Ablage-Box (Anm. d. Red.: die Rede ist vom PaketButler), weil ich in Anbetracht von Problematiken wie Vandalismus oder Diebstahl darin keinen Sinn sehe. Amazon mit ihrem angedachten Drohnen-Lieferservice überspringen dieses Problem einfach.

Wem würden Sie die Veranstaltung empfehlen?

Wenn ich mich hier umsehe, sind mindestens die Hälfte der Besucher männlich und über 50 und das hat möglicherweise auch seinen Grund. Einfach weil das eine Zielgruppe ist, – Achtung, Vorurteil! – die wenig affin damit ist, sich ihre Informationen selbst zusammenzusuchen. Sie suchen das Gespräch und müssen das Produkt anfassen können. Letztendlich ist es ein Branchenevent, ich freue mich wie gesagt über den Austausch und die Fachsimpelei mit Branchenkollegen.

Tatsächlich würde ich dem Veranstalter empfehlen, die Veranstaltung zu modernisieren. Warum lädt man Leute ein, die Geld bezahlen, um ihr Produkt zu bewerben und nicht etwa den ein oder anderen Experten zu den hier behandelten Themen? Wo ist also beispielsweise jemand, der zum Thema „Internet of Things“ sprechen kann? Wieso ist nicht etwa Martin Szugat von Datentreiber hier, der die Predictive Analystics World als Berater bedient? Er könnte einen guten, verhältnismäßigen und vor allem produktungebundenen Einblick in das Thema Big Data geben und darüber informieren, was uns noch erwartet. Das wäre tatsächlich ein Mehrwert für den Fachbesucher, da er eine unabhängige Meinung vertreten würde. Ich würde hieraus mehr eine Konferenz machen, samt angeschlossener Hausmesse, bei dem sich die Aussteller am Konferenz-Programm beteiligen können.


Images by Udo Schneider, Thomas Uhlemann, Oliver Berger


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Alles ist verbunden: Roboter führen die Tech-Trends 2017 an

Um Vorhersagen über die Zukunft machen zu können, sollten zunächst die Trends der vorangegangenen Ereignisse betrachtet werden. Um nun herauszufinden, wie die Zukunft der Technik im nächsten Jahr aussehen wird, sollten wir auf die großen Entwicklungen aus dem Jahr 2016 schauen. Die Entwicklungen aus den letzten Jahren lassen auf ein 2017 schließen, das geformt wird von virtueller und erweiterter Realität. Die Entstehung eines Internets mit künstlicher Intelligenz und die Erschaffung von personalisierten digitalen Helferlein verfolgen uns über die verschiedensten Medien.

Virtuelle Realität

Eine neue Technologie hat ganz besonders die Nachrichten des kompletten Jahres dominiert und die Wunschlisten der Kinder und der Erwachsenen gleichermaßen gefüllt: Die virtuelle Realität. Das kommerzielle Wachstum von VR begann 2016 mit HTC, Oculus (das mittlerweile Facebook gehört) und der Playstation, die alle ihre neusten Headsets herausbrachten. Aber 2017 wird sicher ein entscheidendes Jahr für VR – auch wenn sie sich gerade noch in einer unsicheren Lage des „Hype-Kreislaufs“ befindet.

Dies ist eine Forschungsmethode, die die kommerzielle Überlegenheit neuer Technologien vorhersagt, während sie noch bis zur vollständigen Reife entwickelt werden, und sie durch verschiedene Phasen von wachsenden Hype, plötzliche Desillusionierung und schließlich den Erfolg begleitet. Aktuell befindet sich VR auf dem Weg zum ‚Peak der überzogenen Erwartungen‘, in dem der Hype die Realität überschattet und die Qualität erst als zweites bemessen wird. 

In diesem Hype-Kreislauf folgt auf den Höhepunkt der Begeisterung ein unvermeidlicher Fall (das „Desillusionierungstief“), sobald die Verbraucher die Lücke zwischen Erwartungen und dem wirklichen Produkt erkennen. Hier spaltet sich die Meinung über VR. Für einige ist dies lediglich ein kleiner Dämpfer, während es für andere ein Vorzeichen für den Niedergang ist.

Die große Frage, die diese Meinungen spaltet, ist, ob die Reaktion der Verbraucher zu VR-Spielen und Anwendungen, die aktuell auf dem Markt erhältlich sind, entweder den Zorn der Desillusionierung entfacht oder ob Gnade für die Geduld erteilt wird. Die überzeugendere Behauptung besagt, dass die VR-Plattformen auf den Handys (mit ihrer leichteren Bedienung, günstigeren Kosten und größere Auswahl an Spielen und Apps) dabei helfen werden, den VR-Markt für 2017 zu stabilisieren.

Vergrößerter Erfolg

Jedoch ist Stabilität nicht mit Erfolg gleichzusetzen. Außerdem hat VR das Problem, dass es bisher von den Benutzern fast ausschließlich in der Freizeit genutzt und nur eingeschränkt für Spiele und 360-Grad-Videos verwendet wird. Bisher hatte es nur wenig Einfluss auf soziale oder funktionale Apps wie beispielsweise das Bereitstellen einer Oberfläche.

Dasselbe kann man auch für seinen bisher nur wenig bekannten Vetter, die Augmented Reality, sagen. AR beinhaltet Bilder aus der echten Welt, die mit zusätzlichen Grafiken und Informationen ergänzt werden. Derzeit schwimmt sie auf einer großen Erfolgswelle als Spieleplattform, auch dank der Veröffentlichung von Pokémon Go.

Jedoch steckt hinter AR viel mehr als nur Spiele. Es ist ein idealer Weg, um digitale Informationen unbegrenzt zu liefern. Einige Konzepte beinhalten Head-up-Displays, die an den Fahrradhelmen befestigt werden und ihnen somit ein Sichtfeld von 360 Grad ermöglichen und sie außerdem über eine mögliche Gefahr warnen, indem sie die Bewegungen überholender Fahrzeuge überwachen.  Mit Anwendungen wie der optischen Überlappung kann man virtuell sein komplettes Heim umdekorieren, ohne nur einen Spritzer Farbe verbrauchen zu müssen.

Die wahre Zukunft der Augmented Reality liegt in ihrem Potenzial, uns eine neue und verbesserte Methode zur Erschließung von Inhalten und Services zu geben, die wir nicht ohne sie erreichen können – das wurde bereits bei Microsofts HoloLens und der Google Glass klar. Im Jahr 2017 werden wir AR benutzen, um unsere Emails zu checken, auf Facebook zu posten und neue Wege zu entdecken, zu unseren Treffpunkten in der ganzen Stadt zu gelangen. Der ganze Inhalt wird direkt auf unsere Augen geliefert. Dafür müssen wir nicht einmal zur Seite schauen oder das Laufen unterbrechen.

Aktuelle Investitionen in diesem Bereich fließen vor allem in die wichtigen Technologien im Hintergrund, wie die tiefenwahrnehmenden Kameralinsen und Systeme, die Umwelt physikalisch abbilden. Dies lässt darauf schließen, dass die Industrie diese Produkte marktreif bekommen möchte und die aufregenden Ideen zum Leben erweckt. Es bedeutet zwar auch nicht, dass alle Ziele der Augmented Reality im Jahr 2017 umgesetzt werden können, aber die Möglichkeiten werden geprüft – dies wiederum hängt davon ab, ob die zugrundeliegenden Technologien diese wahr werden lassen können.

Internet-Roboter

Die anderen Bereiche, aus denen wir gerne die ersten kommerziellen Anwendungen aus den aufregenden Forschungsarbeiten sehen würden, sind die Bereiche der künstlichen Intelligenz und des Maschinenlernens. Es gibt nur eine Anwendung, die wahrscheinlich das Jahr 2017 dominieren wird – und das ist das Internet der Dinge, das eine Verbindung von Millionen von Geräten, von Kameras bis zum Wasserkocher in das Internet darstellt.

Das Konzept des Internets der Dinge liegt wahrscheinlich unseren Drang nach ständiger Verbindung mit unseren Gegenständen, die wir jeden Tag benutzen zugrunde – diese werden alle in einer großartigen (oder furchterregenden) Verbindung zusammengefügt. 2017 könnte das Jahr werden, in dem wir unserer Barista-Kaffeemaschine aus einer Entfernung von fünf Kilometern Bescheid geben, uns einen Chocolate Fudge Cafe Cubano zu machen, während wir im Auto fahren und mit einer Oberfläche reden.

Oder vielleicht auch nicht. Aber diese Idee der Vernetzung wird bereits mit dem Bereich der künstlichen Intelligenz mit Cloud-Robotern erreicht. Diese System erlauben es den Robotern, die für verschiedenen Aufgaben optimiert wurden, an bestimmte Problemen individuell zu arbeiten und die Ergebnisse untereinander auszutauschen.

Die Roboter benutzen dabei die Cloud, um Daten zu teilen, was es jedem anderen Roboter oder künstlichen System, das auch mit demselben Netzwerk verbunden ist, ermöglicht, diese Daten zu analysieren. Dabei unterrichtet ein Roboter den anderen, welcher wiederum die Information weiterentwickelt und es weitergibt. Mit dieser Zusammenarbeit kann das Lernpotenzial und die Verbindung von Maschinen massiv vergrößert werden.

Persönliche Digitale Assistenten

All diese Trends vereinen sich zu unserer Vorhersage für das Jahr 2017: Es wird mehr menschlich anmutende digitale Technologien in Form von intelligenten persönlichen Assistenten geben. Sie benutzen dabei Fortschritte aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz zum Erfassen und Interpretieren unserer Daten, sowie das Internet der Dinge, um alles um uns herum zu bedienen und die Fortschritte aus dem Bereich der Augmented Reality realistisch in der mobilen Welt abbilden zu können.

Das wird uns eine einzige lebensnahe Schnittstellen zwischen uns und unserer digital verknüpften Welt ermöglichen. Es ist der nächste notwendige Schritt für Fans von Siri, Cortana und Alexa: ein intelligenter Assistent, dem es möglich ist, mit uns überall hinzureisen und uns in beinahe jedem Aspekt unseres Lebens zu unterstützen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „wooden“ by kaboompics (CC0 Public Domain)


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Mirai: Es wird Zeit für ein tragfähiges Sicherheitskonzept

Der Angriff, der vor Kurzem die Router zahlreicher Telekom-Kunden außer Gefecht setzte, ist symptomatisch für einige größere Probleme. Er zeigt, wie schon die vor einer Weile erfolgte Attacke auf DynDNS, dass viele Geräte im Internet (gerade im sogenannten „Internet of Things“) nicht ausreichend abgesichert sind. Leider zählen auch viele Router dazu. Das muss sich ändern, denn hier bietet sich Kriminellen ein gefährliches Einfallstor. Letztendlich war es nur eine fehlerhafte Programmierung der Schadsoftware, die die Opfer – und die Allgemeinheit – vor Schlimmerem bewahrte.

Angriff legt Router lahm

Vor Kurzem wurden zahlreiche der von der Deutschen Telekom an ihre Kunden verteilten Speedport-Router durch einen Angriff zeitweise außer Gefecht gesetzt. Zunächst wurde vermutet, dass eine Schwachstelle in der Fernwartungs-Schnittstelle die Router angreifbar gemacht hatte. Über diese Schnittstelle kann der Provider beispielsweise neue Konfigurations-Informationen, aber auch Sicherheits- und sonstige Software-Updates verteilen.

Die Telekom erklärte den Vorfall jedoch in einer am 30. November veröffentlichten Erklärung ein wenig anders. Demnach sei die Fernwartung bei den fraglichen Routern gut abgesichert – und sei auch nicht angegriffen worden. Ziel des Angriffs war demnach ein anderer Daten-Port, auf dem sogenannte „Connection Requests“ eingehen – hierüber wird eine sichere Verbindung ausgehandelt, bevor die Fernwartung überhaupt durchgeführt werden kann.

Dieser Port, der in einem Protokoll festgelegt und daher bei allen Router-Typen identisch ist, wurde laut der Telekom im Übrigen gar nicht angegriffen, um der Telekom selbst zu schaden. Vielmehr sei vor Kurzem eine ernste Schwachstelle bei der Absicherung dieses Ports für einen anderen, von der Telekom nicht verwendeten Router-Typ dokumentiert worden. Kriminelle hätten deswegen einen großflächigen Angriff auf diesen Port (Port 7547/tcp) durchgeführt.

Das Ziel der Angreifer war laut Telekom „die Installation einer Schadsoftware auf den Routern, damit diese als Teil eines sogenannten Botnetzes fungieren, also als fernsteuerbare Infrastruktur für weitere Angriffe zur Verfügung stehen.“ Die Telekom-Router wiesen aber nach aktuellem Kenntnisstand keine Schwachstelle auf, die die Installation einer Schadsoftware durch einen solchen Angriff ermögliche. Allerdings habe der Angriff zum Ausfall einiger Router-Funktionen geführt, sodass Kunden mitunter das (per IP-Telefonie umgesetzte) Telefon sowie das Internet nicht nutzen konnten. Das sei aber durch einen Neustart der betroffenen Geräte in der Regel zu beheben. Dieser löscht bei infizierten Routern die Schadsoftware aus dem Arbeitsspeicher des Geräts. Andere Router, die keine entsprechende Schwachstelle besitzen, wurden durch die schiere Anzahl eingehender Anfragen auf Port 7547 in einen Absturz getrieben und könnten durch einen Neustart ebenfalls wieder in den normalen Betrieb übergehen.

Zudem hat die Telekom mittlerweile einen Software-Patch zur Verfügung gestellt, der die Router gegen derartige Angriffe unempfindlicher machen soll.

Sicherheitslücken im Internet of Things

Laut IT-Sicherheits-Experte Brian Krebs handelt es sich bei der für den Angriff verwendeten Schadsoftware um eine neue Variante des Mirai-Wurms. Dieser befällt unzureichend abgesicherte Geräte des sogenannten „Internet of Things“ (IoT), etwa Überwachungskameras, digitale Video-Recorder oder nun offenbar auch Router. Der Mirai-Wurm war aktuellen Erkenntnissen zufolge schon für den großen Angriff auf den DNS-Provider DynDNS verantwortlich, der im Oktober zum Ausfall zahlreicher, teils sehr populärer Internet-Dienste führte. Neben derartigen DDoS-Angriffen wird Mirai unter anderem auch benutzt, um Online-Kriminellen eine Anonymisierung ihrer Aktivitäten zu ermöglichen.

Die neue Mirai-Variante ist eine von mittlerweile Dutzenden, die in den letzten Monaten entstanden sind und um unzureichend abgesicherte IoT-Devices konkurrieren. Laut Brian Krebs ist die Schadsoftware recht klug programmiert: kaum hat sie sich über die Fernwartungs-Lücke eingenistet, schaltet sie dieses Feature komplett ab, um eine Säuberung des Gerätes durch den Hersteller und die Installation von Sicherheits-Updates zu verhindern. IT-Sicherheits-Experten vermuten, dass das so entstandene Botnet für kriminelle Dienste an Dritte vermietet werden soll. Die Betreiber haben allem Anschein nach ein großes und professionelles Cybercrime-Projekt im Sinn. So haben sie große IP-Adress-Bereiche für Mirai-Kontrollserver reserviert.

Nicht auf Schwächen der Gegenseite verlassen

Wie schon der Angriff auf DynDNS zeigt die aktuelle, vor allem die Telekom betreffende Attacke, dass dringend mehr für die Absicherung von IoT-Geräten getan werden muss. Im Falle von Routern, die fast immer über die Fernwartung aktualisiert und abgesichert werden, sind hier eindeutig die Hersteller in der Pflicht. Sie müssen Berichte über Sicherheitslücken künftig ernster nehmen und Schwachstellen zeitnah beheben.

Letztendlich war es pures Glück, dass der neue Wurm so schlampig programmiert war, dass er zu Abstürzen und Ausfällen führte. Statt einer diskreten Installation von Schadsoftware und der anschließenden Übernahme der Geräte kam es so zu einer großflächigen Störung, die die Telekom und die IT-Sicherheits-Branche auf die Problematik aufmerksam machte. Obwohl der zeitweise Ausfall von Internet und Telefon für die Betroffenen zweifellos ärgerlich war, wurde so auf längere Sicht Schlimmeres verhindert. Hunderttausende Router in der Hand von IT-Kriminellen hätten zweifellos ein ungleich größeres destruktives Potential gehabt.

Da wir uns zweifellos nicht immer darauf verlassen können, dass der Gegenseite derartige Fehler passieren, ist es an der Zeit, das Sicherheits-Niveau in diesem Bereich deutlich zu verbessern. Noch immer wird im Bereich IoT der Sicherheit oftmals nur eine untergeordnete Bedeutung eingeräumt. Die aktuellen Angriffe zeigen, dass wir uns das nicht mehr leisten können. Es ist auch in diesem Bereich an der Zeit für tragfähige Sicherheitskonzepte und deren konsequente Umsetzung. Anderenfalls wird der nächste Angriff womöglich weiter reichende Folgen haben.


Image “security” by pixelcreatures (CC0 Public Domain)


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Destination Check: Das war die Data Natives 2016

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Die Data Natives-Konferenz war vom 26. bis zum 28. Oktober 2016 in Berlin zu Gast. An zwei Standorten konnten sich Interessierte über Big Data, Machine Learning, Artificial Intelligence und dem Internet of Things informieren und vernetzen.

Der Konferenzauftakt fand mit drei Workshops im Coworking Space Ahoy Berlin zu Themen wie Python und Data-as-Service-Produkten statt. Am zweiten und dritten Tag gaben sich dann Speaker wie Alexandra Deschamps-Sonsino, Director bei Designswarm, Philipp Krenn, Developer Advocate bei Elastic oder Anish Mohammed die Klinke oder viel mehr das Mikro in die Hand. Die Bolle-Festsäle in Berlin waren an beiden Konferenztagen gut gefüllt. Die Netzpiloten waren als Partner dabei und haben sich unter das Volk gemischt, um ein paar Eindrücke zu sammeln.


Besucherin: Indre J. – Studentin, Data Analyst bei Webtrekk


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Image by Indre

Indre studiert Statistik an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg und arbeitet in der Datenanalyse bei Webtrekk. Sie sucht nach Trends, Themen und Jobmöglichkeiten für die Zeit nach der Uni.

Was ist dein Gesamteindruck?

Mir gefällt es sehr gut, ich war sehr positiv überrascht. Ich hatte ein bisschen die Befürchtung, weil ich schon bei anderen Veranstaltungen war, dass die Speaker eher Produktpräsentationen machen, statt über die Methoden, die sie implementieren wollen, zu reden. Aber hier war das zum Glück ganz anders. Außerdem habe ich Glück gehabt und die Tickets gewonnen, weil ich für den Newsletter angemeldet war.

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich habe nichts Spezielles erwartet und habe mir viel angehört. Ich finde, man kann hier gut mitkriegen, wie der Business-Alltag funktioniert. Leider suchen die Firmen eher nach Programmierern als nach Statistikern, aber man bekommt ein Gefühl für das Berufsfeld.

Was war dein persönliches Highlight?

Ich fand die Panel-Debatte zur Zukunft des Grundeinkommens ziemlich toll, das war ein wichtiges Thema.

Würdest du wiederkommen? Wem würdest du die Data Natives empfehlen?

Ich würde die Data Natives natürlich Programmierern empfehlen, aber auch für mich als Studentin war es sehr interessant. Leider ist der Eintritt nicht unbedingt etwas für ein Studentenbudget, vielleicht könnte man da noch mehr Möglichkeiten schaffen.


Besucher: Henrik Laurentz, Consultant bei Findwise


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Image by Henrik Laurentz via Findwise

Hendrik entwickelt Lösungen für Suchmaschinen und Datenanalyse. Auf der Data Natives wollte er mehr über den Stand der Dinge herausfinden und welche Ideen er für Findwise integrieren kann.

Was ist dein Gesamteindruck?

Ich habe zwar die Workshops verpasst, aber die Konferenz gefiel mir sehr gut. Die Talks waren sehr unterschiedlich, das mochte ich auch, viele waren auf einem Einsteigerlevel gehalten, für einige musste man auch technisch mehr im Thema sein – da gab es ja alles; angefangen damit, wie man Data Scientist wird bis hin zu neuralen Netzwerken. Es gab sogar einen Vortrag darüber, wie Machinelearning-Apps gebaut werden.

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich hatte ein bißchen erwartet, dass die Konferenz akademischer angehaucht sein würde, ich bin aber nicht enttäuscht, dass es nicht ganz so war. Ich fand die meisten Speaker gut, vielleicht hätten einige von ihnen sich noch etwas besser vorbereiten und das Publikum mehr einbinden können. Vielleicht ist das aber auch nicht so einfach, wenn das Publikum aus allen möglichen Bereichen kommt.

Was war dein persönliches Highlight?

Das war eigentlich der erste Speaker, Daniel Molnar, mit den wichtigsten Grundlagen zu Data Science und Datenanalyse. Er hat ein paar Hinweise dazu gegeben, was gut oder besonders schlecht funktioniert und auf was man achten muss, wenn man mit Data Science arbeitet. Das fand ich sehr interessant.

Würdest du wiederkommen? Wem würdest du die Data Natives empfehlen?

Ich denke schon, dass ich wiederkommen werde. Ich mag Berlin sowieso, es war eine gute Wahl, herzukommen. Die Data Natives ist für Datenspezialisten auf jeden Fall gut geeignet, das Niveau ist schon eher anspruchsvoll. Es gibt hier aber auch viele Manager und Leute mit geschäftlichem Hintergrund. Das ist aber nicht schlecht, es ist nur etwas anders.

Mit welcher Motivation bist du hergekommen?

Meine Firma hat mich spontan als Besucher hergeschickt und weil alle meine Kollegen unterwegs waren, bin ich allein hergekommen.

 


Speaker: Iwan Lappo-Danilewsk, Technik und Betrieb bei aaron.ai


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Image by Iwan Lappo-Danilewsk

Iwan arbeitet als CTO bei aaron.ai und nahm am Startup-Battle teil, der am letzten Konferenztag angesetzt wurde und bei dem man seine Firma ins Gespräch bringen konnte. Er überzeugte schließlich nicht nur das Publikum, sondern auch die Jury der Data Natives.

Was ist dein Gesamteindruck?

Ich war bei den Workshops nicht dabei, aber am zweiten und dritten Tag fand ich es klasse. Ich habe Sachen gesehen, von denen ich mir gut vorstellen kann, sie bei uns einzubauen. Ich konnte ein bißchen über den Tellerrand hinausblicken und mehr darüber erfahren, mit wem man sich vernetzen kann.

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich hatte ein bisschen erwartet, dass die Leute von der Größe des Events und der Bühnen eingeschüchtert sein würden, das war zum Glück nicht der Fall. Ein Speaker wollte ein bisschen zu sehr fachsimpeln, das hat nicht so funktioniert, dazu ist es dann doch nicht technisch genug. Aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass man hier auf gebildetes, passendes Publikum trifft und dass auch die Nachfragen sehr fair sind, vor allem bei dem Startup-Battle.

Was war dein persönliches Highlight?

Mein Highlight war der Vortrag von Francisco Webber von Cortical.io Die haben eine Technologie, mit der man ein neuronales Hirn nachbilden kann, das um das Zehnfache schneller ist als andere das darstellen können. Wie sie das genau machen, finde ich gar nicht so wichtig, aber dass man jetzt Sachen machen kann, die vorher gar nicht möglich waren, das finde ich sehr spannend. Vorhin gab es auch noch einen sehr guten Talk von Steven Lemm von Outfittery über Produktentwicklung und Data Science, den fand ich auch sehr interessant.

Würdest du wiederkommen? Wem würdest du die Data Natvies empfehlen?

Ich würde auf jeden Fall wiederkommen. Generell sollten alle aus meiner Zielgruppe, IT-Manager und verantwortliche Technische Entwickler, also alle, die generell in einem Unternehmen arbeiten, hier herkommen. Ich glaube auch, dass hier alle gut hinpassen, die sich generell für technische Entwicklung interessieren. Egal, ob sie selber so etwas machen wollen oder sich nur in dem Bereich umschauen wollen. Solche Konferenzen können Augenöffner sein.

Mit welcher Motivation bist du hergekommen?

Ich wollte über meinen Tellerrand schauen und neue Leute kennenlernen, die in einem ähnlichen Feld unterwegs sind. Bei dem Battle habe ich mitgemacht, weil wir dazu eingeladen wurden und ich die Möglichkeit nutzen wollte, um das Projekt bekannter zu machen und uns zu vernetzen. Außerdem wollte ich ein bisschen Erfahrung sammeln, wie das ist, wenn man auf so eine große Bühne geht.

 

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DynDNS: Ein DDoS-Angriff als Warnung

Vor Kurzem kam es zu einem groß angelegten DDoS-Angriff auf den DNS-Provider DynDNS. In der Folgen waren zahlreiche, teils sehr populäre Internet-Dienste zeitweise nicht zu erreichen. Durchgeführt wurde die Attacke, soweit bislang bekannt, durch gekaperte Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik – das „Internet of Things“ (IoT) zeigt seine Schattenseite. Der Vorfall zeigt, dass es höchste Zeit wird, kritische Infrastrukturen besser abzusichern. Zudem sollten insbesondere auch beim IoT und bei sogenannten „Smart Homes“ Sicherheits- und Datenschutzaspekte stärker berücksichtigt werden.

Das DNS: Das Navigationssystem für das Internet

Das Domain Name System (DNS) ist dafür da, durch IP-Adressen bezeichneten Webservern die korrekten Domain-Namen zuzuordnen. Gibt also ein Nutzer eine bestimmte Website-Adresse in seinen Browser ein, schlägt das DNS die dazu passende IP-Adresse des Servers nach. Es funktioniert somit quasi wie ein Navigationssystem für das Internet, das zur vom Benutzer eingegebenen Adresse die richtigen GPS-Koordinaten und die Route dorthin bereitstellt.

Das DNS ist hierarchisch aufgebaut. Ein gezielter Angriff auf die höchste Ebene dieses Systems kann daher große Teile des Internet lahm legen, wie es Mitte Oktober auch geschehen ist.

Der nun viel diskutierte Angriff galt dem populären und von zahlreichen Internet-Diensten verwendeten DNS-Provider DynDNS. Die Attacke – ein sogenannter DDoS-Angriff, bei dem die Infrastruktur durch eine Vielzahl von Anfragen überlastet wird – legte unter anderem populäre Websites wie Amazon, Twitter, Netflix, PayPal und Spotify zeitweise lahm.

Experten verdächtigen das Mirai-Botnet

Angesichts des großen Umfangs der Attacke bemühten sich schon bald zahlreiche Sicherheitsforscher, den Hergang und die Verursacher der Attacke zu ermitteln. Schon bald zeichnete sich ein Hauptverdächtiger ab: das sogenannte „Mirai“-Botnet. Ein Botnet ist ein Zusammenschluss gekaperter Computer oder anderer Geräte, der von Kriminellen ferngesteuert werden kann. Das Mirai-Botnet besteht unter anderem aus Überwachungskameras, digitalen Videorecordern und ähnlichen Geräten, wie der IT-Sicherheitsforscher Brian Krebs beschreibt. Krebs war in der Vergangenheitz selbst schon Opfer einer massiven Attacke des Mirai-Botnets geworden.

Smart Devices: Klug, aber oft unsicher

Botnets wie Mirai sind leider eine unerfreuliche, aber keineswegs überraschende Erscheinung. Schon seit Jahren prangern IT-Sicherheitsexperten und Datenschützer an, dass beim Internet of Things – egal, ob es, wie hier, um Kameras und Videorecorder geht, oder um sogenannte „Smart Homes“ mit vernetzten Haushaltsgeräten – der Aspekt der Datensicherheit oft zu kurz kommt. Zwar gab es in den letzten Jahren einige Verbesserungen. Doch kranken viele Smart Devices nach wie vor an unzureichenden Sicherheitsfeatures oder, was häufiger vorkommt, unzureichenden Werkseinstellungen, die Möglichkeiten beispielsweise zur Verschlüsselung der Datenübertragung nicht ausnutzen. Die Erfahrung lehrt, dass viele Verbraucher diese Einstellungen aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit niemals ändern (ähnlich, wie es noch vor einigen Jahren bei WLAN-Routern der Fall war, was für massenhafte Verbreitung schlecht abgesicherter Netzwerke sorgte).

Hier müsste dringend angesetzt werden. Das Internet of Things kann zweifellos das Leben für viele Menschen einfacher und komfortabler machen und bietet gerade Senioren oder Menschen mit körperlichen Behinderungen große Chancen, mit Hilfe der Technologie weniger auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein. Somit sollte diese Technologie keinesfalls verdammt werden. Es wird aber höchste Zeit, bei der Entwicklung dieser Systeme und Infrastrukturen den Sicherheits-Aspekt ernster zu nehmen und potentielle Bedrohungsszenarien realistisch in die Planung zu integrieren. Anderenfalls sind nicht nur sensible Daten der Nutzer auf das Höchste gefährdet. Es kann auch immer wieder zu Vorfällen wie dem DynDNS-DDoS kommen.

Mehr Sicherheit für kritische Infrastrukturen

Daneben ist der Angriff aber auch eine Warnung, das DNS als kritische Infrastruktur – ohne die große Teile des Internets nicht funktionieren – besser abzusichern. Allgemein kam die Sicherheit solcher kritischer Infrastrukturen in der Vergangenheit oft zu kurz. Auch hier wird es Zeit für gezielte Entwicklung von Konzepten und auch für die Ausarbeitung tragfähiger Richtlinien für die Betreiber solcher Systeme.

Der Angriff auf DynDNS war eine Warnung und ein Hinweis darauf, an welcher Stelle Datenschutz und IT-Sicherheit dringend verbessert werden müssen. Nun ist die Zeit, diese Warnung zu beherzigen und sich den Herausforderungen der aktuellen Bedrohungslandschaft zu stellen. Das ist ebenso zum Wohle des großen Ganzen wie der einzelnen Nutzer und Kunden.

 


Image „cyber“ by bykst (CC0 Public Domain)


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Destination Check: Codemotion Berlin 2016

Partner-Codemotion

Am 24. und 25. Oktober fand die Codemotion in der Kulturbrauerei statt. Die Tech-Konferenz mit den Kernthemen Big Data, Internet of Things und Sicherheit ist die größte Konferenz mit einem städteübergreifenden Konzept in Europa. In den vergangenen Jahren fand sie bereits in Rom, Madrid und Mailand statt, dieses Mal war Berlin wieder an der Reihe.

Die Codemotion hat sich wieder als beste Netzwerker-Plattform für internationale Entwickler, Programmierer und Communities gezeigt. Mit über 40 Vorträgen und jeder Menge Platz zum Netzwerken und Kennenlernen konnte man sich hier auch als Nichtprogrammierer ein interessantes und buntes Programm zusammenstellen. Mit Louis De Bruin von IBM Corporation und Kerstin Puschke von Xing gab es Talks von großen Firmen zu begutachten, aber auch Talks von kleineren Unternehmen und Communities wie Andrea Bezold von den Women Techmakers Berlin boten interssante Einblicke.


Marie Claire Le Blanc Flanagan, Expermentielle Spieledesignerin


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Image by Marie Claire Le Blanc Flanagan

Marie ist Gründerin und Executive Director von Wyrd Arts Initiatives und Editor in Chief von Weird Canada. Als Marie vor einem Jahr von Kanada nach Berlin zog, ist sie eher durch Zufall zum Programmieren und Gamedesign gekommen. Sie hat sich auf Gesichtserkennung, Musik und VR spezialisiert und probiert alles aus, was Spaß machen könnte und sich in ein Spiel verwandeln lässt.

Was ist dein Gesamteindruck?

Ich mag es sehr hier. Als ich ankam, war man sehr freundlich zu mir, auch an der Tür – es sind diese kleinen Sache, die wichtig sind. Ich war schon auf vielen Events und das macht Einiges aus, wenn dich jemand anlächelt und dir das Gefühl gibt, willkommen zu sein. Und es gibt auch nicht so viel Diversität auf diesen Tech-Events, darum fand ich es besonders toll, dass die sehr nette Türsteherin eine Frau war. Das fühlte sich sehr gut an, es war viel los und alle waren sehr nett.

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich wusste nicht, was ich zu erwarten hatte, aber alle Leute hier waren toll. Ich lerne gerade programmieren, daher waren manche Themen für mich eher herausfordernd, aber es gab eine Menge interessante Anfänger-Sachen, die gut zugänglich waren, aber auch viele Sachen, die ich auf jeden Fall noch verstehen lernen will.

Was war dein persönliches Highlight?

Ein kleines Highlight war für mich, als mir der Speaker, der vor mir dran war, mir seine Fernbedienung für meine Präsentation geliehen hat. Ich denke, das sagt viel über Events wie dieses aus, dass man sich gegenseitig hilft, obwohl man sich nicht kennt, und dass jemand dafür sorgt, dass ich mich wohlfühle, kurz bevor ich meinen Talk halte.

Würdest du wiederkommen, und wem würdest du die Codemotion empfehlen?

Ich würde das Event auf jeden Fall Programmierern empfehlen, die ein bißchen mehr Erfahrung haben als totale Anfänger, aber auch Erfahrenen, die nach Höhrerem streben, sind hier sicherlich gut aufgehoben. Und definitiv würde ich dieses Event Frauen empfehlen, denn ich will auf jeden Fall mehr Frauen auf diesen Veranstaltungen sehen.

Was war deine Motivation, hier herzukommen?

Ich wurde durch einen Freund aufmerksam, der meinte, ich sollte mein Spiel hier vorstellen. Er war selbst noch nicht hier, aber hat von der Codemotion gehört und meinte, ich soll hier unbedingt hin. Als man mich dann fragte, ob ich einen Vortrag halten wollte, war ich total dafür.


Organisatorin: Ellen König, Data Scientist bei Soundcloud, Mitorganisatorin Codemotion


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Image by Ellen König

Ellen arbeitet bei Soundcloud und ist seit zwei Jahren Mitorganisatorin der Codemotion und für die Organisation der Speaker zuständig. Sie kennt die Berliner Community-Szene durch ihre Teilnahme an diversen Frauen-Workshops und freut sich über jeden, der den Spaß am Coden entdeckt.

Was ist dein Gesamteindruck?

Ich mag die Codemotion sehr, es ist eine sehr entspannte, aber trotzdem interessante Konferenz. Ich mag auch den starken Fokus auf die Community sehr.

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich bin zum zweiten Mal hier, da war ich auch schon im Programmkomittee, also wusste ich ungefähr, was für Referenten hier sind.

Was war dein persönliches Highlight?

Für mich ist immer ein Highlight, vor allem auf der Codemotion, aber auch auf anderen Berliner Events, dass ich Leute wiedersehen kann, die ich nur bei Communityevents treffe, das ist immer sehr schön. Außerdem hat der Tobias Pfeiffer einen Vortrag über Elixir gehalten, den fand ich hervorragend.

Würdest du wiederkommen, und wem würdest du die Codemotion empfehlen?

Die Codemotion ist glaube ich optimal für Leute, die sich auf dem Level zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen befinden. Man findet hier wenig Advanced Talks, aber eine Menge Intermedia Talks, also für Leute, die sich über ihr eigenes Gebiet hinaus informieren wollen, was sonst noch so los ist in der Tech-Szene und in Berlin. Es ist eine schöne Konferenz, um den Horizont zu erweitern.

Was war deine Motivation, hier herzukommen?

Ich versuche, so viele Events wie möglich in Berlin zu besuchen, weil es eine sehr freundliche und sehr vielseitige Community ist. Da fühle ich mich immer sehr wohl.


Besucher: Johnathan Bender, Entwickler bei Contactually


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Image by Jonathan Bender

Jonathan Bender ist Entwickler bei Contactually und besucht die Berliner Tech-Konferenz, um neue Möglichkeiten für seinen Arbeitgeber zu finden, um besser und effektiver zu arbeiten. Außerdem war die Codemotion eine Möglichkeit für einen Europabesuch.

Was ist dein Gesamteindruck?

Es war toll, alle Speaker waren wirklich toll!

Haben Redner und Teilnehmer deine Erwartung erfüllt?

Ich wusste nicht genau, was ich zu erwarten hatte, aber ich war positiv überrascht von der Qualität der Talks. Meistens waren auch dei Fragen aus dem Publikum sehr gut, aber die meisten Speaker haben ihre Redezeit voll ausgenutzt, sodass es dafür nicht immer Zeit gab.

Was war dein persönliches Highlight?

Es gab ein paar sehr tolle Talks, vor allem gab es viele Talks über Microservices, Go, Elixir und Phoenix. Einer meiner liebsten Themen behandeln die Philosophie hinter der Technik und der Sprache, es gab eine Menge Talks darüber, wieso wir die Dinge so tun, wie wir sie tun, und wie es besser gehen könnte, und das Thema mochte ich sehr.

Würdest du wiederkommen, und wem würdest du die Codemotion empfehlen?

Es gab eine menge Anfänger-Talks und eine Menge Talks, die schon auf einem höheren Programmier-Niveau waren, aber das waren sicherlich nur die, auf denen ich jetzt war. Ich denke auch, dass es eine tolle Idee wäre, hierherzukommen, wenn jemand keine Ahnung von der Technik hat, denn da wird eine Menge davon erklärt, was gerade in der Industrie los ist. Ich glaube, einige meiner Kollegen würden davon sehr profitieren. Vielleicht kommen die dann nächstes Jahr mal her.

Was war deine Motivation, hier herzukommen?

Unsere Firma hat ein jährliches Reisebudget, um uns dahinzuschicken, wo wir hinwollen, und ich wollte mal nach Deutschland kommen. Ich bin sogar das erste Mal seit 15 Jahren wieder in Europa. Unsere Firma macht aber auch eine Menge zum Thema Systemverteilung und wir bewegen uns gerade weg von einem einzigen Anwendungsbereich hin zu Microservices, also gab es hier vieles, woran wir anknüpfen konnten.

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Der UX-Day 2016 – einen intuitiven Zugang zu Technologien schaffen

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Vom 13. – 14. Oktober fand das zehnte Mal die Veranstaltung UX-Day in Mannheim statt. Das Event ist mittlerweile zu einem der wichtigsten für alle geworden, die beruflich oder privat mit User Experience zutun haben. Das Event war bereits nach kurzer Zeit ausverkauft, was wohl an den diesjährigen Speakern und dem vorgesehenen Programm lag.

Die Themen in diesem Jahr waren sehr vielseitig und reichten von E-Commerce über Marketing bis zu Industrie und Internet of Things. So haben beispielsweise UX Consultant Claire Rowland und Robert Stulle von der Agentur Edenspiekermann einen Ausblick darauf gegeben, welche Herausforderungen und Möglichkeiten das Internet of Things und Smart Homes für UX Designer liefern.

Team Facilitator Kira Krämer hat einen Einblick in das Themenfeld Ethnographic Design Research gegeben und dazu aufgefordert, mehr auf Nutzer zuzugehen und nutzerzentrierte Innovationsansätze in Unternehmen zu fordern. Dozent und Markt- und Mediaforscher Dirk Engel hat in seinem Vortrag ermahnt, den Fokus in der Werbung nicht nur auf die Aufmerksamkeit des Zuschauers, sondern auch auf die Usability des beworbenen Produkts zu legen. Usability-Forschung sei für die Werbung ebenso relevant wie für viele andere Bereiche, betonte Engel.

Natürlich war auch Virtual Reality ein großes Thema auf dem UX-Day: Dr. Thies Pfeiffer von der Mediablix IIT GmbH hat gezeigt, welches Potenzial in VR im Bereich der Prototypenentwicklung liegt und wie sie bei der Evaluation von Nutzerschnittstellen helfen kann.

Etwas kritischer mit den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts haben sich Franziska Dolak von Siemens und Dr. Daniel Ullrich von der Ludwig-Maximilians-Universität in München auseinandergesetzt: Wie werden wir in Zukunft arbeiten, wohnen und leben und wie können wir dabei menschlich bleiben? Und welche Auswirkungen hat der Selfiewahn und die ständige Erreichbarkeit auf unser Glücksempfinden?

Außerdem hat Cristián Acevedo erklärt , wie gutes Storytelling für UX aussehen sollte und welche Anregungen man sich dafür aus Hollywood holen kann. Wie eine gute Usability und eine ausgereifte Digitalstrategie das Markenbewusstsein der Konsumenten verbessern, hat Jean-Philippe Defiebre anhand des Imagewandels von Sixt verdeutlicht.

Am zweiten Tag fand die UX-Masterclass im Kreativwirtschaftszentrum C-Hub statt. Hier wurden drei verschiedene Workshops angeboten:

Design Thinking & Personal Barriers to Digital Transformation,

User Story Mapping – Hands on Training

und die Sprache der Stifte – Visual Thinking.

Am Ende jedes Workshops stand eine Abschlusspräsentation, bei der jeder zeigen konnte, was er bei der UX-Masterclass gelernt hat.

 

 

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IoTcamp: Das Internet of Things (IoT) wird greifbar

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Am  4. Oktober fand das erste „IoTcamp“ zum Thema ,,Internet of Things“, der zunehmenden Vernetzung von Geräten via IP-Netz, statt. Die Organisatoren von Cassini Consulting bezeichneten die Veranstaltung als vollen Erfolg. Cassini wurde 2006 aus der Erkenntnis heraus gegründet, dass Digitalisierung und Transformation eine neue Form der Beratung erfordern. Das Portfolio beinhaltet Business-, IT-Strategie-, Technologie- und Projektberatung. Zu verdanken sei der Erfolg der Veranstaltung auch den Teilnehmern selbst gewesen. Beim Barcamp-Format bestimmen diese nämlich selbst die Detailthemen, die sie dann in workshopartigen Sessions vertiefen. Eine übergreifende Erkenntnis des IoTcamps brachte ein Teilnehmer in seinem Video-Statement auf YouTube auf den Punkt: „Alle sprechen von einer großen Welt, die wir noch nicht so kennen – die Welt ist eigentlich schon da …“.

Taipeh – die Smart City wird Wirklichkeit

Zu Beginn des IoTcamps begrüßte Sascha Pallenberg, der Tech-Blogger von mobilegeeks.de, die Teilnehmer mit einer Video-Keynote aus Taipeh. Wie weit die Entwicklung der taiwanesischen Hauptstadt in Richtung einer umfassend vernetzten Smart City gediehen ist, machte Pallenberg am Beispiel der Infrastruktur in den U-Bahnhöfen klar. Anhand des EasyCard-Ticketing-Systems erklärte er das nahtlose Zusammenspiel von öffentlichem Nahverkehr, Taxen und Leihfahrrad-Stationen. Der Wahl-Taipehaner zeigte, wie sich schon heute Pendler in der Großstadt Lebensmittel per Smartphone zum Kühlfach am Zielbahnhof liefern lassen. Neben Mobile Payment, auf dem all diese Angebote letztlich beruhen, nennt er zwei  weitere Technologien, die als zukünftige Standards das Internet of Things prägen werden: den LTE-Nachfolger 5G sowie Bluetooth 5.0 für die Nahbereichskommunikation. Aus Sicht des Bloggers seien vor allem Standards, Infrastruktur und Sicherheit maßgeblich, damit aus dem Internet of Things kein „Internet of Total Confusion“ werde.

Telekommunikations-Panel: Wir schaffen das

Bei der Panel-Diskussion unterhielten sich Vertreter bedeutender Telekommunikationsunternehmen über die IoT-Zukunft aus Sicht der Netzbetreiber und der Netztechnologie. Ein Ergebnis: Telefónica, Vodafone und der IoT-Spezialist Sigfox sehen die Netze für den Boom im IoT-Markt schon recht gut gerüstet. Die Zunahme des Datenverkehrs betrachteten die Panel-Teilnehmer als kein grundlegendes Problem. Diskutiert wurde allerdings über die verschiedenen technologischen Ansätze zur Vernetzung des Internets der Dinge: Mobilfunk versus Sigfox-Technologie. Ebenfalls Diskussionsthema war die Sicherheit der Daten in den Netzen.  

Selbstorganisierte Sessions: Von Smart Homes und Logistik-Fragen

Der Idee des Barcamp-Formats entsprechend engagierten sich alle 130 Teilnehmer in selbstorganisierten Arbeits- und Diskussions-Sessions, die zu Beginn der Veranstaltung gemeinsam definiert wurden. So kamen über 20 Sessions zustande, die sich diversen Teilthemen rund um den IoT-Komplex widmeten. Dabei ging es beispielsweise um „Data Formats for the IoT“ oder „Smart City Sensoren“, und auch bei „IoT im Alltag“ herrschte weitgehend Einigkeit: Etliche Technologien, etwa im Smart Home-Bereich, sind längst vorhanden. Die aktuelle Herausforderung besteht eher in der Integration der diversen Systeme und Funktionen. Diskutiert wurde ferner, wie schnell Paketkastensysteme sich in unserem Alltag durchsetzen könnten – prinzipiell lösen sie viele Probleme von Kunden und Logistik-Dienstleistern.  

IoT im Mittelstand: Ein Schritt nach dem anderen

Last but not least: In der Session „Wie gelingt dem deutschen Mittelstand der Einstieg in IoT?“ erörterten die Teilnehmer, was mittelgroße Unternehmen tun können, um ihr IoT-Engagement voranzutreiben. Ein Rat der Session-Teilnehmer: Ruhig mit kleineren Projekten starten, nicht sofort Millionensummen mit entsprechenden Renditeerwartungen investieren. IoT-Projekte sollten zunächst dazu genutzt werden, Transparenz über die Kundenwünsche herzustellen. Denn am Ende hat IoT viel weniger mit IT als mit Change Management zu tun. Für alle Marktteilnehmer ist die Entwicklung hin zum Internet der Dinge ein Prozess. Und wenn das IoTcamp in Düsseldorf eins gezeigt hat, dann dies: Für Unternehmen kommt es darauf an, jetzt die ersten Schritte zu tun.      

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Netzpiloten sind Partner von Data Natives + Ticketverlosung

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Daten-Enthusiasten aufgepasst: Die Data Natives-Konferenz ist wieder mal in Berlin zu Gast, um euch über Big Data, Machine Learning, Artificial Intelligence und dem Internet of Things auf den neuesten Stand zu bringen!
Vom 26. bis zum 28. Oktober 2016 erwarten euch spannende Vorträge und Workshops an verschiedenen Standorten in Berlin.

Ihr könnt gleich zum Aufwärmen an spannenden Workshops teilnehmen. Außerdem habt ihr hier die einzigartige Möglichkeit, mit Datenspezialisten und Business-Experten zu Themen und Trends wie Big Data, FinTech oder den neuesten Entwicklungen in der computergestützten Gesundheitsindustrie zu diskutieren und eure Fragen loszuwerden. Die Workshops werden am 26. Oktober im Ahoy Berlin, dem Coworking Space mit nautischem Motto, abgehalten.

Die Vortragsreihe findet im Anschluss vom 27. bis zum 28. Oktober in den Bolle-Festsälen statt. Mit über 70 Speakern ist hier die Expertise zu Datensicherheit, Machine Learning und der Gründerszene versammelt. Unter ihnen sind Expertinnen und Experten wie Andrew Clegg, Data Scientist bei Etsy, Julia Kloiber, Project Lead bei der Open Knowledge Foundation Germany und Elizabeth Press, Co-Founder von D3M Labs.

Wer sich also zum Teil der Netzgeneration zählt, zu den aktuellen Themen informieren von den Machern und Experten inspirieren lassen will, sollte die Data Natives nicht verpassen!

+++ Gewinnspiel +++

Wer jetzt Lust bekommen hat, in Berlin bei diesem spannenden Event dabeizusein, sollte nicht länger zögern! Schreibt einfach eine Mail mit dem Betreff „Data Natives 2016“ an gewinn@netzpiloten.de und gewinnt ein 3-Tages-Ticket für die Veranstaltung. Ihr habt Zeit bis zum 07. Oktober um 16 Uhr. Viel Glück!


Image by Data Natives


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Codemotion Berlin 2016

Partner-Codemotion

Am 24. und 25. Oktober findet die größte Tech-Konferenz in Europa statt. Die „Codemotion“ ist ein Konferenzkonzept, welches mittlerweile in über acht europäischen Städten wie Rom, Madrid oder Milan vertreten ist. Wie schon im letzten Jahr wird die Konferenz auch in Berlin in der Kulturbrauerei veranstaltet.

Es dreht sich alles um Themen wie Big Data, Internet of Things und Sicherheit. Mit mehr als 24 kooperierenden Communities wird die Veranstaltung ein wahres Fest für Programmier- und Techjunkies. Die Konferenz ist eine Plattform für internationale Entwickler, Ingenieure und Programmierer, auf der sie Ideen austauschen, auf neue Projekte aufmerksam machen und über die Facetten von Programmierung sprechen können. Auf der Codemotion geht es vor allem darum, den Enthusiasmus am Programmieren zu teilen und sich inspirieren zu lassen. Außerdem können die Besucher Wissenswertes lernen und sich vernetzen.

Communities wie up.front, Women Who Code, Hacking Health und Rust Berlin zeigen euch zudem, wie ihr über den Tellerrand schauen und thematische Barrieren überwinden könnt.

Bereits letztes Jahr war die Veranstaltung in Berlin mit über 400 Besuchern ein voller Erfolg. Für dieses Jahr haben sich die Organisatoren noch ein paar Besonderheiten einfallen lassen. Neben den drei Bühnen für Vorträge, wird es eine separate Community Stage und spezielle Räume zum Austauschen und Vernetzen geben. Außerdem werden über 40 spannende Vorträge zu verschiedenen Themenbereichen wie Handys, Sprachen und Innovationen gehalten.

Zudem gibt es ein vielversprechendes Nebenprogramm, denn die Communities haben schon vor Beginn der Konferenz einen 20-minütigen Talk ihrer Wahl abseits des üblichen Call for Papers-Prozesses eingereicht – also lasst euch einfach überraschen.

Zu den Speakern zählen unter anderem Fred George, er ist Berater im Industriebereich und programmiert bereits seit mehr als 46 Jahren in über 70 Sprachen. Auch Jessica Rose, selbst erlernte Technologin, wird einen Vortrag halten. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Förderung von dem Zugang zu technischer Bildung und digitalen Medien.

Auf der zweitägigen Entwicklerkonferenz werdet ihr etwa 70 Speakern begegnen und zwei innovative, kreative und vor allem spannende Tage erleben. Tolle Projekte, Ideen und Möglichkeiten erwarten euch. Für nur 165 Euro könnt ihr Teil der Konferenz werden.

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Die 5 Zukunftstechnologien über die wir schon heute sprechen sollten

Display Dummy (Image: geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Während das Establishment sich noch über die Disruptionen der letzten Jahre streiten, müssen wir uns darauf vorbereiten was auf uns zu kommt. Nur so entkommen wir dem Teufelskreis aus Reaktion, Abwehr und “German Angst”. Technologische Vorhersagen zu treffen ist ein undankbares Unterfangen. Gleichsam sollte man aber nicht müde werden, gerade den digitalen Biedermännern und -Frauen immer wieder klar zu machen, dass wir uns in der tagespolitischen Diskussion (vor allem im analogen Deutschland) primär bei Themen im Kreise drehen, die auf dem Markt schon völlig von gestern sind.

Bestes Beispiel ist Uber, wo die Politik in Taxiregulierung denkt, während der Konzern selbst sich längst als mehr versteht als nur ein Chauffeurdienst. Wir denken zu kurz, haben zu wenig Vision und verstehen die Geschäftsmodelle der Digitalisierung nicht. Da gibt es auf dem Kontinent noch Chefetagen die glauben, mit Leistungsschutzrecht und Co den Internetleuten etwas beweisen zu wollen. Diese Leute sind in einigen Jahren als Clowns vergessen und arbeitslos. Oder vielleicht auch nicht, denn wenn wir in einem gut sind, dann darin, den etablierten alten Industrien ein Schutzkissen zu bauen bis wir implodieren.

Viel konstruktiver ist es, schon früh genug zu überlegen welche technologischen Entwicklungen uns eigentlich ins Haus stehen. Ich rede dabei aber nicht von Utopien, sondern ich frage mich welche Themen stehen so unmittelbar bevor, dass sie innerhalb der nächsten circa fünf Jahre so präsent im Diskurs stehen werden, dass man sich schon jetzt schleunigst damit befassen sollte um nicht zu den digitalen Oldies zu gehören. Das soll auch keine umfassende Liste sein, sondern eine kleine Selektion. Meine These ist, dass wir nur über frühzeitige Beschäftigung mit Zukunftstechnologien aus dem aktuellen Teufelskreis entkommen, der von Reaktion, Panikmache, Abwehrhaltung und Unverständnis geprägt ist. Wir müssen raus aus der Aufholjagd!

AI & Machine Learning

Schon der Begriff “künstliche Intelligenz” ist trügerisch. Wenn uns der Aufstieg Googles eines gelehrt hat, dann die Tatsache dass die Zukunft denen gehört, die Algorithmen mit solch Unmengen an Daten füttern können, dass maschinelle Intelligenz das Ergebnis von Datenauswertung und mathematischer bzw. linguistischer Kombinatorik ist. Ob IBMs Watson, Wolfram Alpha oder Siri, künstliche Intelligenzen werden schlauer werden. Nichts daran ist künstlich, im Gegenteil. Die Informatik lernt von der Biologie, so werden immer mehr künftige Computersysteme der menschlichen Neurologie nachempfunden sein.

In Kombination mit Quantum Computing werden schon relativ bald digitale Denkmöglichkeiten bestehen, für die das besiegen menschlicher Schachgegner zum bloßen Bildschirmschoner verkommt. Machine Learning bezeichnet dabei die automatisierte Wissensgewinnung und Auswertung solcher Systeme, die einem Lernprozess ähnelt. Gesellschaftlich stellen sich vor allem Fragen der Konzentrierung dieser AI (Artificial Intelligence) und der Transparenz (damit meine ich wie weit solche AI unter anderem für die eigenen Schaffer noch nachvollziehbar, überprüfbar oder kritisierbar bleiben).

Mensch-Maschine Interaktion

Die Technologien durchdringen immer mehr alle Aspekte unseres Lebens, somit steht im Kern die Frage, wie der Mensch mit “der Maschine” (als stellvertretender Begriff für Technologie) interagieren wird, und damit meine ich nur in zweiter Linie physische Interaktion (UI etc.). Wie sieht künftig das gesellschaftliche Rollenverhältnis zwischen Mensch und Maschine aus, wenn wir uns beispielsweise Wertschöpfung (wer erwirtschaftet, wer konsumiert) und Kontrolle (glauben wir der Technologie per se, welchen Einfluss auf Gesetz und Rechtsdurchsetzung hat sie) ansehen. Die Maschine soll ja dem Menschen “dienen”, uns das Leben vereinfachen, und nicht umgekehrt.

Ohne in dystopisches Gedankengut abzudriften sollte man sich intensiv mit gesellschaftlichem “Nudging” beschäftigen, also den Mikrotrends die langfristig zu Verhaltensveränderungen und Kulturwandeln führen was unser Verhältnis zur Technologie und beispielsweise unsere Fähigkeit kritischer Auseinandersetzung betrifft. Die Maschine von morgen wird nich aus von einander isolierten Devices bestehen, oder An- bzw Ausschalter haben, wir müssen überlegen wie wir unsere Interaktion mit Zukunftstechnologien gestalten, die noch mehr omnipräsent sind als Smartphones.

Smart-X / IoT

Der Begriff Internet der Dinge (IoT, Internet of Things) langweilt mich. Es geht nicht um das lachhafte Beispiel des vernetzten Toasters, oder intelligente Thermostate. Diese Beispiele sind technologisch so simpel, es ist traurig dass wir in der Debatte noch nicht darüber hinaus sind. Worüber wir uns wirklich Gedanken machen müssen, ist eine Art digitale “Schicht” von Datenströmen und Sensoren, die sich durch unseren Alltag ziehen wird, die nicht unbedingt mit dem Internet viel zu tun hat, sondern ad-hoc Kommunikation zwischen Menschen und Gegenständen fast schon analog zu Luft oder Bakterien. Welche Daten tauschen Sie bei der Anäherung an ein Fahrzeug miteinander aus, bewusst oder unbewusst? Welche Terrabytes an Daten schwirren künftig in einer Sekunde durch die Luft, wenn sich in einem Kaufhaus ein Kunde durch eine Abteilung bewegt?

Die Vorstellung, dass Sensoren, Sender, Empfänger und Prozessoren von Kleinstgegenständen irgendwann so stark miniaturisiert sein werden, dass wir es für selbstverständlich erachten, von Datenströmen umgeben zu sein, fällt uns schwer und macht uns Angst. Die Kontrollfrage sollte aber sein: Seit wieviel Jahrzehnten sind wir von DECT, Mobilfunk, WiFi, DVB und anderen kabellosen Übertragungstechniken umgeben und durchdrungen, denken nicht mehr darüber nach, nehmen es als selbstverständlich hin? Ob Smart Home, Smart Car, Smart Shirt, oder Smart Watch, ob Smart City oder Smart House, die völlige digitale Vernetzung von Allem wird teilweise unbemerkt und gleichsam plötzlich über uns hereinbrechen.

Robotics

Noch kommen uns die DARPA Robotics Challenge Leute wie Spinner vor, aber in Asien ist man da schon weiter. Ich denke wir stehen kurz davor, uns ernsthaft, auch politisch, über Rahmenbedingungen für den Einsatz intelligenter robotischer Technologien im Alltag Gedanken zu machen. Ob smarte Butler für hilfsbedürftige Menschen, Industrieroboter, Kampfdrohnen oder unbemannte Flugzeuge. Wenn wir nicht klare Regeln schaffen, die über Asimov hinausgehen, könnte eintreten was Kritiker befürchten: eine Art “rechtsfreier Raum” (ich werfe 50 Cent in die Dose) für Roboter oder ein Zustand in dem wir bei der Rechtsdurchsetzung große Probleme bekommen, weil durch die verspätete Regulierung der Robotik wirtschaftlich derart Fakten geschaffen wurden, dass die Realität schon wieder fünf Schritte weiter ist.

Das könnte man sich vorstellen wie die Waffendebatte in den USA: egal wie optimistisch man über Waffengesetzgebung ist, sie wir nie soweit gehen können, den bei den Menschen bestehenden Waffenbestand zu reduzieren. Niemand lässt sich wegnehmen was er oder sie gekauft hat. Das wird auch für lieb gewonnene am-Körper-Roboter gelten, die man sich wie Haustiermäuse vorstellen könnte, eine Mischung aus Bodycam, Avatar und Assistent, nur vielleicht gefährlich, unsicher und intransparent.

Re-Redecentralization

Kehren wir zum Internet zurück. Ob Blockchain, local Clouds (Protonet, Lima), Mesh-Netzwerke und Co, es wird einen Trend geben zu einer Dezentralisierung, die eine Reaktion ist auf die Rezentralisierung die wir durch die Plattformökonomien erlebt haben. Die Besorgnis über Datenschutz und Kontrollverlust führt zu einer zweiten oder je nach Betrachtungsweise dritten Welle der Dezentralisierung. Was für Puristen erst einmal hervorragend klingt, stellt uns vor völlig neue Herausforderungen in Sachen Haftung, Compliance, Rechtsdurchsetzung und Fragmentierung.

Es ist noch gar nicht absehbar wie unsere digitale Ökonomie aussehen würde, wenn jeder Internetanschluss zu einer Art eigenem Internetdienstleister würde. Wir hätten es mit Milliarden kleiner Googles zu tun, die Telekommunikationsanbieter müssten nur um ein Problem zu nennen Weg von ihrer Politik der Upload-Beschränkung auf vormilleniale Bandbreiten, und auch die Debatte um die Netzneutralität würde nochmal an Komplexität hinzu gewinnen wenn wir davon ausgehen, dass es quasi keine Public Cloud mehr geben könnte. Wettbewerbspolitik steht auf dem Kopf, wenn es um die Fragen der Kompatibilität ginge, des Customer Service oder des Klagerechts.

Eine Dezentralisierung würde trotz aller möglicher Convenience und Benutzerfreundlichkeit neuer Produkte eine enorme Kompetenzlast und Verantwortung auf den Konsumenten umverteilen, eine Entwicklung auf die noch weniger Menschen vorbereitet sind als wir es auf die Reduktion von Kompetenznotwendigkeit und Verantwortung kannten durch das Aufkommen von Apps und Clouddiensten.

Ich hoffe damit ein paar Gedenkanstöße geben zu können und freue mich auf Eure Einschätzungen worüber wir noch vor 2020 akkut diskutieren müssen, und an welcher Stelle ich wahrscheinlich völlig falsch liege.


Teaser & Image „Display Dummy“ by geralt (CC0 Public Domain)


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The Conversation

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5 Lesetipps für den 4. November

In unseren heutigen Lesetipps geht es um Herzen auf Twitter, Creative Commons, das Internet Of Things, die Frau hinter BroadbandTV und eine Verteidigung des Barts. Ergänzungen erwünscht!

  • SEXISMUS Psychology Today: Is There a Problem With Bearded Men?: Eine australische Studie legt nahe, dass Männer mit Bärten statistisch gesehen häufiger zu sexuellen Übergriffen und Sexismus neigen als rasierte Männer. Das kann zum einen daran liegen, dass sexistische Männer sich den Bart aus Ausdruck ihrer Denkweise stehen lassen oder diese auch erst durch den Bart entwickeln. Es gibt wohl bereits verschiedene Studien zu dem Thema. Nach zehn Jahren als Besitzer und Pfleger eines Vollbart kann ich zumindest persönlich versichern, dass ein Bart nicht automatisch zu einem sexistischen Verhalten führt und auch die Forschung räumt ein, dass noch andere soziale Faktoren eine Rolle spielen.

  • BROADBANDTV OZY: From the Iranian Revolution to the Video Revolution: Wer noch nicht von BroadbandTV gehört hat, sollte sich unbedingt Steven Butlers Porträt der Gründerin des Online-Video-Dienstes, Shahrzad Rafati, durchlesen. RTL, und damit quasi Bertelsmann, hat bereits mehr als 36 Millionen Euro in die Firma investiert. Und wer das Unternehmen kennt, dass inzwischen mehr als 5,7 Milliarden Views im Monat erreicht, sollte den Artikel trotzdem lesen, denn Rafati ist eine sehr spannende Person und das, kommt in der Startup-Branche wirklich nicht ständig vor.

  • CREATIVE COMMONS  Communia Association: Creative Commons Summit: next steps in copyright reform: Mitte Oktober fand im südkoreanischen Seoul der Creative Commons Summit statt, auf dem in einer Session diskutiert wurde, wie das Urheberrecht reformiert werden könnte. Alek Tarkowski berichtet über die wohl sehr gut besucht gewesene Session, an der auch die Europaabgeordnete Julia Reda teilnahm, die im Europäischen Parlament Berichterstatterin für die Reform des Urheberrechts innerhalb der Europäischen Union ist. Reda forderte das Publikum dazu auf sich ein Urheberrecht vorzustellen, indem Creative Commons den Standard darstellt und sich zu fragen, wie wir als Gesellschaft ein solches Ziel erreichen könnten.

  • INTERNET OF THINGS hbr: How People Are Actually Using the Internet of Things: Schon jetzt gibt es das Internet Of Things (IoT) und auch wenn wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die unser Leben wohl in den nächsten Jahrzehnten grundlegend verändern wird, können schon erste Verhaltensweise im Umgang damit beobachtet werden. Forscher der Harvard University haben sich das Nutzungsverhalten und die Technologien des Internet Of Things angesehen und laut einem Blogeintrag von ihnen eine spannende Beobachtung gemacht: IoT-Technologie ist sehr auf die Nutzung durch Menschen bezogen und weniger zur Automatisierung entwickelt. Die Menschen haben die Möglichkeit, und nehmen diese auch an, die Geräte selber zu programmieren und miteinander zu vernetzen. Das IoT wird also nicht etwas sein, dass parallel zu uns Menschen existiert, sondern vor allem mit uns und durch uns.

  • TWITTER Netzpiloten.de: Wie das Herz-Symbol zum neuen Like-Button des Social Web wird: Vor zwei Monaten fiel uns auf Twitter auf, dass der Stern zum Faven von Tweets durch ein Herz ersetzt wurde. Unser Account war wohl damals in einer Testgruppe für das neue Feature, dass gestern ausgerollt wurde. Nun gibt es also Herzen auf Twitter statt Sterne – sonst ändert sich nichts. Natürlich hat das für eine Art Empörung gesorgt, wir reden ja immerhin bei Twitter und seinen Nutzern von dem sogenannten Social Web. Unser Autor Jakob Steinschaden hat schon im Sommer 2013 über das Herz im Social Web geschrieben und die Logik dahinter erklärt. Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis das Herz auch zu Twitter kommt. Nun ist es soweit.

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