All posts under Gunnar Sohn

Rezo, das vielfache Meinungsklima und die Götterdämmerung von AKK & Co.

Der Wahlforscher eines renommierten demoskopischen Instituts schickte mir Ende März zu den Protesten gegen Uploadfilter noch folgendes Statement: „Ich würde mich wundern, wenn das einen wirklich nennenswerten Teil der Bevölkerung beschäftigen würde.“ Ich hatte ihn nach möglichen Auswirkungen auf die Europawahl gefragt. Früher war dieses Institut noch eng verbunden mit [...]
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Blender im Management werden keine Social-CEOs – sie bleiben unter sich

Evolution (adapted) (Image by Thomas Wensing [CC BY-SA 2.0] via flickr)
Es gibt nur wenige Unternehmensvertreter, die die digitale Abstinenz deutscher Führungskräfte so nüchtern betrachten, wie Stephan Grabmeier von Haufe-Umantis: „Wenngleich es die sozialen Medien nun seit rund 15 Jahren in der breiten Nutzung gibt, strotzt die DAX Management Elite mit digitaler Ignoranz. Fast alle Dax-Vorstände meiden – trotz des wachsenden [...]
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Fehlende Arbeiterrechte in Unternehmen

Individual in a Suit (adapted) (Image by Flazingo Photos [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Auch heute noch sind viele Beschäftigte ihren Vorgesetzten ausgeliefert. Von Psychoterror, Eingriffen in die Privat- und Familiensphäre: Angestellten fehlen elementare Grundrechte. Zeit, dies zu ändern! Hinter den modernen Lichtsuppen-Fassaden der Unternehmen regiert häufig immer noch die alte Ideologie des industriekapitalistischen Taylorismus, der auch die Büroabläufe auf Fließband-Effizienz trimmt. Was an [...]
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Warum wir lustvolle Gedankenexperimente brauchen

The Importance of Vision (adapted) (Image by Anne Worner [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Vor allem für starre Politiker ist die digitale Welt nach wie vor ein Mysterium. Dabei verkennen sie das Potenzial, das diese bereithält. Um es zu nutzen, braucht es jedoch Visionen und Visionäre. Man spürt die Verkrampfung vieler Führungskräfte in Deutschland, wenn sie sich mit Dingen der digitalen Welt beschäftigen müssen, [...]
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Die vernetzte Ökonomie wird schlecht gemanagt

Ball (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via Pixabay)
Deutsche Manager ergötzen sich immer noch an der Notwendigkeit von Digital-Pausen und feiern die Abwehr von Like-Buttons als Sieg der Vernunft. Wir müssen sie endlich durch Nerds ersetzen. Mit welcher Expertise wollen eigentlich Unternehmen in Deutschland die Angriffe der digitalen Plattform-Champions aus dem Silicon Valley kontern? Über Jahrzehnte rangierte die [...]
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Warum die Industrie 4.0-Rhetorik nervt

Server (adapted) (Image by NeuPaddy [CC0 Public Domain] via Pixabay)
Das Industrie 4.0-Geblubbere suggeriert die heile Welt der guten, alten Exportnation mit Schmieröl und rauchenden Schloten. Wenn es um die vernetzte Ökonomie geht, wimmelt es von Allgemeinplätzen, Phrasen und Floskeln. Nicht nur Unternehmer sind zunehmend genervt von den liebwertesten “digital-transformatischen” Gichtlingen, die inflationär ihre Netzweisheiten hinausposaunen: “Wir werden mittlerweile fast [...]
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Digitale Entlarvung schwacher Politik

Bundestag (adapted) (Image by Thomas Quine [CC BY 2.0] via Flickr)
Politiker erzählen viel und nicht selten reden sie über Dinge, die sie nicht verstehen. Ein Rechner namens “Watson” könnte ihren Halbwahrheiten nun auf die Schliche kommen. Der IBM-Rechner “Watson” ist wohl ein ziemlich schlaues Kerlchen. Nicht erst seit seinem legendären Sieg über die Champions des Ratespiels Jeopardy. Er kann noch [...]
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Eliten und Geklüngel im Netz

Still Life of Glasses on MacBook Air with Mouse (adapted) (Image by Image Catalog [CC0 Public Domain] via Flickr)
Damit die digitalen Errungenschaften tatsächlich einen signifikanten Unterschied in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft machen können, muss das Netz der Eliten geöffnet werden. Wenn wir nur auf die Technologie starren, kommen wir bei der Digitalisierung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft keinen Millimeter voran, so das Credo von Mister Unternehmer-Plattform Winfried Felser [...]
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Wie man Dummschwätzer im Management enlarvt

Coffee Calls a Meeting (adapted) (Image by Keoni Cabral [CC BY 2.0] via Flickr)
Viele Konzernmanager denken nur an die gut geölte Effizienz der Belegschaft und die Bonus-Zahlungen ihrer Fünfjahres-Verträge. Ist es nicht an der Zeit, ihr leeres Geschwätz zu entlarven? Wenn junge Menschen ihre Karriere planen, dominieren klassische Erwartungen. Rund 40 Prozent wollen in den öffentlichen Dienst, 15 Prozent streben einen Job in [...]
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Digitale Agenda gesucht

Digital DNA, City of Palo Alto, Art in Public Places, 9.01.05, California, USA (adapted) (Image by Wonderlane [CC BY 2.0] via Flickr)
Von Abfall bis Zahnbürste, alles wird digital. Wie aber bringen wir Gabriel und Co. dazu, das auch zu verstehen? Netzökonomie-Campus-Initiative ist ein höchst pragmatischer Vorschlag in die Diskussion geworfen worden, wie man internet-aversive Unternehmer, Verbandsfunktionäre und sonstige relevante Entscheider in Teutonien ins Netzzeitalter katapultieren könnte. Man ummantelt schlichtweg die analogen [...]
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Digital und Mittelstand – Symbiose gewünscht

Network (adapted) by Claus Rebler (CC BY-SA 2.0) via Flickr
Warum wir digital scheitern – Mittelstand und Netzszene im Zustand des gegenseitigen Nichtverstehens! Ein Umdenken ist längst überfällig. Mehr denn je braucht Deutschland für den neuartigen, disruptiven Wandel von Ökonomie und Gesellschaft den Dialog zwischen Mittelstand und Netzszene. Ein „Weiter so“ ist ebenso wenig eine Option wie eine Dialogunfähigkeit zwischen [...]
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Wenn nur noch Zynismus hilft

Close up person using smartphone (adapted) (Image by Japanexperterna.se [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Kommunikation in Unternehmen besteht oft nur noch aus positiven Phrasen. Wenn Mitarbeiter dann zynisch werden, ist es meistens schon zu spät. Bernhard Steimel prangert in einem lesenswerten Beitrag die Hybris der Social-Media-Priester an: Sie würden Wasser predigen und Wein saufen. Sie selbst seien im Ego-Shooter-Modus unterwegs und pflegten die Kunst [...]
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Warten auf Erleuchtung

{Explore} (adapted) (Image by Marius Brede [CC BY-SA 2.0) via Flickr
In einem Kraftakt möchte Deutschland die sogenannte “Industrie 4.0” einführen – und damit die Industrie vernetzen. Bislang ruft das Konzept aber bloß Ahnungslosigkeit hervor. “Mit der digitalen Vernetzung der Produktion wird sich unser Verständnis von Industrie so nachhaltig verändern wie niemals zuvor”, so VDMA-Präsident Reinhold Festge zur Eröffnung der Hannover [...]
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Abgesang auf die Macho-Chefs

Im Management von heute dreht sich alles um Effizienz. Wenn Unternehmensziele so utopisch sind wie sowjetische Fünfjahres-Pläne, müssen das oft die Angestellten ausbaden. // von Gunnar Sohn Als Schule der Intrigen mit Macho-Kultur bezeichnet der Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger im Spiegel-Interview die düstere Realität auf Chefetagen. Er muss es wissen. Deutsche [...]
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Gunnar Sohn: Kolumne als eBook

High Altitude Kindle 4 (adapted) (Image by Dan Vogel [CC BY-SA 2.0] via Flickr)
Es ist höchste Zeit: Liebwerteste Gichtlinge kommt als eBook. „Gute Leute, erlauchte Zecher und ihr, liebwerteste Gichtlinge, saht ihr jemals Diogenes, den zynischen Philosophen?“ – so begann der Renaissance-Denker François Rabelais seine Rede und mit dieser schelmischen Sichtweise auf das Leben startete ich am 21. Januar 2011 meine wöchentliche Kolumne für [...]
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Alltagsrassismus in Deutschland

Gegensätze (adapted) (Image by David Schiersner [CC BY 2.0] via Flickr)
Nationalismus lehrt dich, stolz auf Dinge zu sein, die du nicht vollbracht hast und Menschen zu hassen, die du nicht kennst. Dem Alltagsrassisten ist das egal. Mach eine einwöchige Schiffsreise mit 35 deutschen Touristen und Du erfährst eine Menge über die Komfortzone des Alltagsrassisten. Das klingt jetzt sehr pauschal. Aber [...]
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Werbung im Internet

Die Online-Werber führen einen Krieg gegen die Internet-Nutzer, die sie als reines Klickvieh sehen. Woher kommt der Hass auf die Onlinewerbung, fragt sich Unternehmensberater Nicolas Clasen im brandeins-Streitgespräch mit Stephan Noller, Gründer und Vorstandsvorsitzender des Targeting-Spezialisten Nugg.ad. Die meisten Banner seien hässlich und nervig. Das habe nichts mit der Anmutung einer Print-Anzeige zu tun und auch nicht mit dem Humor eines Werbespots. „Diese Banner sind einfach nur belästigend, weil nicht verstanden wurde, wie Werbung wirkt. Das liegt auch daran, dass die besten Werbeleute immer noch für Print und TV arbeiten.“

Nun gibt es sicherlich auch bei klassischen Werbekampagnen unglaublich viel Schrott. Aber die kleine Spitze gegen die SEO-Targeting-Lead-Mailingattacken-Stalking-Fraktion reichte schon aus, um dem Online-Werber Noller so einiges zu entlocken, was er in Kundengesprächen wohl nicht vom Stapel lässt.

Werbung müsse eigentlich gar keinen Spaß machen: „Die viel größere Aufgabe von Werbung ist, Bedürfnisse zu wecken. Die Leute zu überzeugen und, ja, auch zu nerven„, so das freimütige Bekenntnis des Agenturchefs. Kein Werbetreibender mache sich Illusionen darüber, ob sich ein Nutzer darüber freut, wenn das, was er eigentlich sehen will, unterbrochen wird – und sei die Werbung noch so toll gemacht. Und jetzt kommt der Hammer-Satz, der wohl noch lange die Gemüter erhitzen wird: „In einer Marktwirtschaft ist Werbung nun einmal kein Freund des Konsumenten. Die nüchterne Funktion von Werbung ist es, zu verkaufen. Es gibt in unserer Branche eine Reihe kluger Köpfe, die sagen: ,Wir brauchen Formate, die noch stärker unterbrechen. Nur dann wird es zum Beispiel gelingen, hochwertige redaktionelle Inhalte im Netz über Werbung zu refinanzieren.‘“

Nudelweisheiten mit Nudelzahlen

In einer Marktwirtschaft ist also die Berieselungswerbung der Feind des Kunden, um irgendetwas anderes damit finanzieren zu können? Der Internetnutzer als ziemlich dümmliches Klickvieh muss einfach verstehen, dass es überhaupt nicht um seine Interessen oder Belange geht. Die klugen Köpfe der Online-Werbung halten uns anscheinend für geistig umnachtete Netzsurfer, die froh sein müssen, überhaupt Angebote im Internet nutzen zu können. Lustig wird es, wenn solche Nervensägen dann auch noch Siegeshymnen über ihre gelungenen Feindattacken anstimmen. Da hat die Agentur von Noller doch die Markteinführung einer Nudelmarke in Dänemark begleitet. Zum Einsatz kamen „gut gemachte“ Banner auf „qualitativ hochwertigen“ Websites. Und das Ergebnis waren Schlangen vor den Supermärkten!!!!!!?

Die Marktforschung habe dann gezeigt, dass Markenbekanntheit, Erinnerungseffekte und Sympathiewerte stark nach oben gegangen seien. Was früher Medizinmänner, Hohepriester und Hofnarren erledigten, scheint heute das Metier von digitalen Nudelverkäufern zu sein. Nudel-Supermarktschlangen sind mir bei meinen samstäglichen Einkäufen bislang nicht untergekommen. Vielleicht besuche ich die falschen Läden. Zudem gibt es in Bonn-Duisdorf keine dänischen Supermärkte. Faszinierend sind immer wieder die zirkusreifen Aufführungen mit „empirischen“ Erhebungen, die sich nur schwer überprüfen lassen.

Auch die Konkurrenz hat gute Nudelwerte

Man könnte die einschlägig bekannten Marktforschungsinstrumente auch als Malen nach Zahlen bezeichnen: In der Werbewirtschaft produzieren Auftraggeber und Auftragnehmer hübsche Datenberge, um die eigene Existenzberechtigung abzusichern. Befragungen von Testteilnehmern, Reichweiten, Werbeträger-Analysen, Monitoring, Targeting und sonstige Zahlenspielchen bringen rein zufällig genau das, was beide Seiten glücklich macht und fette Budgets absichert. Häufig haben die Konkurrenzunternehmen sogar die gleichen Nudelwerte über die Durchschlagskraft von Werbung. Was sich Online und Offline abspielt, ist arrogantes und anmaßendes Vertriebsdenken – ohne Rücksicht auf Verluste. Und die Verluste treten ja schon ein, wenn man sieht, mit welchen Gegenmaßnahmen Internetnutzer reagieren, um den Nervpegel der Online-Werber zu reduzieren.

Wirkung ohne Ruhmsucht

Wir sollten uns generell im Netz-Diskurs von der Sucht nach Aufmerksamkeit verabschieden, um aus dem Erbsenzählermodus rauszukommen. Wie wäre es mit der Kategorie „Wirksamkeit“, die der Philosoph François Jullien in einem Merve-Band so schön ausgebreitet hat? Da könnten Noller und die liebwertesten Gichtlinge seiner Branche dann ein wenig bei Laozi in die Schule gehen und über folgende Sätze sinnieren: „Wer sich erhöht, ist nicht zu sehen. Wer sich selber rühmt, hat kein Verdienst. Wer sich selber verherrlicht, hat keine Dauer.“ Oder anders ausgedrückt: Da die Größe selbstgeschaffen ist, bleibt sie klein. Der Weise ist in der Lage, seine Größe entstehen zu lassen.

Man sollte sich auf die reine Wirkung beschränken – ohne anmaßend zu sein, ohne Ruhmsucht und ohne zu prahlen. „Die Wirkung soll ausschließlich als Resultat der Situation erscheinen und sich in ihrem Zusammenhang abspielen …„, schreibt Jullien. Die Wirkung sollte sich als Resultat ergeben, sie gehört zur Ordnung der Konsequenz und nicht der Planung. Es wäre ja schon ein Schritt nach vorne, den Empfehlungen von Clasen zu folgen: „Ich hätte gerne Werbung, die mich möglichst interessiert, in einer Dosis, die nicht nervt, in einem Format, das ich notfalls ignorieren kann, wenn ich das möchte. Also ein Video, das ich wegklicken kann, und eine Anzeige, die mich nicht beim Lesen eines Artikels stört.

Eigentlich nichts Besonderes. Für die Schreihälse der Online-Werbung wohl eine Zumutung.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.

 

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Slow-Media-Konzepte für das Personalmanagement

Keyboard (adapted) (Image by ExzentRyk [CC BY 2.0] via Flickr)
Anwesenheit ist nicht gleich Arbeit. In Zeiten der Digitalisierung ist diese Erkenntnis wichtiger als jemals zuvor. Viele Menschen brauchen die Onlineverbindung zur Welt und zur Nachrichtenlage mittlerweile als tägliches Rüstzeug. „Bei nicht wenigen Menschen läuft während des gesamten Arbeitstages das Internet im Hintergrund – jederzeit bereit, auf Wissen zuzugreifen, Auskunft zu [...]
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Die wirtschaftlichen Folgen von Shitstorms

Wlan (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via Pixabay)
Shitstorms zwischen kollaborativer Wiedergutmachung und Ignoranz: Negative Kommunikation kann das Markenimage dauerhaft schädigen. Von Shitstorms – also Empörungswellen im Netz – gehen angeblich keine nachhaltigen wirtschaftlichen Schäden für Unternehmen aus: Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK). Sie hat die kollektiven Unmutsbekundungen von Social [...]
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Das Geheimnis von Selbstvermarktung im Journalismus

Secret Comedy Podcast 11 - 2 August 2013 (adapted) (Image by Amnesty International UK [CC BY 2.0] via Flickr)
Journalisten sollten mehr tun als Journalismus, sich nämlich als Marke im Netz positionieren. Elf solcher Marken habe ich interviewt. Ein Zwischenfazit. Wer sich als Journalist auf dem hart umkämpften Markt behaupten möchte, der kann sich nicht nur auf das Arbeiten im stillen Kämmerlein beschränken. Eine starke Präsenz im Web scheint [...]
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