Streaming zum großen Fressen

Die Fast-Food-Kette McDonald’s steigt tatsächlich in das Streaming-Geschäft ein – Musik wird zu Beilage. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und so den Kunden bei der Kartoffelstange halten: McDonald’s arbeitet an einer neuen Digitalstrategie rund um eine App, die nicht nur Bestellungen aufnehmen wird, sondern wohl auch einen Musikstreamingdienst bieten könnte. Das Rundumangebot könnte gerade vor dem Hintergrund aktueller App-Nutzungsstatistiken interessant sein.

McDonald’s plant die große App – mit Musik

“Darf es noch ein Streaming-Dienst zum Eis sein?”, wurde an dieser Stelle vor zwei Monaten spöttisch über die Verbreitung von Musikstreaming gefragt und weiterhin prognostiziert: “McDonalds oder große Autobauer könnten ebenfalls nachziehen, denn Musikstreaming wird mittelfristig zur Selbstverständlichkeit innerhalb der Konsumumgebung werden.” Jetzt scheint alles sogar noch schneller vonstattenzugehen. Die besagte Fast-Food-Kette hat gerade Julia Vander Ploeg, dem erst im Oktober ernannten Digitalchef Atif Ratiq zur Seite gestellt. Die beiden bringen Erfahrungen von Amazon, Ticketmaster und Yahoo mit. Außerdem sucht man nach diversen Fachkräften für eine große Onlineoffensive, um nicht nur eine neue Mobil-App für Bestellungen, sondern auch “eine Vielfalt von Digital Music und Entertainment Angebotenzu kreieren.

“Denn das große Fressen der Zukunft ist ein Konsum für alle Sinne. Sogar Fast Food muss auf den digitalen Zug aufspringen, wenn es ein größeres Publikum erreichen will – und McDonald’s ist sich dessen bewusst”, schreibt etwa The Next Web. Der rotgelbe Weltkonzern setzt dabei schon seit Langem auf Entertainment. Es gibt Unterhaltungsmagazine und in den Filialen ein eigenes Fernsehprogramm, wie es etwa auch der Mitbewerber Burger King hat.

Die Logik ist simpel: Die Leute wollen essen und sie wollen unterhalten werden. Letzteres ist sogar noch billiger als Ersteres und dank Digitalisierung auch immer einfacher zu gewährleisten. Außerdem bietet es zusätzliche Umsatzchancen über die Vermarktung. Und wenn es die Leute nun schon nicht mehr in die Filialen schaffen, dann holt man sie eben mit dem vollen Programm auf ihren Mobilgeräten ab. Dabei kann es sich bei den besagten Angeboten sowohl um diverse Videokanäle als auch um einen Radio- oder genuinen Musikstreamingdienst handeln.

Der Faktor Zeit ist entscheidend

An dieser Stelle lohnt es sich, einen weiteren Faden der letzten Monate erneut aufzugreifen und ihn mit einem anderen aktuellen Thema zu verknüpfen. Es geht um die Frage, ob Musikstreaming jetzt, wo es technisch und logistisch (Lizenzklärung, Katalogaufbau), so “einfach” geworden ist, dass es nicht nur als ein selbstverständlicher integraler Bestandteil jeder großen Digitalstrategie von Unternehmen geworden ist, sondern auch zu einer Art allgegenwärtigen Zusatzdienst verkommt?

Letzte Woche wurde eine Liste mit den 25 beliebtesten Apps auf dem US-Markt veröffentlicht. Facebook führt dort mit großem Abstand vor Youtube, andere für uns relevante Apps – Google Play, Pandora, iTunes Radio und Shazam – landen auf den Plätzen 3, 5, 11 und 23. Der größte abobasierte Musikstreamingdienst, Spotify, ist gar nicht unter diesen Top 25.

Viel interessanter ist allerdings, wie lange die Apps genutzt werden. Das wurde für den aktuellen “U.S. Mobile App Report” von comScore errechnet. 42 Prozent der allgemeinen Nutzungszeit erreicht die jeweilige Top-App einer Nutzerin dort im Schnitt. Auch hier führt wieder Facebook, allerdings schafft es die Radio-Streaming-App Pandora in diesem Bereich in allen Altersgruppen auf den zweiten Platz – mit Ausnahme der Über-55-Jährigen, wo sie aber allerdings noch auf dem dritten landet, wie Billboard weiß. Das Magazin schreibt weiterhin: “Auf die Top drei entfallen 69 Prozent und die Top zehn bekommen 88 Prozent der App-Zeit.” Wer es nicht unter die Top fünf schafft, der bekommt ohnehin nur drei oder weniger Prozent.

Streaming-Integration in Apps: Chance oder Hindernis?

Google und Apple, beide mit mehreren Apps im Popularitätsranking vertreten, könnten durch eine geschickte Streamingintegration hier nochmals ordentlich an Nutzungszeit und somit effektiven Marktanteil zulegen. Google schließlich will YouTube um einen Musikstreamingdienst erweitern und auch eine Übernahme von Spotify stand ja im Raum. Auch die Einbindung von Songza steht uns noch bevor. Apple wird derweil sehr wahrscheinlich den neu eingekauften Dienst Beats mit iTunes Radio zusammenlegen, um dieses noch größer und besser zu machen.

Sollte das tatsächlich geschehen, wäre ein kleiner Trend der jüngsten Monate, nämlich der des App-Splits, schon wieder vorbei. Facebook etwa zwang den Nutzern jüngst den Messenger auf, Instagram legte seinen Videoraffer-Dienst Hyperlapse nicht etwa als neue Funktion innerhalb der vorhandenden App an, sondern als eine eigene neue. Das Beispiel Facebook zeigt allerdings, dass hier die Motive wohl anders gelagert sind als sie es beim Musikstreaming: Zwar entzieht der Messenger die Nutzer aktuell noch dem Facebook-Umsatz, da hier keine Werbung stattfindet, andererseits hält Facebook so jenen Teil der Leute, die das Netzwerk tatsächlich nur noch zum reinen Nachrichtenversand nutzen. Dass man die Nutzer weiterhin in der Facebook-App halten will, zeigt zudem die neue Browser-Funktion, die verlinkte Webseite direkt in der App – und nicht mehr dem mobilen Browser – anzeigt. Es bleibt allein deshalb auch spannend, ob Facebook, aktuell im Musikstreaming noch total unbescholten, seinen gute Verbindung mit Spotify doch noch ausnutzt und sich den Marktführer einverleibt.

Wir sprechen uns bald wieder.


Image (adapted) „McDonald’s“ by Mike Mozart (CC BY 2.0)


 

Thomas Vorreyer

schreibt als freier Journalist vor allem über Kultur und Gesellschaft im Angesicht der Digitalisierung.


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1 comment

  1. Keine so schlechte Idee wie ich finde..Man muss sich ja immer irgendwie der „neuen Generation“ anpassen. Das Konzept klingt an sich interessant, doch kann ich mir die Umsetzung des Ganzen nicht vorstellen.

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