Moli.com: Ein Profil für alle Fälle?

Wie wichtig ist es, verschiedene Profile auf Social Networks zu pflegen? Sehr wichtig, sagt Judy Balint, Chefin von Moli, eines sozialen Netzwerks für Erwachsene und Unternehmen, das heute in Deutschland ans Netz geht.

Datenschützer sind sich einig: Die Art, wie die meisten Nutzer im Netz mit Informationen um sich werfen, kann nicht gesund sein. Trotzdem produzieren viele von uns durchaus bereitwillig eine Datenspur wie eine fünfspurige Autobahn, sei es auf Blogs, Twitter, Flickr oder Friendfeed. Ob das gut oder schlecht ist, sei hier mal hintenangestellt. Sicher ist: Tauchen Partybilder im Netz auf, wird es den meisten Arbeitnehmern eher mulmig.

Am Rande des heutigen Deutschen Multimedia Kongesses (DMMK) haben wir mit Moli-Chefin Judy Balint über die Bedeutung von Privacy in Social Networks gesprochen, während sie uns die Website präsentiert hat.

Soziales Netzwerk für Erwachsene und Firmen

Vorweg: Für ein Social Network hat Moli hat eine etwas ungewönliche Zielgruppe. Moli richtet sich an Erwachsene und hauptsächlich „Inhaber-betriebene, junge Unternehmen“, also kleine Firmen von höchstens 10 Mitarbeitern. Rund drei Viertel aller User sind laut Eigenangabe zwischen 24-44, also deutlich über dem Durchschnittsalter von MySpace & Co. Zwar geht es hier natürlich auch um Selbstdarstellung, aber entsprechend der demographischen Verteilung der Nutzerschaft wird als Killerfeature hier gehandelt: Kontrolle über die Privatsphäre.

Moli (Screenshot)
Jede Menge Profile: Screenshot von Moli

Ein Account, viele Profile

Anstatt wie bei MySpace einfach ein Profil für alle Bekannten zu nutzen, oder wie Facebook auf abgestufte Privatsphäre zu setzen, setzt Moli auf komplett voneinander getrennte Profile. Zwar hat jeder Nutzer nur einen Login. Doch lassen sich damit beliebig viele Profile verwalten. Je nach Art der Beziehung sollen so den Eltern andere Infos angezeigt werden als Geschäftspartnern.

So weit so gut. Moli leitet bei jedem neuen Profil durch ein kleines Menü, bei dem entsprechende Daten abgefragt werden. Familie? Familienname, Name der Kinder, „Info zu uns“. Bei Geschäftspartner? Kontaktpersonen und Geschäftsadresse. Für Selbstständige scheint die Mitgliedschaft in Berufsverbänden besonders wichtig zu sein. Die Formulare sind nicht sonderlich sexy, dafür lassen sich Profile öffentlich oder nur für Bekannte anzeigen. Wirklich private Profile lassen sich auch komplett verstecken.

Für kleine Unternehmen interessant

Wirklich interessant könnte Moli für kleine Unternehmen sein: Für minimale Gebühren gibt’s einen Onlineshop (Flatrate: $3,99), die Profil-Einstellungen lassen sich theoretisch als abgesprecktes Intra- oder Extranet nutzen. Moli kann gegen Gebühr komplett werbefrei oder auf die eigene Corporate Identity angepasst werden. Das Einbinden von RSS-Feeds der Moli-Partner oder externer Feeds und starke Widgetisierung aller Inhalte nutzen recht geschickt die Vernetzung, die man auch von anderen Social Networks und Blogs her kennt. Nettes (Bezahl-)Feature: Das eigene Firmenprofil kann auf die eigene Firmen-URL umgeleitet werden und so direkt Firmenwebsite genutzt werden.

Für den Rest von uns dürften MySpace, Facebook & Twitter nach wie vor mehr Vergnügen bieten. Auch wenn das ein oder andere Partybild im Netz auftaucht.

Frage: Was ist euch wichtiger – Spaß oder Privacy?

Peter Bihr

war Netzpiloten-Projektleiter von 2007-2010. Heute hilft er als freier Berater Unternehmen, ihre Strategien erfolgreich ins Netz zu übertragen. Über Social Media und digitale Kultur schreibt und twittert Peter auch privat unter TheWavingCat.com. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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1 comment

  1. Auf die Frage was wichtiger sei – Spaß oder Privacy?
    Sage ich mal das es im Internet von anfang an keine Privacy gab und dadurch der Spaß an erster Stelle steht.
    Und zwar solange bis das Internet unseren Alltag eingeholt hat, denn dann wirds ernst… ;-)

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