Mi 9T im Test – Wie schlägt sich Xiaomis günstiges Smartphone mit Pop-Up Kamera?

Das Xiaomi Mi 9T ist eine preisgünstigere Variante des chinesischen High-End Smartphones Mi 9. Statt einer Notch verbaut Xiaomi beim 9T eine Pop-Up Kamera, wie wir sie bereits im OnePlus 7 Pro gesehen haben. Ich habe das Smartphone getestet und zeige euch, worauf ihr im Vergleich zum Flagship verzichten müsst und warum das Xiaomi Mi 9T meiner Meinung nach trotzdem die bessere Wahl ist.

Wer ist Xiaomi?

Xiaomi ist als Smartphone-Hersteller nicht neu auf dem Markt, doch erst seit Ende 2018 gibt es die Smartphones besagten Herstellers regulär im deutschen Handel zu kaufen. Unter der „Mi“-Serie vertreibt der Hersteller seine High-End Geräte, Low-Budget Geräte findet man unter dem Label „Redmi“. Auch das bekannte Pocophone wird von Xiaomi hergestellt.

Der erste Eindruck stimmt

An der Verarbeitung des Xiaomi Mi 9T gibt es nichts auszusetzen. Das 6,39 Zoll große AMOLED Display wird von Samsung gefertigt, bietet eine tolle Farbdarstellung und ist auch bei Sonnenlicht gut ablesbar. Mit einer Auflösung von 2340 x 1080 Pixeln kommt es auf eine Pixeldichte von 403 PPI. Eine Notch oder ähnliche störende Elemente sucht ihr beim Xiaomi Mi 9T vergeblich. Dennoch reicht der Bildschirm bis fast an den Rand des Gehäuses. Xiaomi erreicht dies, indem die Frontkamera oben aus dem Rahmen des Smartphones ausgefahren wird, sobald ihr die Kamera-App startet.

Die Glasrückseite ist zu den Seiten hin ein wenig gebogen, jedoch deutlich weniger als beim Flagship Mi 9. Außerdem wirkt das Mi 9T etwas dicker und schwerer als der teurere Bruder. Meiner Meinung nach liegt das Mi 9T durch seine Form und Gewicht jedoch besser in der Hand. Die carbon-schwarze Rückseite meines Testgerätes ist dabei sehr anfällig für Fingerabdrücke, bietet aber interessante Farbdetails wie einen roten Ring um die Hauptkamera sowie einen roten Powerbutton.

Die Rückseite des Mi 9T / Image by Timo Brauer
Die Rückseite des Mi 9T ist etwas weniger gebogen, als die des Flagships und liegt dabei gut in der Hand. / Image by Timo Brauer

Neben letzterem verfügt das Smartphone lediglich über die üblichen Lautstärkebuttons. Auf einen zusätzlichen Button zum Starten eines Sprachassistenten oder einer App verzichtet der chinesische Hersteller beim Mi 9T. Der Fingerabdrucksensor des Xiaomi Mi 9T ist unter dem Display angebracht. Das ist sehr praktisch, da man das Gerät nicht jedes Mal anheben muss, um es zu entsperren. Da es sich um einen optischen Sensor handelt, dauert das Entsperren manchmal ein paar Augenblicke, ihr könnt aber eine Displayschutzfolie auf dem Display verwenden.

Aktuelle Top-Specs

Xiaomi verbaut im Mi 9T den neu vorgestellten Snapdragon 730 Prozessor mit einer Taktfrequenz von bis zu 2,2 GHz. Diesem stehen 6 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. In Deutschland gibt es das Mi 9T derzeit nur mir 64 GB internem Speicherplatz zu kaufen, eine 128 GB Version könnte aber folgen. Der Prozessor ist zwar auf dem Papier nicht ganz so leistungsstark wie ein Snapdragon 855, das Mi 9T muss sich aber dennoch leistungsmäßig nicht verstecken. So lassen sich grafisch aufwendige Spiele wie PUBG in den höchsten Grafikeinstellungen ruckelfrei spielen. Auch Filmfans kommen auf ihre Kosten: das Smartphone verfügt über eine Widevine L1 Zertifizierung. Dies bedeutet, dass sich Videos von Youtube, Netflix, Amazon und Co. in Full HD und HDR wiedergeben lassen.

Die Anschlüsse des Mi 9T befinden sich an der Unterseite des Geräts. / Image by Timo Brauer
An der Unterseite des Geräts befindet sich der USB-C Port zum Laden des Gerätes. / Image by Timo Brauer

Verspielte Benutzeroberfläche

Auf dem Xiaomi Mi 9T läuft das aktuelle Android 9.0 mit dem ebenfalls aktuellen Mai-Sicherheitspatch. Ein Update auf Android Q sowie die nachfolgende Version ist nahezu sicher und auch Sicherheitsupdates erscheinen zeitnah. Über die Standard-Oberfläche von Android legt Xiaomi seine eigene Benutzeroberfläche. Das MIUI getaufte User-Interface ist relativ verspielt, bietet aber schöne Animationen und läuft sehr flüssig. Auch lässt sich das Smartphone wahlweise auf eine Bedienung per Wischgesten umstellen, um zusätzlichen Platz auf dem Display zu erhalten. Einziger Kritikpunkt sind die relativ häufigen Benachrichtigungen von Systemapps wie dem Xiaomi-Appstore oder diversen System-Optimierungs-Tools. Diese lassen sich zum Glück mühelos deinstallieren beziehungsweise abschalten.

Hält länger als das Flagship

Der Akku des Xiaomi Mi 9T hat eine Kapazität von 4000mAh und bietet eine deutlich längere Laufzeit als das teurere Mi 9. In meinem Test hatte ich auch bei anspruchsvoller Nutzung nie Probleme mit dem Smartphone über den Tag zu kommen. Geladen wird der Akku über einen modernen USB-C Port. Dabei unterstützt das Smartphone eine Aufladung mit bis zu 18 Watt. Kabelloses Aufladen ist hingegen leider nicht möglich. Wie viele Smartphones des chinesischen Herstellers kann das Smartphone (ein passendes USB-C auf USB-C Kabel vorausgesetzt) andere Smartphones oder Gadgets wie Kopfhörer mit Strom versorgen.

Dreifach-Kamera mit KI

Auf der Rückseite verbaut der chinesische Hersteller ein Kameramodul mit 3 unterschiedlichen Kameras. Der primäre Sensor bietet eine Auflösung von 48MP. Außerdem steht eine 8MP Telefoto-Sensor mit zweifach optischem Zoom und ein 13MP Weitwinkel-Sensor zur Verfügung. Tagsüber macht das Smartphone bei eigentlich allen Lichtbedingungen tolle Fotos. Lediglich im Dunklen kann die Kamera nicht ganz mit Mitbewerbern wie Huawei oder Honor mithalten.

Die Kamera des Mi 9T / Image by Timo Brauer
In dem Mi 9T ist eine dreifach-Kamera mit KI-Unterstützung verbaut. / Image by Timo Brauer

Im direkten Vergleich mit dem Mi 9 kann ich bei der Hauptkamera keine Unterschiede erkennen. Die Telefoto-Kamera sowie der Weitwinkelsensor haben jedoch eine geringere Auflösung als beim teureren Modell. Wie viele Hersteller heutzutage, setzt auch Xiaomi auf eine Kamera-KI, welche 27 verschiedene Szenarien erkennen soll und die Fotos dementsprechend bearbeitet. Wie bei solchen Funktionen üblich, wirken die Ergebnisse zu farbenfroh und unecht. Das KI-Feature lässt sich jedoch in den Einstellungen deaktivieren. Videos lassen sich mit 30FPS in 4K Auflösung aufnehmen. Als besonderes Feature bei der Videoaufnahme lassen sich Full-HD-Zeitlupen mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde aufzeichnen.

Kamera zum Ausfahren

Die Frontkamera bietet eine Auflösung von 20 Megapixeln und ist im Gegensatz zum Mi 9 nicht in einer Notch untergebracht, sondern befindet sich im Rahmen des Smartphones. Wenn man die Kamera App startet und auf die Frontkamera umschaltet, wird diese durch einen kleinen Motor ausgefahren. Der komplette Vorgang dauert ungefähr 1,5 Sekunden, sodass ihr keinen Moment verpassen sollet. Außerdem wird das Ausfahren durch einen LED-Effekt spielerisch dargestellt.

Kamera öffnen beim Mi 9T / Video by Timo Brauer

Falls euch das Smartphone beim Fotografieren hinfallen sollte, erkennt der Beschleunigungssensor den Fall und fährt die Kamera automatisch wieder ein. So sollen mögliche Beschädigungen minimiert werden. Wie widerstandsfähig der Mechanismus ist, lässt sich in wenigen Tagen schlecht ermitteln. Laut Hersteller wurden in Labortests 300.000 Ausfahrvorgänge getestet. Die Bildqualität der Frontkamera konnte im Test durchaus überzeugen. Auch nachts gelangen mittels Bildschirm-Blitz gute Fotos.

Fazit

Das Xiaomi Mi 9T hat mir im Test wirklich gut gefallen. Auch wenn es für einen Straßenpreis von rund 100 Euro mehr bereits das Flagship Modell Mi 9 gibt, würde ich persönlich eher zum Mi 9T greifen. Für einen UVP von 329 Euro für die 64 GB Variante erhaltet ihr ein schickes, super verarbeitetes Smartphone mit einer guten Kamera, welches sein höherpreisiges Flagship-Modell sogar in der Akkulaufzeit übertrifft. Durch die etwas dickere und weniger an den Seiten abgeflachte Rückseite, liegt es auch besser in der Hand. Einzig der Prozessor ist zumindest auf dem Papier etwas schwächer. Zusätzlich besitzt das Mi 9T keine störende Notch im Bildschirm und verfügt über einen 3,5mm Kopfhöreranschluss. Kaufen könnt ihr das Smartphone bei TradingShenzhen, die mir das Gerät freundlicherweise für den Test ausgeliehen haben.

Timo Brauer

beschäftigt sich mit jedem Technikprodukt, das ihm unter die Finger kommt. Besonders Gadgets fürs Smart Home haben es ihm angetan. Wenn er nicht gerade mit Technik herumspielt, ist er auf Reisen - Smartphone und Kamera immer dabei.


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