Disney Plus im Test – Zurück in die Kindheit

Die zweite Staffel „The Mandalorian“ steht in den Startlöchern. Ein Serien-Highlight, dass man exklusiv nur auf Disney Plus sehen kann. Doch für eine Serie allein mag man nur ungern ein Abo abschließen. Darum werfen wir einen Blick auf den Disney Streaming-Dienst. Neben exklusiven Produktionen lockt vor allem ein Querschnitt durch die lange Disney-Filmhistorie.

Dabei ist das Unternehmen oft sehr umstritten. Dem Megakonzern gehört mittlerweile ein immer größer werdender Teil Hollywoods und für Filmen müssen Kinos mehr Prozente abdrücken als anderswo. Nach der Dominanz des Kinomarktes möchte die Märchenschmiede nun auch die neuen Medien für sich erobern. Ob das gelingt, finden wir für Disney Plus im Test heraus.

Inhalt

Als ich meine Kindheit betrat

Am 24. März fiel der Startschuss. Gegen 1 Uhr nachts lud ich mir die App auf meinen Fire TV-Stick und wagte einen ersten Blick auf die verfügbaren Titel. Natürlich war ich als Star Wars-Fan heiß auf die neue Serie The Mandalorian, das mit Abstand größte Zugpferd zum Start des Dienstes. Auch dass es bereits die ersten zwei Folgen von der finalen Star Wars: The Clone Wars-Staffel gibt, hat mich riesig gefreut.

Was meine Augen zum Leuchten brachte, war dann aber die Erinnerung an meine Kindheit. Da war sie nämlich, quasi meine komplette Fernseh-Kindheit in Form von Filmen und Serien. Vor allem die meiner ganz frühen Kindheit, als Animes weniger dominant oder mir als solche (Heidi, Wickie) nicht bewusst waren.

Als Serien funkelten mir die DuckTales, Darkwing Duck und die Gummibärenbande entgegen. Sogar die Gargoyles, die ich damals leider kaum geschaut habe, sind Teil dieser nostalgischen Schatzkiste. Auch Chip und Chap habe ich damals richtig geliebt und landet damit schonmal auf meiner Watchlist. Befremdlicher dagegen sind für mich die Realserien für Teenies, denen ich nie sonderlich viel abgewinnen konnte – aber so gerne man es hätte: So ein Streamingdienst soll nicht nur mich glücklich machen, sondern auch andere.

Bei den Filmen das gleiche Spiel. Ich sehe Filme wie Aladdin, König der Löwen, der Glöckner von Notre Dame und Herkules und bin ganz gefangen in den verschwommenen Erinnerungen meiner Kindheit.

Es ist 1:30 Uhr in der Nacht und mein Wecker möchte mich um 8 Uhr schon wieder aus dem Schlaf reißen. Ohne zumindest irgendwas angeschaut zu haben, kann ich aber nicht schlafen gehen. Ich entscheide mich für die Gummibärenbande. Für den Moment ist die Welt einfach wieder in Ordnung.

Die Gummibärenbande auf Disney Plus
Die Reise in die Vergangenheit kann beginnen – mit der Gummibärenbande! Screenshot by Stefan Reismann.

Noch wenig Exklusivinhalte bei Disney Plus im Test

Doch so schön es auch ist, nostalgisch in Erinnerungen zu schwelgen, so gehört zum Test auch ein bisschen Objektivität. Allerdings lebt Disney Plus eben gerade von dieser emotionalen Bindung seiner Nutzer. Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie viele Kinder genervt sind, weil sie etwas gucken wollen, die Eltern aber den Fernseher blockieren, um die alten Schinken von früher zu schauen.

Das ist für die erste Zeit auch wichtig, denn aktuell bieten Netflix oder Amazon Prime deutlich mehr eigens dafür produzierte Serien, als Disney Plus im Test. Das ist der Nachteil für einen Anbieter, der gerade erst in eine bereits etablierte Medienwelt stößt. Neben The Mandalorian gibt es bislang kaum namhafte Serien. Mit High School Musical: Das Musical: Die Serie bedient Disney immerhin eine weitere erfolgreiche Filmreihe – mit einem denkbar unhandlichen Titel.

Ansonsten gibt es auch einige interessante Blicke hinter die Disney-Kulissen, wie etwa mit Disney Imagineering Story oder Disney Insider. Filmfreunde dürfen sich außerdem neben einigen Kurzfilmen auch auf die Realverfilmung von Susi und Strolch freuen.

Eine Milliarde Dollar sollen allein dieses Jahr in weitere exklusive Produktionen für Disney Plus fließen. Im Marvel-Universum sind unter anderem Serien zu Loki und Hawkeye geplant. Aber auch die Monster AG, die Muppets, Phineas und Ferb, Mighty Ducks, Star Wars, Toy Story und weitere beliebte Marken bekommen Original-Content.

Wegen des Coronavirus verzögern sich allerdings viele Produktionen, deren Release teils ohnehin erst für nächstes Jahr gedacht war. Das macht gerade diesen Nostalgie-Faktor nochmal wichtiger für Disney Plus.

Startseite von Disney Plus
Auf der Startseite haben wir Zugriff auf wichtige Franchises. Aber auch auf Empfehlungen, die zu unserem Schauverhalten passen. Screenshot by Stefan Reismann.

Gute Übersicht mit kleinen Mängeln

Mir persönlich gefällt die generelle Übersichtlichkeit von Disney Plus. Bei Netflix wurde ich wenig warm mit der Tatsache, dass ich weitgehend dem Algorithmus und einzeiligen Kategorien ausgeliefert bin und viele andere Inhalte nur über die Suche zu finden sind. Da spricht mich Disney Plus im Test persönlich deutlich mehr an.

Auf der Startseite prangen die großen Franchises Disney, Pixar, Marvel, Star Wars und National Geographic, die ich damit schnell gezielt ansteuern kann. Darunter bewirbt Disney ihre aktuellen Originals, gibt Empfehlungen durch den Algorithmus und schlägt einige Top-Inhalte vor. Nicht viel anders als bei Amazon Prime oder Netflix.

Darüber hinaus gibt es eigene Seiten für unsere Watchliste, Filme, Serien und Originals. Die umfangreicheren Seiten der Filme und Serien sind zudem in mehrere Kategorien untergliedert – wir dürfen uns aber auch alle Inhalte anzeigen lassen. Durch diese navigieren wir uns nicht nur zur Seite, sondern bildschirmfüllend nach unten. Zum Stöbern auf dem Fernseher ist das einfach um Welten besser.

Die Titel sind dabei alphabetisch sortiert. Wobei „alphabetisch“ an dieser Stelle relativ ist. Grundlage für die Sortierung scheint nämlich der Originaltitel zu sein. Der Film Vaiana findet sich bei M („Moana“) wieder, Ungeküsst bei N („Never been kissed“). Aber auch im Original reißt es Filmreihen teils auseinander. Der Icehockey-Film Mighty Ducks steht weit entfernt von seinen Nachfolgern, die mit D2 und D3 betitelt sind. Hier hätte ich mir Filme der gleichen Reihe beieinander gewünscht. Hoffentlich bessert Disney Plus an dieser Stelle noch nach.

Filmübersicht in Disney Plus
Die Übersicht von Filmen und Serien lädt richtig zum stöbern an. Viel auf einem Blick. Screenshot by Stefan Reismann.

Preis und Umfang von Disney Plus im Test

Gerade wenn man bereits einen Streamingdienst nutzt und sich nicht von ihm trennen kann, überlegt man es sich doppelt und dreifach, ob man sich noch eine Ausgabe mehr im Monat leisten möchte. Disney macht den Einstieg mit seinem aktuellen Preis aber vergleichsweise leicht.

Für 6,99 Euro im Monat oder 69,99 Euro im Jahr dürft ihr Disney Plus nutzen. Dabei sind über 100 Titel sogar in 4K UHD verfügbar. Bis zu 7 Profile können pro Mitgliedschaft angelegt werden und 4 Streams gleichzeitig laufen. 10 Geräte könnt ihr maximal auf Disney Plus anmelden. Das geschieht automatisch, wenn ihr euch mit Disney Plus auf dem Gerät einloggt. Auf den Geräten verspricht Disney unbegrenzte Downloads zum Offline-schauen. Ein fairer Preis, vor allem im Vergleich zu Netflix.

Beim Konkurrenten fängt man erst bei 7,99 Euro mit nur einem gleichzeitigen Stream und SD-Qualität an. Vier gleichzeitige Streams und Ultra-HD sind erst bei der teuersten Variante für 15,99 Euro enthalten. Ein Jahresabo gibt es dort nicht.

Möchtet ihr Disney Plus erstmal ausprobieren, könnt ihr 7 Tage lang mit einem Probe-Abo streamen. Zum Start des Streamingservice stehen mehr als 500 Filme und 350 Serien zur Verfügung. Gegenüber den USA, in denen Disney Plus mehr als 600 Filme anbietet, steckt das Deutschland Programm von Disney Plus im Test noch etwas zurück. Zu den Serien gehören übrigens auch die Simpsons mit 30 Staffeln und mehr als 650 Folgen!

Besonders freuen dürfen sich übrigens Telekom Magenta-Kunden. Alle Kunden von MagentaMobil, MagentaZuhause und MagentaTV bekommen Disney Plus in den ersten 6 Monaten nämlich ohne Aufpreis. Anschließend erhalten Laufzeitkunden den Streaming-Dienst für 5 Euro statt 6,99 Euro im Monat.

Technische Details von Disney Plus zusammengefasst

  • Das Standard-Abo enthält, ähnlich wie bei Netflix, Ultra HD, HDR und Dolby Atmos.
  • Inhalte können heruntergeladen und im Offline-Modus geschaut werden. Disney verspricht unbegrenzte Downloads auf bis zu 10 Geräte.
  • Mit einem Account können bis zu sieben Profile angelegt und auf bis zu vier Geräten simultan genutzt werden.
  • Pausierte Inhalt können auf einem anderen Gerät weitergeschaut werden.
  • Pro Account lassen sich sieben Profile anlegen.
  • Ein Account lässt sich auf bis zu vier Geräten gleichzeitig nutzen.
  • Auf Disney Plus werden nur Filme erscheinen, die die FSK-Stufe 12 nicht überschreiten. Alle Disney-Inhalte mit einer FSK-16- und FSK-18-Einstufung, wie zum Beispiel Deadpool, werden auf anderen Streaming-Diensten zur Verfügung stehen.
  • Neue Serien erscheinen nicht als komplette Staffel, sondern wöchentlich mit einer neuen Folge.

Familienfreundliches Programm und Extras

Mit immer mehr Streaming-Plattformen, brauchen die Anbieter auch eine gewisse Identität, um sich von den Mitbewerbern zu unterscheiden. Bei Disney liegt diese Identität zu großen Teilen natürlich im großen Marktanteil. Filme die Disney und ihren zugehörigen Studios gehören, werden mit auslaufenden Verträgen nicht mehr auf anderen Plattformen zu finden sein.

Was ebenso auf der Hand liegt, ist die Familienfreundlichkeit – und die hat sich Disney auch auf die Fahne geschrieben. Auf Disney Plus landen nur Inhalte bis maximal FSK12/PG13-Freigabe. Mich selbst schmerzt es etwas, da ich gerne etwas härtere Serien schaue und auch Deadpool sehr gerne mag. Auf der anderen Seite aber verständlich, dass Disney Plus das Familien-Image nach außen zeigt. In den USA landen andere Produktionen daher vermehrt auf dem ebenfalls zu Disney gehörenden Service Hulu.

Derzeit ist Hulu bei uns leider nur unter Nutzung eines VPN möglich. Mit dem Start von Disney Plus dürfte aber auch eine internationale Tür für Hulu öffnen. Gerade da Disney in den USA auch ein Bundle aus Disney, Hulu und dem ebenfalls zu Disney gehörenden Sportnetzwerk ESPN für 12,99 US-Dollar im Monat anbietet.

Punkten kann Disney Plus im Test auch mit dem Angebot von Bonusmaterial. DVDs und Blu-Rays hatten bislang nämlich den Vorteil des Bonusmaterials. Im Gegensatz zur Konkurrenz, gibt es auf Disney Plus zu vielen Filmen auch Bonusmaterial wie Musikvideos, nicht veröffentlichte Szenen und Making Ofs. Ein für mich überraschend konsequenter Schritt für ein Unternehmen, das erst spät selbst im Streaming-Markt mitmischt.

Diese Geräte werden unterstützt

Über folgende Geräte könnt ihr Disney Plus zum Start des Dienstes streamen:

Internetbrowser

Disney Plus unterstützt die meisten gängigen Browser wie zum Beispiel Chrome, Firefox, Edge oder Safari.

Mobilgeräte und Tablets

Sowohl für Android (ab Version 5.0 Lollipop) als auch Apple (ab Version iOS 11.0) gibt es den Dienst als App. 

Smart TVs

Folgende Smart TVs unterstützen aktuell Disney Plus:

  • Android TV-Geräte (ebenfalls ab Version 5.0 Lollipop)
  • LG WebOS Smart TVs  (Modelle ab 2016 / WebOS 3.0)
  • Samsung Tizen Smart TVs (Modelle ab 2016 – Leider keine Orsay-Betriebssysteme oder integrierten Browser)

Spiele-Konsolen

Alle Modelle der Playstation 4 und Xbox One  verfügen über eine App, mit der ihr Disney Plus nutzen könnt. Durch die hohe Abwärtskompatibilität rechnen wir ebenso mit rascher Verfügbarkeit für die kommenden Konsolen Playstation 5 und Xbox Series X.

Amazon FireTV

Sämtliche Geräte der Amazon FireTV-Serie verfügen ebenfalls über eine Disney Plus App.

AppleTV und Apple AirPlay

Apple TV wird sowohl in HD als auch 4K für alle Geräte der 4. Generation mit tvOS 11.0 unterstützt. Mittels AirPlay sind auch Geräte der 3. Generation unterstützt.

Chromebook und Chromecast

Auf dem Chromebook streamt ihr Disney Plus wahlweise mit dem nativen Browser oder der Android-App. Über iOS, Android oder den Google Chrome Browser lässt sich das Programm auch per Chromecast übertragen. Folgende Chromecast-Geräte sind kompatibel:

  • Google Chromecast (Version 1 oder neuer)
  • Google Nest Hub / Nest Hub Max
  • Android TV-Geräte
  • Vizio Smart TVs mit Chromecast

Disney Plus im Test – Fazit

Wie schon in den ersten Abschnitten des Tests zu lesen, hat mich Disney Plus begeistert. Es ist aber vor allem eine emotionale Begeisterung. Im Prinzip ist es derselbe Grund, warum man Kindern LEGO schenkt oder sich noch immer über ein Ü-Ei freuen kann. Disney Plus steckt einfach voller schöner Erinnerungen an die Kindheit. Es ist eine Zeitmaschine die „ältere“ Nutzer wie mich und für Kinder eine sehr sichere Streaming-Welt zum Erkunden.

Wer hingegen mehr an Horror oder blutiger Action interessiert ist, kommt bei Disney Plus weniger auf seine Kosten. Auch ist der Original-Content von Disney Plus noch ganz am Anfang. Die aktuellen Planungen sehen aber einige äußerst spannende Inhalte vor. In wie weit Disney die Serien auch alle fortsetzt ist bislang schwer vorherzusagen. Zumindest für das Zugpferd The Mandalorian ist die 2. Staffel immerhin in trockenen Tüchern.

Trotz der noch überschaubaren Exklusivproduktionen bietet Disney Plus aber schon viel fürs Geld. Für vergleichsweise kleines Geld dürfen bis zu vier Nutzer gleichzeitig ihre Disney-Favoriten streamen mit bis zu 4K und mit uneingeschränkten Downloadmöglichkeiten. Auch die Übersicht der Inhalte hat bei Disney Plus im Test überzeugt. Disney hat eine tolle Basis geschaffen, die aktuell auf in den sozialen Medien für viel Begeisterung sorgt.

Disney Plus lässt sich unter anderem per Fire TV Stick streamen (Provisionslink)


Image by StockPhotoPro via stock.adobe.com

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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