Das Web ist das Cafehaus des 3. Jahrtausends?

Einer vielzitierten Geschichte des Philosphen Habermas nach entstand die moderne Öffentlichkeit in den Caféhäusern des 19. Jahrhunderts. Dort traf sich das Bildungsbürgertum und konnte sich analog dem antiken griechischen Bürgertum eines gewissens Reichtums und der daraus folgenden Muße befleißigen, um in Disputen und Diskussionen aus einer literarischen Kultur eine politische Öffentlichkeit zu entwickeln. Der geneigte Leser erkennt schnell in diesem Gedankengut, dass Habermas keineswegs davon ausging (ausgeht?), dass Öfffentlichkeit eine repräsentative Auswahl an Bevölkerung als notwendige Bedingung braucht. In den „emerging democraties“, die so wenig Unterstützung in ihrem Freiheitswillen erhalten wie Somalia Beachtung für seine Hungernden, wird das historisierte Modell des wenig lebenserfahrenen Habermas auf den Kopf gestellt. Konnte man dem „großen“ Philosophen schon früher vorwerfen, dass Öffentlichkeit kein Begriff ist der in einer ständischen Gesellschaft besonders gut zu verankern ist. Da macht sein Hinweis auf die literarischen Quellen der politischen Öffentlichkeit im psychologisierenden Roman sowie der Belletristik überhaupt die ganze Sache auch nicht besser. Er hatte ein Vorhaben, dass er ex ante in die historischen Fakten hinein gelegt hatte: Die Vernunft muss am Werk sein. Denn er ist Rationalist und kann die Öffentlichkeit nur als Ausfluss der Vernunft begründen. Und so musste er die Balken der Historie zurechtbiegen. Ägypten weist noch weiter in eine ganz andere Richtung…

Würde er aufmerksam die Geschehnisse im Iran, in Tunesien oder in Ägypten beobachten – soweit es die amerikanischen, britischen und katarischen Sender zulassen – dann würde er seine Meinung revidieren müssen. Denn dort ist erkennbar, dass Medien wie das Internet oder früher die Flugblätter nur dazu dienen können, eine Zivilgesellschaft zusammenzuführen. Aktivisten schließen sich via Internet zusammen. Und und diesem Fall sind Aktivisten junge Familien, weibliche und männliche Singles, Großväter und Witwen aus allen Schichten. Habermas könnte erkennen, dass die Schergen des Mubarak auf den bestehenden Verhältnissen als etablierter Struktur aufbauen. Sie sitzen in den modernen Teehäusern und disputieren den Verfall der Sitten bis sie aufgerufen werden, sich für „die gerechte Sache“ einzusetzen. Der Ausdruck der Vernunft liegt – das verklausulieren viele repräsentative Politiker des Westens in diversen vernünftigen Statements – in der Stabilität des verhassten Regimes. Dafür reiten sie dann in die Menge wie die apokalyptischen Reiter…

Es ist erkennbar, dass es keinen herrschaftsfreien Diskurs mehr gibt, wenn die eine „Hälfte“ der Bevölkerung auf den bestehenden Verhältnissen beharrt und der Rest assoziiert wird mit unruhigen oder gar chaotischen Verhältnissen. Der „zwanglose Zwang des besseren Arguments“ könnte aber nach Habermas sowieso nur eingelöst werden, wenn es eine äußere Referenz gibt/gäbe, die darüber entscheiden könnte, welche der Ansichten wahrhaft und richtig seien. Habermas behauptet sogar, dass eine Verbreiterung der Öfffentlichkeit eine Schwächung der kritischen Kraft zu Folge habe und die bürgerliche Öffentlichkeit auflöse. Dass können wir aktuell am Beispiel in Ägypten in keiner Weise erkennen.

Wael Abbas, Journalist und Blogger, ging für seine kritischen Blogeinträge ins Gefängnis, er gilt in Ägypten als Instanz der Bürgerbewegung. Neben den vielen Diskussionen die überall stattfanden, sind es aber solche Stimmen, die die Massen orientieren. Der Grund liegt in der Übereinstimmung von Wort und Tat. Man nennt das Glaubwürdigkeit. Dafür ist das Internet der beste Lackmus-Test: Jeder kann dort vieles schreiben, aber die Leser erkennen an den Taten, wer welche Absichten mit seinem Tun verfolgt. Die Politische Öffentlichkeit entsteht aktuell also nicht im herrschaftsfreien Diskurs unter der Knute des Konsens. Sie versammelt sich rund um glaubwürdige Personen und formiert eigene Ideen rund Leute, die diese besonders nachvollziehbar leben. Das ist keine literarische Quelle (1:n), die sich in Urteilen schult. Hier darf und soll jeder egalitär seine Ideen erzählen, vorleben und von anderen überprüfen lassen. Die Gemeinsamkeiten liegen schon vor jeder Diskussionen offen und unversöhnlich auf dem Tisch des Hauses: Beharrung im Bestehenden oder tabula rasa für neue Konzepte, die sich erst im Laufe der Zeit und der Gedanken- und Meinungsfreiheit kristallisieren. Insofern entsteht politische Öffentlichkeit erst dann, wenn der Wandel der Werte neue Institutionen schaffen darf und soll.

Es ist übrigens kein Zeichen von Demokratienähe, wenn aufgrund möglicher geopolitischer Unwägbarkeiten eine Bürgerbewegung distanziert betrachtet wird, während ihr Gegenüber trotz jahrelanger Folter offen die Sympathien gewählter Volksvertreter entgegen nimmt. So ein Verhalten ist wahrscheinlich sogar ein Grund, Politiker aus dem Kreis überzeugter Demokraten auszuschließen und sie in eine neue Kategorie einzureihen, die ich mal in Anlehnung an Habermas Konsensdemokraten nennen will. Das Tier, dass an dieser Stelle wohnen könnte, wäre mit dem Begriffsfeld Globalisierung von Bürgerbewegungen als Vorstufe einer Demokratie sicher nicht unzufrieden. Die Begleitung solcher Bewegungen könnte dann gemeinsam mit der Arabischen Liga, der EU, NAFTA und den BRIC-Staaten passieren…

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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12 comments

  1. Hallo Herr Wittkewitz,

    Vielleicht lesen Sie 1) nochmal den GANZEN Strukturwandel, dann widmen Sie sich 2) mindestens Faktizität und Geltung und wenn Sie sich für Habermas‘ eigene (eine alte) Position zum Internet interessieren 3) Ach, Europa. Und damit Sie in Zukunft nicht mehr schreiben müssen, als „Rationalist“ könne Habermas die Öffentlichkeit „nur als Ausfluss der Vernunft“ begründen (was immer das heißen mag), lesen Sie noch 4) die Theorie des kommunikativen Handelns, Band 2.

    Das soll nicht heißen, dass vor der Bildung einer Meinung erst die Lektüre einer Bibliothek stehen muss, im Gegenteil:
    Es ist gut, wenn eine anspruchsvolle Theorie auch an praktischen Fragen (einer Revolution z.B.) gemessen wird – passend sollten sie aber schon sein. Schade (bisweilen gefährlich) ist es aber, wenn eine anspruchsvolle Theorie auf so banale Aussagen runtergekocht wird um anschließend für ihre Banalität kritisiert zu werden (siehe z.B. auch Bernd Ullrich in der „Zeit“ vor ein paar Monaten). Das indes wirft dann ein schlechtes Licht auf den Autor, in diesem Falle auf Sie, Herr Wittkewitz.

    Viele Grüße
    Marike

  2. Ja, Marike, das ist natürlich klar, wenn ich ein Buch rezipiere, das schon Dekaden alt ist, dann muss ich wenigstens das gesamte Werk des Autors verinnerlichen um den Gedanken umfänglich würdigen zu können. Holistische Exegese kommt ja vor eigenen Gedanken. Erst nach der Habilitation soll sich der junge Proband eigene Meinungen entwerfen dürfen. Das ist aus Sicht einer akademischen Hühnerleiter sicher sinnvoll. Dabei wäre in diesem Zusammenhang die postnationale Konstellation von 1998 und der gespaltene Westen von vor 6 Jahren fast noch passender. Es ging hier aber vor allem darum, dem ewigen tretmühlenartigen Herunterleiern der mittlerweile fast archetypischen Hinweise auf das Kaffeehaus in den Hintern zu treten, wenn es um das Netz geht. Dabei helfen weder seine Notionen um Deliberation, positives Recht noch um die zweigleisige Demokratie. Es geht schlicht um den Begriff der Öffentlichkeit im Spannungsfeld von Bürgerbewegung und Internet. Und da taugt seine Herleitung eben nur für das Geschichtsbuch nicht aber für ein Beschreiben aktueller Geschehnisse. Es geht hier als weniger um ihn als um 1001 Diplomarbeit, Diss o.ä. die seine hier unpassenden Theorien perpetuieren.

  3. Hallo Jörg, ich habe ja selbst geschrieben, dass Sie nicht erst alles lesen müssen, bevor Sie sich eine Meinung bilden. Aber was Sie öffentlich kritisieren, sollten Sie vorher richtig darstellen und die Theorien am eigenen Anspruch messen und nicht an jenem der 1001 Diplomanden, Promovenden, Professoren oder den eigenen („Beschreiben aktueller Geschehnisse“). Es geht ja im Strukturwandel vor allem um Verfallsgeschichte, als deren Folie lediglich der Aufstieg bürgerlicher Deliberation nachvollzogen wird, (im übrigen später revidiert/relativiert).
    Für das, was Sie beschreiben eignet sich Habermas dennoch vielleicht, aus meiner Sicht aber bestimmt nicht als billiger Aufhänger, den (bzw. deren Rezeption durch andere) man erst mal aus dem Weg räumen muss, um einen klaren Blick auf „neue“ „Öffentlichkeitsphänomene“ werfen zu können. Und doch, da kann Ihnen ein normativ anspruchsvoller Begriff der Deliberation von Nutzen sein, wenn es darum geht zu kritisieren, wie sich Machtasymmetrien in öffentlichen Diskursen spiegeln etc.. Dabei werden Sie vielleicht sogar in der eigenen Szene fündig, denn Artikel von Bloggern, die in den letzten drei Jahren Interessantes über das Unrechtsregime von Mubarak berichtet haben, sind mir nicht gerade ins Auge gesprungen, aber vielleicht war ich auch zu blind. Ich bin gespannt, wie lange das Interesse andauern wird.
    Dass hingegen – wie Sie schreiben – trotz der „geopolitischen Unwägbarkeiten“ in einem Land wie Ägypten offensichtlich so eine Art Revolution stattfindet, sollte doch im habermas’schen Sinne für die Kraft von Diskursen sprechen, die zunächst einmal unverdächtig sind, im Interesse anderer Großmächte gesteuert und manipuliert zu sein. Wenn Sie gegen das Herunterbeten des Caféhausmythos etwas unternehmen wollen, dann – dies war mein Anliegen – nehmen Sie es doch ernst und reproduzieren Sie nicht das, was andere Blogger „perpetuieren“ um es dann mit dem Werk in eins zu setzen und zu verwerfen. Wenn Ihnen das gelänge, dann hätten Sie dem Webjournalismus schon einen großen Dienst erwiesen.
    Viele Grüße Marike

  4. @HansHütt

    Es ist immer wieder spannend, dass es Menschen gibt, die über ihnen völlig fremde Personen Protokollsätze ohne jede Beobachtung verbreiten.

    Das klassische argumentum ad hominem. Zur Auswahl stehen heute:

    A: Ist nur ein Blogger. B: Hat das Buch nicht gelesen. C: Ist eben ein Mann. D: Meine Schwester fand den schon in der Schule blöd.

  5. @Marike

    Die Frage ist ja, ob es schon etwas zu beschreiben gibt. Der schöne Unterschied zwischen Ethnologen und Soziologen ist ja der, das Erstere nur beschreiben und nicht im Beobachten schon eingreifen wie Letztere. Die potentielle Transzendenz in dem Geschehen in Ägypten zeigte sich ja offenbar denjenigen, die vor Ort waren und feststellten, dass es – abgesehen von der Obrigkeit – eine aufgeklärte Diskussion über viele Themen gibt. Im geschützten Kreis traf das ja sogar auch auf die DDR zu. Das einzige, was das Ausbreiten einer reifen Diskussionskultur behindert ist ja nicht der parallele Zwei-Welten-Begriff zivile Öffentlichkeit als Bürgerbewegung hier und repräsentative oder repressive Staatsstruktur dort. Es ist die große Masse, der sogenannten Mitläufer, die Arno Grün so treffend in seinen Büchern beschreibt. Die Macht entsteht demnach erst durch den Gehorsam derjenigen, die sich nicht befleißigen, ein eigenes Selbst aufzubauen. Und wenn sie es tun, dann nur um Anerkennung und Gefallen durch Anpassung und Gehorsam einzufordern. Die Öffentlichkeit entsteht aber erst im Buberschen Zwischen. Leider wollte oder konnte Habermas nie auf die Dialogphilosophie eingehen. Er hätte Buber, Rosenzweig, Lyotard und Levinas Ernst nehmen können. Er hätte auch mal einen Blick Theunissens Habilitaionsschrift werfen können. Aber alles das ist Anhäufen von semantischem Gestein. Im Kern geht es um das was eben standhält und nicht das, was sich im Wind dreht. Da verstehen einige die asiatischen Halme im Wind miß.

  6. Wittkewitz
    „Denn dort ist erkennbar, dass Medien wie das Internet oder früher die Flugblätter nur dazu dienen können, eine Zivilgesellschaft zusammenzuführen.“

    Wenn schon Habermas´Habilitation als Referenz dient, hätte es näher gelegen, sich einige arabische Autoren der letzten Jahrzehnte anzuschauen, Leute wie Rachid Boudjedra, Edmond Amran El Maleh, Kateb Yacine, Naguib Mahfouz, Elias Khoury, Alaa-Al-Aswany – oder Filme von Youssef Chahine, oder den pied noir Autor Jean Sénac, der auch nach der algerischen Unabhängigkeit in Algerien blieb.

    Sie konstituierten eine Öffentlichkeit, die eine Zivilgesellschaft, wenn überhaupt, aus dem Geist der gescheiterten Auflehnung ihrer Protagonisten, ihrer Wut über die geraubte Revolution, konstituierten.

  7. Also, folgendes müssen Wittkewitz und Habermas endlich lesen, oder wenigstens endlich ernst nehmen: Buber, Lyotard, Rosenzweig, Levinas, Theunissen, Boudjedra, El Maleh, Yacine, Mahfouz, Khoury, Alaa-Al-Aswany (danke für die Hinweise, Herr Hütt) – da ist sie ja, die kleine Bibliothek.
    Die arabischen Autoren kenne ich leider auch nicht. Was Lyotard, Buber und Levinas zur „Beschreibung aktueller Geschehnisse“ beitragen können, sehe ich nicht so ganz. Aber „ernst nehmen“ ist ja auch eine Formulierung wie ein asiatischer Halm im Wind – natürlich werden sie alle von Habermas rezipiert. Vielleicht verzichtet man selbst ganz auf die Einbeziehung von anderen Denkern, die einem bei der Erklärung aktueller Geschehnisse intellektuelle Rückendeckung geben, denkt selbst (das war ja auch eine der Ideen des Ursprungstextes) oder gesteht sich ein, dass die Situation schwer zu durchschauen ist und so nicht zu erahnen war. Selbst Bekannte, die meinten, sich mit der ägyptischen Gesellschaft auszukennen, waren sich noch vor einer Woche sicher, die Lage werde stabil bleiben, das Regime sitze fest im Sattel. Nun sieht die Lage anders aus. Dass eine Zivilgesellschaft aus dem Geist der gescheiterten Auflehnung ihrer Protagonisten entstehen kann, erscheint plausibel. Es erinnert an Habermas‘ Beschreibung von Revolutionen als Reaktionen auf eine beleidigte kommunikative Vernunft. Bleibt hier festzuhalten (das war mein Ausgangspunkt), dass es nicht ganz redlich ist, von der „Beschreibung aktueller Geschehnisse“ auf die Fehlerhaftigkeit einer ganzen philosophischen Disziplin zu schließen, mit der man sich nicht auskennt (Öffentlichkeit als Ausfluss von Vernunft). Das ist an sich kein Problem und für Sie auch keine Schande, Herr Wittkewitz, bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Aber es ist die einzige wirkliche Gefahr die ich im Webjournalismus sehe: Dass beim Wechselspiel aus begrüßenswertem Laienjournalismus, aus Rezeption und Reproduktion, etwas auf der Strecke bleibt, nämlich so etwas wie die journalistische „Redlichkeit“, die von der Versuchung bedroht ist, sich durch Zitate, Namedropping etc. ein Pseudofundament zu errichten, das der Schreiberin im Sturm der Beliebigkeit und des Verschwindens im Netznirvana so etwas wie Beständigkeit verleihen kann, eine Seriosität, die vielen Bloggern in den Augen mancher Leute im Vergleich zum Printjournalismus (noch) abgeht.
    Am Ende können vielleicht alle mitreden (auch begrüßenswert), aber auf der Grundlage eines Missverständnisses, so wie Sie es hier reproduzieren (Ihre Tags: Habermas, Internet, Ägypten …).
    In bisschen wie im Caféhaus (sic!), wo alle durcheinander quatschen und am Ende nur an ein oder zwei kluge Beiträge hängen bleiben, da soll doch der eigene auch dabei sein.
    Vielleicht ist Ihnen das auch alles egal, weil ich weiterhin nicht verstehe, worum es hier und worum es Ihnen geht. Aber solange selbst Beiträge zu spannenden politischen Entwicklungen wie jenen in Ägypten und Tunesien vor allem der Selbstbespiegelung von Bloggern dienen, so lange kann dieses Medium die Zeitung, Deutschlandfunk etc. nicht annähernd ersetzen. Da beoachte ich wirklich einen „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ – die Gleichsetzung der Bloggosphäre mit einer neuen kritischen Öffentlichkeit als die Summe aller geposteten Beiträge zu einem Thema. Bloß, dass hier keine Opposition mehr denkbar ist. Mehr dazu lesen Sie z.B. in Hanno Kestings Habilitationsschrift, die leider nicht so leicht zu bekommen ist. Viele Grüße!

    1. Liebe Marike Carriere (die Schauspielerin heißt übrigens Mareike),

      Also im Web beginnt das ernstnehmen damit, dass man mit seinem realen Klarnamen Beiträge kommentiert. Wer das nicht tut, der kann sich sicher sein, dass seinen Kommentaren immer ein Ans-Bein-pissen unterstellt wird, ohne den Ursprungsbeitrag überhaupt zu verstehen. Glücklicherweise haben sie das hier dargelegt, dass sie meinen Text nicht verstehen, aber Habermas gegen meine Sätze in Schutz nehmen müssen. Der Harnisch der Moral ist toll, ob Habermas das aber braucht, lasse ich dahingestellt sein. Diskurs ohne offenes Visier ist kaum sinnvoll.

      Dass meine Ansichten über die Rezeption von Habermas Erklärung des Ursprungs der Öffentlichkeit angesichts der Hunger-Revolutionen in Nordafrika nicht ihren Beifall finden ist wohl aktuell das Einzige, was ich neben all den seltsamen Appellen mitnehmen kann. Es ist übrigens seltsam, dass Sie mir niedere profilneurotische Beweggründe unterstellen und dabei wieder den alten Vergleich der defizienten Blogger mit den Qualitätsmedien aus dem Hut zaubern. Mit Schmunzeln kann ich gern zugeben, dass ich auch für das Deutschlandradio arbeite. Es ist nicht immer alles zu schwarz/weiß wie es für einen amtlichen Konsensdenker erstrebenswert ist.

  8. Hallo Herr Wittkewitz, bitte entschuldigen Sie, ich habe Ihnen weder eine Profilneurose unterstellt, noch ans Bein pissen wollen; ich habe Ihren Beitrag verstanden, nur nicht seinen Zweck – den haben Sie in ihrem zweiten Beitrag ja erläutert haben. Mit dem offenen Visier haben Sie natürlich Recht. Ich finde es auch nicht richtig, unter Pseudonym (ich kenne die Schauspielerin nicht) zu pöbeln, deswegen habe ich das auch nicht getan. Es tut mir leid, wenn Sie das so aufgefasst haben; schön, dass Sie trotzdem schmunzeln können. Wenn Sie unseren „Disput“ einfach als Meinungsverschiedenheit verstehen, dann gibt es auch keinen Widerspruch zwischen Ihrer Arbeit für Deutschlandradio und Ihrem Beitrag hier, um den es ging – nicht um Sie als Person. Dass ich beide ernst nehme (und auch die Bedeutung von Philosophie für das Verständnis politischer Entwicklungen), sehen Sie daran, dass ich mir Zeit nehme und Gedanken mache, dazu etwas zu schreiben, gerade nicht polemisch.
    Ich habe lange in mehreren arabischen Ländern gearbeitet und weiß, dass schwarz-weiß-Konsensdenken hier nicht weiter führt, vielleicht kann das ja der Ausgangpunkt für weitere, konstruktivere Auseinandersetzungen sein. Viele Grüße!

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