Weltweit vertreten: Business Insider schafft Zweigstellen für Redaktionen

Mit der aktuellen Markteinführung von Standorten in Polen und Skandinavien hat die Firma nun zehn internationale Ausgaben. Eine französische Version wird später in diesem Jahr lanciert. Außerdem war Business Insider mit knapp einem Dutzend anderer Märkte im Gespräch, einschließlich der Niederlande, wie mir Roddy Salazar, stellvertretender Leiter des Magazins, mitteilte. „Die Axel Springer-Übernahme hat neue Wege eröffnet. Wir führen viele weitere Gespräche”, sagt Salazar, der vorher für die nordamerikanische Lizensierung und Synchronisierung der New York Times verantwortlich war. Im Februar ist er zum Business Insider dazugestoßen, um die Expansionen in Übersee zu beaufsichtigen. Seite Aufgaben reichten von der Verhandlung der Lizenzverträge bis hin zur Überwachung des Fortschrittes dieser lokalen Ausgaben.

Seit wir neue Märkte bespielen und besonders seit der Übernahme erkennen wir, dass viel mehr potenzielle Partner an uns herantreten. Dies ermöglicht uns, mehr zu verhandeln und ein besseres Gespür für Informationen vor Ort und Daten darüber zu bekommen, wie eine Ausgabe von Business Insider innerhalb dieser Märkte abschneiden könnte.

Axel Springer hat die Firma im vergangenen Herbst für 343 Millionen US-Dollar übernommen. Die neue Beteiligung hat sich als Segen für die Personalbesetzung der neuen internationalen Ausgaben erwiesen. Obwohl gerade erst veröffentlicht, wurde beispielsweise die polnische Ausgabe des Business Insider mit seinen etwa 15 Arbeitnehmern – bestehend aus Angestellten, die für Business Insider und für Grupa Onet.pl, einem Online-Portal im Besitz von Axel Springer, zuständig sind – augenblicklich zu einem seiner größten Auslandsauftritte. Es ist ein Modell, das ebenfalls vor kurzem in Deutschland angewandt wurde. Die deutschsprachige Seite wird in Zusammenarbeit mit der Finanz-Seite „Finanzen”, die zu Axel Springer gehört, von der ehemaligen Bild-Herausgeberin Christin Martens gemeinsam mit einigen engagierten Business Insider-Miatarbeitern und Mitarbeitern von Axel Springer betrieben. (Lediglich die Ausgaben aus den USA und Großbritannien werden eigens betrieben, andere internationale Ausgaben werden lizensiert.) Auf redaktioneller Ebene haben neue internationale Ausgaben, die lanciert werden, Zugang zum ursprünglichen Inhalt von Business Insider und werden in der Lizensierung unterstützt. Es findet ein Training bezüglich Analysen und SEO statt, außerdem gibt es Hilfen im Bereich der Sozialen Medien, sei es Facebook, Twitter oder eine andere Plattform, die in dem jeweiligen Land dominiert. „Das Übersetzungsproblem ist immer noch etwas, an dem wir arbeiten“, sagt Salazar. Viele der internationalen Ausgaben veröffentlichen immer noch lediglich in englischer Sprache (wie auch neue skandinavische Ausgabe), daher ist der Austausch von Inhalten recht einfach durchzuführen. Um die wirtschaftliche Seite der internationalen Expansion bewältigen zu können, hat Business Insider einen Partner-Manager eingestellt, welcher sich komplett der Unterstützung der internationalen Ausgaben bezüglich Themen außerhalb der Redaktion widmet. Im Vorfeld jeder Markteinführung wird ein Redakteur in das jeweilige Land geschickt, um dabei beratend zur Seite zu stehen und den „richtigen Stil und die passende Tonalität” zu treffen. „Wir haben Redakteure zu der lokalen Nachrichtenzentrale geschickt, sie stehen in Kontakt mit dieser Ausgabe. Sie liegt ihnen wirklich am Herzen“, sagt Salazar. „Als wir eine Redakteurin vor der Markteinführung in Polen von New York nach Polen schickten, berichtete sie von angenehmen Erfahrungen. Als sie zurückkam, fühlte sie sich in den Erfolg der Ausgabe eingebunden.” Für die polnische Ausgabe von Business Insider bestand ursprünglich eine Zusammenarbeit mit Agora, die Gazeta Wyborcza und Gazeta.pl veröffentlichen. Nachdem jedoch Axel Springer den Onlinedienst übernommen hatte, verschob sich die Partnerschaft zu Onet, der populärsten Online-Nachrichtenquelle in Polen, die Axel Springer besitzt. Agora für seinen Teil hat sich mit seinem eigenen Online-Business-Portal, Next.gazeta.pl, weiterentwickelt. Dieses zielt auf ein jüngeres Online-Publikum ab, da es bereits einiges an vorausgehender Recherche betrieben und mit der Bildung einer Gruppe begonnen hat. „Axel Springer hält die Mehrheit an den Besitzen von Onet, also ist es für uns sinnvoll, Material von Axel Springer auf diese Weise zu betrachten – besonders wenn sie bereits eine große Präsenz in diesem Markt innehaben“, sagt Salazar. „Sie haben weitreichende Möglichkeiten im polnischen Markt – hier gab es nichts Vergleichbares mit Business Insider. Sie wollen sich dieser Beziehung wirklich annähern und die Markteinführung auf aggressive Weise einführen. Sie glauben, dass es eine große Nachfrage für die Inhalte von Business Insider gibt. Und das ist einer der Hauptgründe für ihr Investment in das Wachstum eines Standortes und einer Marke in Polen.“ „Auf internationaler Ebene schauen wir bei einer Partnerschaft mit allen lokalen Medien genau hin“, meint Salazar. „Aber welche sind die richtigen Märkte für Business Insider, um in diesen aktiv zu werden, jenseits von den Ländern in denen Axel Springer einen großen Fußabdruck hat? Selbstverständlich berücksichtigen wir die Online-Durchdringung und auch die Durchdringung der Sozialen Medien in jedem dieser Märkte. Hier finden sich sind weiteren Aspekte dessen, was wir berücksichtigt haben“, fügt er hinzu.

„Wir würden gerne ein Minimum des Traffics sehen, der bereits bei einer amerikanischen Seite existiert. Das ist eine maßgebliche Angabe. Wir haben tatsächlich ein recht erhebliches und wachsendes globales Publikum und wir haben ein starkes internationales Wachstum für die Inhalte, die Business Insider produziert, festgestellt.

Über ein Drittel des Traffics der amerikanischen Business Insider-Seite kommt von außerhalb den USA und ist weltweit ziemlich bunt verteilt. Nach einer neuen internationalen Markteinführung einer Ausgabe vervierfacht sich der Traffic dieses Landes auf Businessinsider.com annähernd, „verglichen mit dem, was wir beim organischen Wachstum gesehen haben“, so Salazar. Für die amerikanische Seite hat der Dienst comScore plattformübergreifend einen Traffic von 44 Millionen Besuchern im Monat Mai verzeichnet. Damit efindet sich der Dienst zwar hinter Forbes und Yahoo Finance, kann aber einen 12prozentigen Anstieg seit Mai vorweisen. Im Januar schickte Mitgründer Henry Blodget ein Memo an die Arbeiter, das laut CNN Money das ehrgeizige Ziel von einer Milliarde Besuchern im Monatsdurchschnitt auf allen Business Insider-Seiten und Verteilerdiensten angab. Dies zitierten anonyme ehemalige Angestellte, die ebenfalls den Druck auf Autoren beschrieben, mehr mit Blick auf den Traffic zu veröffentlichen: „Wenn sie am Tag fünf Beitrage geschrieben haben, erinnerte sich ein ehemaliger Angestellter, hat Blodget sie dazu gedrängt, noch einen sechsten zu schreiben.“ Diese internationalen Ausgaben zusammen mit Tech Insider und einer neuen Lifestyle-Seite werden maßgeblich zum Wachstum des Traffics beitragen. Das Wachstum des Traffics in den USA ist für viele digitale Verleger wesentlich zurückgegangen. Wie genau jede neue Seite basierend auf ihrem Fortschritt beurteilt wird, soll laut Salazar noch verfeinert werden. Aber, so heißt es, „wir arbeiten an den Zahlen, die weltweit geteilt werden und die den Erfolg der einzelnen Ausgaben bestimmen werden. Eine davon ist der Traffic. Dieser wird aufgegliedert nach Einzelbesuchern, Seitenaufrufen und Eindrücken. Eine weitere ist die Monetarisierung: Man muss den Umsatz verfolgen, um zu sehen, in welchem Bereich die jeweilige Ausgabe erfolgreich sein könnte. Das wird dann auf unseren Seiten geteilt. Idealerweise würden wir gerne ein Szenario miterleben, bei dem die weltweiten Ausgaben Inhalte produzieren, die auf allen Seiten geteilt werden und dadurch auf effektive Weise eine 24-Stunden-Nachrichtenzentrale aufzubauen.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Globes” by Jayel Aheram (CC BY 2.0)


Shan Wang

ist Redakteurin des NiemanLab. Vorher arbeitete sie in der Redaktion der Harvard University Press und berichtete für Boston.com und das New England Center for Investigative Reporting.


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