Apple Watch (Bildquelle: Julian Hecks ursprünglicher Post)

Apple Watch: Ohne Wow-Effekt ein Verkaufsschlager

Die neue Smartwatch aus dem Hause Apple ist da. Sie kann sich zwar durchaus sehen lassen, aber eine Sensation ist die Apple Watch nicht wirklich. // von Julian Heck

Apple Watch (Bildquelle: Julian Hecks ursprünglicher Post)

Die wochenlangen Spekulationen sind endlich vorbei. „One more thing„: Apple hat seine Smartwatch, die unerwartet Apple Watch und nicht iWatch heißt, mit dem neuen iPhone 6 bzw. 6 Plus vorgestellt.

Die Eckdaten: Sie ist nicht rund, in mehreren Versionen erhältlich, funktioniert aufgrund fehlendem 3G-Modul quasi nur in Verbindung mit dem iPhone und besitzt ein Drehrad – die sogenannte „Krone“ – am Gehäuse. Diese „Krone“ kann ergänzend zum Touchscreen genutzt werden und soll eine sinnvolle Alternative hierfür darstellen. Gar nicht mal so dumm im Hinblick auf das kleine Display, auf dem man ansonsten auch noch herumwischen muss. Das Drehrad am Gehäuse soll aber auch eines der wenigen Alleinstellungsmerkmale bleiben. Denn insgesamt hat Apple mit der Apple Watch keine Innovation, sondern höchstens eine Evolution präsentiert.

Der Schwerpunkt bei der Nutzung liegt erwartungsgemäß auf den Bereich Fitness und Gesundheit, weshalb die Apple Watch unter anderem einen Pulsmesser besitzt. Dass das nicht mal so nebenbei erwähnt werden sollte, zeigt sich an den derzeitigen Diskussionen über Apples Umgang mit den gesammelten Gesundheitsdaten. Diese sind nämlich neben den Einnahmen durch die Watch der eigentliche Gewinn. Der Konzern erhält Informationen über Aktivitäten, Orte und Gesundheitsbewusstsein – ein nicht zu unterschätzendes Potential.

Ähnlich sieht es beim ebenfalls frisch vorgestellten Mobile-Payment-System Apple Pay aus. Jenes ist nämlich auch mit der Apple Watch nutzbar. Die Nahfeldkommunikationstechnologie NFC ermöglicht das unkomplizierte Zahlen mit dem technischen Schmuckstück am Handgelenk. Dass das – allerdings derzeit nur in den USA – möglich ist, ist wahrscheinlich die wahre Innovation der Smartwatch aus dem Hause Apple. Apple Pay und das clever durchdachte Drehrad sind Merkmale, die das Produkt von den Konkurrenzmodellen deutlich abheben – und zwar positiv. Im Großen und Ganzen kann an der Apple Watch nicht viel herumkritisiert werden, sodass man sagen kann: Der Eintritt in den Wearables-Markt ist durchaus gelungen.

Zu meckern gibt es natürlich dennoch etwas: Zum einen scheint die Akkulaufzeit nicht mehr als einen Tag zu betragen. Das könnte für einige Kaufinteressenten ein K.O.-Kriterium sein. Wer will schon jeden Abend zu seinem Smartphone und Tablet auch noch seine Uhr aufladen? Zum anderen macht die Uhr zwar einen edlen Eindruck (mit einem Einstiegspreis von 349 Dollar ist sie aber auch kein Schnäppchen), aber wie die meisten Konkurrenten ist auch sie ein wuchtiges Gerät, das man tragen wollen muss.

Dass Apple sein Produkt schon jetzt präsentiert hat, obwohl es erst im Frühjahr 2015 erhältlich sein soll, dürfte im Übrigen eine strategische Entscheidung gewesen sein. Samsung, Sony, LG und Co. sind nämlich schon mit mindestens einer Smartwatch auf dem Markt vertreten. Der Druck auf Apple ist die letzten Wochen spürbar gewachsen und die Angst, dass Technik-Begeisterte irgendwann zu einem Konkurrenzprodukt greifen könnten, ist für Apple sicherlich zu groß geworden.

Jetzt kennen wir das Gerät und müssen uns noch einige Monate gedulden. Wenn Samsung in dem Produktionstempo weitermacht, dürften wir in der Zwischenzeit schon wieder ein oder zwei weiterentwickelte Modelle mit der Apple Watch vergleichen können.

Dieser Artikel ist ein Ergebnis der Kooperation von Netzpiloten.de mit dem Branchendienst Techletter, der auch Newsletter zu den Themengebieten Smart Home, Wearables und Connected Car anbietet.


Teaser & Image from Julian Heck’s original post


Julian Heck

ist freier Journalist, Dozent und Lehrbeauftragter an der Hochschule Darmstadt. Er schreibt über die Themen Medien, Technik und digitale Wirtschaft. Zu seinen Auftraggebern gehören unter anderem etailment.de, LEAD digital, Mobilbranche, das Medium Magazin, MobileGeeks.de und die Friedrich-Ebert-Stiftung. Vom Medium Magazin wurde der Südhesse 2013 unter die "Top 30 bis 30" Nachwuchsjournalisten gewählt. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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