Die unendlichen Weiten der Virtual Reality

In der letzten Woche habe ich den Sportpark Gelsenkirchen besucht, um deren neueste Attraktion, die Virtual Reality World, auszutesten. Nachdem ich mich vergangene Woche bereits über VR informiert und einen Vorbericht verfasst hatte, war ich schon neugierig, was das für ein Erlebnis, mein erster richtiger Kontakt mit Virtual Reality, sein würde.

Was von außen zunächst einen recht uncharmanten Eindruck machte, war von innen umso behaglicher: Wir wurden freundlich von den Mitarbeitern empfangen, bekamen Getränke und einen Interviewpartner zur Verfügung gestellt: Andre, der VR Spezialist des Sportparks, beantwortete nicht nur geduldig all meine Fragen, sondern zeigte uns hinterher auch noch mehrere VR-Spiele, die der Sportpark im Repertoire hat.

Software und Hardware

„Die VR World haben wir hier seit drei, vier Monaten. Einer der Geschäftsführer hat einen Bekannten, der bei den VR Nerds in Hamburg ist. Von denen wurde uns ein Spiel zur Verfügung gestellt, in dem man virtuell auf Käfer schießen kann“, erklärt Andre. „Wir haben aber auch ein paar Ideen mit eingebracht: Es war uns wichtig, dass das Spiel nicht zu brutal ist. Schließlich soll es mehreren Altersklassen gerecht werden. Motion Sickness wollten wir auch ausschließen. Das bedeutet, dass sich zwar die Umgebung bewegt, man selbst aber nicht. Davon kann manchen Leuten nämlich übel werden.“

Die VR World bietet mehrere Spiele an: Neben Debugging kann man auch Fruit Ninja, virtuelles Bogenschießen, Jobsimulator und Tilt Brush ausprobieren. Die Spiele an sich kosten nicht viel: für Privatleute ca. 30 Euro.

Die VR Nerds haben den Mitarbeitern des Sportparks als Headset die HTC Vive empfohlen: „Die Brille sitzt einfach besser. Wir haben auch die Oculus Rift ausprobiert, die hat integrierte Kopfhörer. Es ist aber angenehmer, nochmal extra Kopfhörer zu tragen“, findet Andre. Der Nachteil an der HTC Vive: sie ist teurer.

Neben der teuren Brille wird aber noch mehr Equipment benötigt, um in die virtuelle Realität eintauchen zu können: Ein leistungsfähiger Rechner mit einer guten Grafikkarte und idealerweise noch ausreichend Platz: „Es werden fünf x fünf Meter empfohlen, damit man nirgendwo anstößt“, so Andre.

Debugging und Tilt Brush

Und dann konnten wir endlich anfangen zu spielen! Nachdem Andre uns eine kurze Einweisung gegeben hatte, konnten wir mit dem Spiel Debugging beginnen. Das sah für uns in etwa so aus:

Einfach aufregend! Das einzige, das einen davon abhält, zu denken, man würde wirklich von den Käfern angegriffen werden, ist das Wissen, dass das in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Die Länge eines Spiels – zwölf Minuten – ist daher völlig ausreichend. Für die, die etwas zart besaiteter oder einfach keine Freunde von Action sind, hat der Sportpark Gelsenkirchen aber auch etwas zu bieten, nämlich Tilt Brush:

Spaß ist kein Ausdruck für das, was ich empfunden habe. Pure Euphorie würde es eher treffen. Die Möglichkeiten sind unendlich: Aus dem Nichts kann man einfach alles erschaffen. Diese Erfahrung – nicht nur Tilt Brush, sondern allgemein Virtual Reality zu erleben – möchte ich jedem raten.

Allerdings wird empfohlen, Virtual Reality nicht Kinder unter zwölf Jahren spielen zu lassen: „Das Medium ist so intensiv, dass wir in Zukunft wahrscheinlich ein neues System für Altersfreigaben brauchen, um unsere Kunden besser auf die Inhalte, die sie erwarten, vorzubereiten“, sagt Shuhei Yoshida, Manager von Sony.

Ein Blick in die Zukunft

„Das einzige, das wirklich stört, sind die Kabel an der Brille“, antwortet Andre auf meine Frage, welche Verbesserungsvorschläge er für die VR World hätte. „HTC hat zwar bereits ein Update, das das kabellose Spielen ermöglicht, aber das ist natürlich teuer und noch nicht ganz ausgereift. Alles, was kabellos ist, ist leider auch störanfälliger.“

Aber in Zukunft soll es auch in ganz anderen Bereichen vielseitige Möglichkeiten geben, Virtual Reality zu nutzen: Im Journalismus könnte den Menschen durch VR ein Eindruck vermittelt werden, der persönlicher und näher an der Realität ist, als Texte, Bilder oder auch Videos es könnten. Auch viele Filmemacher experimentieren bereits seit einiger Zeit mit der neuen Technologie. Marketingfachleute haben Virtual Reality auch schon für sich entdeckt: VR ist eine Technologie, mit der man Aufmerksamkeit erzeugen und eindringliche, emotionale Erlebnisse vermitteln kann. In der Medizin kann Virtual Reality zum Zweck der Weiterbildung, der Diagnostik oder der Vorbereitung eines Eingriffs dienen und im Bereich der Bildung gibt es auch so einige Einsatzmöglichkeiten: unter anderem wird VR in diesem Bereich zur Inklusion genutzt, aber auch zu einem nachhaltigeren Lernen.

Ein subjektives Fazit

Auf meine im Vorbericht gestellte Frage kann ich getrost antworten: Auf gar keinen Fall ist dies nur ein Hype. Wer das sagt, hat sicher auch damals „diesem Internet“ keine großen Erfolgschancen prognostiziert. Next Big Thing? – Gut möglich! Die Wortkombination „großes Potenzial“ kommt mir in diesem Zusammenhang als nur oberflächlich über die Möglichkeiten der VR informierte Person jedenfalls immer wieder in den Sinn.


Image „HTC Vive SP Gelsenkirchen“ by Charlotte Diekmann


 

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Charlotte Diekmann

Charlotte Diekmann

kommt aus Münster und studiert Angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaft an der TU Ilmenau. Sie hat ein Praktikum in der Netzpiloten-Redaktion absolviert.

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