Twitter nimmt das Update des Blockiersystems zurück

Mit dem letzten Update seiner Apps hat Twitter auch das Blockiersystem erneuert, doch was für mehr Harmonie sorgen sollte, erregte nur viel Kritik – jetzt rudert Twitter zurück. Um die Schattenseite der Online-Kommunikation in den Griff zu bekommen, aktualisierte Twitter gestern das eigene Blockiersystem. Neu war jetzt, dass zwar Mitglieder des sozialen Netzwerks andere Nutzer weiterhin blockieren konnten, die aber weiterhin in der Lage waren, die Tweets der sie blockierenden Menschen mitzulesen. Kritiker wiesen daraufhin, dass dadurch Beleidigungen und Schikanen weiterhin möglich wären. Innerhalb von vier Stunden war der Druck der Proteste im Internet so groß, dass Twitter das Feature wieder zurücknahm.

In dieser Woche hat Twitter seinen Apps neue Features verpasst, wie z.B. die Möglichkeit, Fotos in Direktnachrichten zu senden. Gestern aktualisierte der Microblogging-Dienst sein Blockiersystem, mit dem Nutzer bestimmen konnten, wer einem folgen konnte und wer nicht. Angemeldeten Nutzern war es dann nicht mehr möglich, die öffentlichen und nicht-öffentlichen Tweets anderer Nutzer zu lesen. Das neue Blockiersystem änderte das, wodurch blockierte Nutzer zwar weiterhin nicht mehr die Möglichkeit hatten, die sie blockierenden Personen anzuschreiben, aber weiterhin deren Timeline lesen konnten.

In einem Blogeintrag beschäftigte sich die Twitter-Nutzerin Tofutastisch mit dem Update, erklärte die neue Funktionsweise und schilderte die Auswirkungen: „Die neue “Block”funktion (die eigentlich nur noch eine Mutefunktion ist), vereinfacht Harassment enorm„. Harassment – auf Deutsch im weitesten Sinne mit Belästigung zu übersetzen – ist die nachhaltige Auseinandersetzung mit einer Person, die dieses Verhalten als beeinträchtigend oder schädigend wahrnimmt. Auf Twitter sind das zum Beispiel ständige Tweets an eine Person, in der diese beleidigt oder bedroht wird. Besonders twitternde Frauen, die sich mit feministischen Themen auseinandersetzen, sind häufig Ziel von belästigenden Attacken. Die Möglichkeit des Blockierens und sich damit halbwegs den mitlesenden Augen der Angreifer zu entziehen, war zumindest ein Weg, sich im Ansatz dagegen zu wehren.

Mit dem neuen Feature „müssen sie sich aber keinerlei Mühe mehr geben, um das zu tun. Anstatt Twitter sicherer zu machen, greift Twitter Täter_innen unter die Arme und erschwert es Betroffenen, sich zu schützen„, wie Tofutastisch schreibt. „Die einzige Möglichkeit, unerwünschte Leute nicht folgen zu lassen, ist jetzt, den Account auf protected zu stellen. Für Menschen, die über Diskriminierungserfahrungen twittern, sich dabei vernetzen und Leute erreichen wollen, gibt es jetzt nur noch die Optionen, ihre Reichweite einzuschränken, oder einen Account zu haben, dem sämtliche Creeps und Harrasser folgen können„. Mit ihrer Kritik war sie aber nicht allein, denn weltweit beschwerten sich Mitglieder des sozialen Netzwerks über diese Verschlechterung.

Innerhalb von vier Stunden nahm Twitter das Update wieder zurück und verkündete noch in der Nacht (UTC), dass die Proteste im Internet, besonders auf Twitter, sie zum Umdenken bewogen haben. „Wir haben uns nach Rückmeldung von vielen Nutzern entschieden, die Neuerung rückgängig zu machen. Wir wollen keine Änderungen einführen, die auf Kosten des Sicherheitsgefühls unserer Nutzer gehen“, schreibt Product-VP Michael Sippey auf dem Unternehmensblog von Twitter. Die Idee, über Grenzen hinweg zu kommunizieren und zu vernetzen, darf laut Twitter nicht auf Kosten der Sicherheit erfolgen. Ideal war und ist das Blockiersystem zwar immer noch nicht, der Protest der Community hat aber eine schlimmeren Nutzungsstandard verhindert.


Image (adapted) „twitter“ by hankenstein (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , , , ,