Twitter und Instagram reagieren mit Updates auf Snapchat

Der Dienst Snapchat ist einer der erfolgreichsten neuen Messenger-Dienste der letzten Zeit und macht anderen Diensten ganz schön das Leben schwer. Sogar Twitter und Instagram – eigentlich keine Messenger-Dienste – reichen in ihren letzten Updates nun eine Snapchat-ähnliche Funktion nach, nämlich den privaten Versand von Fotos. Dies wird allerdings nur wenige Snapchat-Nutzer zu einem Wechsel bewegen können.

Twitter ist bekanntlich ein Mitteilungs-Kanal, bei dem die Kommunikation öffentlich in 140 Zeichen stattfindet. Ausnahmen sind gelockte Nutzerkonten, deren Inhalt nur von Followern gelesen werden kann und Direktnachrichten. Letztere haben bisher nur eine sehr untergeordnete Rolle im Twitter-Universum gespielt – mit dem letzten Update bekommt dieses Feature allerdings eine deutlich wichtigere Position zugeteilt. Fotos lassen sich nun direkt per Direktnachricht verschicken. Bisher wurde beim Versenden eines Fotos per DM lediglich ein Twitpic-Link erstellt, der sich nur im Browser öffnen ließ. Nun lassen sich die Bilder auch direkt in den mobilen Apps betrachten. Dadurch verstärkt Twitter zum einen die Bemühungen, ein deutlich allumfassenderer Kommunikationskanal zu werden und zum anderen soll auf diesem Weg Snapchat ein wenig Wind aus den Segeln genommen werden.

Der Fotofilter-Dienst Instagram geht mit dem letzten Update einen ganz ähnlichen Weg wie Twitter. Bisher waren alle bei Instagram geposteten Fotos automatisch öffentlich, mit dem gerade eingeführten Instagram Direct lassen sich Fotos und kurze Videobotschaften nun auch an der Öffentlichkeit vorbei Fotos an seine Kontakte schicken. Dies ist aber nicht nur zwischen zwei, sondern in Gruppen bis zu 15 Nutzern möglich.

Introducing Instagram Direct from Instagram on Vimeo.

Twitter und Instagram haben sich zwar mit der Einführung dieser Features deutlich an Snapchat orientiert, wirklich gefährlich dürften sie dem Dienst dadurch aber nicht werden. Snapchat erfüllt einen ganz anderen Zweck, als Instagram und Twitter. Bei Snapchat geht es darum mehr oder weniger bedeutungslose Bilder, die sich wenige Sekunden nach dem Öffnen selbst zerstören und die teilweise durch eigene Malereien ergänzt wurden, an seine Freunde zu schicken. Dieser Wegwerfcharakter der Nachrichten zeigt auch gleich, wie wichtig diese letztendlich sind – es geht um den schnellen Spaß, nicht mehr. Instagram und Twitter sind dagegen ernsthaftere (na gut, auch nicht immer) Plattformen, und deutlich mehr darauf ausgelegt, dass die Nachrichten und Bilder auch über lange Zeiträume hinweg archiviert und einsehbar sind.

Durch das Hinzufügen ähnlicher Features werden Twitter und Instagram wohl kaum in der Lage sein, viele Nutzer von Snapchat abzuziehen. Es wird dem eigenen Nutzerstamm höchstens ein Anreiz für die Nutzung von Snapchat genommen.


Image (adapted) “Instagram and ohter Social Media Apps“ by Jason A. Howie (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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