Das Light Phone von Joe Hollier und Kaiwei Tang

Light Phone: Einfach schön, schön einfach

Das Light Phone kann genau eine einzige Sache: telefonieren. Die ständige Erreichbarkeit werde auf ein Minimum, Telefonanrufe, heruntergefahren. Ganz aufgegeben wird sie nicht. Ein zusätzliches Gerät also, das den Alltag analoger machen soll: Kann die Idee aufgehen? // von Angela Gruber

Das Light Phone von Joe Hollier und Kaiwei Tang

Ein entspannter Alltag fernab von E-Mail-Plings, WhatsApp-Benachrichtigungen und Facebook-Nachrichten: Das versprechen die Macher des Light Phone ihren Kunden. Das Light Phone ist ein etwa visitenkartengroßes Gerät, das nur eine App installiert hat. Mit dieser App lässt sich eine Rufumleitung vom eigentlichen Smartphone des Nutzers zum Light Phone einrichten.

Damit können über das Light Phone Anrufe empfangen werden und über eine eingerichtete Kurzwahl Personen angerufen werden. Und sonst nichts. Das Gerät soll eine Akkulaufzeit von 20 Stunden haben und sei „designt, um so wenig wie möglich benutzt zu werden„, so die Macher Joe Hollier und Kaiwei Tang auf Kickstarter.

200.000 US-Dollar wollten die beiden eintreiben – und haben ihr Ziel schon einen Monat vor Ablauf der Frist mit rund 260.000 US-Dollar deutlich übertroffen. Es scheint also eine Nachfrage zu geben.

Laut dem Zeitplan, den die Entwickler auf Kickstarter veröffentlicht haben, sollen die ersten Light Phones im Sommer 2016 ausgeliefert werden können. Sie kosten 100 US-Dollar. Nicht gerade wenig, wenn man das Light Phone mit der Konkurrenz vergleicht.

Aber: Gutes Design hat seinen Preis und schon Apple hat bewiesen, dass sich dafür höhere Preise verlangen lassen als für ähnliche Technik in hässlicher Hülle. Und schön ist es, das Light Phone. Es ist in etwa so groß wie eine Visitenkarte und nicht viel dicker, lässt sich also problemlos im Geldbeutelfach verstauen. Das ganz in weiß gehaltene Gerät mit einer Hülle aus dem 3D-Drucker erinnert ein bisschen an einen kleinen Taschenrechner, in schön.

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Das weiß erleuchtete Ziffernblatt nimmt einen Großteil der Vorderseite ein, ein Display, wie man es von heutigen Smartphones kennt, gibt es nicht. Das Light Phone soll unabhängig vom eigenen Mobilfunkanbieter arbeiten und hat eine eigene SIM-Karte und eigene Nummer. Wie gut der Empfang sein wird mit dem Light Phone und wie das Prepaid-Modell etwa hier in Deutschland funktionieren soll, bleibt offen.

Dass ein neues technischen Gerät für einen Alltag sorgen soll, der weniger von digitaler Technik bestimmt ist, ist auf den ersten Blick ein Paradox.

Die Macher gehen aber zumindest von der realistischen Annahme aus, dass viele Menschen nicht so weit gehen werden, ihr Smartphone gänzlich aufzugeben. Deshalb wollen sie mit dem Light Phone eine Ergänzung bauen. Das Light Phone soll es den Besitzern leichter machen, das Smartphone auch mal für einen Abend daheim zu lassen – ohne das Gefühl zu haben, in einem Notfall nicht erreichbar zu sein oder nicht telefonieren zu können.

Der Wille zum Verzicht aber muss da sein, sonst wird die Idee ad absurdum geführt.

Letzlich könnte ein sinnvoller Einsatz des Light Phones vielleicht viel pragmatischer aussehen: Das Light Phone wird ein billiges Ersatzgerät, das man auch auf ein Festival oder zum Mountainbiken mitnehmen kann, während das teure Smartphone daheim bleibt.

Für diese Zwecke hätten zwar die meisten noch einen funktionsfähigen Handy-Knochen aus früheren Zeiten in irgendeiner Schublade schlummern. Aber so schön wie das Light Phone ist der dann bestimmt nicht.


Teaser & Image by Light Phone


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Angela Gruber

Angela Gruber

ist freie Journalistin und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München ausgebildet. Auslandsaufenthalte in Israel und Washington, DC. In ihrer Arbeit geht es meistens ums Netz - egal ob für Zeit Online, den Tagesspiegel oder den Elektrischen Reporter. Sie bloggt unter netzkolumnistin.de und ist als @netzkolumnistin auf Twitter unterwegs.

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