Honor 8 Pro: Das unerwartete Flaggschiff im Test

Kurz nach der Vorstellung des Samsung Galaxy S8 hat die Huawei-Tochter Honor ein Smartphone präsentiert, das auf den ersten Blick so gar nicht zur Marke passt. Während Honor bisher für Geräte im unteren und mittlerem Regal stand, greift die Marke jetzt nach ganz oben. Denn das Honor 8 Pro ist ein ernstzunehmendes und gut ausgestattetes Flaggschiff.

Der Underdog will in die erste Liga aufsteigen

Die noch ziemlich junge Marke der Chinesen gilt nach wie vor als Geheimtipp. Bisher robbt sie sich mit guten Geräten für kleines Geld unter 300 Euro an den Android-Platzhirsch Samsung heran.
Das von uns zu Jahresbeginn getestete Honor 6X oder das Honor 7 und Honor 8 sind dafür gute Beispiele. Deswegen wurden bei der Produktpräsentation einige Augen groß, als die Specs des neuen Smartphones verkündet wurden. Sie entsprechen, ebenso wie der Preis von 550 Euro, dem Niveau von Top-Geräten des Android-Marktes.

Schlank und schick

Der erste Blick begeistert. Schon die Verarbeitung ist tadellos und macht einen sehr guten Eindruck. Das Gerät kommt in einem optisch und auch haptisch schönen Metall-Unibody, hat angenehm weiche Kanten und nahtlose Übergänge. Die einzigen drei Buttons liegen auf der rechten Seite. Sie regeln den Ein/Aus-Zustand und die Lautstärke.

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Image by Anton Knoblach

Der Fingerabdrucksensor liegt wie beim Galaxy S8 auf der Rückseite und ist intuitiv platziert. Zum Entsperren reicht das Auflegen eines gespeicherten Fingers, auch einfache Gesten lassen sich umsetzen wie beispielsweise das Blättern durch Fotos oder das Herunterklappen des Benachrichtigungs-Overlays. Das funktioniert gut und ohne nennenswerte Verzögerung.

Das Honor 8 Pro reiht sich mit seinem 5,7 Zoll großen Display in die gerade sehr beliebte Phablet-Kategorie ein. Es ist größer als ein herkömmliches Smartphone, aber kleiner als ein Tablet. Auch Samsung wirft mit dem Galaxy S8 und S8 Plus ein Auge auf dieses Marktsegment. Trotz der Displayflache ist das Honor 8 Pro mit 6,9 Millimetern Tiefe sogar ein kleines bisschen schlanker als das Phablet-Modell iPhone 7 Plus, das bei 7,3 mm nur ein 5,5-Zoll-Display bietet.

Hochauflösendes Display für Reise in die Virtual Reality

Auch nach dem Anschalten gibt es nichts zu meckern. Das farbbrillante 5,7-Zoll-Display ist mit 2.560 x 1.140 Pixeln (Quad-HD) sehr hoch aufgelöst. Endlich zieht Honor mit den Spitzengeräten von Samsung und LG gleich. Bisher boten alle Honor-Smartphones maximal Full-HD.

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Image by Anton Knoblach

Die hohe Auflösung qualifiziert das Smartphone auch für Virtual Reality, wo eine hohe Pixeldichte für den Genuss unerlässlich ist. Mitgeliefert ist – passend zum Zeitgeist – eine kleine VR-Brille zum Selberbasteln: Aus der Verpackung lässt sich mit ein paar Handgriffen ein Okular bauen. Das Smartphone selbst wird mit Display nach oben einfach in den Karton gelegt. Die Idee ist definitiv sehr nett. Mit einem ausgewachsenen mobilem VR-System wie Samsung Gear VR kann die Cardboard-Lösung nach wie vor nicht mithalten.

Ein wahrer Performance-Protz

Auch die inneren Werte zeigen, das der Hersteller beim Honor 8 Pro auf Performance setzt. Die Specs lesen sich wie die von High-End-Flaggschiffen. Für Rechenpower sorgt der achtkernige Spitzenprozessor Kirin 960 aus der Chipschmiede von Huawei. Ihm zur Seite stehen imposante 6 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie 64 Gigabyte Festspeicher. Wem der Speicher noch nicht ausreicht, kann ihn mit einer microSD-Karte um bis zu 128 GB erweitern.

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Image by Anton Knoblach

Von dieser Power sollen vor allem komplexe 3D-Spiele profitieren. Zum Beweis kooperiert Honor mit den Enwicklern des bald erscheinenden Mobil-Krachers „Galaxy on Fire 3: Manticore“. Käufer des Honor 8 Pro sollen bei den In-App-Käufen besondere Vorteile erhalten. Für eine bessere Detaildarstellung bei Spielen unterstützt das Honor 8 Pro auch die Vulkan API.

Trotz dieser Leistungsstärke soll das Honor 8 Pro soll mit einer Akkuladung zwei Tage lang durchhalten. Immerhin bietet der integrierte Energiespeicher 4.000 mAh. Angesichts des Preises ist das insgesamt eine überragende Ausstattung.

Das Honor 8 Pro in der Praxis

Was direkt auffällt: Das Honor 8 Pro ist verdammt schnell. Sogar schneller als das iPhone 7 soll es sein, also habe ich den Test gemacht. Und tatsächlich: Bei alltäglichen Aufgaben ist das Honor ein gutes Stück schneller. Egal ob Google Maps, Instagram oder Spotify – beim Öffnen von Apps hat das Honor 8 Pro fast immer die Nase vorn. Natürlich geht es hier um Sekundenbruchteile, die höhere Geschwindigkeit ist aber deutlich spürbar.

Auch bei Benchmarks muss sich das 8 Pro nicht verstecken: Beim Multicore-Test von Geekbench schlägt es das iPhone knapp, beim AnTuTu-Benchmark kommt es zumindest nah ran. Anders sieht es allerdings bei rechenintensiven Aufgaben aus. Beim Export einer Sequenz in Adobe Premiere Clip zum Beispiel gewinnt das iPhone.

Doppelt knipst besser: Tolle Dual-Kamera

Wie beim iPhone 7 Plus oder dem Honor 6X gibt es zwei rückseitige Kameras, das Konzept aber ist anders. Die zweite Kamera dient nicht für einen optischen Zoom oder die Berechnung von Bokeh im Hintergrund, sondern soll für mehr Lichtstärke und Detail sorgen. Verbaut sind zweimal 12 Megapixel, von denen ein Sensor ein reines Schwarzweiß-Bild liefert. Die andere Kamera reichert dieses Bild dann mit Farbinformation an.

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Image by Anton Knoblach

Die mitgelieferte App lässt sich wie von Android gewohnt in einen Profi-Modus schalten, in dem alle wichtigen Einstellungen manuell getroffen werden können, zusätzlich kann man auch im RAW-Format fotografieren.

Im Kurztest macht die Kamera einen guten Eindruck. Das Honor 8 Pro macht helle und scharfe Bilder mit realitätsgetreuen Farben. Auch bei wenig Licht klappt das gut.

Fazit

Mit dem Honor 8 Pro platziert sich der Hersteller im ernstzunehmenden High-End-Sektor, ohne aber dessen Preise abzurufen. Das Smartphone ist ein würdiger Konkurrent zum deutlich teureren Samsung Galaxy S8, dem Huawei Mate 9, dem LG G6 und dem HTC 10. Das Top-Gerät lässt Kaufinteressierte den Haken in technischen Daten und Materialqualität vergeblich suchen. Wer die Größe mag und viel Power haben will, hat mit dem Honor 8 Pro nun eine leistungsmäßig ebenbürtige Alternative zu den Android-Smartphones von bekannteren Marken. Und das auch noch zu einem verdammt guten Preis.

In Deutschland wird das Honor 8 Pro vorerst exklusiv beim Mobilfunk-Provider O2 erhältlich sein. Entweder als Einmalkauf für 549 Euro oder per Ratenzahlung mit und ohne Vertrag.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten.


Images by Julia Froolyks, Anton Knoblach


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Anton Knoblach

Anton Knoblach

ist freier Producer und Colorist in Berlin und Mitgründer der Werbefilmproduktionsfirma unfourseen . Zu einem gelungenen Tag gehören für ihn Musik, gutes Essen und viel Abwechslung. Anton liebt Struktur, schnelle Technik und starke Bilder. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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