The Legend of: Zelda Breath of the Wild – ein Schritt in die Zukunft

Die The Legend of Zelda-Reihe gehört zu den größten Videospiel-Reihen der japanischen Spiele-Schmiede Nintendo. Seit über 30 Jahren zieht Hauptheld Link bereits aus, um Hyrule vor dem bösen Ganondorf zu beschützen. Doch wie ich es schon in meiner Twillight-Princess-Review erwähnte, wirkte die Serie spätestens mit den letzten Teilen etwas angestaubt. Es brauchte etwas Neues, etwas Wildes. Es brauchte The Legend of Zelda: Breath of the Wild.

Was lange währt, wird endlich gut

Die Geschichte des Spiels ist eng mit einer der erfolglosesten Nintendo-Konsolen aller Zeiten verbunden: der Wii U. Bereits auf der E3 2014 zeigt Nintendo einen beeindruckenden Trailer zum neuen Ableger der Reihe. Link kämpfte hier gegen einen Gegner auf stählernen Tentakel-Beinen. Das noch unbenannte Spiel sollte der System-Seller für die damals schon struggelnde Wii U werden – aber es war eben die Wii U. Und so begann eine schier endlose Wartezeit. Ursprünglich war Breath of the Wild für 2015 angekündigt. Doch die Limitationen und vor allem die Verkaufszahlen der Wii U sorgten für immer mehr Verschiebungen.

 

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Doch dann kam endlich die E3 2016. Ein angeschlagenes Nintendo hatte in diesem Jahr genau zwei Spiele bei der größten Gaming-Messe im Gepäck. Pokémon Sonne und Mond und The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Bereits einen Tag vor der großen Präsentation erschien ein erstes Bild, in dem Link an einer Felswand hinaufklettert. Ich war selten so gehypet auf eine Nintendo Direct. Und als es dann endlich losging, wurde auch geliefert. Der Trailer zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild ist einer der besten Trailer, den ich je zu einem Videospiel sehen konnte. Ein langsamer, atmosphärischer Aufbau, der die wilde, riesige Spielwelt zum ersten Mal zeigt. Die leichten Klänge der Hintergrundmusik sorgten für einen sehr stimmungsvollen Einstieg. Daraufhin folgte Gameplay-Szene nach Gameplay-Szene, die ein so umfangreiches Spiel versprach, dass mir sogar fast die Tränen kamen.

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Noch dazu kündigte Nintendo nur drei Monate später eine neue Konsole an. Die Nintendo Switch – vielleicht habt ihr ja den Namen schon einmal gehört – sollte mit Breath of the Wild als Launch-Titel erscheinen. Und auch wenn ich mich als Wii-U-Besitzer im ersten Moment eine wenig veräppelt fühlte, freute ich mich doch auf ein Zelda zum Mitnehmen. Schlussendlich kaufte ich mir das Spiel sogar auch noch auf der Wii U und spielte es dort zum ersten Mal durch.

Hyrule – das wilde Land

The Legend of Zelda: Breath of the Wild beginnt, wie fast jedes andere Zelda-Spiel. Hauptfigur Link erwacht aus einem tiefen Schlaf. Doch dieses Mal ist alles etwas anders. Link liegt nicht in seinem Bett, sondern in einem Schrein unter der Erde und wird von einer weiblichen Stimme geweckt. Noch sehr verschlafen findet er neben sich eine antike Tafel, die plötzlich zu leuchten beginnt. Der sogenannte Shiekah-Stein, der ihm fortan als Karte dient. Halbnackt und abgerissen verlässt Link die Höhle und betritt zum ersten Mal das schönste Hyrule aller Zeiten. Er findet sich auf einem riesigen Plateau wieder und trifft nach kurzer Zeit auf einen alten Mann, der ihm einen Gleitschirm schenken will. Solange Link bereit ist, vier sogenannte Schreine zu aktivieren. Aber dazu später mehr.

Über den Zeitraum des Spiels findet Link dann immer mehr über seine Vergangenheit heraus. Er war vor 100 Jahren die Leibgarde der Prinzessin von Hyrule, namens Zelda. Als dann mit der Verheerung Ganon eine uralte böse Macht wieder erwachte, kam es zum Krieg. Ganon gewann die Kontrolle über die Wächter, eine von dem antiken Volk der Shiekah geschaffene Roboterarmee, die eigentlich zum Schutze des Reiches geschaffen wurde. Link schwingt sich auf den Pferderücken, um das verwilderte Reich zurückzuerobern und Zelda im Kampf gegen Ganon zu unterstützten. Die Prinzessin hält seit 100 Jahren bereits die Verheerung im komplett verfallenen Schloss Hyrule in Schach. Wir haben also einen gewissen Zeitdruck, um ihr zur Hilfe zu eilen.

Zu Fuß, zu Pferd und durch die Lüfte

Das wichtigste Fortbewegungsmittel in Breath of the Wild ist aber der Gleiter. Nach dem Abschluss der ersten vier Schreine auf dem großen Plateau erhalten wir von dem alten Mann einen Gleitschirm, mit dem wir von hohen Plätzen aus gen Tal fliegen können. In Kombination mit der neuen Kletterfähigkeit unseres Helden durchqueren wir einen Großteil der riesigen Hyrule-Region fliegend. Sowohl das Gleiten als auch das Klettern nutzt dabei die Ausdauerleiste, die aus dem Vorgänger Skyward Sword übernommen wurde. Diese verringert sich beim Sprinten, Klettern und Fliegen und wenn sie auf Null fällt, geht es für Link meistens abwärts.

The Legend of Zelda: Breath of the Wild ist ein Spiel für Entdecker

Der Fokus von The Legend of Zelda: Breath of the Wild liegt eindeutig auf dem Erkunden. Das Reich Hyrule ist ein nach 1000 Jahren recht verwildertes Land, mit Bergen, Flüssen und eher wenig Besiedelung. Link ist meist relativ allein unterwegs und wird nur von den seichten Klängen der Musik begleitet. Überall in der Welt stehen hohe Türme, die Link erklimmen muss, um seine Karte zu Updaten. Von hier oben haben wir einen guten Ausblick über die Landschaft und können interessante Orte aufspüren. Meistens handelt es sich dabei um die sogenannten Schreine.

Insgesamt 120 solcher Tempel gibt es in Breath of the Wild. In diesen antiken Mini-Dungeons gilt es, meist ein paar Rätsel mithilfe seiner Fähigkeiten zu lösen. Am Ende des Schreins wartet dann ein mumifizierter Shiekah-Mönch auf uns, der uns einen Seelen-Orb übergibt. Vier dieser Sphären können wir dann bei Statuen der Göttin Hylia gegen ein weiteres Herz oder mehr Ausdauer eintauschen. Viele der Schreine sind an sich schon hinter einer kleinen Rätsel-Aufgabe versteckt. So müssen wir ein Labyrinth durchqueren, einen Pfeil zur richtigen Uhrzeit in die Sonne schießen oder einen Eisblock durch die Wüste tragen.

Schreine in Breath of the Wild. Image by Nintendo via igdb.com
Die Schreine sind Mini-Dungeons, die unsere grauen Zellen ordentlich herausfordern.

Ein Highlight in Breath of the Wild: die Insel Jotwerde

Eine spannendsten Aufgaben ist die, auf der Insel Jotwerde: hier wird der arme Link bis auf die Unterhose ausgezogen und auch sein Inventar wird geleert. Jetzt geht es darum, sich mit allen, was man auf dem kargen Eiland finden kann, auszurüsten und drei Steinkugeln zu einem Altar zu bringen. Hier ist sowohl Kreativität als auch Kampfesgeschick gefragt, da die Kugeln zum Beispiel auf den Felsen vor der Insel versteckt liegen oder von einem riesigen Zyklopen beschützt werden.

Allgemein gibt es einfach so viel zu entdecken, dass man ohne eine Komplettlösung für Zelda Breath of the Wild (Provisionslink) teilweise aufgeschmissen ist. In der ganzen Welt gibt es zum Beispiel auch noch 900 Krok-Samen zu finden. Dafür müssen wir die kleinen Waldbewohner unter Felsen, in Tümpeln oder in der Luft erst einmal aufspüren. Für die Samen können wir uns unsrer Inventar vergrößern lassen. Trotzdem wird man beim ersten Spieldurchlauf sicher irgendetwas verpassen.

Breath of the Wild – eine waschechte Kampf-Sandbox

Im Kampf setzt The Legend of Zelda: Breath of the Wild auf ein reichhaltiges Arsenal an Waffen, die, anders als in den Vorgängern, über unterschiedlich hohe Schadenswerte verfügen. Diese Rollenspiel-Elemente sind ein Novum für die Reihe, die sich sonst immer nur auf das Master-Schwert als stärkste Waffe verließ. Jetzt gibt es Ein- und Zweihänder, Lanzen und verschiedene Bumerang –Varianten. Jeder Gegner hat außerdem eine feste Anzahl an Lebenspunkten. Im Kampf kann man sich genauso kreativ ausleben, wie in der Spielwelt. Laufen wir einfach auf die Feinde frontal zu, schleichen wir uns an und überraschen sie im Schlaf oder springen wir mit dem Bogen im Anschlag vom Pferderücken und aktivieren so eine Bullet-Time-Funktion?

Mit ein wenig Fantasie sind uns hier kaum Grenzen gesetzt. Die einzige Hürde ist dabei die Waffenhaltbarkeit. Denn egal welcher Gegenstand, ob Ritterschwert oder Wischmopp, jeder Waffe geht nach einer bestimmten Anzahl an Schlägen kaputt. Das kann manchmal etwas nervig sein, wenn die Lieblingswaffe schon nach einem Kampf wieder weg ist. Aber so ist eine Abwechslung im Arsenal auf jeden Fall gesichert. Wenn man im richtigen Moment den Gegnerschlag ausweicht, aktiviert sich ebenfalls eine Slo-Mo, die einen effektiven Angriff ermöglicht.

 

Einfach sind die Kämpfe bei The Legend of Zelda: Breath of the Wild übrigens nicht. Viele der Gegner machen ordentlich Schaden und ein reichhaltig gefülltes Inventar an Nahrungs- und Heil-Items ist für den Erfolg unabdingbar. Nach einem einer gewissen In-Game-Zeit, kommt es in Breath of the Wild zur Nacht des Blutmondes. Hier werden sämtliche besiegt Feinde wieder an dem Ort zurückgesetzt, wo ihr sie geschlagen habt. Auch Items und Waffen tauchen wieder dort auf, wo ihr sie zuerst gefunden habt. Ist also euer Lieblingsschwert bereits kaputt gegangen, könnt ihr es euch nun ein weiteres Mal stibitzen.

Keine Items, dafür eine Shiekah-Stein

Auf Links Reise helfen ihm die neuen Fähigkeiten des Shiekah-Steins, die die Items in Breath of the Wild ersetzen. Diese schalten wir nach und nach im bereits erwähnten großen Plateau frei. Wir haben zweierlei Bomben, eine runde und eine quadratische, einen Magneten, eine Stasis-Fähigkeit und eine, mit der man Eisblöcke auf Wasser erzeugen kann. Diese Fähigkeiten sind mit einem Cooldown unendlich oft nutzbar. Die runden Bomben können von Abhängen herunter gerollt werden, die viereckigen Bomben bleiben stehen.

Mit dem Magneten können wir, wenig überraschend, Metall-Gegenstände anheben. Die Stasis-Fähigkeit können wir nutzen, um Gegenstände in der Bewegung zu stoppen. Wenn wir Gegenstände einfrieren, können wir durch mehrere Schläge Momentum aufladen, welches sich nach Ablauf der Stasis schlagartig entlädt. So wird das Objekt blitzschnell durch die Luft katapultiert. Die Eisblock-Fähigkeit lässt uns Wasser überqueren und sogar an Wasserfällen hinaufklettern.

All diese Fähigkeiten werden auf sehr kreative Art in den Schreinen genutzt. Zum Beispiel in einer Art Golfspiel, in der wir eine Kugel mithilfe der Stasis über einen Wassergraben befördern. Oder mit übergroßen Bombenkanonen, mit denen wir uns den Weg zum Ziel frei sprengen müssen. Es überrascht doch, wie viel man mit kreativen Ideen aus gerade einmal fünf Fähigkeiten alles herausholen kann.

Kalte Berge in Breath of the Wild. Image by Nintendo via igdb.com.
In so einer kalten Region brauch Link warme Klamotten oder scharfes Essen.

Link, der Sternekoch

Auch einen überraschend wichtigen Part des Spiel nehmen Links Kochkünste ein. Mit verschiedenen Zutaten lassen sich an Kochstellen Gerichte und Tränke herstellen. Von Ausdauertränken über Sahnetorten bis hin zum klassischen Steak ist hier alles dabei, was die Ausdauer- und Lebensanzeige freut. Mit bestimmten Monster-Items lassen sich den Speisen auch noch Zusatzeffekte, wie verbessertes Schleichen, stärkere Angriffe oder eine erhöhte Verteidigung hinzufügen. Solche Spezialeffekte bringt auch die Auswahl an Kleidungsstücken in Breath of the Wild mit sich. Mit dem Ninja-Outfit können wir hier ebenfalls besser schleichen, mit dem Winterwams frieren wir in kalten Regionen weniger.

Dies bietet ebenfalls viele Optionen: gleich im Startgebiet müssen wir einen verschneiten Berg erklimmen. Hier herrschen dauerhafte Minus-Temperaturen, die Links Herzen in kurzer Zeit aufbrauchen. Praktischerweise finden sich direkt neben dem Pfad einige Chili-Pflanzen. Werfen wir die würzigen Zutaten zusammen mit etwas Fleisch in den Kochtopf, so erhalten wir feuriges Chili-Steak, das uns ein paar Minuten warm hält. Wir können aber auch eine kleine Nebenaufgabe erfüllen und uns das Winterwams verdienen. Kleidungsstücke können an Feenquellen mit Rubinen und Materialien bis zu drei Mal verstärkt werden.

Gewitter in Breath of the Wild. Image by Nintendo via igdb.com
Die Gewitter sind für Link nicht ungefährlich. Vor allem, wenn er Metall-Waffen bei sich trägt.

Auch die Dungeons sind passé

Die Hauptgeschichte schickt Link in alle vier Ecken Hyrules. Hier laufen die vier Titanen herum. Die riesigen Kreaturen waren einst geschaffen worden, um das Königreich gegen die böse Macht Ganon zu verteidigen. Doch als dieser vor 100 Jahren Hyrule angriff, korrumpierte er die Titanen und Wächter im gesamten Reich. Dabei starben unter anderem die vier Recken, die die Titanen steuerten. Diese Recken stammen jeweils aus den vier größten Völker Hyrules, einmal abgesehen von Hylianern, zu denen Link und Zelda gehören. Die Gerudo, ein Volk, das nur aus Kriegerinnen besteht, leben in der Wüste. Die Fischmenschen Zora leben an der Mündung des größten Flusses Hyrules. Die Orni, ein Vogelmensch-Volk, leben in den eisigen Bergen auf einer Steinformation. Die Goronen sind klobige Steinwesen, die am Fuße des von Lava überströmten Todesberges leben. Die einzelnen Orte bieten also durchaus Abwechslung.

Jeder der Titanen ist am ehesten mit einem klassischen Zelda-Dungeon zu vergleichen. Es gilt Rätsel zu lösen und schlussendlich einen Bossgegner zu besiegen. Dabei ist der Aufbau jedes Titanen immer gleich: wir aktivieren einen Shiekah-Stein und laden die Karte herunter. Nun müssen wir eine bestimmte Anzahl an Steinen aktivieren, um die Kontrolle über den Titanen zu übernehmen. Neben unseren Fähigkeiten nutzen wir dafür die jeweilige Sonderfunktion des Metall-Tieres. Der Titan Var Rutah zum Beispiel hat die Form eines Elefanten. Wir bedienen nun seinen Rüssel, um mit dem Wasser Zahnräder zu aktivieren. Die Dungeons verzichten allerdings auf das klassische „Neues-Item-besiegt-den-Boss“-Prinzip. Zu den Fähigkeiten des Shiekah-Steins kommen keine weiteren dazu. Im Grunde sind die Titanen riesige Varianten der Schreine.

Link, Zelda und das Master-Schwert. Image by Nintendo via igdb.com
Link, Zelda und das Master-Schwert. Die drei Waffen, die das Böse in Hyrule besiegen können.

Das Abenteuer geht weiter

Auf der E3 2019 ließ Nintendo dann die Bombe platzen. Zum ersten Mal seit Ocarina of Time und Majora’s Mask erhält ein The Legend of Zelda-Teil eine direkte Fortsetzung mit denselben Figuren. Im Trailer zu Breath of the Wild 2 erkunden Link und Zelda düstere Katakomben und treffen auf den mumifizierten Körper eines alten Feindes: Ganondorf. Zwar haben wir zu diesem Zeitpunkt bisher noch kein Gameplay zur Fortsetzung gesehen, sieht der etwa düstere Ansatz bisher sehr vielversprechend aus. Breath of the Wild 2 wird auch als erstes Zelda-Game (abgesehen vom Link’s Awakening-Remake) komplett nur für die Nintendo Switch entwickelt. All diese Faktoren lassen mich persönlich sehr positiv in die Zukunft blicken. Und auch wenn es noch bis zu zwei Jahre dauern könnte, bis das Sequel endlich erscheint: Warten auf Breath of the Wild bin ich ja mittlerweile gewohnt. Beim letzten Mal hat es sich in jedem Fall gelohnt.

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Images by Nintendo via igdb.com

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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