Hobnox (Teil 2): „Ich bin der Sender!“

„Ich bin der Sender!“, hat Gerrit van Aaken 2005 seine Diplomarbeit genannt – damals zum Thema Podcasting. Seitdem ist einiges im Web passiert, was diese Aussage wahr werden lässt. hobnox schickt sich an, eine neue Stufe in diesem Prozess einzuleiten: mit den umfangreichsten frei verfügbaren Webprogrammen zur Video- und Musikproduktion, die Blogpilot Björn Rohles bisher gesehen hat. Nachdem wir im ersten Teil schon die Anwenderseite besprochen haben, wechseln wir nun die Seiten: der Rezipient wird Produzent.

Wie funktioniert hobnox aus Produzentensicht?

Die Reise ins hobnox-Universum beginnt mit einem Klick auf die „myProjects“. Danach kann man in zwei Schritten ein Projekt anlegen und Leute zur Teilnahme einladen. Oder man sucht sich in der Community schon bestehende Projekte aus und tritt ihnen bei. Ein Projekt bietet alle Möglichkeiten, die auch ein Nutzer-Account hat. So lassen sich projektspezifische Dateien hochladen, es gibt einen Blog zum Diskutieren, eigene Events für das Projekt und vieles mehr. Thematisch sind Projekten keine Grenzen gesetzt: von Arbeitsgruppen bis zu speziellen Interessensgruppen à la „die besten Gitarrensolos aller Zeiten“ ist alles möglich.

Richtig spannend wird es nach einem Klick auf „noxtools“. Darunter befinden sich bisher zwei Tools: eines für Audioproduktion und eines für Videoschnitt. Beide sind noch im Demo-Modus und können daher noch nicht für die endgültigen Versionen stehen, aber sie haben es dennoch schon in sich.

Das Livetool ist für alle gedacht, die ihre eigenen Fernsehsendungen erstellen und präsentieren möchten. Videoschnipsel aus der Medienbibliothek oder live aufgenommene Filme aus einer Kamera lassen sich auf verschiedene Slot verteilen und zuschalten. Damit sind sogar Livesendungen problemlos möglich.

Das Audiotool ist ein ausgereiftes Produktionsstudio für elektronische Musik. Die Oberfläche bildet verschiedene Musikinstrumente und Effektgeräte ab, die sich über virtuelle Kabel verbinden lassen. So lassen sich etwa rund laufende Beats über fiese Crusher verzerren. Das Ganze macht schon richtig Spaß.

Beide Tools zeigen noch gewisse Beschränkungen: So ist etwa das Speichern eines Songs aus dem Audiotool nicht möglich. Da es sich jedoch noch um Demos handelt, können diese Mankos noch nicht übel genommen werden. Insgesamt zeigen die Tools schon einmal anschaulich, was mit den Endversionen alles möglich sein wird.

Für wen ist hobnox gedacht?

hobnox macht unglaublichen Spaß. Es eignet sich daher hervorragend für alle, die ihre Botschaft im Web verbreiten möchten. Die einfache und kostenlose Bedienung macht es vor allem für Themen interessant, die im klassischen Fernsehen niemals behandelt würden. Aber hobnox eignet sich auch hervorragend, um die eigenen Qualifikationen auszutesten oder zu vergrößern, denn es zeigt realistisch, aber noch überschaubar, was für die Produktion von Musik oder Fernsehaufnahmen gefordert wird.

Blogpiloten-Urteil
hobnox zeigt, was das Web 2.0 schon seit langem behauptet: ein Ende der Informationshoheit großer Medienkonzerne ist möglich. Ob sich hobnox allerdings zum ernsthaften Konkurrenten entwickeln kann, liegt zum einen an der Treue seiner Nutzer und deren Produktivität. Zum anderen wird sich aber auch noch zeigen müssen, wie konsensfähig der Ruf nach dem „Tod des Fernsehens“ wirklich ist – auch abseits der Hardcore-Websurfer.

Doch egal, wie sich diese Frage in Zukunft beantworten lässt, eines ist sicher: wer gerne einmal selbst zum Medienproduzenten werden möchte, sollte unbedingt einmal einen Blick auf hobnox werfen. Denn nicht zuletzt ist der Dienst doch ein Beispiel dafür, wie durchlässig die Grenzen zwischen Konsument und Produzent im Web geworden sind.

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Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

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