Google vs. Apple: Die Ausweitung der Kampfzonen

Unsere Autos, unser Zuhause, unsere Gesundheit: Die beiden Silicon-Valley-Riesen wollen mit ihren Geräten und Diensten in alle erdenklichen Lebensbereiche vordringen und liefern sich gerade einen erbitterten Zweikampf um die Geschäftsfelder der Zukunft. Heute lebt Apple vorrangig vom Verkauf von iPhones, und Google verdient seine Milliarden mit Suchmaschinen-Werbung. Doch beide IT-Konzerne arbeiten fieberhaft an ihrer eigenen Business-Zukunft, haben Heimautomation, Autos, den Gesundheitsbereich oder Home Entertainment als digitale Expansionsfelder definiert und scharen Partner um sich. Arbeit, Mobilität, Gesundheit, Unterhaltung, Eigenheim: Wenn die Pläne von Google und Apple aufgehen, dann wird man sich irgendwann einmal entscheiden müssen, in welcher Welt man leben will: In der von Apple oder in der von Google?

Smartphones: Android 5 gegen iOS 8

Die mobilen Betriebssysteme stellen für Google und Apple das Fundament ihrer Welteroberungspläne dar. Android ist mit einer Milliarde monatlich aktiven Nutzern die weltweit dominierende mobile Software und wird im Herbst in seiner fünften Version (“L”) erscheinen. Dem gegenüber stehen 800 Millionen verkaufte iOS-Geräte, ebenfalls im Herbst wird iOS 8 auf den Markt kommen. Wie stark sich die beiden Betriebssysteme ähneln oder auch nicht, kann jeder in diesem direkten Vergleich für sich entscheiden.

Intelligentes Heim: HomeKit gegen Nest

Anfang 2014 hat sich Google den Heimautomationsspezialisten Nest – übrigens gegründet von Ex-Apple-Designer Tony Fadell – um 3,2 Milliarden Dollar gekauft, Nest wiederum hat sich vor kurzem Überwachungskamera-Hersteller Dropcam um 555 Millionen Dollar einverleibt. Heißt insgesamt: Google will ganz dringend in unsere Eigenheime vordringen und nicht nur Hardware verkaufen, sondern auch kräftig Daten sammeln. Apple hat auf der WWDC-Konferenz sein HomeKit entgegen gestellt: Software- und Hardware-Entwickler können mit dem Framework Produkte und Services bauen, die sich dann mit iPhone oder iPad steuern lassen (z.B. Garagentor öffnen, Heizung aufdrehen, Licht abdrehen). Zu den ersten Apple-Partnern zählen Philips und Honeywell, Partner von Googles Nest sind u.a. Mercedes, Logitech oder Whirlpool.

Gesundheitsdaten: HealthKit gegen Google Fit

Während Facebook und Twitter stark auf die Sammlung unserer geistigen Daten spezialisiert sind, wollen Apple und Google an unsere Körperdaten. Google hat mit Google Fit auf seiner I/O-Konferenz eine Software-Plattform vorgestellt, in der alle Gesundheitsdaten eines Users, die verschiedene Sport- oder Fitness-Apps sammeln, zusammenfließen können – erste Partner sind Nike, Adidas, Polar, Runkeeper oder Runtastic. Apple hält dem sein HealthKit entgegen, mit dem Software- und Hardware-Entwickler Gesundheitsanwendungen bauen können. Auch hier ist die zentrale Sammlung von Gesundheitsdaten des Users das Ziel – erste Apple-Partner sind Nike und verschiedene US-Kliniken.

Smart Car: Android Auto gegen CarPlay

Ihre Software-Systeme wollen Apple und Google auch auf die Straße bringen. Im PKW werden iOS und Android als Entertainment- und Info-Systeme zum Einsatz kommen, die sich Daten vom jeweiligen Smartphone schnappen (z.B. Navigation, Musik, SMS) und diese auf einem Amaturen-Display anzeigen bzw. per Sprachbefehl steuerbar machen. Android Auto hat dazu bereits 28 Automarken als Partner, CarPlay kann 29 Partner vorweisen.

Fernsehen 2.0: Android TV gegen Apple TV

Apple, seit jeder fest im Entertainmentbereich verankert, hat seit Jahren sein Apple TV im Angebot, über das man kostenpflichtige Filme oder Serien und, je nach Land, auch auf Netflix, Hulu, HBO oder YouTube zugreifen kann. Seit der I/O gibt es auch darauf eine Antwort von Google: Android TV soll das sehr ähnlich ermöglichen und außerdem Gamen mit einem Android-Gerät als Controller erlauben.

Wearables: Android Wear gegen iWatch

Im Bereich der Körper-Computer hat Google mit seiner Datenbrille Glass und verschiedenen Smartwatches, auf denen Android Wear läuft, die Nase eindeutig vorne – Motorola, LG oder Samsung haben bereits Uhren mit dem mobilen Betriebssystem gezeigt. Die seit Jahren kolportierte iWatch soll im Herbst endlich Realität werden – sich verdichtende Gerüchte meinen, dass die smarte Uhr von Apple ein 2,5-Zoll-Display und verschiedenste Sensoren zur Messung von Körperfunktionen haben soll. Zudem hat Apple kürzlich Jean-Claude Biver, einen Top-Manager beim Luxusuhrenhersteller Tag Heuer, abgeworben.

Internet-Wolke: Google Drive gegen iCloud Drive

Ab iOS 8 will Apple seinen Nutzern endlich einen vernünftig funktionierenden Cloud-Dienst bieten, der alle Dateien auf alle (Apple-)Geräte des Users bringt. 5 GB Speicherplatz sind bei iCloud Drive kostenlos, allerdings ist da der große Konkurrent Google Drive viel attraktiver: Dort bekommt der User mittlerweile 15 GB Gratis-Speicher.


Image (adapted) „Android eating Apple“ by Aidan (CC BY 2.0)


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Jakob Steinschaden

Jakob Steinschaden

ist seit 2006 publizistisch auf Papier und Pixel tätig. Er arbeitet in Österreich als Journalist und hat die beiden Sachbücher "Phänomen Facebook - Wie eine Webseite unser Leben auf den Kopf stellt" (2010) und "Digitaler Frühling - Wer das Netz hat, hat die Macht?" (2012) veröffentlicht. In seinem Blog “Jakkse.com” und in Vorträgen schreibt und spricht er gerne über die Menschen und ihr Internet – von Social Media über Mobile Business und Netzpolitik bis zu Start-ups.

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