Notes ergänzt den medialen Walled Garden von Facebook

Chris Sutcliffe kuratiert in seinem (wirklich empfehlenswerten) morgendlichen Media Briefing ein paar Stimmen aus der US-Medienbranche zum Redesign von Notes, mit dem Facebook scheinbar sein Feature zum Blogging fit machen möchte. Demnach möchte Facebook mit Notes vor allem dafür sorgen, dass es einen vermeintlichen Grund weniger gibt, die sich immer mehr nach außen abschirmende Plattform zu verlassen: einen Ort für längere und von Nutzern generierte Inhalte, denn auf dem kann Facebook auch gleich mehr Werbung anzeigen. Es geht, wie immer, nur ums Geld verdienen.

Ein Blogging-Tool für mehr als eine Milliarde Menschen

Besonders interessant ist die Motivation der Designer John Lax and Geoff Teehan, die schon für Medium verantwortlich waren, wodurch sich auf die offensichtliche Ähnlichkeit erklärt. In dem Statement, das bereits gestern in meiner ersten Einschätzung der Chancen von Facebooks Notes als Blogging-Plattform verlinkt war, betonen die beiden, dass es ein unglaublicher Reiz für sie war, ein Dienst für über eine Milliarde Menschen zu entwickeln.

Unabhängig von der Wahrscheinlichkeit, dass nahezu jeder Nutzer von Facebook ab jetzt auch nur mindestens einmal mit Notes etwas bloggen wird, ist die Motivation für den Wechsel zu Facebook nachvollziehbar. Mit Medium haben die Designer von Teehan+Lax bewiesen, dass sie einen Sinn fürs Blogging haben. Ein über Jahre vernachlässigten Dienst des wohl bekanntesten sozialen Netzwerks aufzupeppen, ist sicher eine interessante Aufgabe. Ich hätte mir eigentlich nur gewünscht, Google hätte sie für ein Upgrade von Blogger verpflichtet.

Facebook baut einen Walled Garden für Online-Medien

Facebooks Gründe sind aber andere, als seinen Mitgliedern in erster Linie einen verbesserten Dienst anzubieten, damit diese endlich auch auf Facebook bloggen können. Das von Mark Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk hat immer nur ein einziges Ziel: Geld verdienen. Und diesem Ziel muss auch das Redesign von Notes dienen.

Mic Wright stellt die Aktion in seinem Artikel auf The Next Web deshalb auch in eine Linie mit anderen Vorhaben von Facebook, wie den Ausbau des Video-Bereichs, das Instant-Stories-Programm und den Streaming-Dienst namens Mentions. Notes ist nur die Ergänzung für längere Inhalte, vor allem wenn sie von Nutzern verfasst wurden, um die selbigen komplett auf der Plattform zu halten. Eigentlich fehlt nur noch eine Podcast-Funktion.

Mathew Ingram geht in seinem Beitrag auf Fortune den gleichen Gedanken nach und sieht im Versuch der Wiederauferstehung von Notes einen Kampf um das digitale Publikum, das nun nicht mehr zu Medium oder LinkedIn wechseln muss, um in einem sozialen Netzwerk einen längeren Gedanken zu veröffentlichen. Jacob Kastrenakes sieht das in seinem Beitrag auf The Verge genauso, genau wie Brian Barrett auf Wired, doch gehen alle drei Autoren davon aus, dass Facebook den vermeintlichen Vorteil eines größeren Publikums hat. Ein Irrglaube.

Die richtige Nische ist wertvoll, nicht die Masse

Die mehr als 1,4 Milliarden Nutzer von Facebook sind nicht das potenzielle Publikum, welches man als Blogger auf der Plattform erreichen wird. Zum einen weil die Masse dieser Menschen alles andere als homogen ist: sie haben unterschiedliche Interesse, sprechen unterschiedliche Sprachen und nutzen Facebook auf unterschiedliche Art und Weise. Ihr größter gemeinsamer Nenner ist wahrscheinlich der Konsum und meiner Meinung setzt Facebook auch genau darauf. Vor allem Medien und Unternehmen werden viel Geld ausgeben, um mit ihren Postings Reichweiten zu erzielen. Chefredakteure und Geschäftsführer werden eher mit Notes bloggen als Blogger und einfache Nutzer, die sich das nicht leisten können oder wollen.

Und das müssen sie auch nicht, besonders nicht die Blogger. Einen vermeintlichen Blog wie die Nachrichtensendung Tagesschau gibt es auch nicht, also die breite Masse der Bevölkerung ansprechenden Content. Die Nische hat ihren Wert, also das Publikum, das sich für den Content wirklich interessiert und diesen auch gezielt konsumiert. Qualität ist hier wichtiger als potenzielle Reichweiten, die wie schon gesagt eigentlich unrealistisch sind.

Selbst Netzpiloten.de, mit einer für ein deutschsprachiges Blog beachtlichen Reichweite, ist ein deutschsprachiges auf den digitalen Wandel fokussiertes Nischenblog. Und deshalb ist es für uns interessanter, ein Publikum mit genau diesen Eigenschaften – beherrscht die deutsche Sprache und interessiert sich für den digitalen Wandel – zu erreichen, als auf den Facebook Walls einer nicht an unseren Inhalten interessierten Masse zu erscheinen. Besonders wenn diese Reichweite demnächst nur noch gegen Bezahlung zugänglich ist, wie es neben der Anzeige von Werbung ein weitere Option für Facebook ist, Geld zu verdienen.


Image „Facebook“ (adapted) by geralt (CC0 Public Domain)


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