URL (Bild: Chris Dlugosz [CC BY 2.0], via Flickr)

Der eigene URL-Shortener: Mission failed?

Mitte Januar hat sich Netzpiloten-Autor Tobias Gillen einen eigenen URL-Shortener eingerichtet und hier diskutieren lassen, ob das Sinn macht. Inzwischen weiß er es. // von Tobias Gillen

URL (Bild: Chris Dlugosz [CC BY 2.0], via Flickr)

Links bestimmen unser digitales Leben. Wer keinen Link hat, hat meist nichts zu teilen. Denn hinter all den schönen Sachen in diesem Internet steht immer auch ein Link, so wie hinter diesem Artikel auch. Gekürzte Links mit bit.ly oder goo.gl sieht man tagtäglich viele in den sozialen Netzwerken. Um einen Überblick über seine Links zu bekommen, hat sich unser Autor einen eigenen Shortener für seine Links angelegt und berichtet nun von seinen Erfahrungen und der Frage, ob das Sinn macht oder verzichtbar ist.


  • Eigene URL-Shortener können viele Vorteile bringen.
  • Die Usability ist aber meistens wenig ausgeprägt, die Statistiken nur unzureichend.
  • Netzpiloten-Autor Tobias Gillen muss seine Mission „Eigener URL-Shortener“ als gescheitert betrachten.

Drei große Kritikpunkte

Grundsätzlich finde ich den eigenen URL-Shortener mit einer indivduellen URL, in meinem Fall tobgil.de, nach wie vor sehr reizvoll. Zumindest ziehen die Argumente dafür bei mir immer noch: Detailierte Statistiken, welcher Link wann, wie oft und wo angeklickt wurde. Zudem eine stärkere Verknüpfung mit meiner Person, vertrauenswürdigere Links und alles auf meinem eigenen Server. Bit.ly und Co. sind ja ganz schön, für mich aber nach den Kriterien nicht mehr ausreichend.

Wer mir auf Twitter und Facebook folgt, der hat bestimmt mitbekommen, dass ich – bis auf eine kurze Phase kurz nach der Einrichtung – inzwischen kaum mehr URLs mit tobgil.de kürze (und, by the way, auch sonst nicht). Das liegt an mehreren Dingen, auf die ich im Folgenden kurz eingehen möchte:

  • a) Kaum bis gar keine Usability
  • b) Ungenaue Statistiken bei yourls.org
  • c) Keine Rückschlüsse auf Viralität

Kaum bis gar keine Usability

Usability ist leider das Hauptproblem beim eigenen URL-Shortener. Man hat ein Backend, in das man sich einloggen muss, den Link dann dort kürzt, kopiert, das Netzwerk öffnet und dort in einen Post, Tweet oder Whatever einfügt und teilt. Das klingt für mich nicht sonderlich nach großer Benutzerfreundlichkeit – und fühlt sich im Umgang auch nicht so an. Besser wäre, man könnte den eigenen URL-Shortener direkt per API in die Netzwerke einpflegen und Links somit automatisch umwandeln, sobald sie geteilt werden. Ähnliches ging damals zum Beispiel bei TweetDeck, bevor Twitter es übernommen und sich entschlossen hat, einige Schnittstellen dicht zu machen.

Auf den Seiten von Twitter, Facebook und Co. geht das ohnehin nicht mehr. Stattdessen aber mit Apps wie Tweetbot, das ich mir vor Ewigkeiten heruntergeladen habe und extra für den Zweck nun wieder ausgebuddelt habe. Nichts gegen Tweetbot, das Programm ist echt klasse. Nur leider absolut nicht mein Fall. Ich mag meine normale Twitter-App, das Schlichte und Einfache. Das Problem: Einen eigenen URL-Shortener kann ich dort leider nicht einstellen. Somit bin ich in meiner Experimentierphase zweigleisig gefahren: Twitters App für den normalen Gebrauch, Tweetbot zum Teilen von Links. Auch das ist nicht sonderlich Benutzerfreundlich.

Fehler bei den Statistiken

Schon das ist auf Dauer für mich ein Grund, auf meine tobgil.de-Links zu verzichten. Leider gibt es noch zwei weitere. So sind die Statistiken bei yourls.org in meinem Backend alles andere als genau. Ein Link, den ich nur über Twitter an meine 2.270 Follower geteilt habe, soll binnen fünf Minuten über 3.000 Mal angeklickt worden sein? Schön wäre es, aber um das zu glauben, muss man schon arg optimistisch sein. Zudem habe ich über die Einblicke meiner Seiten-Statistiken auch die Gewissheit, dass das definitiv nicht der Fall war.

Bei den meisten Links kommen realistische(re) Angaben heraus, aber wie Glaubhaft sind die, wenn man dem Tool nicht mehr vertraut? Außerdem gibt es bei der Lokalisierung der Klicks Probleme: Die meisten Klicks kommen aus den USA, vermutlich dadurch, dass dort die Server von Twitter und Co. stehen – ich weiß es nicht.

Keine Rückschlüsse auf die Viralität möglich

Das dritte und letzte Problem sind die fehlenden Einblicke in die Viralität hinter den Links. Das Ziel war ja eigentlich, Links im Blick zu behalten und mal zu schauen, was wie gut ankommt. Wenn man einen Link über mehrere Netzwerke teilt, hat man allerdings mit yourls.org absolut keinen Einblick mehr in die Zahlen. Mehr als „Others“ bekommt man aus dem Backend nicht raus, was so viel bedeutet wie: „Keine Ahnung, wo deine Links wann und wie angeklickt wurden, ist mir eigentlich auch egal.“

Was bleibt also übrig? Das Argument der Persönlichkeit. Teile ich Links mit meinem Namen drin, stärkt das irgendwo die Bindung zum Gegenüber und insbesondere das Vertrauen in die Links. Dagegen ist nichts zu sagen, allerdings ist das auch etwas, woran yourls.orgnichts ändern könnte. Ansonsten ist der Dienst für mich leider gefloppt.

Fazit: Mission leider gescheitert

Dennoch: Es war eine hilfreiche Erfahrung, einen eigenen URL-Shortener einzurichten und ich bin froh, mich damals durch die Anleitungen gequält zu haben. Vielleicht versuche ich es bald mal mit einem anderen Dienst, vielleicht beuge ich mich aber auch einfach Twitter und nutze den hauseigenen URL-Shortener. Die Mission „Eigener URL-Shortener“ ist für mich also definitiv erst mal gescheitert.


Teaser & Image by Chris Dlugosz (CC BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , ,
Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus