URL (Bild: Chris Dlugosz [CC BY 2.0], via Flickr)

Der eigene URL-Shortener: Sinn oder Unsinn?

Die sogenannten URL-Shortener sind nützliche Dienste mit denen man sich eine lange und meist umständliche URL verkürzen lässt. Doch wie nützlich sind sie wirklich? // von Tobias Gillen

URL (Bild: Chris Dlugosz [CC BY 2.0], via Flickr)

Links bestimmen unser digitales Leben. Wer keinen Link hat, hat meist nichts zu teilen. Denn hinter all den schönen Sachen in diesem Internet steht immer auch ein Link, so wie hinter diesem Artikel auch. Weil diese aber immer komplizierter, länger und kryptischer werden, boomen seit einiger Zeit so genannte Link- oder URL-Shortener. So wird aus einem ellenlangen Buchstaben-, Zahlen- und Zeichensalat ein kurzer, handlicher Link.


  • Mit einem URL-Shortener lassen sich nicht nur Links kürzen, sondern auch Statistiken über die Viralität erzeugen.

  • Das Tracking ist dabei aber der größte Kritikpunkt und die Unsicherheit, was sich wirklich hinter dem Link verbergen könnte.

  • Wer einen eigenen URL-Shortener betreibt kann sich zumindest sicher sein, dass die Daten auf seinem Server gespeichert bleiben.


Besonders beliebt sind hier bit.ly oder goo.gl. Finde ich gut, wollte ich auch haben. Allerdings nicht von bit.ly und Co.: Wenn ich so etwas mache, dann möchte ich es auf meinem Server und unter meiner Kontrolle haben. Und so habe ich mich auf die Suche nach einem Tool gemacht, um mir etwas Ähnliches einzurichten. Zunächst einmal musste eine kurze URL her. Idealerweise eine, die was mit mir zu tun hat und den Link auch tatsächlich einfacher macht.

Ich entschied mich für tobgil.de, also die ersten drei Buchstaben von Vor- und Nachname. Anschließend musste das Paket von yourls.org auf den Server geladen und installiert werden. Das war zwar komplizierter als gedacht, irgendwann aber war es dann doch geschafft. Seither kann ich Links über ein mehr oder weniger schickes Backend kürzen.

Eine erste Kritik

Einer der Hauptgründe dafür – neben der puren Neugier, es einfach mal einzurichten – war, dass ich gerne ein bisschen den Überblick über die Links behalten wollte, die ich tagtäglich so durch die Netzwerke jage. Die Grundfrage: Welcher Tweet oder Post kommt wie gut an. Und: Warum eigentlich? Über das Backend von yourls.com kann man dem mit kleinen Statistiken und Grafiken zumindest annähernd ein wenig nachgehen.

Doch schon nach dem ersten Test erreichte mich ein Tweet einer Nutzerin, die eben dieses Tracking nicht sonderlich erstrebenswert hielt und sich vor dem Klick auf einen privat gekürzten Link zwei Mal überlege, ob sie die Seite öffne. Zudem wisse sie ja nicht, was sie sich einfange, wenn sie auf den Link klicke.

Guter Punkt, zugegeben. Und genau darum möchte ich diese Fragen an dieser Stelle diskutieren. Klar, in Zeiten von automatischer Link-Kürzung durch Twitter ist ein URL-Shortener nicht mehr zwingend nötig. Im Gegensatz zu bit.ly oder ähnlichen Kandidaten aber bleiben die (anonymen) Statistiken nur bei mir und laufen über deutsche Server. Bei bit.ly ist das anders, schon allein dadurch, dass .ly die lybische Domainendung ist.

Zudem finde ich einen privater Link-Shortener fast noch vertrauenswürdiger als einen externen. Als Beispiel lässt sich hier etwa Richard Gutjahr anbringen, der seine Links über gutja.de kürzt. Bei diesem Link-Syntax regt sich bei mir alles andere als Misstrauen. Aber na klar: Ein URL-Kürzer verschleiert die wahre Internetadresse. Allerdings weiß man auch bei einer unveränderten Adresse nicht immer, was man sich auf der Seite einfängt. Das beweist unter anderem die jüngste Sicherheitslücke bei Yahoo.

Ich sehe ein: Ein Link-Shortener hat seine Vor-, aber auch seine Nachteile. Mich persönlich hat es gereizt, ein bisschen damit herumzuspielen und ihn erst einmal nur einzurichten. Ob und wie ich ihn aber weiter verwenden werde, hängt nun von der Resonanz der Nutzer ab – die bis auf den einen Tweet weitgehend neutral ist. Außerdem hat sich das Klick-Verhalten durch meine eigene URL bislang nicht negativ verändert, eher gegenteilig. Ein Fazit meiner digitalen Neuerrungenschaft kann ich bislang aber noch nicht ziehen, dafür reichen wenige Test-Tage einfach nicht aus.

Wie sehr ihr das? Macht ein eigener URL-Shortener Sinn? Löst er bei euch Misstrauen aus oder vertraut ihr eigens gekürzten Links eher?


Teaser & Image by Chris Dlugosz (CC BY 2.0)


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Tobias Gillen

Tobias Gillen

ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

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