Tipps zum Schutz vor ausspionierender Technologie

Nicht nur die Geheimdienste, auch die uns im Alltag umgebende Technologie spioniert uns aus. Wir müssen den großen Tech-Unternehmen aber nicht zu viel von uns preisgeben. Wir werden täglich ausspioniert, jeder Klick, jeder Like und unsere Positionsdaten werden von den verschiedenen Geräten, die wir täglich nutzen, mitgeschnitten und an diverse Unternehmen übermittelt. Mit diesen persönlichen Daten zahlen wir letztendlich für die vielen kostenlosen Dienste von Google, Facebook und Co. – der Nutzer ist nicht Kunde sondern das Produkt. Doch mit wie vielen Informationen wir für diese Dienste bezahlen, können wir zu einem gewissen Grad selber bestimmen, auch wenn dies immer mit Kompromissen verbunden ist.

1. Facebook ‚Gefällt mir‘-Button

egal ob man Facebook nutzt oder nicht, der „like„- oder „Gefällt mir„-Button des Social Network ist auf jeder Website zu finden. Der Zweck ist ganz klar, dass man Websites, Personen, Artikel oder Marken liken kann, ohne die jeweilige Website verlassen zu müssen.
Ähnlich verhält es sich mit den „Share„-Buttons, über die sich Inhalte aus dem Web direkt in das Social Network teilen lassen. Doch beide Optionen funktionieren nicht nur einseitig: Der Preis, den der Nutzer für die Möglichkeit, überall und jederzeit mit Facebook interagieren zu können ist, dass das Unternehmen sehen kann, welche anderen Websites man besucht, auch wenn man auf diesen nicht interagiert, um dem Nutzer durch diese Informationen gezieltere Werbeanzeigen zu präsentieren. Das gleiche Prinzip gilt natürlich für alle anderen Social Buttons wie etwa von Google oder Twitter genauso.

Was kann man dagegen tun?

Wenn man sich jedes Mal abmeldet, wenn man Facebook schließt, kann das Unternehmen einen nicht mehr verfolgen und Informationen über das Surfverhalten sammeln. Der Nutzer muss allerdings den Kompromiss in Kauf nehmen, dass dies die Möglichkeit, immer und überall Inhalte liken oder teilen zu können, massiv einschränkt.

2. Smartphone-Ortungsdienste

iPhone-Besitzer, versucht mal folgendes: Geht auf „Einstellungen„, dann „Datenschutz“ und dann „Ortungsdienste„. Hier findet ihr eine Liste von allen Städten, in denen ihr euch regelmäßig aufhaltet. Wenn ihr auf eine bestimmte Stadt klickt, werdet ihr sehen, dass euer Smartphone all die Orte kennt, die ihr regelmäßig besucht, egal ob Zuhause, Arbeit, den Supermarkt um die Ecke oder die Stammkneipe.
Android-Nutzer sollten sich jetzt allerdings mit Häme zurückhalten, denn auch Google speichert die besuchten Orte inklusive kompletter Bewegungshistorie – schlimmer ist hier im Vergleich zu Apple sogar, dass diese Daten in der Cloud gesichert werden.

Was kann ich dagegen tun?

Sowohl unter iOS als auch Android gibt es die Option, die Ortungsdienste auszuschalten. Aber auch hier muss man wieder zwischen Privatsphäre und Komfort abwägen, denn ohne diese Ortungsdienste werden die Smartphones bedeutend schlechter darin, dem Nutzer brauchbare Vorschläge in der unmittelbaren Umgebung zu machen.

3. Uber

Okay, in Deutschland ist Uber derzeit ohnehin nur auf Sparflamme unterwegs, aber selbst in diesem Fall, oder natürlich bei der Nutzung im Ausland, speichert das Unternehmen sämtliche Reisedaten. Vordergründig um nachträgliche Dispute über die Reiseroute auszuschließen, oder im schlimmsten Fall, für die Versicherung. Doch auch wenn Uber immer wieder versichert, dass die Nutzerdaten sicher seien, hat sich das Unternehmen in der Vergangenheit selber nicht immer ganz daran gehalten.

Was kann ich dagegen tun?

In Deutschland ist die Antwort einfach: Uber nicht benutzen – einfach weil der Dienst nur sehr eingeschränkt verfügbar ist. Im Ausland wie etwa den USA wird dies schon schwieriger, da die althergebrachten, dafür aber anonymen Taxis oftmals deutlich teurer sind.

4. Mobiltelefonnetze

Ein Mobiltelefon verbindet sich über Funkmasten, sogenannten Zellen, mit dem entsprechenden Netz. Außer in sehr abgelegenen Regionen ist die Wahrscheinlich, dass sich mehr als ein Funkmast in der unmittelbaren Umgebung befindet, sehr hoch. Damit es aber nicht zu Mehrfachverbindungen und somit zu Chaos kommt, verbindet sich das Telefon zu einem Mast und wird an einen anderen übergeben, sobald man sich aus der einen Zelle rausbewegt. Daraus resultiert nun wenig überraschend, dass die Mobilfunkbetreiber ziemlich genau den derzeitigen und alle vergangenen Aufenthaltsorte ihrer Kunden kennen.

Was kann ich dagegen tun?

Benutze kein Mobiltelefon. Ernsthaft, das ist die einzige Möglichkeit, die man als Nutzer hat. Man kann zwar auch bei Telefonen mit wechselbarem Akku versuchen, diesen herauszunehmen, doch wenn immer man das Telefon wieder anschaltet, weiß der Netzbetreiber, wo man sich aufhält und außerdem muss man sich mit den lästigen Boot-Zeiten abfinden.

5. Ortstangaben in Exif-Daten

Jedes digitale Foto enthält eine Unmenge Informationen, die unter dem Exif-Standard gespeichert werden. Ursprünglich waren diese Daten vor allem für Fotografen gedacht, die an Angaben zu Belichtungszeit, Blende etc. eines Fotos interessiert sind. Der Exif-Standard wurde wie Digitalfotografie generell auch stetig weiterentwickelt und beinhaltet nun in vielen Fällen auch Ortsangaben, sobald die Kamera oder das Smartphone über GPS verfügt. Für Urlaubsfotos kann dies noch ganz spannend sein, aber wenn man die Fotos im Internet Fremden zugänglich macht, wird es schon deutlich heikler.

Was kann ich dagegen tun?

Nahezu alle Kameras erlauben es dem Nutzer, die Einbettung der Ortsangaben auszuschalten. Doch wenn man dies nicht getan hat, helfen zumindest die Social Networks wie Twitter oder Facebook den Nutzern, indem sie jegliche Metadaten aus den geposteten Bildern entfernen.

6. Gesichtserkennung

Wer schon mal Fotos mit Freunden auf Facebook oder Google+ gepostet hat wird wahrscheinlich überrascht und erschrocken gewesen sein, dass die Plattformen sehr treffsichere Vorschläge machen, wer sich auf dem Foto befindet. Auf der anderen Seite sind es nicht immer die Freunde, die einen bewusst auf einem Foto taggen, sondern die Gesichtserkennungs-Software des jeweiligen Unternehmens. Auch wenn es in einigen Fällen eine große Zeitersparnis darstellt, ist es in den meisten Fällen doch eher einfach gruselig, dass eine Website genau weiß, mit wem man da ein Selfie gemacht hat.

Was kann ich dagegen tun?

Vermeiden fotografiert zu werden, oder Freunde zu haben. Oder, wenn das vielleicht doch beides etwas unrealistisch ist, kann man zumindest ausschalten, dass man selber in Fotos anderer getaggt werden kann.

7. Spracherkennung

Siri lauscht zwar nur auf Befehl, Google Now kann auf Wunsch aber dauerhaft zuhören. Ebenso das von Amazon vorgestellte Echo, bei dem es mich nach wie vor verstört, mit welcher Begeisterung ein Gerät von der amerikanischen (und deutschen) Fachpresse aufgenommen wird, das einer Verwanzung des Hauses gleicht, für die man auch noch Geld bezahlt. Und zuletzt hat Samsung mit neuen Privatsphärerichtlinien für die eigenen Smart TVs für Schlagzeilen gesorgt, in denen den Nutzern geraten wird, keine persönlichen oder sensiblen Informationen vor den schlauen Fernsehern auszusprechen, da diese dauerhaft offene Ohren haben.

Was kann ich dagegen tun?

Schweigen ist Gold… Nein, die einfachste Möglichkeit sich vor eventuellen Lauschangriffen zu schützen ist, die Funktionen auszuschalten, seinen Smart TV verdummen zu lassen und Geräte wie Amazon Echo generell zu meiden. In diesen Fällen sollten die Nachteile recht gut zu verkraften sein.


Image (adapted) „Ferngläser“ by stevepb (CC0 Public Domain)

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , , ,

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.