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Alles lernen mit wikiHow

Habt ihr euch schon mal mit wikiHow auseinandergesetzt? Irgendwie sieht man es in der Google-Suche immer wieder in den Vorschlägen. Doch so richtig beachtet habe ich es persönlich noch nie. Jetzt war es Zeit, sich das Ganze doch einmal näher anzuschauen und heute denke ich mir: Hätte ich es doch schon mal viel früher gemacht!

Für diejenigen, die wikiHow ebenso wenig kennen wie ich, gibt es hier einmal eine Kurzbeschreibung und die wichtigsten Facts.

wikiHow ist ein Alleswisser – das wusste ich ja gar nicht!

Grob erklärt ist wikiHow ein Portal, das einfach alles weiß. Nutzer erhalten Anweisungen und Tipps von A bis Z. Damit meine ich wirklich A bis Z. Hier findet man Themen, die alles erdenkliche, was man (nicht nur) für den Alltag benötigt, abdecken. Diejenigen, die beispielsweise in der Küche nicht ganz so sicher sind, lernen hier sogar wie man Hörnchennudeln kocht. Zu Beginn fühlte ich mich von der Auswahl der Tipps ein bisschen erschlagen und auch leicht irritiert, denn die Auswahl an Anleitungen ist scheinbar grenzenlos. So sprangen mir direkt Beiträge wie diese ins Auge:

  • Staub von einer Trockenbauwand entfernen
  • Ein Filmproduktionsunternehmen gründen
  • Eine Forschungsarbeit zitieren
  • Hartes Wasser natürlich weich machen
  • Die Bindungsenergie berechnen

Zu Anfang sieht das alles ein bisschen durcheinander aus, aber wenn man sich auf ein Thema fokusiert, wird es angenehmer. So kann der Nutzer direkt nach seinem gewünschten Thema suchen. Auch hier wird man garantiert fündig, oder aber man klickt sich durch die einzelnen Kategorien. Du hast hier die Wahl unter anderem zwischen Kunst und Unterhaltung, Technik und Elektronik, Tiere, Beziehungen, Beruf und Bildung.

Screenshot wikiHow Startseite by Jennifer Eilitz

Klickst du auf die Kategorien, wird das Ganze schon übersichtlicher. Aber auch hier wirst du merken, dass das Wissen kein Ende nimmt. Da ich mich sehr für Tiere interessiere, habe ich mir zu allererst die Kategorie Tiere vorgenommen. Hier erfährst du Wissenswertes über die Pflege und Haltung von verschiedenen Tieren oder aber auch, wie du einen Hai-Angriff vorbeugen kannst oder Tierspuren liest

Wer nach einem Beziehungsratgeber sucht, wird auch hier auf Anleitungen stoßen, bei denen man gar nicht wusste, dass es dafür Anleitungen gibt. Lernt beispielsweise, wie man nicht mehr anhänglich ist, oder von einer Freundschaft in eine Beziehung übergeht.

Neben den zahlreichen Anleitungen, für die man vermutlich nicht einmal Anleitungen braucht, gibt es aber durchaus Wissenswertes und Kleinigkeiten, die einem im Alltag wirklich helfen können. Ist euch beispielsweise der Schlüssel im Zündschloss eures Autos abgebrochen, kann man sich hier Hilfe holen.

Einen abgebrochenen Schlüssel aus einem Zündschloss entfernen via wikiHow; Screenshot by Jennifer Eilitz

Besonders gut gefallen haben mir die Anleitungen und die Art, wie die Seite ihre Anleitungen darbietet. In den meisten Beiträgen findet man gezeichnete Bilder, passend zu den einzelnen Anleitungsabschnitten. So hangelst du dich Schritt-für-Schritt durch die ebenso gut, wie einfach formulierten Texte.

Wie kommt das Wissen zustande?

Hinter wikiHow steht ein Gemeinschaftsprojekt. Ziel ist es, den weltweit größten und qualitativ hochwertigsten Ratgeber zu erstellen und diesen mit allen Menschen zu teilen. Hier kann jeder, der in einem Gebiet ganz besonders viel weiß oder Experte ist, seinen Beitrag leisten. Besucher können auf wikiHow eine neue Seite erstellen und ihr Wissen hier teilen. Seiten können von jedem zu jeder Zeit bearbeitet, verbessert oder ergänzt werden.

Wenn du also siehst, dass eine Seite noch das eine oder andere an Tipps oder Verbesserungen gebrauchen kann, logst du dich einfach ein und gibst dein Wissen hinzu. Die Qualität der Artikel soll durch das umfangreiche Wissen der User stetig verbessert werden.

Also?

Nachdem ich mich durch eine Vielzahl an Anleitungen geklickt habe, muss ich wirklich sagen: Schade, dass ich es nicht schon früher kannte. Der Aufbau der Artikel gefällt mir sehr gut und ebendieser Aspekt, dass alle gemeinsam daran arbeiten können. Jeder User kann sein Wissen in den Pool von Tipps werfen, wodurch wirklich viele tolle und vor allem nützliche Anleitungen entstehen. Neben den eher weniger nützlichen, oder meiner Ansicht nach auch teilweise überflüssigen Artikeln, dienen allerdings auch diese etwas für den Unterhaltungswert. Einfach mal vorbeischauen lohnt sich!


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Ihr seid Experte auf eurem Gebiet? Schreibt ein Buch drüber!

Wenn wir uns in manchen Fachgebieten so richtig gut auskennen, dann wollen wir unser Wissen mit unseren Mitmenschen teilen. Doch manchmal reicht „reden“ nicht unbedingt aus. Um die Gedanken, die uns durch den Kopf gehen, nicht nur unseren Freunden, der Familie oder den Kollegen weiterzugeben, lohnt es sich die Dinge aufzuschreiben und weiterzuverbreiten. Das Internet stellt eine super Möglichkeit dar, um zu teilen. Was aber neben dem Internet ebenfalls eine Aussicht auf das erfolgreiche Teilen unseres Wissens gibt, sind Publikationen. In Zeitschriften oder Zeitungen beispielsweise. Aber es geht noch besser: Veröffentlicht doch einfach euer eigenes Sachbuch!

Einfacher gesagt als getan?

Vermutlich hört sich das jetzt im ersten Moment ziemlich weithergeholt an, aber das ist es nicht. Ihr habt die Idee oder das Wissen? Also schreibt es auf! Dennoch bringt das Projekt Buch schreiben viele Fragen mit sich:

  • Über welches Thema möchte ich schreiben?
  • Wie fange ich am besten an?
  • Wo und wie kann ich mein Buch veröffentlichen?
  • Gibt es jemand, der mich dabei unterstützen kann?

Um diese Fragen zu klären, kann euch die Autorentagung „SACHBUCH schreiben“ am 2. März 2019 in Bernried weiterhelfen.

Was erwartet euch?

Egal in welchem Themenbereich, es sind alle, die sich für das Schreiben eines Sachbuches interessieren, herzlich willkommen. Schritt für Schritt bekommen die Teilnehmer den Workflow eines Autoren nahegelegt. Um auch, wenn das Buch dann fertig geschrieben ist, nicht vor einem großen Fragenpool zu stehen, wird zusätzlich auf die Veröffentlichungsvarianten eingegangen. Die Frage nach dem Selbstverlag oder dem Verlag ist ohnehin ein breitgefächertes Thema und kann bei der Entscheidung das Buch zu veröffentlichen, ausschlaggebend sein.

Erhaltet auf der Autorentagung besten Input von Referenten, die nicht nur Experten auf ihrem Gebiet, sondern auch zum Thema Veröffentlichung sind. Gerade das Networking unter Autoren und denen, die es gerne werden möchten, ist besonders wichtig, somit ist auch hier die Möglichkeit sich zu vernetzen allemal gegeben.

Das Programm ist vielseitig und bietet an einem Tag alles Wissenswerte, wie unter anderem:

  • Als Sachbuchautor Zusatzeinnahmen erzielen
  • Story Telling im Sachbuch
  • Zusammenarbeit mit Lektoren
  • Wie erreiche ich die Richtigen? PR und Blogger Relations für Ihr Sach- und Fachbuch

Was sonst noch?

Ein Mix aus spannenden Vorträgen und Podiumsdiskussionen geben tolle Einblicke in die noch fremde Autorenwelt. Doch am Ende des Tages werden die nächsten Schritte schon sicherer sein. Wer den Tag nicht verpassen möchte und schon länger mit sich ringt, die ersten Worte zu Papier zu bringen, der ist bei der Autorentagung SACHBUCH schreiben auf jeden Fall richtig aufgehoben.


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Eine App stellt Fragen zum Thema Weihnachten

Es ist in jedem Jahr dasselbe – auf einmal steht Weihnachten vor der Tür. So plötzlich und unverhofft. Dann geht alles ganz schnell und die Familie, sowie die liebsten und engsten Freunde finden zusammen, um gemeinsam die schönste Zeit im Jahr zu feiern. Aber was wisst ihr eigentlich über das Weihnachtsfest? Kennt ihr die bekanntesten Weihnachtslieder oder die beliebtesten Gerichte am Heiligen Abend? Kennt ihr die bedeutsamsten Traditionen der Weihnachtszeit?

Viele Apps begleiten uns mittlerweile durch die Adventszeit und verkürzen die Tage bis zum großen Fest. Neben Adventskalendern, können wir viele nette Apps auf unser Smartphone downloaden. Mit dem großen Weihnachts-Quiz könnt ihr euer Wissen auf den Prüfstand stellen. Sie steht kostenfrei im Google-Play-Store zum Download bereit und ist ziemlich einfach aufgebaut.

Was erwartet euch?

Es gibt insgesamt 150 Fragen, die es zu beantworten gilt. Hierbei kann man zwischen den einzelnen Kategorien entscheiden, oder sich einfach gleich allen Fragen auf einmal stellen. Entscheidet sich der Teilnehmer für eine einzelne Kategorie, so werden weitaus weniger Fragen gestellt.

Pro Frage bleiben den Teilnehmern 20 Sekunden Zeit, um diese zu beantworten. Ist man sich nicht sicher, so kann man auch auf kleine Joker zugreifen, wie beispielsweise einen Timer, um sich mehr Zeit zu verschaffen oder aber auch die 50:50 Chance. Wer sich ganz unsicher ist, der darf bis zu fünf Mal eine Frage überspringen. Dabei hat der Nutzer drei Leben, ehe er von vorne beginnen muss.

Die Fragen sind jeweils unterschiedlich schwer. Während manche Fragen ganz einfach beantwortet werden können, so muss man bei anderen Fragen wiederum seine grauen Zellen ordentlich anstregen.

Sehr viel mehr gibt die App auch nicht her, aber um sich auf die Weihnachtszeit einzustimmen und nebenbei auch noch Wissenswertes dazuzulernen, kann ja auch nicht schaden, oder?


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Die Netzpiloten sind Partner der Codemotion Berlin 2017

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Auch dieses Jahr wird die Kulturbrauerei in Berlin als Standort der diesjährigen Codemotion gut gefüllt sein: Mit einem internationalen Netzwerk von 30 000 Entwicklern und 350 Sprechern ist die Codemotion eine der größten Tech-Konferenzen in Europa. Die Konferenz wird dieses Jahr am 12. und 13. Oktober stattfinden und bietet internationalen Entwicklern, Ingenieuren und Kodierern die perfekte  Plattform, um sich über aktuelle Themen sowie neue Ideen und Projekte rund um das Thema Kodierung auszutauschen.

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es bei der Codemotion so abläuft, kannst du dir hier die Bilder vom letzten Jahr ansehen.

Das sind die Hauptziele der Codemotion in diesem Jahr

  • mehr Interaktion mit der Community durch die Integration der einzelnen Gemeinschaftsstadien

  • eine ausgeglichene Mischung aus Tech-Reden und Seitenprogrammierung

  • relevante Hauptgedanken und ein hochkarätiges Konferenzprogramm

  • Komfortable Sozialräume für Wissensaustausch und Vernetzung

Das Programm der Codemotion beinhaltet unter anderem Themen wie „Keynote“, „Mobile“, „Cloud/Big Data“, „Security“ „Innovation“ und viele mehr. Die Speaker kommen aus bekannten Unternehmen wie Mozilla und Microsoft. Dabei sind alle Programmsprachen und –technologien willkommen. Ziel ist es, Entwickler zusammen zu bringen, die „outside the box“ denken können und die Schnittstellen zwischen Technik und Programmierung verstehen.

Die Codemotion erwartet dieses Jahr über 500 Besucher – und du kannst dabei sein!  Dich erwartet die einmalige Gelegenheit dein Wissen, deine Inspirationen und deine Begeisterung über alle Facetten der Kodierung mit anderen zu teilen und weiter zu verbreiten. Ein Ticket kannst du dir hier sichern.

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Zwischen Selbstoptimierung und Cyborg: Kann Biohacking unsere Produktivität steigern?

Technologie (adapted) (Image by Tumisu [CC0 Public Domain] via pixabay)

Ein gesünderes Leben, mehr mentale Stärke, bessere Konzentration und eine bessere Performance. Das sind einige der Ziele der Biohacking-Bewegung. Der Trend aus dem Silicon Valley ist längst auch in Deutschland angekommen. Doch ist Biohacking tatsächlich eine gesunde Form der Selbstoptimierung oder werden wir damit über kurz oder lang zu arbeitsoptimierten Cyborgs?

Zwei Monate hat er durchgehalten. So lange hat Fabian Foelsch kaum feste Nahrung zu sich genommen. Foelsch will damit aber nicht etwa ein paar Kilo abspecken oder eine Detox-Kur machen. Er will testen, ob ihn sein Nahrungsverzeicht produktiver macht. Er gehört zu den Menschen, die medizinisches und biologisches Wissen nutzbar machen wollen, um die eigene Leistung und sich selbst zu optimieren. Fabian Foelsch ist ein Biohacker.

Wenn man sich selbst zum Versuchskaninchen macht

Damit sind nicht unbedingt die DIY-Biologen gemeint, die in Garagenlabors Bakterien zur Verhütung züchten oder Mikrochips entwickeln, die wir uns unter die Haut einpflanzen. Bei der neuen Generation der Biohacker steht vor allem eines im Zentrum: Selbstoptimierung. Diese soll aber nicht etwa über genetische Experimente erfolgen, sondern vielmehr über die optimale Nutzung unserer körperlichen Funktionen. Biohacking light also. Maximilian Gotzler, Gründer der Marke Flowgrade, gilt in Deutschland als Biohacking-Experte. Er definiert den Begriff folgendermaßen: „Biohacking ist die Kunst, die neuesten Erkenntnisse aus Technologie und Natur so zu kombinieren, dass wir uns selbst weiterentwickeln und ein besseres Selbstverständnis entwickeln können.“

Im Zentrum steht dabei die Selbstvermessung. Überspitzt könnte man auch sagen, dass wir uns beim Biohacking selbst zu Versuchskaninchen machen. Gemeint ist damit das intensive Beobachten des eigenen Körpers nach wissenschaftlichen Methoden. Das kann so etwas Simples sein wie ein Ernährungstagebuch oder auch das Messen von Blutwerten, Körperfett oder komplexere Methoden wie etwa der Einsatz von Messtechnologien wie Schlaftrackern. Mit solchen Daten wollen Biohacker herausfinden und letztendlich messbar machen, was dem Körper gut tut und was ihn leistungsfähiger macht. Und sie wollen daraus Produkte für den Massenmarkt entwickeln.

Businessmodell Biohacking

Biohacking dient also nicht nur der Selbstoptimierung, es ist ein Geschäftsmodell. Das hat auch der temporäre Nahrungsverweigerer Fabian Foelsch vor einigen Jahren erkannt. Er kommt aus dem Leistungssport, hat dann aber eher klassisch BWL studiert – „also ganz langweilig“, wie er im Gespräch mit den Netzpiloten gesteht. So richtig warm wurde er denn auch nie mit seiner Arbeit im Bereich der Finanzen. So beschloss er schließlich, sein eigenes Wissen um die Performanceverbesserung aus dem Sport für den Massenmarkt zu skalieren – und startete so 2016 sein Start-Up BRAINEFFECT.

Sein aktuelles Nahrungsexperiment ist dabei nur einer der vielen Selbsttests, die er und seine Mitarbeiter im Start-Up ausprobieren. Ziel ist es dabei, Nutzern nicht nur hilfreiche Tipps wie etwa über das hauseigene Magazin zu geben.

Dazu gehören etwa Ratschläge wie weniger Kaffee trinken oder öfter an die frische Luft gehen. Das klingt nach recht banalen Tipps, die man mit ein wenig gesundem Menschenverstand wahrscheinlich auch ohne viel Geld für teure Produkte selbst umsetzen kann. Dennoch haben Biohacking-Unternehmen und Food-Brands wie BRAINEFFECT offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen. Denn das Start-Up entwickelt auch eigene Biohacking-Produkte. Gemeinsam mit einem Team aus Leistungssportlern, Ärzten, Lebensmittelchemikern und Ernährungswissenschaftlern bietet das Unternehmen verschiedene Food-Produkte zur Selbstoptimierung an. Diese haben Namen wie „Sleep“, „Mood“ oder „Focus“ und sollen – durch rein natürliche Zutaten, wie das Unternehmen versichert – den Schlaf, die Laune oder die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Diese Produkte sind sehr gefragt. „Wir richten uns mit unseren Produkten an eine Vielzahl von Menschen. Unsere Kunden sind Sportler, Gründer, Banker, aber auch Mütter oder schlichtweg Menschen, die ihr Wohlbefinden verbessern wollen“ , sagt Foelsch. Diese Kunden nennt er auch „Alltagshelden“ oder „Büroathleten“. Damit ist auch klar, dass jeder von uns ein potentieller Biohacking-Kunde ist. Wer will denn schließlich nicht fitter, ausgeschlafener, entspannter und leistungsfähiger sein?

Tatsächlich könnte man dies in Eigenarbeit und durch Selbstbeobachtung wahrscheinlich auch ohne Start-Ups wie BRAINEFFECT erreichen. Doch die Biohacker profitieren dabei auch von einer grundlegenden menschlichen Eigenschaft: der Faulheit. Anstatt uns mit Schlaftrackern oder Blutdruckmessgeräten selbst zu beobachten, ist es natürlich simpler, einfach eine Melatonin-Kapsel für besseren Schlaf einzunehmen. Auch wenn hinter diesen Produkten wissenschaftliche Erkenntnisse und fundierte Studien stecken: Im Prinzip wird damit – wie schon seit Jahrhunderten – Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit aus der Flasche verkauft.

Fabian Foelsch (2)
Fabian Foelsch (Image by BRAINEFFECT)

Medizinisches Wissen demokratisieren

Das wäre dann vielleicht einfach nur geschicktes Marketing und nicht weiter bemerkenswert. Doch wird mit solchen Start-Ups nicht auch das Bild der optimierten Supermenschen, passend zur Always-On-Mentalität propagiert? Nur, wenn man Selbstoptimierung einseitig definiert, findet Fabian Foelsch.

Natürlich klingt Biohacking für viele nach der Heranzüchtung von Cyborgs oder optimierten Fließbandmenschen für Unternehmen. Doch das ist eigentlich genau das Gegenteil von dem, was wir anstreben. Wer bei Leistung an Energiedrinks und durchgepowerte Nächte denkt, hat das Konzept nicht wirklich verstanden. Tot-Optimierung ist nicht das Ziel. Uns geht es nämlich genau darum, Burnout zu verhindern. Es geht beim Biohacking um nachhaltige Leistungsfähigkeit, also eher um den Marathon als um den Sprint“ . Denn – und das ist Fabian Foelsch sehr wichtig – Leistung kann nur dann optimiert werden, wenn wir uns auch ausreichend Ruhe und Entspannung gönnen. Kein Wunder also, dass gerade gesunder und erholsamer Schlaf für ihn im Zentrum der Selbstoptimierung steht.

Dahinter steckt aber auch das Wissen um die stetig wachsende Digitalisierung unserer Arbeit, sagt Foelsch. „Je mehr traditionelle Jobs wegfallen, desto mehr müssen wir Arbeit neu definieren. Es geht nicht mehr darum, Dinge auswendig zu lernen oder Fließbandarbeiter zu schaffen. Wir müssen vor allem an unserer Kreativität arbeiten.“

Genau dabei soll uns Biohacking helfen. Denn mit den Methoden der Selbstbeobachtung und der Selbstoptimierung können wir demnach nicht nur produktiver sein, aber auch mental fitter und somit kreativer. Wie viele Biohacker sieht Foelsch seine Arbeit auch ein Stück weit als Demokratisierung von medizinischem Wissen. Analysen und Befunde, die früher nur von Ärzten durchgeführt werden können, kann man heutzutage ganz einfach selbst machen. Dieses Wissen kann dann positiv genutzt werden. Denn je mehr wir von unserer Biologie verstehen, desto selbstbestimmter können wir leben.

Es geht Biohackern wie Foelsch also nicht darum, aus Menschen Duracell-Hasen zu machen, sondern darum, dass wir unser eigenes Leben in die Hand nehmen. Nach Meinung von Foelsch sollten uns Methoden wie Biohacking dabei helfen, bewusstere Lebensentscheidungen treffen zu können. „Dazu gehört auch, dass ich auch mal abends Pizza essen gehe. Selbst, wenn ich weiß, dass ich danach schlechter schlafe, ist mir dann in dem Moment der schöne Abend mit meiner Freundin wichtiger. Aber es war dann eine bewusste Entscheidung, die auf fundiertem Wissen über mich selbst basiert“.

Andersherum können wir mit diesem Wissen auch Dinge vermeiden, die uns schaden. Wenn wir beispielsweise wissen, dass das Licht am Smartphone Gift für unseren Schlaf ist, können wir vor dem Zubettgehen stattdessen einfach ein Buch lesen. Wie weit man bei der Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung geht und inwieweit man sich auf bestimmte Maßnahmen versteift, ist dabei jedem selbst überlassen. Doch fest steht, dass Biohacking uns immerhin eine Tür zu einem ausgeglichenerem, gesünderen Leben öffnen kann.


Image (adapted) „Technologie“ by Tumisu (CC0 Public Domain)


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Netzpiloten sind Partner der Affiliate Conference

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In München findet am 09. November die Affiliate Conference 2017 statt. Das Event, das von der xpose360 GmbH veranstaltet wird, präsentiert sich dieses Jahr in neuem Gewand mit vielen Neuerungen. Für die Zusammenstellung des Programms wurde ein Fachbeirat engagiert, für jeden Themenbereich gibt es einen Experten. Der Grundsatz bei der Planung der verschiedenen Vorträge war, dass die Ziel die Umsatzsteigerung der teilnehmenden Unternehmen durch das erworbene Wissen sein soll.

Neu im Jahr 2017

Der Wissenstransfer erfolgt durch Fachvorträge. Für alle Neueinsteiger gibt es einen Intensiv-Workshop, den die Teilnehmer mit einem Zertifikat abschließen. Beim Speed-Networking lernen sich potentielle Geschäftspartner kennen, es wird zwei aufeinander folgende Runden geben. Neben einer Keynote zum Thema „Zielführende Kommunikation zwischen Affiliates und Merchants“ wird es noch viele weitere Vorträge geben. Zu den Themen zählen unter anderem:

  • Konkreten Umsetzung eines Customer-Journey-Trackings
  • Die richtige Gutschein-Strategie für inkrementelle Sales
  • Umsetzung einer Mobile-Strategie
  • Anpassung der Provisionsmodelle und sinnvolle Nutzung von Programmatic Advertising zusammen mit Performance Marketing

Außerdem können sich die Teilnehmer über eine Podiumsdiskussion zu den Trends im Affiliate-Marketing freuen. Markus Keller, Organisator der Affiliate Conference 2017, sagt über die Veranstaltung: „Die Affiliate Conference ist die einzige Konferenz, die sich zu 100 Prozent dem Thema Affiliate- Management widmet. Wir garantieren den Teilnehmern daher praktische und umsetzbare Lösungen und Neuigkeiten, mit denen sie ihre Performance nachhaltig steigern können. Hierzu konnten wir erneut hochkarätige Experten aus der Performance-Branche gewinnen.“

Der Hauptsponsor des Events ist die AWIN AG, bis März 2017 Zanox AG. Die Teilnehmer haben die Möglichkeit, Mitglied des Affiliate Conference CLUB zu werden und erhalten damit Zugang zu Videos, Podcasts, Whitepapern und Event-Vergünstigungen.

Hier könnt ihr euch für die Affiliate Conference 2017 anmelden.

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Fabian Westerheide über Künstliche Intelligenz

Neural (adapted) (Image by geralt [CC0 Public Domain] via pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelreihe im Vorfeld der Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland. Die Konferenz findet am 23. März 2017 in Berlin statt.


Künstliche Intelligenz (KI) und die Frage, was den Menschen und die Maschine zusammenbringt, treibt den Unternehmer, Venture Capitalist, Autor und Redner Fabian Westerheide um. Nachdem er in verschiedene Unternehmen investierte, ist er seit 2014 Geschäftsführer von Asgard – human VC for AI und leitet die KI-Konferenz Rise of AI. Außerdem ist er Koordinator für Künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups. Ich habe mich mit ihm im Vorfeld zur Digitalkonferenz EXPLAINED von Microsoft Deutschland, bei der er als Speaker auftreten wird, zum Interview getroffen.

Was fasziniert Sie an Künstlicher Intelligenz?

Das war ein Prozess. Ich komme vom Land und habe schon immer an Computern herumgebastelt und mich für die Auswirkungen zwischen Mensch und Maschine interessiert. Dann bin ich Unternehmer geworden und habe in insgesamt 35 Firmen investiert, von denen die meisten aus dem Softwarebereich stammen. Irgendwann wusste ich, dass das Thema Künstliche Intelligenz, was mich durch Science-Fiction-Literatur schon seit den Achtzigern beschäftigt hat, endlich greifbar wurde. Mich fasziniert vor allem, dass es so ein komplexes Thema ist und wirtschaftliche, gesellschaftliche, militärische und politische Konsequenzen hat. Es betrifft sowohl Unternehmen als auch den einzelnen Menschen, es betrifft letztlich die ganze Menschheit. Das ist ein Thema, bei dem ich meine ganze Begeisterung für Politik und Gesellschaft einfließen lassen kann. Und ich fühle mich sehr wohl damit, weil es um mehr als Geldverdienen geht. Künstliche Intelligenz kann wirklich die Menschheit verändern – in die eine oder in die andere Richtung.

Was ist der nächste Entwicklungsschritt für die Künstliche Intelligenz?

Die Maschine muss noch besser lernen zu lernen. Das bedeutet, dass sie mit wenige Daten zurecht kommt und mit weniger Transferwissen arbeiten kann. Zum Beispiel kann man derzeit eine KI, die ein bestimmtes Auto fährt, nicht einfach in ein anderes selbstfahrendes Auto verpflanzen. Man kann sie auch nicht benutzen, um mit ihr mit Aktien zu handeln oder ein Flugzeug zu fliegen. Sie ist eigentlich ziemlich idiotisch angelegt und genau auf ihre Hardware programmiert. Innerhalb dieser Grenzen kann sie aber jederzeit weiterlernen. Wir müssen also den Schritt schaffen, dass die Software Hardware-unabhängig wird und Vorwissen aufbauen kann. Vor ein paar Wochen hat Google Deep Mind ein sehr interessantes Paper veröffentlicht, wo sie mit einer KI ein Spiel gespielt haben. Dieselbe KI wurde verwendet, um ein neues Spiel zu lernen. Die KI wurde also deutlich besser, weil sie über das Wissen verfügt, wie man so ein Spiel spielt. Sie konnte es auf ein anderes Spiel übertragen und dadurch besser werden als eine KI, die nur auf dieses eine Spiel hin programmiert wurde.

Ist das der Schritt zwischen einem gut funktionierenden Algorithmus und einem denkenden Wesen? Ich gebe zu, ich scheue mich etwas, diesen Prozess schon als Denken zu bezeichnen. Ich würde eher sagen, es ist eher ein Weiterverarbeiten. Oder fängt das Denken hier schon an?

Das ist schwierig zu sagen, hier fängt eigentlich eher die nächste Diskussion an: Denkt der Mensch wirklich, oder sind wir nicht viel eher hormon- und instinktgetrieben? Wie viel davon ist durch unser Unterbewusstsein bestimmt? Die meisten Menschen treffen Entscheidungen im Bruchteil einer Sekunde. Wir nennen das Bauchgefühl oder Instinkt. Eigentlich ist es aber eine Erfahrungskurve. Wir brechen unsere Erfahrungen herunter und denken nicht darüber nach, sondern handeln. So ist es bei der Maschine auch. Sie können noch nicht auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückgreifen oder auf eine jahrelange Erziehung. Wir als Menschen hingegen haben ungeheuer viel Input verarbeitet und sind biologisch dafür ausgelegt, alles abzuspeichern. Seit es im Jahr 2012 den großen Durchbruch mit den neuronalen Netzen gegeben hat, haben die Maschinen auch ein Kurzzeitgedächtnis. Was noch fehlt ist ein Langzeitgedächtnis und das Abstraktionslevel. Und genau das passiert gerade: Wir bauen Schritt für Schritt ein kollektives Gedächtnis auf, eine Art Schwarmintelligenz. Wir müssen also noch nicht einmal eine menschenähnliche KI haben, um zu erreichen, dass sie denkt, sondern wir brauchen eine KI, die untereinander kommuniziert und kollektiv Wissen verarbeitet. Wenn ein Auto beispielsweise einen fatalen Fehler macht, wie es bei dem Tesla-Unfall mit dem LKW geschehen ist, dann passiert ihm das ein einziges Mal. Seit diesem Vorfall können alle hunderttausende Teslas da draußen LKWs erkennnen. Das ist eine Intelligenzleistung, die mehr schafft als ein einzelner Mensch.

Image by Fabian Westerheide
Image by Fabian Westerheide

Wir müssen die KI also nicht nur schulen, sondern auch erziehen?

Genau das. Der Hirnforscher Danko Nikolic sagt, wir brauchen einen KI-Kindergarten, eine Art DNA für künstliche Intelligenz. Ich finde diese These sehr interessant. Wir müssen es schaffen, diese Lernalgorithmen einer KI beizubringen. Sie muss lernen zu lernen, damit sie weiß, wie man selbst Wissen generiert. Das können wir Menschen besonders gut. Die KI kann das noch nicht, also wird der Durchbruch im Lernalgorithmus die nächste Stufe sein. Dann muss man sie trainieren, ausbilden und erziehen, wie man Kinder erzieht. Wenn das passiert, wird das, was wir jetzt haben, schneller und auch deutlich interessanter. Eine KI hat noch keine Eigenmotivation, ich weiß aber, dass Teams bereits daran arbeiten.

Welche Jobs sind bisher immer noch nicht vollständig durch Maschinen ersetzbar? Wo geht hier die Entwicklung hin?

Momentan sind es zwei: Menschen und Komplexität. Wir sind Menschen und wollen deshalb natürlich weiterhin menschliche Interaktion. Ich behaupte, dass ‚Made by Humans‘ irgendwann bei Produkten ein Qualitätsmerkmal sein wird, für das die Leute mehr bezahlen werden. Bei der Interaktion kann es zu einer Mischung kommen: In der Pflege werden wir Pflegeroboter haben, die uns beispielsweise dabei helfen, den schweren alten Mann zu wenden, aber die menschliche Komponente muss erhalten bleiben. Eine KI nimmt dich nicht in den Arm, sie kann aber konkrete Ergebnisse liefern. Das dauert wohl aber noch gut 10 bis 15 Jahre. Eine KI kann erkennen, wie Prozesse am besten durchzuführen sind, aber bei emotionaler Intelligenz muss sie eben passen. Wir brauchen keinen menschlichen Maler, aber einen menschlichen Innenarchitekten. Je einfacher der Job ist, desto eher können wir ihn durch die Maschinen erledigen lassen. Sie hat aber noch immer ein Problem mit der Motorik, das haben wir noch nicht gelöst. Softwaretechnisch hingegen ist sie uns natürlich haushoch überlegen, jeder Taschenrechner kann besser rechnen als du und ich.

Wir müssen der KI auch Kontext beibringen, damit sie uns wirklich helfen kann.

Bei Service-KIs funktioniert das sogar schon. Die KI kann erkennen, ob der Kunde gut oder schlecht gelaunt ist, ob er etwas umtauschen will und ob sie ihm noch mehr Angebote machen soll oder nicht. Das würde ich schon als Kontext bezeichnen. Jeder, der schon einmal Kundensupport gemacht hat, wird das kennen – man muss Zweideutigkeit erkennen und das kriegen schon wir Menschen manchmal nicht ordentlich hin. Wie wollen wir da erwarten, dass die KI es besser macht? Der erste Schritt ist also: Sie muss lernen, es zumindest schon einmal besser zu machen als der Schlechteste von uns.

Wenn man manche Artikel liest, werden die Maschinen oft sehr dystopisch als unser Untergang beschrieben, sowohl gesellschaftlich als auch arbeitstechnisch. Wie gehen Sie mit dieser Angst der Menschen um?

Ich erlebe es ab und zu, dass die Menschen bei einem gewissen Level fast schon technologiefeindlich sind und regelrecht Angst vor der KI haben. Aber ich finde, dass Probleme wie die globale Erwärmung, der Terrorismus oder auch nur zu viel Zucker im Blut viel gefährlicher für die Menschheit sind. Wir sollten wirklich versuchen, etwas unaufgeregter an das Thema KI heranzugehen. Ja, die Digitalisierung frisst eine Menge Jobs. Aber das ist doch super! Niemand muss mehr langweilige Jobs machen, wir haben viel mehr freie Zeit. Wir können die KI benutzen, um in unserer Tätigkeit noch produktiver zu sein. Wir können so sogar mehr Jobs nach Europa holen, weil es günstiger und effektiver ist, die Handgriffe an eine KI outzusourcen als an irgendwelche ausgebeuteten Clickworker in Indien. Das Ganze bringt einen enormen strukturellen Wandel mit sich, weil wir uns von der Industriegesellschaft zur Servicegesellschaft und auch zu einer Wissensgesellschaft wandeln.

Die Großkonzerne von heute haben bereits begriffen, dass sie sich entwickeln müssen, sie tun sich damit aber noch etwas schwer. Das sind reine Industrieunternehmen, die aus einer ganz anderen Hierarchie und einer anderen kulturellen Epoche kommen. Künstliche Intelligenz ist hier nur die Spitze des Eisberges, denn unsere Industrie ist nicht für digitale Umbrüche gerüstet. Wir sind an dieser Stelle in kultureller Hinsicht noch komplett falsch aufgestellt.

Wie steht es um die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz in Deutschland?

Das deutsche Problem daran ist, dass wir mal wieder den Trend verschlafen. Es gibt kaum KI-Unternehmen hierzulande – wir sind eher auf den abgeschlagenen Plätzen zu finden. Im Moment sind die US-amerikanischen KI-Unternehmen besser finanziert und es gibt viel mehr Firmen als hier, obwohl der Markt nicht so groß ist wie unserer. Es geht auch nicht darum, noch etwas zu entwickeln, dass uns unser Essen schneller liefert, sondern darum, dass uns eine strategische Entwicklung entgeht. Wir brauchen endlich mehr Forschung, mehr Kapital und mehr Unternehmen in Deutschland und Europa, um eine strategisches, wirtschaftliches und politisches Gegengewicht herstellen zu können. Nur dann können wir auf Augenhöhe miteinaner verhandeln.


Image (adpated) „Neural“ by geralt (CC0 Public Domain)


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Netzpiloten sind Partner beim Startup Camp Berlin 2017

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Am 07. und 08. April findet in Berlin das Startup Camp Berlin 2017 (SCB17) statt. Das SCB17 bringt Gründer, Entrepreneurs, Investoren und Studenten zusammen. Ziel ist es, Erfahrungen miteinander zu teilen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.

Die Veranstalter sind der Bundesverband Deutsche Startups e.V., Berlin Startups und deutsche-startups.de. Auf der Konferenz werden euch die Speaker im Rahmen ihrer Präsentation Einblicke in ihre Kenntnisse geben und ihr Wissen mit euch teilen. Wenn ihr selbst ein Produkt auf den Markt gebracht hat, könnt ihr mit den Experten eine Fallstudie durchführen. Dadurch erreicht ihr ein breiteres Publikum, bestehend aus Studenten, Entrepreneurs, Gründern, Kunden, Investoren und potentiellen zukünftigen Partnern.

Die Organisatoren, selbst Entrepreneurs, die ihre eigenen Unternehmen aufgebaut und verkauft haben. Seit 2005 haben sie mehr als 200 Veranstaltungen und Meet-Ups organisiert. Mit ihrer Hilfe seid ihr schlauer bei der Gründung und werden schneller wachsen. Unter den erfolgreichen Speakern, die für euch vor Ort sein werden, sind unter anderem:

Parallel zum Konferenzgeschehen finden so genannte Focus Camps statt. Diese werden von Kuratoren organisiert und durchgeführt. Themen der bislang insgesamt 15 Focus Camps sind in diesem Jahr unter anderem: FinTech, HR, Business Creation for Startups, Incubatoren & Acceleratoren, Marketing & PR sowie Digital Health und viele weitere.

Die Veranstaltung findet in der Humboldt Universität in Berlin statt. Unter dem Hashtag #SCB17 auf Twitter bleibt ihr auf dem Laufenden und teilt eure Meinung mit einer relevanten Zielgruppe.

+++ Rabattaktion +++

Hier könnt ihr euch Tickets für die Veranstaltung sichern. Wenn ihr euer Ticket bucht, benutzt exklusiv den Rabattcode „Netzpiloten_at_SCB17“. Die ersten fünf von euch erhalten damit 15 Prozent Rabatt.

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Mädchen schneiden in der Schule besser ab – sind aber weniger zufrieden

child (image by KokomoCole [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die übliche Diskussion über die Erfahrungen von Kindern in der Schule fokussiert sich auf akademische Leistungen, persönliche Entwicklung sowie Bewertung der Schule. Fragt man Lehrer, Eltern oder politische Entscheidungsträger, was das wichtigste Angebot einer Schule sei, wird die Antwort eindeutlig sein: Bildung. Sie möchten, dass Kinder Wissen und Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen, eine Karriere aufzubauen und erfolgreiche Erwachsene zu werden.

Natürlich befassen sie sich auch mit den persönlicheren Aspekten der Schule. Niemand möchte, dass ein Kind gemobbt wird oder unter Unsicherheit leiden muss. Dennoch wird es angesichts der steigenden Bedeutung von Qualifikation, Performanz, Schulbewertung und Verantwortlichkeit von Lehrern einmal Zeit, sich anzuschauen, ob und wie die sozialen Aspekte der Schulumgebung in bildungsbezogenen Diskursen als gegeben betrachtet oder zumindest überschattet werden.

In den vergangenen drei Jahren hat unsere Forschungsgruppe der Universität von Cardiff die unterschiedliche Wahrnehmung der Schulerfahrungen von Mädchen und Jungen analysiert. Unsere Studie bezieht ca. 1500 Schüler an 29 verschiedenen Grund- und Sekundarschulen in ganz Wales ein und förderte eine Fülle an Informationen zu Tage – nicht zuletzt, dass Mädchen in der Schule einfach weniger zufrieden sind als Jungen.

Wie ist das möglich? Gewöhnlich erzielen Mädchen in der Schule besser Noten als Jungen, aber warum sind sie nicht ebenso zufrieden wie ihre männlichen Pendants? Wir haben Schüler zu einer Vielzahl von Faktoren befragt, einschließlich der Lernumgebung ihrer Schule und der Eigenschaften der Institutionen als Ort der Sozialisierung, persönlicher Leistung sowie subjektives Wohlbefinden. Insgesamt haben wir mehrere wichtige, geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung des eigenen Schulbesuchs aufgedeckt.

Beispielsweise waren weibliche Schüler gegenüber der Schule als Institution positiver eingestellt als Jungen. Sie hatten den Eindruck, dass das Schulpersonal große Erwartungen an sie hat, gute Noten und Fortschritt belohnt und sich für ihre akademischen Leistungen interessiert. Dennoch waren ihre Aussagen zur Wahrnehmung der Schule sehr unterschiedlich.

Knapp 25 Prozent der weiblichen Schüler sagten, dass sie sich Sorgen um ihre schulischen Leistungen machen würden, im Vergleich fanden sich hier nur 16,5 Prozent bei den Jungen. Circa 24 Prozent der Mädchen hatten das Gefühl, nicht in die Schule zu gehören, verglichen mit nur 8,8 Prozent bei den Jungen. Zusätzlich konnten fast 20 Prozent der Mädchen nicht mit der Aussage übereinstimmen, dass die Schule ein Ort sei, an dem „meine Lehrer mich gut kennen“, verglichen mit 12 Prozent der teilnehmenden Jungen. Leider werden die Antworten der Teilnehmer nicht besser mit dem Fortschreiten in der Schule. Die Befragungen wurden in zusätzlichen jährlichen Durchläufen wiederholt und die negativen Antworten wurden nicht nur beibehalten, sondern haben in einigen Fällen sogar zugenommen.

Geschlecht und Schulausbildung

Frühere Untersuchen der American Psychological Association und der britischen Organisation UCAS fanden heraus, dass Mädchen insgesamt in den meisten (oder allen) Schulfächern bessere Leistungen erbringen als Jungen und dass sich dieser Trend in vielen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert manifestiert hat. Die Medien verbreiten diese Erkenntnisse häufig in Verbindung mit einer Art moralischer Panikmache, in der Interessenvertreter händeringend versuchen, den Diskurs in die Richtung der wahrgenommenen Bedrohung der Entwicklung und des zukünftigen Erfolgs männlicher Schüler zu lenken.

Die Geschlechterkluft in der Bildung wird oft dem Mangel an männlichen Lehrern beigemessen. Dennoch hat eine Studie nach der anderen festgestellt, dass das Geschlecht des Lehrers keinen messbaren Einfluss auf die akademischen Leistungen von Schülern hat. Vielmehr scheinen Mädchen bessere Leistungen zu bringen, weil sie laut einer amerikanischen Studie eine positivere Auffassung von Bildung haben, mehr lesen, mehr lernen und ein besseres Verhalten aufweisen als Jungen. unsere Forschung bestätigt diese Behauptung.

Auch wenn die geringeren akademischen Leistungen der Jungen in der Schule besorgniserregend sind, muss Folgendes bedacht werden: auch wenn Mädchen in der Schule bessere Leistungen bringen als Jungen, sind diese Erfahrungen oft genug mit Zweifel, Entfremdung und Angst behaftet.

Schulen als soziale Räume

Schulen sind weit mehr als ein Ort des Lernens, sie sind ebenso komplizierte Schauplätze sozialer Aktivitäten. Dieselben gesellschaftlichen Einstellungen, Praktiken und Diskurse, die auch außerhalb der Schule präsent sind, existieren auch innerhalb dieser mikrosozialen Umgebung. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schüler nicht die Komplexität des Erwachsenenlebens ablegen, wenn sie die Schulräume betreten. Wenn überhaupt werden sie für einige noch intensiviert.

Die Schülerinnen, die an der Studie teilgenommen haben, sind der Auffassung, dass die gegenwärtige Situation junger Frauen in einer patriarchalisch organisierten Gesellschaft implizit und explizit auf die sozialen Praktiken im Schulwesen zurückzuführen ist. Die Wahrnehmung des Körpers und die Aktivität in sozialen Medien sind beispielsweise aktuelle Themen, die mit dem sozialen Druck in Verbindung gebracht werden, der potenziell die emotionalen Probleme von Mädchen vergrößert. Die Reaktionen darauf fokussieren sich meistens auf den Einfluss dieser Probleme auf das Leben von Mädchen, ohne jedoch mit einzubeziehen, wie das Bild des weiblichen Körpers in der Gesellschaft konstruiert und reproduziert wird. Die Schulen bilden in diesem Prozess das Instrument.

Obwohl behördliche Versuche unternommen werden, um diese Geschlechterkluft zu schließen, muss ein größerer Aufwand betrieben werden, um die gesellschaftlichen Erfahrungen und das Wohlbefinden von Schülern (und insbesondere von Mädchen) in der Schule zu verstehen und zu verbessern.

Das Einbeziehen von Konzepten wie Gender Fluidity in die Prozesse des Schulalltags sowie Unterrichtsmaterialien kann glaubwürdige Lernmöglichkeiten liefern, um sich mit Konzepten von Identität und Geschlecht auseinanderzusetzen.

Organisationen wie die Association of Teachers and Lecturers und die Gender and Education Association sind bereits an vorderster Front, um Lehrer bei der Implementierung von kritischen, transformativen Praktiken im Klassenzimmer anzuleiten. Zusätzlich zum praktischen Engagement zu den Themen Geschlecht und Identität – Faktoren, die das Leben jedes Schülers in der Schule betreffen – können die philosophischen Strömungen, die in die neuen und entstehenden Lehrpraktiken eingebettet sind, informieren und einen inklusiveren Bildungsethos für Schulen kräftigen und eine unterstützende und angenehme Umgebung für alle Schüler schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Child“ by KokomoCole (CC0 Public Domain)


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Worin liegt der Sinn in Bildung, wenn uns Google alles sagen kann?

Google Education Summit 2013 (adapted) (Image by txnetstars [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Erinnern sie sich auch nicht mehr an die Namen der zwei Elemente, die Marie Curie entdeckt hat? Oder daran, wer 1945 die Nationalratswahl in Großbritannien gewann? Oder wie viele Lichtjahre die Sonne von der Erde entfernt ist? Fragen Sie einfach Google.

Der konstante Zugang, der nur ein Klick oder eine Smartphone-Berührung entfernt ist, um am Überfluss an Online-Informationen teilzuhaben, hat die Art und Weise, wie wir uns sozialisieren und die Art und Weise, wie wir uns über die Welt um uns herum informieren und unser Leben organisieren, radikal verändert. Wenn alle Fakten sofort online abrufbar sind, welchen Sinn ergibt es noch, die selben Fakten an der Schule und der Universität zu erlernen? Die Zukunft könnte so aussehen, dass junge Menschen, nachdem sie sich die Grundlagen des Lesens und Schreibens angeeignet haben, ihre gesamte Bildung über Suchmaschinen wie Google aus dem Internet erhalten –  wann und wo auch immer sie etwas wissen wollen.

Einige Pädagogen streiten sich darüber, ob Lehrkräfte, Klassenräume, Bücher und Unterricht zu ersetzen seien, indem Schüler auf sich selbst gestellt sind und sich einfach online zu bestimmten Themen Informationen suchen. Derartige Ideen stellen den Wert eines traditionellen Bildungssystems, in dem Lehrer ihr Wissen an Schüler weitergeben, infrage. Natürlich warnen andere auch vor dieser Denkweise und betonen die Relevanz des persönlichen Kontakts zwischen dem Schüler und dem Lehrpersonal.

Diese Debatten über den Sinn und Zweck von Online-Suchen im Rahmen von Bildung und Bewertungen sind keineswegs neu. Statt nach neuen Wegen zu suchen, die Schüler abzuhalten, in ihren Hausarbeiten zu schummeln oder zu plagiieren, sollten wir unserer Besessenheit nach “Authentizität” ihrer Hausarbeiten Einhalt gebieten. Möglicherweise werden dann erst andere wichtige Aspekte der Bildung sichtbar, die zuvor nicht beachtet wurden.

Digitaler Inhaltsverwalter

In meinen jüngsten Recherchen, in denen ich die Methoden analysiert habe, mit denen Schüler ihre Aufgaben bewältigen, habe ich herausgefunden, dass sie zunehmend Arbeiten abgeben, die nicht wirklich “authentisch” sind. Allerdings ist diese Erkenntnis gar nicht so bedeutend, wie man annehmen könnte. Viel wichtiger ist es, dass sich die Schüler durch die erfolgreiche Internetnutzung darin üben, nach bereits existierenden Inhalten zu suchen. Gleichzeitig werden diese Inhalte im Lernprozess überprüft, kritisch beurteilt und neu präsentiert. Dank einer genauen Untersuchung der Vorgehensweise, wie Schüler ihre Aufgaben bearbeiten, konnte ich erkennen, dass alle geschriebenen Texte von ihnen Elemente fremder Texte beinhalten. Diese Vorgänge müssen besser verstanden und untersucht werden. Abschließend können eben diese neue Formen der Wissensbeschaffung in die Ausbildung und Beurteilung integriert werden.

Bei dieser Vorgehensweise handelt es sich um das Ausnutzen eines Überflusses an Informationen von einer Vielzahl an Quellen, inklusive Suchmaschinen wie Google, was ich als eine Form der “digitalen Inhaltsverwaltung” bezeichnen würde. Inhaltsverwaltung in diesem Sinne beschreibt, wie Lernende bestehende Inhalte verwenden, um im Rahmen von Problemlösungen und intellektueller Arbeit neue Inhalte erstellen. Somit entsteht eine neue Erfahrung für den Leser.

Ein Teil dessen ist die Entwicklung eines kritischen Urteilsvermögens, der wie ein “Schwachsinns-Detektor” fungiert, während man sich einen Weg durch die Flut an verfügbaren Informationen bahnt. Dieser Punkt ist im Bildungsprozess für jede Form der Inhaltsverwaltung entscheidend, weil Lernende das Internet beim Suchen nach Informationen mehr und mehr als Erweiterung ihres eigenen Gedächtnisses verwenden.

Schüler müssen zunächst einmal verstehen, dass die meisten Inhalte im Netz von Suchmaschinen wie Google mithilfe des PageRank-Algorithmus und weiteren Algorithmen verwaltet werden. Diese Form der Inhaltsverwaltung dient somit als eine Art von Verwaltung über die Arbeiten anderer Menschen, und setzt eine Aufarbeitung mit den Autoren dieser Texte voraus. Es ist ein wesentlicher Bestandteil “digitaler Bildung”.

Aufgrund der weit verbreiteten Konnektivität hat die Verwaltung von digitalen Inhalten ihren Weg in das Bildungssystem gefunden. Dadurch entsteht das Verlangen , die Nutzungsart der Onlinesuche und die Art und Weise des Schreibens, die aus der Verwaltung von Inhalten entsteht, in die Art und Weise wie wir Studenten beurteilen, einzupflegen.

Wie können diese neuen Fähigkeiten  in der Bildung beurteilt werden?

Während sich das prüfungsbezogene Schreiben tendenziell auf die eigene, “authentische” Arbeit des Schülers bezieht, könnte es genauso gut auf der Inhaltsverwaltung aufbauen. Nehmen wir als Beispiel ein Projekt, das ein Teil eines digitalen Portfolios ist. Das könnte von Schülern erfordern, Informationen zu einer bestimmten Fragestellung herauszusuchen, bestehende Auszüge aus dem Netz anzuordnen, sodass sie lesbar sind und die Quellen anzugeben. Abschließend kann aus den Ergebnissen eine Abschlussarbeit präsentiert werden.

Die Kernkompetenzen der informationsgestützten Wirtschaft des 21. Jahrhunderts bestehen daraus, Probleme durch das Zusammenfassen größerer Mengen an Informationen zu lösen, die vordergründig darauf basieren, Zusammenhänge zu erforschen und deren Probleme zu analysieren (anstatt lediglich Fakten und Daten auswendig zu lernen). Wie die Londoner Handelskammer betont, müssen wir sicherstellen, dass junge Menschen mit diesen Kernkompetenzen ins Berufsleben starten.

Meine eigene Forschung hat ergeben, dass junge Menschen zum Teil bereits Experten in Sachen Inhaltsverwaltung sind, als Folge ihrer tagtäglichen Interneterfahrung und ihrer heimlichen Schreibstrategien. Lehrer und Dozenten müssen diese Praktiken besser verstehen und erforschen, sowie Gelegenheiten zum Lernen und Beurteilen dieser “schwer zu bewertenden” Fähigkeiten.

Im Zeitalter des Informationsüberflusses müssen Endprodukte der Bildung – also die Klausuren oder die Hausarbeiten – weniger daran geknüpft sein, dass ein Schüler einen “authentischen” Text schreiben kann, sondern an eine digitale Bildung, die sich das Wissen des Netzwerks an Informationen zu Nutze macht, das auf Knopfdruck verfügbar ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation”unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Google Education Summit 2013“ by txnetstars (CC BY-SA 2.0)


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Die Bibliothek wird als Ort der Arbeit neu gedacht

Medienregal (image - Tobias Schwarz-Netzpiloten, CC BY 4.0)

In Deutschland, dem Land von Goethe und Schiller, hatten Bibliotheken schon immer eine besondere Stellung. Doch diese Wissensinstitute wandeln sich, den Kern dieser Transformation begreifen jedoch die wenigsten Kommentatoren dieses Wandels. Die Verschiebung – von lokal gesammeltem Wissen zu Informationen erlebbar machenden Orten der Arbeit – vermögen sowohl negative als auch positive Superlative kaum angemessen zu beschreiben. Die Bibliothek wird zu einem der wichtigsten Orte in einer sich digitalisierenden Gesellschaft.

Hagner und Ball – zwei Pole am gleiche Ende des Irrtums

Mitte Februar löste der an der ETH Zürich tätige Wissenschaftsforscher Prof. Dr. Michael Hagner durch einen Gastbeitrag in der Neuen Zürcher Zeitung eine Debatte über die Zukunft von Bibliotheken in einer sich zunehmend digitalisierenden Gesellschaft aus. Hagner meint, nur in Bibliotheken mit Büchern einen Ausdruck von Zivilisation zu erkennen. Doch dies sind Bibliotheken auch ohne Bücher – und noch so vieles mehr.

Hagner want vor einer möglichen Alternative zu Bibliotheken durch „einen einzigen nationalen Server (…) auf dem sich jeder bedienen kann, und alle Bücher des Landes, da sie ja ohnehin niemanden mehr interessieren, in einem gigantischen Alpenbunker“ gelagert sind. Er lehnt diesen Gedanken ab, ohne aber ein Argument dagegen formuliert zu haben. Dass er an nationale Server denkt, zeigt schon eine gewisse Rückständigkeit in seinem Denken. Wer das Internet mit Grenzen denkt, hat das Wesen eines globalen Netzwerks nicht verstanden.

Ähnlich sieht es aus bei Rafael Ball, dem Chef der ETH-Bibliothek. Er sieht Bibliotheken als reine Wissensspeicher an und erklärt sie für unnütz. Ball macht den vermeintlich häufigsten Fehler progressiver Entwicklungen: er vergisst den historisch gewachsenen Sinn einer Bibliothek. Beide verkennen, dass Bibliotheken mehr sind als Speicher gedruckten Wissens und andere Qualitäten gegenüber dem Internet entwickelt haben, die in einer digitalisierten Gesellschaft eine noch nicht geahnte Bedeutung erlangen werden.

Orte, die Wissen schaffen: Bibliotheken als Makerspaces

Ende letzten Jahres besuchte ich die Kölner Stadtbibliothek und lernte den Ort Bibliothek als etwas vollkommen Neues kennen. Die Bibliothek als Makerspace, wo ich Zugang zu Wissen erhalte, in dem ich es miterschaffe und nutze, statt nur in Büchern herum zu blättern oder das Internet danach zu durchsuchen. Hier könnten Hagner und Ball ihren Irrtum gut erkennen. Der Kerngedanke einer Bibliothek ist noch genauso erkennbar, wie die neuen Möglichkeiten als Makerspace. Das Bücherregal steht hier neben dem 3D-Drucker.

Die Kölner Stadtbibliothek bietet auf einer Ebene eine Mischung aus digitaler Werkstatt und Makerspace an. In Kursen für jedes Alter, besonders natürlich für Kinder, wird in Workshops Wissen über Social Media gelehrt, man kann erfahren, wie man online Informationen recherchieren kann, bekommt Fotobearbeitung und vieles mehr erklärt. Wissen wird hier auch außerhalb von zwei Buchdeckeln vermittelt. Deshalb hat mich das Makerspace persönlich am meisten beeindruckt. Kinder können hier lernen, wie man kleine Roboter programmiert und ihnen Bewegung beibringt. Musikinstrumente wie beispielsweise ein Piano oder verschiedenen Gitarren sind zugänglich, aber auch zwei 3D-Drucker und Virtual-Reality-Brillen.

Wissen wird hier zu etwas, dass einen Prozess auslöst und so zu neuen Erkenntnissen führt. In dieser Bibliothek wirkt Wissen nicht statisch. Es waren viele Menschen vor Ort, testeten die verschiedenen Geräte aus, schufen Neues und lernten, mit den neuen Informationen und Möglichkeiten umzugehen. Dies ist ein offener Raum für neue Ideen, Potenziale und Do-It-Yourself-Projekte. Und einer der wenigen Orte in Deutschland, an dem ich einmal nicht darüber nachdenken musste, wie sehr dieses Land eine weitere wichtige Entwicklung, Bibliotheken als Orte des Wissens zum anfassen in einer digitalisierten Gesellschaft, verpasst.

Bibliotheken adaptieren Coworking-Elemente

„Mit einer Bücherei aus den Neunzigerjahren hat das kaum noch etwas zu tun“, wird die Leiterin Hannelore Vogt von der Wirtschaftswoche zitiert. Köln ist hier Vorreiter, die Stadtbibliothek im vergangenen Jahr, als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet. Doch eine bestimmte Entwicklung lässt sich in vielen Bibliotheken des Landes beobachten: die Bibliothek wird zu einem Ort der Arbeit. Das kann bewusst passieren und gezielt gefördert werden, wie in Köln, oder zufällig und ohne Kenntnis des Hauses, wie in der Bezirksbibliothek Friedrichshain, meinem Wohnort. Hier treffen sich beispielsweise regelmäßig die Mitglieder eine Meetup-Gruppe zum Coworking.

Konrad Fischer von der Wirtschaftswoche nennt Bibliotheken deshalb gleich kostenlose Coworking Spaces. Soweit würde ich nicht gehen, ein Coworking Space ist mehr als ein frei zugänglicher Tisch in einem Raum mit WLAN, aber es sind durchaus Elemente des Coworking in modernen Bibliotheken zu finden. Im Lesesaal werden nicht nur Zeitungen auf Papier gelesen, auch Laptops finden ihren Platz auf dem Tisch. In Köln treffen sich Lerngruppen voll von SchülerInnen, aber auch geflüchteten Menschen, die hier neben Zugang zu Wissen auch eine Möglichkeit finden, digital zu kommunizieren.

Das mehr als 150 Jahre alte Ideal der Bibliothek als Ort der sozialen Chancengerechtigkeit, an dem alle Menschen den gleichen Arbeitsplatz und die gleichen Möglichkeiten haben, wird so neu entdeckt. Und in Zeiten der zunehmenden Kommerzialisierung und Privatisierung des öffentlichen Lebens, ist die Bibliothek „der nicht kommerzielle und für jedermann zugängliche Treffpunkt in der Stadt“, sagt Vogt. Und sie kann noch mehr sein, ein Ort an dem Innovationen geschaffen werden, an dem die Gesellschaft neue Wege austestet, und Wissen als etwas sowohl von Nationen als auch Medien befreites Gut begreifen und erfahren lernen können.


Image „Medienregal“ by Tobias Schwarz/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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Die Semiotik-Epoche des Umberto Eco

Umberto Eco (e Piero Angela) #festivalcom (adapted) (Image by Alessio Jacona [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Inmitten der Trauer nach dem Tod von Umberto Eco ist es etwas ernüchternd, zu sehen, wie viele Nachrufverfasser sich nicht im Klaren darüber sind, was er tatsächlich getan hat. Sicherlich ist Umberto Eco als bedeutender Romanschriftsteller bekannt, auch wenn seine späteren Romane nie den Erfolg seines Erstlingswerkes “Der Name der Rose” erreichen konnten. Er wurde auch als Philosoph, Historiker und als einer der letzten öffentlichen Intellektuellen gefeiert. Dennoch scheint es seine Rolle als Professor für Semiotik zu sein, mit der die Boulevardpresse die meisten Schwierigkeiten hat.

Das Problem ist, dass viele schlicht nicht wissen, was Semiotik überhaupt ist. Der Nachruf der New York Times  bezeichnet es als “obskures Feld”. The Scotsman verweist auf “die esoterische Theorie der Semiotik”, während The Washington Post von Semiotik als einer Art “Studium der Zeichen, Symbole und der versteckten Botschaften” spricht. Bringt man dies mit der Berichterstattung über Ecos Spezialisierung auf die Geschichte des Mittelalters zusammen, könnte man den Eindruck gewinnen, man hätte es mit einer Figur aus einem Roman von Dan Brown zu tun.

The Guardian macht es nicht sehr viel besser: eher geringschätzig wird hier behauptet, dass Semiotik “ein abstruser Zweig der Literaturtheorie” ist, genau derselbe Satz, der auch im Nachruf des Telegraph verwendet wird. Der Independent macht es ein wenig besser, indem hier Semiotik als “das Studium der Zeichen und Bedeutung in der Kommunikation” bezeichnet wurden. Die BBC erwähnt die Semiotik nicht einmal, die Gründe hierfür liegen im Dunklen, und verweist nur darauf, dass Eco emeritierter Professor an der Universität von Bologna war.

Erbsen essen

Vielleicht mögen einige von ihnen nicht wissen was Semiotik ist, aber sind schnell dabei, sie zu verurteilen. The Telegraph ist voraussehbar rasch dabei, Eco mit Verachtung darüber zu überschütten, da dieser eine einflussreiche Stimme links der Mitte darstellte. Weiterhin verweisen sie auf Semiotik als “welthistorische Bedeutung der Belanglosigkeit” und betiteln Eco als “eine Art auch Portmanteau-Intellektuellen, der seine Ansichten über alles mitteilt: darüber, wie man am Besten Erbsen mit einer Plastikgabel isst bis hin zu den sich verändernden Schönheitsidealen.”

Doch ohne der Belanglosigkeit welthistorischen Bedeutung zuschreiben zu wollen, war die Semiotik dennoch konsequent dafür verantwortlich, den Weg anzuzeigen, wie subjektive Werturteile kultureller Artefakte zerstören würden – einschließlich derer, mit denen man geboren und aufgewachsen ist, die man selbst erarbeitet oder zu denen man eine große Schubkraft nachsagt. Bei Semiotik handelt es sich um, wie Eco es formuliert hatte, das Verstehen von Zeichensystemen.

Einer der Schlüsselbegriffe der Semiotik, der gleichzeitig von Roland Barthes und Juri Lotman in den frühen 1960er Jahren geprägt wurde, ist “der Text”. Eher als “Arbeit”, die auf ein höheres Ziel eines schriftstellerischen Genies hinweist, verweist “der Text” auf eine Struktur von Bausteinen, gestaltet durch den gewohnten Gebrauch von Zeichen, um ein bestimmtes Publikum zu erreichen. Jede Ansammlung von Zeichen stellt einen Text dar. Das Konzept war der Vorreiter für den Abbau der imaginären Trennlinie zwischen der so genannten “Hoch-” und der  Popkultur.

Denjenigen, die ein ureigenes Interesse an der Hochkultur hatten, tut die Aufhebung der großen Kluft immer noch weh. The Telegraph verspottet Ecos Romane als zu schwierig, während sie die “Infektion” beklagen, die aus seiner Demokratisierung des Prozesses der Interpretation resultiert. Es ist die klassische, spießige Forderung, dass Kultur nur für die Elite reserviert sein dürfe. Zusätzlich darf es keine zu hohe Anstrengung erfordern, die Kultur zu genießen. Als Alternative zu solch einem Spießbürgertum und angesichts der abgeschlossenen kulturellen Trennung scheint die Mittelklasse die Popkultur zu besiedeln, beispielweise in der post-Hornby Romanze mit Fußball oder die Allgegenwärtigkeit Coldplays auf den iPhones der BBC-Führungskräfte.

Was ist Semiotik?

Aber um noch einmal auf das Zeichensystem zurückzukommen: hier repräsentiert die Semiotik nicht einfach nur eine Mission, kulturelle Hierarchien abzuschaffen. Es hat weitaus wichtigere Aufgaben. Deshalb ist es auch so schwer, Semiotik näher zu bestimmen und zusammen zu fassen. Nun also, um es endgütlig deutlich zu machen: was genau ist Semiotik?

Unter anderem ist es “die Theorie der Semiose (die Wirkung von Zeichen)”. Aber in der vergangenen Zeit hat es sich in die Studie der “objektiven Welt” entwickelt, die sich aus allen Arten ihrer eigenen Symbole konstruiert. Dies umfasst die Bedeutung aller Lebewesen.

Eco verfolgte die Definition der Semiotik unter der Bezugnahme auf die Einordnung der Semiotikbücher, die in einer Buchhandlung in Harvard aufgereiht waren. Zuerst gehörten sie zur Linguistik, dann zu den Kulturwissenschaften, von 1999 an, als er bei der Internationalen Gesellschaft für Semiotik in Dresden eine Rede hielt, wurden die Bücher unter dem Stichwort der Kognitionswissenschaft abgelegt – und er sorgte sich, dass sie beim nächsten Mal vielleicht unter “Neues Zeitalter” eingeordnet sein könnten.

Während diese Sorge nur im Rahmen einiger unglücklicher Nachrufverfasser relevant sein könnte, gab es eine größere Sorge, die Eco in seinen letzten Jahren noch mehr beschäftigte. Die Sorge, welche in seinem Brief an meinen Enkel zum Ausdruck gebracht wurde, war, dass die Menschen ihre Erinnerungsfähigkeit verlieren. Die Verfügbarkeit des Internets könnte zur Folge haben, dass die Menschen aufhören, sich mit Memotechniken zu beschäftigen, um ihr Wissen und ihre Erinnerungen in ihren Köpfen zu speichern. So ermahnt er seinen Enkel, zu versuchen, sich an Fußballmannschaften aus verschiedenen Epochen zu erinnern, an die Besatzung der La Hispaniola, als sie auf der Suche nach der Schatzinsel war, an die Namen der Diener der drei Musketiere und d’Artagnan, daran, wer die Hethiter und die Kamisarden waren, an die Namen der drei Schiffe von Columbus, an den Zeitpunkt, an dem die Dinosaurier ausstarben, ob es ein Steuerrad auf der Arche Noah gab, und so weiter.

Sein Rat deutet die interdisziplinäre Breite an Weitblick an, die die Semiotik einfordert. Es bietet auch einen ausgeprägten Sinn für die zeitgenössische Bedeutung der Semiotik – nicht nur als ein Dorn im Auge der Elite, sondern als Schlüssel zum Verständnis des Verhältnisses von Kultur und Kognition.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Umberto Eco (e Piero Angela) #festivalcom“ by Alessio Jacona (CC BY-SA 2.0)


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Kann der analoge Bürger durch Digitalisierung noch mündig sein?

Phone (Image: DariuszSankowski [CC0 Public Domain], via Pixabay).jpg

Erst die Digitalisierung ermöglicht den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, von dem Kant vor 200 Jahren geträumt hat. Leider scheinen wir das aufklärerische Potenzial des Netzes im Alltag zu übersehen.

Immer wieder bekomme ich bei meiner Arbeit, bei der es um die Auswirkungen der Digitalisierung auf verschiedene Lebensbereiche geht, von Menschen, die sich als “intellektuell” bezeichnen würden, zu hören, dass neben all den Büchern, Nachrichten und Sitzungen keine Zeit mehr bestünde, um sich auch noch mit diesen sogenannten sozialen Medien zu beschäftigen und dort aktiv zu werden (Deutschland ist das einzige “entwickelte” Land, in dem höher Qualifizierte diese Medien eindeutig weniger stark nutzen als geringer Qualifizierte).

Wenn ich dann erwidere, dass es mir mitnichten um das Posten von Belangslosigkeiten bei Facebook & Co. gehe, sondern um das tägliche Informieren mit Hilfe der im Netz befindlichen Inhalte, blicke ich meist in überraschte oder verständnislose Gesichter. Die Idee, dass das Netz der eigenen Information diene und damit über die Interpretation durch tradierte Gatekeeper hinausgehe, scheint immer noch nicht in den Köpfen angekommen zu sein.

Der Glaube – vielleicht an dieser Stelle ein Spezifikum der Generation jenseits der 40 Lebensjahre – dass das “echte” Wissen nur in den Büchern des Wohnzimmerregals zu finden sei, dass nur dann eine ausreichende Informationsbasis für einen Diskurs vorliege, wenn ich mich durch die 500 Seiten eines gerade angesagten (Sach-) Buches gearbeitet habe, dass erst die Tagesschau ihren “Stempel” auf eine Nachricht gedrückt haben müsse, damit sie akzeptiert werde, dass nur in gedruckten Zeitungen (die ja systembedingt eigentlich immer über das Vergangene berichten) das wahre Leben abgebildet sei, ja dass nur traditionelle informationelle Autoritäten (Forschungsinstitute, Lehrer, Unternehmensleitungen, Minister, Ärzte, Verlage) in der Lage seien, eine (politische, wirtschaftliche, soziale, medizinische) Situation ausreichend kompetent beurteilen könne, ist in der analogen Bundesrepublik noch sehr stark ausgeprägt. So wurde ich im Rahmen einer Session bei der Vorstellung des Mappingprojekts der Wikimedia Deutschland zu Offenen Bildungsressourcen als erstes gefragt, welche Autorität denn die Qualität “überwache” (sic!).

Für eines der tradierten Rituale der analogen Republik steht beispielhaft das Format im Rahmen des ARD/ZDF-Morgenmagazins, in dem nahezu jeden Tag Journalisten eines Papiermediums die Titelblätter der anderen Papiermedien dieses Tages kommentieren. Als wenn der Titel eines Papiermediums stellvertretend für die Meinung jedes einzelnen Mitarbeiters dieser Zeitung stehe, als wenn die fünf bis sechs zitierten Zeitungen auch nur ansatzweise die Vielfalt dieser Republik abbilden könnten.

Hier wirken die pädagogischen Selbstverständnisse insbesondere der Öffentlichen Rechtlichen, die damit ganz einfach die Rituale der Bonner Nachkriegsrepublik nicht abzulegen scheinen wollen, in der es für die politischen Akteure noch maßgeblich gewesen ist, was Redakteur Müller in seinem General-Anzeiger zu einem Punkt der politischen Agenda kommentiert hat. Dieser pädagogische Medienansatz trifft auf passive Mediennutzer, die auf der anderen Seite des Bildschirms aber auch froh darüber zu sein scheinen, dass sie eine vorgefertigte Interpretation frei Haus geliefert bekommen, für die sie keine weitere Arbeit aufwenden müssen.

Dabei würde die regelmäßige Lektüre ausländischer Online-Medien, Themenblogs, Reddit & Co. oder den sozialen Medien schnell zu der Erkenntnis führen, dass die uns vorgesetzten Mainstream-Informationen darüber, wie wir die Welt zu interpretieren haben, weder aktuell, noch nachhaltig oder noch wertfrei sind. Hierbei geht es jetzt nicht darum, den Medien (im weiteren Sinne als Träger von Informationen) eine bewusste Irreführung zu unterstellen. Es geht vielmehr darum, sowohl auf Seiten der Nutzer von Informationen und Medien wie auch auf Seiten der Medienanbieter endlich zu verstehen, dass es einer anderen Form der Vermittlung und des Suchens von Informationen bedarf.

Die Debatte über die zukünftige Rolle von Journalisten und Medien ist dabei ja gar nicht neu. So hatte Glenn Greenwald auf dem Chaos Computer Congress  im Jahre 2013 bereits auf diese veränderte Funktion der Vermittler von Informationen und Interpretationen hingewiesen und ist dafür auch von den tradierten Medien (Die ZEIT sprach davon, dass Greenwald eine “Grenze überschritten habe”. Zum Glück war es nicht der Rubikon.) sogleich gescholten worden. Hauptvorwurf an Greenwald war, dass sich Journalisten an der Maxime der “Objektivität” orientieren müssten und nicht zu “Aktivisten” werden dürften, während Greenwald sehr viel ehrlicher argumentierte, dass es eine solche Objektivität nicht geben könne und dem Leser direkt vermittelt werden müsste, dass der Journalist und Blogger sehr wohl für Werte einstehe und dies auch der Behandlung des Themas einfließen lasse.

Immanuel Kant hatte bereits 1784 mit Blick auf die Aufklärung sein Paradigma des aufgeklärten Menschen formuliert:

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.”

Wird es demnach nach 230 Jahren nicht endlich Zeit, sich seines Verstandes ohne Anleitung eines anderen zu bedienen? Wie soll aber der Gang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit vonstatten gehen, wenn ich mich als Bürger einer Demokratie weiter nur nach den Tagesschau-Nachrichten, den immergleichen Teilnehmern der unsäglichen Talkshow-Formate, der einen lokalen Papierzeitung, der Bestsellerliste des Spiegel, dem seit 20 Jahren gleichen und einzigen Hausarzt, zwei großen Volksparteien, dem seit 10 Jahren regierenden Bürgermeister meiner kleinen Stadt richte? Provokant gefragt: Kann ein solcher analoger Bürger mündig sein?

Erst die Digitalisierung ermöglicht uns seit Jahren Informationen jenseits unseres kleinen nationalen Erkenntnishorizonts; das Angebot, sich jenseits der eigenen Kultur- und Sprachkreisen, der immer gleichen Logik der Volksparteien, der überschaubaren Nachbarschaft der eigenen Kleinstadt, der Wissenshorizonte der eigenen Lehrer an den Schulen zu informieren, wird aber nach wie vor kaum genutzt.

Dabei wird es höchste Zeit, dass sich der Bürger nach alternativen Formen der Informationsvermittlung (eine Meinung kann er sich schließlich selbst bilden) umschaut. Seit Jahren schrumpfen die Auflagen der bekannten medialen Gatekeeper, im englischsprachigen und skandinavischen Ausland sind bereits bekannte Zeitungen als Print-Ausgaben eingestellt worden. Aktuell stehen die TV-Sender am Beginn des Einbruchs ihrer Reichweiten, da der Trend zum Ausweichen auf Netflix & Co. immer stärker an Fahrt aufnimmt.

Readly.de und Blendle.de sind die nächste Schritte dahingehend, dass, wie ehedem die Abschaffung des Konzepts der “Alben” in Folge des iTunes-Modells, auch im Printbereich zukünftig komplette Zeitungen ebenfalls keinen Wert mehr haben werden, sondern der Nutzer aus einem Abo-Paket die für ihn relevanten Inhalte wird ziehen können. Die Schritte von medium.com, LinkedInPulse und Facebook zum Marketplace für News zu werden, sind nur weiterer Ausdruck dieses Umbruchs.

Das in seiner analogen Vergangenheit beständig gefangene Deutschland scheint aber weder auf Nutzer/Leser-Seite noch von Seiten der traditionellen Anbieter von Informationen auf diese Herausforderungen eingestellt zu sein. Was hätte Kant dazu gesagt?

Was kann nun aber getan werden, um die digital beförderte Aufklärung im Kant’schen Sinne weiter zu befördern? Ich persönlich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die vermeintliche Informiertheit nach Nutzung der heimischen Traditionsmedien dadurch infrage zu stellen, dass ich auf sehr viel breitere Perspektive nach Lektüre von Online-Medien und sozialen Medien hingewiesen habe. Dass hiermit die Notwendigkeit einer sehr viel stärker eigenverantwortlichen Nutzung von Medien einhergeht ist selbstredend. Ich kann Medien nicht mehr passiv konsumieren, sondern muss mir Gedanken über die Qualität der Informationen, über deren Ausgewogenheit und Ursprung machen. Davon sind wir zur Zeit noch weit entfernt.


Teaser & Image “Phone” by DariuszSankowski (CC0 Public Domain)


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Drucken gegen das Vergessen: Wie alt werden Daten?

Das Internet bietet uns die Möglichkeit, all unser Wissen digital zu speichern und so für alle, zu jeder Zeit, an jedem Ort zugänglich zu machen. Doch dieses Wissen ist bedroht. Google-Chef Vint Cerf warnte kürzlich davor, dass wir zu einem vergessenen Jahrhundert gehören könnten. Wenn wir unsere Daten nicht entsprechend pflegen und aufbewahren, könnte all unser Wissen in 100 Jahren im schwarzen Loch des Internets verschwinden.

Was wäre, wenn wir all unsere Erinnerungen, alle technischen Errungenschaften unserer Zeit, all unsere zeitgenössische Kunst und Literatur, all unser aktuelles Wissen komplett verlieren würden? Wenn unser Jahrhundert mit einem Schlag komplett ausgelöscht würde, ohne dass auch nur ein einziger Bruchteil davon für nachkommende Generationen gespeichert wäre?

Das ist keine Szene aus einem Science-Fiction Film, sondern ein wahrscheinliches Zukunftsszenario, zumindest wenn es nach Google-Präsident Vint Cerf geht. Cerf warnte vor Kurzem davor, dass unsere Gesellschaft vor einem “vergessenen Jahrhundert” steht. Er befürchtet, dass all unsere Daten unwiderrufbar verloren gehen werden, wenn wir nicht bald anfangen, unser digitales Wissen zu archivieren.

Können wir all unser Wissen verlieren?

Wie kann denn all unser Wissen komplett verloren gehen? Wissensverlust ist kein neues Phänomen. Naturkatastrophen, Kriege, Verwüstung, Witterung oder auch einfach Zeit, haben das Wissen ganzer Gesellschaften zerstört. Die Bibliothek von Alexandria wurde etwa im 3. Jahrhundert vor Christus gebaut und galt über 700 Jahre lang als das “Gehirn und die Pracht der Antike,” wie der US-amerikanische Astrophysiker Carl Sagan es beschreibt. Hier wurden alle großen Werke der Zeit über Philosophie, Literatur, Technik, Mathematik und Medizin aufbewahrt. Wenige hundert Jahre später gab es die Bibliothek nicht mehr, das gesamte Wissen darin ist beinahe vollständig verloren gegangen – und keiner weiß genau wie und warum.

Das Internet ist unsere Bibliothek von Alexandria. Ein Versprechen, dass unsere Daten hier für immer und ewig gespeichert bleiben. Hier veröffentlichen wir deshalb all unsere technischen Errungenschaften, hier speichern wir Konzepte zum Bau von Flugzeugen und Ergebnisse zur Dechiffrierung genetischer Codes. Hier sind ebenfalls all unsere privaten Informationen in Emails, Fotos oder Chats gespeichert. Hier finden sich aktuelle Nachrichten, Zeitungsreportagen, Kunstprojekte, Musik und Filme. Doch genau wie die Bibliothek von Alexandria ist auch dieses Wissen bedroht. Unser digitales Wissen ist dabei noch fragiler und kann noch schneller verloren gehen als die Bücher und Papyrusrollen der Antike.

Digitale Daten nicht für die Ewigkeit

Denn digitale Speichermedien sind nicht für die Ewigkeit gedacht. Wie viele von uns haben schließlich noch alte Disketten, die sie aber in keinem neuen Computer mehr abspielen können? Daten auf Webseiten, die es noch vor vier Jahren gab, sind jetzt schon nicht mehr verfügbar. So hat ein US-amerikanischer Pulitzer-Preisträger seine jahrelangen Recherchen beinahe verloren, weil die Webseite, auf der er sie publiziert hatte, eingestellt wurde. Es gibt verschiedene Gründe, warum unser digitales Wissen so instabil ist:

  • Programme, die alte Speichermedien abspielen können, werden nicht mehr produziert und sind nicht mehr verfügbar.

  • Um 700 Jahre alte Dokumente zu lesen, brauchen wir nur unsere Augen. Digitale Dokumente erfordern aber komplizierte Datenentschlüsselung durch Experten – ein Wissen, das, falls es weder gespeichert noch weitergegeben wird, schnell verloren gehen kann. Wer beschäftigt sich schließlich heute noch damit, die Programmierung von “antiken” 1.0 Webseiten zu verstehen?

  • Es existieren kaum physische Artefakte. Wir speichern alles digital ab und wenn wir das Wissen zum Dekodieren dieser Information verlieren, sind auch all unsere Daten unweigerlich verloren.

  • Software, Hardware sowie Webseiten werden zu Opfern von “bit rot”. Das heißt, sie werden nicht mehr genutzt oder eingestellt und verkommen mit der Zeit zu digitalem Müll. 1997 war die Lebensdauer einer Webseite rund 44 Tage, 2011 etwa 100 Tage und etwa 8 Prozent aller Links funktionieren nach einem Jahr nicht mehr.

  • Die digitalen Daten werden immer komplexer und die Mengen immer gigantischer: 1994 gab es weniger als 3000 Webseiten, 2014 wurde die Milliardengrenze überschritten – und jede Sekunde kommen neue dazu.

Wir füttern also all unsere Daten ins Internet, weil wir glauben, hier seien sie sicher. In Wirklichkeit aber saugt das Internet all diese Daten auf, und wenn wir sie nicht pflegen und archivieren, verschwinden sie darin für immer wie in einem schwarzen Loch.

Archivierung von Wissen ist eine internationale Aufgabe

Das Problem haben neben Internetpionier Vint Cerf auch andere erkannt. So bemüht sich zum Beispiel die British Library darum, britische Webseiten zu archivieren. Die British Library will aber nicht nur Dokumente archivieren, sondern auch Töne, also Musik, vergessene Dialekte und wichtige Reden. Auch das US-amerikanische Internet Archive bietet Nutzern freien Zugang zu Millionen von Büchern, Liedern, Filmen und archivierten Webseiten.

Doch das sind für viele Wissenschaftler Babyschritte, die einfach nicht weit genug gehen. So fordert die Gruppe Collaboratory, ein Zusammenschluss von deutschen Wissenschaftlern, die sich der Langzeitarchivierung verschrieben haben, dass die Speicherung unseres Wissens eine internationale Aufgabe werden muss.

In Deutschland ist die Archivierung vor allem Ländersache, was aber zum Speichern von Daten völlig unpraktisch ist. Soll jedes Bundesland eine eigene Software zum Archivieren von Daten entwerfen? Sollen die relevanten Daten in jedem Landesarchiv doppelt und dreifach abgespeichert werden? Überhaupt tauchen beim Thema Langzeitarchivierung viele Fragen auf.

Da wäre zunächst mal die Mammut-Aufgabe an sich, alle wichtigen Daten der Welt für alle zugänglich aufzubewahren. Wer soll sich darum kümmern, und, noch wichtiger, wer soll diesen riesigen technischen Aufwand bezahlen? Datenarchivierung ist darüber hinaus etwas, was viele Bereiche betrifft: Archivwissenschaften und Bibliothekwissenschaften, die das Wissen zum Speichern und Aufbewahren mitbringen; Rechtswissenschaften, die das Urheberrecht sowie die individuelle Privatsphäre – zwei der schwierigsten Knackpunkte für Langzeitarchivierung – klären müssen, Kulturwissenschaften und Geschichtswissen, die einschätzen, was eigentlich gespeichert werden soll; Architektur, die Konzepte entwerfen muss, wie auch sehr empfindliche wissenschaftliche Daten über Jahrhunderte gegen Wind und Wetter sowie gegen künftige Umweltkatastrophen aufbewahrt werden sollen, die Informatik, die technische Konzepte für die Archivierung entwickeln muss und viele mehr.

Es ist keine Aufgabe, die ein einziges Land alleine bewältigen kann. So hat die UNESCO einen ersten Versuch gestartet, um diese Herausforderung international und interdisziplinär zu bewältigen. Auch auf EU-Ebene gibt es erste zögerliche Versuche.

Also doch alles ausdrucken?

Selbst, wenn vielen klar ist, dass die Informationen unserer Zeit gespeichert werden müssen, ist das wie noch problematisch und wirft viele Fragen auf: Welche Daten sollten archiviert werden? Sollten Webseiten von 1995 in aktuellen Browsern dargestellt werden oder ist es wichtig, sie ganz authentisch in den Browsern dieser Zeit zu zeigen? Sind unsere Facebook-Fotoalben wichtig für zukünftige Generationen? Sollten wir alle unsere Tweets aufbewahren, wie es die amerikanische Library of Congress tut?

Google schlägt hier ganz kategorisch vor, wirklich jeden kleinsten Bit aufzubewahren, also jede Email und jedes Foto. Kritikern geht das zu weit. Sie befürchten, dass so eine uneingeschränkte Sammlung all unserer privaten und persönlichen Daten entsteht, ohne unser Wissen und ohne unsere Zustimmung.

Historiker wiederum sind besorgt, gerade die Daten der “Durchschnittsbürger” zu ignorieren. Denn die meisten Dokumente, die wir aus früheren Jahrhunderten kennen, wurden von einer Elite erstellt und beschreiben auch hauptsächlich nur das Leben von Adligen oder Königen. Private Briefe von Bürgern sind selten, liefern aber oft sehr wichtige Informationen über den Alltag und die Probleme einer Epoche.

Diese Debatte zeigt auch, dass der Zugang zu Wissen und auch die Entscheidung darüber, welches Wissen bewahrt, gelehrt und als wichtig erachtet wird, eine Machtfrage ist. Genau deshalb schlagen einige Gruppen vor, Langzeitarchivierung als Open-Source-Projekt umzusetzen, sodass jeder zur Wissensspeicherung beitragen kann und auch alle offenen Zugang zu diesem Wissen haben.

Bislang sind wir allerdings von einem weltweiten, offenen Wissens-Archiv all unserer Daten noch weit entfernt. Vielleicht sollten wir also bis dahin tatsächlich dem Rat von Vint Cerf folgen und alles, was uns wichtig ist, ausdrucken.


Image (adapted) “Canon printer in action” by Jamison Judd (CC BY 2.0)


 

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Digitale Industriegesellschaft – Pfadabhängigkeiten für Aktenknechte

Insturial Building (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via pixabay

Die Software-Industrie hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einseitig den Prinzipien des Industriekapitalismus unterworfen und Unternehmen auf Effizienz getrimmt. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert, kritisiert Wolf Lotter in seinem Vortrag “Arbeiten in der Ablenkungsgesellschaft” auf der IBM Bussiness Connect in Köln. “Wir kommen aus der Fabrikgesellschaft, aus der Industriegesellschaft und denken die Digitalisierung immer noch falsch. Wir organisieren uns in den Routinen der Industrialisierung.”

Aus der industriellen Informationsgesellschaft wurde keine Wissensgesellschaft

Seit den sechziger Jahren verliert die Massenproduktion, die nach den Regeln von Hamsterrad-Taktungen funktioniert, an Relevanz. Eine Antwort, wie wir in der postindustriellen Ära arbeiten werden, sucht das Notiz-Amt vergebens.

Die Industriegesellschaft würde, das stand für die meisten Vordenker dieser Zeit fest, durch die sogenannte Informationsgesellschaft abgelöst werden, die eine Art Übergangsregierung zur Wissensgesellschaft werden sollte, bemerkt Lotter. “Die Informationsgesellschaft war also stets nur als Provisorium gedacht, an dem man lernen sollte, wie man mit der großen Komplexität umgeht, um sie dann, im nächsten Schritt, richtig und gewinnbringend für alle zu nutzen. Was dabei herauskommen sollte, die Wissensgesellschaft, würde viel smarter sein als die Welt der Industrie.”

Daraus wurde aber nichts. Man baut Computer, so wie man schon immer Maschinen baute. Sie verarbeiten Daten schneller und steigern die Komplexität der Anwendungen.

Zwang zur Anpassung an Maschinen

“Man zwingt die Benutzer in einen Zustand kontinuierlicher Anpassung. Heute leiden die meisten unter der antiquierten Idee von Dateien und Verzeichnissen. Viele Benutzer finden die Information nicht wieder, die einmal digital abgelegt worden ist. Aber Paradigmen, die dieses Problem beheben könnten, konnten sich nicht durchsetzen”, moniert Brightone-Analyst Stefan Holtel. “Wir wandeln als Aktenknechte in Pfadabhängigkeiten. Während die Hardware immer besser wurde, blieb das Grundprinzip der Software – die Benutzeroberfläche – in den 1970er-Jahren stehen: Hierarchisches Filesystem, Icons, Desktop-Interface, die Maus, all das wurde in den späten 1970ern von Xerox und Bell erfunden“, so der Informatiker David Gelernter.

Dateinamen für 10.000 Schafe

Wolf Lotter

Das Desktop-Interface wurde nach dem Vorbild des Büroschreibtischs entwickelt: Man sitzt an einem Tisch mit Akten, und es gibt Schubladen und Ordner, in die man sie ablegt. “Die Idee, dass wir jedem Dokument einen Namen geben sollen, ist schlicht lachhaft. Wenn Sie drei Hunde haben, ist das sinnvoll. Besitzen Sie aber 10.000 Schafe, ist es Irrsinn”, bemängelt Gelernter.

Die Informationsgesellschaft sei nach Auffassung von Lotter nicht das Verbindungsglied zwischen Industrie- und Wissensgesellschaft, sondern nur jener “Superindustrialismus”, den der Zukunftsforscher Alvin Toffler in den Siebzigerjahren vorhersah.

“Organisationen, Kultur und Gesellschaft bleiben dabei in den alten Bahnen des Fabrikzeitalters.” Es geht um die Routine-Dressur in den Maßstäben der Industriearbeit. Die Digitalisierung müsste uns aber die Zeit freischießen, um geistig arbeiten zu können. Das komme im öffentlichen Diskurs zu kurz, resümiert Lotter.

Versteht mich die Software?

Um den Status der vernetzten Arbeit festzustellen, reiche eine einfache Frage, so Holtel. “Frage einfach, ob ein Wissensarbeiter sich von seiner Software ‘verstanden’ fühlt. Das ist ein ziemlich zuverlässiger Indikator.”

Eine Maschine darf nicht im Takt interner Regeln und im eigenen Tempo arbeiten – das macht den Anwender zum Befehlsempfänger. Sie müsste im Gleichklang mit den Denk- und Aktivitätsrhythmen eines Menschen ticken. “Dann tritt der Wissensarbeiter in einen wertschöpfenden, kognitiven Dialog mit seiner Denkmaschine und es entsteht auf wundersame Weise eine Symbiose zwischen wissendem Mensch und Wissensmaschine”, erläutert Holtel.

Programmierer sollten sich von liebgewonnen Grundsätzen verabschieden und Software nicht mehr nach den Maßstäben der technischen Machbarkeit konzipieren. Wichtiger sei der gelingende Mensch-Maschine-Dialog. “Das ist, ich gebe es zu, komplizierter zu planen als 10.000 Zeilen Code. Was auch der Grund ist, weshalb es so selten versucht wird”, sagt Holtel.

Kann das jetzt einfach so weitergehen mit der heutigen Art der Computer-Interaktion? Sieht so der Arbeitsplatz aus, an dem Wissensarbeiter bald den Großteil ihres Arbeitslebens verbringen sollten?

Die organisationale und psychosoziale Dynamik von Software müsse von der ersten Sekunde an bedacht werden, fordert Holtel, der auf der Next Economy Open in Bonn am 9. und 10. November über das “Machen uns digitale Assistenten klüger? Spagat zwischen natürlicher Dummheit und künstlicher Intelligenz.


Image „Industrial Building“ by Unsplash (CC0 Public Domain)

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Open Learn: Studieren für jedermann

Die Open University – 2005 von britischen Studenten auf Platz 1 im Universitätsranking gehievt – bietet seit Oktober 2006 auf „OpenLearn“ freien Zugang zu über 570 Kursen für Jedermann egal ob mit oder ohne Abitur. Damit ist „OpenLearn“ ein sinnvoller Einstieg auf dem Weg zum Studium. Angefixt von der hohen Qualität der Kurse, können dann an der „Open University“ die meisten Kurse auch ohne jegliche vorherige Qualifikation einschließlich Gratifikation durchlaufen werden. Ein weiteres spannendes Projekt innerhalb „OpenLearn“ ist der „LabSpace“ . Höher gratifizierte Studenten können hier nach einer Anmeldeprozedur Lehrmaterialien herunterladen, diese modifizieren und wieder hochladen, um sie im Ausstausch mit anderen Studenten stetig zu verbessern und an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Auf „LabSpace“ finden sich auch noch weitere Instrumente wie „FlashVlog„, eine Anwendung , die es erlaubt nahezu live Video-Tagebücher anzulegen oder das „Knowledge Mapping“ , ein Softwaretool für die visuelle Aufbereitung von Wissen. Bleibt nur noch die Frage, wann darf mit einer copycat in deutscher Sprache gerechnet werden?

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Rheingold: Medienkompetenz als Praxis

Universitätsprofessor Howard Rheingold ist in den Staaten schon lange eine Koryphäre in Sachen Internet und gemeinsames Lernen. Hier ist noch einmal seine Zusammenfassung der wesentlichen Fähigkeiten, die man braucht, um in und mit dem Internet Wissen und Erkenntnis zu schaffen… Weiterlesen »

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Schwarmdummheit: dullness of the crowd

Forscher an der ETH Zürich meinen, einen Nachweis erbracht zu haben, dass sozialer Einfluss die Intelligenz der Vielen (Schwarmintelligenz) verschlechtern kann. Jan Lorenz und Heiko Rauhut extrapolieren aus ihren Studien die These, dass die Finanzkrise ein besonders gutes Beispiel dafür sei, dass Massenentscheidungen zu einem Fiasko führen können. Denn dort hätten sich viele unter dem Einfluß fremder Entscheidungen in die „falsche“ Richtung beeinflussen lassen.

Der locus classicus des Begriffs kommt aus England, wo Anfang des 20. Jahrhunderts Francis Galton alle Besucher einer Viehzuchtversteigerung die Viecher per Karte nach Gewicht und Größe schätzen ließ und zu seiner Verwunderung feststellte, dass im Mittel die Schätzungen näher am richtigen Wert lagen als die einzelnen Schätzungen für sich genommen. Damit war der Beweis erbracht, dass die Masse klüger war als das Individuum.

Der weise Leser wird merken, dass hier das Mittel des Grundgesamts aller Schätzungen verglichen wird mit zufälligen einzelnen Bewertungen. Analog könnte ich sagen, ich kann eine bessere Aussage über die Klimazone eines mir unbekannten Ortes machen, wenn ich ein Jahresmittel der Temperatur habe als wenn ich einen beliebigen Wert aus dem Jahr nehme. Natürlich ist der Mittelwert aussagekräftiger, weil die Extremwerte wegfallen, was als Fehlerkorrektur zu bewerten ist. Bei einem einzelnen Wert kann ich gar keine Fehlerkorrektur ausführen…

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Wer war’s: Wer hat’s gesagt?

Wir stellen uns vor, es gibt eine Sendung/Event/Podiumsdiskussion zum Thema XYZ, das irgendwie mit dem Internet zu tun hat. Eingeladen sind ein paar Experten. Einer von Ihnen sagt die folgenden Begriffe, egal welche Frage ihm/ihr gestellt wird:

– Resonanz
– Aufschaukeln
– System
– Rückkopplung
– Dynamik

Wer, in drei Teufels Namen könnte das sein, dass er/sie es schafft, mit uraltem systemtheoretischem Geschwurbel aus den Achtziger heute hochdotierte Beraterverträge an Land zu ziehen, ohne vor Scham zu erröten. Und alle hören andächtig zu und nicken wissend, als hätten diese Sätzen ihnen wirklich den Nebel aus den Hirnen vertrieben. Nein, liebe Gemeinde, ich hacke nicht auf ihm/ihr herum. Ich mache mir Gedanken über sein/ihr Publikum. Offenbar hat keiner an der Uhr gedreht, und trotzdem ist es schon zu spät.

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Wissens-Workflow

Howard Rheingold ist seit 20 Jahren den geneigten Web-Experten und Webadepten bekannt als Vor- und Nachdenker über Wissen, das Web und unsere Gesellschaft. Christiane Schulzki-Haddouti hat nun ein interessantes Screenr-Video ausgegraben, indem er zeigt wie er im Web seine Informationen aggregiert:

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Preferred Blogs: deus ex machina

??? ??????? ???? – apò m?chan?s theós – heißt der Urspruch, um der Historie die Ehre zu gereichen. Denn da kommt tatsächlich eine Gottheit mithilfe einer Maschine auf die Bühne. Zumindest möchte man mit solch antikem Tand die Fassade des Humanismus exhumieren. Und so bemüht man sich ganz bildungsbürgerlich das Netz und seine Pestbeulen, Eiterpickel und wohlgeratenen Rundungen und Kurven larmoyant zu kommentieren – und das unter dem Dach der FAZ. Dass ich das noch erleben darf.

Jetzt, wo das Bildungsbürgertum sozusagen zum neuen Proletariat verkommen ist – im Zeitalter der Vernutzung, die man früher gemeinhin noch als Pragmatismus brandmarken wollte. Aber seit Hilmar Koppers Bürovorsteher Nummer Eins Helmut Schröder die Kreditversicherungen ermöglicht und gewerbesteuerbefreit hatte und noch viele andere herrliche Wohltaten über die privaten Banken ausschüttete, damit sie in ihrem Wahn die öffentlichen Banken aber mal so richtig über den Tisch ziehen konnten, da wurde es im Frankfurter Pförtnerdienst des Marktliberalismus verdächtig laut.

Nun, seit die FAZ bemerken konnte, dass sie sich zu Claqueuren der ewig selben Handvoll Familien mit Einfluß gemacht hatte, entdeckt sie, dass man doch nur mit mehr als 2000 Lesern überleben kann. Und so geriert man sich nun zum postmodernen Erasmus von Frankfurt und spricht täglich das bürgerlich-humanistische Credo. Tja, und einige Geisteswissenschaftler dürfen nun sogar bloggen. Mal sehen, ob die es ohne Antiquitäten und Wochenendtrips nach Meran schaffen, im Haifischbecken der allseits nachlassenden Aufmerksamkeit für das Web zu überleben. Einfach mal hinsurfen und rumlesen. Langatmig, oft mit Halbwissen protzend und immer einen halben Schritt zu hastig, aber gerade deshalb lesenswert. deus ex machina.

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Was uns wirklich dumm macht

Es ist mal wieder soweit. Die Mahner treten gegen die Wünscher an. Fast wäre ich vor Ermüdung eingeschlafen als ich in der FAZ (wo sonst?) den kritischen Artikel vom eigentlich geschätzten Geert Lovink zum Thema Zeit und Informationsüberflutung via Web las. Da ist die Rede von einem externen Zwang zu Echtzeitplattformen wie twitter und facebook. Da ist auch die Rede von all den Informationen, die zwar nicht das Hirn, aber unsere Zeit vermanschen. Auf die andere Seite der Wünscher haben sich Leute wie Clay Shirky und Jeff Jarvis gestellt und werfen mit ihrer Zuversicht und Hoffnung um sich, dass es nur so Feenstaub regnet…

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Das unerbittliche Gedächtnis des WWW

In der WoZ, der „Wochenzeitung„, habe ich einen ausgezeichneten Artikel gelesen über die langfristige Speicherung von Informationen im Internet, insbesondere bei Google, und was das für die Nutzer und unsere Gesellschaft als Ganzes für Folgen haben kann.

Eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt

Unter dem Titel „Googles gnadenloses Gedächtnis“ wird der Leserin, dem Leser geradezu ein Lehrstück über Erinnerung und Vergessen geboten. Am Beispiel von Ireneo Funes, dem Protagonisten einer Kurzgeschichte von Jorge Luis Borges, wird aufgezeigt, dass ein perfektes Erinnerungsvermögen, das Funes als Folge eines Reitunfalls erlangt, mehr Fluch denn Segen sein muss. Ohne Vergessen ist Denken nur schwer möglich, denn „Denken heisst, Unterschiede vergessen, heisst verallgemeinern, abstrahieren. In der vollgepfropften Welt von Funes gab es nichts als Einzelheiten.“

Google stellt im Grossen eine mit Einzelheiten vollgestopfte Welt dar, die nicht vergessen kann. Dies musste Andrew Feldmar, ein Psychoptherapeut aus Vancouver bei seiner Einreise in die USA erfahren. Er hatte in einem wissenschaftlichen Artikel 2001 geschrieben, in früheren Jahren LSD probiert zu haben. Bei seiner Einreise in die USA fünf Jahre später googelte ein Grenzbeamter seinen Namen, worauf er auf den erwähnten Artikel stiess. Da Feldmar gegenüber dem Beamten seine Aussage im Artikel bestätigte, wurde ihm beschieden, er gelte hiermit als Drogenkonsument und dürfe deshalb nicht in die USA einreisen. Auch später war ihm die Einreise in die USA nur mit einer Sondergenehmigung möglich…

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Der Unterschied zwischen Information und Wissen

Dietrich Schwanitz erklärt mit dem von mir sehr geschätzten Hans Magnus Enzensberger einen nicht ganz so kleinen, aber umso feineren Unterschied. Dieses Wissen könnte die Ängste des Herrn Schirrmacher zum Verschwinden bringen. Hier geht es zum Video:
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Shirky: Macht uns das Internet klüger?

Clay Shirky, der berühmte Redner zum Thema Social Web, hat sich einen Werbeartikel zu seinem neuen Buch geschrieben – und zwar im Wall Street Journal. Offenbar spricht er jetzt nicht mehr zur Gemeinde sondern zu seinen zukünftigen Beraterkunden. Das könnte erklären, warum der Artikel so seltsam platt und unausgegoren daherkommt.
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Fluch oder Segen? – Wissen im Überfluss

david_weinberger

David Weinberger, Forscher am Berkman Center for Internet and Society (Harvard Law School) ist Co-Autor des 1998 erschienen Cluetrain Manifesto, dass auf prophetische Weise die Grundlagen der heutigen Nutzung des Web als Geschäfts- und Demokratiewerkzeug beschrieb. Der geneigte Leser wird dort das lesen, was wir heute in sehr vereinfachter und reduzierter Form als Web 2.0, also der Netz der Nutzer, kennen. Was denkt der große Denker heute – 10 Jahre später? Weiterlesen »

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Alles über Link-Verkauf

Frank Schräpler hat in seinem SEO Marketing Blog einen ausführlichen Artikel zum Thema „Backlinks mieten und Links tauschen“ veröffentlicht. Die direkte Vermarktung über Anbieter wie LinkLift gewinnt auf Weblogs in den letzten Monaten an Bedeutung und stellt für Werbende und Blogger ein interessantes Format dar.
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