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5 Best Cases für innovatives KI-Storytelling

Im privaten Umfeld gewöhnen wir uns bereits nach und nach an die digitale Media-Intelligenz von Sprachassistenten wie Alexa, Siri und Google Assistant. Es stehen weltweit aber schon viele weitere smarte Medienanwendungen bereit, die über kurz oder lang in unserem persönlichen Medienkonsum eine Rolle spielen können. Die künstliche Intelligenz nimmt Einfluss aufs Geschichtenerzählen. In einem Best Cases Report der Medieninitative nextMedia.Hamburg in Kooperation mit dem InnoLab der Hamburg Media School werden zehn spannende Beispiele zum Thema Artificial Storytelling porträtiert. Hier sind die ersten fünf davon:

1. Sheldon County – Ein individueller Podcast

Podcasts erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. PhD-Student James Ryan hat die Vision, individuelle Podcasts für jeden Hörer zu erstellen. „Sheldon County“ heißt sein KI-basierter Podcast, der nach dem KI-Pionier Sheldon Klein benannt ist. Auf Grundlage einer beliebigen Zahl wird ein eigener exklusiver Podcast im Universum von Sheldon County generiert.

Handlungsstränge, Personen, Charakterzüge und Beziehungen werden aus einer Datenbank zu einer Geschichte zusammengefügt. Anschließend liest ein Sprachsynthesizer den Text und speichert ihn als Podcast. 2019 soll Sheldon County als Betaversion erscheinen. Bis dahin gibt es aber bereits die ersten Folgen auf Soundcloud zu hören.

2. KI-Autoren schreiben Bücher

Nicht nur Podcasts, auch ganze Bücher möchte man mit Hilfe von Artificial Storytelling erschaffen. Zack Thoutt, begeisterter Game of Thrones-Anhänger, konnte das lange Warten auf den nächsten Band nicht mehr aushalten. Er fütterte ein rekurrentes, neuronales Netz mit den bereits erschienenen fünf Bänden. Entstanden sind fünf Kapitel, die zwar nicht gerade ein Meisterwerk sind, aber durchaus zeigen in welche Richtung es gehen kann.

Der Japaner Hitoshi Matsubara trat mit seinem von einer KI erschaffenen Werk „The Day a Computer writes a Novel“ an einem Wettbewerb an. Er kam damit sogar in die zweite Runde des „Nikkei Hoshi Shinichi Literary Award“.

3. Fußball als 3D-Hologramm

Konstantinos Rematas und seine Kollegen von der University of Washington sehen die Zukunft des Fußballs in 3D-Hologrammen. Das 3D Hologramm entsteht dank AR-Technologie direkt auf dem Tisch. Als Grundlage dienten 12.000 Spielermodelle aus dem Computerspiel FIFA von EA Sports.

In Zukunft wollen sie die Technologie aber so weit ausbauen, dass auch Live-Spiele als Augmented Reality-Erlebnis Wirklichkeit werden. 3D-Hologramme funktioniert so derzeit aber nur in Verbindung mit der HoloLens von Microsoft.

4. ANGELINA – Neue Möglichkeiten im Game-Design

Künstliche Intelligenzen werden in der Spieleentwicklung eher für kleine Aufgaben genutzt. Die KI ANGELINA (Akronym für „A Novel Game-Evolving Labrat I’ve Named Angelina“) entwickelt hingegen komplette Spiele samt Spielregeln und Umgebungen.

Die Spiele gestaltet Angelina beispielsweise auf Basis von Fotos. Charaktere orientieren sich an News von Webseiten oder Social Media-Plattformen. KIs wie Angelina sollen laut Entwickler Michael Cook trotzdem eher eine unterstützende Rolle in der Programmierung einnehmen, anstatt den Menschen zu ersetzen.

5. Dreamwriter – Journalismus aus der Dose

Tencent heißt der chinesische Social Media-Riese, die mittlerweile genau so umsatzstark ist wie Facebook. Deren AI Dreamwriter ist in der Lage, selbstständig journalistische Texte zu schreiben. Die Rede von Zach Seward, Executive Editor bei Quartz wurde bei der Media Summit 2017 bereits aufbereitet und veröffentlicht, bevor Seward die Bühne verlassen hatte.

Neugierig auf fünf weitere zukunftsweisende Anwendungen?

Die kompletten 10 Cases stehen bei nextMedia.Hamburg zum kostenlosen Download bereit!

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Medieninitative nextMedia.Hamburg und dem InnoLab der Hamburg Media School.


Image by peshkova via stock.adobe.com

 

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„Einfach mal Mensch sein“: Julian A. Kramer von Adobe über Kundenorientierung im Digital Marketing

Julian A. Kramer im Interview zum Thema Kundenorientierung

Was soll man wie und wann ins Web oder in die App packen, damit der Nutzer klickt, liest, guckt, teilt oder gar kauft? In Zeiten, in denen keine Güter, Dienste oder Infos im engeren Sinn knapp sind, gewinnt das „Erlebnis“ an Bedeutung. Doch vielen Marken gelingt es noch nicht, im Digitalzeitalter ihren Kunden ein unwiderstehliches Markenerlebnis zu bieten. Meist liegt es daran, dass hinter den Kulissen Kreative, BWLer und die IT nicht an einem Strang ziehen, weiß Julian A. Kramer. Als neuer „Chief Experience Ambassador“ bei Adobe vermittelt er Unternehmen, wie ihr Knoten im „Digital Marketing“ platzen kann, wenn sich alle Abteilungen endlich mal zusammenraufen. Kundenorientierung ist das Schlüsselwort.

Julian A. Kramer, warum tun sich manche Firmen mit Digital Marketing leicht und andere so schwer?

Wirklich leicht fällt es ja keinem. Für „klassische Unternehmen“, also die, deren Geschäftsmodell nicht von Anfang an digital war, dürfte es beruhigend sein, dass alle erst Schritt für Schritt herausfinden, was im Bereich Digital Marketing geht. Manche sind schon ziemlich weit, aber Fragen und Hürden sind immer gleich. Wie gehen wir mit der Digitalisierung um? Was bringt uns eigentlich Kanal XY? Wie kriegen wir es hin, dass sich unsere Agenturen besser miteinander absprechen? Meist liegt es aber daran, dass die einzelnen Abteilungen innerhalb der eigenen Firma nicht an einem Strang ziehen. Auch die Welten von Kreation und Media scheinen häufig entkoppelt.

Wo ist das Problem? Denken Marketer nicht kreativ genug oder Kreative nicht datengetrieben bzw. performancebasiert genug?

Das ist gar nicht der Punkt. Man kann den meisten Kreativen ein Verständnis für wirtschaftliche Notwendigkeiten vermitteln und die meisten Marketingverantwortlichen sind im Anspruch auch kreativ, sonst wären sie ja im Controlling oder der Logistik gelandet. Es geht nicht um die Optimierung der ein oder anderen Funktionsabteilung. Das Silo-Denken ist das Problem. Viele reden einfach nicht miteinander und lassen zudem oft die IT außen vor – und dabei kommt dann nach allen Grabenkämpfen zu guter Letzt die Empathie für den Kunden als gemeinsamer Nenner verloren.

Du brauchst am Ende des Tages Leute, die Empathie haben und verstehen, wie man Erlebnisse kreiert. Dazu muss jeder verstehen, welchen Beitrag er dazu leistet. Ich möchte eine Analogie zum Filmset ziehen: Dort gibt es viele begnadete Spezialisten und manchmal auch Diven. Aber in der Regel wissen alle, wo sie verantwortlich sind, Mehrwert liefern und wann es sich zu arrangieren gilt. Denn ein guter Film ist niemals eine One-Man-Show. Und das gilt auch für das Markenerlebnis von Produkten und Dienstleistungen. Dort gibt es ebenfalls viele Spezialisten mit unterschiedlichen Interessen. Aber am Schluss geht es darum, ein gemeinsames Erlebnis zu liefern.

Kreation, Marketing und IT müssten sich also einfach mal offen an einen Tisch setzen? Warum tun sie das nicht?

Das ist in der Regel eine Leadership-Frage. Im Rahmen der fortschreitenden Digitalisierung müssten dafür Hoheitsgebiete neu gezogen werden, also Teams zusammengebracht werden, die vorher nie wirklich miteinander geredet haben. Weil niemand von allein seine Privilegien aufgibt, muss das die Führung von oben vorantreiben. Entscheidend ist auch die Art der Incentivierung. Nur in zig Meetings mehr Zusammenarbeit zu proklamieren, verpufft. Stattdessen führen Unternehmen idealerweise alle Silos zusammen und schaffen eine zentrale Technologie-Plattform, sodass alle eine gemeinsame Basis haben. In der Zeit von Big Data und Customer Centricity hilft es keinem, wenn die linke Hand nicht weiß, was die Rechte tut – dabei hilft eine gemeinsame Infrastruktur. Getreu dem Motto „Culture Follows Structure“.  Nur wenn die Nebenschauplätze mit ihren strukturellen Reibungsverlusten beseitigt sind, kann die Kundenorientierung im Vordergrund stehen. Und genau dieser unbedingte Fokus auf das Kundenerlebnis ist das A und O im Digital Marketing.

Was zeichnet eigentlich Kundenorientierung im Digital Marketing aus?

Was am Ende beim Kunden als Eindruck ankommt, ist zwar immer subjektiv, aber es gibt ein paar Prinzipien, wie Unternehmen die Kundenorientierung forcieren können. Das wichtigste Prinzip ist „Context Awareness“. Damit meine ich eine mehrwertstiftende Personalisierung. Das heißt nicht, dass ich den Kunden detailliert kennen muss, sondern, dass das Erlebnis für mich als Endkunden in genau diesem Moment eine Bedeutung hat. Im Marketing spricht man gerne von „right person, right time, right message“. Dazu müssen Anbieter einfach mal aufhören zu senden und stattdessen Mensch sein und sich in den Kunden reinversetzen, verstehen wo er sich in seinem Entscheidungsprozess und Kommunikationsbedürfnis befindet und wie ich ihn da am besten abhole.

„Speed at Scale“ ist ein weiteres Prinzip. Damit ist ein Organisationsproblem gemeint. Wenn Unternehmen verschiedene Zielgruppen bedienen möchten, müssen sie in Millisekunden handlungsfähig sein. Der Kunde ist jetzt auf der Webseite und will eine Antwort oder eine Lösung. Dafür brauchen Firmen eine agile technische Infrastruktur, die eine Personalisierung im großen Stil automatisiert ermöglicht.

Das Prinzip der Integration dreht sich um das Zusammenführen von Informationssilos. Diesen Aspekt habe ich schon angerissen. Es ist kontraproduktiv, wenn jede Funktionsabteilung eine geschlossene Kommunikation betreibt und einen abgegrenzten Datenpool verwaltet. Nur wenn alle Puzzleteile auf einer technologischen Plattform gebündelt sind, und alle wissen, wie ihre jeweiligen KPIs auf ein Gesamtziel einzahlen, können alle Beteiligten an einem Strang ziehen.

„Focused Innovation“ ist schließlich das letzte Prinzip. Nicht jeder Anbieter braucht eine App oder ein Augmented-Reality-Feature, um Kunden ein besseres Erlebnis zu bieten. Manchmal ist es zielführender, hinter den Kulissen die Lieferkette umzubauen, um innovativ zu sein. Es geht um den Kundenmehrwert der Maßnahmen, nicht um Symbolpolitik und kurzfristige technologische Strohfeuer. Und natürlich müssen Optionen kontinuierlich geprüft werden. Nur, weil vor fünf Jahren die App nicht gut ankam, heißt das nicht, dass sie heute immer noch nutzlos wäre.

Klingt einleuchtend. Warum handeln Chefs nicht einfach danach?

Viele Entscheider spüren natürlich den Anpassungsdruck und wollen etwas ändern. Das Problem dabei: Zwar haben viele C-Level-Manager einen Instinkt dafür, dass was passieren muss. Aber es fehlt ihnen an der Zeit, das Hamsterrad anzuhalten und Dinge wirklich anders zu machen – oder Prozesse wenigstens schrittweise umzustellen. Von spielerischem Experimentieren mal ganz zu schweigen.

Häufig haben die Entscheider all diese Themen schon gehört, im Kampagnen-Alltag wird dann aber wieder agiert wie im Marketing der 1960er Jahre. Wenn die Inbox geflutet wird und die nächste Kampagne raus muss, dann wird Innovation entweder auf Workshop-Events vertagt, wo wir dann drei Tage alle agil sind, oder es werden zwei Leute auf Marsmission geschickt, die dort das Innovations-Wasser suchen sollen. Die kommen dann mit ihrem Bericht zurück und das war’s.

Meinen Job als Chief Experience Ambassador bei Adobe sehe ich darin, den Leuten bei der Interpretation zu helfen und zumindest ein „Warum“ und klare Handlungsempfehlungen auf dem Weg zu einer stärkeren Kundenorientierung zu liefern. Es kommt ja immer wieder was Neues. Dann muss man das offen angehen und interpretieren.

Als neuer Chief Experience Ambassador von Adobe nehmen Sie eine Art Evangelisten-Rolle wahr. Wie wollen Sie einen langjährigen Marketer davon überzeugen, dass Sie der passende Ratgeber sind und nicht nur Marketing-Software wie den Adobe Experience Manager promoten?

Ich will gar nicht über Tech-Features von Adobe-Software reden, sondern darüber, wie es für die Kundenorientierung überhaupt sinnvoll ist, in Marketing und Kreation datengetrieben zu arbeiten. Adobe ist ein agnostischer Technologie-Lieferant, dessen Lösungen quer durch alle Firmenbereiche eingesetzt werden. Es spricht überhaupt nichts dagegen, auch andere Tools zu verwenden. Für viele Tools stehen APIs und Integrationsmöglichkeiten zur Verfügung, sodass sich beispielsweise Adobes Künstliche Intelligenz Sensei trotzdem einbinden lässt. Die richtige Implementierung in die Firmenprozesse ist der Knackpunkt. Ich versuche in meiner Funktion, sowohl Betriebswirtschaftler als auch Kreativer zu sein. Meine Mission ist es, mit Storytelling die Brücken in den Unternehmen zu bauen, die das Umdenken und Handeln anregen.

Was hat Storytelling damit zu tun? Machen Sie Ihre Gesprächspartner zu Protagonisten einer Heldengeschichte?

Storytelling ist ein Instrument, um mit Empathie einen Erkenntnisgewinn zu vermitteln. Dabei muss es sich nicht um eine klassische Heldengeschichte handeln. Ich freue mich natürlich über jeden Kunden, der in seinem Unternehmen heldenhaft einen Drachen erlegt hat und erzähle gerne von ihrer Reise, aber da kommen wir wieder zur Empathie. Welche Erzählform ich wähle, kommt auf den Empfänger an. Selbst ein Tweet mit 140 Zeichen kann Großes bewegen.

Gehen auch 280 Zeichen?

Nein, ich bleibe da lieber oldschool. Ich versuche es zumindest. Change Resistance und so…

Julian A. Kramer, danke für das Gespräch.

Kundenorientierung Adobe Interview
Julian A. Kramer von Adobe im Interview mit Netzpiloten-Redakteur Berti Kolbow-Lehradt. Image by Florian Beck

Über Julian A. Kramer, Chief Experience Ambassador, Adobe Central Europe

Als Chief Experience Ambassador nimmt Julian A. Kramer seit Oktober 2017 eine Art Evangelisten-Rolle bei Software-Hersteller Adobe ein. Wie Unternehmen im Digitalzeitalter durch datengetriebenes Marketing ihre Kundenorientierung forcieren und Kunden mit Erlebnissen an sich binden, ist seine Botschaft. Als MBA-Absolvent sowie durch seine Erfahrung als Regisseur und Hochschuldozent für Kreativtechniken kann er Quartalsberichte ebenso gut interpretieren wie packende Geschichten erzählen. Mit diesem Fähigkeitsmix hat Julian A. Kramer vor seinem Wechsel zu Adobe in der hauseigenen Kreativberatung THE ZOO von Google in der DACH-Region Kunden beraten. Außerdem hat er das Customer-Centric Marketing Executive Education Programme in der EMEA-Region verantwortet. Dabei gab er Top-Managern großer Werbekunden Know-how und Denkanregungen für ihren Weg durch die Digitale Transformation an die Hand.

Dieses Interview entstand in Zusammenarbeit mit Adobe.


Images by Florian Beck


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Kommunikationstalente für die Netzöffentlichkeit entdecken – Vom Nutzen der Jobbotschafter

DigitalWork(adapted) (Image by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Gerade im Bereich Digital Relations fällt immer wieder auf, dass viele Grundprinzipien der digitalen Welt noch nicht angekommen sind. Dies ist oft unabhängig vom Alter oder der Position. Was können wir tun, um nachhaltig sowohl bei Kunden als auch intern ein größeres Verständnis für digitale Prozesse zu erarbeiten? Diese Frage wurde mir für die Novemberausgabe des prmagazins gestellt. Ist so ein Experten-Ding. Meine Antwort:

Fachliche Kompetenz ins Digitale übertragen

Digital Relations funktioniert nur dann, wenn man nach der Logik des Netzes operiert. Man muss die Mitarbeiter für die Netzkommunikation schulen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre fachliche Kompetenz auch ins Digitale zu übertragen. Klaus Eck von der Agentur d.Tales plädiert für die Heranbildung von Markenbotschaftern. Hier liegt eine große Chance, die Themen der Unternehmen auf breite Füße zu setzen und richtig gutes Storytelling zu machen.

Dafür braucht man Köpfe und Sichtbarkeit. Das schafft man nur, in dem man nicht nur tolle Geschichten entwickelt, sondern auch über die Netzwerke der Mitarbeiter verteilt“, so Eck.

Wie das gelingt, skizziert er in einem Blog-Interview mit Nick Marten, der für den Onlinehändler Otto ein Jobbotschafterprogramm aufgesetzt hat: „Unternehmen und speziell Kommunikatoren sollten lernen, mehr loszulassen. Uns ist bewusst, dass sich das sehr leicht sagt, in der Umsetzung jedoch viel Energie und Überwindung kostet. Aber: Die einstige Kommunikationshoheit gibt es nicht mehr.“

Barcamps für Kommunikationsexperimente

In Zukunft gehe es vielmehr darum, mehr Mitarbeiter zur Kommunikation zu befähigen. „Und dabei sollten wir Kommunikatoren gar nicht erst versuchen, den Menschen irgendetwas aufzuzwingen, ihnen Botschaften zu diktieren oder sie zu Werbesprech- oder PR-Maschinen machen zu wollen“, sagt Marten. Wie das gelingt das? Eck gibt im prmgazin-Interview eine leicht umzusetzende Empfehlung:

 

Content-Silos abschaffen

Das reicht allerdings nicht aus. Wichtiger Tipp der PR-Expertin Kerstin Hoffmann an Unternehmen. Verabschiedet euch von der Fachbereichsdenke: „Trennt man das Content-Marketing streng von der PR und diese wiederum von Social-Media-Aktivitäten, so bleiben Content-Silos bestehen, die in der Summe viel zu schwerfällig sind, um die gewünschten Stakeholder zu erreichen und vor allem in Gespräche mit diesen einzutreten.“

Organisationen sollten endlich begreifen, dass praktisch alle ihre Mitarbeiter mittlerweile in sozialen Netzwerken präsent sowie in Messengern mit anderen verbunden sind. „Hier werden sie eben auch in ihrer beruflichen Funktion wahrgenommen und sind daher, gewollt oder ungewollt, Markenvertreter“, schreibt Hoffmann. Wer das ignoriert, überlässt die Außenwirkung dem Engagement und dem mehr oder weniger zufälligen individuellen Kommunikationstalent der Mitarbeiter als den wichtigsten Schnittstellen in die Öffentlichkeit. Das Notiz-Amt ist ja ein Fan des Zufalls. Aber an dieser Stelle sollte man die Expertisen in den eigenen Reihen gezielt an die Netzöffentlichkeit bringen.


Image (adapted) „DigitalWork“ by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain]


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Die Netzpiloten sind Partner der Fintech Week Hamburg

Partnergrafik_Finetech

Habt ihr Lust auf die Fintech Week in Hamburg? Bei uns könnt ihr noch zwei Tickets haben! Hier könnt ihr an der Verlosung teilnehmen und vom 6.-12. November live dabei sein. Teilnahmebedinungen


Das betahaus Hamburg wird zum zweiten Mal Zentrum für Fintech. Denn vom 6. Bis 12. November findet erneut die Fintech Week statt. Aktuere aus der Finanzwelt, Banken, Versicherungen und Digitalwirtschaft können sich auf viele Veranstaltungspunkte freuen. Die ersten Programmpunkte wurden bereits veröffentlicht. Einer davon ist zum Beispiel das erste Fintech Startup Weekend mit diesem Schwerpunkt in Europa.

Auf der Agenda der Veranstaltungswoche stehen neben Robo-Advisors, digitalen Prozessen in Finanzunternehmen und kommunikativen Herausforderungen auch die Regulierungsinitiative PSD2 und Kollaboration zwischen Fintech- und Banken-Teams.

Fünf Ankerthemen – viele Veranstaltungen

In verschiedenen bekannten Konferenzrunden oder experimentellen Formaten treffen Besucher mit Experten und Expertinnen der Branche zusammen. So schafft die Fintech Week eine Mischung aus entspanntem Zurücklehnen und spannenden Interaktionen.

In der bewährten Konferenz Euroforum geht es dieses Jahr um die Digitalisierung des Bankenwesens. Ai, API und Blockchain sind nur der Anfang, die Teilnehmer diskutieren über Chancen und Herausforderung.

Im LaborX können Teilnehmer ihre Kommunikationsstrategien vor Experten pitchen und Feedback bekommen. Bei der Fintech Week Team Challenge steht in verschiedenen Wettkämpfen Teamwork und Geschick im Mittelpunkt. Neben den Interaktiven Workshops finden auch Gesprächsrunden oder Storytelling Events Platz. Die Fintech Ladies ein und erzählen von ihrer Erfahrung in einer Arbeitswelt von männerdominierten Teams. Auch spannend: die Fuckup Night. Hier erzählen Gründer von ihren größten Misserfolgen und tauschen sich über das Schlechte und das Gute ihres Scheiterns aus.

Weil die weltweite Blogosphäre stetig wächst und sich neben den klassischen Medien als wichtige Informationsquelle etabliert hat verleiht comdirect im Rahmen des Finanzbarcamps erneut den Finanzblog Award. Die für die besten deutschsprachigen Blogs der Szene, einen Publikumspreis und

Nicht verpassen

Bei der Fintech Week kann man sich seinen Veranstaltungsplan selbst zusammenstellen und muss nur Tickets für die Veranstaltungen erwerben, die man auch besuchen möchte. Für jedes Event gibt es individuelle Tickets. Aber das Programm ist noch lange nicht vollständig. Bis jetzt wurden 20 der geplanten 40 Veranstaltungen veröffentlicht, es lohnt sich also die Event-Webseite im Auge zu behalten.

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AUTONOMES FAHREN heise: Autonomes Fahren mit Sedric: Volkswagen zeigt erstes Konzept für autonomes Auto: „Shaping the Future“ stand auf der Einladung zum VW-Vorabend zum Genfer Autosalons, vom vom 9. bis 19. März. Die soll tatsächlich regelrecht würfelförmig sein, so sieht Sedric zumindest aus. Das neue „SElf-DRIving Car“ (daher der Name), das der Konzern jetzt anlässlich des anstehenden Autosalons vorgestellt hat, soll also die Zukunft des autonomen Fahrens gestalten und VW vielleicht auch weiter aus der Diesel-Affäre ziehen. Viele Details verriet der Konzern noch nicht, nur, dass Sedric elektrisch unterwegs sein, ohne Kabel geladen wird und per Knopfdruck angefordert werden kann.

    NINTENDO SWITCH zeit: Spaßpaket mit Schönheitsfehlern: Am Freitag wurde die Gamingwelt um eine neue Konsole erweitert. Mit der Nintendo Switch vereint der Hersteller stationäres und mobiles Gaming in einem Gerät. Nach einem ersten Zocker-Wochenende gibt es nun erste Gedanken und Urteile zur neuen Konsole. Der neue „The Legend of Zelda“-Teil „Breath oft he Wild“ ist dabei ein garantierter Blockbuster, hier verkauft aber eher die Software die Hardware, weitere große Titel für die Konsole bleiben erst noch aus.

  • SOUND engadget: Hands on: Das ist die Sonos Playbase: Für den April hat Lautsprecher-Hersteller Sonos jetzt ein neues, kompaktes Soundsystem vorgestellt. Die Playbase ist dabei vor allem eine geeignete Lösung für Film- und Musikfans ohne viel Platz, denn sie kann direkt unter dem Fernseher aufgestellt werden. Mittels der Trueplay-App wird zusätzlich der Raum soundoptimiert. Mit dem Fernseher wird sie mit Hilfe eines optischen Kabels verbunden, für alle anderen Einsatzgebiete – also das Streamen von Musik und die Kommunikation mit weiteren Sonos-Lautsprechern – kommt WiFi zum Einsatz.

  • NETFLIX t3n: Entscheide selbst, wie der Film endet: Netflix arbeitet an interaktiven Handlungsverläufen: Die Grenze zwischen filmischen und spielerischem Medium scheinen immer mehr zu verwischen. Filmische Spiele sind nichts neuer, aber wie sieht es mit gamifizierten Serien und Filmen aus? Der US-Streaming-Anbieter Netflix soll jetzt an einer Technologie arbeiten, die es dem Zuschauer ermöglicht per Knopfdruck den Handlugnsverlauf der jeweiligen Serie oder Films zu beeinflussen. Vorerst sei das Ganze ein Experiment seitens Netflix, so ermöglicht es den Filme- und Serienmachern aber ungeahnte Storytelling-Möglichkeiten. Bleibt nur die Frage: Will das der Zuschauer überhaupt?

  • FACEBOOK sueddeutsche: Facebook versucht, suizidgefährdete Nutzer zu erkennen: Eine neue Woche – ein neues, weltverbesserndes Facebook-Feature? Jetzt soll es eine künstliche Intelligenz geben, die Nachrichten und Status-Einträge der Nutzer, die auf suizidale Absichten anspielen, erkennen soll. Facebook kontaktiert die Nutzer daraufhin und gibt ihnen Tipps und empfiehlt Beratungsstellen. Das Konzept ist aber keineswegs neu. Schon die App Koko ist ein digitaler Seelsorger, der seit einiger Zeit fest in den bei Jugendlichen beliebten Messenger-Apps wie beispielsweise Telegramm oder Kik verankert ist.

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Interactive Fiction: Bei diesen vier Games bestimmst du die Geschichte

Her-Story-Screenshot-Blue-Jacket (adapted) (Image by Sam Barlow)

„Story in einem Spiel ist wie Story in einem Pornofilm. Man erwartet, dass sie da ist, aber sie ist nicht sonderlich wichtig.“ Dieses Zitat wird dem Doom-Entwickler John Carmack zugeschrieben. Es wird immer gern dann diskutiert, wenn es um die vermeintliche erzählerische Niveaulosigkeit in Videospielen geht. Tatsächlich tun sich viele Games schwer damit, narrativen Anspruch und interaktives Erlebnis zu vereinen. Warum eigentlich? Ich will beides!

Interactive Fiction: Ich bin das Spiel

Einem Genre, dem das vergleichsweise gut gelingt, sind Spiele aus dem Bereich Interactive Fiction. Dabei wird die Geschichte wie in einem Film oder einem Buch über weite Strecken konzentriert vorwärtsbewegt. An Schlüsselstellen erhält der Spieler jedoch die Kontrolle über den weiteren Verlauf, indem er ihn mit dem Handeln oder den Antworten des Charakters beeinflussen kann. Ich liebe dieses Genre, weil es mir die Möglichkeit eröffnet, mich von einer packenden Story fesseln zu lassen, aber gleichzeitig Teil des Geschehens sein zu können. Ihr wollt dies auch erleben? Hier sind vier Spiele für Android, die ich euch empfehlen kann.

The Walking Dead: Zombie-Jagd mit Touch

Das Zombie-Franchise The Walking Dead (TWD) ist eines der populärsten Vertreter für Interactive Fiction. Die Spiele-Umsetzung stammt von Telltale. Das Entwicklungsstudio hat sich mit weiteren Genre-Vertretern einen Namen gemacht. Die Spiel-Version von TWD erlebt ihr über weite Strecken wie einen animierten 3D-Film. In diversen Situationen entscheidet ihr mit einer von mehreren Vorgehensweisen oder Anworten, wie die Handlung voranschreitet. Ab und an steuert ihr das Wohl eures Charakters in Quicktime-Events, etwa, um Zombies auszuweichen – oder zu töten. Inhaltlich spielt TWD im Universum der TV-Serie. Original-Charaktere trefft ihr aber fast nie. Dafür ist der Plot ähnlich. Mehr noch als die Zombies stellt euch das Aufeinandertreffen mit überlebenden Menschen vor Herausforderungen. Aktuell läuft die dritte Staffel namens „A New Frontier“. Darin müsst ihr in der Rolle des jungen Mannes Javier seine Familie vor den Gefahren der Zombie-Apokalypse schützen.

Startet aber lieber chronologisch mit der ersten Staffel. So verfolgt ihr besser das Schicksal des Mädchens Clementine, einer der interessantesten Charaktere, die ich je gespielt habe. Außerdem werden die Story-Weichen, die ihr gestellt habt, mittels Cloud-Sync staffelübergreifend übernommen. Nicht jede Entscheidung ist fundamental wichtig. Zum Teil hängt davon aber ab, wer stirbt oder wen ihr ein paar Folgen später wieder trefft. Die Idee der Interactive Fiction haben die Telltale-Designer exzellent umgesetzt. Als Einzelkauf kostet jede der fünf Folgen von The Walking Dead: A New Frontier im Play Store 5,49 Euro. Für jeweils ein bis drei Stunden Spielzeit ist das nicht wenig. Mir war es das Erlebnis bisher wert. Das Spiel ist außerdem für Windows, iOS, Xbox One und PlayStation 4 erhältlich.

Lifeline: Telefonseelsorge im Weltraum

Stellt euch vor, auf eurem Smartphone erreicht euch ein in Not geratener Astronaut – und mit euren Ratschlägen könnt ihr ihn aus seiner Lage retten. Das ist der Ausgangspunkt des rein textbasierten Spiels Lifeline. Im aktuellen sechsten Spieleableger „Lifeline: 8 wie unendlich“ chattet ihr – wie in einigen vorherigen Teilen auch – mit dem Weltraum-Schiffbrüchigen Taylor. Während euch Taylor abgehetzt seine Flucht vor sehr penetranten Aliens schildert, bittet er euch bei kniffligen Entscheidungen regelmäßig um Rat. Manchmal ist dafür sogar eine Google-Recherche nötig. Wählt eure Tipps weise, es geht buchstäblich um Leben und Tod.

Die zum Teil sehr witzigen Dialoge und der Erzählrhythmus, der auch Schlafens- und Essenspausen von Taylor berücksichtigt, unterstreichen den Eindruck, mit einem echten Menschen zu chatten. Manche Rezensenten fühlen sich dadurch so emotional berührt, dass sie sich geradezu Sorgen um Taylor machen. So weit würde ich nicht gehen. Dennoch finde ich das Spielkonzept sehr fesselnd. Die alternativen Enden motivieren zum erneuten Spielen. Das ist für mich Interactive Fiction, wie sie sein sollte. „Lifeline: 8 wie unendlich“ ist im Play Store für 2,99 Euro erhältlich und sein Geld absolut wert. Ältere Teile gibt es sogar schon für 0,99 Euro. Auf iOS läuft Lifeline ebenfalls.

80 Days: Eine Weltumrundung ist nicht genug

Ob der Londoner Gentleman Phileas Fogg es schafft, die Welt in 80 Tagen zu umrunden, bleibt natürlich mal wieder an euch hängen – seinem treuen Diener Passepartout. Im Gespräch mit Reisenden Informationen zu den schnellsten Routen beschaffen, Geld auftreiben und die Gesundheit des Chefs im Blick behalten –  das ist euer Job in der Spielumsetzung von Jules Vernes Roman.

In dieser Steampunk-Version der Geschichte könnt ihr mit Luftkissenfahrzeugen und mechanischen Kamelen reisen – dennoch bleibt im Setting des Jahres 1872 ein Zeitfenster von 80 Tagen ein steiles Timing für eine Weltreise. Mit der richtigen Reiseverbindung (Tipp: Nordpol!) schafft ihr es aber sogar schneller. Die Routenplanung und die Stadtaufenthalte sind hübsch animiert und illustriert. Die Hintergrundstory und Dialoge sind aber rein textbasiert. Euer Englisch sollte gut sein, sonst entgehen euch womöglich viele Details. Die Geschichte ist wahnsinnig dicht und detailreich. Passepartout ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe gleich drei Weltumrundungen am Stück absolviert. Jede Reise ist anders und offenbart exotische Schauplätze und historisch angehauchte Nebenhandlungen. Der Preis von 3,80 Euro für die App im Play Store geht locker in Ordnung. Für Mac und Windows ist 80 Days ebenfalls erhältlich.

Her Story: Mörderhatz per YouTube-Suche

Bei dem Krimi-Spiel „Her Story“ fasziniert vor allem die ungewöhnliche Art, wie ihr euch die Geschichte erschließt. Es verschafft euch Zugang zu einer Polizei-Datenbank, in der sieben fiktive Interviews mit einer britischen Frau aus dem Jahr 1994 gespeichert sind. Sie vermisst ihren Mann und ihr müsst euch anhand der Aufzeichnungen einen Reim auf die Geschichte machen. Was die Sache zum Rätsel macht: Statt der kompletten Interviews betrachtet ihr nur kurze Ausschnitte. Diese fragt ihr in der Datenbank per Schlüsselwörtern aus dem Interview ab. Das Transkript liegt euch aber gar nicht vor. Was wichtig sein könnte, müsst ihr aus dem Kontext schlussfolgern und euch so Schritt für Schritt in Richtung Lösung voran puzzeln. Quasi wie bei einer unsystematischen YouTube-Suche.

Das Design hat einen gewissen nostalgischen Charme. Es erinnert an einen Computerarbeitsplatz der 90er-Jahre: grobpixelige Videos, geräuschvolle Computertasten und säuselnde Festplatte. Die schauspielerische Leistung hingegen liegt auf Laientheater-Niveau. Auch die Handlung kommt streng genommen nicht über einen durchschnittlichen Tatort-Plot hinaus. Dennoch ist das ungewöhnliche Gameplay extrem reizvoll. Für 5,49 Euro im Play Store bietet Her Story ein abendfüllendes Krimi-Rätsel. Unter iOS, Mac und Windows läuft das Spiel ebenfalls.

Ohne Story ist ein Spiel nicht sonderlich wichtig

Unter dem Strich leben alle vier genannten Spiele aus dem Bereich der Interactive Fiction nicht von der absoluten Brillanz des Plots, sondern davon, dass der Spieler den Verlauf non-linear mitbestimmen kann. Ich möchte aber auch überhaupt nur deshalb ein Teil dieser Spiele sein, weil die Plots mindestens „gut genug“ sind. Storytelling und Interaktivität gehen hier einen gesunden Kompromiss ein. Insofern widerspreche ich John Carmack. Ohne eine „mindestens gute“ Story ist ein AAA-Videospiel heute nichts mehr. Interaktivität bietet jedes Videospiel. Aber erst, wenn deren Handlung überzeugt, wird daraus ein Spiel, das sich von der Masse abhebt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Applepiloten.  


Image by Sam Barlow via Her Story Game


 

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Filmreife Videospiele: „Es gibt eine Fan-Kultur für gute Synchronisation“

Bei fremdsprachigen Filmen und Serien ist es gang und gäbe. Und auch bei hochwertigen Videospielen gehört es immer öfter zum guten Ton, die Original-Sprache durch prominente Stimmen auf deutsch zu übersetzen. Ebenso wie in einer Hollywood-Produktion befeuert professionelles Stimmhandwerk Emotionen und Atmosphäre. Doch wie verleiht man einem animierten Computerspiel-Helden Authentizität und Gefühl? Wir sprachen darüber mit Peter Flechtner. Als Feststimme von Ben Affleck gehört er zu den meistgebuchten Synchronschauspielern. Mit JD Fenix sprach er den Protagonisten in „Gears of War 4“ , einem Blockbuster für PC und Xbox, der anerkennende Kritiken für die Synchronisation verbucht hat.

Ein Videospiel, na toll. Das ist doch gar keine „echte“ Schauspielerei! Oder?

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Ohne gut synchronisierte Kampfschreie oder toughe Oneliner wären Videospiele wie Gears of War 4 nur halb so populär. Screenshot by Microsoft

Im Gegenteil. Hier ist mehr Handwerk und Erfahrung gefragt als viele denken. Computerspiele zu sprechen ist wahnsinnig herausfordernd. Mehrere Stunden lang am Stück Schreianweisungen eines Soldaten einsprechen und zwischendurch glaubwürdig die Atmosphäre von Action auf Humor oder Enttäuschung zu wechseln – das geht auf die Stimme. Unerfahrene Sprecher haben da ihre Schwierigkeiten. 

Werden deshalb gefühlt immer öfter prominente Synchronschauspieler für Videospiele gebucht?

Das liegt eher am Kino-Effekt, den hochwertige Videospiele erzeugen sollen. Die Produktionen sind inzwischen so „high-class“, dass Spielefiguren sehr realistisch aussehen. Je besser man sich den Charakter vorstellen kann, desto eher wollen und können sich die Leute mit ihm identifizieren. Weniger begabte Stimmen stören diesen Eindruck. Wiederum bekannte Stimmen kommen einem vertraut vor. Ich habe mir zur fertigen deutschen Fassung von Gears of War 4 ein „Let’s Play“ -Video angeschaut. Der Spieler erkannte meine Stimme, konnte sie aber nicht einordnen. Daraufhin haben rund 20 Kommentatoren diverse meiner Rollen aus Film und Serie aufgezählt. Jeder hatte einen anderen Ansatzpunkt. Dieser Wiedererkennungswert trägt auch dazu bei, dass sich Videospiele wie Kino anfühlen.

„Let’s Play“-Video: Welche Synchronstimme ist das?

Geht bei Videospielen – wie bei Filmen auch – mit dem Original-Ton nicht Authentizität verloren?

Eine 1:1-Übersetzung ist tatsächlich fast nie möglich. Einfach, weil deutsche Sätze oft länger sind als englische. Auch Akzente und Dialekte gehen verloren, weil es eher satirisch wirkt, wenn man eine Figur Bayerisch oder Österreichisch sprechen lässt. Dass in Deutschland die Synchronisation dennoch so beliebt ist, liegt daran, dass es als eine Kunstform behandelt wird, die ihren eigenen Beitrag leistet. Oft hat der deutsche Synchronsprecher ja eine andere Stimmfarbe und klingt fast besser als das US-Original. Arnold Schwarzenegger wäre ohne seine deutsche Stimme Thomas Danneberg möglicherweise hierzulande nicht so populär geworden. Genauso wie bei Filmen und Serien bildet sich auch bei Videospielen immer stärker eine Fan-Kultur für gute Synchronisation heraus.

Spiele wie Gears of War 4 stehen nicht für dialogintensive Szenen: Wie viel Storytelling können Sie durch einen Schmerzensschrei oder einen toughen Oneliner vermitteln?

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Im Videospiel Gears of War 4 von Microsoft Studios spricht Peter Flechtner den Helden JD Fenix. Screenshot by Microsoft

Meine Aufgabe als Synchronschauspieler ist es, glaubwürdig zu sein. Dafür kommt es nicht auf die Textlänge an. „Ich bin verletzt“ kann ich unbetont und langweilig oder auch schmerzerfüllt und dramatisch sprechen. Ein Oneliner reicht, um im besten Fall ein Gefühl zu transportieren oder im schlechtesten Fall zu verraten, dass da jemand nur einen Satz abliest. Jede Rolle ist Schauspiel, unabhängig vom Medium. In Gears of War 4 hatte ich übrigens für ein Spiel relativ viele Zeilen, weil es etliche alternative Aktionen gibt, die die Figur JD Fenix kommentiert. 

Wie haben Sie sich auf eine Figur wie JD Fenix vorbereitet? Sie sprechen viele markante Typen, aber keinen 80er-mäßigen, muskelbepackten Action-Helden.

Ben Afflecks Rolle als Batman oder die Figur Johnny Rico in Starship Troopers kommen dieser Rollenbeschreibung schon ziemlich nahe. Daher habe ich mit solchen Typen Erfahrung. Wichtig ist mir, dass ich die Figur nicht als stereotypen Helden spreche, sondern buchstäblich als Mensch. Da darf die Stimme auch mal soft klingen. Und um ehrlich zu sein: Die Produktionszyklen sind in der Branche so kurz, dass ich meist prima vista, also ohne nennenswerte Vorbereitung ins Studio gehe.

Erzählen Sie bitte von der Produktion von Gears of War 4. Wie lief das ab?

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Ob Hollywoodfilme, Netflix-Serien oder Videospiele – Peter Flechtner ist einer der meistgebuchten Synchronschauspieler hierzulande. Image by Tobias Jahn

Aus schauspielerischer Sicht waren die Bedingungen vergleichsweise komfortabel. Es lagen bereits rund 20 Zwischenvideosequenzen vor, sodass ich mir ein Bild von der Figur JD Fenix machen konnte. Das war sehr hilfreich zum Reinkommen. Bei den meisten anderen Computerspielen gibt es nur ein Fact-Sheet und ein Render-Bild zur Figur. Dann höre ich die Original-Audiospur, lese die Übersetzung von einem Display ab und spreche sie in einem vorgegebenen Zeitfenster nach. Bei Gears of War 4 konnte ich für die Videos wenigstens lippensynchron aufs Bild sprechen. Dann sind Ton und Bild noch einen Tick mehr wie aus einem Guss. Ansonsten war die Arbeit im Studio bei weitem nicht so actionreich wie sich das im Spiel anhört. Ich folge zwar dem emotionalen Ausdruck des Originals, aber letztendlich stehe ich mit Kopfhörern vor einem Mikro. 

Weitere Figuren aus Gears of War 4 sind ebenfalls prominent besetzt, etwa mit Oliver Stritzel (Stimme von Philip Seymour Hoffmann) und Maria Koschny (Stimme von Jennifer Lawrence). Waren die Kollegen inspirierend?

Ich denke, man hört es dem Spiel an, dass die beiden ebenfalls sehr profilierte Synchronschauspieler sind. Aber anders als im Theater oder vor der Kamera werden Synchronrollen separat eingesprochen. Insofern konnte ich nicht vom Team-Play profitieren. Das hat auch einen Vorteil. Auf diese Weise ist die Konzentration auf die eigene Figur einfacher. 

Wie attraktiv ist der Markt der Videospiele für Synchronschauspieler?

Mein Eindruck ist, dass bei Computerspielen heutzutage mehr Wert auf gute Synchronisation gelegt, allerdings zum Teil weniger dafür bezahlt wird. Viele Spiele haben ein relativ schnelles Verfallsdatum und stehen unter Kostendruck. Die Honorar-Schere zwischen Haupt- und Nebenrollen ist zudem groß. Generell wird Synchronschauspielerei mehr wertgeschätzt als früher. Insofern ist das ein wachsender Arbeitsbereich, für den sich mehr und mehr Schauspieler interessieren. Allerdings ist die Synchronbranche nicht jedermanns Sache.

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So sieht die deutsche Stimme von Ben Affleck aus. Peter Flechtners Stimme ist bekannter als sein Gesicht. Image by D.B. Brückmann

Ich kenne viele tolle Theaterschauspieler, die nicht mit der engen Taktung der Produktionen klarkommen. Für mich gibt aber nicht das Medium den Ausschlag. Mich reizt es auch, bei etwas Kultigem dabei zu sein. So gesehen habe ich mich über eine Rolle in der „Gears of War“-Reihe ebenso gefreut wie über eine in dem „Star Wars“-Ableger „Rogue One“.

Spielen Sie die Spiele, die sie sprechen, auch privat mal an?

Das beschränkt sich darauf, Videoausschnitte im Internet zu googlen oder meinem Neffen ab und an über die Schulter zu schauen und mich darüber zu freuen, wenn er sagt: „Oh, ich höre dich!“. Meistens widme ich meine Freizeit meiner Liebsten und den Kindern.


Über Peter Flechtner

Schauspieler Peter Flechtner (54) trat bereits in großen Hollywood-Produktion wie „Wie ein Licht in dunkler Nacht“ (1992) und „Schindlers Liste“ (1993) vor die Kamera. Bekannter als sein Gesicht ist jedoch seine Stimme. Mit über 2.650 Synchronsprechrollen in diversen Medien gehört er zu einem der profiliertesten Vertretern seiner Zunft. Unter anderem synchronisiert er Ben Affleck, William Fichtner und David Harbour. Serienfans kennen seine Stimme von Hauptrollen in Lost, Prison Break, Gotham, House of Cards und Modern Family. Gears of War 4 ist nicht Peter Flechtners erste Videospiel-Produktion. Zuvor war er unter anderem in Far Cry 4, Call of Duty: Black Ops III und Halo 5: Guardians zu hören.

Mehr über Peter Flechtner findet ihr bei Wikipedia und in der Synchronkartei


Image (adpapted) „Gears-of-War-4-Marcus-JD-Fenix-Netzpiloten“ by Microsoft


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Richtig filmen: 7 Tipps, wie ihr mit dem iPhone professionell Videos dreht

Das Medium Video ist längst eines der stärksten Konkurrenten im Buhlen um die Aufmerksamkeit der User geworden. Wer eine starke Fanbase und guten Content hat, wird in den sozialen Netzwerken jeden Morgen mit Handkuss empfangen. Was aber machen kleine Unternehmen oder PR-Abteilungen, die kein Budget für Werbeagenturen, Filmproduktionsfirmen oder gar eine eigene Inhouse-Produktion haben? Ein iPhone und eine Minimal-Ausstattung an Zubehör reichen – wenn man ein paar Regeln beachtet.

Dass mit dem Smartphone durchaus Sehenswertes entstehen kann, hat zum Beispiel „Tangerine“ gezeigt. Der fast komplett auf einem iPhone 5S gedrehte 87-Minüter begeisterte nicht nur die Jury des renommierten Indie-Filmfestival Sundance.

 1. Gute Vorbereitung ist das A und O

Auch im kleinen Rahmen bildet die richtige Vorbereitung das Fundament eines Drehs. Es ist eine gute Idee, sich eine Checkliste anzulegen und vor dem Start noch einmal durchzugehen, ob an alles gedacht ist. Wichtige Fragen sind: Wo genau will ich drehen? Ist der Raum frei? Wenn draußen, was mache ich bei schlechtem Wetter? Wer ist vor der Kamera und ist auch diese Person ausreichend vorbereitet? Haben sich genau zum Drehzeitpunkt Handwerker angekündigt, die nebenan bohren wollen? Habe ich genügend Speicherplatz frei? Ist mein Equipment vollzählig und aufgeladen? Apropos Equipment. Auf folgendes solltet ihr nicht verzichten.

2. Das notwendige Basis-Zubehör

Leistungsstarke Smartphones wie das iPhone sind bereits von Haus aus gut ausgerüstet: Eine gute Kamera, ein Mikrofoneingang, im Idealfall viel interner Speicher und ausreichend Rechenpower. Trotzdem gibt es ein paar Investitionen, die sich lohnen.

Für eine Interviewsituation bietet sich ein Stativ an. Dann ist das Bild absolut ruhig. Eine wacklige Handkamera-Perspektive wäre in diesem Fall stilistisch unangebracht und würde den Betrachter irre machen. Im Grunde können Smartphone-Filmer zu herkömmlichen Stativen greifen. Dann brauchen sie aber noch einen Adapter, der das iPhone daran festhält. Alternativ gibt es inzwischen gebrauchsfertige Smartphone-Stativ-Sets. Einschlägige Marken sind zum Beispiel Manfrotto und Joby. Wer stabilisierte Kamerafahrten aus der Hand drehen möchte, kann sich beispielsweise Osmo Mobile von Drohnen-Hersteller DJI ansehen.

Filmen auf dem Smartphone ist sehr leistungshungrig, deshalb lohnt sich für längere Drehs eine starke Powerbank. Praktisch für iPhone-Nutzer: der Tizi Flachmann Ultra kommt gleich mit einem Lightning-Anschluss ans Werk. Wem die Smartphone-Optik zu weitwinklig ist, der kann hochwertige Objektiv-Vorsätze nutzen, etwa die ExoLens-Serie von Zeiss, die wir hier getestet haben. Vorteil dieser ExoLens-Produkte: Sie beinhalten eine iPhone-Halterung mit Schraubgewinde, das an viele gängige Stative passt.

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Objektiv-Vorsätze, wie die von Zeiss ExoLens, erlauben mehr Flexibilität bei der Brennweite. Foto: Berti Kolbow-Lehradt

3. Schlechte Beleuchtung ist ein Killer

Ein gutes Bild entsteht durch interessanten Bildinhalt und das richtige Licht. Je besser und damit professioneller das Video aussieht, desto interessanter wird es für die visuell sehr verwöhnte Zielgruppe. Ein Grundpfeiler der Lichtgestaltung für Film ist die Drei-Punkt-Ausleuchtung, die zum Beispiel hier beschrieben wird. Hier kann es vollkommen ausreichen, drei helle Bürolampen zu nehmen, die dementsprechend im Raum verteilt und ausgerichtet werden.

Hier empfiehlt es sich, sich einfach mal eine Stunde Zeit zu nehmen und verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren – was Spaß macht und übrigens auch eine tolle Teambuilding-Idee für die Marketingleute ist.

4. Der Ton ist genauso wichtig wie das Bild

Zuschauer verzeihen es meistens, wenn das Bild nicht perfekt ist. Schlechter Ton allerdings wird als sehr störend empfunden. Ist es anstrengend, der Sprache zu folgen, macht das Ansehen keinen Spaß. Störgeräusche sind da genauso ein No-Go wie eine im Schnitt zu laut gepegelte Musik. Beim Film werden Bild und Ton oft getrennt aufgenommen, was etliche Vorteile hat, in der Postproduktion jedoch enormen Zusatzaufwand mitbringt.

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Ein Aufsteck-Mikro wie das VideoMic Me von Rode kann die Aufnahme drastisch verbessern. Foto: Rode

Für den Einstieg reicht zwar die interne Aufzeichnung des iPhones. Hingegen ein externes Mikrofon steigert die Qualität des Videos spürbar. Eine Übersicht über verschiedene Modelle gibt es hier. Für Interviews sind Ansteckmikros perfekt, eine universelle Lösung und in jedem Fall besser als nichts sind kleine Zusatzmikros, die im Mikrofon-Port des Smartphones Platz finden. Ein Beispiel ist das VideoMic Me des Herstellers Rode. Das Richtmikrofon wird direkt in die Lightning-Buchse des iPhones gesteckt und liefert einen klaren Sound von allem, was sich direkt vor ihm befindet.

5. Die richtige Kamera-App fürs iPhone

Nachdem alle Voraussetzungen stimmen, kommt ein letzter, zentraler Punkt: Die Kamera. Ein großer Unterschied zwischen Android- und Apple-Smartphones ist der Umfang und die Qualität der vorinstallierten Software.

Um während des Drehs alle Parameter im Griff zu haben, ist es wichtig, sie manuell einzustellen. Ohne eine fixe Einstellung können sich Dinge wie Belichtung oder Fokus während des Takes automatisch verändern, was selten das gewünschte Ergebnis bringt. Doch für genau diese Möglichkeiten müssen wir unser Smartphone noch etwas erweitern.

Die Kamera-App des iPhones ist Apple-typisch sehr reduziert. In den Systemeinstellungen lassen sich Auflösung und Framerate einstellen, das war’s dann aber auch. In der App selbst gibt es nur eine einzige Einstellung, nämlich für das Licht der LED auf der Rückseite (bitte ausschalten!). Die App ist für das schnelle Urlaubsvideo nicht schlecht, für unsere Zwecke aber reicht das nicht. Verstärkung muss her, etwa die leistungsstarke App FiLMiC. Sie ist für aktuell 9,99 Euro im App Store erhältlich (ein ausführlicher Test dieser App folgt in Kürze).

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Die Kamera-App FiLMiC macht aus dem iPhone eine bessere Videokamera. Screenshot: FiLMiC

6. Das. iPhone. Muss. Quer.

Und: Bitte, bitte haltet das Smartphone waagerecht. Das Hochformat ist zwar die natürliche Smartphone-Haltung, trotzdem sind die User an Content im Querformat gewohnt. Das Hochformat macht nur Sinn, wenn man ausschließlich für mobile Geräte produziert und das Gefilmte auch im Hochformat gut aussieht. Abraten würde ich trotzdem – im Hochformat ist das Video später weder für die eigene Website noch für Videoplattformen wie YouTube geeignet.

7. Storytelling: Die Geschichte ist alles

Menschen lassen sich gerne von guten Geschichten verzaubern. Gleichzeitig sind schlechte Geschichten ein Garant für Langweile und Abneigung. Bevor auch nur an die Umsetzung gedacht wird, ist die erste und wichtigste Frage immer: Was will ich erzählen?

Was die Länge betrifft, gibt es online nur eine einzige Beschränkung: die Aufmerksamkeitsspanne der User. Weil die sehr begrenzt ist, muss der Einstieg so knackig sein, dass die Zuschauer dranbleiben. Und die Information muss so kompakt gehalten werden, dass keine Längen entstehen. Auch eine weitere Frage ist wesentlich: Bin ich mir sicher, dass meine Geschichte überhaupt relevant ist? Wenn M&M plötzlich pink-grün-gestreifte Schokolinsen in die Regale stellt, werden manche Leute ausflippen. Wenn aber Rewe eine neunte Sorte Äpfel ins Sortiment nimmt, wird das wahrscheinlich niemanden interessieren.

Habt ihr all das beherzigt, kann es endlich losgehen. Auch wenn der erste Versuch noch nicht perfekt ist: Übung macht bekanntlich den Meister.


Teaser image by Pexels / Pixabay (CC0 Public Domain); Images by: FiLMiC, Rode, Berti Kolbow-Lehradt


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Photokina 2016: Nikon, Kodak und GoPro bringen Smartphone-gesteuerte Action-Cams

Action-Cams sind die Stars der Photokina 2016. Sie stehlen den klassischen Kameras geradezu die Show. Dies spiegelt die allgemeine Entwicklung wieder. Immer weniger Menschen kaufen herkömmliche Foto-Apparate. Action-Cams hingegen boomen und werden in diesem Jahr laut Photoindustrie-Verband und GfK einen neuen Verkaufsrekord hinlegen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass mit Nikon nun auch eine Traditionsfirma eine Action-Kamera bringt. Marktführer GoPro und Herausforderer Kodak halten dagegen und bringen ebenfalls neue Action-Kameras heraus. Ohne ein Smartphone verblassen die Photokina-Stars jedoch. Nur per App-Steuerung holen Nutzer das Meiste raus. Nikon und Kodak setzen zudem auf die Faszination von 360-Grad-Aufnahmen und Virtual Reality. Das bietet neue Möglichkeiten fürs Storytelling. Die Neuheiten bei Action-Cams im Überblick.

Mission Accomplished? Nikon sucht mit der KeyMission 360 eine neue Perspektive

Bereits zur CES 2016 angekündigt, bestätigte Nikon jetzt auf der photokina den tatsächlichen Launch der ersten Action-Cam aus eigenem Hause. Die KeyMission 360 erscheint voraussichtlich Anfang November für 499 Euro im Handel. Mit der KeyMission 170 (399 Euro) und der KeyMission 80 (299 Euro) hat sie dabei sogar zwei kleinere Geschwister im Gepäck. Das Flaggschiff mit der 360 im Titel ist jedoch das interessantestes Modell. Mit der KeyMission 360 spricht Nikon eine Zielgruppe jenseits der DSLR-Traditionalisten an. Mit den zwei Objektiven der Kamera lassen sich auf Knopfdruck 360-Grad-Aufnahmen erstellen, entweder als Foto oder als Video in 4K. Mit Wi-Fi und Bluetooth ist sie komplett „connected“. Die Kamera unterstützt Nikons Snapbridge-Feature. Das bedeutet, dass Aufnahmen per Bluetooth automatisch und kontinuierlich auf ein Smartphone oder Tablet übertragen werden. Der Anwender muss das nicht erst manuell anstoßen. Dazu erscheint eine neue App namens Nikon Snapbridge 360/170 für Mobilgeräte und Desktop. Das Programm ermöglicht auch eine Fernsteuerung der Kamera und umfasst auch Editing-Funktionen. Ich konnte Snapbridge bereits bei einer anderen Nikon-Kamera testen und bin begeistert von dem Feature. Am Nikon-Stand auf der Photokina machte die kompakte KeyMission 360 einen sehr robusten und griffigen Eindruck auf mich. Ein Funktionstest war noch nicht möglich. Dafür ließen sich Demo-Aufnahmen per Virtual-Reality-Brille nach dem Cardboard-Prinzip anschauen. Bild- und Tonqualität waren auf hohem Niveau. Wenn Kamera-Bedienung und App-Performance beim fertigen Serienmodell ebenfalls überzeugen, könnte Nikon mit seinem guten Markennamen dem 360-Grad-Markt einen veritablen Schub geben.

VR-Bilder aus der KeyMission 360
VR-Bilder aus der KeyMission 360 am Nikon-Stand anschauen

Kodak: Den Knopf drücken – und den Rest in Virtual Reality erleben

Die amerikanische Marke Kodak hat vor über 130 Jahren das Fotografieren massentauglich gemacht. Die Firma in ihrer ursprünglichen Form ist Geschichte. Mit JK Imaging möchte ein Newcomer aus China ihr Erbe fortführen. Unter der Markenlizenz Kodak PixpPro möchte sie interaktive Panorama-Aufnahmen in 4K-Qualität und VR-Ansicht besonders intuitiv gestalten.

Kodak PixPro 4KVR360 Camera
Kodak PixPro 4KVR360 Camera

Mit der Kodak PixPro 4KVR360 Action-Cam hat das Unternehmen auf der Photokina ein entsprechendes Gerät vorgestellt. Es bündelt gleich alle aktuellen Imaging-Trends im Namen: Zwei Kameras nehmen jeweils ein 180-Grad-Bild auf und kombinieren sie automatisch zu einem 360-Grad-Kugelpanorama. Dabei entstehen entweder Stillbilder mit bis zu 27 Megapixel Auflösung oder Videos maximal in 4K-Qualität. Per WLAN und Bluetooth lassen sich die Bilder aufs Smartphone übertragen und dort im VR-Mode mit einem VR-Headset als interaktive Umgebung betrachten. Auf der Photokina-Pressekonferenz verteilte Kodak VR-Brillen nach Googles Cardboard-Prinzip. Eine Besonderheit: Die beiden Objektive verfügen über unterschiedliche Weitwinkel-Brennweiten: 235 Grad hinten und 155 Grad vorne. Wollen Anwender die Kamera wie eine herkömmliche, einäugige Action-Cam im 16:9-Format nutzen, wählen sie einfach die Frontseite. Die Kamera erledigt das Zusammenfügen der Halbkugel-Bilder zwar automatisch, aber nur in geringerer Auflösung. Wer volle 4K-Kugelpanoramen möchte, greift zur mobilen App für iOS (ab Version 8). Darüber und alternativ mit Desktop-Software für Windows und Mac können Anwender die Bilder auf Wunsch zudem direkt ins Social Web hochladen. 360-Grad-Aufnahmen der Kodak-Kamera werden von Facebook und YouTube automatisch als solche erkannt und entsprechend dargestellt. Wenn die Kodak PixPro 4KVR360 voraussichtlich Anfang 2017 erscheint, wird sie genau wie bei Nikon preislich am oberen Ende angesiedelt sein. Die Angabe ist noch nicht final, doch JK Imaging plant in der Größenordnung von rund 500 Euro.

GoPro per Sprache und App steuern

Der Marktführer bei den Action-Cams, GoPro, hat die Photokina ebenfalls für einen Launch genutzt. Mit der GoPro Hero 5 und der GoPro Hero 5 Session bringt das Unternehmen zwei neue 4K-Kameras. Auch eine passende Drohne namens Karma nimmt GoPro jetzt ins Programm. Dem Trend zu 360 Grad und Virtual Reality verweigert sich der Platzhirsch – die Kameras bleiben einäugig. Dafür werden sie deutlich smarter.

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GoPro Hero 5 am Photokina-Stand

Beide neuen Kameras lassen sich per Sprachkommando steuern. Zudem können sie Aufnahmen per WLAN automatisch in den neuen Cloud-Service GoPro Plus hochladen. Das funktioniert aber nur, wenn die Geräte gerade an der Steckdose Energie tanken. Das kostenpflichtige Cloud-Abo startet 2017 in Deutschland. Die Hero 5 Session wird sich mit der neuen App namens Capture fernbedienen lassen. Die Kamera hat dafür aber auch keinen eigenen Touchscreen wie die GoPro Hero 5. Bearbeiten lassen sich die Aufnahmen weiterhin mit der App Quik. Mac-Fans freuen sich darüber, dass Quik bald auch für OS X auf dem Desktop verfügbar sein wird. Mit 430 Euro für die GoPro Hero 5 und 330 Euro für die Hero 5 Session, müssen Käufer nicht so tief in die Tasche greifen wie bei Nikon und Kodak. Beide Geräte erscheinen im Oktober.

Fazit

Die neuen Action-Cams von Nikon, Kodak und GoPro bieten nichts revolutionär Neues. Sie verschaffen Anwender aber noch mehr Optionen, mit Action-Cams neue Storytelling-Ansätze zu verfolgen. Vor allem 360-Grad-Aufnahmen sind faszinierend. Sie ermöglichen Geschichten jenseits des zweidimensionalen „Frames“ darzustellen. Für Abenteuer und Bild-Reporter ist das sehr interessant. Genau diese Zielgruppe und dieses Anwendungsszenario vermarktet zum Beispiel Nikon. Kodak richtet sich eher an den Amateur, der eine Kamera ohne viel Federlesen einfach und schnell bedienen möchte. Beides hat seine Berechtigung. Bei GoPro finde ich die stärkere Vernetzung mit der Cloud und dem Smartphone begrüßenswert. Das gilt auch für Nikon und Kodak. Die drei Hersteller von Action-Cams machen vor, wie eine „connected camera“ sein sollte. Sie nehmen die Konnektivität und das modulare App-Prinzip von Smartphones und packen sie in Stand-alone-Kameras. Warum können traditionelle DSLR- und Systemkameras nicht auch endlich derart aufgerüstet werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Applepiloten“ unter CC BY-ND 4.0.


Images by Berti Kolbow-Lehradt


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Netzpiloten sind Partner von NEOCOM

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Der digitale Handel befindet sich klar auf der Überholspur. Für alle, die sich bereits an Bord des mit Höchstgeschwindigkeit fahrenden Zuges befinden und diejenigen, die noch aufsteigen wollen, findet vom 11. bis 13. Oktober die NEOCOM 2016 in Düsseldorf statt. „Digital Commerce ist bunt und vielschichtig“. Das soll unser diesjähriges NEOCOM-Motto „1001 Faces of Digital Commerce“ zum Ausdruck bringen, erläutert Ioana Sträter, Geschäftsführerin von Management Forum der Verlagsgruppe Handelsblatt.

Eingestimmt wird mit einer glanzvollen Eröffnung bereits am Vorabend des Kongresses in der Alten Federnfabrik mit der NEOCOM NIGHT. Zum Rahmenprogramm gehört die Verleihung des NEOs 2016 in den Kategorien „Excellence in Multichannel“ und „Personality of the year“ sowie die Auszeichnung des „Young Business Award“, der an ein junges, aufstrebendes Unternehmen vergeben wird. Das glamouröse Abendevent bietet Gelegenheit zum ausgiebigen Netzwerken sowie feiern der Preisträger.

Rund um das Thema Stories dreht es sich bei dem vielschichtig gestalteten Kongress-Programm am 12. & 13. Oktober. Am ersten Kongresstag stehen „Customer Stories“ und „Aquisition Stories“ im Mittelpunkt. Dabei plaudern erfolgreiche Händler aus dem Nähkästchen und erzählen ihre Erfolgsgeschichten. Der zweite Kongresstag am 13. Oktober bietet vormittags 4 parallele Sessions, in denen der Schwerpunkt auf „B2B-Stories“, „Brand Stories“ und „Niche Stories“ liegt. Bei einem so fortschrittlichen Thema wie E-Commerce darf natürlich auch das Thema Change Management nicht zu kurz kommen. Abgerundet wird das Programm durch das Thema „Fulfillment“ und einen Ausblick in den „Future Stories“. Aber nicht nur Erfolgsstories finden Platz im Programm, sondern ebenfalls „Failed Stories“, denn am meisten lernt man bekanntlich aus Fehlern. Der Vorteil dabei: Man muss sie nicht selbst begehen. Hochkarätige Speaker von Ralf Kleber (Amazon) über Alexander Birken (Otto), Dr. Marcus Ackermann (bonprix) bis Gabriele Riedmann de Trinidad (Metro) begeben sich dabei auf die Bühne.

Wem das nicht genug ist, kann die parallel laufende Messe auf der 220 spezialisierte Aussteller & Partner anzutreffen sind besuchen. Die dort stattfindenden Workshops und Panels bietet die perfekte Möglichkeit Wissen aufzusaugen und angeregte Dialoge zu führen.

+++ Das Gewinnspiel ist beendet +++

Ihr wollt unbedingt zur Messe? Dann haben wir noch ein kleines Highlight für euch. Gewinnt Messetickets und seid live dabei. Schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff „NEOCOM-MESSE“ an gewinn@netzpiloten.de. Zeit habt ihr dafür bis zum 04. Oktober 2016. Also, ab an die Tastatur mit euch. Viel Glück!

 

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Über Leerformeln in digitalen Erzählungen – Netzdiskursen fehlt die theoretische Fundierung

DTO-GOV-AU_Misc-8 (adapted) (Image by adrian yee [CC BY 2.0] via flickr)

Der Kölner Soziologe Klaus Janowitz hat sich der Herkules-Aufgabe gewidmet, in der vernetzten Welt für etwas mehr Klarheit zu sorgen. Erinnert sei an seine Überlegungen zur Hashtag-Ökonomie als als Gegenentwurf zur durchorganisierten Gesellschaft. Es geht dabei um Verbindungen von Neigungen und Interessen. Es geht um vernetzten Individualismus fernab von Reports, Indikatoren, Kennzahlen und Excel-Tabellen, die nur Ausdruck der Hilflosigkeit in einer vernetzten Welt sind. Jetzt versucht sich Janowitz an der Einordnung des Begriffes der Digitalen Transformation, der seit einigen Jahren den Diskurs im Netz beherrscht und Veränderungen in Unternehmen und Organisationen beschreibt.

Die heiße Luft der Digital-Darwinisten

Dabei findet er eine Menge heiße Luft, etwa im jüngsten Buch der so genannten Digital-Darwinisten Karl-Heinz Land und Ralf Kreuzer: „Mit dem Begriff digitale Transformation wird der zielgerichtete Einsatz von digitalen Technologien bezeichnet, um die eigenen Wertscho?pfungsprozesse unter Einsatz von digitalen Technologien neu- oder umzugestalten.“ Zerpflückt man diesen Satz in seine Einzelteile, bleibt wenig Substanz übrig. Was heißt denn „zielgerichteter Einsatz“? Was sind eigene Wertschöpfungsprozesse? Als Antipoden zitiert Janowitz den Kolumnisten Alain Veuve: „Transformation impliziert einen Prozess, der einen Anfang und ein Ende hat.“ Unternehmen machen sich fit für die digitale Transformation. Veränderungen sind nicht nur von den Informationstechnologien getrieben, auch anderswo gibt es Fortschritt.

Eingaben ohne Ziel

Das Notiz-Amt sieht sich näher bei der Position von Alain Veuve und verweist auf das Schrifttum des Systemtheoretikers Niklas Luhmann. Wie kann überhaupt noch etwas zielgerichtet laufen, wenn die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt werden, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Die moderne Computertechnik greift die Autorität der so genannten Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen.

Die Tautologien der digitalen Avantgarde

Was bedeutet das für die Tautologien, die uns von Digitalen Darwinisten oder sonstigen Digitalen Evangelisten inflationär um die Ohren gehauen werden? Solche Internet-Erklärer, die die Konferenzbühnen beherrschen, stellen sich nicht einer kritischen Überprüfbarkeit ihrer Erzählungen. Wo bleibt die theoretische Fundierung im Diskurs über die Wirkungen der Digitalisierung für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat? Die vorherrschenden Erzählungen in Netz-Debatten, die sich mit Digitaler Transformation, Content Marketing, Storytelling, Plattformen oder Industrie 4.0 beschäftigen, bestehen aus „ganzheitlicher“ Phrasendrescherei. Das gilt für die Beraterzunft und auch für die betriebswirtschaftlich ausgebildeten Stichwortgebern.

Selbstkonstruierter Unsinn

Der Wissenschaftstheoretiker Hans Albert würde das Keynote-Gemurmel als selbstkonstruierten Unsinn abtun. Belastbar seien nur Aussagen, die sich anhand einer Auseinandersetzung mit uns umgebenden realen Welt überprüfen lassen. Es dominieren hypothesenlose Leerformeln, die ihre empirische Gehaltlosigkeit verschleiern. Man könnte sogar von Dogmen sprechen, da uns von vielen digitalen Vordenkern absolute Gewissheiten verkauft werden, ohne auch nur in Ansätzen empirische Einsichten zu vermitteln. Man fahndet nur nach Bestätigungen der eigenen Sichtweise und schließt von Einzelphänomenen auf die Allgemeinheit. Vermeintliche Wahrheiten wurden und werden von gläubigen Anhängern ohne Überprüfung der Fehlerhaftigkeit verteidigt. Wer nicht an sie glaubt, gilt als verstockt und rückwärtsgewandt. Eine kritische Urteilsfähigkeit kann so nicht entstehen. Selbst eine noch so oft wiederholte Beobachtung der regelmäßigen Verbindungen von Dingen oder Ereignissen rechtfertigt es nicht, daraus eine logisch zwingende Schlussfolgerung auf eine Gesetzmäßigkeit zu ziehen.

Die Überprüfbarkeit von Hypothesen

Jeder sollte daher immer kritische Widerlegungsversuche von Hypothesen anstellen, statt nur nach Bestätigungen des eigenen Gedankengebäudes zu suchen. Beim jüngsten netzökonomischen Diskurs im Kölner Startplatz wurden Ideen verhandelt, wie man den dominierenden digitalen Plattformen des Silicon Valley Paroli bieten könnte. Zur Sprache kamen Open Source-Ideen, die zu einer Dezentralisierung des Netzes taugen. Kann man sich überhaupt aus der häufig zu beobachtenden Pareto-Verteilung befreien, die in den meisten Netzwerken vorherrscht? 20 Prozent derer, die Einkommen haben, zahlen 80 Prozent der Einkommenssteuer; 20 Prozent der Produkte eines Supermarktes machen 80 Prozent des Umsatzes aus; 20 Prozent der Wissenschaftler bekommen 80 Prozent der Zitate ab; 20 Prozent der Wissenschaftler schreiben 80 Prozent der wissenschaftlichen Texte. Selbst für Wikipedia gilt: 20 Prozent der Autoren liefern 80 Prozent der Beiträge. Wie kommt man aus diesen Machtstrukturen raus?

Raiffeisen für die Netzökonomie

Letztlich plädierte die netzökonomische Fachrunde für einen stärkeren Schulterschluss, den vor allem kleine und mittelständische Unternehmen leisten müssen. Etwa über die Raiffeisen-Idee, die im 19. Jahrhundert begründet wurde: Solche Genossenschaften seien Netzwerke, die helfen, wenn eine Branche im Wandel und im Wachsen ist, erläutert die Volkswirtin Theresia Theurl von der Uni Münster gegenüber der Wirtschaftswoche: „Bist Du nicht groß oder besonders stark, musst du besonders schlau sein. Man kann sich Größe auch organisieren, ohne sich abhängig zu machen.“ Um das Problem der schlechten Bonität zu lösen, setzte der Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen auf das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe„. Man könnte es auch nach dem Motto der „Vier Musketiere“ formulieren: „Einer für alle, alle für einen„.

Eine Gruppe Kreditbedürftiger schließt sich zusammen und stattet ihre Genossenschaften mit Haftungskapital aus. Für den Einzelnen ist die Einlage bezahlbar, doch unter dem Strich kommt ein ordentliches Kapitalpolster zusammen. Dadurch entsteht eine privat finanzierte Bank, die Geld an ihre Mitglieder verleihen kann, ohne bei Ausfällen einzelner Schuldner pleitezugehen.

Dies erläuterte die Wirtschaftswoche. Gleiches gilt für die Digitalisierung der Wirtschaft, etwa bei Investitionen in 3D-Drucker, beim Einkauf, bei der Vermarktung über Plattformen und beim Wissenstransfer. Bringt die Raiffeisen-Idee nun Impulse für die Netzökonomie in Deutschland? Das muss nun empirisch überprüft werden mit Rückgriffen auf die Wirtschaftsgeschichte und auf heutige Phänomene. Es steht eine Hypothese zur Disposition, die mit Daten aus dem 19. Jahrhundert und mit aktuellen Daten abgeklopft werden kann – ohne esoterische Quatschereien.


Image (adapted) „DTO-GOV-AU Misc-8“ by adrian yee (CC BY 2.0)


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Reddit steigt mit Upvoted direkt in das Verlagswesen ein

Die Titelseite des Internets – oder zumindest des Internets von einigen Leuten – hat jetzt offiziell eine Ausgabe, die es als sein eigen bezeichnen kann. // von Justin Ellis

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Reddit startete am Dienstag die Webseite Upvoted, bei der Geschichten von der Online-Community ausgewählt und von einem kleinen Redaktionsteam geschrieben werden. Die Webseite Upvoted ist der Nachfolger von einigen anderen redaktionellen Experimenten, die Reddit in diesem Jahr gemacht hat, einschließlich Upvoted The Podcast und dem Email-Newsletter Upvoted Weekly. Beide wurden entwickelt, um Reddits bestes Material noch einmal zu repräsentieren.

Die Webseite war nur eine weitere redaktionelle Entwicklung für Reddit, schreibt Reddits Mitgründer Alexis Ohanian:

Die Einführung von upvoted.com ist der nächste logische Schritt, um die Reddit Community zu feiern: Ein Zentrum für originäre Inhalte, um den Redditors Anerkennung zu verleihen, sowohl als auch in die Hintergründe der Geschichten zu blicken, um mehr über die Personen und Ideen zu lernen, die auf dieser Webseite mit 202 Millionen Nutzern kursieren (das sind mehr als Brasilien Einwohnern hat!). Und selbstverständlich kannst du über jedes Stück auf r/upvoted diskutieren.

Die Webseite Upvoted war für einige Zeit in Arbeit und währenddessen hat Reddit, genauso wie zahlreiche technikfokussierte Unternehmen in diesem Jahr, Redakteure eingestellt.

Die redaktionelle Verarbeitung der Inhalte kommt für Reddit nach einem turbulenten Sommer: Im Juli meldeten mehrere Nutzer ihre Subreddits ab, nachdem Reddits Leiter des Talentmanagements, Victoria Taylor, entlassen wurde. Kurz darauf trat CEO Ellen Pao zurück und Mitbegründer Steve Huffman nahm den Spitzenjob an. Schon bald präsentierte er Pläne gegen Belästigung auf der Webseite.

Upvoted ist sowohl ein neuer Anfang für Reddit als auch ein Wink an die Dickschädel. Als eigenständige Webseite möchte Upvoted beim Abtauchen in den manchmal verwirrenden Irrgarten von Subreddits, für alle, die sich nicht auskennen, leichter zu bedienen sein. Die Geschichten selbst kommen von der Reddit Community, bei dem die Poster Anerkennung für ihre Entdeckungen bekommen oder vom Upvoted-Personal interviewt werden. Ein interessanter Punkt ist, dass die Seite keine Kommentare zulässt und die Leser stattdessen ihre Diskussionen auf Reddit führen können.

Upvoted ist außerdem eine Möglichkeit für die Reddit Community, um etwas Erfolg von den viralen Geschichten zu erhaschen, die auf anderen Seiten verlagert sind. In den letzten Jahren haben Reddit-Nutzer häufig verschiedene Autoren und Nachrichtenseiten beschuldigt, ihre Entdeckungen plagiiert zu haben.

Wie Julia Greenburg auf Wired schreibt, bietet Upvoted eine Möglichkeit für Reddit seine Community wachsen zu lassen und neue potenzielle Werbeeinnahmen zu sammeln:

Das Material, welches unsere Community täglich erschafft, beeindruckt uns.” Das schreibt das Team von Upvoted in einer Email. “Bedauerlicherweise nehmen einige Nachrichtenabnehmer, anstatt eine eigene Geschichte zu erzählen, die Inhalte unserer Nutzer und verpacken diese als ihre eigenen. Sie erzählen aber nicht die Hintergrundgeschichten von unserer Community. Wir finden, dass die Geschichten unserer Nutzer erzählt werden sollten, aber nur mit ihnen im Zentrum. Das ist genau das, was Upvoted einführen möchte. Es zeigt auch, dass Reddit gespannt ist, die Augen – und Werbedollar – auf die Nachrichtenorganisationen zu richten, die näher an zu Hause dran sind.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “NiemanLab”. Übersetzung von Jennifer Eilitz.


Teaser & Image by “upvoted.com


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Storytelling für die Snapchat-Generation

Logo der Literatur-App Hooked

Das Startup Telepathic aus San Francisco entwickelt die App Hooked – und will damit Literatur für Jugendliche auf dem Smartphone attraktiv machen. // von Laura Selz

Literatur-App Hooked für das iPhone

Die iOS-App Hooked ist eine Bibliothek an Kurzgeschichten, die exklusiv für das Smartphone geschrieben wurden. „5-minute-readings“ – aber nicht zum scrollen, sondern zum klicken. Damit will die Gründerin Prerna Gupta Jugendliche für Literatur begeistern. Und das spielerisch, „denn die sitzen in der U-Bahn oder auf dem Pausenhof, haben wenig Zeit und wahrscheinlich noch weniger Konzentration.” Keine sehr schmeichelhafte Zielgruppe, aber genau das findet Gupta auch so spannend.

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Instagram ermöglicht Marken mehr Werbung

Instagram führt Carousel Ads ein

Der Anfang ist gemacht – zumindest können Marken jetzt auch auf Instagram Links setzen und somit die Reichweite der sozialen Foto-Plattform nutzen.
Keine Ahnung, welche Nutzer angeblich Instagram gesagt haben, dass sie gerne mehr über die Marken wissen möchten, die in dem von Facebook gekauften Foto-Netzwerk Fotos veröffentlichen, aber laut dem offiziellen Blogpost stand der Wunsch der Nutzer im Vordergrund, als es um die Entwicklung von Carousel Ads ging.

In Wahrheit wird es wohl eher um die Marketing-Budgets als den Nutzer-Willen gegangen sein. Instagram ist an sich ja nicht dafür bekannt, nutzerfreundliche Features zu entwickeln und wenn, dann nur alle fünf Jahre eins. Bisher durften nur zehn Marken auf Instagram werben – das Ende dieser Exklusvität und das neue Feature wird bestimmt viel Geld einbringen. Für Medien ist das Tool natürlich genauso interessant, aber wie viel Sinn macht es, dass ein durch Anzeigen finanziertes Medium auf einem anderen Medium eine teure Anzeige schaltet?

Bei dem Carousel Ads genannten Format handelt es sich um eine Art Multi-Image-Upload, durch dass also mehrere Bilder auf einmal hochgeladen werden können und dadurch neue Formen des visuellen Storytelling entstehen. Marketer können auch Links einbauen, die dann innerhalb der App geöffnet werden, ähnlich wie das bei der mobilen App von Facebook der Fall ist.

A New Way for Brands to Tell Stories on Instagram from Instagram on Vimeo.

Carousel ads give brands more flexibility in telling their stories by allowing people who view their ads to swipe left to see additional images and link to a website of the brand’s choice.

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Storytelling mit Storify

Lange Zeit galt „Content is King“. Storify zeigt nun, dass man auch durchs Kuratieren wunderbar Geschichten erzählen kann. // von Lukas Menzel

Internationale Speaker auf dem Scoopcamp 2014: Burt Herman (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)
Internationale Speaker auf dem Scoopcamp 2014: Burt Herman (Bild: Tobias Schwarz/Netzpiloten, CC BY 4.0)

2010 vom ehemaligen AP-Journalisten Burt Herman und dem Belgier Xavier Damman gegründet, ist Storify heute der Marktführer unter den Kurationsdiensten. Kein Wunder, überzeugt Storify durch einfache Bedienbarkeit und umfangreiche Einbindungsmöglichkeiten, wodurch der Online-Dienst es geschafft hat, sich erfolgreich aus der Masse hervorzuheben. So wird Storify nicht nur von Bloggern und Privatpersonen genutzt, sondern auch die großen Medien wie die BBC, The Guardian oder in Deutschland die Bild und Spiegel Online haben sich als Fans von Storify geoutet.

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Scoopcamp 2014: Storytelling im Journalismus

Auf dem Scoopcamp 2014 suchen internationale Medienschaffende nach dem Journalismus der Zukunft. // von Redaktion

scoopcamp-Logo

New Storytelling in der Speicherstadt: Heute findet das Scoopcamp 2014 in Hamburg statt. 250 Journalisten und Entwickler referieren über Entwicklungen in den digitalen Medien. Hauptredner werden Burt Herman vom Onlinedienst Storify und Jigar Mehta, Mitgründer des Accelerators Matter Ventures sein. Als Special-Guest erwartet euch Ken Schwencke, Journalist und Programmierer, der für Los Angeles Times den „Quakebot“ entwickelt hat. Wer heute nicht dabei sein kann, der kann sich das Event bequem über den Livestream verfolgen.

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5 Lesetipps für den 19. August

In unseren Lesetipps geht es um die Digitalisierung in Estland, der Sündenfall des Internets, virtuelle Realität im Storytelling, die Ökonomie des Internets und Cat Content. Ergänzungen erwünscht.

  • DIGITALISIERUNG Süddeutsche.de: Wie Estland den digitalen Traum exportieren will: Auf Sueddeutsche.de ist ein lesenswerter Gastbeitrag von Anna Karolin über den Stand der Digitalisierung in Estland erschienen, der einem die enormen Möglichkeiten einer das Internet frei von Angst und Partikularinteressen nutzenden Gesellschaft aufzeigt. Ich will bei der Netzpolitik unserer Bundesregierung nicht von der Zukunft schreiben, sondern vielleicht eher vom vor uns liegenden Paradies, dass wir wir vielleicht niemals betreten werden, aber vielleicht spornt es den einen oder anderen unserer Leser an, sich noch mehr für die Entwicklung der digitalen Gesellschaft einzusetzen. Karolins Begeisterung ist ansteckend.

  • INTERNET The Atlantic: The Internet’s Original Sin: Das ist ein Longread, der einem mal zu denken gibt. Ethan Zuckerman bezeichnet das werbefinanzierte Internet als unseren Sündenfall und fordert (gaaaaanz am Ende), dass wir anfangen müssen Bezahlmodelle (à la Mitgliedschaften, Crowdfunding, Micropayment, etc.) für Privatsphäre und für Dienste, die uns am Herzen liegen, zu entwickeln. Alles was gratis ist, sollte gemieden werden, denn in einer Welt, in der nichts umsonst ist, sind wir das Produkt, wenn wir nicht wirklich der Kunde sind. Ziel soll es sein, dass nicht länger Internetnutzer wieder Nutzer des Internets und nicht die Zielgruppe der Werbeindustrie, deren Gelder im Hintergrund erst die kostenfreie Nutzung ermöglichen.

  • VIRTUELLE REALITÄT Co.Create: Why Virtual Reality Journalism Is The Future: Auf Co.Create stellt Neal Ungerleider ein von Google, der Nachrichten- und Presseagentur Associated Press und dem Tribeca Film Institute finanziertes Projekt vor, dass der Doktorand Nonny de la Peña an der Universität von Süd-Kalifornien entwickelt. Es geht dabei um die virtuelle Darstellung eines wahren Geschehens, dem Tod eines mexikanischen Immigranten. Ein Passant hatte das Geschehen auf Audio aufgenommen, dieser Mitschnitt wurde nun auf die Visualisierung gelegt und lässt einen den Ort und den Fall intensiv miterleben. De la Peñas Projekt könnte besonders interessant fürs digitale Storytelling und journalistische Darstellungen sein.

  • ÖKONOMIE Techdirt: Economists Don’t Understand The Information Age, So Their Claims About Today’s Economy Are A Joke: Was ich an Mike Masnicks Blogposts auf Techdirt.com so schätze, ist die stets klar artikulierte Meinung. So wie in diesem lesenswerten Beitrag über die Einschätzung von Ökonomen der digitalisierten Wirtschaft, deren Deutung sie gerne übernehmen, egal wie (un)qualifiziert ihre Faktengrundlage ist. Dabei kommen aber meist kritische Analysen heraus, die mit der Realität wenig zu tun haben, so zumindest Masnick. Denn in der Informationsgesellschaft zählen andere Parameter als bisher. Das haben aber die bisherigen Ökonomen kaum verstanden bzw. akzeptiert. Dieser Wandel ist schon eine ziemlich knifflige Sache und konsequent.

  • CAT CONTENT Netzkolumnistin: Klicktipp Katzenkarte: Ich habe keine Katze, aber ein Instagram-Account, weshalb das von Angela Gruber auf ihrem Blog vorgestellte Datenprojekt „I Know Where Your Cat Lives“ auch für mich interessant ist, denn es ist ein gutes Beispiel, was durch die abgetretenen Nutzungsrechte auch ohne die Zustimmung der Urheber tolles mit Bildern Dritter gemacht werden kann und wie aussagekräftig Meta-Daten sein können, besonders die Ortsangaben. Denn die Karte mit den Katzenbildern von anderen hat weniger mit Cat Content als mit legalem Geotagging zu tun. Aber konzentrieren wir uns ruhig weiter auf die süßen Katzenbilder. Zumindest bis zu unseren morgigen Lesetipps.

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#SMWHH: Gibt es Erfolgsfaktoren für Storytelling im Netz?

Lagerfeuer (adapted) (Image by Lukas Martini [CC BY 2.0] via Flickr)

Auf der Social Media Week Hamburg wurde in der Session „Content Chemie 2.0“ nach den Erfolgsfaktoren für Storytelling im Netz gesucht. In der charmanten Location „Altes Mädchen“ gaben Christian Riedel von Three-Headed-Monkeys und Maike Gosch von story4good auf der Social Media Week Hamburg einen Einblick in die Macht des Storytellings. Geschichten sind etwas großartiges, sie reißen einen mit, erwecken Vertrauen und Emotionen. Wo Menschen sind, da sind auch Geschichten. Storytelling ist also nichts Neues. Die Kunst ist es, eine Geschichte zu erzählen, die wie ein Lagerfeuer lange brennt, im Kopf bleibt und es wert ist zu teilen und nicht wie eine Wunderkerze kurz aufflackert und dann wieder verschwindet.

Geschichten als kulturelle Inspirationsquelle

Eine gute Geschichte bietet Gesprächsstoff über den man sich permanent unterhalten kann. Sie lässt einen selber sein eigenes Leben hinterfragen und kann so fesselnd sein, dass man anfängt, Realitäten zu vermischen. Maike Gosch zeigt an dem schönen Beispiel der Facebook-Seite „Humans of New York“, dass es nicht immer einen ganzen Film oder Buch braucht, um eine Geschichte zu erzählen. Kurze Momentaufnahmen im Alltag können einen ebenso mächtigen Eindruck hinterlassen.

Bei Unternehmen ist das nicht viel anders. Das Geheimnis von Werbung ist: „Gemerkt zu haben, dass die Gegenstände die uns umgeben ihre Bedeutung nur aus den Geschichten ziehen, die wir uns über diese Gegenstände erzählen„, fasst Christian Riedel zusammen. Um sich in einer Zeit, wo Inhalte vermehrt „on Demand“ und sehr selektiv konsumiert werden Relevanz sichern zu können, bietet Storytelling für Unternehmen, Marken und NGO’s eine Chance.

Eine gute Core Story ist das A und O

Wie erzählt man gute Geschichten in digitalen Räumen? Zunächst benötigt man eine gute Core-Story, die nicht nur Werte und Features der Unternehmen definiert, sondern den eigentlichen Zweck der Existenz formuliert. Dabei sollte man sich immer wieder die Frage stellen, was über lange Zeit Aufmerksamkeit hält und in unterschiedlichen Medien funktioniert. Axe erzählt beispielweise seit Jahren in unterschiedlichsten Geschichten, dass Teenager mit Hilfe ihrer unwiderstehlichen Deos jeden Frau in ihren Bann ziehen. Die Konsumenten sehnen sich in der Zeit des Überangebots nach Lebensphilosophien, nach Geschichten die einem Sinn geben und nicht primär nach Produkten. Mit Hilfe einer Core Story kann man einen anderen Spannungsbogen aufbauen um damit genau diese Geschichten zu bieten. Christian Riedel erklärt dem interessierten Publikum wie: Statt anfänglich von der Bestimmung seines Unternehmens zu erzählen, beginnt man mit dem Warum. Dann folgt, wie man es tut um erst zum Schluss aufzuklären, womit man es tut. Im Fall von Axe würde man mit dem Statement beginnen: „Mit uns bekommen Teenager jede Frau„. Wie das? Mit unseren unwiderstehlichen Düften. Was wir machen? Wir machen ein Deo.

Die Kerngeschichte bietet aber nicht nur den Zuhörern eine Orientierungshilfe, sondern auch den Erzählern. Eine Formulierung der Kernkompetenzen ist elementar um erklären zu können, warum seine Idee existenzwürdig ist.

Die Formeln für Unternehmen

Zunächst gibt Maike Gosch eine Einblick in ein paar Basics. Was macht eine gute Story aus? Die grundsätzlichen Elemente sind ein Held, ein Ziel und ein Konflikt. Diese werden in den drei Schritten der Dreiecksstruktur in Beziehung zueinander gebracht. In der Exposition lernt man den Helden kennen und erfährt sein Ziel. Im zweiten Schritt, dem Konflikt, kämpft der Held um Erreichung des Ziels um im 3. Schritt eine Lösung für den Konflikt zu finden.

Für eine gute Kampagne wiederum benötigt man 1. Die Crisitunity – Eine Krise und eine Chance, 2. Die Vision of Change – Der Soll-Zustand, 3. Die Theory of Change – Die Strategie und 4. Den Call to Action – Was kannst du konkret tun? Kombiniert man diese beiden Formeln, bekommt man einen Leitfaden für gutes Unternehmens-Storytelling. Die Exposition und der Konflikt bleibt erhalten, allerdings wird aus der Lösung des Problems ein Call-To-Action an die Zuhörer. Beide Speaker sind der Überzeugung , dass jedes Unternehmen eine gute Geschichte hat. Es braucht allerdings den Mut und das Bedürfnis diese herauszufinden. Dabei muss man immer ehrlich zu sich sein, Emotionen zulassen und letztendlich voll und ganz hinter der Geschichte stehen.


Image (adapted) „Lagerfeuer“ by Lukas Martini (CC BY 2.0)


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5 Lesetipps für den 13. November

In unseren Lesetipps geht es um Storytelling mit Twitter, wie die Bundesregierung den Drohnenkrieg verschleiert, Qualitätsfernsehen dank Netflix, virales Publizieren und die Rolle von Papier für Deutsche. Ergänzungen erwünscht.

  • DROHNEN Zeit Online: Bundesregierung verschleiert den Drohnenkrieg: Die Regierung antwortet nur ausweichend, wenn sie nach Überwachungs- und Kampfdrohnen in Deutschland gefragt wird. Sie kaschiert den deutschen Anteil am Drohnenkrieg, wie Kai Biermann auf Zeit Online schreibt.
  • 10.000 FLIES Süddeutsche.de: Gespräch mit Jens Schröder über virales Publizieren: Die Website verspricht in der Unterzeile: “Die Social-Media-Charts” – 10.000 Flies ist die Hitparade der häufig geteilten und verlinkten Texte im deutschsprachigen Netz. Der Mann dahinter heißt Jens Schröder. IM SZ-Interview spricht er über Likes und Share und darüber, wie das virale Publizieren den Journalismus verändert.
  • NETFLIX FAZ.net: Qualitätsfernsehen im Internet: Der amerikanische Streamingdienst Netflix mischt in vielerlei Formen das Fernsehen auf. Zum einen, weil Netflix beweist, dass erfolgreiches Fernsehen nicht im Mittelmaß enden muss, an sich eine lehrreiche Lektion für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Denn nicht durch eine Quote ermittelt Netflix, was die Zuschauer wollen (und liefert es dann), sondern durch Algorithmen.
  • TWITTER CNET News: Twitter goes for the masses with new storytelling feature: Twitters Stärke liegt im Moment, doch mit einem neuen Feature will das Unternehmen neue Nutzer von sich überzeugen und neue Bedeutung gewinnen. Mit den sogenannten „Custom Timelines“ werden neue Formen des Storytelling möglich, durch das flüchtige Momente länger erhalten bleiben und in bestimmte Kontexte gesetzt werden können. Das neue Feature erinnert an Storify, wenn auch auf Tweets beschränkt.
  • PAPIER Caschys Blog: Der Großteil der Deutschen setzt auf Papier: Papier ist geduldig, die Deutschen damit noch viel geduldiger. Auf seinem Blog schreibt Caschy über Dokumentenverwaltung im Zeitalter der Digitalisierung: laut einer BITKOM-Umfrage heften 8 von 10 Bundesbürgern (82 Prozent) Rechnungen und Verträge ab. Nur 6 Prozent der Deutschen scannen ihre Unterlagen ein, um sie platzsparend digital zu speichern.

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6+ Fähigkeiten, die der Journalist von heute drauf haben sollte

Während die Medienhäuser ihre Geschäftsmodelle auf den Prüfstand stellen müssen, gilt es für Journalisten gleichzeitig ihr Können zu erweitern.

6+ Fähigkeiten, die der Journalist von heute drauf haben sollte

Print-Redaktion bauen nicht erst seit der Financial Times Deutschland und der Frankfurter Rundschau Stellen ab. Vieles verlagert sich ins Digitale. Die neuen Jobs in den Online-Medien sind daher hart umkämpft und setzen zudem eine Vielzahl von Fähigkeiten voraus, die man als festes Mitglied einer Print-Redaktion bisher nicht zwangsläufig mitbringen musste.

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