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Kartellamt geht gegen Facebooks Datensammelwut vor

Es ist noch nicht lange her, da erschütterte der Cambridge-Analytics-Skandal viele Facebook-Nutzer. Daten von etwa 87 Millionen Nutzern wurden für den US-Wahlkampf missbraucht. In einer zweitägigen Befragung musste sich Zuckerberg vor dem US-Kongress den Fragen zahlreicher US-Senatoren stellen. Nicht einmal ein Jahr später ist das fast schon wieder vergessen. Facebook ist noch immer der Platzhirsch. Erst kürzlich verkündete das Unternehmen seine Messenger-Dienste plattformübergreifend zu bündeln.

Nun könnte das Bundeskartellamt das Vorhaben ins Wanken bringen. Dieses fordert das Social Network nämlich auf, seine Datensammelwut stark einzuschränken. Daten dürfen nur noch aus unterschiedlichen Plattformen zusammengeführt werden, wenn Nutzer dem zustimmen. Das Amt kam nach einer dreijährigen Prüfung zum Beschluss, dass Facebook seine Vormachtstellung missbraucht, um Daten seiner Nutzer zu sammeln. Ein Jahr gibt das Kartellamt Zeit, entsprechende Anpassungen vorzunehmen.

Darum geht es genau

Kern des Beschlusses ist, dass Facebook Mitgliedern keine explizite Wahl lässt, ob Daten von WhatsApp und Seiten mit integriertem Facebook-Plugin unter der einheitlichen Facebook-ID zusammengeführt werden dürfen. „Die Nutzer haben keine Wahl, ob die der Datensammlung zustimmen oder nicht“, äußert sich Behördenchef Andreas Mundt zur Entscheidung des Bundeskartellamts.

Seine Entscheidung begründet das Amt unter anderem auch auf die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die letztes Jahr in der EU eingeführt wurde. Die DSGVO soll den Schutz personenbezogener Daten gewährleisten. Die neue Transparenz genutzter Daten ist unter anderem Grund, warum viele Internetseiten um Zustimmung für die Verwendung von Cookies fragen. Außerdem kommt bei Facebook hinzu, dass sie den Markt kontrollieren.

„Als marktbeherrschendes Unternehmen unterliegt Facebook besonderen kartellrechtlichen Pflichten und muss bei dem Betrieb seines Geschäftsmodells berücksichtigen, dass die Facebook-Nutzer praktisch nicht auf andere soziale Netzwerke ausweichen können. Ein obligatorisches Häkchen bei der Zustimmung in die Nutzungsbedingungen des Unternehmens stellt angesichts der überragenden Marktmacht des Unternehmens keine ausreichende Grundlage für eine derartig intensive Datenverarbeitung dar“, führt Mundt aus.

Facebook wehrt sich

Facebook hat derweil angekündigt, gegen diese Entscheidung vorgehen zu wollen. „Das Bundeskartellamt hat im Rahmen seiner eigenen Umfrage festgestellt, dass Facebook in Deutschland von über 40 Prozent der Nutzer von sozialen Medien überhaupt nicht genutzt wird. Wir haben in Deutschland einen harten Wettbewerb mit anderen Diensten, doch das Bundeskartellamt hält es für irrelevant, dass unsere Apps mit YouTube, Snapchat, Twitter und vielen anderen Wettbewerbern um die Aufmerksamkeit der Nutzer konkurrieren“, heißt es in der Erklärung.

Vorwürfe, Facebook nehme es mit der DSGVO nicht so ernst, lehnt das Unternehmen entschieden ab. Es schießt gegen das Bundeskartellamt zurück. „Wir nehmen unsere DSGVO Pflichten sehr ernst. Die Entscheidung des Bundeskartellamts aber wendet das Wettbewerbsrecht in verfehlter Weise an, indem es Sonderanforderungen aufstellt, die nur für ein einziges Unternehmen gelten sollen.“

Politiker sind sich einig

Die Entscheidung des Bundeskartellamts wird von Politikern indes parteiübergreifend unterstützt. So äußerte sich Bundesjustizministerin Katarina Barley aus der SPD: „Ich begrüße es nachdrücklich, dass das Kartellamt die massive Zusammenführung von Nutzerdaten geprüft hat und eine erhebliche Einschränkung dieser Praxis fordert.“

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer hält die Entscheidung sogar für wegweisend: „Die Absage an eine ungebremste Datensammelwut war überfällig. Mit seiner Entscheidung hat das Bundeskartellamt deshalb ein Zeichen gegen die starke Marktmacht von Digitalkonzernen und für den Verbraucherschutz gesetzt. In Zeiten des digitalen Wandels sind konsequente Wettbewerbshüter wichtiger denn je.“

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Kommt ein Netzwerkdurchsetzungsgesetz für Europa?

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Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist ein typisches Beispiel dafür, dass ein wichtiges und ehrenwertes Ziel nicht automatisch ein kluges Gesetz bedeutet. Beim Versuch, Lügen und Hasspropaganda zu bekämpfen, schafft das NetzDG (Netzwerkdurchsetzungsgesetz) eine gigantische Zensurinfrastruktur und sorgt für Rechtsunsicherheiten. Umso bedenklicher ist es, dass sich andere europäische Länder diesen deutschen Irrweg nun zum Vorbild zu nehmen scheinen. Frankreich plant nicht nur ein eigenes NetzDG, sondern will sich auch für eine entsprechende Regelung auf EU-Ebene einsetzen.

Kritik am NetzDG

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz soll helfen, gefälschte Nachrichtenmeldungen („Fake News“) und Hasskommentare einzudämmen. Zu diesem Zweck verlangt es von den Betreibern von Online-Portalen entsprechende Inhalte innerhalb von kurzer Zeit zu löschen. Offensichtlich strafbare Inhalte müssen innerhalb von 24 Stunden, kleinere Verstöße innerhalb von einer Woche entfernt werden. Wird das versäumt, drohen empfindliche Strafen.

So lobenswert das angestrebte Ziel auch ist, erntete das NetzDG  zu Recht viel Kritik. Die Regierung drängt Infrastruktur-Betreiber in die Rolle des Zensors. Das führt zu laienhaften und von Furcht um die eigene finanzielle Situation gelenkten Entscheidungen. So ist also das Risiko einer Überregulation sehr groß. Es besteht nämlich die Gefahr, dass man aus Angst vor einer Strafe jeden auch nur ansatzweise kontroversen Beitrag vorsichtshalber löschen muss. Deswegen ist das NetzDG ein denkbar ungeeignetes Mittel für ein freies Internet, in dem Wissen ausgetauscht und diskutiert werden kann.

Deutschland als Vorbild?

Umso bedenklicher ist es, dass sich andere europäische Länder diesen deutschen Gesetzgebungs-Irrweg nun zum Vorbild nehmen. Frankreich kündigte vor Kurzem an, selbst ein entsprechendes Gesetz verabschieden zu wollen. Und dies ebenfalls mit dem lobenswerten Ziel Hass im Netz, vor allem Rassismus und Antisemitismus, zu bekämpfen. Allerdings sind diesbezüglich geplanten Maßnahmen ähnlich kurzsichtig.

Frankreich will EU-Regelung

Doch der französischen Regierung um Staatspräsident Emmanuel Macron reicht es nicht, solche Gesetze nur für das eigene Land zu fordern. Sie kündigte außerdem an, sich auch auf EU-Ebene für eine entsprechende Gesetzgebung einzusetzen. So läuft die im NetzDG geforderte Vorgehensweise Gefahr, dass die EU sie auch auf europäischer Ebene gesetzlich verankert.

Wohin es führen kann, wenn problematische Sicherheitsgesetze ins EU-Recht eingehen, zeigt das Beispiel der Vorratsdatenspeicherung. Diese Maßnahme fasste man schon vor über zehn Jahren in EU-Recht. Doch trotz bewiesener Ineffektivität und einer Vielzahl von ablehnenden Richtersprüchen, ist sie nur schwer zu bekämpfen. Jahrelang beriefen sich Befürworter der Vorratsdatenspeicherung auf die zugrunde liegende EU-Richtlinie und mögliche Vertragsverletzungsverfahren. Dieses Argument ist erst hinfällig, seit die EU eindeutig entschied, dass diese Maßnahme grundrechtswidrig ist. Besiegt ist die Vorratsdatenspeicherung trotzdem noch lange nicht.

Um eine ähnliche Entwicklung im Falle des Netz-DG zu verhindern, dürfen diese Maßnahmen gar nicht erst Einzug ins EU-Recht erhalten. Fake News und Hate Speech zu bekämpfen, ist ein lobenswertes Ziel. Die Betreiber sozialer Netzwerke als Zensoren einzusetzen, ist aber zum Erreichen dieses Ziels das denkbar schlechteste Mittel. Das müssen Bürgerrechts-Aktivistinnen und -Aktivisten nun auch auf EU-Ebene klar machen.


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Snapchat: Vom Reiz des Augenblicks zum Untergang

Smartphone (adapted) (Image by TeroVesalainen [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Als Snapchat im Jahr 2011 auf den Markt kam, war seine Kurzlebigkeit das Alleinstellungsmerkmal. Die Idee, die Foto- und Videobotschaften direkt wieder zu löschen, war ein krasser Gegensatz zu den etablierten Social-Media-Plattformen, die die Nutzer dazu dazu bringen wollten, Profile mit haufenweise Inhalten zu erstellen. Verschwundene „Snaps“ mögen anfangs als diskrete Art des Sextings an Zugkraft gewonnen haben, aber ihre Kurzlebigkeit entpuppte sich als attraktiv.

Die Benutzer haben Snapchat als eine Möglichkeit verstanden, die unbedeutenden, albernen, alltäglichen oder einfach weniger ausgefeilten Momente des Alltagslebens zu teilen. Augenblicke, die nicht als Instagram-, Twitter- oder Facebook-würdig gelten, können als flüchtige Snaps geteilt werden. Snapchat-Mitbegründer Evan Spiegel dazu:„Bei Snapchat geht es nicht darum, den traditionellen Kodak-Moment für das Fotoalbum festzuhalten. Es geht um die Kommunikation mit der ganzen Bandbreite menschlicher Emotionen – nicht nur mit dem, was schön oder perfekt zu sein scheint.“

Für Snapchat sah es lange recht vielversprechend aus. Im Jahr 2013 stellte das Unternehmen Snapchat Stories vor, eine Montage von Snaps, die gleichzeitig über die gesamte Kontaktliste des Nutzers für einen Zeitraum von 24 Stunden ausgestrahlt wird. Im folgenden Jahr folgte die Einführung von Snapchat-Werbung, die es den Unternehmen ermöglichte, die wachsende Nutzerbasis der App zu erreichen und Snapchat mit einer wachsenden Einnahmequelle auszustatten. Snapchat war so zuversichtlich, dass es das Übernahmeangebot von Facebook in Höhe von drei Milliarden US-Dollar im Jahr 2013 ablehnte.

Trittbrettfahrer

Erfolg sorgt für Nachahmer. Im Jahr 2016 veröffentlichte Instagram, das inzwischen Facebook gehört, sein eigenes Stories-Feature, das die Funktionalität von Snapchat Stories widerspiegelt. Facebook selbst kam im Jahr 2017 mit einer eigenen Stories-Funktion dazu. Die Entstehung solcher Nachahmungsmerkmale hat natürlich Fragen über die Langlebigkeit von Snapchat aufgeworfen.

Snapchats monatliche Wachstumsrate der aktiven Nutzer sank von 17,2 Prozent pro Quartal Mitte 2016 auf nur fünf Prozent zu Beginn des Jahres 2017. Der Aktienkurs ist von einem Höchststand von mehr als 27 US-Dollar gesunken und notiert jetzt unter seinem Börsenkurs von unter 15 US-Dollar. Instagram Stories hat jetzt jeden Tag 250 Millionen Benutzer – das sind deutlich mehr als die 166 Millionen bei Snapchat. Wie können Social-Media-Plattformen also ihre Nutzerbasis halten, wenn ihr Hauptverkaufsargument anderswo nachgeahmt wird?

Anbindung

Meine jüngste Arbeit, die in Zusammenarbeit mit den britischen Wissenschaftlern Mike Molesworth und Janice Denegri-Knott entstanden ist, argumentiert, dass die Langlebigkeit vieler Social-Media-Plattformen auf das zurückzuführen ist, was wir als „Consumer Ensnarement“ bezeichnen. Im Gegensatz zu Snapchat regen die meisten Social-Media-Plattformen die Nutzer dazu an, kontinuierlich Inhalte hochzuladen, die Teil eines dauerhaften Profils werden. Dabei schaffen die Nutzer gleichzeitig die Plattform und binden sich daran an.

Werfen wir nun einen Blick auf Facebook. Seit vielen Jahren wird spekuliert, dass die Nutzer, insbesondere jüngere Altersgruppen, die Plattform bald verlassen würden, was aber nicht eingetreten ist. Das Unternehmen hat sich gegen Layout- und Funktionalitätsänderungen, Datenlecks und die zunehmende Kommerzialisierung durchgesetzt und behält dennoch täglich 1,32 Milliarden aktive Benutzer. Im Juli 2017 meldete Facebook einen Quartalsumsatz von insgesamt 9,32 Milliarden US-Dollar, 45 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zukunft für Facebook scheint noch heller zu sein.

Die Langlebigkeit von Facebook ist zum Teil auf den Wert zurückzuführen, den die Nutzer den hochgeladenen Inhalten beimessen, die teils sehr aufwändig kommentiert und gestaltet werden. Der Social-Media-Riese ermuntert die Nutzer, Fotos und Videos hochzuladen und zu „taggen“, in aussagekräftigen Alben zu organisieren und aktuelle Informationen in Form von Status-Updates bereitzustellen. Dieser Inhalt ist für den Nutzer insgesamt von großem Wert.

Und tatsächlich ist es so, obwohl wir nur selten darüber nachdenken und es vielleicht nicht zugeben mögen, dass unsere Facebook-Profile zu wichtigen digitalen Besitztümern geworden sind. Ohne dass wir dies wollten, sind sie zu digitalen Sammelalben geworden. Nach all den Jahren der Updates erinnern sie an wertvolle Momente und erzählen einen Teil unserer Leben.

Dadurch entsteht eine neue Form der „Einschließung“, bei der die Nutzer nicht an Markentreue, sondern an eigene Uploads gebunden sind. Je mehr Zeit und Mühe die einzelnen Personen in ihre Profile investieren, desto schwieriger wird es für sie, die Plattform zu verlassen. Wenn eine solche Verknüpfung für den kommerziellen Erfolg und die Langlebigkeit von Social-Media-Unternehmen entscheidend ist, was bedeutet das für Snapchat?

An den Snappern festhalten?

Verschwundene Schnappschüsse lassen kein digitales Sammelalbum voller hochgeladener Inhalte entstehen. Abgesehen von den Kontakten, die auf anderen Plattformen neu erstellt werden müssten – was hinterlässt der Benutzer, wenn er Snapchat aufgibt? Wie kann Snapchat ohne die Einschnürungsmechanismen, die Verbraucher an konkurrierende Plattformen binden, verhindern, dass die Nutzer-Basis von Snapchat genauso schnell verschwinden wie die Snaps selbst?

Snapchat könnte sich darauf konzentrieren, neue, eigenständige Funktionen zu entwickeln, die einen Wettbewerbsvorteil bieten. Dennoch haben wir in den letzten Jahren mehrfach erlebt, dass Innovationen im Bereich Social Media schnell nachgeahmt werden. Die wiederholte Nachahmung von Konkurrenten durch Facebook behindere die Innovationsfähigkeit des Marktes.

In der Tat hat Facebook nicht nur die Stories-Funktion von Snapchat nachgebaut, sondern vor kurzem sogar auch die Einführung von Filtern angekündigt, die die lustigen Linsen von Snapchat nachahmen – ein weiteres Merkmal der Plattform. Ohne Mechanismen der Verankerung sind weitere Innovationen kein Garant für zukünftigen Erfolg mehr.

Eine Möglichkeit besteht in der Snapchat-Funktion „Memories“, die Mitte 2016 eingeführt wurde. Im Gegensatz zum anfänglichen Fokus der App auf flüchtige, verschwundene Snaps ermöglicht Memories den Benutzern, ihre Snaps zu behalten, Snaps in der App zu speichern oder sie auf ihr Profil herunterzuladen.

Snapchat Memories erstellt eine andere Art von digitalen Scrapbooks. Während andere Plattformen es uns ermöglichen, uns an die ausgefeilten Versionen unseres Lebens zu erinnern, die auf Facebook und Instagram präsentiert werden, kann eine Montage von Snaps die Teile unseres Lebens festhalten, die sonst herausgeschnitten würden – die dummen, alltäglichen, nicht auf Hochglanz polierten, aber dennoch wichtigen und wertvollen Momente.

Wenn man nun Snaps herunterladen kann, stellt sich die Frage, wie die Plattform die Snapper dazu ermutigen kann, diese digitalen Scrapbooks in den Apps zu erstellen und mit ihnen zu interagieren? Das wirkliche Potenzial von Snapchat Memories liegt in „intelligenten“ Funktionen, die die Interaktionen der Benutzer mit ihren Inhalten bereichern. Die Nutzer können nicht nur nach Stichworten, sondern auch nach bekannten Objekten suchen und erhalten eine Sammlung von Snaps, die an ihrem aktuellen Standort aufgenommen oder in früheren Jahren am selben Datum gepostet wurden (Facebook-Funktion „An diesem Tag“). Diese Funktionen haben eine begrenzte Aufmerksamkeit erlangt, die teilweise durch den späteren Launch von Instagram Stories überschattet wurde, jedoch bieten solche Funktionen einen Mehrwert bei der Speicherung von Inhalten innerhalb der App selbst und erleichtern die Art der Einbindung durch Wettbewerber des Konzerns.

Kurzlebigkeit mag die Ursache für den frühen Erfolg von Snapchat gewesen sein. Dass die App aber in der Lage ist, ein ehrliches, unvollständiges und dauerhaftes Bild vom Leben seiner Nutzer einzufangen, dürfte vielleicht die beste Hoffnung auf Überleben darstellen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Smartphone“ by TeroVesalainen (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Fake News: „Soziale Medien sind Emotionsmedien“

Browser Fake News (adapted) (Image by Pexels) (CC0 Public Domain) via Pixabay

Fake News. Der Begriff ist den meisten mittlerweile bekannt, aber definitiv kein ausschließlich aktuelles Phänomen. Die Bezeichnung Fake News gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert, aber seit einigen Jahren ist der Begriff aus der Internet und Nachrichtensprache kaum noch wegzudenken. Gründe dafür sind besonders soziale Medien und die Berichterstattung um den US-Präsidenten Donald Trump, der in seinem Wahlkampf öfter mit „alternativen Fakten“ argumentierte.

Nun gibt es Internetseiten, mit welchen man selbst eine Nachrichtenmeldung fälschen kann. Facebook hat kürzlich angekündigt, dass die Seiten, die Falschmeldungen verbreiten, den Zugang zu Werbung verbieten. Das ist ein weiterer Schritt des sozialen Netzwerks im Kampf gegen Fake News.

Aber wie gefährlich sind Fake News für unser Mediensystem und was können Nutzer tun, um Fake News aus dem Weg zu gehen? Darüber haben wir mit der Journalistin und Fernsehproduzentin Michaela Hummel gesprochen.

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Michaela Hummel / Doclights

Sie entwickelte und produzierte verschiedene Factual-Entertainment-Formate und Dokumentationen, wie die Dokumentation „Auf der Flucht“ für die sie mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Weitere Produktionen sind u.a. der ZDFdonnerstalk mit Dunja Hayali, die NDR-Reportagen mit Judith Rakers, die ZDFneo Dokumentation „Der Rassist in uns“. Ihr neustes Projekt dreht sich rund um das Thema Fake News.

Frau Hummel, sie haben gerade in Zusammenarbeit mit Sascha Lobo die Dokumentation, der offizielle Titel ist Social Factual, ein Einzelstück „Manipuliert“ mit dem Thema Fake News produziert. Haben sie sich davor bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt?

Ich habe mich schon seit Jahren mit dem Thema Fake News beschäftigt, was auch einen privaten Grund hat. Ich habe einige Jahre in den USA gelebt und ein Teil meiner Verwandtschaft dort ist eher im konservativen Spektrum angesiedelt. Aufgefallen ist mir, dass sie als einzige Nachrichtenquelle Breitbart News genutzt haben. Natürlich hat jeder das Anrecht auf eine eigene Meinung, aber dadurch habe ich mich früh sehr intensiv mit dem Thema Manipulation von Informationen, Emotionalisierung und Polarisierung beschäftigt. Das hat (in der Familie) nicht zu wenig Streit geführt.

Man hat über die Zeit hinweg gemerkt, dass sich der Begriff „Fake News“ gewandelt hat vom rein beschreibenden Begriff, zum Anglizismus des Jahres und schlussendlich zum politischen Kampfschrei. Wie definieren Sie den Begriff „Fake News“?

Ich denke die meisten wissen, was es im wahrsten Sinne heißt, „Falschmeldung“. Über die eigentliche Bedeutung  müssen wir uns nicht unterhalten. Aber mir ist eine Veränderung aufgefallen. Beispielsweise Donald Trump, der in Pressekonferenzen die Medien mittlerweile schon mit „Fake News“ anspricht. Damit bekommt das Ganze einen stark politischen Charakter.

Zudem deckt es für mich das ganze Thema der Verschwörungstheorien, falsche Fakten und Propaganda ab. Fake News gibt es an und für sich schon lange. Aber durch das Internet haben sie eine neue Wirkmacht erreicht.

Interessant ist, was wir im Rahmen der Sendung „Manipuliert“ im Februar 2017 über eine repräsentative Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen herausgefunden haben: 82 Prozent der Befragten kennen das Phänomen „Fake News“, 47 Prozent der Deutschen halten es für ein großes oder sehr großes Problem und fast ein Drittel der Wahlberechtigten denkt, dass es einen starken oder sehr starken Einfluss auf den Ausgang der Bundestagswahl haben kann. Und hierbei machen sich Frauen mehr Sorgen als Männer. Ich nenne diese Zahlen, da sie eine statistische Sicht auf das Thema zeigen und unterstreichen, wie brandheiß es ist.

Herrscht ihrer Meinung nach zu wenig Transparenz und Aufklärung im Umgang mit Fake News?

Meiner Meinung nach gibt es jede Menge Transparenz und Aufklärung, man muss sie natürlich nur finden. Und bei Fake News geht es oft um Geschwindigkeit. Wenn man etwas wiederholt liest, hält man es eher für wahr und durch sharing (das Teilen in Sozialen Medien) erreicht eine solche Nachricht vielleicht eine Millionen Menschen oder mehr –  und von der späteren Richtigstellung erfährt dann keiner.

Es gibt im Netz zwei sehr gute Tools, um Falsche Fakten im Netz zu entlarven: die Rechercheeinheiten MimiKama oder Hoax Map. Aber letztlich bleibt es eine Frage der Geschwindigkeit. Man braucht eine Menge Ressourcen, um am Ball zu bleiben und dagegen anzugehen.

Nehmen Menschen alles, was sie im Internet lesen, zu ernst?

Ich denke nicht, dass die Leser alles zu ernst nehmen.  Ich glaube eher, dass sie oft zu wenig nachdenken. Der Like ist quasi die Währung des Internets und viele denken: „Was meine Freunde geliked haben kann ich in der Hinsicht auch direkt übernehmen“ – meist auch ungefiltert. Die Sozialen Medien sind eben ein sehr schnelles Medium. Daher denke ich, dass viele Nutzer sich nicht die Mühe machen,  den Wahrheitsgehalt der Posts und News zu prüfen.

Was haben Filterbubbles in Sozialen Medien mit Fake News zu tun?

Das Phänomen Filterbubbles gilt für alle Seiten – auch für Journalisten. Jeder kann sich im Internet seine eigene Welt bauen und dann sehen wir nur, was wir selber mögen. Alles was nicht unserem Weltbild entspricht, wird aus der Timeline herausgefiltert. Journalisten sollten allerdings diejenigen sein, die durch Recherche und kritische Prüfung für Meinungsvielfalt sorgen.

Diese Filterblasen bestätigen also letztlich  nur die eigenen Perspektiven und Meinungen. Wenn diese Blasen nur noch aus Fake News bestehen oder von einem Algorithmus entsprechend bestückt werden, kann das fatale Folgen haben.

Finden Sie, die Einrichtung von Löschzentren von beispielsweise Facebook ist der richtige Weg?

Das ist eine schwierige Frage. Allein das Wort Löschzentrum empfinde ich bereits als sehr stark und hart. Erstens ist es traurig, dass wir diese Wege gehen müssen und dass sich solche Abgründe auftun.  Wie ein Artikel in der SZ aufgezeigt hat, müssen auch die Mitarbeiter einiges mitmachen. Mir wäre es lieber, dass die Menschen, die das Netz nutzen, wissen was sie tun. Denn für eine funktionierende Netiquette und einen konstruktiven Austausch in Interessengruppen und Communities gibt es ja sehr viele positive Beispiele.

Aber zweitens, sind wir ja bereit, eine grundsätzliche Kontrolle zu akzeptieren. Und das nur, weil Menschen nicht in der Lage sind, mit dem Medium vernünftig umzugehen. Das ist schon ein großer Schritt. Eigentlich müsste es Social Media Schulen geben und wir müssten ganz früh mit der Aufklärung beginnen.  Dadurch wird es letzendlich zu einer Bildungsfrage.

Sie plädieren für die Einführung von Social Media Workshops schon im Kindesalter?

Absolut. Wir kennen alle kleine Kinder, die schon in der Lage sind, das Smartphone zu bedienen und damit unreflektiert umzugehen.

Sie haben zu Beginn bereits erwähnt, dass sie eine Zeit in den USA gelebt haben. Wie schätzen sie den Umgang der Medien mit Fake News in Amerika im Gegensatz zu Deutschland ein?

Ich hab damals beim Fernsehen gearbeitet und die Sozialen Medien spielten noch keine große Rolle. Aber zum Fernsehen kann ich sagen:  Es wird mehr polarisiert und provoziert, es gibt viel mehr schwarz-weiß Malerei. Wir Deutschen sind da eher in Grautönen unterwegs. Vergangenen November, zur Zeit der Wahlen, war ich zuletzt in den USA, wo sich dieses Bild bestätigte: DieSender greifen sich gegenseitig an. Ich denke Fake News sind auch deshalb ein größeres Thema, weil in den USA mit viel mehr reißerischen Schlagzeilen gearbeitet wird. Das ist mehr Show als Information. Die ausgewogene Information gibt es dort eher im Print. Und man darf nicht vergessen: Soziale Medien sind Emotionsmedien. Es geht um Klicks! Und letztlich sind sie auch ein Kommerz-Medium.

Wie gefährlich denken Sie können Fake News noch werden?

In Deutschland stellen sie in meinen Augen keine große Gefahr dar. Wir haben ein sehr gut funktionierendes Mediensystem, dass die Meinungsvielfaltn abdeckt. Wir haben auch die Möglichkeit, Sendeformate wie Manipuliert mit Unterstützung eines öffentlich-rechtlichen Senders zu entwickeln und damit Aufklärung zu leisten. Deswegen sehe ich Fake News nicht als Gefahr für das deutsche Mediensystem.

Dazu muss man sagen: Wir verteufeln bei unserer Sendung die Sozialen Netzwerke nicht und sind auch nicht mit erhobenem Zeigefinger unterwegs.  Schließlich nutzen wir alle Facebook und Co und wollen Spaß damit haben. Es ist also wichtig, dass Aufklärung nicht als belehrend angesehen wird.

Hat sich durch das Aufkommen von Fake News Verbreitung ihr eigenes Bild der Medien oder ihr Medienkonsum verändert?

Ich denke wirklich, dass wir in Deutschland und auch in vielen Ländern Europas den Luxus der Qualitätsmedien haben. Das gilt nicht für jedes Land.

Aber heute benötigen wir viel mehr Zeit als früher, um alles zu lesen und richtig zu erfassen. Die Medien sind so schnell geworden, dass es manchmal kaum möglich, ist die Menge an Informationen überhaupt zu verarbeiten. Und wenn dann in dieser Masse Falschmeldungen dabei sind, die man eigentlich recherchieren, vergleichen und nachverfolgen sollte, können sie als wahre Meldungen aufgefasst werden. Der Zeitaufwand im Umgang mit den Medien und die Informationsflut haben sich also definitiv erhöht.

Was ist ihr letzter Rat an Leser im Umgang mit Fake News?

Man kann es mit Humor nehmen, wie zum Beispiel die Satireseite „Der Postillion“ immer wieder zeigt. Abgesehen davon, sollte jeder sofort alles hinterfragen und nicht nur schnell klicken, sofort alles liken oder anhand der Überschrift kommentieren. Man sollte sich die Nachrichten genauer anschauen. Aber dabei immer eine Prise Humor behalten.


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Warum Google+ in den USA das meistgeliebte Netzwerk ist

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Soziale Netzwerke bestimmen unseren Alltag. Facebook ist hierzulande die meist genutzte Plattform, Twitter und Google+ sind nur für Geeks gelungene Alternativen. Auch in den Vereinigten Staaten lässt sich ein ähnliches Bild erkennen. Doch die Anzahl der Nutzer muss kein Indiz für dessen Qualität sein. In einer Kundenzufriedenheitsstudie, dem American Satisfaction Index, belegte das Nischennetzwerk Google+ den ersten Platz. Doch warum ist das so? Ich habe mich auf Spurensuche begeben.

Google+ punktet durch Übersichtlichkeit

Trotz des kleinen Kundenstamms zeigen sich die Nutzer engagiert und sehr zufrieden. Grund dafür ist das etwas andere Konzept als beim Primus Facebook. Zwar gibt es auch eine Art Freundesfeed, allerdings steht der mit seinen romantischen Pärchen- und fernwehauslösenden Urlaubsfotos nicht im Vordergrund. Zentrales Bestandteil des Netzwerkes sind vielmehr sogenannte Circles und themenspezifische Communities. Durch letztere ist ein unkomplizierter Austausch mit Gleichgesinnten möglich. Jeder Nutzer kann Communities erstellen und Kontakte einladen. Wer allzu private Dinge besprechen will, kann die Gruppen privat setzen. Andererseits ist als Nutzer das Beitreten in öffentlichen Communities ohne Probleme möglich.

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Die Android-App von Google+ gibt sich schlicht und aufgeräumt. Screenshots by Jonas Haller

Für jeden Themenbereich existieren diese Gruppen. Besonders hoch im Kurs sind selbstverständlich Technologie-Themen und natürlich Android. Aber auch für Foto-Fans finden sich qualitativ hochwertige Gruppen. Ich persönlich kann im Smartphone-Bereich die Communities „Android“ (englischsprachig) und „Android Geräte“ (deutschsprachig) empfehlen. Der wohl größte Pluspunkt gegenüber den einschlägigen Facebook-Gruppen: Die Communities sind (nahezu) frei von Spam-Beiträgen und ungewollter Werbung. Je nach Interessen werden zudem passende Gruppen vorgeschlagen und angezeigt. Ein relativ neues Feature sind die „Sammlungen“. Damit können Nutzer themenspezifische Inhalte verbreiten. Man muss also nicht einer Person folgen. Vielmehr genügt es, der angelegten Sammlung zu folgen. Dank der nahtlosen Verbindung mit anderen Google-Diensten stieg die Bewertung des Netzwerks von 73 auf 81 von 100 möglichen Punkten.

Pinterest und Instagram folgen, Facebook und Twitter abgeschlagen

Auch der zweite Platz der US-amerikanischen Kundenzufriedenheitsstudie überrascht. Das kreative Netzwerk Pinterest erreicht eine Bewertung von 78 Punkten und kann aufgrund verbesserter Servertechnik und damit einhergehender Performance und verbesserter Suchfunktionen überzeugen. Dahinter folgt der Foto-Dienst Instagram, der einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr zulegen konnte und nunmehr eine Bewertung von 75 Punkten erreicht. Grund dafür sind Funktionserweiterungen wie das von Snapchat bekannte Story-Feature. Nutzer loben zudem die hohe Interaktionsrate.

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Mit Google+ und Pinterest befinden sich Nischennetzwerke an der Spitze der Kundenzufriedenheitsskala. Table by ACSI

Mit einer Steigerung um fünf Punkte ist Twitter ein weiterer Gewinner der Studie und zieht damit am Primus Facebook vorbei. Dafür sorgte nicht zuletzt der Twitter-Hype um Donald Trump, der Nutzer zum Kurznachrichtendienst zog. Anwender wollen zudem Echtzeitnachrichten und keine gefilterten Timelines wie bei Facebook, das bei lediglich 68 Punkten verharrt.

Fazit: Schwarmintelligenz liegt nicht immer richtig

Die sozialen Netzwerke leben von ihren Mitgliedern. Ohne Nutzer wird eine Plattform nicht populär – so gut sie auch sein mag. Das wird aktuell immer stärker deutlich. Das Google-Netzwerk überzeugt durch clevere Features und ein aufgeräumtes Design. Werbung sucht man vergebens. Und trotzdem hat es keine Chance gegen das mächtige Zuckerberg-Imperium Facebook, welches stetig Nutzer gewinnt. Schritte, um das Netzwerk profitabler zu machen und ein schlechtes Management gegen sogenannte Hatespeech quittieren die Anwender mit nur noch durchschnittlichen Bewertungen. Die Verantwortlichen sollten sich in diesen turbulenten Zeiten genau überlegen, welche Funktionen hohe Priorität genießen und welche Ressourcen für welchen Bereich eingesetzt werden sollten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Androidpiloten


Teaser and Screenshots by Jonas Haller, Table by ACSI


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Emojis: Nutzer sollten mehr Mitspracherecht bei der Erstellung haben

Emoji Maske (Image (adapted) by aaandrea [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Emojis sind derzeit hoch im Kurs. So feierten Netzenthusiasten vor ein paar Tagen war Welt-Emoji-Tag, und passend dazu wird Anfang August ein Kinofilm über Emojis erscheinen. Das Wort des Jahres 2015 war laut Oxford English Dictionary auch ein Emoji, nämlich das Gesicht mit den Freudentränen.

Aber woher kommen Emojis? Sie sind im Unicode-Standard enthalten, dem internationalen Standard für digitale Schriftarten. Der Unicode–Standard bietet ein Zeichen unabhängig von der Plattform oder dem Betriebssystem an. Er stellt geräteunabhängig Symbole auf allen Plattformen dar. Der Begriff Emoji wurde im Laufe der Zeit erweitert und bezieht sich auf ein beliebiges digitales Piktogramm.

Wie wird ein Emoji in den Unicode-Standard aufgenommen? Im ersten Schritt wird eine formale Vorlage angelegt. Hier wird ein Dokument erstellt, das festlegt, auf Grund welcher Auswahlkriterien das Emoji enthalten sein soll. Ein Unicode-Komitee, deren Mitglieder verschiedene große Technologie-Unternehmen vertreten, überprüft diesen Vorschlag anhand der Auswahlkriterien. Ist der Vorschlag einmal geprüft, wird er entweder abgelehnt, an die Autoren mit einer Rückmeldung zurückgegeben oder auf die nächste Stufe gehoben.

Einmal im Jahr wird entschieden, welche Kandidaten für Emojis Teil des nächsten Unicode-Standards werden. Danach hat jedes Unternehmen, das Emojis auf seinen Geräten anzeigt, die Möglichkeit, eine eigene Emoji-Version zu erstellen, das vom Unicode ausgelesen wird. Aus diesem Grund kann ein Emoji auf den verschiedenen Plattformen etwas unterschiedlich aussehen.

Es mag überraschen, dass ein solch bürokratischer Prozess hinter derart bunten und verspielten Symbolen steckt. Doch hier gibt es auch Probleme. Zunächst wird durch den Unicode vorgegeben, welche Emojis verfügbar sind und wie diese aussehen. Dementsprechend ist auch die Bedeutung vorgegeben, die mit dem Emoji kommuniziert werden soll. Wenn es um Sprache geht, hat jeder die Möglichkeit, ein neues Wort zu schaffen. Dies geschieht, indem Sprachklänge kombiniert werden. Hier kann jeder entscheiden, wie ein Wort geschrieben wird, indem Buchstaben zusammengelegt werden. Ob daraus ein neues Wort wird, hängt davon ab, wie oft das Wort genutzt wird und wie weit es sich verbreitet.

Im digitalen Bereich kann jeder ein Emoticon erschaffen. Es müssen nur Elemente der Interpunktion wie Zahlen und Buchstaben zusammengelegt werden. Emojis dagegen sind Einheiten, die von Nutzern weder manipuliert noch bearbeitet werden können. Auch wenn also Emojis in ihrer Verwendung einer Sprache ähnlich sind, kann man die Kreation eines Emoji nach dem Vorbild des orwellianischen Neusprech vergleichen. Die Erschaffung wird von einigen Wenigen kontrolliert. Zweitens ist es beinahe ironisch, wie Unicode die Emojis für die Freigabe auswählt. Die Emoji- Vorschläge werden anhand einer Reihe von Auswahlkriterien beurteilt. Diese sind wie folgt:

  • Häufigkeit der Nutzung: Je höher die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Emoji verwendet wird, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Mehrere Verwendungen: Je mehr Bedeutungen mit einem Emoji kommuniziert werden können, umso wahrscheinlicher ist, dass es freigegeben wird.
  • Häufig angefragt: Viele Leute fordern derzeit oder haben gefordert, dass das Emoji zur Verfügung steht.

Doch es ist auch wichtig, ein mögliches neues Emoji nach diesen Auswahlkriterien zu testen. Man muss nur sein Umfeld zur Nutzung befragen und auf ihre Meinung achtgeben.

Auf die Nutzer von Emojis hören

Emoji-Nutzer haben ihre Frustration geäußert, dass sie nicht in den Design- und Auswahl-Prozess einbezogen werden. Vor einiger Zeit äußerte man sich bei Apple mit einem gewissen Unmut, als der „Pistolen“-Emoji geändert wurde. Dieser sollte mehr wie eine Wasserpistole aussehen. Ein weiteres Mal gab es einen Aufruhr, als Entwürfe zur Änderung des Pfirsich Emojis bekannt wurden. Er sollte ein bisschen weniger wie ein Hintern aussehen – ein Grund dafür war, dass der Emoji vergleichsweise selten in seiner ursprünglichen Bedeutung genutzt wurde.

Dazu kommt, dass einige Themen nicht mithilfe von Emojis diskutiert werden können – es gibt schlicht und einfach keine passenden Emojis. Dies betrifft vor allem Themen, die für die Nutzer (hauptsächlich Jugendliche und junge Menschen) tabu oder weniger wichtig sindn. Es gab beispielsweise Kampagnen von Firmen wie BodyForm und Plan International, die durchsetzen wollten, dass ein „Menstruations-Emoji“ eingeführt werden soll.

Das Hauptproblem ist jedoch, dass Emojis viele gesellschaftliche Vorurteile widerspiegeln und repräsentieren. Inzwischen wurde zumindest bei den menschlichen Emojis angepasst, dass man zwischen verschiedenen Hauttönen und einem Mann oder einer Frau wählen konnte. Vielleicht wird schon bald jeder Emoji auch in einer Version mit roten Haaren ausgegeben – jedenfalls, wenn die dazugehörige Petition mehr als 21.000 Unterschriften zusammenbekommt, die an Unicode geschickt wurden.

Wie ist es nun also möglich, den Massen ein Mitspracherecht bei der Gestaltung von Emojis zu erteilen? Wie können wir dafür sorgen, dass mehr Menschen und ihre Belange wahrgenommen werden? Wir haben einen Lösungsvorschlag. Eine Plattform, auf der jeder die Möglichkeit hat, einen Emoji vorzuschlagen und zu beschreiben, wie dieser genutzt werden kann und warum dieses Emoji wichtig ist. Der Vorschlag kann dann von anderen Nutzern unterstützt werden.

Wir haben dieses System EmojiDesignOnline genannt und werden dem Unicode-Konsortikum in einem Jahr den Emoji vorschlagen, der die meiste Unterstützung erhalten hat. Also, das nächste Mal, wenn du denkst „Warum gibt es kein Emoji für…?“, dann lass es uns wissen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Emoji Maske“ by aaandrea (CC0 Public Domain)


The Conversation

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • VERBRAUCHERSCHUTZ handeslblatt: Bewährungsprobe für Merkel und Schulz: Der Verbraucherschutz- ein leidliches Thema für alle Betroffenen. Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wollen beim Deutschen Verbrauchertag in Berlin ihre Vorstellungen zur Verbraucherpolitik darstellen. Doch ob es ihnen gelingt das Vertrauen in die Politik in der Bevölkerung zu stützen, bleibt fraglich. Nicht nur der VW-Skandal zeigte, dass die Politik kaum fähig ist, den Wirtschaftsriesen die Stirn zu bieten, geschweige denn, sie in ihre Grenzen zu weisen. Dieser Vorfall und einige andere bestimmten sicherlich auch das Ergebnis der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Demzufolge glaubten 72% von insgesamt 1.002 Befragten ab 18, dass die Politik Unternehmensinteressen vor Bürgerinteressen stellt. Eine ernüchternde Bilanz, die die Krise, in der die Politik zu stecken scheint, umso drastischer zeigt.

  • SUPERCOMPUTER golem: Schweizer Supercomputer ist drittschnellstes System weltweit: „Go Piz Daint, go!“ Der Piz Daint ist nach Aktualisierung der Top-500-Liste der Supercomputer nun von Platz 8 auf Platz 3 angekommen. Der ungeschlagene Sieger in Europa besticht durch seine Schnelligkeit und enorme Leistungsstärke. Zu finden ist dieses kleine Superteil in Lugano am Luganersee in der Schweiz und wird vom Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) betrieben. Ab 2018 sollen neue Systeme vom Departement of Energy folgen.

  • GOOGLE google: Four steps we’re taking today to fight terrorism online: Terrorismus ist eine Herausforderung für offene Gesellschaften wie unsere. Auch Google und Youtube sind verpflichtet, an einer Lösung mitzuwirken. Zusammen mit der Regierung, dem Gesetz und zivilen Social Media Gruppen wollen sie gewalttätigen Online-Extremismus bekämpfen. Kein Platz für terroristische Inhalte lautet ihre Devise. Um diese umsetzen zu können, entwickelten sie vier Schritte, die u.a. die Investition in Technologien unterstützt, welche helfen sollen, extremistische Inhalte zu erkennen. Probleme kommen hierbei noch bei der Interpretation der Inhalte auf, da die Technologie nicht immer in der Lage ist, informative Videos über Terrorismus und Propagandavideos zu unterscheiden. Schwierigkeiten, mit denen sich Google und Co. jetzt konfrontiert sehen.

  • GARTNER t3n: Gartner: AWS und Microsoft liegen weit vor der Cloud-Konkurrenz: Die IT-Analysten von Gartner haben sich entschieden. Mit ihrer beispiellosen Skalierbarkeit und ihrer weltweiten Präsenz erhöhen AWS und Microsoft die Anforderungen auch für ihre Mitkonkurrenten und sind somit an der Spitze der Cloud-Konkurrenz. Google, als starker Konkurrent, hat zwar gute Chancen aufzuholen, wird sich aber nach Einschätzung der Gartner-Experten anstrengen müssen.

  • MEDIEN medienpolitik: „Soziale Netzwerke sind ergänzende Nachrichtenquellen“: Rund die Hälfte der deutschen Jugendlichen nutzen die sozialen Netzwerke zur Nachrichteninformation. Das liegt unter anderem daran, dass es laut den Jugendlichen einfach sei, vielfältige Quellen zu finden. Vor allem die wesentlichen Schlagzeilen des Tages seien somit schnell gefunden, so Prof. Dr. Wiebke Möhring. Zusätzlich könnten die eigenen Vorlieben durch einen Filter separiert werden. Dennoch werden die klassischen Medien keinesfalls abgelöst, sondern genießen noch immer großes Vertrauen und spielen eine wichtige Rolle in sozialen Netzwerken. Wie es klassischen Medien, wie Zeitungen oder TV-Sender, weiterhin gelingt alle Generationen zu erreichen, beantwortet sie in diesem Interview.

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Wie wir die Nachbarschaft digital verbessern können

washington (image by tpsdave [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Für viele Menschen ist es wichtig, eine gute Beziehung zu den Nachbarn zu haben. Wer auf dem Land wohnt, kennt seine Nachbarn meistens. Doch in Großstädten leben die Menschen oft sehr anonym und kennen ihre Nachbarn nur selten.

Mir geht es ähnlich. Ich wohne seit etwa einem Monat in einer Wohnung in Hamburg, wer in meiner Straße wohnt, weiß ich immer noch nicht.  Aber auch die meisten Leute in meinem Haus kenne ich nicht. Bis auf ein kurzes „Hallo“ im Flur hat man keinen Kontakt zueinander. Doch vor kurzer Zeit hatte ich plötzlich Post von meinen Nachbarn im Briefkasten – und zwar einen Flyer von der Plattform nebenan.de.

Soziale Netzwerke für Nachbarn

Plattformen wie nebenan.de, nachbarschaft.net, wirnachbarn.com und die App Roundhere setzten sich für bessere Nachbarschaften ein. Sie verbinden sich mit interessierten Nachbarn und verteilen Flyer. „Wir sind eine Gruppe von Anwohnern, die ihre Nachbarn besser kennenlernen und die Gemeinschaft untereinander stärken möchten“, stand auf meinem Flyer. Mithilfe meiner genauen Adresse und einem auf dem Flyer angegebenen Passwort konnte ich mich auf der Website anmelden. Durch das Passwort haben wirklich nur echte Nachbarn Zugang zu den Inhalten einer Nachbarschaft. 

Im Gegensatz zu sozialen Netzwerken wie Facebook geht es bei den Nachbarschafts-Portalen nicht darum, sich mit der ganzen Welt zu vernetzten, sondern nur mit den direkten Nachbarn. „Wir denken den Begriff soziales Netzwerk anders und neu. Oft fallen einem zu dem Begriff Schlagwörter wie Datenschutz, Fakeprofile und Shitstorm ein. Die Währung unseres Konzepts heißt Vertrauen. Dass man sich bei uns nur unter richtigem Namen anmelden kann, hat immense Auswirkungen auf die Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen“, bemerkt Ina Brunk, Mitgründerin von nebenan.de im Interview mit dem Netzpiloten- Magazin „Hello-Familie“.

Sharing Economy funktioniert auch in der Nachbarschaft

Aber es geht nicht nur darum, seine Nachbarn kennenzulernen. Die Nutzer geben sich Empfehlungen zu Ärzten oder Handwerkern, vermitteln Dienstleister wie Babysitter und leihen sich Gegenstände aus. Auch gemeinsame Veranstaltungen wie Grill- oder Straßenfeste können dort geplant werden.

„Wir dachten, dass das pragmatischer wird: dass man sich für bestimmte Themen und Interessen zusammenschließt – zusammen joggen, eine Leiter borgen. Aber die Menschen scheinen ein großes Bedürfnis nach nachbarschaftlichen Beziehungen zu haben, die darüber hinausgehen“, so Ina Brunk. Ihr Co-Gründer Christian Vollmann kam auf die Idee für diese Plattform, weil er schon ein Jahr in seiner Wohnung lebte und trotzdem noch keinen seiner Nachbarn kannte. Er klingelte einfach mal bei seinen Nachbarn und stellte sich vor – so wie man das früher eben machte. Weil das gut funktionierte, kam ihm die Idee zu dem Online-Netzwerk für Nachbarn.

„Wir wollen die Interaktion in der realen Welt nicht ersetzen, sondern sie wieder beleben – mithilfe des Internets. Und tatsächlich: Fast alles, das auf nebenan.de stattfindet, wird im echten Leben weitergeführt oder findet dort seinen Abschluss.“, stellt Ina Brunk fest. Die Motivation zur Gründung von nebenan.de war der häufig stiefmütterliche Umgang mit den Nachbarn. Denn gerade die Nachbarschaft gibt Antworten auf die großen gesellschaftlichen Themen wie demographischer Wandel, Anonymisierung der Gesellschaft und nachhaltiger Umgang mit Ressourcen. Außerdem sind die Gründer überzeugt, dass die Nachbarschaft neben Familie, Freunden und dem Beruf die dritte wichtige soziale Säule für das menschliche Wohlbefinden ist.

„Diese Nachbarschaftsportale bezeugen ein Bedürfnis, irgendwo anzukommen in einer hektischen, rastlosen Welt, in der wir durch Studiengänge oder Jobs quer durch Europa geschleudert werden. Plötzlich ist der Wunsch nach Verankerung wieder da“, bestätigt Martin Herrndorf, Mitinitiator der Initiative Agora.

Es kommt Bewegung in die Nachbarschaften

In den USA haben sich diese Portale schon stark verbreitet. Im Vergleich dazu sind die Mitgliederzahlen in Deutschland noch relativ gering, aber vor allem in Großstädten ist die Tendenz steigend. „Mittlerweile gibt es mehr als 1000 Nachbarschaften in etwa 30 Städten in ganz Deutschland“, fasst Brunk zusammen.

In meiner Nachbarschaft kam das Netzwerk bisher sehr gut an. Es haben sich bereits viele Nachbarn angemeldet und Beiträge veröffentlicht. Außerdem freuten sich die Leute über neue Kontakte und den Austausch untereinander.

Hier geht es zur gesamten Edition rund um das Thema Nachbarschaft: Hello-Familie.de


Image „Washington“ by tpsdave (CC0 Public Domain)


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  • MUSIK STREAMING theverge: Kanye West is demanding that Apple buy Tidal from Jay Z: Kanye West ist einer der erfolgreichsten Rapper aller Zeiten. Er hat auf sozialen Netzwerken eine riesige Gefolgschaft. Sein Twitter Account zählt rund 24,7 Millionen Follower. Diese Reichweite benutzte er nun, um Apple zu überzeugen und unter öffentlichen Druck zu setzen. Der Konzern verhandelt seit langem mit Wests bestem Freund Jay Z, der einen Musik Streamingdienst ins Leben gerufen hat. Auf Twitter schrieb Kanye West am Samstag: „Lassen wir diesen dummen Schwanzvergleich. In 100 Jahren sind wir alle tot. Also gebt den Kindern die Musik.“ Der Tweet wurde 120 Tausend mal geliked und 40 Tausend mal retweetet.
  • DATEN sueddeutsche: Millionen Daten von Flugreisenden jahrelang ungeschützt im Internet: Beim Berliner Flugticket-Großhändler Airticket gab es über Jahre eine schwerwiegende Sicherheitslücke. Das Unternehmen zählt viele große Online-Reisebüros zu ihren Kunden. Über Jahre hinweg sollen die Daten von Millionen Flugreisenden im Netz abrufbar gewesen sein. Kriminelle konnten so mit wenig Aufwand an alle persönlichen Daten gelangen, die der Kunde für eine Flugbuchung abgibt – das schließt bei einigen Kunden die Bankdaten mit ein.
  • POKÈMON GO heise: Pokémon Go: Erstes Update und Aus für Kartendienste: Es ist soweit. Die erfolgreichste Spiele-App im iTunes Store bekommt sein erstes Update. Neben Fehlerbehebungen wird es eine Änderung geben, die bei vielen Nutzern Unmut auslösen könnte. Nach der Veröffentlichung des Augmented-Reality-Games sind Kartendienste entstanden, um den Spielern alle Pokémon im Umkreis von mehreren Kilometern zu zeigen. Diese Kartenanbieter haben nun Unterlassungsforderungen von Nintendo erhalten. Viele Pokémontracker sind kurz danach offline gegangen.
  • UBER financialtimes: Uber to pour $500m into global mapping project: Der Online-Vermittlungsdienst für Fahrdienstleistungen „UBER“ möchte nicht mehr von Google Maps abhängig sein. Seit geraumer Zeit fahre man kreuz und quer durch die USA und Mexico, um die Straßen des Heimatmarktes zu tracken. Man wolle außerdem bald in anderen Ländern damit beginnen. Diese Unabhängigkeit kostet UBER vorerst 500 Millionen Dollar. Dieses Vorhaben macht UBER und Google zu noch größeren Rivalen, die einmal eng zusammengearbeitet haben.
  • FACEBOOK wired: Facebook legt neue Zahlen vor – und wächst mit Werbung: Direkt nach Facebooks Quartalsbericht stieg der Aktienkurs des Unternehmens um acht Prozent auf den neuen Rekordwert von 131 Dollar pro Anteil. Inzwischen verdient die Firma von CEO Mark Zuckerberg einen Großteil ihres Geldes auf mobilen Endgeräten: 84 Prozent der Werbeeinnahmen kamen im vergangenen Quartal von Smartphones, schreibt Business Insider. 75 Prozent der Umsätze stammen aktuell allerdings aus Europa und den USA — in Asien gibt es für das soziale Netzwerk also noch Wachstumspotenzial.
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  • DIGITALISIERUNG sueddeutsche: Digitaler Wandel: Kampf der Skeptiker gegen Visionäre: „Die Pessimisten verweisen darauf, wie sehr das Smartphone verbreitet ist, wie groß die Überwachungsmöglichkeiten sind und wie sehr amerikanische Internetfirmen den Markt beherrschen; sie leiten daraus eine Zukunft ab, die in „smarten Diktaturen“, „digitaler Demenz“ oder einem „digitalen Debakel“ enden wird, wie zeitgenössische Buchtitel warnen. Dieser Trostlosigkeit setzen die Optimisten ein Weltbild entgegen, in dem neue Technologien Milliarden von Menschen ein Werkzeug bieten, um nicht nur Zugang zu Wissen und Bildung zu erhalten, sondern auch gemeinsam die Lösung unserer drängendsten Probleme zu erarbeiten.“
  • HACKER motherboard: Hacker Tries To Sell 427 Milllion Stolen MySpace Passwords For $2,800: Wer noch einen Account bei MySpace besitzt, der sollte sein Passwort zurücksetzen. Denn nach LinkedIn ist nun MySpace Opfer eines Cyberangriffes geworden. Rund 360 Millionen Emailadressen und Passwörter will der Hacker, der auch für den Angriff auf LinkedIn verantwortlich sein soll, erbeutet haben. Sollte sich die Anzahl der geklauten Passwörter bewahrheiten, so wäre dies der größte Passwort-Diebstahl der digitalen Geschichte.
  • TESLA theverge: Tesla’s Gigafactory sets grand opening for July 29th : Der Autokonzern Tesla hat die Eröffnung seiner riesigen Batteriefabrik im Bundesstaat Nevada angekündigt. Ende Juli wird die Fabrik geöffnet und soll bis 2020 seinen vorläufigen Produktionshöhepunkt erreichen. Man wird Ende 2020 mehr Batterie-Kapazität produzieren, als die Lithium-Batterie Produktion der gesamten Welt im jahr 2013 schaffte. Bis jetzt hat Tesla noch keine Medien zur Eröffnung eingeladen. Die Fabrik wird als Schlüsselelement für eine mögliche Massenproduktion des Model 3 gesehen.
  • APP techcrunch: Musical.ly launches live.ly for live streaming: Die App „Musical.ly“ ist eine der wenigen Sozialen Netzwerke, die, seit dem rasanten Boom von Snapchat, ebenso eine signifikant wachsende Nutzerzahl vorweisen kann. Der Wert der App wird auf 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Und die Entwicklung der App steht nicht still. Neben der Möglichkeit sich zum Protagonisten eines „Musikvideos“ zu machen, wollen die Entwickler nun eine Livestream-Option einführen, um mit Twitters „Periscope“ und Facebooks „Facebook Live“ mithalten zu können.
  • VERSICHERUNG mashable: Tinder for insurance lets you insure your electronics by swiping right: Die Bilder anschauen und vielleicht noch ein bisschen Text durchlesen. Wenn Interesse besteht, einfach nach rechts wischen. So funktioniert die Dating-App Tinder. Auf dem gleichen Prinzip basiert nun eine App des Unternehmens „Trov“. Doch hier geht es nicht um Dating. Mit einem Wischer nach rechts kann man in dieser App eine Versicherung für seine Wertsachen aktivieren. Über einen Bot soll es sogar möglich sein, Dienste der Versicherung in Anspruch zu nehmen. Starten möchte das Unternehmen in Australien, da es von allen Ländern dieser Welt am offensten gegenüber neuer technik sei. 2017 wird der Markt des Vereinigten Königreiches angepeilt, dann die USA und der reste der Welt.
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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • SOCIAL MEDIA Spiegel: Soziale Netzwerke und Depression: „Facebook war Gift für mich“: Depressionen werden oft unterschätzt oder auch von Dritten müde belächelt. Dabei handelt es sich hierbei und eine ernstzunehmende Krankheit. Auch soziale Netzwerke spielen hierbei eine große Rolle. Während man „früher“ auf persönliche Wertschätzung und Akzeptanz hoffte, spielt sich diese Rolle nun auch auf Facebook und Co. ab. Man wartet regelrecht auf Bestätigung und freudige Ergebnisse und wird oftmals enttäuscht. Kati Krause über ihre Erfahrungen mit Depressionen und die Abhängigkeit der sozialen Medien.

  • TTIP nzz: Ein Skandal, der keiner ist: Greenpeace veröffentlichte angeblich geheime Papiere zum Freihandelsabkommen TTIP. Doch so richtig skandalös waren die Details nicht. Jeder Partner verteidigt seine Interessen und dass die USA beispielsweise einen Zugangserleichterung für europäische Autos haben wollen, ist auch nicht neu. Doch worin liegt nun der eigentliche Skandal?

  • SECURITY gruenderszene: Millionen für eine Software, die vor Hackerangriffen im Smarthome schützt: Ob Tablet, Smartphone oder auch der smarte Kühlschrank – Auf fast allen Geräten die wir tagtäglich nutzen, werden unsere sensiblen Daten benötigt. Doch so richtig sicher vor Hackerangriffen sind solche Geräte oftmals nicht, meint zumindest das Startup Secucloud. Mit ihrer Software as a Service sollen alle internetfähigen Geräte eines Haushalts geschützt werden und somit Hackerangriffe ausschließen.

  • INSTAGRAM Quelle: Instagram now larger than Twitter as user tally climbs to 400 million: Wieder verzeichnet Instagram einen neuen Höchstwert und erreicht somit einen neuen Meilenstein. Mittlerweile loggen sich bei der Foto-App mindestens 400 Millionen User pro Monat ein. Damit liegt Instagram nun offiziell vor Twitter mit 316 Millionen Usern pro Monat. Allein seit Dezember sei die Userschaft um ca. 25 Prozent gewachsen. Dabei wird Instagram aber vor allem außerhalb der USA genutzt.

  • ARBEIT berufebilder: 6 Tipps für die Zukunft der Arbeit: „Wir leben in einer Übergangszeit mit tiefgreifenden Brüchen. Es geht nicht nur um eine technologische Transformation, sondern um eine soziale und kulturelle – und sie verändert unser Denken, die Führung und das Management“, sagt Prof. Dr. Bernhard von Mutius, ein Zukunftsdenker am HPI School of Design Thinking. Doch gerade die Veränderung in den Köpfen fällt oftmals schwer. Wie Interim Manager in diesem Kontext neue Impulse setzen können.


Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Warum werden Posts aus sozialen Netzwerken entfernt?

Censored (adapted) (Image by Paul Sableman [CC BY 2.0] via flickr)

Laut einer Studie, die diese Woche von Onlinecensorship.org veröffentlicht wurde, machen Meldungen wegen Nacktheit und die Nutzung falscher Identitäten den größten Anteil von Facebooks gelöschten Inhalten aus. Onlinecensorship.org ist ein Projekt von der Electronic Frontier Foundation und Visualizing Impact, das sich für die Redefreiheit auf Social Media Plattformen einsetzt. Die im vergangenen November gestartete Internetseite Onlinecensorship.org bat Nutzer um die Zusendung von Fallbeispielen, bei denen ihre Inhalte oder Benutzerkonten bei Facebook, Instagram, Twitter, YouTube, Flickr und Google+ gelöscht wurden. Von November 2015 bis März 2016 erhielt die Seite 161 vollständige Einsendungen. Die meisten Einsendungen betrafen entfernte Inhalte auf Facebook. Es ist zwar nur eine kleine Stichprobe, aber sie ermöglicht eine Vorstellung davon, wie Nutzer, deren Accounts oder Inhalte entfernt werden, sich fühlen. Onlinecensorship.org erhielt 119 Berichte von Facebook-Nutzern. 16 befragte (13 Prozent) sagten, Facebook habe sie gebeten, einen Identitätsnachweis vorzulegen, um zu beweisen, dass ihre Profile unter ihrem richtigen Namen liefen. „Facebook wendet ein striktes Regelwerk an, das von Einzelnen verlangt, auf Facebook einen Namen zu benutzen‚ unter dem ihre Freunde oder Familie sie kennen‘„, merkt der Bericht an. „Diese Vorgehensweise ist ins Visier der Medien und von Bürgerrechtsgruppen geraten, insbesondere wegen des Einflusses, den sie auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen haben kann.“ Zehn der Nutzer, deren Accounts aufgrund ihres Namens gesperrt wurden, gaben an, die Entscheidung angefochten zu haben. 40 Prozent derer, die Einspruch eingelegt hatten, berichteten, dass sie nie eine Rückmeldung von Facebook erhalten haben. Die Hälfte der Nutzer, die keinen Einspruch einlegt hatten, sagten aus, dass sie nichts von der Möglichkeit, Facebook um die Widerrufung der Entscheidung zu bitten, gewusst haben. Mindestens vier Nutzer sagten, ihre Benutzerkonten seien aufgrund ihrer Kommentare oder Diskussionen, an denen sie teilnahmen, wegen falschen Namens gemeldet worden. Ein Nutzer beschrieb, wie sein Account gelöscht wurde:

  • Der Benutzer postete einen kontroversen Inhalt, der die Bewegung für die Rechte Transsexueller kritisierte. Am selben Tag kontaktierte Facebook ihn und verlangte einen Identitätsnachweis. Der Nutzer vermutete, von jemandem gemeldet worden zu sein, der nicht mit seinen politischen Ansichten einverstanden war. Er kam Facebooks Aufforderung nicht nach. Nach sieben Tagen wurde sein Benutzerkonto gesperrt. Er sagte, dass die Überprüfung des Kontos mehrere Monate andauerte. Es soll angemerkt werden, dass wir ähnliche Berichte aus allen Ecken des politischen Spektrums erhielten.

Facebook gibt Nutzern, deren Konten gesperrt sind, die Möglichkeit, Identitätsnachweise einzureichen, um zu beweisen, dass sie tatsächlich unter ihren echten Namen handeln. Einige Nutzer „gaben an, dass der Wiederherstellungsprozess der Accounts oder das Anfechten von Facebooks Entscheidungen verwirrend wären, und dass Facebooks Entscheidungsprozess undurchsichtig und unpersönlich sei„. So beschrieb eine Nutzerin ihre Erfahrung:

  • Die Nutzerin, die aus einem nicht-englischsprachigen Land kommt, hat einen Namen, der unter englischsprachigen Personen eher unbekannt ist. Sie gab Facebooks Aufforderung für einen Identitätsnachweis zunächst nach. Der Identitätsnachweis, den sie vorlegte, wurde auch zuerst angenommen, jedoch hatte Facebook den Verdacht, dass der Ausweis nicht mehr gültig sei. Daraufhin verlangten sie zwei weitere Arten der Identifikation, welche sie auch zur Verfügung stellte. Trotzdem stellte Facebook ihren Account nicht wieder her. Sie sagt, Facebook hätte keine endgültige Begründung für diese Entscheidung angegeben, abgesehen von der Skepsis in Bezug auf die vorgelegten Identitätsnachweise.

Facebooks Richtlinien, was Nacktheit betrifft, waren ebenso unklar. Das Soziale Netzwerk erlaubt Bilder mit stillenden Müttern und Fotos von Kunstwerken, auf denen nackte Haut zu sehen ist. Manche Nutzer berichteten trotzdem, dass bei ihnen beide Arten von Bildern trotzdem entfernt worden seien. Einige Nutzer berichteten auch, dass Bildungsinformationen über sexuelle Gesundheit zensiert wurden:

  • [Ein] Nutzer, ein preisgekrönter Fotograf, dessen Fotografien in weltberühmten Museen ausgestellt werden, wurde mehrere Male gesperrt – jeweils für 30 Tage. Das geschah, weil er künstlerische Aktfotos veröffentlicht hatte. Obwohl der Nutzer Einspruch einlegte, wurden die Inhalte nicht wiederhergestellt. Der Nutzer sagt: „Ich betrachte meine Aktfotografien als ebenso künstlerisch wie jede Darstellung einer Zeichnung, eines Gemäldes oder einer Bildhauerei.“ Er merkt an, dass Frauen, laut der Rechtsprechung in seinem Land, in der Öffentlichkeit legal „oben ohne“ sein dürfen.

Unabhängig vom Grund für die Meldung des Accounts oder des Inhalts gaben Nutzer über verschiedene Plattformen hinweg an, den Revisionsprozess als frustrierend und undurchsichtig zu empfinden. Laut dem Bericht wurden die Accounts oder Inhalte von nur vier Nutzern, die Einspruch eingelegt hatten, wiederhergestellt. Fast 50 Nutzer erhielten keine Antwort von den Unternehmen. Aus dem Bericht:

  • Letztendlich spiegelt dies eine dringende Notwendigkeit für größere Klarheit von Seiten der Unternehmen darüber wieder, welche Optionen Nutzern zur Verfügung stehen, wenn ihre Inhalte und Benutzerkonten entfernt werden, und ein Bedürfnis nach einer Verpflichtung, ihnen zu helfen, sie wieder herzustellen. Die Berichte der Nutzer zeigen ein tiefes Misstrauen gegenüber den Unternehmen, wenn es darum geht, im besten Interesse des Nutzers zu handeln. Außerdem empfinden sie eine gewisse Frustration über das, was die Nutzer als unzureichende Mittel und zu wenig Aufmerksamkeit gegenüber diesem Thema erhalten.

Der komplette Bericht kann hier nachgelesen werden. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Censored“ by Paul Sableman (CC BY 2.0)


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Sechs Beispiele, wie Twitter die Welt verändert hat

Multiple Tweets Plain (adapted) (Image by mkhmarketing [CC BY 2.0] via Flickr)

Nach 10 Jahren des Dokumentierens der Welt in 140 Zeichen, hat Twitter heute mehr als 300 Millionen aktive Nutzer. Das mögen zwar weit weniger als die 1.5 Milliarden von Facebook sein, aber dafür hat Twitter einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Welt, zum Teil, weil es eine beträchtliche Anzahl an Politikern, Journalisten und Prominenten anzieht. Unsere Expertengruppe erklärt, wie sich ihre Branchen durch einen kleinen blauen Vogel verändert haben.

Politik

Sharon Coen, Dozent für Medienpsychologie, Universität Salford

Es ist offensichtlich, dass Twitter dazu genutzt wurde, das Bewusstsein für politische Themen zu erhöhen, politische Botschaften zu verbreiten und kollektive Maßnahmen zu koordinieren. Dies wurde oft durch spezifische Kampagnen erreicht, wie beispielsweise #blacklivesmatter (Protest gegen Gewalt gegen Schwarze) und #JezWeCan (Werbung für die Kandidatur des britischen Labour-Partei-Chef Jeremy Corbyn).

 

Twitter wurde jedoch auch als Maß der öffentlichen Meinung genommen, was jedoch oft ein fehlgeleitetes Gefühl von Konsens erzeugte oder davon, wie viele Menschen eine bestimmte Meinung zu einem Thema haben (die sogenanten Twitter-Storms). Das liegt daran, dass Menschen mit ähnlichen Ansichten dazu neigen, sich zu verbinden und so seltener auf andere Themen und Meinungen stoßen. Hinzu kommt, dass Twitter Politikern geholfen hat, sie mit personifizierten Profilen, ähnlich denen von Berühmtheiten, als Prominente darzustellen, nicht als jemand, der im öffentlichen Dienst steht.

Wissenschaft

Philip James, Dozent für geografische Informationssysteme, Universität Newcastle

Twitter-Daten eröffnen Wissenschaftlern neue Horizonte. Zum einen als reiche Datenquelle an sich und auch als Möglichkeit, Informationen aus der Öffentlichkeit zu sammeln. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass ihr Bewusstsein für und die direkte Teilnahme an der Wissenschaft erhöht wird. Die Datenerfassung über Twitter kann passiv (Erfassung von Tweets, die bereits veröffentlicht sind) oder aktiv (Menschen bitten, an einem Projekt teilzunehmen und Informationen einzusenden) erfolgen.

Für ein Projekt zur Simulierung von Hochwasser in Städten baten wir zum Beispiel Menschen, Informationen zu Überschwemmungen in ihrer Nähe zu twittern, um uns dabei zu helfen, das Szenario so genau wie möglich zu simulieren. Da diese Daten über einen konstanten Zeitraum erstellt wurden, konnten wir das Modell alle paar Minuten aktualisieren. Für ein anderes Projekt sammelten wir lokale Tweets aus dem ganzen Nordosten Englands und verwendeten einen Algorithmus, der sich an die Karte anpassen konnte, um die wahrscheinlichsten Routen, die Twitter-Nutzer zwischen zwei Standorten nahmen, zu berechnen. Wir verwendeten diese Daten zur Simulation, wie sich Änderungen an der Infrastruktur, wie beispielsweise Straßensperrungen, auf die Verkehrsströme auswirken würden.

Gewerbe

Aleksej Heinze, Dozent für digitale Wirtschaft, Universität Salford

Twitter hat eine Zwei-Weg-Kommunikation zwischen Unternehmen und deren Kunden eröffnet. Auf der einen Seite wird es Kunden vereinfacht, sich über ein Unternehmen zu beschweren – und das zudem öffentlich. Aber auch Unternehmen können viel schneller und einfacher darauf reagieren und so möglicherweise ein Problem beheben. Außerdem spart es dadurch möglicherweise Kosten für den Kundenservice ein.

Xbox stellte so im Jahr 2010 beispielsweise einen Guiness-Weltrekord als Marke mit “der besten Reaktionsquote bei Twitter” auf, nachdem mehr als 5.000 Anfragen pro Tag beantwortet wurden. Dies schafft einen wichtigen Indikator dafür, dass sich ein Unternehmen um seine Kunden kümmert und steigert damit das Vertrauen in die Marke. Andererseits können hohe Erwartungen auch zu Enttäuschungen führen.

 

Twitter schafft für Unternehmen auch eine Möglichkeit der Marktforschung, indem ermittelt werden kann, worüber Kunden reden, wie ihre Resonanz ist und was ihnen an den Produkten und Dienstleistungen wichtig ist. Es bietet den Firmen zudem den Service, dass treue Kunden für sie Marketing betreiben; online die Marke verteidigen, schützen und sie anderen potentziellen Käufern empfehlen. Im Falle eines Mobilfunknetzausfalls konnte sich ein Netzbetreiber mit den Kunden per Twitter auseinandersetzen und das negative Ereignis für die Marke in etwas Positives umwandeln.

Journalismus

Richard Jones, Lektor für Journalismus und Medien, Universität Huddersfield

Nachrichtenredaktionen wurden lange von Kabeln dominiert. Viele Journalisten sitzen hinter ihren Monitoren, während ihre Augen über die neuesten Kurzmeldungen in den Ecken ihrer Bildschirme fliegen. Twitter änderte das, zumindest ein wenig. Der Informationsfluss rund um die Welt wird nicht mehr nur von den Associated Press oder Reuters dominiert – es wird auch getwittert. Twitter hat mehr als 300 Millionen Nutzer und jedes Mal wenn eine Geschichte auftaucht, ist jemand da, um sie zu posten, was beinahe sofort geteilt wird. So kam zum Beispiel der erste Bericht über die Razzia, die Osama bin Laden in Pakistan tötete, nicht von einer offiziellen Quelle, sondern von einem lokalen IT-Berater.

 

Journalisten, die sich brüsten, einen Lügner enttarnen zu können, mussten feststellen, dass dies online viel schwerer ist. Zur Übertreibung neigende Berichte und Hoaxes sind häufiger und leicht zugänglich. Informationen aus sozialen Medien zu filtern und zu verifizieren ist etwas, das Jornalisten – und der Öffentlichkeit – schwer fällt. Der tragische Fall von Sunil Tripathi, der 2013 zu Unrecht mit den Anschlägen in Boston in Verbindung gebracht wurde, ist nur eines vieler Beispiele.

 

Beziehungen

Deborah Chambers, Professorin für Medien- und Kulturwissenschaft, Universität Newcastle

Alle Social-Media-Plattformen wurden entwickelt, um eine Kultur der Preisgabe von persönlichen Daten zu fördern. Twitter ist jedoch im Gegensatz zu anderen Seiten, wie beispielsweise Facebook, anders, weil die meisten seiner Nachrichten öffentlich sind und jeder jedem folgen kann, ohne dass man dieser Person ebenfalls folgt und (in der Regel) ohne jegliche Art der Zusatimmung. Das hat eine neue Möglichkeit des Cyberstalkings geschaffen, die es Nutzern erlaubt, persönliche Informationen über private und berufliche Netzwerke hinaus zu sammeln.

Der hochöffentliche Raum von Twitter hat zur Folge, dass sich Nutzer auf dieselbe Weise wie in einer konventionellen Beziehung öffnen, was wiederum eine Offenlegung von sehr persönlichen Aspekten der Identität, des Alltages, der Kompetenzen und Wünsche beinhaltet. Nutzer entwickeln verschiendene Wege, um ihre Privatsphäre zu schützen, beispielsweies durch codierte und mehrdeutige Sprache. Jedoch hat Twitter eine ganz neue Kultur der Konnektivität erschaffen, die auf dem Prinzip des öffentlichen Teilens von persönlichen Gefühlen basiert. Indem Intimität gezwungenermaßen öffentlich gemacht wird, werden persönliche Beziehungen zu einem Konzept des öffentlichen Auftritts.

Prominenten-Kultur

Kirsty Fairclough-Isaacs, Dozent für Medien und Performance, Universität Salford

Twitter hat die Promi-Kultur bis zur Unkenntlichkeit verändert. Vereinfacht gesehen sind wir nun in der Lage, dem Alltag berühmter Personen zu folgen und, was für viele Fans noch wichtiger ist, ohne strikte Kontrolle durch Managements direkt mit ihnen zu kommunizieren. Das bedeutet, dass sich das Image von Prominenten inzwischen weniger durch einen festen Charakter auszeichnet, als durch dauerhaften Wandel und eine Performance, an der das Publikum aktiv teilnehmen kann.

 

Prominente müssen ständig das Bild einer intimen, authentischen und zugänglichen Person zeigen. In einigen Fällen bedeutet das wirklich, seine wahren Gedanken offenbaren zu können, was zuvor nicht möglich war. Für andere Prominente bedeutet es jedoch das Erstellen eines Produkts, welches speziell für den öffentlichen Gebrauch konzipiert ist, welches so streng verwaltet ist wie ein Fotoshoot für ein Magazin. Diese unscharfe Grenze zwischen Bild und Realität hat den Weg freigemacht für eine neue Art der Promi-Werbung.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Multiple Tweets Plain” by mkhmarketing (CC BY 2.0)


The Conversation

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Social Media Forensics Siegen

Social Media, Social Network (adapted) (Image by Joe The Goat Farmer [CC BY 2.0] via flickr)

Werden Social Media Trends durch Bots manipuliert? Das Social Media Forensics Team der Uni Siegen entlarvt Bot-Netze in den sozialen Medien. Journalisten, Politiker und Bürger beobachten die Trends in den sozialen Netzwerken, um herauszufinden, was die Menschen aktuell bewegt. Tatsächlich werden aber viele dieser Social-Media-Trends durch aggressive Bot-Netze und Trolle bewusst manipuliert. So entstehen zunehmend gesellschaftliche Debatten über Themen, die künstlich gepusht werden – ein Trend, den Forscher der Universität Siegen aufhalten wollen. In einem Forschungsprojekt über Social Media Forensics entwickeln sie Algorithmen, um die Bot-Netze zu entlarven.

Gesellschaftliche Debatten werden im Netz gemacht. Wenn plötzliche Themen wie #unsereLisa oder Köln in den Vordergrund rücken, dann liegt das daran, dass Politiker und Journalisten Social-Media-Trends folgen. Kein Journalist würde beispielsweise über Donald Trump berichten, wenn nicht fast jeder seiner Tweets trenden würde. Schließlich wollen Journalisten am Puls der Zeit bleiben und Politiker auf das eingehen, was ihre Wähler motiviert. Doch was, wenn all diese Social Media Trends gar nicht echt sind? Wenn das Gezwitscher auf Facebook und Twitter nur künstlich ist und lediglich über speziell programmierte Algorithmen künstlich geschaffen wird? Genau mit diesen Fragen beschäftigen sich Simon Hegelich und sein Team im Projekt “Social Media Forensics” an der Universität Siegen.

Social Media Forensics ist ein neuer Bereich der digitalen Forensik. Einfach erklärt ist ein digitaler Forensiker die Person in den CSI-Folgen, die relevante Computerdaten in einem Verbrechen analysiert. Digitale Forensiker überprüfen Alibis mit Hilfe von Log-In-Daten, sie spüren Urheberrechtsverletzungen auf oder gehen illegalen Aktivitäten von Personen oder Organisationen im Netz nach. Social Media Forensics oder auch Network Forensics wiederum sind auf das Sammeln von Traffic-Daten in Echtzeit spezialisiert. Wenn also ein verdächtiger Post im Internet auftaucht, sind Social-Media-Forensiker gefragt, die diese Posts sofort registrieren und zur Analyse speichern können. Simon Hegelich und sein Social-Media-Forensics-CSI-Team konzentrieren sich in ihrem Projekt an der Universität Siegen dabei vor allem auf verdächtige Bots und Trolle.

Gefährliche Bots überschwemmen das Internet

Trolle sind reale Nutzer im Internet, die bewusst andere User in Foren durch aggressive Posts provozieren wollen oder einfach jede Menge Spam-Links posten. Ein Bot ist eine Applikation, die repetitive Aufgaben im Internet übernimmt – also im Prinzip wie ein automatisierter Troll arbeiten kann. Sie werden dabei vor allem zur Kommunikation eingesetzt. Die meisten von uns sind wahrscheinlich schon mal einem Bot in einem Chatraum begegnet. Sie wirken zunächst wie ein ganz normaler Gesprächspartner, um sich dann etwa durch nervige Links als Bots zu entpuppen.

Der Ur-Chatbot geht dabei auf den MIT-Professor Joseph Weizenbaum zurück. Dieser erfand in den 1960er Jahren das Computerprogramm ELIZA, das sich mit echten Menschen unterhalten konnte. Mittlerweile sind diese Bots so fortgeschritten, dass sie bei jeder Unterhaltung dazulernen und so wie ein echter Gesprächspartner wirken. Bots arbeiten so raffiniert, dass sie nur sehr schwer und meist nur von Spezialisten als Roboter zu enttarnen sind. So werden sie zum Beispiel oft im Marketing verwendet, um bestimmte Links zu setzen und so künstlich hohe Klickzahlen zu generieren. Aber auch Privatpersonen nutzen Bots, erklärt Simon Hegelich gegenüber den Netzpiloten. Auf Twitter gab es zum Beispiel einen bekannten Wissenschaftler, der Bots nutzte, um User auf den Klimawandel aufmerksam zu machen: “Jedes Mal, wenn jemand in einem Post den Klimawandel leugnete, erhielt dieser Nutzer von diesem Wissenschaftler automatisch einen Link mit einer Studie zum Klimawandel.”

Twitter hat den Wissenschaftler mittlerweile gesperrt. Das sind die eher harmlosen Varianten von Bots. Gefährlich wird es, wenn diese Technologie von politischen Organisationen bewusst missbraucht wird, um Trends im Netz zu manipulieren. Wie viele Bots und Trolle es in den sozialen Netzwerken gibt, ist unklar. Doch Twitter hat beispielsweise gerade 125.000 Accounts gesperrt. “Da werden einige Bots darunter gewesen sein”, vermutet Hegelich. Diese Bots können mit ihrer Präsenz das Internet mit ihren falschen Posts geradezu überschwemmen.

Bots erzählen Witze und kommentieren Sportereignisse

Genau hier schreitet das Forschungsprojekt der Uni Siegen ein. Finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung wurde das Projekt #SoMeFo am 1. August 2015 ins Leben gerufen. Programmierer arbeiten hier mit Sozial- und Politikwissenschaftlern zusammen, nicht nur um Bot-Netze zu entlarven, sondern auch um herauszufinden, welche Folgen diese manipulierten Social-Media-Trends eigentlich haben. “Es ist klar, dass niemand ein Faschist wird, nur weil bei ihnen im Facebook-Feed plötzlich rassistische Posts von Bots erscheinen”, stellt Hegelich klar. Seiner Meinung nach wollen die Bot-Netze weniger Menschen politisch bekehren, dafür aber politische Debatten steuern.

So haben er und sein Team beispielsweise ein ganzes Netz an Bots und Trollen entlarvt, das während der Ukraine-Krise täglich massiv Bot-Meldungen verbreitete. So könnten an einem Tag etwa 15.000 falsche Twitterprofile bis zu 60.000 gefakte Posts verbreiten. “Diese Bots posten aber nicht ständig politische Propaganda, sondern wirken wie ganz normale Profile. Sie posten zum Beispiel auch Witze oder Kommentare zum Sport in der Ukraine und eben nur ab und zu politische Kommentare – und sind so nur ganz schwer von anderen Nutzern als Roboter-Posts zu erkennen”, sagt Hegelich. Mit ihren Programmen konnten die Forscher aber gewisse Charakteristiken ausfindig machen, die ihnen ganz klar zeigten: Hier sind Bots am Werke. Dazu gehören beispielsweise Avatarbilder. Wer Tausende von falschen Profilen kreiert, braucht auch Profilbilder. Roboter wählen dabei die Bilder, auf die sie im Internet schnell und einfach Zugang haben, Comiczeichnungen zum Beispiel. Die Algorithmen der Wissenschaftler können dabei entschlüsseln, welche Avatarbilder zu einem normalen, also menschlichen, Profil gehören und welche höchstwahrscheinlich von Bots ausgewählt wurden.

Ein anderes Beispiel, das Hegelich und seinem Team aufgefallen ist, ist die Invasion von CSU-Seiten mit fremdenfeindlichen Kommentaren zur Flüchtlingskrise. Gerade dieses Thema scheint für politische Organisationen im rechten Milieu ein gefundenes Fressen zu sein. Bots eignen sich hervorragend, um eine Masse von künstlichen Meinungen ins Netz zu stellen. “Auch der selbsterklärte IS nutzt Bots und auch im mexikanischen Wahlkampf 2013 wurden massenweise Bots eingesetzt.” Genau hier liegt der Schlüssel zum Erfolg von politischen Botschaften, die durch Bots manipuliert werden: Die Masse. Da die wenigsten von uns erkennen, ob es sich bei den Kommentaren und Posts um echte Meinungen oder um Bots handelt, wirkt es so als ob eine große Anzahl von Menschen eine bestimmte Meinung vertrete.

Wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt den gesellschaftlichen Diskurs

Dies ist auch die größte Gefahr, die Simon Hegelich in Bot-Netzen sieht: “Bots können gesellschaftliche Debatten durch ihre schiere Masse bestimmen und in eine gewünschte Richtung lenken.” Wenn also der russische Außenminister den Twitter-Trend #unsereLisa aufgreift, um sich politisch zu äußern oder Politiker ihre Agenda ändern, weil sie glauben, die Mehrheit der Bevölkerung stehe dahinter, kann das brandgefährlich werden. So kann dann ganz schnell aus Politik für’s Volk Politik für Bots werden – gesteuert von Organisationen, die bewusst eine politische Agenda voranbringen wollen.

Das ist feingeschliffene Meinungsmache im digitalen Zeitalter. Denn wer die Hashtag-Trends bestimmt, bestimmt auch die gesellschaftliche Debatte. Die Manipulateure wissen, dass sowohl Politiker als auch Journalisten sich auf die Trendanalysen der sozialen Medien stützen, um herauszufinden, welche Themen die Menschen im Moment bewegen oder wie die Stimmung im Land aussieht. Wenn ein Journalist etwa beschreiben möchte, wie die Deutschen zu Flüchtlingen stehen, kann er eine Twitter Trendanalyse aufrufen und sehen, wie die Stimmungslage mehrheitlich aussieht. Nur, wenn diese Stimmungslage von vorneherein manipuliert ist, schreibt der Journalist über eine ausländerfeindliche Stimmung, die es möglicherweise so gar nicht gibt – und erzeugt diese damit vielleicht erst. “Deswegen finde ich es auch sehr riskant, wenn in Nachrichtensendungen Journalisten teilweise ganz ungeprüft Tweets verlesen oder einblenden, ohne zu wissen, ob dahinter eine wirkliche Meinung steckt”, sagt Hegelich. Journalisten müssten viel genauer prüfen, wer eigentlich hinter diesen Posts stecke.

Doch bisher fehlen vielen die Tools, um dies überhaupt nachprüfen zu können. Genau daran arbeitet das Social-Media-Forensics-Team in Siegen derzeit. “Ziel ist es, eine Art Spamfilter für Bots zu erstellen, den dann jeder Nutzer bei sich einstellen kann, genau wie bei Emails”, sagt Hegelich. Er hält nicht viel davon, wenn Facebook oder Twitter selbst die Bot-Tweets sperren. Denn erstens könne man nicht zu 100 Prozent sagen, ob ein Account wirklich zu einem Bot gehört. So können zum Beispiel auch ganz unschuldige Nutzer gesperrt werden. Zweitens sei es viel effektiver, wenn Nutzer selbst entscheiden, welche Meldungen sie sehen wollen und welche nicht. So sieht Hegelich für sich und sein Team noch sehr viel Arbeit vor sich: “Es reicht nicht, die Bot-Netze nur zu entlarven. Wir müssen auch untersuchen, welche Effekte diese massiven Bot-Attacken eigentlich haben. Bisher tappen wir da noch im Dunkeln.”


Image (adapted) “Social Media, Social Network” by Joe The Goat Farmer (CC BY 2.0)


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Business-Wetten für die digitale Wirtschaft

Busy traffic (adapted) (Image by dingcarrie [CC BY 2.0] via flickr)

Wird 2016 genau so sein? Alle Zeichen stehen auf ja. Wir sind vielleicht besorgt, dass eine potentielle, neue Blase zerplatzt oder dass sich der Aktienmarkt verlangsamt, aber dies hält neue Ideen, Businessmodelle oder Möglichkeiten nicht auf. Hier sind meine neun Prognosen, was sich im Bereich Business, Technik oder Soziale Netzwerke in 2016 verändern wird.

Immer wieder das Gleiche zu tun bringt einen niemals weiter

Im Jahr 2016 werden wir sehen, wie sich immer mehr Organisationen auf das Regulieren von Einkommen einstellen und nach neuen Märkten und Möglichkeiten suchen werden. Das wird gegensätzliches Denken erfordern – das Suchen nach radikalen und anderen Wegen ein Business am Laufen zu halten wie zum Beispiel: Die Kunden bezahlen, anstatt Geld von ihnen zu verlangen. Umweltanalyse-Teams werden in vielen Organisationen mit dem Ziel gegründet, dass man aktuelle Trends erkennt und versteht, und dabei auch den potenziellen Einfluss sieht, den diese auf das eigene Unternehmen haben können.

Ziel für 2016: Ein Team für die Umweltanalyse aufstellen.

Der Zug der Auftragswirtschaft wird nicht langsamer

Neu aufkommende Unternehmen werden 2016 nur stärker werden. Die Auftragswirtschaft wird anhalten und sich auf mehr ausweiten als Miete oder Karrieren. Wir werden mindestens einen neuen Spieler auf dem internationalen Markt sehen, dem Peers Inc.-Modell folgend – versorgen bedeutet für den Einzelnen, die Produkte und Dienste einfacher zur Verfügung zu stellen. Und der nächste große Akteur wird wahrscheinlich aus Asien kommen, ein Markt, der bisher größtenteils unberührt blieb.

Ziel 2016: Eine Plattform für die Auftrags-Wirtschaft werden.

Erfreue deine Kunden damit, ihre Bedürfnisse rechtzeitig zu erkennen und zu erfüllen

Wir werden einen Anstieg der vorausschauenden Organisationen sehen, also jene, die Produkte und Dienste in dem Moment, in dem man sie braucht, anbieten oder sogar schon bevor der Kunde überhaupt merkt, dass er sie braucht.

Wir werden die ersten kommerziellen Beispiele für die vorausschauende Lieferung erkennen (“dein Produkt liegt bereits vor deiner Tür, möchtest du es kaufen, oder sollen wir es zurücknehmen?”) Und nach dem erfolgreichen Absolvieren der einfachen Schritte und Kunden sich daran gewöhnen konnten, werden andere – oft überraschende – Akteure folgen; wir werden unter anderem die ersten vorausschauenden Regierungen sehen. Alles aufgrund des Fortschritts der digitalen Identität.

Ziel 2016: Definiere dein Produkt und die Dienste neu und werde eine vorausschauende Organisation.

Willkommen zu deinem digitalen, persönlichen Assistenten – einer der wirklich hilft und nicht nur so tut

Die digitale Identität wird nicht nur ein neues organisatorisches Verhalten ermöglichen, aber auch die Evolution anderer Technologien vereinfachen. Digitale, persönliche Assistenten werden sich weiter entwickeln. Sie werden nicht nur in der Lage sein, uns zu sagen wo der Film läuft, den wir am Wochenende sehen wollen oder uns an einen Arzttermin erinnern, sie werden auch in der Lage sein, unsere Rechnungen zu zahlen, den Stromanbieter zu wechseln oder uns in unserem Leben wirklich unterstützen, wie es ein echter Assistent tun würde (eine Art digitaler Vertreter des Menschen).

Ziel für 2016: Mehr Dinge erledigen können, indem man den digitalen Assistenten delegiert.

Wenn sich die Welt um dich schneller dreht als du, ist das Ende nah

Amtsinhaber von anlageintensiven Firmen werden von technologischen Fortschritten herausgefordert, und das mehr als in den Jahren zuvor. Der Janicki-Omniprozessor wird es kompletten Gemeinden ermöglichen, sich von Abwasser und Wassernetzen zu entfernen.

Hochleistungsbatterien in Garagen und selbstfahrende Autos werden es Individuen ermöglichen, mit Elektrizität außerhalb des Netzes zu handeln. Telefonanbieter werden mehr und mehr Druck von den Meta-Dienstleistern spüren. Die Bewegung derjenigen, die kein lineares Fernsehen mehr schauen, wird das Kabelfernsehen beeinflussen, auch in anderen Branchen.

Ziel für 2016: Wenn du ein Amtsinhaber in deiner Branche bist, fokussiere dich auf die Umweltanalysse, um Überraschungen zu vermeiden.

Digitales Kapital ist die Möglichkeit für das soziale Gut

Existierende Technologien werden reifen und in kritischen Situationen genutzt werden. Regierungsagenturen, Ersthelfer und das Katastrophenmanagement werden Periscope und Erwähnungen bei Facebook sowie Livestreaming nutzen, um Informationen zu sammeln. Wir werden die Kontrolle über unser digitales Ich behalten und zur gleichen Zeit fähig sein, unser “digitales Kapital” zu teilen, wenn es hilfreich ist. Die digitale Denkweise wird auch auf Organisationen angewendet werden, um nach Optionen zu suchen, um inaktive Anlagen zu digitalisieren, indem man neue Technologien benutzt.

Ziel für 2016: Habe einen genauen Blick auf deine Anlagen. Können sie neue Werte in die digitale Wirtschaft bringen?

Hardware wird die neue App

Mehr und mehr Leute werden es einfach finden, der “Maker-Kultur” beizutreten. Plattformen wie Arduino oder Raspberry Pi werden es mehr Leuten ermöglichen, schnell Hardwarelösungen als Prototypen zu erstellen. Wir werden Beispiele für Apps im Internet der Dinge sehen, die endlich verlockend und nützlich sind. Umgebungen wie Apples HomeKit, werden nur zu dem Impuls beitragen. Andererseits werden Plattformen wie Kickstarter den Weg zu effizienten “Prototyp-zu-Produkt”-Prozessen eröffnen.

Ziel für 2016: Tritt einem Maker-Space bei und unterstütze dieses.

Baue eine Gemeinschaft und ein Produkt (oder Dienst) wird sich entwickeln

Wir werden mehr Unternehmen sehen, die auf eine unorthodoxe Art starten werden, indem sie zuerst eine Gemeinschaft aufbauen und erst danach erkennen, welches Produkt oder welchen Dienst sie bereitstellen müssen. Digitale Gemeinschaften werden der neue unfaire Vorteil in jeder Industrie sein.

Ziel für 2016: Identifiziere und investiere in deine Gemeinschaften.

Digitale Intelligenz ist Trend

Die Gesellschaft wird weiterhin lernen, wie man mit den digitalen Wirtschaftstrends umgehen muss. Wir werden von der digitalen Bildung über digitales Benehmen zu digitaler Eleganz gehen. Und wir werden ein wachsendes Interesse im Bereich Sicherheit im Netz erleben, auch wenn die Regierungen versuchen werden, die Bevölkerung von der Nutzung von Verschlüsselungstools abzuhalten.

Ziel für 2016: Investiere in digitale Bildung und Entwicklung.


Image (adapted) “Busy traffic” by dingcarrie (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 27. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Donald Trumps Wege zur US-Präsidentschaft, Datenschutz, die Deutsche Post, einen ersten Rückgang beim iPhone und um Schlafstörungen durch soziale Netzwerke. Ergänzungen erwünscht.

  • DONALD TRUMP Carta: Trumps Weg zur US-Präsidentschaft: In Deutschland kann sich bislang keiner so richtig Vorstellen, dass Donald Trump vielleicht mal der nächste US-amerikanische Präsident sein soll. Mit seinen  Sprüchen, macht er sich hierzulande nicht gerade beliebt. Allerdings stehen in Amerika seine Chancen den Wahlkampf zu gewinnen gar nicht mal schlecht. Seine Masche scheint bei den meisten Wählern, die er zum Gewinnen der Nominierung und der Präsidentschaftswahl benötigt, sehr gut anzukommen.

  • DATENSCHUTZ heise online: Autoindustrie und Datenschützer: KfZ-Daten unterliegen dem Datenschutz: Datenschutz ist ein heikles Thema und wird oftmals leider nicht so ernst genommen, wie es sich die meisten Nutzer wünschen. Die deutsche Automobilindustrie und die Datenschutz-Aufsichtsbehörden aber, haben sich nun nach über einem Jahr der Verhandlungen darauf geeinigt, dass alle im Fahrzeug anfallende Daten, als personenbezogen gelten sobald sie mit der Fahrzeugidentifikationsnummer oder dem Kfz-Kennzeichen verknüpft sind. Der Datenschutzbeauftragte Thomas Kranig bezeichnete das als einen ersten großen Aufschlag.

  • DEUTSCHE POST Handelsblatt: Deutsche Post plant Offensive gegen Amazon: Amazon setzt sich von Tag zu Tag stärker durch und plant nach der Eröffnung des ersten Paketzentrums in Olching bei München, nun weitere Zentren in Deutschland. Die Deutsche Post möchte jetzt den Gegenangriff starten und reagiert mit dem Ausbau der eigenen Paketsparte. Dafür plant die Deutsche Post ca. 10.000 Neueinstellungen bis zum Jahre 2020. Bereits jetzt ist es schon zu 4.000 Einstellungen gekommen. Außerdem möchte das Unternehmen auch einige Investitionen in die Infrastruktur tätigen.

  • APPLE FOCUS Online: Telekommunikation: Erster Rückgang beim iPhone steht bevor: Für einen neuen Rekordgewinn reichte es gerade noch, obwohl die Verkaufszahlen deutlich zurück gingen. Die Rede ist von Apple. Seit der Markteinführung im Jahre 2007 steuert Apple das erste Mal auf einen Rückgang der iPhone-Verkäufe zu. Obwohl das Weihnachtsgeschäft mit das wichtigste ist, gab es hier nur noch einen minimalen Zuwachs von 0,4 Prozent und trotzdem reichte das – wenn auch nur knapp – um einen Rekordgewinn zu erzielen. Der Grund dafür ist unter anderem laut Apple, die schwache Konjunktur in mehreren wichtigen Märkten.

  • SCHLAFSTÖRUNGEN heise online: Studie: Soziale Netzwerke und schlechter Schlaf gehören zusammen: Eine sehr interessante und aufschlussreiche Studie zeigt nun, dass junge Erwachsene, die sich viel in sozialen Netzwerken aufhalten, öfter unter Schlafstörungen leiden. Die 1.788 getesteten Personen aus den USA im Alter von 19 bis 32, verbrachten im Durchschnitt täglich knapp eine Stunde auf sozialen Plattformen und griffen etwa 30 Mal auf verschiedene soziale Netzwerke zu. Daraufhin haben Forscher bei 30 Prozent der Teilnehmer Schlafstörungen gemessen. Hierfür gibt es die unterschiedlichsten Erklärungen, wie beispielsweise das grelle Licht des Bildschirms vom Smartphone oder auch emotionale Aufreger, die das Einschlafen deutlich erschweren.

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Kontakte sind wichtig – ein gutes Gespräch ist wichtiger!

Businessman (Teaser by Unsplash (CC0 Public Domain), via Pixabay)

Die sozialen Netzwerke und ihre Kontakte haben viele Vorteile – aber auch einige Nachteile. Denn Technik, die alles möglich machen kann, kann auch einiges zerstören: wir verlernen, ein richtig gutes Gespräch zu führen. Ein US-Häftling, der wegen versuchten Mordes an einem Polizisten in Haft saß, wurde nach 44 Jahren Haft entlassen. Als der nun 69jährige Otis Johnsen die Straßen von New York City betrat, traute er seinen Augen kaum. Die Menschen schienen auf den Straßen Selbstgespräche zu führen, während ihnen futuristische Kopfhörer an den Ohren hingen. All das erinnerte ihn an Agenten der CIA. Es war, als würden die Menschen in ihrer eigenen kleinen Blase leben, denn sie beachteten ihre Umgebung kaum, stattdessen starrten sie ihre Smartphones an, während sie die Straße überquerten.

Die moderne Technik hatte Johnsen einen massiven Kulturschock beschert, den Schock, in einer Welt zu leben, in der Technik rasend schnell die Art, wie wir leben und wie wir miteinander umgehen, verändert hat.

Die Psychologin und angesehene Professorin Sherry Turkle verfasste im Jahr 2013 am renommierten Massachusetts Institute of Technology ihr Werk „Alone Together“. In diesem Buch hinterfragt sie, in welchem Ausmaß soziale Medien Menschen tatsächlich zusammenbringen. Nachdem sie jahrzehntelang der Frage nachging, inwiefern moderne Technologien zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen, schlussfolgerte sie, dass wir uns durch die allgegenwärtige Technik von Konversationen zu Konnektivität, also von Gesprächen zu Beziehungen, bewegen.

Zwischenmenschliche Beziehungen scheinen, im Vergleich zu einfachen Gesprächen, eine grundverschiedene Qualität sozialer Interaktion zu vermitteln. Turkle benutzt dabei die Metapher eines kontinuierlichen Flusses kleiner Informationen, ganz wie die hübsch verpackten 140 Zeichen auf Twitter.

Das Gespräch beruht auf den Bedingungen des Zuhörens und der Empathie, zudem muss aktiv Beachtung geschenkt werden, statt nur online ein Statusupdate zu kommentieren und gleichzeitig am Telefon zu sein, Wäsche zu waschen oder Essen für die Kinder zuzubereiten.

So ähnlich geht es auch in der Welt des Online-Dating zu. Man entfernt sich von traditionellen, detaillierten Dating-Profilen, die es früher möglich gemacht hatten, einen passenden Partner auf der Grundlage von umfangreichen psychologischen Bewertungsbögen zu finden. Stattdessen werden oberflächliche Apps wie Tinder genutzt, die sich um keine der Möglichkeiten scheren, wie man zusammenpassen könnte, sondern auf die Reaktion des Nutzers auf ein Profilbild angewiesen sind. Du kannst den Haarschnitt dieser Tinderella nicht ausstehen? Wisch sie weg. Du magst den Schnurrbart dieses Typen nicht? Ein Wisch – und er ist weg.

Dies könnte nicht weiter entfernt sein von wertvollen Unterhaltungen und echten vertrauten Menschen. Die Entstehung dieser neuen Aufreißerkultur wirft neue Fragen auf: wie stehen wir zueinander und welche Kriterien nutzen wir für die Partnersuche? Die Forschung auf diesem Gebiet ist praktisch nicht existent, es wird sich erst noch zeigen, welche Auswirkungen das auf entstehende und anhaltende Beziehungen hat.

Zusammen allein?

Das Internet erhöht die Anzahl an zwischenmenschlichen Beziehungen, aber zugleich schmälert es möglicherweise unsere Fähigkeit, echte, tiefgründige und bedeutungsvolle Unterhaltungen miteinander führen zu können. Dieses Phänomen wurde 1998 in einer Untersuchung von Robert Kraut und Kollegen als das ‚Internet-Paradoxon‘ bezeichnet. Es beschreibt, wie die zunehmende Vernetzung durch neue Technologien unser soziales Engagement entgegen der Intuition vermindert und dadurch Einsamkeit fördert. Sind wir tatsächlich zusammen allein, wenn wir soziale Medien nutzen?

Meine eigene Recherche untersucht die möglichen negativen Konsequenzen der Internetnutzung. Ich habe mir angeschaut, wie Psychotherapeuten Menschen weltweit behandeln, die sich aufgrund einer Internetsucht in ihre Praxis einfinden. Einer der 20 von mir interviewten Therapeuten erzählte mir:

„[Meine Patienten] glauben tatsächlich, dass Menschen mehr von ihnen wollen, als sie tatsächlich wollen. Zweifellos befürchten sie die Unnachgiebigkeit eines dauernden Nachrichtenstroms… Aber gleichzeitig herrscht die Angst ausgeschlossen zu werden.“

Dieser Befragte weist auf einen Zustand hin, der als FOMO („fear of missing out“) bezeichnet wird, also die Angst, etwas zu verpassen. Es beschreibt die „allgegenwärtige Befürchtung, dass andere möglicherweise eine befriedigende Erfahrung erleben, bei der man abwesend ist“. FOMO ist der Druck. ständig mit sozialen Medien verbunden und präsent zu sein, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

FOMO kann zu zwanghafter Nutzung von sozialen Medien führen, was sich wiederum zu einer Sucht entwickeln kann. Die Erforschung dieser Sucht ist relativ selten im Vergleich zur Spielsucht, aber in einer Arbeit aus dem Jahr 2011 behandelte ich die Nutzungsmuster, Beweggründe, Persönlichkeiten der Nutzer und negative Konsequenzen der Nutzung sowie potentielle Abhängigkeit.

Ich konnte in meinen Nachforschungen zeigen, dass soziale Netzwerke hauptsächlich für gesellschaftliche Verpflichtungen genutzt werden, besonders um wirklich existierende Beziehungen aufrecht zu erhalten. Unterschiedliche Menschen nutzen soziale Netzwerke auf unterschiedliche Art und Weise. Zum Beispiel nutzen es extrovertierte Menschen für eine Verbesserung des sozialen Zusammenhalts, introvertierte Menschen nutzen es hingegen zur sozialen Kompensation. Dies lässt darauf schließen, dass soziale Netzwerke verschieden ausgeprägte Vorteile für ihre Nutzer bieten.

Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Nutzung sozialer Netzwerke zu weniger Beteiligung am realen Leben führen kann sowie zu geringeren akademischen Leistungen und Beziehungsproblemen, sodass sie als Indikatoren für einen krankhaften Gebrauch gelten könnten. Dies lässt darauf schließen, dass soziale Medien bei mäßigem Gebrauch gewisse Vorteile bieten, aber andererseits bei exzessiver Nutzung zu mit Sucht gleichgesetzten Problemen führen.

Wohin führt uns das nun also? Vielleicht sollen wir uns einmal selbst beobachten, um das herauszufinden.

Wir sollten alle unsere Smartphones, Tablets, Laptops und Smart Watches in der Schublade lassen, um ein paar ruhige Stunden mit unseren Lieben zu verbringen. Vielleicht sollten wir uns bemühen, diesmal nicht die witzigen Bemerkungen des merkwürdigen Onkels zu twittern, unsere Follower über unsere Mahlzeiten zu informieren oder witzige Hundebilder zu präsentieren. Wer weiß, vielleicht erleben wir dann auch das eine oder andere gute Gespräch, ohne dass uns die Technik dabei stört.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „CC0 Public Domain)


The Conversation

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Nach den #ParisAttacks: Paris in der Schockstarre

Paris (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Paris ist im Ausnahmezustand. Mehr als 120 Menschen kommen am 13. November bei Terroranschlägen ums Leben, rund 250 Menschen sind verletzt. In der Nacht zum Samstag überschlagen sich die Ereignisse und die sozialen Netzwerke werden zu dem Anker, der noch bleibt, wenn alles außer Kontrolle gerät. Facebook fragt mich, ob ich in Sicherheit bin. Erst fand ich die “Überprüfung des Sicherheitsstatus”, die kurz nach den ersten Anschlägen in Paris auf meinem Profil aktiviert wurde, albern. Dann verstand ich, welches Ausmaß die Ereignisse um mich rum haben. Und dass es für dieses eine Mal für Freunde und Familie gut war, dass Facebook genau wusste, wo ich mich befinde und das mit vielen teilen konnte: Und zwar endlich um 2 Uhr nachts “in Sicherheit”.

Die Bar “Le Barav” ist nur wenige Minuten Fussweg von dem Konzertsaal entfernt, in der wir uns gegen Abend trafen. Um 22:44 Uhr bekomme ich eine SMS einer Freundin. Ob alles in Ordnung wäre. Warum sie das schreibt, verstehe ich einige Minuten später, wie auch alle anderen Gäste in der Bar. Die Ereignisse, die darauf folgen, erinnern an den 11. September 2001. Die Stimmung kippt schlagartig. Keiner lacht mehr, alle sitzen nur noch an ihrem Handy oder verfallen in diese merkwürdige Schockstarre, in die die ganze Stadt bis jetzt noch versetzt ist. Die Straßen sind wie leergefegt. Wenn sich jemand draussen bewegt, dann rennend. Die Terrasse ist in wenigen Minuten geräumt – alle werden gebeten in die Bar zu kommen. Und dort zu bleiben. Niemand rechnet zu dem Zeitpunkt mit mehr als 120 Toten und rund 250 Verletzten, davon viele schwer.

Die Informationen überschlagen sich. Erst hört man von einer Schiesserei in der Nähe. Dann wird klar, dass es ein Attentat ist. Mit einer Massengeiselnahme in der Konzerthalle Bataclan nebenan. Es sollen auch Schüsse in umliegenden Cafés fallen. Außerdem gibt es Explosionen am Stade de France. Die interaktive Karte von Paris, auf der alle betroffenen Orte angezeigt werden, muss ständig aktualisiert werden. Gute Freunde von mir sind bei dem Fussballspiel, bei dem gerade von zwei Selbstmordattentätern gesprochen wird. Ich selbst wollte eigentlich an dem Abend auch zu dem Spiel, habe mich aber kurzfristig umentschieden. Dass ich dafür an einem anderen Brennpunkt gelandet bin, ist Unglück im Unglück.

Trotzdem war das Schicksal auf meiner Seite an dem 13. November, der den Franzosen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Denn wir konnten, nachdem wir zwei Stunden in der Bar ausharren mussten, per Fahrrad zu der Wohnung meiner Freundin flüchten. Ihr Freund fuhr mit dem Roller vor, checkte die Straßen ab und wir folgten ihm durch das sprachlose, gelähmte Paris. Verkehrsregeln waren völlig egal – Hauptsache weg von dem Attentat, das sich in greifbarer, hörbarer und fühlbarer Nähe befand.

Paris ist erschüttert über die neuen Anschläge. Es ist hier eine andere Stimmung als bei Charlie Hebdo, da diesmal nicht eine Institution sondern die Bürger selbst angegriffen wurden. Wahllos wurde auf die Menschen abgefeuert. Und das an mehreren Orten zum gleichen Zeitpunkt. In der Nacht entwickelt sich mit der Dynamik der Ereignisse auch die Aktivität in den sozialen Netzwerken, die ihrer Funktion gerecht werden: Sie vernetzen Menschen, die in dem Chaos aus Angst, Unruhen und Unsicherheit irgendwie einen Anhaltspunkt suchen.

Unter dem Hashtag #PortesOuvertes (Offene Türen) werden Schutzsuchenden, die auf dem Nachhauseweg blockiert sind, Zuflucht in den eigenen vier Wänden geboten. Vermisste Personen werden per Hashtag #rechercheParis gesucht. Solidarität unter allen Parisern, die sich in Worten (#NousSommesUnis – Wir sind vereint) und Gesten (#UneBougiePourParis – Eine Kerze für Paris) ausdrückt. Die Netzwerke werden zu den Plattformen, über die in irgendeiner Weise geholfen werden kann. Denn das, was neben der Fassungslosigkeit und tiefen Trauer am meisten dominiert, ist die Hilflosigkeit.

Mittlerweile sind über die Hälfte meiner Facebook-Kontakte der Aufforderung des Netzwerkes nachgekommen: “Ändere dein Profilbild, um deine Unterstützung für Frankreich und die Menschen in Paris zu zeigen”. Ihr Profilbild wird von den französischen Farben geziert. Irgendwie versucht man in dieser Zeit, für die es eigentlich keine Worte gibt, Zeichen zu setzen. Wer nicht zu den vielen Orten des Gedenkens, wie dem Place de la Republique kommen will oder kann, zeigt online seine Anteilnahme.

Wahrscheinlich wird erst in ein paar Tagen dieser Medien-Hype, der an diesem Pariser Wochenende entsteht, hinterfragt. Gerade sind noch ganz andere Fragen wichtig: Wo sind meine Freunde und meine Familie? Kann ich wieder auf die Straße? Und wie geht es jetzt hier weiter?


Teaser & Image “Paris” via Unsplash/Pixabay


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Digitale Hilfe für Flüchtlinge zwischen Regierung und Zivilgesellschaft

smartphone teen (adapted) (Image by Pabak Sarkar [CC BY 2.0] via flickr)

Im Netz finden sich viele wichtige Informationen für Flüchtlinge und Helfer. Online-Angebote der Bundesländer setzen dabei auf ganz unterschiedliche Formate.

Das Netz ist beim Geschehen um Flucht und Aufnahme von Flüchtlingen nicht nur ein Ort polemischer Auseinandersetzung sondern auch spontaner Selbstorganisation. Dies betrifft die Flüchtlinge, für die Smartphones und soziale Netzwerke essenzielle Instrumente sind, aber auch die Flüchtlingshilfe, in deren Kontext sich bislang nicht vernetzte Freiwillige zuweilen grenzüberschreitend koordinieren. Politisch-administrative Angebote können diese Dynamik nur mit einigem Zeitverzug nachvollziehen. Die betreffenden Plattformen verfolgen dabei diverse Ziele, wie ein Blick auf drei Bundesländer zeigt.

Relativ früh war die hessische Landesregierung mit einem Online-Angebot am Start, allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine themenspezifische Variante des Portals hessen.de. Ebenso wie die Landesministerien dort eigene Dependancen unterhalten, gibt es jetzt fluechtlinge.hessen.de. Und im selben Format wie bei Finanzen oder Wirtschaft werden hier maßgeblich einschlägige Inhalte aus der Öffentlichkeitsarbeit der einzelnen Ressorts sowie der Staatskanzlei präsentiert.

Insofern wird hier vor allem über die aktuelle Arbeit der Administration berichtet, sowie dem deutschsprachigen Publikum die Einrichtungen und Maßnahmen der Asylpolitik erklärt. Abgesehen von einem Formular zur Einreichung privater Unterkunftsangebote für Asylbewerbende, wird für Mitmach-Möglichkeiten eher auf existierende respektive externe Angebote verwiesen, wie die als Schnittstelle zwischen Hilfsgesuchen und Hilfsangeboten konzipierte Plattform peoplelikeme.hr.de, für die der Hessische Rundfunk verantwortlich ist.

Ein solches Matching-Tool bietet in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung selbst an: ich-helfe.nrw ist eine Börse, die die Zivilgesellschaft bei der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe unterstützen soll. Dazu werden lokale Initiativen inklusive ihres Bedarfs an Sach-, Zeitspenden und insbesondere Übersetzungsleistungen erschlossen. Das ist praxisnah, doch bevor Interessierte zur zentralen Eingabemaske gelangen, sollen sie dann doch erst ein Video der Ministerpräsidentin zur Kenntnis nehmen, in dem Hannelore Kraft das Angebot vorstellt.

Wenig politische PR trotz Wahlen

Konsequent an Flüchtlingen als Zielgruppe orientiert, zeigen sich hingegen zwei Angebote aus Rheinland-Pfalz. Das beginnt bei der Ausrichtung am englischen Begriff “refugee” bei refugees.rlp.de und einer Ausführung der Inhalte in drei Sprachen – derzeit Deutsch, Englisch und Arabisch, weitere sollen folgen. Geliefert werden vorrangig Informationen zum Asylverfahren und zum Leben in Deutschland. Hilfreich dürfte für Flüchtlinge sein, dass die Darstellung für die Anzeige auf Mobilgeräten gut geeignet ist.

Dies gilt auch für ein spezialisiertes Angebot, das die Studienmöglichkeiten für Flüchtlinge im Bundesland vorstellt. Der konkrete Weg zum Studium lässt sich unter studium-fluechtlinge-rlp.de schrittweise durch Beantwortung von Fragen ermitteln. Interessant ist, dass die rheinland-pfälzische Regierungskommunikation im Vergleich am wenigsten Aspekte politischer PR aufweist, obgleich hier bald Landtagswahlen anstehen, und die aktuelle Stimmungslage für die rot-grüne Koalition den Erhebungen des ZDF-Politbarometers zufolge nicht gerade günstig aussieht.

Civic Tech und E-Government

Bei der adäquaten Aufbereitung von Inhalten durch Online-Angebote, die sich am Informationsbedarf der Flüchtlinge orientieren, lassen sich Defizite bei der Regierungskommunikation noch durch bürgerschaftliches Engagement kompensieren wie zahlreiche “Civic-Tech”-Projekte zeigen.

Die eigentliche Herausforderung liegt für staatliche Stellen derzeit bei der Registrierung, wie der Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Franz-Reinhard Habbel, in einem umfangreichen Überblick unter dem Titel “Integration durch Digitalisierung” zeigt. Die aktuelle Situation offenbart nämlich den digitalen Modernisierungsbedarf der Verwaltung und die nach wie vor bestehende Notwendigkeit eines entsprechenden Mentalitätswandels: Es geht nicht um die Einführung und Nutzung proprietärer Software für spezialisierte IT-Problemlösungen, sondern um E-Government-Konzepte, die sich an Partizipation, Responsivität und Transparenz orientieren.

Eine solche Transformation maximiert dann wiederum die Möglichkeiten für kollaborative Projekte einer digitalen Zivilgesellschaft, die im Zuge der Flüchtlingshilfe auch in Deutschland an Kontur gewonnen hat.


Image (adapted) “smartphone teen” by Pabak Sarkar (CC BY 2.0)


 

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Digital Diaries: „Mein Körper und ich“

Youtube (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

In der zweiten Folge der Doku-Reihe Digital Diaries geht es um die Selbstdarstellung einzelner YouTuber, die ihre Erfahrungen, die sie mit sich und ihrem Körper gemacht haben, im Internet teilen.

YouTube ist die ideale Plattform für Selbstdarstellung. Hier präsentieren viele Menschen ihren Körper einer kritischen Community. Acht deutsche Videoblogger erzählen von ihrem ganz persönlichen Körperbild – zwischen Bodybuilding, Schlankheitswahn, Schönheitsoperationen und Tattookult. Sie alle verbindet der Wunsch nach Veränderung ihres Körpers. Die damit verbundenen Schwierigkeiten dokumentieren sie schonungslos und erklären ihren Antrieb, ihren Körper im Internet öffentlich zur Schau zu stellen. Jennifer Eilitz hat sich die zweite Folge der Doku-Reihe Digital Diaries, die am 4. September um 22.50 Uhr im WDR ausgestrahlt wird, schon vorab angesehen.

Bedenkliche Einflüsse

Acht YouTuber haben die unterschiedlichsten Erfahrungen gesammelt, aber eines haben sie gemein: in ihrem Leben steht ihr Körper im Mittelpunkt. Jeder der Videoblogger hat seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht, über die er in der zweiten Folge der Digial Diaries berichtet. Sie stehen an der Grenze zwischen Hobby und Sucht. Woher dieser Schönheitswahn genau kommt, ist schwer zusagen, aber die im Fokus stehenden digitalen Einflüsse können nicht unerwähnt bleiben.

Auch gedruckte Zeitschriften über Stars, Lifestyle und Mode haben oftmals einen Einfluss auf die Menschen, der nicht ganz ungefährlich ist. Sie wecken in uns den Gedanken sich selbst, sein Leben oder seinen eigenen Körper zu verändern. Es wird uns ein Schönheitsideal aufgezeigt, welches oftmals gar nicht der Realität entspricht und sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann.

Beatrix Klimpke hat sich ebenfalls von solchen Idealen blenden lassen. Die Folge: Bulimie. In regelmäßigen Video-Tagebüchern spricht sie über ihre Gefühle, Ängste und die Krankheit. Damit erreicht sie nicht nur, dass sie sich selbst ein bisschen besser fühlt, sondern auch andere Menschen, die von dem gleichen Schicksal betroffen sind. Denn nicht immer finden die Betroffenen hilfreiche Videos auf Plattformen wie YouTube. Clips über Magersucht kursieren auch hier und schenken den Mädchen ein grausames Erscheinungsbild von sich selbst. Sie animieren dazu noch mehr abzunehmen und verherrlichen diese Art von Krankheit.

Der Kontakt der zwischen Zuschauer und Vlogger entsteht, zeigt den Betroffenen auch, dass sie nicht alleine mit ihren Problemen dastehen und im Netz Verbündete finden. Die Leute werden leichter animiert, selbst einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen, da sie anhand der Beispiele die Erfolge der YouTuber beobachten können.

Soziale Plattformen als Ventil

Da die Vlogs sehr lebensnah sind und tiefe Einblicke gewähren, vermitteln sie einem ein Stück Realität. Die Zuschauer können sich besser in die Thematik hineinversetzen und auch Außenstehende, die nicht von solchen Krankheiten betroffen sind, können die Hintergründe besser nachvollziehen. Der Zuschauer kann vor allem für sich mitnehmen, dass auch Einflüsse aus dem digitalen Bereich die Menschen sehr stark lenken können und das man dem Schein dahinter, nicht immer Glauben schenken sollte. Zudem zeigt sich, dass viele die ein schwerwiegendes Schicksal mit sich tragen, ihren Kummer per soziale Plattformen öffentlich machen, um dadurch neuen Mut und vor allem Kraft zu schöpfen.

Persönliche Einblicke

Die Reportage gestaltet sich daher so interessant, da die Videos aus dem persönlichen Archiv der YouTuber stammen. Es wirkt weniger aufgesetzt und gewährt dem Publikum einen Einblick in deren Videoblogs. Am Anfang der Dokumentation wird jeder YouTuber samt seiner Geschichte kurz vorgestellt. Dadurch weiß man sofort, was einen in dieser Doku erwartet.

Einen durchaus positiven Effekt hat der Beitrag von Monika Abraham. Die spricht über ihre Nasen-Operation, und präsentiert sich nach dieser sehr natürlich im Netz. Dadurch versucht sie den Zuschauer über die Folgen einer Schönheits-OP aufzuklären. Welche Schmerzen diese mit sich bringen und wie das Resultat aussieht, zeigt sie, in dem sie täglich darüber berichtet.

Etwas unpassend sind allerdings die Übergänge der einzelnen Beiträge. Der abrupte Wechsel zwischen den YouTubern, lässt einem keinen Spielraum um die neue Situation zu verstehen. Manchmal verliert man den Überblick, um wen es sich tatsächlich handelt und man muss sich erst mal wieder auf das neue Thema einstellen. Da jeder mehr oder weniger über die eigene Sucht oder die eigenen Probleme erzählt, ist der Beitrag über Schminke und Mode weniger passend. Weder Sucht, noch Erkrankung oder sonstiger Körperkult ist hier zu erkennen. Lediglich über Mode zu vloggen, erscheint mir nicht Aussagekräftig genug, um es als Sucht oder Problem zu bezeichnen.

Fazit

Alles in einem ist es eine gelungene Dokumentation, da sie in sehr lebensechter Art und Weise über Gefahren und Folgen aufklärt und die Zuschauer dazu animiert, sich ihren Problemen zu stellen. Außerdem wird einem hier ganz klar gezeigt, dass man nicht alleine ist und auch im Netz jederzeit Leute mit ähnlichen Leiden finden und ansprechen kann. Das Internet ist in der heutigen Zeit zu einem wichtigen Medium geworden, um offen über seine Gefühle und Ängste zu sprechen. Denn es wird immer jemand erreicht, der sich angesprochen fühlt.

Die Sendung “Mein Körper und ich” wird am Freitag, den 4. September, um 22.50 Uhr im WDR ausgestrahlt. Gestern lief bereits die erste Folge zum Thema Sexualität.


Kommende Folgen aus der Reihe Digital Diaries:

  • Mein Tutorial – Freitag, 11. September, 22.50 Uhr im WDR

  • Mein Krebstagebuch – Freitag, 18. September, 22.50 Uhr im WDR


Image (adapted) „Youtube“ by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)

 


 

 

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Die Opt-out-Kultur der sozialen Netzwerke

Social Media apps (adapted) (Image by Jason Howie [CC BY 2.0] via Flickr)

Wer neue Funktionen in sozialen Netzwerken nicht nutzen möchte, muss beständig auf der Hut sein und Häkchen in den Einstellungen entfernen. Wer Opfer von Identitätsdiebstahl wurde oder durch Profiling-Agorithmen verdächtigt wird, muss seine Unschuld beweisen. Eine Opt-out-Kultur ist entstanden, die der Gesellschaft schadet, so das italienische Forscherkollektiv Ippolita.

Daten von Nutzern werden nach Belieben geändert

Die Macht des Defaults liegt in der Macht der Anbieter der sozialen Netzwerke, für Millionen von Nutzern Voreinstellungen zum Beispiel beim Datenschutz festzulegen und diese nach Belieben und oft ohne Wissen der Nutzer zu ändern. In Hinblick auf die freie Wahl ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz, die eine nähere Betrachtung lohnt: eine Opt-out-Kultur entsteht. Wenn Facebook praktisch ohne Vorankündigung die Einstellungen für Millionen von Nutzern ändert und nur undurchsichtige oder jedenfalls nachgeschobene Information dazu liefert, wird stillschweigend vorausgesetzt, dass die Nutzer eigentlich gar nicht wissen, was sie wollen, oder dass der Anbieter es zumindest besser weiß.

Die sozialen Netzwerke akkumulieren enorme Datenmengen über die Vorlieben jedes einzelnen Nutzers und können diese mithilfe ihrer Feedback-Systeme (Votes, Likes, Missbrauchsmeldungen und andere Mechanismen) immer effizienter analysieren und zusammenführen. Sie speichern praktisch die wahre Identität ihrer Nutzer und gewinnen eine umfassendere Sicht auf sie, als die Nutzer sie vielleicht selbst besitzen. Aus der Perspektive der Anbieter sozialer Netzwerke ist es logisch, dass jede Änderung für die Nutzer von Vorteil ist – die gewonnen Daten sind der beste Beweis. Später können die Nutzer immer noch ihr Einverständnis bestreiten und die Neuerung ablehnen (Opt-out).

Die Annahme, dass neue Versionen immer besser sind, wird leichthin akzeptiert, führt jedoch zu einem Diktat der Innovation um ihrer selbst willen. Die Sache ist heikel, denn technisch gesehen wird es immer schwieriger, viele Millionen Nutzer in die Lage zu versetzen, unkompliziert zu entscheiden, was sie teilen wollen und wie. Offensichtlich sind die Betreiber der sozialen Netzwerke nicht allein dafür verantwortlich, ihren Nutzern Datenschutzeinstellungen anzubieten, die schwer in den Griff zu bekommen sind. Auch für Nutzer besteht die “optimale” Strategie in der datengetriebenen Welt der radikalen Transparenz oft darin, die Einstellungen lieber den Anbietern zu überlassen. Delegation gehört zum Wesen dieser Werkzeuge. Die Nutzer erwarten möglichst einfache Anwendungen, wollen jedoch ausdrücklich selbst entscheiden, zu welchem Grad und mit welcher Sichtbarkeit sie Dinge mit anderen teilen.

Freie Entscheidung vs. einfache Anwendungen

Vom Standpunkt der Anbieter sozialer Netzwerke ist es nicht einfach, gleichzeitig nutzerfreundlich zu sein, ein Massenpublikum zu erreichen und die ausdrückliche Zustimmung der einzelnen Nutzer einzuholen. Es ist also für beide – Dienstanbieter wie Nutzer – schwieriger und umständlicher, einer Opt-in-Logik zu folgen als die Entscheidung einfach an einen Algorithmus zu übertragen. Delegieren ist einfacher als alles selbst zu verwalten. Freie Entscheidung und Autonomie sind immer schwierig und riskant; im Massenmaßstab sind sie unmöglich.

Auch können wir in der “Google-Kultur” einen Kult der Innovation, von permanenter Forschung und Entwicklung beobachten, die dazu führt, dass neue Software meist in ungetesteten Beta-Version veröffentlicht wird. Wirklich brauchbar wird die Software erst, nachdem das Feedback der Anwender eingearbeitet wurde. Eine schlechte Neuerung zu riskieren, wird für die Anbieter so zu einem überschaubaren Risiko, weil jeder Schritt korrigiert werden kann, wenn sich zu viele Nutzer beschweren.

Betrachten wir ein praktisches Beispiel: Seit Dezember 2010 stellt Facebook seinen Nutzern eine Gesichtserkennungsfunktion zur Verfügung, um hochgeladene Fotos automatisch mit Nutzernamen zu versehen. Fotos werden durchsucht und Gesichter auf Basis bereits zugeordneter Bilder aus Zuckerbergs Datenbanken identifiziert. Als die Software in den USA eingeführt wurde, löste sie wegen der Gefahren für die Privatsphäre einen Sturm der Entrüstung aus.

Facebook entgegnete, die User könnten die Funktion doch einfach abschalten. Es genüge, einmal in die Privatsphäre-Einstellungen zu gehen und per Opt-out die automatische Foto-Tagging-Funktion zu deaktivieren. Natürlich hat Facebook, als die Technologie eingeführt wurde, es vernachlässigt, seine Nutzer – ob Einzelpersonen oder Firmen – zu benachrichtigen, dass die Gesichtserkennung standardmäßig aktiviert worden war. [In Europa hat Facebook die automatischen Vorschläge zur Gesichtserkennung seit 2012 deaktiviert, Anm. d. Red.]

Die Folgen des “Release early, release often”

Facebook ist nicht allein: Auch Google, Microsoft, Apple und die US-Regierung haben neue automatische Gesichtserkennungssysteme entwickelt. Vorgeblich im Interesse der Nutzer und zu dem Zweck, die Bürger vor gefährlichen Terroristen zu schützen. Aber das Gefahrenpotenzial der Technologie ist erschreckend. Im Worst-case-Szenario kann ein autoritäres Regime halbautomatisiert Gesichter mittels öffentlicher Kameras aufzeichnen, Dissidenten markieren, ein umfassendes System der Überwachung installieren und zu einem beliebigen Zeitpunkt zuschlagen. In demokratischen Gesellschaften wird die Technologie für jeden technisch bewanderten Interessenten verfügbar sein.

Die Logik des Opt-out folgt dabei dem Motto der Software-Entwickler: Release early, release often (RERO) – also der Regel, neue Versionen einer Software so häufig und so früh wie möglich zu veröffentlichen. Mit stetigen Aktualisierungen und Nutzer-Feedback wird die Software sukzessive verbessert. Allerdings können soziale Beziehungen nicht nach Art solcher logischen Kreisläufe kodifiziert werden. Fehlbeurteilungen bei der Einführung neuer Technologien können hier zu großen Kollateralschäden führen.

Unschuldsvermutung wird zur Schuldvermutung

Paradoxerweise führt die “Webisierung” des Sozialen durch massenhaft gesammelte Profile zu antisozialen Ergebnissen, zum Beispiel, wenn allein aufgrund von Zusammenhängen in den Daten auf unsere vermeintliche Schuld an einem Vergehen geschlossen wird – oder bei ihrem Fehlen auf unsere Unschuld. Wenn Entscheidungsträger zukünftig immer mehr ihrer Macht an Algorithmen delegieren, ist mit einer wachsenden Zahl falscher Einschätzungen zu rechnen, die in der Offline-Welt oder in dezentralisierten Systemen leicht vermeidbar gewesen wären. Denselben Namen zu tragen wie ein bekannter Krimineller oder ein polizeilich gesuchter Terrorist, wird per Datenverknüpfung bereits zu einem Vergehen. Die Maschinen machen uns zu Angeklagten, wenn sie uns nicht von einer Person gleichen Namens unterscheiden können.

Ist unsere Identität gestohlen worden, hat jemand unsere Kreditkarte für illegale Aktivitäten genutzt oder werden wir Opfer eines Betrugs, sind wir im Spiegel unseres digitalen Egos zweifelsohne als schuldig zu betrachten. Nicht die Unschuldsvermutung, sondern die Schuldvermutung herrscht in dieser Ordnung. Profiling-Prozeduren, wie sie aus der Erstellung von Täterprofilen stammen, führen zu einer Kriminalisierung der Gesellschaft. Nutznießer sind am Ende diejenigen, die tatsächlich böse Absichten hegen und deshalb von vornherein auf ein Alibi achten.

Einfache Nutzer sind durch ein Profiling, das sie in potenzielle Angeklagte verwandelt, allen möglichen Arten von Missbrauch ausgesetzt. Ein Facebook- oder ein Google-Plus-Account gehört seinem Nutzer letztlich nicht. Es ist ein Raum, der gratis zur Verfügung gestellt wird, um den Nutzer in seine kommerziell interessanten Einzelteile zerlegen zu können. Der einzelne Nutzer selbst trägt dagegen keinen Wert. Muss er zeigen, dass er tatsächlich er selbst ist und auch noch unschuldig, lassen sich leicht Gründe finden, ihm den Zugang zu sperren.

Radikale Transparenz: Facebook plus Melderegister

Bei Facebook ist der häufigste Grund dafür die Nutzung eines falschen Namens. In vielen Fällen ist das leicht zu bemerken, in anderen nicht. “Superman” ist wahrscheinlich ein falscher Name, aber welcher Algorithmus kann herausfinden, ob “Ondatje Malimbi” tatsächlich ein kenianischer Nutzer mit einer schwedischen Mutter ist? Um das zu tun, braucht man Zugang zu Melderegistern, Finanzbehörden und Sozialversicherungs-Datenbanken – eine eigentlich gar nicht so unrealistische Aussicht. Wir sollten aber auch festhalten, dass autoritäre Regierungen augenscheinlich weniger Bedenken gegenüber der Schaffung radikaler Transparenz haben.

Die Manager bei den Anbietern sozialer Netzwerke spielen eine entscheidende Rolle bei der Festlegung, was zulässig ist und was nicht. Sie sind daran beteiligt, die Regeln unserer Gesellschaft zu gestalten. Noch haben sie nicht die Macht, jemanden ins Gefängnis zu schicken, aber sie arbeiten aktiv mit den Regierungen zusammen, um die rechtlichen und gesellschaftlichen Regeln des jeweiligen Landes durchzusetzen. Gerade Google hat seit seinen Anfängen mit der amerikanischen intelligence community zusammengearbeitet. Auch die Aufdeckung von PRISM bestätigt, was über Echolon, globales Tracking und Spionage bereits bekannt wurde, inklusive des Problems der direkten, automatischen Verwicklung der großen digitalen Player. Wir dürfen mit einer Reihe weiterer und ähnlicher Skandale in der Zukunft rechnen.

Dieser Artikel ist ein bearbeiteter Auszug aus Ippolitas Buch „In the Facebook Aquarium. The Resistible Rise of Anarcho Capitalism“. Die englische Ausgabe ist kürzlich in einer neuen, überarbeiteten Auflage in der Reihe „Theory on Demand“ (Institute of Network Cultures) erschienen. Der Auszug steht unter der Lizenz CC BY-SA. Der Beitrag erschien zuerst auf iRights.info in deutscher Sprache. Übersetzung: Andreas Kallfelz.


Image (adapted) “Social Media apps” by Jason Howie (CC BY 2.0)


 

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#FromWhereIStand – Ein schöner Online-Trend auf Instagram

instagram (adapted) (Image by Jens karlsson [CC BY 2.0] via Flickr)

Immer wieder überraschen uns neue Online-Trends und Internetphänome, wie zum Beispiel #FromWhereIStand auf Instagram.

Für soziale Netzwerke, wie YouTube oder Facebook, sind die verschiedensten Online-Trends typisch für den Alltag geworden. Neben den berühmten “Selfies”, oder dem mittlerweile weniger beliebten “Duckface”, zieht auch Instagram mit. #FromWhereIStand, übersetzt “Aus meiner Sicht” oder “Wie ich es sehe”, heißt das Internetphänomen, das derzeit mit großer Begeisterung auf der Plattform kursiert. Ein neuer Hashtag, mit einer neuen Bedeutung.

Was verbirgt sich dahinter?

Hinter dem Begriff “#FromWhereIStand” verbirgt sich nicht anderes als eine neue Art von Selfies. Nur hier steht nicht das eigene Gesicht im Vordergrund, sondern die eigenen Füße. Es soll mit diesen Bildern zum Ausdruck gebracht werden, dass man sich tatsächlich an diesem Ort befindet. Es geht nicht darum, wer am besten auf den Bildern aussieht, sondern um das Drumherum. Ein Bild von seinen eigenen Füßen am Strand oder auf einem Berg, sollen den Zuschauern ein schönes Gefühl vermitteln und jeden dazu veranlassen mitzumachen.

Im folgenden habe ich fünf #FromWhereIStand-Fotos, die ich auf Instagram gefunden habe, zusammen kuratiert:

1. Auch als Beweis, dass man wirklich direkt vor einer großen Schildkröte gestanden hat, eignet sich diese Art von Selfie.

 

FROM WHERE I STAND @andrewkuttler // keep tagging #fromwhereistand #fwisfeed

Ein von FROM WHERE I STAND™ (@fromwhereistand) gepostetes Foto am

2. Egal an welchem Ort, die Fotos wirken eigentlich immer echt und alles andere als gestellt.

 

Una vez que haz avanzado, resulta complicado regresar al origen. Así pasa con la vida! Ein von Brenda Osorio (@obo_obo) gepostetes Foto am

3. Im Fokus steht das Drumherum, oft ist die Landschaft das Beeindruckenste an den Bildern.

 

MORE ON SNAPCHAT #champagnelife

Ein von The Blond Macaron (@theblondmacaron) gepostetes Foto am

4. Auch die Liebsten finden auf diesen Fotos ihren Platz.

5. Nebeneffekt: Andere an seinem Alltag teilhaben zu lassen und das bloß anhand von Bildern.


Image (adapted) „Instagram“ by Jens karlsson (CC BY 2.0)


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Preview Cards auf Twitter könnten Publishern weiterhelfen

Twitter (adapted) (Image by Andreas Eldh [CC BY 2.0] via Flickr)

Dank eines neuen Designs bei Twitter, könnten die Tweets von Publishern bald um einiges wertiger werden. Das Unternehmen gab kürzlich bekannt, dass es eine neue Einstellung namens Twitter Cards geben soll, die eine erweiterte Zusammenfassung eines Links darstellt, die dann auf den iOS- oder Android-Geräten zu sehen sein wird. Was genau das für die Medienunternehmen, oder eigentlich für jeden, der seine Links bei Twitter verteilt, bedeutet: den Artikeln soll mehr Platz eingeräumt werden. Sie werden komplett mit Leitartikel und den ersten paar Worten angezeigt.

Wenn Sie schon eine Weile auf Twitter unterwegs sind, haben Sie vielleicht bemerkt, dass dies ein Teil der Pläne des Unternehmens ist, um mehr Medieninhalt in Ihren Feed zu bringen. Features wie Autoplay von Videos, GIFs, oder Werbeanzeigen haben dafür gesorgt, dass das Twitter-Erlebnis kein ununterbrochener Wasserfall an Texten mehr ist. Casey Newton von The Verge erklärt diese Veränderung:

Die ausführlicheren Previews sind noch ein neues Feature bei Twitter (lesen Sie hierzu: “Summary card with large image”) und Sie sehen nur die automatisch erweiterten Links der Publisher, die diese Einstellungen auf ihrer Seite vorgenommen haben. Man muss aber erwarten, dass die meisten Publisher diesem Trend folgen werden, denn indem man die ersten paar Worte des Artikels in den Tweet mit dem entsprechenden Link einfügt, heben sich die großen, bunten Felder von den Nachrichten mit dem twittertypischen Limit von 140 Zeichen deutlich ab. Und natürlich führen auch die  Werbetreiber, die mindestens genauso gierig nach   Favorisierungen und Retweets sind, dies in großen Mengen ein.

Es gibt einen deutlichen Vorteil der Medienunternehmen, die um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen, vor allem, seit wir wissen, dass mehr und mehr Leser ihre Nachrichten über soziale Netzwerke wie Twitter beziehen. Die Twitter Cards sind ein bisher wenig benutztes Werkzeug für die meisten Publisher. Wir bei NiemanLab konnten beispielsweise die Twitter Lead Generation Card nutzen, um die Abonnementzahlen für unseren täglichen Email-Newsletter zu vervielfachen. Natürlich macht Twitter das alles nicht ganz uneigennützig; wenn die Leute mehr Zeit damit verbringen, durch ihre Twitter-Timeline zu scrollen, hat Twitter natürlich auch etwas davon (man vergleiche diese Entwicklung mit den Instant Articles von Facebook). Diese Entwicklung sorgte für Diskussionen im Nachrichten-Business, ob dies eine weitere Bedeutung in dem Kampf um ‘distributed content’ haben könnte , oder ob man dabei als Publisher tatsächlich noch gewinnen kann.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) “Twitter” by Andreas Eldh (CC BY 2.0)


 

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Die wachsende Bedeutung von Nachrichten auf Facebook und Twitter

Facebook Favourites Menu (adapted) (Image by Mixy Lorenzo [CC BY 2.0] via Flickr)

Twitter und Facebook gewinnen als Informationsquellen für aktuelle Nachrichten und Ereignisse außerhalb des eigenen Familien- und Freundeskreises an Bedeutung. So lautet das Ergebnis einer US-amerikanischen Studie des Pew Research Centers, die die Rolle der beiden sozialen Netzwerke in der Nachrichtenrezeption der Nutzer erforschte. Das Pew Research Center in Kooperation mit der John S. and James L. Knight Foundation veröffentlichte bereits im Oktober 2013 eine Studie über die Rolle von Nachrichten für soziale Netzwerke. Diese Untersuchung wurde in der neuen Studie “The Evolving Role of News on Twitter and Facebook” (2015) wiederholt und jetzt veröffentlicht.

Das Ergebnis gibt beeindruckende Einblicke, denn die Zahl der US-Bürger, die Twitter und Facebook auch für Nachrichten nutzen, stieg laut der Umfrage deutlich an. Während 2013 noch 53% (Twitter) und 47% (Facebook) der Befragten angaben, dass diese beiden Netzwerke für ihren Nachrichtenkonsum relevant sind, stieg der Wert beider Netzwerke nun auf 63% an.

Facebook und Twitter zeigen unterschiedliches Potenzial für Nachrichtenrezeption

Wenngleich beide Plattformen denselben Prozentanteil an Nutzern aufweisen, die Nachrichten auf ihren Newsfeed angezeigt bekommen (bzw. sich dessen bewusst sind), neigen Twitter-Nutzer deutlich öfter zum Verfolgen brandaktueller Nachrichten. Twitter dient für diese Nutzer als Plattform zur Verbreitung und zum Konsum von Nachrichten. Die zunehmende Nutzung der sozialen Netzwerke als Nachrichtenquelle findet sich in allen demographischen Gruppen unabhängig von Alter, Geschlecht oder Einkommen wieder. Allerdings dominieren die jüngeren Altersgruppen (bis 35 Jahre) gegenüber älteren Gruppen (ab 35 Jahre) als Nachrichtenkonsumenten. Während jüngere Konsumenten verstärkt auf soziale Netzwerke setzen, sind diese für die allgemeine Informationsbeschaffung bei den Älteren bisher lediglich von sekundärer Bedeutung. Unterschiede gibt es bei den Themenfeldern: Twitter zeigt eine größere Auswahl an Themen und kann in einigen Themenschwerpunkten größere Reichweiten als Facebook aufweisen. Dies gilt beispielsweise für die Bereiche Wirtschaft, internationale und nationale Politik.

Werden Nutzer auch selbst aktiv? 28% der Facebook-Nutzer und 23% der Twitter-Nutzer geben an, selbst aktuelle Nachrichten zu teilen. Dabei zeigt sich, dass sich niedrigere Einkommensschichten (bis 75.000 US-Dollar pro Jahr) häufiger zu Wort melden als höhere Einkommensschichten. Das Nutzungsverhalten beider Netzwerke unterscheidet sich deutlich. Facebook-Nutzer, allerdings nicht nur die “News”-Affinen, fallen wesentlich häufiger durch direkte Auseinandersetzung mit politischen Inhalten auf. Politische Beiträge werden kommentiert, geteilt oder geliked. Derweil bleibt Twitter für seine Benutzer in erster Linie eine Nachrichtenquelle, die Aktualität der politischen Inhalte ist den Followern wichtig. Twitter-Nutzer folgen aus diesem Grund bevorzugt Nachrichtenagenturen und politischen Parteien.

Bemühungen zur Optimierung des Nachrichtenangebotes

Der verstärkte Trend zur Nachrichtenplattform zeigt sich auch in den erweiterten Angeboten der Netzwerke. Twitter arbeitet derzeit an dem Projekt Lightning. Ziel des Vorhabens ist es, eine optimierte Darstellung für Trend-Themen zu gewährleisten. Facebook reagierte im Mai 2015 auf die neuen Entwicklungen und stellte Instant Article vor. Das Geschäftsmodell bietet Medienhäusern nun die Möglichkeit, jegliche Inhalte auf Facebook anzuzeigen, auch ohne über eine eigene Seite zu verfügen. Das Modell stieß dabei in Deutschland auf breite Kritik.

Trends auch auf Deutschland übertragbar?

Die neue US-Studie lässt sich wohl nicht ohne weiteres auf die europäischen und deutschen Nutzungsgewohnheiten übertragen. Die Deutschen gelten etwa in Hinblick auf Twitter als weitaus weniger engagiert als Nutzer aus anderen Staaten. Allerdings dürfte zumindest der Facebook-Trend einige Erkenntnisse bieten. Neben Twitter oder Facebook scheinen auch Online-Giganten wie Google seit einiger Zeit an der Nachrichtenbranche interessiert zu sein. Im April 2015 kündigten Google und acht Verlage eine “Digital News Initiative” an. Das Projekt, welches auch durch große deutsche Zeitungen wie “Frankfurter Allgemeine Zeitung” und “die Zeit” unterstützt wird, soll die Nachrichtenbranche und ihre Projekte in das digitale Zeitalter begleiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digital.de.


Image (adapted) “Facebook Favourites Menu” by Mixy Lorenzo (CC BY 2.0)


 

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Ärgernis Autoplay: Social Networks drängen in den Videomarkt

Facebook und Twitter setzen bei Videos auf Autoplay (Image by jeshoots [CC0 Public Domain], via Pixabay.jpg

Nach Facebook hat nun auch Twitter in seinem Stream automatisch abspielende Clips, die viele Nutzer ärgern. Gut sein soll es das für das Werbegeschäft. Beim Scrollen durch den News Feed oder die Timeline fällt in letzter Zeit auf, dass Videos automatisch zu spielen beginnen. Facebook und Twitter behaupten zwar, dass das im Sinne der Nutzer ist und ihnen ein flüssigeres Nutzungserlebnis bietet – doch ans Werbegeschäft haben sie natürlich auch gedacht.


Warum ist das wichtig? Facebook und Twitter kämpfen um die immer größer werdenden Budgets für Werbevideos. Autoplay ist ein Mittel, um die View-Zahlen zu erhöhen.

  • Facebook und Twitter geht es vor allem darum, mit werbetauglichen Features auf dem Milliarden schweren Videomarkt aufzutreten.

  • Für die mobile Nutzung sind die Autoplay-Videos nicht unbedingt nutzerfreundlich, weil sie viele Daten verbrauchen.

  • Die Social Networks bieten den Nutzern immerhin die Möglichkeit, Autoplay abzudrehen.


Es geht darum, wie der Feed designt ist, eben als sequentielle Abfolge von Stories, und die hauptsächlich auf Mobile, täglich von 800 Millionen Menschen, angesehen werden. Wir starten die Videos automatisch, um die Experience zu bereichern. Es ist sehr nutzerfreundlich, wenn man nicht klicken muss, weil auf Mobile-Displays das zielgenaue Klicken schwierig ist. Das Feeback zeigt: Die Leute lieben es.

So hat kürzlich Clive Ryan, Sales Director bei Facebook in Europa, die automatisch abspielenden Videos in einem Interview argumentiert, die seit Ende 2013 in dem Social Network zu sehen sind. Dass Facebook seinen Nutzern mit der Autoplay-Funktion die Arbeit abnimmt, hat sich ausgezahlt. Täglich kommt das Social Network eigenen Angaben zufolge auf satte vier Milliarden Video-Views.

Wichtig ist diese Zahl vor allem für die Werbekunden von Facebook, denen man gerne teurere Videowerbung verkaufen möchte. Autoplay hilft dabei, dass die Werbeclips von den Nutzern gesehen werden, weil kaum jemand von sich aus auf Play drücken würde, nur um eine Bewegtbildreklame etwa für ein billiges Smartphone-Game zu sehen. Bei der Konkurrenz von Facebook war man bis vor kurzem eigentlich noch überzeugt davon, dass Autoplay keine gute Idee ist. “Die User müssen bei Twitter-Videos selbst auf ‚Play‘ drücken, es gibt kein Autoplay. Aus Sicht des Werbers ist das ein wertvollerer View, als wenn jemand einen Pre-Roll auf einer anderen Plattform sieht“, so Twitter-Manager Niall Horgan in einem Interview. Dieser Meinung hat man sich allerdings schnell entledigt – nur wenige Wochen später startete Twitter ebenfalls mit Autoplay. Die Betreiber argumentieren, dass die Nutzer Autoplay zweieinhalb Mal lieber hätten als andere Formen wie “Click to play“ oder Vorschaubilder haben. Wenn Werber die so genannten “Promoted Videos“ buchen, zahlen sie nur dann, wenn Nutzer mindestens drei Sekunden von dem Spot gesehen haben.

Dass Facebook und Twitter so stark ins Werbevideogeschäft vordringen, hat seinen guten Grund: Laut Marktforscher eMarketer soll der Markt für Online-Werbeclips von sechs Milliarden US-Dollar 2014 auf 7,7 Milliarden US-Dollar wachsen.

Für Nutzer können die Autoplay-Videos nicht nur störend sein, sondern auch teuer – nämlich dann, wenn sie das mobile Datenpaket sprengen (Videos brauchen vergleichsweise viele Daten). Facebook bietet seinen Nutzern deswegen an, Autoplay abzudrehen – eine Anleitung für Desktop, iOS und Android findet sich hier. Twitter bietet ebenfalls die Option an, Autoplay zu beschränken (Anleitung hier). Wer sich dieser Funktionen bedient, hat wieder Ruhe im News Feed bzw. in der Timeline.


Teaser & Image “iPhone“ by jeshoots (CC0 Public Domain)


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Social-Media-Sucht: Ein Tag im Leben einer Twittersüchtigen

Twitter Bird Logo Sketch, New (adapted) (Image by Shawn Campbell [CC BY 2.0] via Flickr)

Das Internet bietet nicht nur ungeahnte Möglichkeiten, es kann auch zu neuen Problemen führen. Eins davon ist die Social-Media-Sucht. Diese Sucht ist ein relativ neues Phänomen in unserer vernetzten Welt, das aber nicht nur die Abhängigen selbst betrifft, sondern auch ein Bild unserer Gesellschaft zeichnet. Die Sucht nach sozialen Netzwerke ist nicht nur die Sucht, ständig online zu sein. Facebook, Twitter, Instagram oder Whatsapp sind nicht nur ein Teil unseres Alltags und unseres Beruflebens, sie geben auch vielen Nutzern das Gefühl, mit dem Rest der Welt verbunden zu sein. Ein Gefühl, das abhängig machen kann.

Hallo! Ich bin @marinalapotor und ich bin #twittersüchtig.

Dies ist mein erstes öffentliches Outing. Es ist mir wichtig, dass die Netzwelt mehr über meine Sucht erfährt. Denn ein Tag in meinem Leben verläuft nicht nach morgens, mittags und abends. Mein Tag folgt nur Tweets, Retweets und Followern:

7:15 Uhr

Mit dem Weckerklingeln greife ich nach dem Handy und öffne bereits meinen Twitter-Account. Ein kurzes Scannen der Tweets der letzten Nacht. Denn während ich geschlafen habe, hat die andere Hälfte der Welt fröhlich weiter gezwitschert.

7:23 Uhr

Mein erster Tweet des Tages:

„Die da draußen“ sind eine schwammige Masse aus Tweetern, Followern und Nachrichten-Updatern. Ich kenne vielleicht gerade mal 10 meiner Twitter-Freunde aus dem echten Leben. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir wirklich miteinander kommunizieren. Über Twitter bin ich stets mit Menschen verbunden, ein Nutzer aus Japan oder aus Australien ist für mich nur einen Klick entfernt.

8:43 Uhr

Eine solche Twitter-Freundin schreibt gerade, dass ihr kalt ist. Ich stehe auf und mache ein Foto von meiner sonnigen Fensteraussicht, um sie etwas aufzumuntern.

Twitter ist meine Verbindung zur Welt. Ohne die, fühle ich mich einsam und verloren. Ich kann es nicht viel länger als eine Stunde ohne Twitter aushalten. Bereits nach wenigen Minuten werde ich unruhig, meine Fingerspitzen kribbeln. Automatisch suche ich nach der Twitter-App auf meinem Handy und erst wenn ich sicher bin, dass ich wirklich alles Tweets der letzten Minuten gesehen habe, kann ich wieder aufatmen. Damit bin ich, nach einer Studie der Universität von Maryland, eine der vielen jungen Social Media Süchtigen.

Einige Studien gehen sogar davon aus, dass 18 Prozent der Social-Media-Nutzer, es nicht länger als zwei Stunden ohne ihre sozialen Netzwerke aushalten. Während einige stundenlang auf Facebook surfen und andere wiederum nicht von Whatsapp loskommen, kann ich mich nicht von Twitter trennen. Dabei gehöre ich nicht zu denjenigen, die wie @MileyCyrus alle zwei Minuten einen Skandal mit ihrem Tweet auslösen. Ich bin auch nicht der @KimKardashian-Typ, der sein Privatleben in 140 Zeilen preisgibt. Für mich befriedigt Twitter die Sucht, permanent auf dem neuesten Stand zu sein. Alle zwei Sekunden wird etwas neues getweetet und ich könnte die erste sein, die DIE Neuigkeit des Tages liest.

9:32 Uhr

Zwischen Kaffee und Frühstücksbrötchen schiele ich ununterbrochen auf meinen Newsfeed.

Im Zeitalter der Information ist der schnelle und ununterbrochene Zugang zu Neuigkeiten Macht. Wer nicht auf dem neuesten Stand bleibt, geht unter. Wer bis zum ersten Meeting im Büro nicht das virale YouTube-Video des Tages gesehen hat, gilt als Loser. Wer seinen Chef nicht mit den aktuellsten Statistiken aus dem Netz beeindrucken kann, ist unten durch. Social Media ist längst nicht mehr nur für den Feierabend. Fast jedes Unternehmen braucht mittlerweile Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Google+ und am besten noch Tumblr. Wer den Hashtag des Tages bestimmt, macht das Rennen. Twitter bietet wie kein anderes soziales Netzwerk unmittelbaren Zugriff zu Informationen. Bevor die Nachricht ins Fernsehen kommt oder auf der Webseite publiziert wird, wird darüber getweetet.

10:00 Uhr

Skype-Termin mit einem Kunden. Es geht um die Gestaltung seines Blogs. Zu welchen Themen sollen wir heute schreiben? Ein kurzer Blick auf die Hashtag-Trends des Tages und meinen Newsfeed zeigen, dass der Tod von Schauspieler #HarryRowohlt heute in aller Munde ist. Wir einigen uns daher auf ein Porträt über Harry Rowohlt.

12:00 Uhr

Während ich den Artikel in die Tasten haue, vibriert mein Handy. Jedes Mal, wenn jemand einen meiner Tweets weitergibt, favorisiert oder mir folgt, schlägt mein Telefon Alarm. Gerade jetzt habe ich einen neuen Follower bekommen – für mich ein Adrenalinkick. Neben der Sucht nach ständigen Neuigkeiten, fühle ich mich durch Twitter wichtig. Was ich sage wird gelesen, kommentiert, weitergeleitet. Ich bin nicht nur am Puls der Zeit, ich bestimme den Puls der Zeit mit.

13:30 Uhr

Beim Mittagessen nutze ich die Zeit, um auf die Top-Tweets auf meinem Bildschirm zu antworten. 140 Zeichen, um spontan, schnell, clever und hippe Kommentare zum Weltgeschehen abzugeben. Der chilenische Filmdirektor Alejandro Jodorowsky hat Tweets die Haikus des 21. Jahrhunderts genannt. Für mich sind die 140 Zeichen jedes Mal eine neue Herausforderung. 140 Zeichen, um zu zeigen, dass ich auf dem neuesten Stand bind. 140 Zeichen, um zu zeigen, dass ich bestens informiert bin. 140 Zeichen, um zu zeigen, wie geistreich ich bin.

15:00 Uhr

Ich habe einen Interviewtermin. Bis mein Gesprächspartner Zeit für mich hat, checke ich fanatisch alle Tweets zu seiner politischen Agenda. Unwissen ist einfach keine Option mehr. Wer Zugang zu allen Datenbanken dieser Welt hat und etwas mal nicht weiß, gilt sofort als unprofessionell.

18:16 Uhr

Kaffeeklatsch mit Freunden. Es fühlt sich fast wie ein entspanntes Beisammensein an – abgesehen von meinem ständigen Schielen auf’s vibrierende Handy und heimlichen Posten von Tweets.

Twitter ist wie pausenloses Koffein. Man ist ständig auf Draht, immer wachsam, rutscht stets unruhig auf dem Stuhl herum und zwingt sich, seinem Gesprächspartner zuzuhören, bis man endlich wieder erleichtert auf’s Twitter-Konto gucken kann. Jeder neue Tweet gibt mir einen Adrenalinstoß, der aber nur kurze Zeit anhält – bis zum nächsten Tweet.

Auch wenn die Social-Media-Sucht als „weiche“ Sucht gilt, entwickeln Betroffene ähnliche Symptome wie Drogensüchtige:

  • Süchtige sind nur auf den Konsum von Social Media fokussiert und werden aggressiv, wenn sie nicht online sein können.

  • Einige bekommen ohne Social Media Entzugserscheinungen, fangen an zu schwitzen, zittern und werden rastlos.

  • Sie vernachlässigen ihren Freundeskreis und ihre Familie und vergessen auf essentielle Bedürfnisse wie Essen, Trinken oder Schlafen zu achten.

18:28 Uhr

Wann habe ich eigentlich das letzte Mal gegessen? Ich koche mir mein Abendessen. Doch selbst mit zwiebeltränenden Augen und spülmittelnassen Händen, kann ich es nicht lassen, meine Twitter-App wieder zu öffnen.

Ein Foto mit dem Handy schießen und sofort online posten, macht unseren Alltag noch schnelllebiger, noch direkter. Es gab mal eine Zeit, in der ich Twitter tatsächlich nur ab und zu auf dem PC genutzt habe. Diese Zeit vor Smartphones und Apps scheint eine Ewigkeit her zu sein. Der Gedanke, nicht ständig Zugang zu Twitter zu haben und nicht sofort alles loswerden zu können was ich sagen will, ist mittlerweile unvorstellbar.

21:00 Uhr

Es wird Zeit meinen Newsfeed wieder abzurufen. Abends habe ich nicht nur Zeit für die Nachrichten des Tages, sondern kann auch bei Tweets von Bloggern und Stars verweilen.

21:26 Uhr

22:06 Uhr

0:53 Uhr

Wo ist die Zeit geblieben? Ich konnte mich mal wieder den ganzen Abend nicht von meinem Handy losreißen.

Ab ins Bett – morgen ist schließlich wieder ein neuer Twitter-Tag!


Image (adapted) „Twitter Bird Logo Sketch, New“ by Shawn Campbell (CC BY 2.0)


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5 Gründe, warum Slack die Lernplattform der Zukunft ist

Eingabe Tastatur (adapted) (Image by StartupStockPhotos [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Aktuell kann man in Echtzeit beobachten, wie eine zeitgemässe, moderne Schnittstelle entsteht, bei der man die ganze Zeit denkt: Warum gibt es das nicht schon längst? Jeder Mensch, der gewohnt ist, agil zu arbeiten, weiss es: Am besten qualifiziert man sich, wenn man sich auf den Weg macht und versucht, ein sehr konkretes Problem zu lösen. Mit Slack steht nunmehr Teams und Communities eine agile Umgebung zur punktgenauen, aktiven Weiterbildung zur Verfügung.

Hier meine 5 Gründe für Smarter Working Learning

Grund Nr. 1: Arbeiten, Leben und Lernen wachsen zusammen.

Es ist allseits bekannt: Man lernt am besten, wenn man ein konkretes Problem lösen WILL. Vielleicht bringt man schon etwas Vorerfahrung oder eine Übersicht über angrenzende Themenfelder mit ein. Richtig Spass macht ein Projekt aber erst, wenn es eine konkrete Herausforderung mitbringt, die man überwinden muss.

Eine Nuss, die man knacken muss. Eine Hürde. Hat man dann noch ein Team um sich oder kompetente Mitstreiter/innen im Zugriff, steht dem Flow kaum noch etwas im Wege. Man fragt sich durch und experimentiert im Verbund und fügt einen Baustein auf den anderen. Ist das Problem auf einmal gelöst, blickt man voller Stolz darauf und empfindet etwas Glück. Wenn man Glück hat.

Während diese Arbeitsweise schon eine ganze Weile state-of-the-art ist in Programmiererkreisen (und nebenbei die Dynamik erklärt, die in technologischen Entwicklungen steckt), realisieren auch andere Berufsgruppen jetzt im Zuge der Digitalisierung: Hoppla, wir müssen auf sämtlichen Baustellen unseres Lebens gerade immerfort weiterlernen. Nicht nur die Technik treibt uns. Auch die Kultur, die sich durch die sozialen Netzwerke und kollaborativen Werkzeuge verändert. Nicht nur bei denen, die sie nutzen, sondern überall.

Es gibt auf einmal kein Plateau mehr, auf dem man sich zurücklehnen und genussvoll das Erreichte betrachten kann. Es geht immer weiter. Immer bergauf.

Das klingt jetzt erst einmal für viele sehr anstrengend. Aber nehmen wir es für diesen Moment als Herausforderung. Als Aufforderung, in Flow zu kommen.

Grund Nr. 2: Austausch ist wichtiger als Content.

Und hier kommt auf einmal Slack ins Spiel. Eine kleine App mit mächtigem Wirkungskreis. Wobei Slack nur ein Platzhalter ist für all die kleineren Kommunikationstools, die derzeit im Arbeitskontext aufpoppen und diese sehr agilen, kommunikativen Prozesse unterstützen helfen. Man braucht als agiles Team (Amazon sagt 5-8 Personen sind ideal, andere Forschungen nennen 7 oder 9 als ideale Grösse) heutzutage keine Riesen-Firmenplattform mehr. Keine Software im eigentlichen Sinne.

Why No One Uses the Corporate Social Network

Man braucht eigentlich nur ein Mittelding zwischen Facebook, Twitter und Skype. Mit weniger Ablenkung und etwas mehr Kontrolle und Organisation. Boing: Auf einmal nutzen alle Slack. Slack ist der absolute Renner im Silicon Valley und entsprechend hoch dotiert. Die bereit gestellten Geldmengen wachsen in ähnlichem Tempo wie die Funktionalitäten. Sein Erfolg liegt in der radikalen User Experience begründet.

Und zwar von den sich gerade radikal verändernden Lebensumständen in der Arbeitswelt der User aus gedacht – oder besser: getrieben. Es ist ein wenig so wie in den Anfangsjahren von Twitter. Es geht nicht um sich anbiedernde Oberflächlichkeiten, die dem User gefallen, um ihm irgendwelche Konsumgüter anschliessend zu verkaufen. Keine Servicequalität. Da haben wir Deutschen Glück gehabt.

Es geht um die Bereitstellung einer optimalen Arbeitsumgebung, die sich selbstverständlich in den gewünschten Lebensalltag FLEXIBEL einfügt. Man braucht einen virtuellen Ersatz für das Gemeinschaftsbüro mit Kaffeemaschine und Raucherecke. Wenn man eben nicht an einem Ort sitzen will oder kann. Et voilà!

Dann braucht es lediglich einer Kommunikationsschnittstelle, die die dezentralen Prozesse koordinieren hilft. Und um sich wechselseitig zuzurufen, woran man gerade sitzt und diese beliebte Frage stellen zu können: „Hat irgendwer von euch auch schon mal dieses Problem gehabt?

Grund Nr. 3: Kollaboration ist die Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert.

Klar kann man das auch am Telefon lösen. Mühsam, weil man der Reihe nach die Leute durchtelefonieren muss. Zudem sind alle Wissensarbeiter/innen, die konzentriert einer Arbeit nachgehen, irgendwann genervt von diesen lauten Zwischenrufen. Und stellen das Telefon auf „abwesend“. Solche Anfragen mag man lieber beantworten, wenn man seinen aktuellen Micro-Flow (s.o.) gelöst hat. Eben asynchron.

Und so verbindet Slack auf einmal sehr leichtfüssig die Arbeit mit dem Lernen. Man legt einen geschlossenen Account für sein Team an, sortiert ein wenig die Kanäle und verbindet all seine Tools, die man ansonsten sowieso nutzt, mit der Umgebung. Klingt jetzt sehr technisch, ist es aber gar nicht. Die Umgebung wächst sehr smart entsprechend des Bedarfs – man benötigt keinen Techniker, um sie aufzusetzen. Maximal eine halbe Stunde Einarbeitung pro Person – los geht’s.

Kollaboration ist jetzt angesagt – und eine entsprechende Kompetenz gefordert. Das Überraschende an dieser Geschichte ist: Man muss diese Kompetenz nicht mühsam in einem Kurs lernen. Vielmehr entwickelt sie sich beim Tun. Es braucht dazu lediglich einer wertschätzenden, vertrauensvollen Arbeitsumgebung. Und eine verständige Projektleitung. Schon wächst man da rein. Es sei denn, man hat es mit blöden Egomanen zu tun. Dann wird’s etwas nervig.

Das Gros der Menschen aber, denke ich, bringt die persönlichen Voraussetzungen mit, sich in den kollaborativen Fluss an Informationen und Kommunikation einzubringen. Und wächst daran. Es geht um nicht weniger als einen transparenten, fairen, demokratischen, flexiblen Arbeitsalltag. Und wer will das nicht – ausser den (Bald-)Pensionären?

Grund Nr. 4: Lebenslanges Lernen ist keine Forderung, sondern Realität.

Das deutsche Arbeitsministerium hat die Zeichen der Zeit erkannt. Chapeau, möchte man sagen. Nicht noch 3-5 Jahre zugewartet, sondern verhältnismässig zeitig reagiert. Arbeiten 4.0, so heisst die Losung unserer Zeit. Vermutlich, weil es als schöner Counterpart zur Industrie 4.0 gedacht wird. Mitbestimmung 2.0 sozusagen. Aber anyway. Es ist ein wichtiger Schritt.

Grünbuch Arbeiten 4.0

Neben der Veränderung unserer volkswirtschaftlichen Grundlagen, wollen die Menschen mitgenommen werden und einen positiven Blick in die Zukunft erlangen. Das Arbeitsumfeld will neu gestaltet werden. Inklusive der Rahmenbedingungen.

Nun ist dies nicht mit einer politischen Direktive getan, sondern es gilt, einen ordnungspolitischen Rahmen zu spannen, der Möglichkeiten zur Gestaltung bietet. Arbeitgeber/innen und Erwerbstätige benötigen einen Raum, in dem sie flexibel und kreativ die Potenziale entfalten können. Niemand kennt ja derzeit in Gänze sämtliche denkbaren neuen Konstellationen, in denen Menschen und Maschinen zukünftig zusammen arbeiten und leben können – und wollen.

Denn vor diesem offenen Raum stehen wir derzeit. Alle dicht gedrängt. In der Eingangstür. Bislang befinden sich noch kaum Möbel drin. Geschirr, Werkzeuge und Spielzeuge liegen lose herum – und jetzt müssen wir uns alle darin neu positionieren. Als Gesellschaft den neuen Möglichkeitsraum bespielen.

Da wird es vorlaute Mitmenschen geben, die vorgeben, den Weg zu kennen, wie man zu einer sinnvollen Gestaltung gelangt. Und da wird es jede Menge Menschen geben, die sich hinten anstellen, weil es ihnen Angst macht, was da geschieht.

Aber durch diese Tür müssen wir ALLE durch. Dann die losen Teile aufheben, mit ihnen experimentieren, sie zusammen bringen, Neues aufbauen, uns einigen, gemeinsam überlegen, wo wir hin wollen. Das alles ohne einen einzigen Bescheidwisser. Ohne Führung, denn es ist für alle neu.

Es wird die frechen Bengel geben, die lässig an der Wand lehnen und alle Versuche böswillig kommentieren. Und es wird die Gruppen geben, die einfach im Raum stehen, alles blockieren und nichts tun. Alles dies wird es geben – und rund herum entsteht unsere neue Welt. So wie in Second Life, wo einige die alte Welt einfach nachbauten – und andere ihrer Fantasiewelt Ausdruck verliehen. So ähnlich wird unsere reale Welt morgen aussehen.

Wir alle: Mittendrin. Immer am lernen, was man denn so tun könnte in dieser neuen Welt. Mit Werkzeugen, die noch nie jemand gesehen hat. Mit Dynamiken, die niemand vorhersehen konnte. Mit Entwicklungen, die nun wirklich niemand braucht. Das ist unsere Welt von morgen. IN REAL LIFE !!! Herzlich willkommen! Seid ihr gut vorbereitet?

Grund Nr. 5: Zentraler Zugang zu dezentralen Aktivitäten schlägt alles.

Aber was, bittschön, hat dies mit Slack zu tun? Slack ist das derzeit angemessenste Werkzeug, das es schaffen könnte, diese Vielzahl an neuen Aktivitäten persönlich zu koordinieren. Zumindest mittelfristig.

Jeder arbeitet ja dann an unterschiedlichen Baustellen in diesem neu entstehenden Raum. Mitunter werden aber ähnliche Fragestellungen dort aufkommen. Da ist es einfacher, sich wechselseitig zu helfen, wenn man ein kleines Problem gelöst hat, vor dem der andere gerade steht.

Und hier kommt Slack ins Spiel. Gehackt ermöglicht es auch, sehr unterschiedliche Teams miteinander sich austauschen zu lassen. So bin ich in einer Startup-Community auf Slack, in der sich viele Teams aus dem Silicon Valley und aus anderen Hubs zu typischen Fragen im Startup-Alltag nicht unterhalten, sondern austauschen.

Das ist die Kaffeemaschine, unternehmensübergreifend. Nicht jeder muss das Rad immer wieder neu erfinden. Es kommt auch gar nicht darauf an, woran konkret die Einzelnen arbeiten – es geht hier nur um Mikroprozesse, über die man sich austauscht. „Jemand schon mal das Problem gehabt, …?“

Gut, werden jetzt manche fragen, dafür nutze ich bessere Foren oder Quora oder Twitter. Ja, kann man auch weiterhin. In Slack kann man diese ganzen Tools auch einfliessen lassen – es dient sozusagen als Dashboard für die komplette persönliche Arbeitsorganisation. Mit Team-Anbindung – und das ist entscheidend. Es ist damit die perfekte Umgebung für die persönliche Arbeits- und Lernumgebung im kollaborativen, dynamischen Verbund. Quod erat demonstrandum.

Jetzt ihr: Wer nutzt bereits Slack (o.ä.) in der Teamkommunikation?

Wer mag anderen mit seiner Erfahrung helfen?

Schenkt mir 5 Minuten eurer Zeit und beantwortet mir DIESE 5 FRAGEN. Wir von ununi.TV basteln daraus ein Starter-Kit als Open Educational Resource für alle interessierten Nicht-Nerds.

Thema: Wie man auch als normales Klein-Unternehmen die Potenziale der fortschrittlichen Startups für die Arbeitsorganisation selbst nutzen kann?!

Wer mitmacht, wird mit Firma oder Projekt auf einer Übersichtstafel genannt. Lasst uns die Welt ein kleines bisschen dynamischer machen! #merci


Image (adapted) „Eingabe Tastatur“ by StartupStockPhotos (CC0 Public Domain),

HBR.org und Grünbuch Arbeiten 4.0


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Distributed Content: Wie werden die Verlage reagieren?

Paperboy in 1963 (image (adapted) by Joyner Library at East Carolina University)

Die New York Times macht es, genauso wie BuzzFeed – der Trend hin zu Distributed Content erhöht die Abhängigkeit der Verlage von den sozialen Plattformen. Statt ihre eigenen Webseiten zu veröffentlichen, werden Nachrichtenunternehmen gefragt, ob sie direkt auf Plattformen publizieren wollen, auf denen sie keine Kontrolle haben. Ist die Jagd auf Leser genug, um den teilweisen Verlust seiner Freiheit zu rechtfertigen?

Im vergangenen August, als BuzzFeed ein etwa 50 Millionen US-Dollar schweres Venture-Kapital als Investment verkündete, hörten viele Journalisten eine Phrase zum ersten Mal: Distributed Content (deutsch etwa: geteilter Inhalt). Das Unternehmen verkündete, dass man etwas von dem Fördergeld nutzen würde, um einen neuen Teilbereich namens BuzzFeed Distributed zu gründen. Dies beinhaltete ein Team aus 20 Mitarbeitern, die “eigenen Content allein für Plattformen wie Tumblr, Imgur, Instagram, Snapchat, Vine und diverse Nachrichten-Apps erstellen sollten”. Mit anderen Worten, es gab nun ein Team, das Inhalt produzieren sollte, der nie auf BuzzFeed.com erscheinen sollte.

Sich auf sozialen Plattformen herumzutreiben ist für die Verleger nichts Neues. Die meisten Nachrichtenseiten nutzen Twitter und Facebook als Marketinginstrumente, um den Traffic zurück zur eigenen Seite zu leiten. BuzzFeed Distributed lebt allein in den sozialen Netzwerken und bleibt dabei völlig eigenständig. Es ist kein passender Vergleich, aber stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn die Seattle Times 20 Reporter anstellen würde, deren einziger Job es wäre, Stories für den Miami Herald zu schreiben.

Warum sollte BuzzFeed Millionen darauf verwenden, Inhalt für andere Plattformen zu erstellen und das auch noch ohne offensichtlichen finanziellen Verdienst? Nun ja, manche Risikokapitalgesellschaften geben ihnen weiterhin Geld, und für irgendwas muss es ausgegeben werden. Was aber viel wichtiger ist, BuzzFeed will die Aufmerksamkeit der Nutzer verfolgen. Und genau diese Nutzer bewegen sich zu sozialen Plattformen, bei denen die alten Tricks der Verleger nicht mehr funktionieren.

Ich denke, es ist sehr wahrscheinlich, dass das Internet in fünf Jahren völlig anders aussehen wird, genau wie es auch schon vor fünf Jahren war, erläuterte Anne Burton, die Chefin von BuzzFeed Distributed in einem Interview im vergangenen Herbst. Einer dieser Trends könnte sein, dass die Menschen ihren Medienkonsum an dem Ort betreiben, wo sie auch ihr Networking mit ihren Freunden betreiben. Wir wollen das herausfinden, und auch, was die Menschen liken und teilen, und genau dort auch ein Publikum erreichen, um ihm zu zeigen, dass wir die Besten darin sind, Dinge zu produzieren, die die Leute gerne teilen.

Aufbauen auf dem Eigentum der anderen

Wenn man ein bisschen aufgepasst hat, konnte man in den verganenen Monaten ein paar Schritte in eine ähnliche Richtung bemerken:

  • Reported.ly, das neue Startup von Pierre Omidyars First Look Media, wurde im Dezember ohne eigene Webseite gestartet. Der Kern fand auf Medium statt, aber die Arbeit lebt vor allem auf sozialen Plattformen. “Wir versuchen die Leute nicht von ihrer liebsten Onlinecommunity wegzuzerren, nur um ein paar Seitenaufrufe zu bekommen”, schrieb der stellvertretende Chefredakteur Andy Carvin in seinem ersten Posting. “Wir sind stolz darauf, aktive Mitglieder bei Twitter, Facebook und Reddit zu sein, wir sind nicht besser als alle anderen dort.”

  • Im Januar veröffentlichte Snapchat, die bei Teenagern extrem beliebte Chat-App, ein neues Programm namens Snapchat Discover. Dies ist ein neuer Ort, an dem ein Dutzend Verleger ihre Artikel direkt in die App spülen, die speziell für das Snapchat-Format designed worden sind. Zwar gibt es kaum offizielle Zahlen, aber es gibt Anzeichen dafür, dass Snapchat ein riesiges Publikum erreicht und erfolgreich erstaunlich hohe Werbekosten ansetzt.

  • NowThis, ein weiteres vielgerühmtes Startup, mit dem man kurze Videos für soziale Plattformen drehen kann, hat keine Kosten und Mühen gespart, im Februar ein Publikum auf ihrer Seite zu versammeln. Das Fazit: Die Homepage machte schlapp. “Für uns ist es leichter, die Leute an unsere Videos heranzuführen, wenn sie in den Feeds platziert werden. Das ist einfacher, als sie auf unsere Seite zu verlinken”, sagt deren Vizepräsident für soziale Medien.

  • Facebook argumentierte, dass das Verlinken auf fremde Seiten für die Nutzer ein negatives Erlebnis bedeuten würde. Also versuche man, Unternehmen immer wieder aufs Neue zu überzeugen, ihre Artikel direkt bei Facebook zu veröffentlichen, anstatt sie auf einer separaten Webseite zu präsentieren. Der Reiz hierbei ist, dass Facebook seine elaborierten Daten und Technik benutzen will, um mehr Geld daran zu verdienen, weil sie Werbeanzeigen entgegen des Content verkaufen, als ihr eigener Verlag es tun könnte – und alle zu gleichen Teilen. “Wir wollen für die Verlage ein besseres Klima schaffen”, sagte der leitende Produktverantwortliche im vergangenen Februar.

Man kann hier sehr gut die Gemeinsamkeiten erkennen: Den Triumph der sozialen Plattformen. Auf der einen Seite ist das alles nicht neu – Facebook hat das Verhalten der kompletten Welt kolonisiert, und das sogar schon vor einiger Zeit. Dann aber hat sich der Tonfall gegenüber den Entwicklern verändert. Früher hieß es: Verbringen Sie Ihre Zeit, in dem Sie ein paar Follower unseres Netzwerkes kultivieren – wir schicken Ihnen einfach eine Tonne an Traffic. Das hat sich heute entwickelt: Geben Sie Ihre Unabhängigkeit ab und treten Sie ein. Wir geloben, dass es die Mühe wert sein wird.

Dieser Umschwung ist ein verständliches Ergebnis des Erfolgs von Smartphones. Als ich das Internet in den 90er genutzt habe, war jede Seite technisch auf einem ähnlichen Level, egal, ob es NYTimes.com war oder der Foodblog von jemandem. Jede Seite hatte eine URL, die ich in den Browser eingeben konnte. Sowohl das größte Unternehmen als auch die kleineste Seite wurden in meinem Browsertab nebeneinander angezeigt und der Link, die bescheidene kleine blau unterlegte Zeile, verband sie alle als gleichwertige Bürger auf einer offenen Plattform. Aber das iPhone und der Aufstieg der Smartphones an sich, der darauf folgte, hat das Internet in Apps eingeteilt. Das grenzenlose Netz wurde zu einer weiteren App, die neben den anderen einherging. Innerhalb jeder Stunde, die der durchschnittliche US-Amerikaner an seinem Smartphone verbringt, nutzt er den Webbrowser nur sieben Minuten lang.

Der Link wird abgewertet

Eine zunehmende Menge der Teenager und jungen Leser sind nicht nur Digital Natives, sondern Smartphone Natives. Die sozialen Plattformen haben ihre volle Aufmerksamkeit. Die späteren Wiederholungen dieser Plattformen sind absichtlich nicht so designet, dass hier nette Nachrichten ausgetauscht werden, sondern dass hier die Aufmerksamkeit hergezogen wird.

Gerade Facebook und ganz besonders Twitter sind um Links herum gebaut worden. Sie sind Knotenpunkte, die einen an andere Stellen spülen. Deshalb sind sie so gute Motoren, um Nachrichten zu verbreiten. Instagram, Snapchat, Vine und all die anderen sorgen dafür, dass man innerhalb des Erlebnisses eingebunden bleibt. Instagram erlaubt beispielsweise keine Verlinkungen. Der einzige Weg, bei Instagram etwas in seinem Post zu verlinken, ist, indem man einen Werbung schaltet. Bei Snapchat geht das auch nicht, hier muss man als Unternehmen auftreten, um Teil der Discover-Plattform zu werden.

Sogar die Apps, die etwas offener gegenüber den Verlegern auftreten, sind normalerweise nicht sehr daran interessiert, die Nutzerfreundlichkeit nach eigenen Wünschen zu optimieren. Ein paar Nachrichtenportale haben mit der beliebten Chat-App WhatsApp experimentiert, indem sie sie als eine Art Liveticker genutzt haben. Aber die App macht es einem nicht so einfach. Hier werden Nachrichten nur an weniger Nutzer verschickt, und generell ist sie eher nervig. As er nach den Beschwerden der Verleger gefragt wurde, sagte der Sprecher von WhatsApp im Prinzip, dass diese App nicht für sie gedacht wäre und man kein Interesse daran hätte, sie danach anzupassen, was die Verleger gern hätten.

Verteilen oder nicht verteilen, das ist die Frage

Man hat nun also diese ganzen Apps und Plattformen, die die riesige Aufmerksamkeit von den Nutzern bekommen. Immer weniger Leute suchen sich ihre Nachrichten direkt heraus, sondern stolpern in den sozialen Medien darüber, die eher weniger nach den Interessen der Verleger ausgebaut worden sind. In diesem Zusammenhang werden die Inhalte geteilt: man veröffentlicht unter der Nase eines Anderen.

Was soll ein schlauer Verleger hier tun? Es gibt keine einfachen Lösungen, aber ein paar Ideen:

  • Auf Native Advertising setzen. Das ist das Ding von BuzzFeed. Ihre Argumentation gegenüber den Werbern ist: Wir wissen besser als alle Anderen, wie man Inhalte für sie sozialen Medien aufbereitet. Man verlässt sich nicht auf Werbebanner, also auch nicht auf Seitenaufrufe wie sonst immer. Wenn man bei Instagram erfolgreichen Content zusammenstellen kann, kann man das auch hier. Native Advertising wird in der nächsten Zeit noch größer werden.

  • Die Energie auf offene Plattformen setzen. Woher kam dieser kleine Trend der Email-Newsletter? Ein Grund dafür wäre: Email ist immer noch eine offene Plattform und niemand kontrolliert den Zugang zum Posteingang. Was ist mit Podcasts? Ein offenes Standardformat, bei dem jeder selbst veröffentlichen kann. In beiden Fällen kann der Nutzer entscheiden, in welchem Verhältnis er zum Veröffentlichenden steht. Es gibt keinen Mittelsmann.

  • Eigene Premium-Dienste anbieten. Wettbewerb gegen Aufmerksamkeit (und Werbeeinnahmen) wird immer härter im offenen Netz. Finden Sie heraus, wo man hochwertige Produkte für ein kleineres Publikum aufbauen kann.

  • In großem Maßstab denken. Der Grund, wieso so viel Venture-Kapital in BuzzFeed und Vox Media gespült wird ist, dass die Investoren glauben, sie könnten riesige Ausmaße erreichen, also die nächsten Time Inc. oder Reuters werden. Wenn man die Welt der sozialen Plattformen durchwandert, ist es am einfachsten, wenn man groß genug ist, um auch bemerkt zu werden.

Zuerst erschienen auf niemanlab.org. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image „Paperboy in 1963“ (adapted) by Joyner Library at East Carolina University


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Facebook und Instagram machen uns irgendwie glücklich

Convenience (Image by Ildar Sagdejev [GFDL], via Wikimedia Commons)

Konsum macht nicht glücklich, Erlebnisse dagegen schon – ausgerechnet Facebook, Instagram und Co. beschleunigen diesen Sinneswandel immer mehr. Wir alle sammeln über die Jahre Dinge an, obwohl diese uns nicht glücklich machen. Zumindest nicht dauerhaft – die anfängliche Freude hält nicht lange an und dann liegen die meisten Dinge vernachlässigt in der Ecke. Experientialismus, also die Fokusverschiebung von Konsumgütern hin zu Erlebnisse ist ein Gegenentwurf zur schnöden Konsumgesellschaft, findet immer mehr in sozialen Netzwerken eine Plattform. Doch auch wenn die ständigen Status-Updates und Fotos auf allen Kanälen durchaus sozialen Stress mit sich bringen, helfen Facebook, Instagram und Co. uns letztendlich dabei, glücklicher zu werden.


Warum ist das wichtig? Facebook, Twitter und Instagram sind nicht nur Prokrastinationsfallen, sondern auch für sozialen Neid verantwortlich – dabei machen sie uns eigentlich doch sogar glücklich.

  • Experientialismus beschreibt die Fokusverschiebung weg von materiellen Gütern und Statussymbolen hin zu Erlebnissen.

  • Social Networks erzeugen allerdings großen sozialen Stress durch das konstante Bombardement mit Fotos und Statusupdates von Freunden, die gerade auf tollen Events oder im Urlaub sind.

  • Trotzdem machen Erlebnisse und auch Facebook und Instagram letztendlich glücklicher als materielle Dinge.


Kein Konsum ist guter Konsum

Noch vor dem Aufkeimen der Städte lebten die Menschen in kleinen Dorfgemeinschaften, in denen jeder jeden kannte und daher auch jeder von jedem wusste, was der andere mit seiner Zeit anfängt, was er besitzt und wie viel dies Wert ist. Daraus ließ sich schnell der soziale Status in der Dorfhierarchie ablesen. Mit den Städten hat sich das geändert – in Städten ist man anonym und kennt meistens nicht mal seine Nachbarn, denen es daher auch herzlich egal ist, was man mit seiner Zeit anfängt. Dementsprechend wurden materielle Güter immer effektiver für die Zurschaustellung des eigenen Status. Doch jetzt stellen die sozialen Netzwerke dies gehörig auf den Kopf – nur sehr wenige Menschen aus dem direkten Umfeld sehen die neue Couch oder das neue Auto. Während man früher dagegen erst ein paar enge Freunde zum Essen eingeladen hat, um sie dann zum Nachtisch mit den Urlaubsfotos zu langweilen, kann man den Urlaub nun nahezu in Echtzeit mit allen Freunden und Bekannten teilen. Dank der sozialen Netzwerke wissen also alle, was man gerade erlebt – und die Leute dort gehören zudem noch zur eigenen Bezugsgruppe, deren Meinung interessiert einen ohnehin mehr, als die der anonymen Großstadtmitbewohner.

Materielle Güter kann letztendlich jeder kaufen und vor sich her tragen, aber nicht jeder kann bei dem gleichen Event sein, von dem aus du gerade über Twitter und Instagram Fotos postest. Ein Erlebnis scheint also mehr Wert zu sein, als Besitztümer und entwickelt sich immer mehr zur wertvolleren sozialen Währung. Zumindest unter den sogenannten Experientialists, die Autor James Wallman in seinem Buch Stuffocation als Menschen beschreibt, für die Erlebnisse in den Fokus rücken und das Wettrüsten der materiellen Statussymbole mit den Nachbarn oder Bekannten verdrängen. Das macht sie allerdings nicht weniger Status-gierig als den durchschnittlichen Materialisten. Sie konsumieren aber weniger Güter, dafür aber Erlebnisse, über die sie dann bei Facebook oder Instagram berichten und sich Anerkennung erhoffen. Auf diesem Weg wollen und können wir im Wettrüsten mit unseren Nachbarn und Bekannten um den sozialen Status dann plötzlich doch wieder mithalten.

Social Media, das zweischneidige Schwert

Unproblematisch ist diese neue Form des sozialen Wettrüstens aber nicht. Eine häufige Frage, die wir uns stellen ist, gehe ich auf genug Konzerte/Konferenzen/Events, so wie unsere Bekannten und Freunde? Und plötzlich haben wir Angst, etwas zu verpassen, da wir dann nicht dazugehören. Diese Angst, auch Fear Of Missing Out (FOMO) genannt, ist sehr problematisch für Experientialists – denn wenn der neue Lebensstil genau so viel Neid, Angst und Stress erzeugt, wie der gute alte Materialismus, stellt er doch keine Verbesserung dar. Und der in den sozialen Netzwerken erzeugte soziale Stress wird zudem noch zu dem bereits bestehenden Stress in der realen Welt addiert. Je öfter wir also Facebook und Twitter checken, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass uns die Statusupdates unserer Freunde und Bekannten stressen, ängstlich oder sogar depressiv machen. In der realen Welt begegnen wir zudem Menschen mit schickeren Autos und teureren Armbanduhren, aber auch Menschen mit billigeren, abgenutzteren und älteren Dingen, als wir sie besitzen – dadurch fühlten wir uns früher beruhigt, da wir zwar nicht zu den Oberen gehörten, aber eben auch nicht zu denen ganz unten. Doch in den sozialen Netzwerken sieht dies anders aus. Dort postet niemand Fotos von sich, beim alleinigen Abendessen der Tiefkühlpizza vom Discounter auf der leeren Couch, vor laufendem Fernseher und in ausgewaschener Jogginghose. Man will den eigenen Status ja nicht beschädigen.

Dass das Leben der Facebook-Freunde aber gar nicht so perfekt und glamourös ist, wie es oft erscheint, wissen zwar die meisten, allerdings fällt es sehr schwer, sich dessen ständig bewusst zu sein, denn von den vielen Facebook-Freunden ist immer irgendjemand gerade auf Reisen, in einem Sterne-Restaurant oder einem tollen Konzert. Wir haben durch dieses konstante Bombardement also ständig das Gefühl, am unteren Ende der sozialen Leiter herumzudümplen, was wiederum großen Stress auf uns ausübt, da wir ja schließlich mithalten wollen. Das bringt Facebook und Co. wiederum in eine schwierige Position, einerseits unterstützen und befeuern sie den Experientialismus gewaltig, andererseits untergraben sie gleichzeitig seine Vorzüge. Wenn man also auf Erlebnisse statt materielle Güter setzt, kann man ironischerweise also ebenso gestresst, neidisch und depressiv werden – doch auch wenn man sich diesem Stress aussetzt, sind Erlebnisse letztendlich doch besser als Besitztümer. Erlebnisse machen letztendlich glücklicher, da sie nicht langweilig werden und wir sie zudem in unserer Erinnerung verklären. Es ist zudem wahrscheinlich, dass wir sie als Teil dessen definieren, was uns ausmacht. Sie lassen sich zudem deutlich schwerer vergleichen, als es mit materiellen Gütern möglich ist, dafür kann man mit ihnen aber mindestens genauso gut in den sozialen Netzwerken imponieren. Auf lange Sicht machen sie also glücklicher und sind daher die bessere Wahl.


Teaser & Image by Ildar Sagdejev (GFDL)


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PayOrShare: Wer nicht zahlen will, muss teilen

Fiona Brandes und Max Fielker (Bild: PayOrShare)

Mit Inhalten im Netz Geld zu verdienen ist nicht leicht. Das Startup PayOrShare bietet einem neuen Ansatz: Inhalte entweder in sozialen Netzwerken teilen oder dafür bezahlen. // von Daniel Kuhn

Fiona Brandes und Max Fielker (Bild: PayOrShare)

Es gibt viele Ideen und Versuche, wie mit Inhalten im Netz Geld zu verdienen ist, von denen die meisten bisher allerdings eher erfolglos waren. Derzeit wird hauptsächlich auf Werbung gesetzt und/oder auf Paywalls – doch die wenigsten Nutzer wollen Geld für Inhalte ausgeben und zu viel Werbung kann einem mitunter gehörig auf die Nerven gehen. Das Hamburger Startup PayOrShare versucht es nun mit einer anderen Strategie: zahlen oder teilen. Also entweder man zahlt einen kleinen Betrag oder teilt Inhalte in den sozialen Netzwerken.

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