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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • VERBRAUCHERSCHUTZ handeslblatt: Bewährungsprobe für Merkel und Schulz: Der Verbraucherschutz- ein leidliches Thema für alle Betroffenen. Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz wollen beim Deutschen Verbrauchertag in Berlin ihre Vorstellungen zur Verbraucherpolitik darstellen. Doch ob es ihnen gelingt das Vertrauen in die Politik in der Bevölkerung zu stützen, bleibt fraglich. Nicht nur der VW-Skandal zeigte, dass die Politik kaum fähig ist, den Wirtschaftsriesen die Stirn zu bieten, geschweige denn, sie in ihre Grenzen zu weisen. Dieser Vorfall und einige andere bestimmten sicherlich auch das Ergebnis der repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Demzufolge glaubten 72% von insgesamt 1.002 Befragten ab 18, dass die Politik Unternehmensinteressen vor Bürgerinteressen stellt. Eine ernüchternde Bilanz, die die Krise, in der die Politik zu stecken scheint, umso drastischer zeigt.

  • SUPERCOMPUTER golem: Schweizer Supercomputer ist drittschnellstes System weltweit: „Go Piz Daint, go!“ Der Piz Daint ist nach Aktualisierung der Top-500-Liste der Supercomputer nun von Platz 8 auf Platz 3 angekommen. Der ungeschlagene Sieger in Europa besticht durch seine Schnelligkeit und enorme Leistungsstärke. Zu finden ist dieses kleine Superteil in Lugano am Luganersee in der Schweiz und wird vom Swiss National Supercomputing Centre (CSCS) betrieben. Ab 2018 sollen neue Systeme vom Departement of Energy folgen.

  • GOOGLE google: Four steps we’re taking today to fight terrorism online: Terrorismus ist eine Herausforderung für offene Gesellschaften wie unsere. Auch Google und Youtube sind verpflichtet, an einer Lösung mitzuwirken. Zusammen mit der Regierung, dem Gesetz und zivilen Social Media Gruppen wollen sie gewalttätigen Online-Extremismus bekämpfen. Kein Platz für terroristische Inhalte lautet ihre Devise. Um diese umsetzen zu können, entwickelten sie vier Schritte, die u.a. die Investition in Technologien unterstützt, welche helfen sollen, extremistische Inhalte zu erkennen. Probleme kommen hierbei noch bei der Interpretation der Inhalte auf, da die Technologie nicht immer in der Lage ist, informative Videos über Terrorismus und Propagandavideos zu unterscheiden. Schwierigkeiten, mit denen sich Google und Co. jetzt konfrontiert sehen.

  • GARTNER t3n: Gartner: AWS und Microsoft liegen weit vor der Cloud-Konkurrenz: Die IT-Analysten von Gartner haben sich entschieden. Mit ihrer beispiellosen Skalierbarkeit und ihrer weltweiten Präsenz erhöhen AWS und Microsoft die Anforderungen auch für ihre Mitkonkurrenten und sind somit an der Spitze der Cloud-Konkurrenz. Google, als starker Konkurrent, hat zwar gute Chancen aufzuholen, wird sich aber nach Einschätzung der Gartner-Experten anstrengen müssen.

  • MEDIEN medienpolitik: „Soziale Netzwerke sind ergänzende Nachrichtenquellen“: Rund die Hälfte der deutschen Jugendlichen nutzen die sozialen Netzwerke zur Nachrichteninformation. Das liegt unter anderem daran, dass es laut den Jugendlichen einfach sei, vielfältige Quellen zu finden. Vor allem die wesentlichen Schlagzeilen des Tages seien somit schnell gefunden, so Prof. Dr. Wiebke Möhring. Zusätzlich könnten die eigenen Vorlieben durch einen Filter separiert werden. Dennoch werden die klassischen Medien keinesfalls abgelöst, sondern genießen noch immer großes Vertrauen und spielen eine wichtige Rolle in sozialen Netzwerken. Wie es klassischen Medien, wie Zeitungen oder TV-Sender, weiterhin gelingt alle Generationen zu erreichen, beantwortet sie in diesem Interview.

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Lesen zum neuen Jahr: Was uns ‚Herr der Fliegen‘ über 2016 erzählt

Lord of the Flies (adapted) (Image by Alaina Buzas [CC BY 20] via flickr)

Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, in der sich die Demokratie in einer Art Stammesdenken und Tyrannei auflöst. Die Geschichte einer Zivilisation, die von den Redlichen nach Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit aufgebaut wurde, die sich dann aber gegeneinander aufhetzten und die Schwachen und Ausgestoßenen zu Sündenböcken erklärten. Letztlich ist es eine Erinnerung an die menschliche Barbarei, die unter der zerbrechlichen Fassade des Anstands lauert.

Klingt das bekannt? Allerdings: Es handelt sich um den Plot von ‚Herr der Fliegen‘, einem Roman über ein paar Jungs aus England, die einen Flugzeugabsturz überleben und auf einer Insel im Südpazifik gestrandet sind. Nach einer kurzen Zeit der Harmonie bewirkt ein Machtkampf zwischen den beiden Anführern Ralph und Jack die Spaltung der Gruppe. Jack gewinnt, indem er verspricht, einen gemeinsamen Feind zu jagen und zu töten – er meint das seltsame Phantom, das im Dschungel lebt und nur als ‚das Monster‘ bekannt ist. Es ist ein erfolgreicher Kampf, der die Angst benutzt, um die Gruppe zu spalten.

Der ‚Herr der Fliegen‘ wurde zuerst im Jahr 1954 veröffentlicht, hauptsächlich als Reaktion auf den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Und doch hat das Buch in vielerlei Hinsicht eine direkte Gültigkeit für die Welt von 2016, da Sparmaßnahmen, die Flüchtlingskrise, der Brexit und der Aufstieg Donald Trumps den nationalistischen Eifer ermutigt und die gesellschaftliche Zersplitterung geschürt haben.

Die rassistisch motivierte Sprache der Stammes-„Wildheit“ im Roman lässt zeitgenössische Leser zu Recht innehalten. Hier zeigt sich die Unfähigkeit des Autors William Golding, über eine grundsätzlich eurozentrische und kolonialistische Weltanschauung hinauszudenken. Letztendlich jedoch ist die Botschaft des Buches, dass eine „Wildheit“ quasi allgemeingültig ist. Sie ist weder rassisch noch anhand von Landesgrenzen definiert. Es ist eine Botschaft, die uns darüber nachdenken lässt, dass der Rechtsextremismus erneut in die Mainstream-Politik in ganz Europa und den USA eingekehrt ist.

Im Fahrwasser einer populistischen Sprache unter Betonung nationaler Zugehörigkeit gelingt es den Rechtsextremen, Rassismus zu legitimieren. Amerikas sogenannte alt-right-Bewegung, der Front National in Frankreich, UKIP und die fremdenfeindlichen ‚Leavers‘ in Großbritannien – sie alle nutzen die Unzufriedenheit, die mit der Globalisierung einherging, um im Innern Feindschaften zu schüren. Die Lösung komplexer wirtschaftlicher und politischer Wirklichkeiten ist für diese Gruppen so einfach wie die Jagd auf ‚das Monster‘. Der Anführer Jack gibt sein Erbe weiter an Figuren wie Trump, Marine Le Pen und Nigel Farage.

Die Stimme der Vernunft

Als Gegenstück zu Jacks Agitation und Angstmacherei stellt uns ‚Herr der Fliegen‘ die beiden Freunde Piggy und Simon vor. Piggy glaubt an den wissenschaftlichen Fortschritt, ist sich aber auch bewusst, dass eine Weiterentwicklung der Menschheit aufgehalten wird, wenn „wir Angst vor Menschen bekommen“. Piggy wird geschwächt, wenn die Jungen seine Brille stehlen – sein Symbol von Vision und Klarheit – und sie benutzen, um ein Feuer zu entzünden. Das Feuer gerät außer Kontrolle, was zur Zerstörung eines Teils ihres neuen Zuhauses führt. Statt den ersten Akt einer vereinten Zivilisation zu repräsentieren, signalisiert die Entstehung des Feuers die Uneinigkeit, die die Gruppe spaltet und schließlich unter Jacks Verantwortungs als Stammesoberhaupt zum Tode von Piggy führt.

Wie Piggy den Fortschritt repräsentiert, so steht Simon für die Vernunft. Er weiß, dass ‚das Monster‘ nicht real ist und durch die Angst der Jungen erschaffen wird. „Wann immer Simon an ‚das Monster‘ dachte“, so heißt es, „stand vor seinem inneren Auge das Bild eines Menschen, der heroisch und krank zugleich war.“ Trotz dieser Einsicht wird Simon als schwach angesehen und gemieden.

Nach einer Expedition, die er allein angetreten hatte, entdeckt er, dass ‚das Monster‘ lediglich ein toter Fallschirmjäger ist – ein Opfer des Krieges, der in der Ferne tobt. Sein Fallschirm hat ihn auf die Insel getragen. Simon kehrt zum Lager zurück, um die Nachricht zu überbringen, aber die Phantasie der Jungen erweckt in ihnen einen blinden Blutrausch. Sie sehen keinen Menschen mehr, sondern nur eine Bedrohung für ihre Gesellschaft. Simons Schreie werden durch das „Reißen der Zähne und Krallen“ übertönt.

Während seiner Vortragsreise an amerikanischen Universitäten im Jahr 1962 erklärte Golding die Gründe, weshalb er den ‚Herr der Fliegen‘ geschrieben hatte:

Mein Buch will sagen: Sie denken, dass jetzt der [Zweite Weltkrieg] vorbei ist und etwas Böses zerstört worden ist, und dass Sie jetzt in Sicherheit sind, weil Sie von Natur aus gut und anständig sind. Doch ich weiß, warum diese Sache in Deutschland so mächtig wurde. Ich weiß, dass es in jedem Land passieren kann.

So weit, so finster. Und dennoch – während Golding die Neigung der Menschheit zu Vorurteilen darstellt, gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer. Nach seiner Flucht vor den von Jack bestellten Menschenjägern trifft Ralph auf einen Marineoffizier, dessen Schiff angelegt hat, nachdem die Mannschaft den Rauch gesehen hat, der von der verwüsteten Insel aufsteigt. Als Ralph „das Ende der Unschuld“ beweint, dreht sich der Offizier um, um das Kriegsschiff in der Ferne zu betrachten. Dieses finale Bild des Buches ist ein Moment der Selbstreflexion. Inmitten der Wildheit und der Katastrophe der rudimentären Zivilisation der Jungen wird die Erwachsenenwelt mit einer Vision ihrer eigenen Torheit konfrontiert.

Die Moral von ‚Herr der Fliegen‘ ist nicht nur, dass die Barbarei keine Grenzen kennt. Die Moral besteht auch darin, dass die Barbarei verhindert werden kann, und zwar durch das Engagement für eine gemeinsame Menschheit. „Wenn die Menschheit eine Zukunft von hundert Millionen Jahren auf diesem Planeten hat“, sagte Golding in seinem Vortrag von 1962, „ist es unvorstellbar, dass sie diese Äonen in einem Gepräge von nationaler Selbstzufriedenheit und chauvinistischer Idiotie verbringen sollte.“

Der Roman mag keine sonderlich herzerwärmende Geschichte sein, aber er präsentiert uns eine erbarmungslose Darstellung einer Gesellschaft, die von Angst getrieben wird. Im neuen Jahr soll dies dem Leser eine dringende Warnung und ein Aufruf zum Handeln sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Lord of the Flies“ by Alaina Buzas (CC BY 2.0)


The Conversation

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Nieder mit dem Wachstum: Wieso wir weniger Wirtschaft brauchen

sunset(image by Unsplash[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was so erfrischend an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN ist, ist die Tatsache, dass sie die  dazugehörigen Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ökologie unseres Planeten berücksichtigen. So scheint es zumindest. Die Einleitung bestätigt es: „Die Erde und ihr Ökosystem sind unser zu Hause“ heisst es dort und unterstreicht die Notwendigkeit, dass man „Eins mit der Natur“ sein möchte. Sie verpflichten sich dazu, die globale Erderwärmung bei unter zwei Grad Celsius zu halten und fordert „nachhaltige Strukturen für die Produktion und den Verbrauch.“

Solch eine Ausdrucksweise signalisiert das Bewusstsein dafür, das etwas an unserem Wirtschaftssystem extrem schiefgegangen ist – dass wir unsere Erde nicht weiter zerfressen können, ohne unsere Sicherheit und unseren Wohlstand ernsthaft zu gefährden – in der Tat gefährden wir damit auch das zukünftige Überleben unserer Spezies.

Schautman jedoch genauer hin, erkennt man einen offenkundigen Widerspruch. Der Kern des nachhaltigen Entwicklungsziel-Programms beruht auf dem alten Modell des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums, das unsere ökologische Krise zuerst hervorgerufen hat: stetig steigende Niveaus der Förderung, der Produktion und des Verbrauchs. Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern „ein um mindestens 7 Prozent gesteigertes Bruttoinlandsprodukt pro Jahr in den am wenigsten entwickelten Ländern“ und flächendeckend „höhere Niveaus der wirtschaftlichen Produktivität.“ In anderen Worten gibt es einen tiefen Widerspruch im Zentrum dieser vermeintlich nachhaltigen Ziele. Sie verlangen gleichzeitig mehr und weniger.

Diese Aufforderung nach einem vermehrten Wachstum kommt zu einem seltsamen Moment – während wir gerade lernen, dass dies physikalisch nicht möglich ist. Momentan übertreffen die globalen Produktions- und die globalen Verbrauchs-Niveaus die Biokapazität unseres Planeten um fast 60 Prozent. Um es anders auszudrücken: Wachstum ist keine Option mehr – wir sind bereits zu viel gewachsen. Wissenschaftler sagen, dass wir die Grenzen unseres Planeten in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit überschreiten und das größte Massenaussterben der Spezien in mehr als 66 Millionen Jahren erleben werden. Die unangenehme Wahrheit ist, dass unsere ökologische Überschreitung fast nur dem Überkonsum in den reichen Ländern geschuldet ist, vor allem derer im Westen.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern eine verbesserte „globale Ressourcen-Effizienz“ und eine „Abkopplung des wirtschaftlichen Wachstums von dem Zerfall der Umwelt“. Unglücklicherweise gibt es keine Anzeichen, dass dies auch nur annährend in der Geschwindigkeit möglich ist, die hierfür notwendig wäre.

Die weltweite materielle Förderung und der Verbrauch stieg zwischen 1980 und 2010 um 94 Prozent an und beschleunigte im letzten Jahrzehnt derart, dass ein derzeitiger Maximalwert von 70 Billionen Tonnen pro Jahr erreicht wurde. Und er steigt noch immer an: Hochrechnungen haben ergeben, dass im Jahr 2030 die Marke der 100 Billionen Tonnen gebrochen wird.

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass wir im Jahr 2040 die Verschiffung und die Spedition von Gütern per Lastkraftwagen sowie per Flugzeug weltweit mehr als verdoppeln werden – ebeno wie die Waren selbst, die diese Fahrzeuge transportieren werden. Im Jahr 2100 werden wir drei Mal mehr Feststoffabfall produzieren, als es heute der Fall ist.

Eine Effektivitätssteigerung wird diesen Kreislauf nicht durchbrechen können, vielmehr könnte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in vielen ärmeren Ländern noch notwendig sein – aber für die Welt als solche besteht die einzige Option in einer bewussten Wachstumsrücknahme und einem schnellen Wechsel zu dem, was der legendäre Ökonom Herman Daly als einen stabilen Staat, der ökonomische Aktivität in ökologischem Gleichgewicht hält, bezeichnet.

Eine Wachstumsrücknahme ist nicht gleichbedeutend mit Armut. Im Gegenteil ist die Wachstumsrücknahme perfekt kompatibel mit hohen Niveaus der menschlichen Entwicklung. Für uns ist es absolut möglich, unseren Verbrauch der Ressourcen zu verringern, während wir die Dinge vermehren, die wirklich von Bedeutung sind, wie zum Beispiel das Glück des Menschen, dessen Wohlbefinden, Bildung, Gesundheit und Lebensdauer – bedenkt man die Tatsache, dass Europa in vielerlei Hinsicht höhere Indikatoren der menschlichen Entwicklung als die USA besitzt, und das trotz des um 40 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukts und der um 60 Prozent geringeren Emissionen pro Kopf.

Das ist das Ende, auf das wir uns voll konzentrieren müssen. Tatsächlich besteht der sicherere Weg zur Armut darin, einfach so weiterzumachen, wie wir es derzeit tun. Wie der Top-Ökonom Joseph Stiglitz verdeutlichte, ein wachsendes Bruttoinlandprodukts in einer Welt mit ökologischer Überschöpfung den Lebensstandard mindert, statt diesen zu verbessern.

Wir müssen das Bruttoinlandsprodukt durch einen gesünderen Maßstab für die menschliche Entwicklung ersetzen, wie zum Beispiel durch den Indikator des wahren Fortschritts. Wir solten die Idee des exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums ohne Ende vollständig abschaffen. Traurigerweise übergeben die nachhaltigen Entwicklungsziele diese wichtige Herausforderung an die nächste Generation – am Ende der Erklärung wird verkündet, dass „bis 2030 existierende Initiativen ausgebaut werden, um Maßnahmen des Fortschritts auf der Basis der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen, die das Bruttoinlandprodukt komplementieren.“ In anderen Worten, sie vertagen das Problem auf das Jahr 2029.

Aber was ist mit den Arbeitsplätzen? Wann immer ich Vorträge über die Wachstumsrücknahme halte, ist das immer die erste Frage, die mir gestellt wird – und wir müssen sie ernst nehmen. Ja, die Wachstumsrücknahme wird die Eliminierung überflüssiger Produktionen und Arbeiten verlangen. Aber dies bietet uns eine schöne Gelegenheit, die Arbeitswoche zu verkürzen und mehr Gedanken an eine andere große Idee aufkommen lassen, die die Vorstellungen der Menschen in den letzten paar Jahren gefangengenommen hat: ein universelles Grundeinkommen. Wie soll dies finanziert werden? Es gibt viele Optionen, einschließlich progressiver Steuern auf kommerzielle Landnutzung, auf finanzielle Transaktionen, Transaktionen mit fremden Währungen sowie auf Kapitalgewinne.

Wir müssen der Tatsache ins Auge blicken: in einem Zeitalter der schnellen Automatisierung ist eine Vollbeschäftigung auf globaler Ebene sowieso ein Luftschloss. Es ist Zeit, dass wir in Ermangelung formeller Arbeitsplätze an Möglichkeiten denken, um zuverlässige Lebensgrundlagen zu ermöglichen. Dies wird uns nicht nur bei der notwendigen Wachstumsrücknahme helfen, sondern es wird den Menschen auch dabei helfen, ihren ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und slaventreiberähnlichen Arbeitgebern zu entkommen und die Arbeitsbedingungen verbessern – zwei Ziele, die die nachhaltigen Entwicklungsziele festgesetzt haben und erreichen möchten.

Außerdem wird es Menschen die Möglichkeit bieten, mehr Zeit und Mühe in die Dinge zu investieren, die wirklich von Bedeutung sind: sich um die Menschen zu kümmern, die einem lieb sind, das eigene Essen anzubauen, Gemeinden zu ernähren und heruntergekommene Gegenden wieder aufzubauen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”sunset” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Internationale Datenpolitik und Vertrauenskrise

politik(image by geralt[CC Public Domain] via Pixabay)

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie, die sich im Vorfeld der Konferenz MSFT Explained (am 27. September in Berlin) mit Fragen der Digitalisierung unserer Gesellschaft auseinandersetzt.


Nicht selten begegnet einem in netzpolitischen Diskussionen der Topos der Vertrauenskrise. Genährt von Snowden und seinen Enthüllungen, Angst vor Digitalmonopolisten und der Komplexität und damit einhergehende Undurchschaubarkeit digitaler Prozesse wird der Vertrauensaspekt zur Triebfeder netzpolitischer Forderungen. Dabei verdient der Begriff der Vertrauenskrise eine nähere Betrachtung. Zunächst einmal: Ist eigentlich mangelndes Vertrauen – oder anders gewendet: Misstrauen – stets Ausdruck einer Krise?

Die im ersten Reflex naheliegende Bejahung der Frage widerspricht auf den zweiten Blick fundamental den Grundbedingungen demokratischer Gesellschaften. Demokratische Kulturen zeichnen sich durch institutionalisiertes Misstrauen aus. Dies gilt gerade in den gesellschaftlichen Bereichen, in denen als illegitim empfundene Machtasymmetrien beobachtet werden.

Eine Republik von Teufeln

Demokratien, so Kant, sind so konzipiert, dass sie im Zweifel auch für eine Republik von Teufeln funktionieren, denn es kommt nicht auf das Vertrauen an den anderen an. Vertrauen entsteht nicht durch blinden Glauben an die Glaubwürdigkeit des Gegenübers. Es entsteht in einer demokratischen Gesellschaft dadurch, dass die Asymmetrien durch Normen und Gesetze reguliert werden und Vertrauen in die Verrechtlichungsprozesse besteht.
Narrative des Misstrauens sind daher ein gesunder Ausdruck einer demokratischen Kultur. Sie werden erst dann problematisch, wenn die Teilnehmer des demokratischen Prozesses kein Vertrauen in den (rechtlichen) Rahmen der Auseinandersetzung haben.

Demgegenüber wird eine digitale Vertrauenskrise vielfach damit begründet, dass technische Prozesse nicht die nötige Transparenz aufwiesen. Mehr Transparenz bedeutet aber nicht mehr Vertrauen. Im Gegenteil: Eine vollständige Transparenz – etwa in Bezug auf die Teilnehmer an einem demokratischen Diskurs durch Nennung ihrer Namen und wahren Identitäten – würde das Vertrauen in die Grundbedingungen der demokratischen Auseinandersetzung erschüttern, weil man davon ausgehen müsste, dass bestimmte Teilnehmer, die anonym bleiben wollen, weil sie unliebsame Dinge äußern, am Diskurs gar nicht erst teilnehmen.

Das Netz steckt in den Kinderschuhen der Regulierung

Der internationale Kontext, in dem sich das grundsätzlich globale Internet bewegt, steckt in den Kinderschuhen der Regulierung, wenn es um den rechtlichen Vertrauensrahmen für die Auseinandersetzung des Misstrauens geht. Aus diesem Grund ist der Topos der Vertrauenskrise durchaus verständlich.

Aber es ist Vorsicht geboten, hieraus vorschnell Schlüsse zu ziehen – erst recht, wenn sie auf eine Rückbesinnung zum nationalen Rahmen zielen. So würden „Schengenrouting“ oder andere Grenzziehungen im digitalen Raum nicht eine wie auch immer geartete Vertrauenskrise, sondern den digitalen Raum als solchen beseitigen, der für eine demokratische internationale Auseinandersetzung zur Verfügung steht.

Vertrauensdiskurse zwischen Staaten geraten schnell in nationalistische Fahrwasser, die dem demokratischen Grundgedanken widersprechen (wir die Guten vs die anderen, die zu misstrauen sind). Betrachtet man das Narrativ der „Vertrauenskrise“ aus der größeren Perspektive, so ist sie Teil eines neu-nationalistischen Diskurses, der gerade nicht auf eine demokratische Völkerverständigung ausgerichtet ist.

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Image „Politik“ by Geralt (CC0 Public Domain)


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Mit einer App durch die ganze Welt: Captain Train verbindet Europa

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Im vergangenen Jahr sind meine Freundin und ich für zwei Monate durch Europa gereist. Was neben dieser unglaublichen Erfahrung hängen blieb, waren jede Menge Apps von Bahnunternehmen, Fluggesellschaften, Verkehrsanbietern und diversen Sharing-Diensten auf unseren Smartphones. Der europäische Binnenverkehr besteht aus Dutzenden nationalen Einzelunternehmen.

Europa ist selbst im Jahr 2016 noch nicht einmal die Summe seiner Teile, sondern einfach nur eine Ansammlung vieler kleiner Teilchen. Dieser Mangel an einer europäischen Identität und, so banal das klingt, vor allem im Verkehrswesen, hat vielleicht mehr mit der europäischen Krise zu tun als vielen klar ist. Ein Teil einer Lösung könnte eine einzige, alles verbindende App sein. Und zwar die des französischen Startups Captain Train.
Captain Train vergleicht bestehende Fahrkartenangebote nationaler Bahnunternehmen und kombiniert verschiedene Streckenangebote. So kriegen die Kunden des Startups immer die günstigsten Preise angeboten und können zusätzlich internationale Bahnstrecken, die so meist nicht angeboten werden, einfach und direkt als Onlineticket buchen.

Das 2009 von Jean-Daniel Guyot in Paris gegründete Startup ist inzwischen das größte Buchungsportal für Bahntickets in Europa. Im vergangenen Jahr konnte mit Daniel Beutler ein ausgewiesener Experte der Bahnindustrie als neuer Geschäftsführer gewonnen werden. Beutler war zuvor als Leiter des Vertriebs für Westeuropa im Vorstand der DB France, der Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn in Frankreich.

Vor Kurzem traf ich Daniel Beutler und Mounir Laggoune, Country Manager Deutschland von Captain Train, zum Interview im St. Oberholz. Die Beiden erklärten mir, wie es Captain Train geschafft hat, den europäischen Markt, in dem jedes Jahr Bahnfahrkarten im Wert von mehr als 70 Milliarden Euro verkauft werden, zu erobern. Die Antwort ist einfach: Es machte sonst niemand. Daniel Beutler erklärt die Motivation:

Ich glaube, dass es wichtig ist, mehr als nur nationale Produkte zu verkaufen. Wir denken alle europäisch, aber viele reden immer darüber, dass man das auch verkaufen können muss. Ich glaube einfach, die Bahnunternehmen verlieren Kunden, wenn sie es nicht schaffen, eine Strecke auch grenzüberschreitend anzubieten.

Was Beutler im Jahr 2016 als noch zu erreichendes Ziel von Bahnunternehmen anspricht, ist leider wirklich noch genau das: ein nicht erreichtes Ziel. Es ist immer noch kaum möglich, eine Zugreise von einem europäischen Land in ein anderes europäisches Land einfach und schnell zu planen.

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Daniel Beutler von Captain Train will Europa zusammenführen.

Viele Menschen nehmen deshalb einfach einen Flieger, was aber nicht sonderlich umweltfreundlich ist. Von Berlin nach Danzig ist der Flug beispielsweise sehr teuer, preiswerter kann man mit dem Zug fahren. Wenn man das Ticket allerdings bei der Deutschen Bahn kauft, bekommt man nicht zwingend die preiswerteste Verbindung angeboten. Besser ist es, mit der Regionalbahn von Berlin nach Stettin und dann mit der polnischen Eisenbahn nach Danzig weiter zu fahren. Auf die Idee muss man aber erst einmal kommen.

Captain Train hat die polnische Staatsbahn PKP noch nicht im System, die App verfügt dafür aber über Verbndungen in ganz Westeuropa. Die App findet stets die besten Verbindungen, denn diese Bahn-Tricks in den Grenzregionen kennt nicht jeder. Danier Beutler findet auch, dass man dieses Detailwissen vom Kunden nicht erwarten kann. Genau deshalb macht Captain Train für ihre Kunden genau diese Überlegung. Mounir Laggoune erläutert: „Wir sind die Einzigen, die wirklich in alle Systeme reingehen, sei es das von der Deutschen Bahn, der SNCF oder Trenitalia, und so immer die besten Preise anbieten. Selbst innerhalb Deutschlands, beispielsweise auf Teilstrecken der Verbindung von Frankfurt/Main nach Paris, wo DB- und SNCF- Züge in Kooperation fahren, aber die Vertriebssysteme in Konkurrenz sind, können wir auf beide Systeme zugreifen und dann den besten Preis anzeigen.“

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Sogar ein Reiseland wie Belgien, dem man trickreich begegnen muss, wenn man komfortabel und günstig reisen will, schreckt Captain Train nicht ab. Es kann dort oft preiswerter sein, ein Zehnerticket der belgischen Bahn SNCB zu holen, das es einem ermöglicht, eine Strecke pro Streifen abzufahren, egal wie lang die Strecke ist. Dazu kommen Rabatte für Menschen unter 26 Jahren und Journalisten. Die möglichen Kombinationen sind hier gefühlt unendlich. Beutler erläutert: „Bei Belgien sind wir gerade dran, um dir genau das anzubieten. Das ist auch unser Anspruch. Ich möchte ja nicht, dass du eine Sache findest, wo du hinterher sagst: ‚Hey! Das ist nicht drin!’, sondern eigentlich muss es genau andersherum sein. Du hast was im Kopf und wir finden noch was Besseres. Das ist unser Anspruch. Und was wir so als Feedback bekommen, klappt das schon relativ häufig.“

Das französische Startup ist damit aktiver als die Politik dabei, einen europäischen Binnenmarkt zu schaffen – zumindest wenn es um den Online-Verkauf von Bahntickets geht. Die großen, nationalen Bahngesellschaften bieten diesen Service teilweise zwar auch an, aber teurer und vor allem nicht für den Kunden bestmöglich kombiniert. Genau das macht Captain Train – und noch vieles mehr: Bei Problemen bietet das Startup einen eigenen Kundenservice an. Dieser ist zur Zeit auf Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch erreichbar, ein beeindruckendes Angebot für ein europaweit agierendes Startup.

Wesentlich größere Corporates schaffen dies noch nicht – oder wollen einfach nicht. Als Beispiel soll hier die Postbank genannt werden, die kürzlich via Twitter einen Kundendienst auf Englisch verweigerte. Beutler meint dazu: „Wir entwickeln unser Produkt immer weiter und sind stets Vorreiter, weil wir immer die neuesten Features von Apple und Android in unsere Apps integriert haben. Das ist immer noch wichtig, denn wenn auch die Bahnunternehmen mit ihren eigenen Apps näher rücken, ist unser Alleinstellungsmerkmal, dass wir viel mehr als die Bahnanbieter anbieten. Das heißt, man muss jetzt nicht in Frankreich eine App runterladen und dann wieder in Spanien und dann wieder in Deutschland, sondern man hat eine App, die immer das gleiche Nutzungserlebnis bietet. Das ist, denke ich, sehr wichtig.“

Durch Startups wie Captain Train wird Europa besser erlebbar – und somit auch verständlicher. Dieser Dienst an der Gesellschaft ist sicher nicht das Ziel des Unternehmens, aber eine positive Nebenerscheinung und ein weiteres Beispiel, welchen Beitrag die Digitalisierung für eine bessere Welt leisten kann.


Images & Screenshot by Daniel Beutler


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Wie ein einziges Feuer die rumänische Regierung stürzte

Victor Ponta la Atelierele Viitorului - Editia a III-a, Palatul Parlamentului (adapted) Image by Partidul Social Democrat [CC BY 2.0] via flickr)

Es war eine Freitagnacht in Bukarest und auf einer Party im Nachtclub “Colectiv” wurde das neue Album der Metalband “Goodbye to Gravity” vorgestellt. Ein Feuerwerk markierte das Ende der Show. Weniger als zwei Minuten später brannte der Club lichterloh. Fast 150 Menschen wurden verletzt – viele von ihnen schwer – und mehr als 30 Personen starben.

Rumänien fiel in einen tiefen Schock. Und dann, als Details darüber ans Licht kamen, was am 30. Oktober 2015 passiert war, ging die kollektive Empathie in eine allgemeine Wut gegen das System über, womit der Sturz möglich war.

Es sollte mehr als ein Feuer in einem Nachtclub brauchen, um eine Regierung zu stürzen. Und trotzdem wurden schnell Verbindungen zwischen dem Feuer und der politischen Kultur gesehen, die von Rumäniens Premierminister Victor Ponta genährt zu sein schien. Tausende Menschen fanden sich zum Protest zusammen – und innerhalb von Tagen war Ponta zurückgetreten. Warum?

Zwei Seiten der Krise

Es gibt zwei Arten von Fehlern, die zu einer Krise beitragen: latente und aktive. Aktive Fehler sind menschliche Fehler, die direkt an die Folgen eines Ereignisses gekoppelt sind, während latente Fehler aus Umständen und Systemen entstehen, die diese möglich machen.

Diese Unterteilung ist die Wurzel der Ereignisse nach dem Desaster. Einige Rumänen nahmen an, dass das Feuer im “Colectiv” ein Ergebnis von aktiven Fehlern war, und verwiesen auf die Entscheidung, das Feuerwerk innen abzuhalten, was für einen unangemessenen Ort gehalten werden kann. Die Besitzer wurden verhaftet und wegen Totschlags angeklagt. Sie wurden beschuldigt, zu viele Menschen in den Club gelassen und keine feuersichere Schalldämmung genutzt zu haben.

Aber das rumänische Volk hat instinktiv gespürt, dass das politische System selbst latente Fehler hervorbringt und dass dies geändert werden muss, um solche Tragödien in Zukunft vermeiden zu können.

Ein paar Tage nach dem Feuer veröffentlichte Andrei Sosa, der Besitzer eines der belebtesten Nachtclubs in Bukarest, einen offenen Brief auf seiner Facebookseite, in dem er darlegt, wie einfach man eine Nachtclublizenz erhalten kann und wie oberflächlich die formalen Inspektionen der Clubs sind (tatsächlich fand im “Colectiv” am Tag des Brandes eine Gesundheits- und Sicherheitsinspektion statt). Sosas Brief verbreitete sich rasant und schien der Anlass zu dem Erwachen des kollektiven Gefühls zu sein, dass, während Menschen möglicherweise auf Abwege geraten und dafür bestraft werden können, der Schüssel zu einer realen und dauerhaften Veränderung die Verbesserung des Systems ist.

Am nächsten Tag gingen die Rumänen in Bukarest und jeder anderen größeren rumänischen Stadt auf die Straße und forderten ein Ende der Korruption auf allen Regierungsebenen. Sie machten die Korruption für die schwache Umsetzung der Sicherheitsbestimmungen verantwortlich, die die Tragödie versucht zu haben schien.

Sie protestierten außerdem gegen die Kultur der Toleranz gegenüber der Korruption, die zu einer finanziell motivierten und ansteckenden Schlamperei geführt habe. Schließlich blieb Ponta im Amt, obwohl er sich wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und Geldwäsche vor Gericht zu verantworten hat. Sein Innenminister muss sich ebenfalls Fragen über den Missbrauch von öffentlichen Mitteln stellen.

Die latenten Bedingungen, die zu der Krise führten, sind weitreichend. Neben diesen berühmten Beispielen gibt es die Ansicht, dass Korruption auf den höchsten und niedrigsten Ebenen grassiert. Es gibt außerdem umfangreiche Befürchtungen über den Verlust von qualifizierten Mitarbeitern im Gesundheitswesen, eine alternde Gesellschaft und die Auswirkungen von Bemühungen zur Steigerung der Wirtschaftsleistung, die Budgetkürzungen im Gesundheitswesen und in den Hilfsdiensten beinhalteten.

Über die Tragödie hinaus

Das Feuer im “Colectiv” war das erste in Rumänien, aber nicht in der Welt. Schlecht umgesetzte oder fehlende Regulationen und/oder Korruption scheinen insgesamt die Hauptschuldigen für solche Unfälle zu sein, aber keiner der vorherigen führte zum Rücktritt eines Politikers – am wenigsten zu dem eines Staatsoberhaupts. Damit ist die Lage in Rumänien anders.

Es war nicht das erste Mal, dass eine rumänische Regierung durch einen Volksaufstand gestürzt wurde. Einige der Menschen, die nun auf die Straße gingen, erinnern sich sicherlich noch an die Revolution zum Ende des Kommunismus 1989. Aktueller, im Jahr 2012, brachten Proteste über die Sparmaßnahmen eine weitere Regierung zum Fall – und gaben den Weg frei für Victor Ponta.

Das Feuer im Nachtclub am 30. Oktober könnte der Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, aber es folgt Jahre des wachsenden Ärgers über den Zustand des Staates unter Ponta. Einige Zeit lang haben jüngere Rumänen stärkere demokratische Prozesse und ein Ende der Korruption angemahnt.

Einfach ausgedrückt: Die “Colectiv”-Tragödie hätte keine Regierungskrise ausgelöst, wenn es keine andauernde und tiefe Unzufriedenheit mit dem politischen System in Rumänien gegeben hätte. Die zivile Solidarität der Rumänen, die als Folge auf den 30. Oktober aufkam, hat sich als erstaunlich effektiv erwiesen, aber die Euphorie muss mit Vorsicht genossen werden. Genau wie 1989 und 2012 könnte die Folgezeit nach diesen bemerkenswerten Ereignissen, so positiv sie sich auch anfühlen mögen, in der Zukunft auch neue Krisen ausbrüten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Victor Ponta la Atelierele Viitorului – Editia a III-a, Palatul Parlamentului” by Partidul Social Democrat (CC BY 2.0)


 

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Quo Vadis, Reddit?

reddit sticker - 3 (adapted) (Image by Eva Blue [CC BY 2.0] via Flickr)

Nach acht Monaten und viel Kritik ist Ellen Pao als CEO von Reddit zurückgetreten. Dabei sind in der Krise der letzen Wochen vor allem die Nutzer und der Vorstand zu kritisieren. Reddit bezeichnet sich selber als die Titelseite des Internets, doch was hinter den Kulissen in den letzten Wochen abgegangen ist, kann ohne Probleme als massive Krise bezeichnet werden. Der bisherige Gipfel war der Rauswurf der Interims-Geschäftsführerin Ellen Pao nach einer Revolte der Nutzer des Message Boards. Das Verhalten vieler Nutzer gegenüber Pao bezeichnete Reddit-Verwaltungsratschef Sam Altman als widerlich und auch wenn der Weggang Paos angeblich in gegenseitigen Einvernehmen geschah, bleibt doch ein sehr bitterer Beigeschmack.

Anatomie einer Krise

Nach nur acht Monaten ist Ellen Pao als CEO bei Reddit wieder zurückgetreten. Doch wie konnte es so weit kommen? In der Kritik stand Pao bei Reddit-Nutzern schon länger. Ihr Vorhaben, gegen Belästigung und Beleidigung auf Reddit vorzugehen und in dem Zuge einige besonders schlimme Subreddits zu schließen, stieß bereits auf Kritik, da viele Nutzer der Meinung waren, dass dies der Grundidee von Reddit, der Freiheit alles sagen zu dürfen, widerspricht. Diese Kritik kam allerdings überwiegend von Reddit-Nutzern, die diese Freiheit oftmals für genau diese Zwecke missbraucht haben – von anderen Seiten, besonders außerhalb des Message Boards, wurde dieser Schritt Paos durchaus begrüßt. Aber auch generell waren viele Redditors der Meinung, dass Pao bei ihren Entscheidungen eher aus Unternehmenssicht handelte und nicht die Community und deren Bedürfnisse im Blick hat.

Eskaliert ist die Situation allerdings erst, als Reddit-Communication-Director Victoria Taylor entlassen wurde. Taylor war vor allem für die AMAs (Ask Me Anything) verantwortlich. AMAs sind ein Forum, in dem Prominente – von Schauspielern bis hin zu Barack Obama – dee Community Rede und Antwort standen. Die Rubrik erfreute sich überaus großer Beliebtheit, auch weit über die Reddit-Grenzen hinaus. Der Rauswurf Taylors hat bei Reddit-Nutzern vor allem deswegen Unmut hervorgerufen, weil es so plötzlich und unerwartet geschah und weil weder von Taylor noch von Reddit eine Erklärung für den Sachverhalt geliefert wurde. Die Moderatoren, die freiwillig und unentgeltlich Subreddits leiten, waren schockiert, da sie mit Taylor eine der wichtigsten Ansprechpersonen bei Reddit verloren hatten. Da sie ohnehin schon hart am Limit operierten und ohne Taylor keine Hilfe mehr hatten und durch die mangelnde Kommunikation der Reddit-Führung auch nicht wussten, wie es weitergehen wird, haben sie aus Protest viele beliebte Subreddits auf Privat gesetzt. Ein Großteil von Reddit war plötzlich nicht mehr da.

Durch die Schließung vieler beliebter Subreddits und den Mangel einer Erklärung für den Weggang Taylors wuchs der Druck auf Ellen Pao gewaltig. Viele aufgebrachte Nutzer machten ihrem Ärger in einigen noch verbliebenen Subreddits Luft und beschimpften und verunglimpften Pao mit oftmals sexistischen Beleidigungen. Andere kehrten dem Message Board den Rücken und gingen zum Schweizer Reddit-Klon Voat, der die Redefreiheit der Nutzer betont und ein ehemaliger Reddit-Mitarbeiter hatte sogar den Plan geäußert, ein besseres Reddit mit Bitcoin-Technologie zu bauen. Eine Woche nachdem die Moderatoren mit der Schließung der Subreddits protestiert hatten, kam dann am Freitag, den 10. Juli, die Nachricht, dass Pao als CEO zurückgetreten ist.

Freundschaftliche Trennung?

Auch wenn Pao erklärte, dass die Trennung freundschaftlich von Statten gegangen ist, gibt es doch einige Zweifel daran. Auf die Frage nach den Gründen für den Rücktritt, sagte Pao, dass die Reddit-Führung und sie unterschiedliche Ansichten zum Wachstumspotenzial der Seite hatten. “Sie hatten eine viel aggressivere Sicht als ich”, erklärte sie gegenüber Re/code. Auch Steve Huffman, Reddit-Mitbegründer und der allererste CEO, der nun die Führung von Pao wieder übernimmt, äußerte sich ganz ähnlich. “Ich denke Reddit könnte eine zehnmal so große Community sein und ich habe eine ziemlich klare Vision, wie dies zu erreichen ist.” Der Vorstand hatte also ganz offensichtlich eine andere Vorstellung als Pao, wohin es mit Reddit gehen soll und vor allem wie schnell, was sicherlich nicht nur auf freundschaftlicher Basis besprochen wurde.

Paos Vorgänger, Yishan Wong, meldete sich am Wochenende mit einem Beitrag auf Reddit zu Wort, in dem er sich über den Weggang von Pao äußerte und die Vermutungen unterstrich. Vor allem äußerte er harte Kritik am Reddit-Mitbegründer und Executive Chairman Alexis Ohanian, den er beschuldigte, Victoria Taylor gefeuert zu haben. Ohanian hatte wohl eine andere Vorstellung von den AMAs und wollte die Kontrolle über diese beliebte Rubrik gewinnen, da ihm Taylors Rolle nicht gefiel. Wong kritisiert die miserable Unternehmensführung und stellt die Theorie auf, dass Ellen Pao nur ein Sündenbock war, denn als die Kritik und der Hass gegen Pao hochkochten, hätte Ohanian offen erklären müssen, dass er Taylor gefeuert hatte – stattdessen hat er sich zurück gelehnt und zugesehen, wie der Druck auf die Interims-CEO wuchs.

Quo Vadis, Reddit?

Doch auch ohne diese Anschuldigungen von Wong sieht das Verhalten des Vorstandes nach außen nicht gut aus. Öffentliche Schützenhilfe für Pao gab es zu keiner Zeit, was schon verwundert, wenn es doch um die eigene Website geht, die zum Großteil lahmliegt und deren CEO von den Nutzern auf ganz hässliche Art persönlich beschimpft wird. Pao selber schrieb in ihrer Abschiedserklärung: “Ich möchte nur alle daran erinnern, dass ich auch ein menschliches Wesen bin. Ich habe eine Familie und ich habe Gefühle. Jeder, der auf Reddit angegriffen wird, ist auch eine Person, wie du und ich.” Weiter schrieb sie über das Verhalten der Reddit-Nutzer: “Es untergräbt die Authentizität von Reddit und erschüttert unseren Glauben an die Menschheit.

Einzig Verwaltungsratschef Sam Altman äußerte sich zu dem Thema, wenn auch erst nach dem Rücktritt Paos. In einer Erklärung schrieb er:Es war widerlich zu sehen, was einige Redditors über Ellen geschrieben haben. Die Reduktion des Mitgefühls, die passiert wenn wir hinter einem Computerbildschirm sitzen, ist nicht gut für die Welt. Menschen sind immer noch Menschen, auch wenn sich das Internet zwischen ihnen befindet.” Noch wichtiger aber ist seine Warnung an die Reddit-Nutzer, dass wenn es der Community nicht gelingt, eine Balance aus Authentizität und Mitgefühl zu finden, kann Reddit zwar eine großartige Website, aber nie eine großartige Community sein. Und genau das ist die schwierige Situation, in der sich Reddit nun befindet. Der alte neue CEO Huffman will die Seite aggressiv wachsen lassen, aber es scheint nicht so, als hätte er seinen Plan gut durchdacht. Wenn man sich die derzeit teilweise haarsträubenden Reaktionen und zutiefst beleidigenden Umgangsformen innerhalb der Community ansieht, die sich allesamt auf die Redefreiheit berufen, mag man sich nicht ausmalen, wie dies aussieht, wenn die Seite tatsächlich auf zehnfache Größe angewachsen ist. Die Freiheit alles sagen zu dürfen ist eine Sache, aber sie wird auf Reddit (genauso wie in weiten Teilen des Internets) oft damit verwechselt, jeden persönlich beleidigen zu dürfen. Ohne Mitgefühl seitens der Nutzer und Schutzmaßnahmen seitens Reddit mag die Seite zwar groß werden, läuft aber Gefahr ein zweites 4chan zu werden.


Image (adapted) „reddit sticker – 3“ by Eva Blue (CC BY 2.0)


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Uber: Zwischen Krise und Wachstum

Uber Fahrdienst (Bild: Uber)

Eigentlich müsste bei Uber alles auf Wachstum stehen, würde der Fahrdienst-Vermittler nicht von einer in die nächste Krise stolpern, wie in der letzten Woche. // von Lukas Menzel

Uber Fahrdienst (Bild: Uber)

Kaum ein Unternehmen hat in den letzten Wochen und Monaten für so viel Wirbel gesorgt wie Uber. Fast täglich kamen neue Informationen über die Praktiken und Pläne des amerikanischen Startups ans Licht. Alleine letzte Woche sorgte der Top-Manager Emil Michael mit Plänen zu einer Schmutzkampagne gegen Journalisten für Entsetzen und die „God View“ sowie die damit verbundenen laxen Datenschutzbestimmungen, bei der  in Echtzeit auf die Fahrtdaten zugegriffen werden kann, für Beunruhigung. Damit taumelt das Unternehmen zurzeit von einer Krise zur nächsten, obwohl eigentlich alle Zeichen auf Wachstum stehen.

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Mehr Journalismus

Guttenberg, Wulff und Co. – sie kennen die Rolle der Gejagten. Haben Journalisten die Macht? Egal, sie haben eine Chance: Mehr Journalismus. Manchmal gewinnt man den Eindruck, Medien würden ein regelrechtes Politiker-Bashing betreiben. Durch die sozialen Medien verbreitet sich diese Art der Berichterstattung rasend schnell – und alle hauen mit drauf. Sind Politiker wirklich die Gejagten und die Medien die Jäger? Die Medien müssten sich statt der Jägerfunktion wieder ihren eigentlichen Funktionen widmen: Informieren, Kommentieren, Einordnen.

„Die Zerbrechliche Demokratie! Von Medien-Jägern und Politik-Gejagten“ – das war das Motto der Medien-SommerAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Wochenende rund 50 Nachwuchsjournalisten nach Bonn lockte. Dr. Thymian Bussemer (Deutsche Telekom AG), Autor und Publizist Tom Schimmek und Dr. Wolfgang Storz, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, diskutierten über die Rollen von Medien und Politik und über die Zukunft des Journalismus. Eines vorweg: Alle sehen noch Luft nach oben.

Gegenseitiges Aufgeilen

Medien können Politiker ganz schön ärgern (was nicht ausschließt, dass es umgekehrt nicht auch so wäre). Die Fälle Guttenberg und Wulff haben gezeigt, wie schnell es sich Politiker mit den Medien verspielen können. Anfangs noch als junge, sympathische Charaktere bejubelt, waren es zum Schluss Betrüger, die in ihrem Amt nicht mehr tragbar waren. Aktuell zeigt sich diese Entwicklung auch beim SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Dieser wurde von zahlreichen Medien gepusht, als sozialdemokratische Hoffnung tituliert – bis, ja bis die Wahlkampfphase gerade begonnen hatte und Steinbrück in so einige Fettnäpfchen tappte. Seitdem ist er der chancenlose Kandidat, der eigentlich gar nichts mit dem Internet zu tun haben wollte, zu viel „Beinfreiheit“ benötigt und vor lauter und Patzern nicht glänzen kann.

Man könnte das Gefühl bekommen, den Medien sei solch ein tollpatschiger Kandidat lieber als eine intensive inhaltliche Auseinandersetzung. Das behauptet auch Tom Schimmek: Die Gefühlserzeugung habe das ganze Geschäft überlagert. Fakten und Inhalte würden verdrängt. Die Medien würden sich gegenseitig „aufgeilen“, Geschichten systematisch aufziehen. Dr. Wolfgang Storz sieht dieses Problem auch. Zwar könne eine Personifizierung eines Falls – zum Beispiel Untreue oder Betrug – auch sinnvoll sein, um den Gesamtzusammenhang zu erklären. Aber obwohl die Politiker von Medien derart getrieben werden können, hat er Zweifel an der These einer Machtverschiebung zugunsten der Medien. Die Politik setze immer noch den Rahmen – und sei laut Schimmek deshalb auch Schuld. „Hören Sie sich mal eine Stunde Frau Merkel an. Das ist wie, wenn Ihnen jemand Blei in die Vene spritzt“, meint der Publizist und macht damit deutlich, dass Medien aus inhaltsleeren Aussagen nun einmal kein journalistisches Kunstwerk zaubern könnten.

Journalismus macht doch jeder

In diesem Zusammenhang nicht verschweigen sollte man den Einfluss von Politikern auf Medien, besonders im Lokalen. Gerne werden Informationen nur herausgerückt, wenn die Berichterstattung dementsprechend positiv ausfällt. Viele Journalisten können ein Lied davon singen, dass Interviews von Politikern autorisiert werden wollen, oft korrigiert werden. „Verweigern, Verfahren offen legen, ehrlich sein, die journalistische Macht ausnutzen“ ist Konsens auf dem Podium. Man müsse als Journalist journalistische Grundsätze bewahren, Standards einhalten. Journalistische Standards? Journalist kann sich doch jeder nennen! Wann ist ein Journalist ein Journalist? Und wie stellt man fest, ob ein Journalist nach journalistischen Standards arbeitet? Braucht es eine Reglementierung? Dr. Wolfgang Storz könnte sich mit einer gewissen Reglementierung anfreunden, insbesondere deshalb, weil es ein Beruf mit einer so wichtigen Stellung in der Demokratie ist. Tom Schimmek möchte von dieser Idee nichts hören. Bloß nicht reglementieren. Die Existenz freier Berufe habe schon ihre Berechtigung. Außerdem sei der Journalismus schon weit professionalisiert.

 

Zurückbesinnen

Was bewegt uns wirklich?“ – das müsse die zentrale Fragestellung von Journalisten sein, so Thymian Bussemer. Schnelligkeit statt Reflexion und Tiefgang sei an der Tagesordnung. Meldungen ersetzen gute Geschichten. Die immer weniger werdenden Ressourcen machen das Problem natürlich nicht besser. Gute, relevante Inhalte, schnell publiziert und eine große Reichweite, damit die Kasse klingelt – das scheint unmöglich. Auch in der politischen Berichterstattung spielt Unterhaltung eine große Rolle, der Reichweite beziehungsweise der Quote wegen, kritisiert Bussemer. Dr. Storz betont gelassen, gesellschaftlich relevante Themen würden nicht die Masse erreichen, das sei so. Ist das so? Ist das Volk zu dumm, zu desinteressiert oder liegt es an der journalistischen Darstellung? Gesellschaftlich relevante Inhalte müssen interessant und vor allem verständlich aufbereitet werden. Eben diese Verständlichkeit sei auch Grund der hohen Auflage der BILD-Zeitung. Schimmek meckert außerdem: „Journalisten sind nicht innovativ genug“. Neues auszuprobieren sei nicht gerade die Stärke von Verlagen.

Die Krise des Journalismus darf also nicht bloß als Krise von Print versus Online betrachtet werden. Die Krise steckt tiefer. Doch es gibt eine Chance. Journalisten sollten sich zurückbesinnen zu ihrem eigentlichen Auftrag: Die Politik kritisch beobachten, aufklären, informieren, kommentieren und einordnen, Orientierung bieten – verständlich und mit Ehrgeiz und innovativen Ansätzen. Wenn der Journalismus wieder in den Fokus rückt, dann braucht es keine Boulevardisierung der Politik, kein Politiker-Bashing und keine Machtspiele mit der Politik. Der Journalismus kann sich retten: durch mehr Journalismus.


Dieser Beitrag erschien zuerst auf VOCER.


Image (adapted) „Blinded By Journalism „ by Ahmad Hammoud (CC BY 2.0)


 

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HTC One: Das momentane Maß aller Smartphone-Dinge

Von Krise ist bei HTC nichts zu spüren. Zumindest wenn man das neue HTC One als Indikator heranzieht. Daniel Kuhn über das momentane Maß aller Smartphone-Dinge.

HTC One: Das momentane Maß aller Smartphone-Dinge

Nachdem Sony und Blackberry das neue Jahr mit zwei wirklich tollen Smartphones eingeleitet haben, konnte HTC mit der Präsentation des HTC One eines der wohl schönsten Geräte des Jahres vorstellen, an dem selbst Samsung und Apple nur schwer vorbeiziehen werden.

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ushahidi: Kriseninformation in Echtzeit

Journalismus 2.1

Der aufmerksame Leser hat hier schon ein Interview mit Juliana Rotich von der letzten LIFT Conference gesehen. Aber es gibt noch viel mehr Leute, die ushahidi zu dem machen, was es ist: Ein revolutionäres Echtzeit-System für Kriseninformation, das im Fall von Haiti die Helfer als einziges Tool hatten, um ihre Hilfe per geolocation mit den Hilfesuchenden zu koordinieren. Patrick Meier ist in jedem Fall ein spannender Interviewpartner für Robert Scoble(izer):

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Bloggen wir Social Media zu Tode?

Über’s Wochenende habe ich mit nachdenklicher Beigeisterung drei Beiträge gelesen: Zum einen bei Johnny auf Spreeblick: „Das Internet hat mein Leben zerstört!„, bei Klaus Eck im PR-Blogger „Social Media Overload“ und den Text von Alex Rühle auf Süddeutsche.de mit dem Titel „Verblöden wir?„.

Die drei Texte habe ich mit meinen Stundenten im Blockseminar „Zukunft der Medien“ an der TU Chemnitz behandelt und die Teilnehmer dazu einen Blogbeitrag schreiben lassen. Ein Studierender hat dazu folgens Youtube-Video gefunden und in seinen Beitrag eingebaut. Fand ich ganz passend zum Thema der Texte:

Heute morgen habe ich bei Rivva dann noch den Link auf eine Story bei ReadWriteWeb entdeckt, die sich mit der „Misere“ des Bloggens und Social Media widmet. Autor Richard MacManus stellt fest, dass sich die Blogosphäre in den letzten Monaten gewandelt hat. Statt zu bloggen, wird getwittert. Statt von Blog zu Blog gelinkt, wird auf Friendfeed und Co. aggregiert und vernetzt. Statt Bloggen als lebendige Diskurskultur mit Gemeinschaftsgefühlt zu betreiben, switchen Blogger zum reinen Publizieren, die Konkurrenz im Kopf und im Nacken.

Die Gründe in den Augen von MacManus:


„What it boils down to is that new media is becoming more like old media – e.g. pro blogs run adverts and pay their writers. At the same time of course, old media is implementing social software such as blogs, widgets and more. […] But there are disconnects between the new and old media worlds – and social media is the cause.“

 

Was soll man nun davon halten? Stimmt die Beobachtung, dass klassische massenmediale Anbieter in den LongTail drängen, sich dort zu etablieren beginnen und sich gleichzeitig die A-List-Gemeinde des Social Web in Richtung „Masse“ bewegt und somit der Looooooooooooong Tail abgeschnitten und erstickt wird? Was meint Ihr?

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