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Fortnite – die Inkarnation des Hypes

Vielleicht sollte es mir mit meinen 19 Jahren zu denken geben, dass ich das Phänomen Fortnite einfach nicht verstehe. Während der Recherche zu diesem Artikel stolperte ich online über das ein oder andere „Ultimate Fortnite Fail Compilation“ Video, mit immerhin so um die vier bis sechs Millionen Aufrufe, das mich stocken ließ. Mich, die RPG-Spielerin, für die League of Legends im Bereich MOBA (Multiplayer-Online-Battle-Arena) das höchste der Gefühle war. Denn mir eröffnete sich in diesen Videos eine überdrehte, quietschebunte Welt voller absurder Tänze und ausgefallener Kostüme. Ach ja: gebaut und Gegner gekillt wird natürlich auch noch. Eigentlich sollte es mich wahrscheinlich gar nicht wundern, dass gerade in unseren schnelllebigen Zeiten besonders Kinder anfällig für diese, nun ja, „spezielle“ Art des Battle Royales sind.

Doch trotzdem wollte ich es jetzt genau wissen: Was macht Fortnite so „einzigartig“? Wie kommt es, dass gerade dieses Spiel sich einer so regen Beliebtheit erfreut, und das übrigens, wie ich herausfand, nicht nur bei pubertierenden Kindern?

Multimedial unterwegs

Zunächst einmal kann das Spiel Fortnite auf PC/Mac/Xbox/Playstation/iOS/ Android und der Nintendo Switch gespielt werden. Also eigentlich auf allen gängigen Computern, Konsolen und Smartphones. Das ist auch schon der erste Punkt, warum das Spiel bis heute circa 125 Millionen aktive Spieler weltweit verzeichnet. Wo auch immer du bist, was auch immer du gerade machst: Du kannst Fortnite spielen. Auf der Couch, vor dem Rechner oder in der Bahn. Das eignet sich besonders gut für die Generation Smartphone, die zu ihrem zehnten Geburtstag ein Handy geschenkt bekommen. Und dazu kommt noch, dass das Spiel komplett kostenlos ist. Außer im Xbox-Store. Hier muss man Xbox Live Gold hinlegen, also die interne Währung der Plattform, um das Spiel zu downloaden. Aber wie auch in anderen Spielen können Items, Kostüme und Waffen in einem zusätzlichen Shop mit Ingame-Geld erworben werden.

Klicks durch Content

Dieser „Grundsatz“ gilt im Internet schon seit längerem. Will man Aufmerksamkeit braucht man nicht nur guten Content, sondern auch möglichst viel davon. Und auch hier wurde ich von Epic Games, dem Herausgeber von Fortnite, leicht erschlagen. Allein im internen Shop für Kleidungsstücke, Waffen und andere Items tummeln sich hunderte und aberhunderte von gewöhnlichen, legendären, seltenen und besonderen Artikeln. Hier können Charaktermodelle, Emojis, Tänze und Ausrüstung noch und nöcher gegen echtes Geld eingetauscht werden. V-Bucks lautet der Name der Ingame-Währung, mit der die meisten der Artikel im Spiel gekauft werden können. Um die Währung zu erhalten, kann man im Spiel tägliche Quests abschließen, oder die V-Bucks eben kaufen. Dafür bietet der Shop mehrere Kaufoptionen, die von zehn Euro bis 100 Euro Echtgeld gehen. Allerdings müssen für einige Items auch besondere Missionen erfüllt, oder besondere Ränge und Abzeichen erreicht werden. Es wird also nie langweilig in der Fortnite Welt.

Das gilt allerdings nicht nur für die Items, die man sich im Shop kaufen kann, sondern auch für die Updates der Spiele. Auch wenn andere Entwicklerstudios wie Blizzard ebenfalls jährlich Updates für ihre beliebtesten Spiele raushauen, ist das nichts im Vergleich zu dem Hype, der sich online jedes Mal entfesselt, wenn eine neue Season Fortnite beginnt. Denn jede Season verspricht eine Veränderung der Spielwelt, neue Events und allgemein neue Items. Für Season acht zum Beispiel soll angeblich ein Wasserbiom auf der Map geplant sein. Zu dieser Vermutung passt zum Beispiel, dass es neue fischige Items und Skins im Shop gibt.

Und alle machen mit

Insbesondere interessant sind bei den Seasons jedoch nicht nur die Neuerungen im Spiel selbst, sondern vor allem die gewaltige Community, die auf diese Veränderungen reagiert. Fast schon wie ein zweites Zuhause wird in Echtzeit online über die Geschehnisse auf der Fortnite-Insel berichtet. Jede noch so kleinste Veränderung wird von den Spielern bemerkt, aufgegriffen und eifrig diskutiert. Inzwischen hat Fortnite sogar League of Legends vom Thron des Spiels mit den meisten Zuschauern auf Twitch gestoßen.

Man mag über Epic Games und Fortnite denken was man möchte, aber Community-Pflege können sie: Auf der Website von Fortnite gibt es immer wieder Kreativwettbewerbe, Ausschreibungen und Präsentationen der Kreationen der Spieler. Einige der Wettbewerbe sind mit bis zu 100.000 US-Dollar dotiert. Was Spiele wie League of Legends mit zahlreichen Sponsoren machen, stampfen die Entwickler von Fortnite mühelos selbst aus dem Boden. Bei einer Community von 125 Millionen aktiven Spielern ist das aber vielleicht auch kein Wunder. Tänze aus Fortnite, wie der Floss Dance, werden zum weltweiten Phänomen, Streamer zu Ikonen und Musiker wie DJ Marshmallow legen in Fornite auf.

Ja, richtig gehört. Auch das gab es erst kürzlich in Fortnite. Ein virtuelles Konzert eines echten DJs, im Spiel. Hunderte Spieler fanden sich auf verschiedensten Server zusammen und ließen die Hüften ihrer Charaktere schwingen. Das Ganze sieht dann so aus:

Fortnite, der Hype unserer Zeit?

Es gibt gefühlt keinen Aspekt des Spielerlebens, den Fortnite nicht abdeckt. Community-Wettbewerbe, Charaktergestaltung, Konzerte, Events, Pop-Kulturelle Anspielungen. Epic Games macht das so selbstverständlich wie kein andere Spieleentwickler. In Fornite verschwimmen die Grenzen der realen Welt mit der der Online-Welt. Zudem ist das Spiel immer erreichbar, immer spielbar und dabei für Einsteiger nicht allzu schwer zu erlernen. Egal wo du herkommst, egal was du sonst zockst, Fortnite garantiert dir sofortigen Spielspaß und bietet jedem der möchte ein virtuelles Zuhause. Dabei springt das Spiel genau auf die Schnelllebigkeit und das „einfach mal kopflos Spaß haben“-an, dass so viele sich zu wünschen scheinen.

Ich war und bin zugegebenermaßen noch immer überfordert mit der schieren Masse an Content, die es täglich zu diesem Phänomen gibt und präferiere weiterhin das ruhige Questen in Azeroth. Aber inzwischen ist Fortnite nun mal ein weltweites Erlebnis. Und auch wenn es Gerüchte gibt, das Spiel Apex Legends würde Fortnite den Rang ablaufen, dürfen sich die Fans des Spiels wohl noch eine Weile in der bunten Online-Welt vergnügen. Und natürlich auch weitertanzen.


Image by Shintartanya /adobestock.com

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Packt den Walkman aus – die Kassette ist wieder da

Ich gebe es zu. Ich habe dem derzeitigen Kassetten-Hype niemals besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Als Schallplatten-Jüngerin war und bin ich fest davon überzeugt, dass auf Vinyl beinahe jedes Lied besser klingt. (Vorausgesetzt die Aufnahme im Studio war ordentlich und derjenige, der den Song auf Vinyl gepresst hat wusste, was er tut.) Trotzdem erwischte ich mich dabei, wie mich ein wohliges Gefühl der Nostalgie überkam, als ich mir das neue Album meiner Lieblingsband kaufte und dem „Exclusive Vinyl Bundle“ ebenfalls eine Kassette beigelegt war. Ich habe keinen Kassettenspieler mehr. Trotz dessen war es ein merkwürdig schönes Gefühl, diesen etwas in die Jahre gekommenen Tonträger wieder in den Fingern zu halten. Rückblenden in meine Kindheit zu alten Spongebob-Hörspielen und Bibi und Tina-Folgen inklusive.

Doch ich bin nicht die Einzige, die die Besonderheit der Kassette wiederentdeckt hat. Egal ob in Serien, in Filmen oder bei Neuerscheinungen in der Musik-Branche. Der Retro-Hype schreitet voran und mit ihm erwacht auch die Kassette zu neuem Leben.

Warum Kassette?

Darauf gibt es wohl keine rein rationale Antwort. Technisch gesehen steht die Kassette modernen CDs und vor allem Streaming Diensten in einiges nach. Maximal 90 Minuten Musik passen auf eine Seite der Kassette. Nach Benutzung muss man das Band manuell zurückspulen, es sei denn das Wiedergabegerät kann das selbst. Und das Wechseln von Songs, oder das Überspringen, ist deutlich komplizierter als bei anderen Tonträgern. Auch wenn die CD insgesamt nur 80 Minuten Musik speichern kann, rauscht und springt sie im Vergleich mit der Kassette nicht. Des Weiteren kann man hier Songs deutlich einfacher überspringen. Wenn es um die reine Praktikabilität geht, macht aber den heutigen Streaming Diensten keiner etwas vor. Millionen von Songs, von überall abspielbar, inklusive der Möglichkeit hunderte individuelle Playlists zu erstellen und diese mit Freunden zu teilen.

Aber um den „praktischen“ Nutzen geht es bei der Kassette auch eher weniger. Viel mehr hat der auflebende Hype etwas mit Nostalgie zu tun.

Totgesagte Technologien leben länger

Einige machen die Streaming-Plattform Netflix für das Wiederkehren der Kassette verantwortlich. In Serien wie „Stranger Things“ oder dem Film „Guardians of the Galaxy” wird die Kassette zum Kult-Objekt erhoben. Indirekt wird der Kassette also vorgeworfen, sie sei nur ein Mittel zum Zweck, um noch mehr Hype zu erschaffen und noch mehr Merchandise zu verkaufen. Aber das wäre zu kurz gedacht. So lässt sich zum Beispiel in Berlin beobachten, dass immer mehr Musikläden Kassetten wieder zunehmend in das Sortiment aufnehmen. Die Kassette sei auch nie ganz weg gewesen, wird hier argumentiert, sie lebe nur neu auf. Gleichzeitig beobachten die Betreiber der Musikgeschäfte das, was die Kassette auch auf längerfristige Sicht wieder stärker in den Mainstream holen könnte: Im digitalen Zeitalter gibt es immer mehr Menschen, die Musik wieder bewusster erleben wollen. Und dazu gehört eben auch, Tonträger wieder in der Hand zu haben. Ähnlich wie bei der Schallplatte sucht man nicht zwangsweise nach rauschfreier Perfektion, sondern nach dem individuellen Charakter der Musik. Somit ist die Kassette nicht einfach ein aufgewärmter „Werbegag“ großer Firmen, sondern sie hat ihren festen Platz in der Retro-Bewegung der Postmoderne gefunden.


Image by Tobias Tullius / unsplash.com

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Vero – Hype um die neue Social Media App

Wer sich viel im Netz und sozialen Medien aufhält, wird wohl kaum daran vorbei gekommen sein. Quasi über Nacht bahnte sich die neue Social Media App Vero mit einem unverwechselbaren Hype ihren Weg auf die Smartphones dieser Welt. Tatsächlich schlummert die App aber schon seit 2015 im Apple-Store. Aber was genau ist das “neue” Social Network und wird es dem Hype gerecht?

Nein zu Werbung und Datensammlerei, ja zu User-Content!

Social-Media-Plattformen wie Facebook und die Unternehmenstochter stehen vermehrt in der Kritik. Bezahlte Posts von Firmen und Influencern prägen die Feeds der User und die Algorithmen nehmen scheinbar kleinen, aufstrebenden Gewerben und Künstlern die nötige Reichweite, um ihr Following wachsen zu lassen. Vero will das ändern und hat dafür sogar ein Manifest aufgesetzt.

Wie bei jedem “Next Big Thing” war der Hype auch zu Vero anfangs groß. Auf Twitter vermuteten manche User hinter dem schlagartigen Hype schon eine Influencer-Kampagne.

Grund zur Begeisterung vieler war das Versprechen der App-Entwickler. Die App wird so als „True Social“ App bezeichnet. In Vero wird deshalb (noch) auf Werbung und Bezahl-Reichweite verzichtet – der User soll nur das sehen, was er sehen möchte und in der tatsächlichen chronologischen Posting-Reihenfolge. Ein nobles Versprechen, das aber auch die Frage nach der Finanzierung der App aufwirft. Für die ersten Millionen Nutzer soll Vero daher noch komplett kostenlos sein, alle, die sich danach anmelden, dürfen dann jährlich mit einem kleinen Betrag rechnen. Das traf zunächst auch auf viel Anklang in der Netzgemeinde. Allmählich schlagen die Meinungen teilweise aber auch um. Vor allem die AGB verunsichern aber viele User, da gepostete Bilder frei weiter verwendet und bearbeitet werden dürfen – was aber auf Instagram und Co. auch nicht anders ist.

Was kann die App?

Vero lässt sich wohl am besten als Facebook mit einer Prise Instagram beschreiben. Wenn ihr die App öffnet, findet ihr im chronologischen Feed, alle Inhalte von Freunden und Seiten, denen ihr folgt. Die Suchanzeige öffnet sich mit Trends, Vorschlägen und aktuell beliebten Hashtags.

Ihr könnt Freunde hinzufügen, Profilen aber auch gleichzeitig folgen. “Freunde” können zudem in die Kategorien “Bekannte”, “Freunde” und “Enge Freunde” eingeteilt werden und eure geteilten Inhalte so auch individuell nur für bestimmte Gruppen zugänglich gemacht werden. Ähnlich wie bei Twitter und Instagram, gibt es bei Vero aber auch Hashtags.

Wenn ihr Postings erstellt, habt ihr sechs verschiedene Optionen: Kamera, Link, Musik, Film/TV, Buch und Ort. Literarische Ergüsse durch reine Text-Postings sind dadurch also gar nicht möglich, was aber auch nicht stört. Das „Empfehlungs“-Feature durch die Posting-Optionen Musik, Film/TV und Buch sind eine nette Idee sich mit Freunden gezielt zu den Themen auszutauschen.

Fazit

Heutzutage erliegen viele Dinge im Internet dem “Next Big Thing”-Syndrom. Für etwa einen Tag bis zu einer Woche müssen sich Apps, News, Memes und mehr der Feuertaufe der Langlebigkeit im Internet unterziehen. Ob wir in den kommenden Monaten noch über Vero reden, bleibt abzuwarten. Potenzial hat die App definitiv und wenn sich das Konzept des Bezahl-Algorithmus- und werbefreien Feeds durchsetzt, kann sie sich definitiv durchsetzen. Ob man sich nur noch ein Social Media Profil antun will, das ebenso wie die anderen regelmäßig mit Inhalten versorgt werden möchte, ist fraglich.

Vero ist für iOS– und Android-Geräte verfügbar.


Image by Nils Hansen

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Innovations- und Technologie-Experte Kian Saemian: „Virtual Reality ist nicht der heilige Gral“

Image (adapted) by szfphy (CC0 Public Domain) via Pixabay

Praktisch jedes Unternehmen sehnt sich danach, „innovativ“ zu sein. Vor lauter Aktionismus tappen deswegen viele blindlings in die Falle von Technologie-Hypes. Wie Unternehmen auf sinnvollem Weg ihre „Zukunft durch Innovation“ sichern, stand jetzt im Mittelpunkt des gleichnamigen Branchentalks des Photoindustrie-Verbands (PIV). Über die Chancen und Risiken von Virtual Reality im Unternehmenseinsatz sprachen wir am Rande der Konferenz mit Kian Saemian. Er ist Senior Manager Business Development bei Mackevision, einem deutschen Spezialisten für Computer Generated Imagery, der unter anderem visuelle Effekte für die Blockbuster-Serie Game of Thrones produziert hat.

Julia Froolyks: Guten Tag, Herr Saemian. Wie viel Hype steckt noch im VR-Thema? Wie viel Wertschöpfung können Unternehmen tatsächlich schon damit generieren?

Kian Seamian: Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer Türe, hinter der sich ein extrem langer Gang befindet. Da, wo wir nun im Bereich VR stehen, haben wir die Türe aufgemacht und sind ein bis zwei Schritte gegangen. So würde ich den Stand von VR momentan beschreiben, in Bezug auf die Nutzung und Ausschöpfung dieser Technologie. Das heißt, es ist noch ein extrem langer Weg mit vielen Verbesserungen. Der tatsächliche Hype um VR ist mittlerweile aber stark abgeflacht, da VR-Brillen seit über einem Jahr final für den Massenmarkt existieren. Für mich sind VR, AR und Mixed Reality zukunftsweisend. Sie werden wichtige Bestandteile für Industrien in der Zukunft sein.

Welche Vorteile bietet Virtual Reality im Marketing gegenüber echten Erfahrungen?

Nehmen wir das Beispiel der Automobilbranche. Neue Showrooms und Flagship-Stores sind meistens direkt in der Innenstadt – also ist der Platz hier sehr begrenzt. Etwa in den Mercedes ME Stores stehen mittlerweile nur noch ein bis zwei Auto im Showroom. Das heißt, dass Kunden oft nicht mehr die Möglichkeit haben, ihr Wunsch-Auto anzufassen. Durch ein VR-Erlebnis kann der Kunde seine Wunschausstattung trotzdem erleben. Hierbei sitzt der Kunde tatsächlich in einem Autositz, kann sich bewegen und die Umgebung erkunden. Dann hat er die Möglichkeit die Materialien und Ausstattungen zu wechseln. Wir haben Zugang zu den Konstruktionsdaten der Hersteller. Von Design bis Engineering können wir die Daten verwenden, die ein Abbild der Realität quasi ein digitaler Zwilling sind. Dadurch können wir Logos, Knöpfe, Materialien und vieles mehr eins zu eins umsetzen. In diesem Sinn hilft VR-Technologie dabei, Sales-Prozesse zu verkürzen.

VR-Marketing sehe ich als riesigen Zukunftsmarkt. Nicht nur bei Autos, sondern auch in den Bereichen Architektur und Bauen. Hier können Gebäude und Räume geplant werden, Wohnungen können final in einer ausgesprochen guten Qualität konfiguriert werden. Ich sehe auch im Unterhaltungsbereich großes Potenzial. Zum Beispiel beim Konsumieren von Filmen. Virtuelle Realitäten bieten hier nicht nur das passive Ansehen von Filmen, sondern ermöglichen eine direkte Interaktion. Ein weiterer Punkt ist die Tourismus-Industrie. Mittels VR-Brille können Menschen andere Länder erkunden, die sie sonst niemals sehen würden.

Finden Sie das nicht erschreckend? Dann reist ja niemand mehr.

Es geht hier vor allem um Menschen, die nicht mehr reisen können oder nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Erschreckend finde ich das nicht – die jüngeren Generationen werden eine ganz andere Sicht auf diese Technologien haben. Als das Internet noch jung war, da fanden Menschen das auch erschreckend und ungewohnt – heute sagt niemand mehr, dass er die Möglichkeiten des Internets erschreckend findet. Die Perspektiven auf die Technologien ändern sich generationenbedingt ständig und das wird meiner Meinung nach immer so bleiben.

PIV Mitgliederversammlung NETZ (100 von 259)
Kian Saemian – Image by Photoindustrie-Verband e.V.

Welche Breitenwirkung wird VR haben? Bleibt das vielleicht bloß eine Nische? Sollten Unternehmen VR vielleicht gleich überspringen und auf AR setzen?

Das ist ganz stark vom Nutzen der Technologie abhängig. Virtual Reality sowie Augmented Reality haben ihre Daseinsberechtigung. VR und AR konkurrieren nicht miteinander, sondern sind für unterschiedliche Zwecke sinnvoll. Beispielsweise wird es AR niemals schaffen, eine emotionale Situation so zu erzeugen, wie man es mit VR kann. Das liegt vor allem daran, dass eine VR-Brille den Verbraucher komplett abkapselt – dadurch liegt der Fokus komplett im Produkt und dem Erlebnis, da keine Ablenkungen stattfinden, wie sie bei AR durch die offene Umgebung passieren können. Das ist also ganz stark Situationsabhängig.

VR oder AR – wie können Unternehmen für sich die passende Technologie finden?

Zunächst einmal sollten Sie sich nicht von der Euphorie rund um eine Technologie in die Irre führen lassen. Die Konzentration auf einen Hype kann dazu führen, dass Unternehmen ihr Marketing völlig ineffizient ausrichten. Denn es kann sein, dass für das eigentliche unternehmerische Problem eine ganz andere Technologie in Frage kommt, die besser zum Unternehmen und zum Kunden passt. Dabei muss eine Firma sich selbst sehr gut kennen und wissen, wo überhaupt die Überlappung von Unternehmen und entsprechender Technologie stattfindet.

Wo liegt die Gefahr darin, wenn Unternehmen auf den falschen Trend setzen?

Im Bereich der VR beobachte ich, dass sehr viele Applikationen herausgebracht werden, die schlichtweg unausgereift sind. Das Potenzial dieser innovativen Energie wird dadurch überhaupt nicht genutzt. Das führt am Ende dazu, dass der Endkunde von der Technologie enttäuscht ist. Der Erfolg bleibt hier dann leider aus. VR ist nicht der heilige Gral. Genauso wenig wie alle dem „mobile first“-Mantra im blinden Gehorsam hinterherrennen sollen. Die Technologie muss zur Customer Journey passen.

Für welche Branchen ist VR-Marketing eher ungeeignet?

Das lässt sich natürlich nicht pauschal sagen. Ein Beispiel aus meiner Erfahrung wäre hier jedoch ein Unternehmen aus der Finanzbranche, das im letzten Jahr Interesse an einer VR-Experience gezeigt hat. Konkret ging es hier um ein VR-Terminal in einer Bank, bei dem ein Avatar mit den Kunden über Finanzfragen kommuniziert. Hier macht VR für mich jedoch absolut keinen Sinn, da eine VR-Anwendung in diesem Fall keinen Mehrwert für den Kunden bietet. Ein klassisches Beispiel für einen Staubfänger, der von Kunden nicht genutzt wird.

Inwiefern kann ein industrieübergreifender Austausch wie beim PIV Branchentalk dabei helfen, die passende Lösung zu finden?

Es gibt zahlreiche Industrien, die aktuelle und neue Technologien überhaupt nicht bewusst wahrnehmen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Entscheider über den Tellerrand hinausschauen und Möglichkeiten nicht verschlafen. Auf branchenübergreifenden Kongressen entstehen oft erst Anregungen für ganz neue Lösungen. Ein Beispiel aus der Medizinindustrie: Es lassen sich mittlerweile Phobien und Ängste mittels VR-Brillen therapieren. Dem ist ein branchenübergreifender Austausch vorangegangen, bei dem Menschen die Brücke zwischen VR und Gesundheitswesen geschlagen haben.

Bei künstlicher Realität geht es in erster Linie um visuelle Erlebnisse, also die Domäne der Imaging-Industrie. Inwiefern können Imaging-Firmen zum weiteren Erfolg dieser Technologien beitragen?

Gute Linsen und Sensoren sind entscheidend für gelungene VR-Erlebnisse. Hier sehe ich eine gute Chance für den klassischen Imaging-Markt, der sich in den letzten Jahren zum Glück immer weiter geöffnet hat – beispielsweise im Bereich 360-Grad-Kameras. Ein gutes Beispiel für Input aus der Imaging-Industrie ist die – allerdings nicht offiziell bestätigte Zusammenarbeit zwischen Zeiss und Apple an einer gemeinsamen Datenbrille.

Gibt es eine Technologie, die Sie neben künstlicher Realität in Zukunft ganz vorne im Bereich Imaging sehen?

Ich sehe quasi eine Explosion in den nächsten Jahren im Bereich der Lichtfeld-Technologie, die es erleichtert, Bilder nachträglich zu refokussieren. Das ist vor allem für den Otto-Normal-Verbraucher interessant, da auf diese Weise ein unscharfes Foto nachträglich gerettet werden kann. Zusätzlich wird die Lichtfeld-Technologie auch Bewegungen innerhalb eines Bildes ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit dem Photoindustrie-Verband e.V. (PIV) entstanden.


Image (adapted) „Virtuelle Realität“ by szfphy (CC0 Public Domain)


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Nokia 3310: Der Hype ist albern – ich will es trotzdem haben!

Nokia_3310_range (adapted) (Images by HMD Global)

Es war wohl einer der merkwürdigsten Déjà-vu-Momente der neueren Zeit, als der finnische Smartphone-Anbieter HMD Global auf dem gerade zu Ende gegangenen Mobile World Congress ein neuartiges Modell des Nokia 3310 angekündigt hat. Es hat viel mehr Aufmerksamkeit erhalten als die drei Android-Geräte, die unter der Marke von Nokia vorgestellt wurden. Die gängigen Tech-Medien geben sich einstimmig hellauf begeistert. Das 3310 war eine Revolution im Handy-Bereich.

Und das stimmt natürlich: Als das Telefon Ende 2000 veröffentlicht wurde, war es schon etwas Besonderes. Kleiner und handlicher als sein Vorgänger, zudem mit einem gut lesbaren Display und einem sinnvoll strukturierten Menü ausgestattet, einigermaßen zeitlos hübsch (für Anfang-2000er-Verhältnisse zumindest) und quasi unkaputtbar.

Natürlich muss auch an die beiden wichtigsten Features erinnert werden: Der Akku hielt eine gute Woche – und das nicht nur, während es einfach herumlag, sondern in regelmäßiger Benutzung. Und natürlich wegen des ersten Lieblingsspiels der Digital Natives: Snake! Das minimalistische Pixel-Fangspiel eignete sich super, um langweilige Warteminuten an der Bushaltestelle zu überbrücken oder öde Schulstunden durchzustehen.

Wir sehen also, den Kultstatus hat das Nokia 3310 damals nicht umsonst erlangt. Aber brauchen wir im Zeitalter der Smartphones wirklich noch so ein eingeschränktes Gerät?

Nokia ist doch nicht tot

Nokia 3310 (adapted) (Image by Asim Bijarani [CC BY 2.0] via flickr)
Das Ur-Modell des Nokia 3310. Image by Asim Bijarani / Flickr

Wer die Meldungen hört, mag sich zunächst gewundert haben. Nokia? Waren die nicht pleite? Ganz recht. Nokia hatte schon in dem vorherigen Entwicklungsschritt, der geradezu abenteuerliche Designkreationen von Telefonen mit Klapp-, Schiebe- und Drehmodellen beinhaltete, den Anschluss an die aktuellen Trends verloren. Mit eher grobpixeligen Displays und etwas klotzigen Gehäusen entsprachen die Modelle nicht mehr dem Geist der Zeit, in dem jede Marke, von LG über Samsung bis hin zu Motorola, das iPhone zumindest ansatzweise nachzuahmen versuchte.

Nach der Übernahme der Telefonsparte durch Microsoft und die Windows Phones im Jahr 2014, die sich auch nur mäßig verkauften, schien der Finne dann endgültig Geschichte zu sein. Vor etwa einem Jahr wurde bekannt, dass der Handyhersteller HMD Global, der aus Nokia bzw. Microsofts Mobil-Sparte hervorging, Geräte unter der Marke Nokia entwickeln und produzieren will. Und da sind wir nun: Nokia ist zurück – und sie wollen wieder ganz groß einsteigen. Und warum auch nicht – Erfahrung haben sie ja genug.

Minimalismus ist King

Das neue Nokia erinnert zumindest optisch an das Millenniumsmodell. Neben den etwas knalligeren Farben Rot und Gelb kann der Purist das Telefon auch im altbekannten graublauen Look erstehen. Etwa die Hälfte der Vorderseite nimmt der etwas abgerundete Display ein. Unter diesem befinden sich, ganz oldschool, die althergebrachten Nummerntasten (kennt noch jemand T9?) und die Menübuttons.

Das Telefon besitzt ein Farbdisplay, das auf den ersten Blick allerdings keiner weiteren Erwähnung wert ist. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Nokia das volle Risiko eines meiner Meinung nach deutlich eleganteren Monochrom-Displays eingeht – wenn schon Retro, dann richtig! Aber den Schritt wollte man seinen Käufern dann wohl doch nicht zumuten. Auf der Gehäuserückseite wartet das Telefon mit einer eingebauten Kamera auf, die allerdings mit 2 Megapixel ein wenig schwach auf der Brust scheint. Naja, vielleicht spart es Akku. Der typische (und geklaute) „Nokia Tune“ darf natürlich nicht fehlen.

Ich bin noch unentschlossen, ob ich die piepsigen Midi-Klingeltöne vermisse. Ein Alleinstellungsmerkmal wäre es zumindest, allerdings schätze ich die Möglichkeit, auf mein Telefon jeden Song ziehen zu können, den ich als guten Klingelton erachte, durchaus. Andererseits: Welcher Handy-Nutzer unter 65 Jahren hat heute überhaupt noch in der Öffentlichkeit seine Klingeltöne lautgestellt? Für diese zivilisatorische Weiterentwicklung bin ich tatsächlich sehr dankbar. Insofern ist dieses Feature vielleicht dann doch verzichtbar.

Akku sei Dank

Auch das neue Nokia 3310 ist durchdacht verarbeitet. Das merkt man spätestens, wenn es an den Akku geht. Dieser ist nicht nur austauschbar, was allein aus Müllvermeidungsgründen schon recht löblich ist, sondern wird auch mit einem handelsüblichen MicroUSB-Anschluss geladen. Das minimiert erfreulicherweise auch überflüssige Kabelansammlungen mit Spezialsteckern.

Besonders lobenswert ist auch, dass das Ladegerät ohnehin ein paar mal öfter in der Schublade bleiben kann. Ein Telefon, das nicht so viele Features hat, benötigt auch nicht so viel Strom. Der Akku hält angeblich bei Gesprächen bis zu 22 Stunden durch. Das ist in einer Zeit, in der manch einer nervös wird, weil der Smartphone-Akku im Laufe des Tages radikal schwindet, durchaus beachtlich. Der Stand-By-Betrieb wird vom Hersteller mit einem knappen Monat angegeben – dieses Durchhaltevermögen klingt umso unglaublicher und muss wohl erst durch einen Langzeittest bewiesen werden.

Was kann es noch und wo will es hin?

Das neue Nokia 3310 ist kein klassisches „Dumbphone“, sondern weist ein paar smarte Features auf. So hat man natürlich Internetzugang, um die ganz wichtigen Nachrichten abzurufen. Wie viel Spaß der Up- und Download in einem mageren 2G-Netz macht, sei allerdings dahingestellt. Ein paar Apps, Musik- und Videofunktionen gibt es auch, die Speicherkarte kann man auswechseln und somit um bis zu 32 GB erweitern. Leider scheint Nokia auf eine meiner Lieblingsfunktionen verzichtete zu haben: Den Composer, mit dem man sich seine eigenen Klingeltöne erstellen konnte. Aber sei’s drum. Dafür ist das Telefon mit 49 Euro immerhin günstig.

Fazit: Ist das Nokia 3310 den Hype wert?

Zugegeben: So wahnsinnig viel her macht das Gerät nun auch wieder nicht. Ob man sich mit der Gewöhnung an die heutigen Surfgeschwindigkeiten noch auf eine abgespeckte Software einlassen möchte, bleibt dahingestellt. Jeder, der schon einmal längere Zeit mit einem echt miesen WLAN arbeiten musste, wird wissen, was ich meine. Die Frage, wieso wir nicht von vornherein robustere, langlebigere Geräte ohne viel Schnickschnack herstellen, stellen sich viele der begeisterten Mitklatscher ebenfalls nicht. Aus einem Feature-Phone, das eigentlich nicht viel mehr kann als die Version von vor 17 Jahren, einen derartigen Hype zu kreieren, finde ich, gelinde gesagt, albern.

Man kann jedoch wohl davon ausgehen, dass jemand, der sich ein Feature-Phone zulegt, sich der eingeschränkten Funktionsweise voll bewusst ist und die gefühlte Offline-Zeit auch genießen kann. Das tut uns allen wahrscheinlich ab und zu ganz gut.

Mit einer Radio- und Wetterfunktion wird das Nokia dann auch zu einem ganz brauchbaren Outdoor-Handy, das für Festivals ebenso geeignet ist wie für längere Besuche am See. Passenderweise soll es auch im Sommer erscheinen, und ich muss gestehen: Allein der Gedanke, nicht ständig auf seine Taschen achten zu müssen, weil jemand das wertvolle Smartphone stibitzen könnte, hat durchaus etwas für sich.

Ach ja: Snake ist natürlich auch dabei. Es sieht zwar etwas anders aus, aber bisher habe ich noch keinen Aufschrei vernommen. Also scheint es den Testern wohl Spaß zu machen. Ob das Spiel auch für mich noch den gleichen Suchtfaktor hat wie früher unter der Schulbank, werde ich dann wohl auch mal im Sommer am See ausprobieren – und ihr lest es dann hier. Wenn ich danach wieder online bin.

Dieser Text erschien zuerst auf Androidpiloten.


Images by HMD Global

Image (adapted) „Nokia 3310“ by Asim Bijarani (CC BY 2.0)


 

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Vom Spielzeug zum Kulturphänomen: Der Weg der Drohnen

drone (adapted) (Image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Von den vielen Technologien, die unsere Fantasie in den letzten fünf Jahren angeregt hat, gab es wenige, an die so hohe Erwartungen gestellt wurden, wie an Drohnen. Diese Hightech-Flugmaschinen haben einen neuen kulturellen Zeitvertreib geschaffen, der Hobby-Enthusiasmus und die simple menschliche Neugier am Himmel vereinigt.

Im Jahr 2015 wurde die Firma DJI, der größte kommerzielle Drohnenentwicklicker, auf einen Wert von über 10 Milliarden US-Dollar geschätzt, während Medienkonzerne wie Facebook und Google im Hintergrund Drohnenhersteller aufgekauft haben, um ihre Ansprüche zu erweitern, auch die letzten Menschen zu erreichen, die noch nicht im Internet sind. Dies soll geschehen, indem sie Drohnen für extreme Höhen nutzen, um Daten mithilfe von Laserstrahlen zu senden, was auch den abgelegeneren Regionen eine Möglichkeit gibt, online zu gehen.

Wie sehen die nun aber großen fünf Anwendungsbereiche aus, die die Vermehrung von Drohnen in diesem Zeitraum erklären und die einen wichtigen Beiträge für unsere Gesellschaft darstellen?

Liefern

Das Großartige an Drohnen ist, dass sie klein, schnell und agil sind, sich selbst steuern und Dinge transportieren können. Seit dem ersten Patent auf Drohnen-Zustellungssysteme von Amazon im April 2015 sind neue Entwürfe und Anwendungen entstanden. So gab es unter anderem Bestrebungen, einen luftschiffartigen Drohnenträger zu bauen, der in der Lage sein wird, eine Flotte von Drohnen direkt vom Himmel zum Einsatz zu bringen. In der Zwischenzeit haben Firmen wie Flirtey die Erlaubnis bekommen, mit Drohnen kommerzielle Zustellungen für Lieferservices von Pizza über Wasserflaschen, Notfallessen bis hin zu Erste-Hilfe-Sets aufzubauen.

Andere Lieferideen wären beispielsweise Rettungsdrohnen, Blutversorgungsdrohnen und Defibrillator-Drohnen – bei diesen Prototypen wäre sowohl Erfolg als auch die unbedingte Nützlichkeit unumstritten.

Filmen

Im Jahr 2015 fand in New York das weltweit erste Drohnen-Filmfestival statt, kurz darauf fanden Festivals dieser Art auf der ganzen Welt statt. Im selben Jahr wurde der Drones for Good-Preis in Dubai ins Leben gerufen, der jährlich eine Million US-Dollar an Entwickler ausbezahlt, die die besten Drohnen-Anwendungen an den Start bringen. Die Finalisten erstreckten sich von Drohnen, die entwickelt wurden, um Biodiversität zu kartographieren, bis hin zu einer Rettungsdrohne, die weltweit den ersten Platz belegte.

Der preisgekrönte Filmemacher Liam Young drehte mit „In the Robot Skies“ den ersten Film, der ausschließlich aus Drohnenaufnahmen besteht. Die Künstler setzen sogar 360-Grad-Kameras auf Drohnen, um Virtual-Reality-Perspektiven zu erzeugen, wie im Fall des preisgekrönten „In the Eyes of the Animal“ des Marshmallow Laser Feast, wobei man Drohnen, LiDAR-Scans und Virtual Reality benutzte, um eine komplett neue Perspektive auf die Welt zu bieten.

Drohnen-Rennen

Die Vereinigten Arabischen Emirate gründeten das welterste „Grand Prix Krone Racing“-Event, bei dem Luke Banister, ein Teenager aus Großbritannien, im Jahr 2016 die Spiele bei der Eröffnungsveranstaltung und damit ein Preisgeld von 250.000 US-Dollar gewann. Seitdem sind weltweit eine ganze Community von Drohnen-Rennen entstanden. Das erste professionelle Rennen wird 2017 in der o2-Arena in Großbritannien stattfinden.

Erhaltung

Drohnen haben außerdem die besondere Fähigkeit, Teile unserer Umwelt zu erkunden, die man nicht ganz so einfach einsehen kann. Die Geräte wurden von Umweltforschern dazu genutzt, die Natur auf eine Weise zu verstehen, wie es zuvor nie möglich war. Der Primatenforscher Serge Wich hat zum Beispiel Affen von oben beobachtet, indem er verschiedene Drohnensysteme einsetzte. Neil Entwistle von der School of Environment and Life Sciences an der Salford University hat Überschwemmungsmuster in Großbritannien kartographiert, um herauszufinden, wie wir uns gegen Unwetterkatastrophen schützen können.

Journalismus

Auch Journalistsen haben bei der Nutzung von Drohnen recht schnell reagiert. Das Knight News Foundation-Projekt entwickelt eine Anleitung für Drohnen-Journalismus, die Reportern helfen soll, ethisch und sicher zu fliegen. In Ländern, in denen strenge Medienkontrollen herrschen, haben Drohnen einen besonderen Wert, um Orte zu erreichen, die zum Sperrgebiet erklärt wurden. So wurde beispielsweise in der Türkei angeblich die Drohne eines Aktivisten, der versuchte, Bilder von Demonstrationen in Istanbul zu machen, von der Polizei abgeschossen.

Hype?

Unter all diesen bemerkenswerten Anwendungsbereichen gibt es einen großen Hype, wenn es darum geht, wohin Drohnen uns führen können. Viele Ideen werden gerade noch entwickelt. Die Regeln ändern sich fortlaufend, die Freiheit, fliegen zu können, wird in vielen Ländern eingegrenzt, wie beispielsweise in Spanien und es bleibt weiterhin im Gespräch, wie Sicherheit und Haftungsumfang am besten geregelt werden können.

Des Weiteren ist es wichtig, ein Auge darauf zu haben, wie sich die Verbindungen von Militär- und Verbrauchersektor überschneiden – und zwar sowohl ökonomisch als auch politisch.

Es gibt bereits eine Gegenbewegung gegen eine Welt, in der wir von Drohnen umgeben sind, wie beim Projekt No Fly Zone, bei dem US-Bürger versuchen, den Luftraum um ihre Häuser vor dem Eindringen von Drohnen zu schützen. Außerdem haben wir ein enormens Design-Problem, wenn es darum geht, wie eine Autobahn im Himmel tatsächlich aussehen könnte.

Eine Sache ist jedoch klar: das Kapital, um diese Anwendungen auf lange Zeit zu fördern, ist vorhanden und es gibt kein Anzeichen dafür, dass die Anzahl der Drohnen-Anwendungen schrumpfen könnte. Also können wir in Zukunft eine große Veränderung erwarten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „drone“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • AMAZON finanzen: Amazon enttäuscht Anleger mit Quartalszahlen: Amazon hat im dritten Quartal deutlich weniger Gewinn gemacht als erwartet. Der Überschuss kletterte zwar im Jahresvergleich von 79 auf 252 Millionen Dollar (231 Mio Euro), wie der Online-Händler am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Analysten hatten jedoch mit erheblich mehr gerechnet. Die Aktie fiel nachbörslich zunächst um über sieben Prozent. Beim Umsatz lag das Ergebnis hingegen im Rahmen der Erwartungen – die Erlöse legten vor allem dank boomender Geschäfte mit Cloud-Diensten um 29 Prozent auf 32,7 Milliarden Dollar zu. Für das laufende vierte Quartal, das traditionell durch das Weihnachtsgeschäft angetrieben wird, stellte Amazon einen Umsatz zwischen 42,0 und 45,5 Milliarden Dollar in Aussicht.

  • MICROSOFTdatenschutzbeauftragter-info: Windows Hello am Arbeitsplatz datenschutzkonform einsetzbar? Microsoft ermöglicht mit Windows Hello die Authentifizierung mittels Biometrie. Windows 10 Nutzer können sich anstelle eines Passwortes auch per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung auf ihrem Endgerät anmelden. Auch Unternehmen stellen teilweise ihre Authentifizierungsverfahren auf biometrische Methoden um. In Punkto Bequemlichkeit und Sicherheit können biometrische Verfahren eine Alternative zum herkömmlichen Passwort bieten. Dennoch sollte vor dem produktiven Unternehmenseinsatz unbedingt der Datenschutz berücksichtigt werden.

  • APPLE golem: In Apples Macbook Pro steckt der Vollausbau von Polaris 11: Parallel zur Ankündigung der Macbook Pro hat AMD neue Grafikeinheiten für Notebooks vorgestellt: Die Radeon Pro 460, die Radeon Pro 455 und die Radeon Pro 450 basieren alle auf dem Polaris-11-Grafikchip und kommen mit weniger als 35 Watt elektrischer Energie aus. Technisch entsprechen sie der Radeon RX 460 für Desktop-Systeme, allerdings ist der Chip anders konfiguriert, um dem Anwendungszweck eines Notebooks gerecht zu werden.

  • CYBER-SPIONAGE heise: Deutschland und China wollen Mechanismus gegen Cyber-Spionage schaffen: Deutschland und China sagen Cyber-Spionage gegen Unternehmen gemeinsam den Kampf an. Eine Konsultationsverfahren, das konkrete Verdachtsfälle verfolgen wird, soll nach Informationen der dpa beim Besuch des mächtigen Vorsitzenden der Parteikommission für Politik und Recht, Meng Jianzhu, nächste Woche in Berlin geschaffen werden. „Er will über Maßnahmen gegen Cyber-Angriffe verhandeln und auch schon einen Mechanismus einrichten“, verlautete am Freitag aus der deutschen Botschaft in Peking. In einer gemeinsamen Erklärung beim letzten China-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel im Juni war ein gegenseitiger Verzicht auf Cyber-Spionage zu kommerziellen Zwecken und die Schaffung eines solchen Konsultationsprozesses vereinbart worden.

  • APP t3n: Die Vine-Gründer arbeiten bereits an einer neuen Video-App namens „Hype“: Das Ende von Vine hat die Gründer Rus Yusupov und Colin Kroll eigenen Aussagen zufolge überrascht. Doch die beiden nutzen die spontane Öffentlichkeit dazu, ihre neue App zu bewerben. Kurz nachdem Twitter bekannt gab, Vine einzustellen, stellten die beiden „Hype“ auf das Tech-Portal Product Hunt. Bei „Hype“ setzen die Gründer einmal mehr auf Video, diesmal in Form von Livestreaming und mit Interaktion der Nutzer. Ähnlich wie bei Snapchat können die „Hype“-Videos mit Filtern und Text ergänzt werden. Die App befindet sich in der Betaphase und ist vorerst nur für iOS verfügbar, Android ist laut Mitgründer Kroll geplant.

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Trotz Hype interessiert sich niemand für Periscope und Meerkat

Twitter's Periscope App (Image by Anthony Quintano [CC BY 2.0], via Flickr)

Periscope und Meerkat sind der Trend in der Digital- und Tech-Welt, zumindest in den Medien – in der Realität treffen die Apps eher auf Desinteresse. Glaubt man den Berichten in den einschlägigen Medien, steht die nächste Revolution in der Tech-Branche nicht nur unmittelbar bevor, sondern ist bereits in vollem Gange. Periscope und Meerkat sind die neuen Apps der Stunde und Live-Videostreaming ist plötzlich das, worauf alle gewartet haben. Doch ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass die beiden Apps doch nicht so viel genutzt werden und Livestreaming von Videos auf Mobilfunkgeräte nicht die gewünschte Revolution ist. Es bleibt also die Frage, was nach dem Hype übrig bleibt.


Warum ist das wichtig? Live-Videostreaming von Mobile-Geräten ist der nächste große Hype, wenn man der Tech-Presse Glauben schenkt – die Zahlen lassen eher auf Desinteresse seitens der Nutzer schließen.

  • Meerkat und die zu Twitter gehörende App Periscope sind der letzte große Hype in der Tech-Welt.

  • Das Streamen von Live-Videos über das Smartphone soll nach Ansicht vieler Beobachter die Berichterstattung im Netz revolutionieren.

  • Der Hype scheint allerdings nur in der Tech-Blase zu existieren, denn die Nutzer interessieren sich nur in ganz wenigen Ausnahmesituationen für die beiden Apps.


Die Geburt eines Hypes

Mobiles Internet und vor allem Social-Media-Kanäle wie Twitter haben die Liveberichterstattung von Geschehnissen überall auf der Welt bereits massiv verändert. Noch bevor Kamerateams und professionelle Reporter vor Ort sind, sind bereits die ersten Fotos und Videos im Internet zu finden. In den letzten Wochen hat sich aber ein neuer Hype gebildet, der die Online-Berichterstattung nochmals auf eine neue Ebene heben soll: Live-Videostreaming. Genauer sollen die beiden Apps Meerkat und Periscope diese Aufgabe übernehmen, wie es aus massiver Berichterstattung der einschlägigen Tech-Presse hervorgeht.

Demnach müssten die beiden Apps in den Appstores auch entsprechend hoch gerankt werden. Schaut man sich die Bestenlisten allerdings genauer an, muss man lange suchen, um die Apps zu finden. Laut App Annie ist die zu Twitter gehörende App Periscope in Deutschland nur auf Platz 329 und in den USA auf Platz 161 der beliebtesten iOS-Apps zu finden. Seit Ende Mai gibt es auch eine Android-Version. Der direkte Konkurrent Meerkat hat den Weg in den Google Play Store etwas schneller gefunden, belegt dort in den USA aber nur Platz 475 und unter den iOS-Apps sogar nur Platz 1469. Doch wie lässt sich diese Diskrepanz zwischen der Berichterstattung über die Apps und deren tatsächliche Popularität erklären?

Don’t believe the Hype!

Sind die Zahlen von App Annie vielleicht gar nicht aussagekräftig? Wie sieht die Aktivität denn direkt bei Twitter aus? Sieht man sich die Mentions bei der Social Media Suchmaschine Topsy an, ist am 2. Mai eine auffällig hohe Aktivität zu verzeichnen – diese ist dem Pacquiao vs. Mayweather-Boxkampf geschuldet. Nun sind die beiden Apps mit Sicherheit nicht gerade die beste Plattform, um einen Boxkampf zu verfolgen. Da viele Nutzer technische Probleme mit den legalen Pay-per-View-Angeboten hatten, wurden Periscope und Meerkat aber dankbar angenommene Alternativen. Abgesehen von diesem Ausschlag sind die Zahlen aber sehr übersichtlich. Twitter und Periscope vertreten zwar die Meinung, dass die Anzahl der Tweets, die die Apps nennen, nichts darüber aussagen, wie viele Nutzer über die Apps livestreamen, da die Ankündigungs-Tweets, dass man die App nutzt, ausgeschaltet werden können, allerdings ist das irrelevant, denn der generelle Rückgang der Mentions spiegelt durchaus das generelle Interesse an den Apps wieder.

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Mobile-Live-Streaming ist einfach nicht das nächste große Ding, das die Medienlandschaft revolutionieren wird, egal wie sehr die Medien dies auch versuchen herbeizuschreiben. Das liegt nicht nur daran, dass zumindest hierzulande die mobilen Datennetze und die Datentarife der Provider noch nicht ausgereift genug sind – in den USA ist dies durchaus bereits der Fall – sondern eher am Mangel der livestreaming-werten Ereignisse. Großereignisse wie der Boxkampf werden sicher immer wieder für einen Anstieg in der Nutzung sorgen, doch diese werden die Ausnahme bleiben – abgesehen davon, verspüren die meisten Menschen heutzutage einfach noch nicht das Bedürfnis, ihren Alltag im Livestream zu präsentieren, bzw. sich dies anzusehen. Und wenn wir mal ganz ehrlich einen Blick auf unseren eigenen Alltag werfen, wie viele Ereignisse finden sich da, die man gerne live mit anderen teilen möchte, beziehungsweise für die sich andere interessieren würden? Das heißt aber nicht, dass Meerkat und Periscope komplett gescheitert sind – sie haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Sie werden eine Nische finden und bedienen – aber dem herbeigeschriebenen Hype werden sie beim besten Willen nicht gerecht.


Teaser & Image „Twitter’s Periscope App“ (adapted) by Anthony Quintano (CC BY 2.0)


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„Serial“ – Ein Podcast erobert die Welt

Serial, Podcast, Mashable

Langer, hintergründiger Recherche-Journalismus kann auch in Zeiten des kollektiven ADS erfolgreich sein. „Serial“ entwickelt sich zum globalen Phänomen und trotzt dem Hype ums Binge-Prinzip. // von Leonard Novy

Serial (Image by Mashable)

Der Herbst gilt allen Umbrüchen in den Seh- und Sendegewohnheiten zum Trotz in den USA als Hochzeit der TV-Serie. Mit Spannung erwarten Senderverantwortliche, Werbekunden und Zuschauer die Ausstrahlung neuer oder wieder aufgewärmter Formate, spekulieren darüber, welche Sendungen als erstes abgesetzt werden oder sich zum Publikumsliebling entwickeln. 2014 gilt, wie schon 2013, als eher durchschnittlich. Solides Handwerkzeug, nichts Spektakuläres. Kaum zu glauben nach all dem Hype, aber auch Breaking Bad oder Orange is the New Black entstehen nicht am Fließband.

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Nexus 4: Megastar oder Megahype?

Das Interesse an Googles diesjähriger Neuauflage eines eigenen Smartphone, dem Nexus 4, ist größer als je zuvor, doch kann das Smartphone dem Hype überhaupt standhalten?

Nexus 4: Megastar oder Megahype?

Jedes Jahr im November steht die Android-Welt Kopf, wenn Google ein neues Nexus-Smartphone auf den Markt bringt. In diesem Jahr wurden genaugenommen neben dem Nexus 4 auch die Tablets Nexus 7 (in neuen Speichervarianten) und Nexus 10 vorgestellt, aber um die kümmern wir uns ein anderes Mal. Das Nexus 4 hat bei der prunklosen Vorstellung Ende Oktober bereits große Begeisterung ausgelöst. Weiterlesen »

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Von PR, Propaganda und dem Hype um einen Schlächter

kony2012Wenn unter dem Deckmantel der politischen Bildung, PR betrieben wird, dann ist der Begriff Propaganda meist nicht weit entfernt. Und während die PR, sich als Branchenzweig, mit dem Ruf „sexy“ zu sein schmückt, ist der Begriff Propaganda als Überbleibsel der Nazi-Zeit ein verrufener Begriff. Doch eigentlich trennt die beiden Vokabulare nichts. Denn PR ist Propaganda und Propaganda ist PR. Und beides führt dahin, Menschen zu manipulieren und sie zu (ver)leiten.

Wenn man heutzutage einen PR-Film einer Kampagne, eines Unternehmens oder eines Projektes sieht, dann hat man zumeist eine hochwertige Produktion vor sich. Ein Stück Bewegtbild, welches mit Trends der Popkultur hantiert und durch seine Coolness für Aufsehen sorgt. Bedient man sich dann noch einem ideologischen Ansatz, ist das Augenmerk perfekt. Man möchte gar nicht anders als der Sache seinen Segen geben. Trinken für den Regenwald. Kaufen für das Wirtschaftswachstum und eine Marke anhimmeln, die vermeintliche Grenzen sprengen soll. Das ist PR im Zeichen des Guten. PR im Zeichen der Sache. PR als Teil etwas Großen. Das kann nicht schlecht sein. Das muss gut sein. Ich bin dafür, denken nicht Wenige. So werden viele durch Kampagnen von Unternehmen, aber auch durch politische Kampagne wie dem „Krieg gegen den Terror“ vereinnahmt und liefern, getrieben durch die manipulative Meinungsmache, den Konsens zur Legitimation zumeist fragwürdiger Aktionen.

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