Von PR, Propaganda und dem Hype um einen Schlächter

kony2012Wenn unter dem Deckmantel der politischen Bildung, PR betrieben wird, dann ist der Begriff Propaganda meist nicht weit entfernt. Und während die PR, sich als Branchenzweig, mit dem Ruf „sexy“ zu sein schmückt, ist der Begriff Propaganda als Überbleibsel der Nazi-Zeit ein verrufener Begriff. Doch eigentlich trennt die beiden Vokabulare nichts. Denn PR ist Propaganda und Propaganda ist PR. Und beides führt dahin, Menschen zu manipulieren und sie zu (ver)leiten.

Wenn man heutzutage einen PR-Film einer Kampagne, eines Unternehmens oder eines Projektes sieht, dann hat man zumeist eine hochwertige Produktion vor sich. Ein Stück Bewegtbild, welches mit Trends der Popkultur hantiert und durch seine Coolness für Aufsehen sorgt. Bedient man sich dann noch einem ideologischen Ansatz, ist das Augenmerk perfekt. Man möchte gar nicht anders als der Sache seinen Segen geben. Trinken für den Regenwald. Kaufen für das Wirtschaftswachstum und eine Marke anhimmeln, die vermeintliche Grenzen sprengen soll. Das ist PR im Zeichen des Guten. PR im Zeichen der Sache. PR als Teil etwas Großen. Das kann nicht schlecht sein. Das muss gut sein. Ich bin dafür, denken nicht Wenige. So werden viele durch Kampagnen von Unternehmen, aber auch durch politische Kampagne wie dem „Krieg gegen den Terror“ vereinnahmt und liefern, getrieben durch die manipulative Meinungsmache, den Konsens zur Legitimation zumeist fragwürdiger Aktionen.

Kampagnen-Plakat KONY2012Dass ein PR-Film auch einfach pure Propaganda sein kann, verstehen oftmals viele nicht. Der Webfilm KONY2012 ist so ein Beispiel, welches die Tage über die Bildschirme lief und besser nicht konzipiert werden konnte. Während Marketingleute das Video als Meisterwerk feiern, stößt es Journalisten dabei eher auf. Denn das Video ist Demagogie pur. Es personifiziert das Böse und stellt es den wehrlosen und illusionierten Zuschauern gegenüber, mit der Absicht, dass das Böse entkräftet werden muss und zwar am besten durch die Spenden, der Zuschauer oder zu mindestens der weiteren Verbreitung des Videos. Der Zuschauer folgt und ist sofort in die Maschinerie der Manipulation geraten. Denn der einzige Zweck des Videos ist es sich zu verbreiten, weitere zu mobilisieren und noch mehr Leute für seine Sache zu gewinnen.

KONY2012 geht dabei an die Substanz. Der Film ist emotional. Denn es werden Schicksalsschläge und Kindertränen gezeigt. Der Schlächter Joseph Kony, ein afrikanischer Warlord und Führer der Rebellenarme LRA (Lords Resistance Army), bildet dabei das Feindbild. Ein kindermordender und fundamentalistischer Irrer, der lynchend durch Zentralafrika zieht und tausende von Menschen auf dem Gewissen hat, steht auf dem Parkett. Man spart in dem Film nicht an immer wiederkehrenden Parolen, die Kony als allgemeine Gefahr für das gesellschaftliche Leben darstellt. Die augenscheinliche Message beruft sich auf eine Wahrheit. Ja. Kony ist eine Gefahr und zu Recht gehört er festgenommen. Doch was kann der geneigte Facebook-Nutzer dagegen tun?

Kony ist nicht, wie unterschwellig vermittelt, ein Krimineller der in Berlin-Mitte rumläuft und im Café aufgegriffen werden kann und er ist auch nicht jemand der sich über Grenzen hinweg an Flughäfen mit seinem Pass ausweist. Joseph Kony ist, wenn er denn überhaupt noch lebt, ein Mann der irgendwo im Busch sitzt und nicht mal ein Handy hat, welches geortet werden kann. Die Jagd auf den fanatischen und gemeingefährlichen Protagonisten ist eine Jagd nach einem Phantom. Und dieses Phantom lässt sich nicht durch das Klicken eines „Like“-Buttons oder dem Kauf eines Action Kits fassen. Die Tatsache dass nun aufgrund der Web-Kampagne jeder den Schlächter kennt, wird ferner auch nicht dazu führen, dass er nun aufgibt und geläutert neue Wege einschlägt. Auch die Illusion, einen militärischen Eingriff, durch die Resonanz in den sozialen Medien zu bewirken ist, mit Verlaub, naiv.

Doch darauf kommt es eigentlich gar nicht an. Denn bewirkt werden soll im Grunde nur eines. Resonanz schaffen, die der Selbstbeweihräucherung Rückenwind verschafft. Zum einen ist da die Organisation hinter dem Video, die sich Invisible Children nennt und offenbar schon seit Jahren gegen Kony in den Krieg zieht. Das Image wird nicht in Frage gestellt. Die Männer sind Helden und sie sind jung, dynamisch und haben systematisch gute Arbeit geleistet bei Ihrem Manifest, trotz des Skandals der Veruntreuung von Spendengeldern. Zum anderen sind da die Helden der amerikanischen Regierung, die den Kampf der Macher auf das politische Parkett gezogen haben. Republikaner und Demokraten, die gemeinsam den Schlächter stoppen wollen. Dem Frieden und der Freiheit geschuldet. Oder doch eher dem bevorstehenden Wahlkampf?

Kampagnen-Plakat KONY2012Der Verdacht liegt nahe, dass hier im großen Stil pro-amerikanische Propaganda von Seiten US-amerikanischer Politiker betrieben wird. Auf dem Rücken eines Trends, der wie eine Welle durch das Netz schwappt, scheint der Gralswächter der Demokratie, die USA, wieder im Lichte der Besonnenheit und der Besinnung auf die in der Verfassung festgehaltenen Werte konzentriert. Vergessen die Gräueltaten des Irak-Kriegs. Vergessen die Missstände in Guantánamo. Auch vergessen, die Koranverbrennungen in Afghanistan. Jetzt zählt nur noch eins, der Heldenmut des ehrenhaften Militärs, das fahnenschwingend die geknechteten Völker Nordugandas, der Zentralafrikanischen Republik, der Demokratischen Republik Kongo sowie des Südsudans von der Tyrannei befreien will.

Dass die USA und auch die europäischen Partner Großbritanniens nicht zuletzt auch als treibende Keile, der überaus komplexen Konflikte in Zentralafrika, mit Ihrer Kolonialpolitik agieren, spottet in Anbetracht der vermeintlichen Helden, eigentlich jeglicher Erhabenheit.

Doch solche Informationen bleiben außen vor. Haben in dem Video nichts zu suchen. Denn Propaganda oder auch Edward Bernays jüngerer Clou, die PR, sieht Aufklärung im Sinne von Bildung mündiger Gedanken nicht vor. Geglaubt wird, was vermittelt wird. Nicht mehr und nicht weniger.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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4 comments

  1. Ab auf die Journalistenschule! Ein schlecht formulierter Artikel, in dem es von falschen Metaphern und schiefen Wortbildern wimmelt. In einem aber hat der Autor Recht: Kony2012 ist Propaganda. Ich als (Ost-)Deutsche kann den Anblick von Massen gleichgekleideter Jugendlicher, die synchron Slogans brüllen und die Fäuste hochrecken, nur schwer ertragen. Bei Kony2012 wird ein lauterer Zweck mit unlauteren Mitteln verfolgt.

  2. Toller Artikel. Inhaltlich richtig. Freut mich außerhalb von Alex Jones und infokrieg.tv denkende Menschen anzutreffen.

    Wer an lautere Absichten hinter Kony 2012 denkt, dem würde ich mal Naivität unterstellen.
    Typische US-Kriegs-Propaganda.

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