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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • BERLIN golem: Warum Facebook sofort vom “Anschlag in Berlin” ausging: Wer Facebook-Nutzer ist hat am Montagabend womöglich eine ganz bestimmte Benachrichtigung erhalten, geschweige denn man hat Bekannte aus Berlin. „XYZ hat sich für den Anschlag in Berlin als sicher gemeldet!“. Facebooks sogenannter Safety Check kam dieses Jahr in Deutschland bereits zum zweiten Mal, nach München, zum Einsatz. Das Feature kann mittlerweile von den Nutzern selbst ausgelöst werden, es müssen dafür häufig Schlagwörter wie bspw. „Anschlag“ in den Beiträgen einer Region fallen. Facebook wird nun der Vorwurf gemacht, dieses Schlüsselwort ungeprüft von den Nutzern oder voreiligen Medien übernommen zu haben und damit noch mehr Unruhe ausgelöst zu haben.

  • CERN heise: Erstmals Spektrum von Antimaterie analysiert: Anti-Materie ist bisher ein recht mysteriöser Stoff. Sie ist Materie, die aus Anti-Teilchen besteht. Wissenschaftler am Forschungszentrum Cern bei Genf haben jetzt erstmals nachgemessen. Dabei haben sie herausgefunden, dass das optische Spektrum von Wasserstoff dem von Anti-Wasserstoff gleicht. Anti-Materie kann nur in aufwendigen Experimenten erzeugt werden und untersucht werden. Die Messung der Spektrallinie sei das Resultat von 20 Jahren Arbeit der Cern-Mitarbeiter an der Forschung von Anti-Materie. Das Ziel dabei ist es eine Erklärung für das Ungleichgewicht zwischen Materie und Antimaterie im Universum zu finden.

  • MARKETING horizont: 5 Dinge, die das Influencer Marketing 2017 prägen werden: Youtuber, Instagramer und generelle Social Media Stars oder “Influencer” generieren teilweise gigantische Follower-Anzahlen auf den verschiedensten Kanälen. Vor allem 2016 war das Jahr des Influencer-Marketing, mit dem möglichst die Generation Y angesprochen werden sollte. Christian Chyzyk, Gründer und CEO der Influencer-Marketing-Plattform ReachHero hat HORIZONT gegenüber seine Prognosen für das nächste Jahr mitgeteilt. Kleinere Reichweiten sollen ebenfalls genutzt werden und das Marketing soll noch näher werden, Stichwort „Instagram Stories“.

  • DIGITALISIERUNG zeit: Kleiner Computer, große Pläne: Der sternförmige Mini-Computer “Calliope mini” soll künftig deutschlandweit Schulen erobern und Digitalisierung näher bringen. Auf dem nationalen IT-Gipfel wurde das „Bildungsboard“ nun vorgestellt und auch bereits von der Bundeskanzlerin getestet.Der Computer richtet sich vor allem an Grundschüler und soll mit diesen programmieren lernen und sie auf die Digitalisierung der Gesellschaft vorbereiten. Unternehmen wie die Deutsche Telekom Stiftung, Google und Microsoft haben bereits zugesagt, das Projekt mit einigen Hunderttausend Euro unterstützen zu wollen. Für eine längerfristige Produktion musste für das Projekt jetzt dennoch eine Crowdfunding-Kampagne gestartet werden.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ spiegel: “Jarvis, mach die Tür auf”: Der Name ist bereits dem digitalen Butler von Tony Stark aka Iron Man nachempfunden. Auch in seinen Aufgaben soll sich die künstliche Intelligenz “Jarvis” von Facebook-Chef Mark Zuckerberg an die Comic-Vorlage angleichen. Anfang des Jahres kündigte er die Programmierung der KI für das Zuhause an und stellte sie jetzt vor. Das Programm ist noch zu sehr auf Zuckerbergs Zuhause und die Vernetzung seiner Geräte angepasst, soll aber weiterentwickelt und schließlich als Open Source veröffentlicht werden.

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Frühaufsteher oder Nachteule – wer ist produktiver?

late night (adapted) (Image by Mike McCune [CC by 2.0] via flickr)

Morgenstund‘ hat Gold im Mund, heisst es in einem altbekannten Sprichwort. Doch ist das wirklich so? Sind die Menschen, die früher aufstehen, tatsächlich produktiver? Wer sich mal die Bekenntnisse erfolgreicher Manager und Führungspersönlichkeiten anschaut, wird hier fast ausschließlich Lerchen finden, also Typen, die jeden Tag um 5 Uhr morgens aus dem Bett hüpfen, um noch vor der Arbeit Sport zu machen oder einem sonstigen Hobby nachzugehen. So sagt zum Beispiel Apple Manager Tim Cook, dass er jeden Tag um 4:30 Uhr aufsteht, um als erste Tat des Tages ins Fitnessstudio zu gehen und Angela Merkel steht angeblich um 6:00 Uhr auf, um ihrem Partner das Frühstück zu machen. Es scheint auf den ersten Blick logisch, dass Führungspersönlichkeiten ihren Tag vor allen anderen beginnen. Denn wer früh aufsteht, ist damit allen anderen ein Stück voraus und hat schon direkt von Tagesbeginn an die Nase vorn. Ist also das frühe Aufstehen ein Erfolgsrezept?

Studien zeigen: Frühaufsteher sind glücklicher, aber Nachteulen sind intelligenter

Ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn etliche wissenschaftliche Studien zu diesem Thema konnten bisher noch keine eindeutige Antwort liefern auf die Frage, ob Frühaufsteher oder Nachteulen im Vorteil sind. So hat beispielsweise Biologieprofessor Christoph Randler von der Universität Heidelberg in einer Studie unter mehr als 300 Studenten herausgefunden, dass Frühaufsteher glücklicher sind als Langschläfer. In einem Interview mit der Harvard Business Review erklärt er seine Ergebnisse:

Beim Erfolg im Beruf haben Morgenpersönlichkeiten ganz klar die Nase vorn. Meine vorigen Studien haben gezeigt, dass Morgentypen dazu tendieren, bessere Noten in der Schule zu bekommen, was sie wiederum in bessere Universitäten bringt, was dann zu besseren Jobmöglichkeiten führt. Frühaufsteher neigen ebenfalls dazu, Probleme voraussehen und verringern zu wollen. Sie sind proaktiv. Viele Studien haben eine Verbindung zwischen Proaktivität und bessere Jobperformance, mehr Erfolg im Beruf und höheren Löhnen aufgezeigt.

Randler gibt aber auch zu bedenken, dass Frühaufsteher möglicherweise deshalb glücklicher sind, weil unser aktuelles Gesellschafts- und Arbeitsmodell für sie ausgelegt ist. Der klassische Arbeitstag von 8 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags begünstigt die Menschen, die gerne früh aufstehen. Hinzu kommt, dass das lange Schlafen gesellschaftlich negativ belastet ist. Wer bis Mittags schläft, wird als Faulpelz bezeichnet. Dabei zeigen Studien, dass es zwei Typen von Menschen zu geben scheint: Solche, die mit den ersten Sonnenstrahlen produktiv werden und andere, die erst im Morgengrauen ins Bett gehen. Beides ergibt evolutionsbiologisch gesehen Sinn. Denn während in der Zeit der Jäger und Sammler die Frühaufsteher sich zeitig auf Nahrungssuche machten, konnten die Nachteulen sicherstellen, dass die Gruppe in der Nacht vor Angriffen geschützt war. Doch mit der agrarischen sowie der industriellen Revolution ist der zweite Typ nach und nach in Verruf geraten. Zu Unrecht, wie viele Wissenschaftler finden. Denn Nachteulen sind demnach im Vergleich zu den Lerchen schlagfertiger, intelligenter und haben ein besseres Gedächtnis. So hat Dr. Philippe Peigneux von der Universität Liege in Belgien mithilfe von Gehirnscans nachgewisesen, dass Nachttypen am Abend schneller arbeiten und weniger schläfrig sind als Morgentypen. Berühmte Nachteulen sind beispielsweise Charles Darwin, Winston Churchill sowie Adolf Hitler, die selten vor 4 Uhr morgens ins Bett gingen. So überrascht es vielleicht auch nicht, dass Untersuchungen zeigen, dass Nachteulen eher zur „dunklen Triade“ aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie neigen als Frühaufsteher. Wenn man sich überlegt, dass antisoziales Verhalten im Dunkeln eher verborgen bleibt, scheint das diese Verhaltensmuster gut zu erklären.

Kreative Arbeitsmodelle, um volles Potential auszuschöpfen

Ob wir Frühaufsteher oder Nachteulen sind, scheint genetisch bedingt zu sein. Um herauszufinden, zu welcher Sorte man selbst gehört, kann es helfen, ein Energietagebuch zu führen, in dem man genau notiert, wann der persönliche Energielevel am höchsten ist. Doch was hilft es, wenn wir herausfinden, dass wir Nachteulen sind, unser Job uns aber jeden Morgen dazu zwingt, um 7:00 Uhr das Haus zu verlassen? Mit der aktuellen Arbeitsaufteilung haben die meisten von uns keine Wahl im Berufsleben. Wenn wir die Hälfte der Bevölkerung dazu zwingen, entgegen ihrer inneren Uhr zu arbeiten, geht damit gleichzeitig sehr viel kreatives und produktives Potential verloren. Zwar kann frühes Aufstehen auch gelernt werden und mit bestimmten Tricks wie dem, den Wecker gute 15 Minuten früher zu stellen oder am Abend den nächsten Tag vorzubereiten, erleichtert werden, doch eine Nachteule kann wohl nie gänzlich in eine Lerche verwandelt werden. Hier sind kreative Arbeitsmodelle gefragt, die es beiden Aufsteh-Typen ermöglichen, ihr volles Potential auszuschöpfen. Erfindungen wie Jobsharing oder die Tatsache, dass immer mehr Arbeitnehmer der Generation Y freiberuflich arbeiten, sind möglicherweise ein Hinweis darauf, dass unsere Gesellschaft erkennt, dass nicht nur der frühe Vogel den Wurm fängt, sondern auch die zweite Maus den Käse kriegt.


Image (adapted) „late night“ by Mike McCune (CC BY 2.0)


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Über die Existenz der Generation Y

Wandern (image by Unsplash (CC0 Public Domain) via Pixabay)new

Keine Gruppe der Gesellschaft ist in den Medien zurzeit so präsent wie sie. Die einen schwärzen sie an, die anderen verteidigen sie und die dritten bezweifeln, dass sie überhaupt existiert: die Generation Y. Das Y im Namen bezeichnet sie als Nachfolger der Generation X und wird zudem von vielen als „Why“ gelesen. Die Generation, die ständig hinterfragt und ganz spezielle Vorstellungen vom Leben und der Arbeitswelt hat, wird auch als Facebook-Generation, iGeneration oder Millenials betitelt. Ob diese Beschreibungen für ihre Vertreter wirklich passend sind, sei zunächst dahingestellt. Fest steht: Die junge Generation sorgt momentan für so viel Diskussion wie keine andere.

Das Profil einer Generation

Um sich näher mit der Generation auseinanderzusetzen, sollte einem zunächst bewusst sein, mit wem man sich im Einzelnen befasst. Grob werden der Generation Y alle zugeordnet, die zwischen den 80er Jahren und Mitte der 90er Jahre geboren wurden. Allerdings zählen zu den Ypsilonern längst nicht alle 20- bis 30-Jährigen. Das Phänomen beschreibt einen Teil dieser Generation, den man als eine Art Elite bezeichnen könnte, da seine Mitglieder mit dem Privileg finanzieller Absicherung und einer guten Bildung aufgewachsen sind. Er macht gerade einmal 25 Prozent dieser Altersgruppe aus. Zudem zeichnet die Generation vor allem auch eine spezielle Lebenseinstellung aus.

Hannah Bahl, Generation-Y-Expertin und selbst Ypsilonerin, nennt vier wesentliche Begriffe für die Generation, die gleichzeitig die wichtigsten Thesen über sie formulieren: Balance, Netzwerk, Serendipity und Resilienz.

  • Mit ihrem Wunsch, im Privatleben, aber dazu vor allem auch im Beruf glücklich zu sein, geht die Generation große Risiken ein. Wenn auch finanziell abgesichert, ist sie in einer Welt voller Arbeits-, Terror- und Umweltkrisen aufgewachsen. Sie steht so der Herausforderung gegenüber, in einem Leben voller Risiken und Unbeständigkeit, ihre Balance zu finden.
  • Die ständige Erreichbarkeit und starke Vernetzung der heutigen Gesellschaft zeichnet auch die Generation Y aus. Sie wird deshalb gerne auch als Digital Natives oder Internet-Generation bezeichnet, wobei ihnen in dieser Hinsicht die nachfolgenden Generationen schon ein ganzes Stück voraus sind.
  • Mit Serendipity bezeichnet Hannah Bahl eine Art Lebensgefühl der Generation. Es beschreibt die Offenheit und Neugier, die für die Suche nach etwas Unerwartetem nötig sind. In der Welt der unendlichen Möglichkeiten auf beruflicher Ebene und im Privatleben sei die Generation von der Hoffnung gekennzeichnet, trotzdem irgendwann ein Ziel zu erreichen.
  • Mit all dem geht auch der vierte Begriff einher, den Bahl mit ihrer Generation assoziiert: Resilienz. Sie beschreibt die Fähigkeit, flexibel mit Veränderungen und Instabilität umzugehen und bietet die Voraussetzung dafür, seine Balance zwischen Freiheit und Sicherheit zu finden.

Ansprüche an das Leben

Durch ihren Hang zur Selbstreflexion und dem Hervorheben der eigenen Wünsche, wird die Generation Y gern als egoistisch bezeichnet. Es dürfte eigentlich überflüssig sein, anzumerken, dass eine solche Pauschalisierung in keiner Generation greifen kann. Dennoch lässt sich der Vorwurf erklären, so Bahl:

Wenn wir fallen, klopfen wir uns kurz ab, rappeln uns wieder auf und machen weiter. Das spannende daran ist, denke ich, dass, wenn nichts mehr sicher ist, das Selbst im Umkehrschluss das Einzige ist, auf das man sich noch verlassen kann, was natürlich erklären würde warum diese Generation manchmal durchaus auch etwas egozentrische Tendenzen hat. Das Ru?ckbesinnen auf sich selbst und das In-Balance-bleiben, das der Generation Y ha?ufig als Egoismus vorgeworfen wird, ist somit wahrscheinlich einfach eine Methode, um die weitere eigene Handlungsfähigkeit im Netzwerk zu garantieren.

Es stellt sich die Frage, ob eine solche Rückbesinnung auf das eigene Ich nicht auch Vorteile mit sich bringt. Die hohen Ansprüche der Millenials und der beispielhafte Wunsch nach weniger Hierarchie im Job erwecken nicht den Anschein egoistischer Forderungen. Eine Veränderung der Strukturen könnte sich positiv auf die gesamte Arbeitswelt auswirken. „Gerade wenn es um die Frage, wie wir arbeiten und leben wollen geht, sind die Themen ja immer über-generational und ich glaube, dass auch ein 55-jähriger Mitarbeiter Lust hat, ein Sabbatical zu nehmen, das aber vielleicht nicht so vehement einfordern würde wie Generation Y es tut.“ , so die Generation-Y-Expertin.

Das Generationenkonstrukt

Bei all der Diskussion um die Generation Y, stellen sich einige die Frage, ob sie überhaupt existiert und ob sie den ganzen Medienwirbel wirklich wert ist. Der Grund dafür ist vor allem die Tatsache, dass die Generation Y neben ihrer realen Erscheinung auch ein Konstrukt ist, ein Modell für die Gesellschaft. Und auch für Unternehmen, die versuchen, Zielgruppen besser zu verstehen und sich diesen anzupassen. Wiederum bedeutet das nicht, dass die Generation in der Gesellschaft nicht existiert. Bei all der Analyse und den Zuordnungen sollte bloß vor allem nicht außer Acht gelassen werden, dass die Generation der Ypsiloner – wohl noch mehr als ihre Vorgänger – auch eine sehr vielseitige Generation ist. Das ist es auch, was beispielsweise der Komiker Adam Conver in seiner Präsentation „Millenials don’t exist“ auf etwas überspitztere Weise vermittelt. Die zunehmende Heterogenität der Gesellschaft und so auch der Generation Y wird in der ganzen Debatte oft hinter stereotypischen Charakterisierungen versteckt.

Die Herausforderungen der Zukunft

Worauf muss sich die Generation Y in Zukunft einstellen und wie wird sie diese selbst mitgestalten? Oder wird ihr in den Medien gar zu viel Aufmerksamkeit geschenkt? Die Generation der Millenials hat bereits einen Teil zur gesellschaftlichen Veränderung beigetragen. Ihre Herausforderung besteht jetzt darin, ihre Ziele weiterhin zu verfolgen und sich nicht von der Welle der Kritik aufhalten zu lassen. Daneben sieht Bahl auch eine Aufgabe darin, trotz der zunehmenden Vernetzung einen gewissen Abstand zur Beschleunigung zu finden:

Kämpferisch und fordernd zu bleiben und nicht den Fokus auf die Dinge, die man verändern möchte zu verlieren (in der gesamten Masse der Möglichkeiten, die sich so auf tun) ist, glaube ich, eine der großen Herausforderungen. Außerdem die große Frage, wie man sich Ruhepunkte schafft in einer Gesellschaft, die im Netzwerk einfach durch eine unfassbare Schnelligkeit geprägt ist.

Was ihre mediale Präsenz angeht, ist die Generation Y nicht die einzige, der eine derartige Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Durch die Beschleunigung der Gesellschaft und der Verbreitung von Nachrichten in den Medien ist eine so lebhafte Diskussion allerdings erst in dieser Generation möglich geworden. Der Meinung ist auch die Expertin: „Ich denke, dass man die Aufmerksamkeit wieder in eine intergenerationale Diskussion in der Gesellschaft zurückbringen müsste, um die Frage zu beantworten, wie wir alle gemeinsam zusammen leben wollen.“ Vielleicht ist genau das der richtige Ansatz, die Diskussion um die Generation Y zu betrachten. Denn schließlich besteht die Gesellschaft nicht ausschließlich aus Ypsilonern. Zudem wartet die nächste Generation bestimmt schon auf ihren eigenen großen Auftritt: Die wirklich wahren Digital Natives der Generation Z.

Der Artikel beinhaltet Ausschnitte eines Interviews mit Hannah Bahl. Die kompletten Antworten der Generation-Y-Expertin gibt es hier.


Image „Wandern“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Interview mit Generation-Y-Expertin Hannah Bahl

Hannah Bahl (image by Hannah Bahl)

Hannah Bahl ist Expertin für die Generation Y und gleichzeitig selbst eines ihrer Mitglieder. Im Interview spricht sie über die derzeitige mediale Präsenz der Generation und erklärt, was sie so besonders macht. Bei der Erkundung ihres Potenzials sieht sie auch im Austausch und im Zusammenleben zwischen den verschiedenen Generationen eine zukünftige Aufgabe. Die freie Journalistin interessiert sich für gesellschaftliche Veränderung und macht nach ihrem Bachelor-Studium zurzeit ihren Master in Berlin.

Jannika Liesenberg (JL): Über die Generation Y wird so einiges erzählt. Welche Merkmale prägen sie deiner Meinung nach wirklich?

Hannah Bahl (HB): Aus meiner Sicht zeichnet sich die Generation Y besonders durch die virtuellen Netzwerke in denen sie sich bewegt aus, ich denke für diese Generation ist das Gefühl von Gemeinschaft, das auch Marina Keegan in ihrem Essay „The Opposite of Loneliness“ anspricht, von großer Bedeutung. Wir sind also die Generation „Wir sind nicht hier, wir sind überall“ – immer flexibel, permanent online und verfügbar. Es gibt kaum einen Kontinent, auf dem wir keine Freunde haben, immer ist irgendwer gerade unterwegs in ein neues Leben und die nächste Möglichkeit lauert immer schon hinter der nächsten Ecke, was für das Treffen von Entscheidungen zu Herausforderungen führen kann (wie entscheidet man sich überhaupt noch für etwas oder jemanden, wenn alles voller Möglichkeiten ist?), aber auch gleichzeitig dazu führt, dass man immer in Bewegung ist. Wir sind dabei als Generation privilegiert (in Wohlstand und ohne Krieg aufgewachsen) in unserer Freiheit immer wieder in Frage zu stellen, wer wir sein möchten. Das bedeutet aber auch, reflektiert zu handeln und sich immer wieder die Frage zu stellen: will ich das wirklich und welchen Mehrwert schaffe ich? Entscheidungen sind nicht mehr nur individueller, persönlicher Natur, sie stehen immer im Kontext des Netzwerkes, in dem man angespielt wird und jemandem anderen wiederum den Ball zu wirft.

Eine andere Fähigkeit, die für diese Generation aus meiner Sicht eine große Bedeutung hat, ist Resilienz. Wir lassen uns von Krisen nicht mehr aus dem Konzept bringen, weil wir uns so an sie gewöhnt haben. Wenn wir fallen, klopfen wir uns kurz ab, rappeln uns wieder auf und machen weiter. Das spannende daran ist, denke ich, dass, wenn nichts mehr sicher ist, das Selbst im Umkehrschluss das Einzige ist, auf das man sich noch verlassen kann, was natürlich erklären würde warum diese Generation manchmal durchaus auch etwas egozentrische Tendenzen hat. Das Ru?ckbesinnen auf sich selbst und das In-Balance-bleiben, das der Generation Y ha?ufig als Egoismus vorgeworfen wird, ist somit wahrscheinlich einfach eine Methode, um die weitere eigene Handlungsfähigkeit im Netzwerk zu garantieren.

Ich finde es außerdem spannend, dass bei den meisten von uns die eigenen Handlungen im Jetzt stattfinden, aber gleichzeitig auch immer zukunftsorientiert und sich selbst hinterfragend sind. Jede Entscheidung ist mit dem Wissen verknüpft, dass man am Ende des Tages das eigene Gesicht im Spiegel ertragen können muss. Und ich glaube, das wird nur funktionieren, wenn man hart daran arbeitet herauszufinden, wer man eigentlich ist oder sein möchte. Wenn das bedeutet, keine Festanstellung einzugehen, mehr Chancen wahrzunehmen, sich auf Weltreise zu begeben oder sich endlich einen Eames Chair zu kaufen, weil man schon immer davon geträumt hat, dann ist das eben so – solange man diese Entscheidungen nicht unreflektiert trifft.

JL:Kannst du dich selbst mit ihnen identifizieren?

HB: Da ich selbst 1989 geboren bin, bin ich definitiv Mitglied dieser Generation und führe wahrscheinlich auch ein relativ typisches, wenn es so etwas gibt, Generation-Y-Leben. Mein Lebenslauf hat sehr viele Stationen, ich setzte mich oft mit der Frage auseinander, ob die Dinge, die ich mache, für mich einen größeren „Sinn“ haben und bin auf der Suche nach einem Beruf der eher Berufung ist. Mir kommt es dabei weniger darauf an, was das für ein Unternehmen ist, als auf die Tatsache, dass Jemand sich mit mir als Person auseinandersetzt. Ich habe an Führung die Erwartung, dass eine Beziehung entsteht, in der man sich gegenseitig weiterbringt und Kompetenz wichtiger als Hierarchie ist. Ich habe den Wunsch, Dinge zu verändern und mich nicht festen Strukturen anpassen zu müssen und die Hoffnung, dass Flexibilität bald Normalität wird. Für mich ist eine der wichtigsten Charakteristiken außerdem, dass diese Generation immer auf der Suche ist und in Bewegung bleibt. Das Hinterfragen der Dinge und des aktuellen Zustandes, das sich ja auch in der abgewandelten Generation-„(Wh)Y?“-Defintion wieder findet, sehe ich bei sehr vielen Menschen in dieser Generation, die sich nicht mit dem jeweiligen Status Quo zufrieden geben wollen.

JL: Wie bist du mit der Thematik in Verbindung gekommen und warum ist sie dir wichtig?

HB: Ich habe 2011 angefangen, mich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, weil ich das Gefühl hatte, dass das in den Medien gezeichnete Bild dieser Generation nicht mit meiner eigenen Wahrnehmung aus dieser Generation heraus übereinstimmt.

JL: Was sind die größten Herausforderungen für die Generation?

HB: Die größte Herausforderung für diese Generation wird es sein, die Dinge die sie jetzt einfordert – Flexibilität, andere Arbeitsbeziehungen, größere Gleichberechtigung, mehr Freiheit – auch umzusetzen und sich nicht, wie viele vorherige Generationen, mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Kämpferisch und fordernd zu bleiben und nicht den Fokus auf die Dinge, die man verändern möchte zu verlieren (in der gesamten Masse der Möglichkeiten, die sich so auf tun), ist, glaube ich, eine der großen Herausforderungen. Außerdem die große Frage, wie man sich Ruhepunkte schafft in einer Gesellschaft, die im Netzwerk einfach durch eine unfassbare Schnelligkeit geprägt ist. Wie bleibt man in Balance und gleichzeitig agil?

JL: Der Autor Nils Schulenburg sagte kürzlich bei Radio Bremen, man müsse aufhören, die Generation Y zu bewerten und stattdessen ihre Eigenschaften hinnehmen, um sie wertschätzen zu können. Siehst du das genauso?

HB: Ich sehe das genauso, da gibt es dieses wunderbare Zitat, das Sokrates zugeschrieben wird: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Hier zeigt sich eigentlich ganz gut, dass intergenerationale Konflikte einfach schon immer vorprogrammiert sind und das es normal ist, wenn eine Generation zunächst abgelehnt wird mit den Anforderungen, die sie hat. Ich glaube, dass in den Forderungen dieser Generation sehr viel gesamtgesellschaftliches Entwicklungspotential steckt. Gerade wenn es um die Frage, wie wir arbeiten und leben wollen geht, sind die Themen ja immer über-generational und ich glaube, dass auch ein 55 jähriger Mitarbeiter Lust hat, ein Sabbatical zu nehmen, das aber vielleicht nicht so vehement einfordern würde wie Generation Y es tut. Insofern stimme ich mit Nils Schulenburg definitiv überein, dass Wertschätzung und konstruktive Auseinandersetzung mit dieser Generation schon ein Fortschritt wäre.

JL:Wird der Generation Y mit dem ganzen Medienwirbel vielleicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt?

HB: Allen Generationen wurde Aufmerksamkeit geschenkt, allerdings haben sich die Medien natürlich sehr verändert, weshalb diese Generationsdiskussion, die ja auch immer eine mediale Diskussion ist, vielleicht so omnipräsent erscheint. Ich denke, dass man die Aufmerksamkeit wieder in eine intergenerationale Diskussion in der Gesellschaft zurückbringen müsste, um die Frage zu beantworten, wie wir alle gemeinsam zusammen leben wollen.

JL: Wie sieht die Zukunft für die Ypsiloner aus?

HB: Hoffentlich gut, mit viel Konfetti, Freiheiten und Sicherheit. Ich glaube es ist sehr schwer die Zukunft vorauszusagen, aber ich muss dabei immer an Rainer Maria Rilke denken, der in seinen „Briefen an einen jungen Dichter“ seinem jungen Freund Xaver Kappus einen Lebensrat mit auf den Weg gibt. „Sie sind so jung, so vor allem Anfang, und ich möchte Sie, so gut ich es kann, bitten, lieber Herr, Geduld zu haben gegen alles Ungelöste in Ihrem Herzen und zu versuchen, die Fragen selbst liebzuhaben wie verschlossene Stuben und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache geschrieben sind. Forschen Sie jetzt nicht nach den Antworten, die Ihnen nicht gegeben werden können, weil Sie sie nicht leben könnten. Und es handelt sich darum, alles zu leben. Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein.“ – Das ist glaube ich auch das, was ich mir wünsche; dass man uns allen erlaubt, gemeinsam in die Antworten hineinzuleben.


Image (adapted) by Hannah Bahl


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • Amazon cnet: Amazon continues crackdown on alleged fake reviews: Online Shopping hat den Nachteil, dass die Produkte nicht vor Ort angeschaut und getestet werden können. Demnach verlassen sich Käufer auf die Kundenbewertungen Anderer. Das ist sich auch Amazon bewusst. Aus dem Grund möchten sie ihren Kunden ehrliche Bewertungen liefern, die dem Produkt wirklich entsprechen. Um die Echtheit zu garantieren, werden die einzelnen Kundenbewertungen überprüft, sollten sich Fakes herausstellen, werden die Seiten, die dafür verantwortlich sind, gerichtlich verfolgt – bisher mit Erfolg.
  • SOCIAL MEDIA tn3: Social Media: Teenager erreicht man bei WhatsApp, Instagram und Snapchat: Nach neuesten Umfragen haben Facebook und Twitter an Beliebheit bei den Jugendlichen verloren. Die neue Generation tummelt sich bevorzugt auf Instagram, Whatsapp und neuerdings bei dem Schnell-Aufsteiger Snapchat. Außerdem unterscheiden sich die Nutzung der unterschiedlichen Apps bei dem Geschlecht und der Herkunft der Jugendlichen. Wer das junge Volk erreichen will, muss sich mit den neuen Apps befassen.
  • SMARTPHONE Gründerszene: Münchner IDnow last Verträge per Smartphone unterschreiben: Wenn eine Unterschrift zur Last wird – Das Start-Up IDnow hat eine Lösung gefunden, die das Unterschreiben der Kunden vereinfacht. Statt persönlich zu erscheinen oder schriftliche Unterlagen einzureichen, können Kunden mit IDnow ganz einfach per Smartphone ihre Verträge unterschreiben. Mit ihrer neuen Signatur, die mehr Rechtssicherheit garantiert, entsteht noch mehr Flexibilität für den Kunden und der Bank – Denn Smartphones sind ständig dabei.
  • PHISHING heise: Apple ID und iCloud: Gezieltes Phishing mit Texnachrichten: Wer eine Nachricht mit persönlicher Anrede  und dann noch mit seriöser Weiterleitung per Link erhält, wird zunächst an nichts Falsches denken. Seit kurzem kursieren einige Textnachrichten mit persönlicher Anrede umher, die den Empfänger aus Sicherheit auffordern, die eigene Apple ID oder iCloud weiterzugeben. Hierbei handelt es sich um ein gezieltes Phishing und Klauen der IDs  – Also vorsichtig sein und nicht fremden Links folgen!
  • Lingohop Digital Trend: Lingohop wants to make language learning personal relevant to you: Viele Sprachschulen lehren erst mal eine Sprachbasis, die häufig nicht relevant für diejenigen sind, die überhaupt eine neue Sprache erlernen möchten. Aber es ist nun mal die Basis und die traditionelle Art des Erlernens einer Sprache – die Erfinder von Lingohop sehen das anders. Mit ihrer neuen App, die jetzt auf Kickstarter zum Leben gerufen wurde, soll die neue Sprache auf Basis der Relevanz der Nutzer beigebracht werden. Es können gezielte Situationen gewählt werden, die dann dazugehörige Wörter und Sätze lehren, sodass man für jede Situation bestens vorbereitet ist.

chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Das perfekte Selfie – wo liegen die Grenzen?

Selfies. (adapted) (Image by Connie Ma [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Warum riskieren Menschen ihr eigenes oder das Leben anderer für das perfekte Selfie? Das Jahr 2016 war bisher kein gutes Jahr für den Selfie-Trend. Im Februar reichten argentinische Touristen ein La-Plata-Delphinjunges herum, damit jeder der Umstehenden ein Selfie mit ihm schießen konnte. Das bedrohte Tier starb langsam während der Prozedur an den Folgen des Stresses und der Hitze. Kurz darauf, Anfang März, musste ein Schwan dran glauben,  nachdem ein Tourist ihn aus einem See in Mazedonien gezogen hatte – und das nur für ein Selfie. Während die Tode beider Tiere bereits für eine große Empörung sorgten, riskieren Menschen eigentlich noch viel mehr, um ein perfektes Foto zu schießen – nämlich ihr eigenes Leben. Im Jahr 2015 hatte die russischen Behörden sogar eine Kampagne ins Leben gerufen, die mit dem Spruch warnte: “Ein cooles Selfie könnte Dich Dein Leben kosten.” Was ist der Grund dafür? Die Polizei schätzt, dass fast 100 Russen an dem Versuch, ein “Draufgänger”-Selfie sowie Fotos von sich selbst in gefährlichen Situationen zu schießen, gestorben sind oder zumindest verletzt worden. Zu den Beispielen hierfür zählen eine Frau, die durch den Schuss einer Pistole verletzt wurde (immerhin: sie überlebte), zwei Männer, die eine explodierende Handgranaten in der Hand hielten (sie sind allerdings dabei gestorben) sowie Menschen, die auf den Dächern von Zügen Fotos schießen. Auch große Höhen führten zu Todesfällen durch Selfies. Eine polnische Touristin fiel von einer Brücke in Sevilla (Spanien), als sie versuchte ein Selfie zu schießen – sie starb dabei. Und ein Pilot einer Cessna verlor im Mai 2014 die Kontrolle über sein Flugzeug, als er versuchte, ein Selfie im Flug zu machen und tötete dabei sich selbst und seine Passagiere. Nicht nur gefährliche Momente der Selfie-Bessenheit führten zum Tod. Ein Jugendlicher, der an Dysmorphophobie litt, versuchte sich das Leben zunehmen, nachdem er hunderte Stunden mit dem Versuch verbracht hatte, ein perfektes Selfie zu schießen. Menschen, die regelmäßig Selfies posten, werden oft als narzisstisch und geschmacklos bezeichnet. Mit Social Networking-Apps wie Snapchat, die zunehmend beliebter werden, greift auch der SelfieTrend weiter um sich. Also: Was ist hier los? Was hat es mit dem Selbstportrait auf sich, das zu einem Teil unserer Kommunikation geworden ist? Und warum fühlen sich einige dazu gezwungen, das perfekte Selfie zu schießen und dabei das eigene Leben oder das der anderen (einschließlich derer von Tieren) zu riskieren? Noch gibt es keine konkrete Antwort auf diese Frage, aber als Psychologe finde ich, dass dieses Phänomen, das auf einzigartige Weise das 21. Jahrhundert beschreibt, es Wert ist, näher untersucht zu werden.

Eine kurze Geschichte des Selfie

Einem amerikanischen Fotografen namens Robert Cornelius wird das erste Selfie zugeschrieben: Im Jahr 1839 benutzte Cornelius eine der ersten Kameras. Er stellte die Kamera auf und lichtete sich selbst ab, als er ins Bild lief. Die höhere Verfügbarkeit von Schnappschusskameras im 20. Jahrhundert führte zu einem Anstieg der Selbstportraits, bei denen sich viele die (heute noch populäre) Methode des Fotografierens vor dem Spiegel zu Nutze machten. Die Selfie-Technik machte einen großen Sprung nach vorne mit der Erfindung des Handys mit integrierter Kamera. Und schließlich kam natürlich der Selfie-Stick. Für einen kurzen Moment wurde dieser Stick hoch gelobt – die Times bezeichnete ihn als eine der besten Erfindungen des Jahres 2014. Die Kritiker jedoch nannten ihn passenderweise “Naricisstick” (dt. etwa: “Narzissmus-Stick”). Die Sticks sind nun in vielen Museen und Parks, einschließlich des Walt Disney-Resorts, verboten. Trotz der Kritik gegenüber Selfies wächst ihre Popularität stetig an. Eindeutige Zahlen scheint es nicht zu geben, wobei Schätzungen zu den täglich geposteten Selfies zwischen einer Million bis hin zu 93 Millionen, allein auf Android-Geräten, beträgt. Wie hoch die tatsächliche Zahl auch sein mag, eine neue Umfrage des Pew Research Centers aus dem Jahr 2014 hat gezeigt, dass der Selfie-Hype besonders die jüngere Generation betrifft. Während 55 Prozent der Generation Y regelmäßig Selfies in ihren sozialen Netzwerken teilen, so wussten bei der sogenannten stillen Generation (denjenigen, die zwischen 1920 und 1945 geboren worden sind) nur 33 Prozent, was ein Selfie überhaupt ist. Ein Bericht aus Großbritannien deutet zudem darauf hin, dass jüngere Frauen den aktiveren Teil bei der Selfie-Erstellung einnehmen und bis zu fünf Stunden jede Woche mit Selbstportraits beschäftigt sind. Der wichtigste Grund für sie: Gut auszusehen. Weitere Gründe sind: einander eifersüchtig machen oder fremdgehende Partner ihre Fehltritte bereuen zu lassen.

Selbstbewusstseinsschub oder Instrument des Narzissmus?

Einige sehen Selfies als eine positive Entwicklung. Die Psychologieprofessorin Pamela Rutledge glaubt, dass Selfies die “normalen Menschen” zelebrieren. Und die Psychologin der UCLA Andrea Letamendi ist der Auffassung, dass Selfies “jungen Erwachsenen erlauben, ihre Gefühle auszudrücken und wichtige Erfahrungen zu teilen.” Andere argumentierten damit, dass ein Selfie das Selbstbewusstsein stärken könnte, indem gezeigt wird, wie “umwerfend” sie sind. Des Weiteren können währenddessen noch wichtige Erinnerungen gesichert werden. Selfies werden trotzdem oft eher negativ assoziiert. Während sie manchmal als Mittel zur Stärkung des Selbstbewusstseins herausgestellt werden, zeigte eine europäische Studie den gegenteiligen Effekt. Die Zeit, die mit dem Anschauen von Selfies in sozialen Medien verbracht wird, kann zur Entwicklung eines negativen Körpergefühls bei jungen Frauen beitragen. Neben Verletzungen, Todesfällen und diversen Geschmacklosigkeiten scheint ein weiteres Problem des Selfies zu sein, dass sie etwa die Ursache oder Folge zum Narzissmus sind. Peter Gray, der für “Psychology Today” schreibt, beschreibt Narzissmus als “ein arrogantes Bild vom eignen Selbst in Verbindung mit einer relativen Gleichgültigkeit gegenüber anderen”. Narzissten neigen dazu, ihre Begabungen zu überschätzen und reagieren mit Wut auf Kritik. Mit hoher Wahrscheinlichkeit neigen sie dazu andere zu mobben, statt ihnen zu helfen. Gray zufolge zeigen Umfragen unter Hochschulstudenten, dass diese Charaktereigenschaft heute noch verbreiteter ist als vor 30 Jahren. Stehen Selfies und Narzissmus also wirklich in Beziehung zueinander? Die Psychologin Gwendolyn Seidman vermutet, dass es durchaus einen Zusammenhang gibt. Sie führt zwei Studien an, die das Vorkommen von Facebook-Selfies in einer Stichprobe von 1000 Personen untersucht. In der Stichprobe zeigten Männer, die eine höhere Anzahl an Selfies posteten, eine Tendenz zu narzisstischen Zügen. Unter den weiblichen Teilnehmern stand die Anzahl der geposteten Selfies im Zusammenhang mit einer als “dem Verlangen nach Bewunderung” bezeichneten Unterform des Narzissmus, die mit “dem Gefühl, über einen besonderen Status oder Privilegien zu verfügen und über anderen zu stehen‚” definiert wird. Im Endeffekt scheinen Selfie und Narzissmus also tatsächlich miteinander zusammenzuhängen.

Wie wir uns gegen andere aufrüsten

Selfies scheinen die bevorzugte Art der Selbstdarstellung in dieser Generation zu sein. Psychologen, die sich mit der Selbstwahrnehmung beschäftigen, nehmen an, dass unser Selbstbild und wie wir es projizieren, von zwei Faktoren abhängen: Vertrauenswürdigkeit (wie haltbar sind Behauptungen, die ich über mich anstelle?) und Vorteilhaftigkeit (wie attraktiv, talentiert und erstrebenswert sind die Behauptungen, die ich über mich anstelle?). In diesem Sinne ist das Selfie das perfekte Medium: Es ist ein einfaches Werkzeug, um Beweise für ein aufregendes Leben, außergewöhnliche Talente und Fähigkeiten, einzigartige Erfahrungen, persönliche Schönheit und Attraktivität zu liefern. Als Psychologe halte ich es nicht nur für wichtig, nachzufragen, warum Menschen Selfies posten, sondern auch warum sie betrachtet werden. Die Untersuchungen lassen vermuten, dass Menschen sich einfach gerne Gesichter anschauen. Selfies ziehen nun einmal mehr Aufmerksamkeit und mehr Kommentare an als alle anderen Fotos. Sie werden durch unsere Freunde und Bekannte weitergetragen, die sie mit jeder Menge Likes und anderen Formen der Bestätigung in den sozialen Medien belohnen. Eine Erklärung für die Ursache, warum Menschen von Selfies angezogen werden, könnte auf das psychologischen Gefüge der sozialen Vergleichstheorie beruhen. Der Begründer der Theorie, Leon Festinger, behauptete, dass Menschen einen inneren Drang besitzen, sich selbst mit anderen zu vergleichen. Wir verhalten uns auf diese Weise, um unser Selbstwertgefühl zu verbessern (Selbstverstärkung), uns zu bewerten (Selbstbewertung), uns selbst zu bestätigen, dass wir so sind, wie wir es uns denken (Selbstbestätigung) und um besser zu werden als wir bereits sind (Selbstverbesserung). Es handelt sich hierbei um eine Liste, die eine Reihe von Ursachen anführt, die zunächst sehr positiv scheinen. Leider sieht die Wirklichkeit nicht so positiv aus. Diejenigen, die dazu neigen, Selfies zu posten, scheinen weniger Selbstbewusstsein zu besitzen als diejenigen, die keine posten. Letztendlich ziehen Selfies Aufmerksamkeit auf sich, was eine gute Sache zu sein scheint. Aber das tun Autounfälle auch. Die Bestätigung, die durch Likes und positive Kommentare in sozialen Medien entsteht, ist belohnend – besonders für die Einsamen, Isolierten und Unsicheren. Die Tatsachen weisen alles in allem (einschließlich der Tode von Menschen und Tieren!) darauf hin, dass es bei diesem Hype nur wenig zu verherrlichen gibt. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) “Selfies” by Connie Ma (CC BY-SA 2.0)


The Conversation

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Review: Anhedonia – Narzissmus als Narkose

Anhedonia (Image by Interzone Pictures)

Die Maschinen werden intelligent, die Menschen bleiben dumm – “Fortschritt durch Technik” – den Spruch kennt man ja. Wir sind die Generation, welche die Weiterentwicklung der Menschheit und ihrer Umgebung dank der Digitalisierung auf einem ganz neuen Level miterleben. Irgendwie befindet man sich permanent im Vorspul-Modus, fast so als würde die Taste für immer klemmen- Informationsfluss, über Informationsfluss. Wir pumpen uns bis obenhin voll mit Daten, bis nichts mehr hinein geht. Regisseur Patrick Siegfried Zimmer mag diese Medienrevolution nicht. Ihn schreckt der Tech-Wahnsinn so sehr ab, dass er gleich seinen ersten Spielfilm zu dem Thema gemacht hat.

Jeder guckt nur noch auf sein Handy, nutzt es als Hauptkommunikationsmittel und stumpft dabei der Natur gegenüber ab. Schon klar, zu dieser Problematik, wenn man sie denn als diese sehen möchte, wurde schon viel gesagt. Muss da wirklich noch ein Film her? Ja, nein, also jein. In “Anhedonia” wird man nicht das lang vermisste Statement zur Misere unserer Zeit entdecken, aber man wird dort seinen Spaß haben. Denn über das Elend der anderen lacht es sich bekanntlich am besten. Und, hach, Robert Stadlober leidet in den 78 Minuten wirklich ganz fabelhaft. Er spielt den schnöseligen Franz Freudenthal, der zusammen mit seinem Bruder Fritz (Wieland Schönfelder) auf einem protzigen Schloss gegen eine Krankheit behandelt wird, die sie ganz emotionslos und leidenschaftslos hat werden lassen. Es handelt sich dabei um eine Volkskrankheit, genannt “Anhedonie”, und nur der gefeierte Professor Doktor Immanuel Young (Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow) soll sie tatsächlich und ein für alle Male kurieren können. Dafür sind Waffen, Tanzen, Eifersüchteleien und Wasserplanschereien nötig. Alles ein bisschen schräg, aber am Ende wohl besonders gut fürs “Chillaxen”.

Zimmer hat seine Satire wie ein Theaterstück inszeniert. Es gibt keine Musik, keine Statisten, keinen natürlichen Lauf der Dinge. Blixa Bargeld erzählt uns (auffällig schlecht ablesend) die wichtigsten Eckdaten: man wäre im Jahr 2020, die beiden übellaunigen Protagonisten seien Aristokraten. Ah ja, nun versteht man auch die Mixtur zwischen barocker Kleidungsweise und Hipster-Rucksack, das Siezen und gleichzeitige Umsichwerfen mit Schimpfworten wie “Fotze”, das Lesen von Büchern und das Benutzen von Kindle-Readern. Der Trend ist deutlich: wir lieben die Verschmelzung von technischem Know-How und Vintage-Elementen. So etwas konnte man bereits in dem gefühlvollen Spike Jonze Film “Her” (2013) sehen.

Anhedonia 02 (Image via Interzone Pictures)

Doch in “Anhedonia” geht es doppelbödiger zu. Hin und wieder, mitten in der Lust-Stimuli-Therapie des gesichtslosen Young (lediglich über Lautsprecher lässt er seine Anweisungen ertönen), mischt sich auch der Filmemacher ein. Und dieser ist nicht etwa Patrick Siegfried Zimmer – nein, es ist ein Fake-Regisseur mit Alkoholproblemen. Er erklärt Stadlober und Schönfelder, dass sie die Story, die sie da spielen, besser in sich aufnehmen müssten. Schließlich gehe es um die grenzenlose Dummheit der Menschheit in seinem Werk, und das sollte man auch entsprechend enthusiastisch dämlich herüberbringen. Wer bis dahin beim Zuschauen mit vielen Fragezeichen kämpfen musste, der fühlte sich nach dieser Einführung der Meta-Ebene auch nicht unbedingt entwirrter. Weiterhin ist die Rede von Sklaven – eigentlich seien ja alle Sklaven und das schon von Geburt an. Zusätzlich klatscht einem ein Lacher nach dem anderen aus dem Off entgegen, ganz so als würde man sich gerade eine amerikanische Sitcom aus den Neunzigern reinziehen.

Anhedonia 03 (Image via Interzone Pictures)

Ein Großteil seines Gaga-Debüts skizzierte Patrick Siegfried Zimmer direkt auf dem Bett seiner eigenen vier Wände. Er dachte sich skurrile Dialoge, komische Eigenarten für seine Charaktere und eine herrlich himmlische Kulisse aus. Bei dem Gedanken, dass sich ein Publikum später versuchen würde seine Geschichte zu erschließen, musste er grinsen. Primär geht es ihm nämlich gar nicht um ein Verständnis. Ist doch egal, ob man alles nachvollziehen kann oder nicht. Und genau dieser Umstand erweist sich auch als das Besondere an “Anhedonie”: in so einigen Situationen kann man sich sogar – trotz der Abgefahrenheit – hineinversetzen. Dank des Internets, dank der ständigen Beballerung vom Schönen, sind wir überreizt. Man schluckt oftmals ohne zu kauen. Dennoch wollen wir mehr, mehr und mehr. Auf eine überzogene Weise hält uns Zimmer genau vor diesen wunden Punkt den Spiegel. Können wir uns noch entschleunigen? Können wir noch raus aus unserer Blase? Und wenn ja: was sind wir dann noch? Wer sich nun verletzt ins Schneckenhaus zurückziehen möchte, ist selbst Schuld – der hat nicht genug Fantasie. Denn die ist es vor allem, die in diesem erdachten Spiel-und-Spaß-Paradies gefragt ist. Also Kopf ausschalten und auch mal wieder den Bauch fühlen lassen.

Der Kinostart ist der 31.03.2016


Images by Interzone Pictures


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Erfolgreich und engagiert: Das neue Geschäftsmodell junger Startups

Vision (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pixabay)new

Die Generation Y erobert mit ihren Startups die Onlinewelt. Ihr Erfolgsmodell: Umsatz machen mit Umweltbewusstsein. Während Entrepreneure vor 30 Jahren vor allem wirtschaftlich erfolgreich sein wollten, geht es den Jungunternehmern der Generation Y um vieles mehr. Mit ihren kreativen Geschäftsmodellen erobern sie derzeit den Onlinemarkt – mit großem finanziellen Erfolg. Doch den jungen Unternehmern geht es dabei nicht nur ums Geldverdienen, sie wollen mit ihren Businessmodellen die Welt verbessern.

Sie sind jung, sie sind idealistisch und sie sind erfolgreiche Unternehmer. Wohin man in Deutschland auch auf den Start-up Markt schaut, findet man Geschäftsmodelle, die sich kein geringeres Ziel gesetzt haben als die Welt zu verbessern – und damit Geld verdienen.

Gerade Online-Unternehmen begnügen sich nicht mehr damit “nur” eine kreative Businessidee zu haben, sie verfolgen gleichzeitig einen ökologischen und sozialen Ansatz. Dabei sehen die online Startups den Umweltaspekt und das soziale Engagement nicht nur als netten Nebengedanken, den man aus PR-Gründen noch vermarkten kann, er bildet die Grundlage der Geschäftsidee.

Leben aus dem Pappkarton

So verkaufen Gerald Dissen, Lionel Palm und Christian Hilse seit April 2013 Pappmöbel. “Room in a Box” haben sie ihr Unternehmen getauft und der Name ist Programm. Sie versenden über ihre Webseite tatsächlich Möbel aus umweltfreundlicher Wellpappe. Die Pappe besteht aus 85 Prozent recycelten Fasern, die wiederum zu 100% wiederverwertet werden.

Zum Room in a Box Standard-Repertoire gehören Betten, Regale, Tische und Stühle – also im Prinzip alles, was man so für eine Wohnung braucht. Der Clou dabei: Die Möbel sind nicht nur aus Pappe, sie lassen sich auch handlich wie Kartons zusammenfalten, wiegen damit kaum etwas und sind so auch sehr einfach zu transportieren. Sie halten darüber hinaus ein Gewicht von 1,5 Tonnen aus und sind angeblich auch kinderleicht zusammenzubauen.

Praktischer geht’s kaum noch: Anstatt beim nächsten Umzug die Möbel aufwändig per LKW von einem Ort zum nächsten zu karren, schickt man sein Bett-Paket dann einfach per Post an die neue Wohnungsadresse.

Diese kreative Idee kam Gerald Dissen auf einer Messe, als er in einem sehr stabilen Sessel aus Wellpappe saß und sich, ganz der Wirtschaftswissenschaftler, der er ist, dachte: “Das müssen ja unglaublich günstige Produktionskosten sein – so etwas möchte ich auch entwickeln.” Aus dieser ersten Idee wurde schließlich ein Unternehmen, das nicht nur sehr erfolgreich ist, sondern seine umweltfreundlichen Produkte mit großer Leidenschaft entwickelt.

 

Das individuellste Bio-Müsli aller Zeiten

Auch mymuesli entstand aus einer spontanen Idee. Auf einer Autofahrt hörten ein paar Studienfreunde einen Müsli-Radiospot. Schnell waren sie sich einig: Sie könnten nicht nur einen interessanteren Spot, sondern auch viel besseres Müsli produzieren.

mymuesli2go, a tv commercial – filmed and edited on an iPhone 4 from Max Wittrock on Vimeo.

Auf der Webseite von mymuesli können User sich seit 2007 ihr ganz individuelles Müsli mischen lassen – ohne Zuckerzusätze und aus rein ökologischen Zutaten vom regionalen Biobauern. Damit hatten die Gründer das wohl individuellste Bio-Müsli aller Zeiten erfunden, wofür sie unter anderem 2007 zum Startup des Jahres gewählt wurden und den Gründerpreis der Financial Times Deutschland erhielten. Interessanterweise ist mymuesli nicht in Berlin, der Metropole aller deutschen Start-ups, ansässig, sondern in Passau. Die Gründer Hubertus Bessau, Philipp Kraiss und Max Wittrock haben sich diesen Ort ganz bewusst ausgesucht, nicht nur weil dies ihr gemeinsamer Studienort war, sondern auch, weil sie die Nähe zu den lokalen Bauern und Behörden schätzen. Mittlerweile gibt es mymuesli nicht nur online, sondern auch in Geschäften an verschiedenen Standorten in Deutschland. Neben Müsli haben die Gründer mittlerweile weitere Portale für Kaffee, Orangensaft und Tee gegründet. Mymuesli ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ökologische Ideen von jungen Unternehmen in der Onlinewelt nicht nur gut ankommen, sondern auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sein können.

Die Suchmaschine, die Bäume pflanzt

Während Room in a Box und mymuesli noch sehr praktische Ideen im Netz verbreiten, müssen bei Ecosia sehr gesellschaftsbewusste Nerds am Werk gewesen sein. Ecosia verbindet Technologie mit Umweltschutz und gesellschaftlichem Engagement in einer Suchmaschine. Auch bei dieser sehr ambitionierten Suchmaschine stehen Ökologie und soziales Engagement an oberster Stelle, denn mit jeder Suchanfrage über Ecosia werden Bäume gepflanzt.

Das Prinzip dahinter klingt einfach: Nutzer durchsuchen das Web mit Ecosia. Damit werden Werbeeinnahmen generiert. Diese werden dann wiederum zum größten Teil (laut Aussage des Unternehmens 80 Prozent des Gewinns) dafür genutzt, um über ihren Partner WeForest in Burkina Faso Bäume zu pflanzen. Ecosia betont dabei, dass Bäume pflanzen das erste Glied in einer Kette für positive gesellschaftliche Entwicklung ist. Ihr Projekt hilft nicht nur dabei, einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt zu erzeugen, durch die gepflanzten Bäume können auch andere Nutzpflanzen wachsen. Das hilft dabei, die Luft zu filtern, weniger Krankheiten werden verbreitet und es kann mehr und gesündere Nahrung produziert werden. All diese Faktoren tragen letztendlich dazu bei, dass die Menschen in Burkina Faso bessere Einnahmequellen bekommen und es sich auch leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken.

Ecosias Suchergebnisse werden mittlerweile vorwiegend über Bing generiert, Nutzer können sich aber auch Google-Ergebnisse anzeigen lassen. Neben der eigentlichen Suchmaschine kann man Ecosia auch als Add-on für Firefox oder Chrome hinzufügen. Jede Suchanfrage generiert dabei im Schnitt eine Spende von 0,4 Cent (Stand: September 2014). Als User bekommt man dabei auch gleich mit jeder Suchanfrage angezeigt, wie viele Bäume durch die eigene Nutzung von Ecosia gepflanzt wurden.

Ecosia wurde 2009 zur Klimakonferenz in Kopenhagen von Christian Kroll ins Leben gerufen. Nach einer Weltreise war Kroll bewusst geworden, wie stark unser Planet bedroht ist, und beschloss daher, seine Idee einer ökologisch bewussten Suchmaschine endlich in die Tat umzusetzen. Seitdem hat Ecosia dazu beigetragen, über 3 Millionen Bäume zu pflanzen. Erklärtes Ziel ist es, bis 2020 die 1 Milliarden-Grenze zu knacken.

Eine neue Generation von Weltverbesserern

Es ist sicher kein Zufall, dass die Gründer all dieser Unternehmen der Generation Y angehören. Diese junge Generation, die mit Internet und Smartphones aufgewachsen ist, protestiert nicht mehr wie die 68er gegen die Gesellschaft, sie versucht stattdessen die Gesellschaft aktiv zu verbessern. Die Webseite Generation Y charakterisiert sie als erfinderischer Macher, als Menschen, die es satt haben, in etablierten Unternehmen zu arbeiten. Sie wollen für progressive Firmen arbeiten, wo sich der Job nicht nur ums Geld dreht, sondern um eine mitreißende Idee. Wirtschaftlich erfolgreich sein UND sich für Umwelt und Gesellschaft einsetzen sind dabei kein Gegensatz mehr, sondern der neue Anspruch an die Arbeitssituation. Weil sich solche Stellen aber nur selten auf dem traditionellen Arbeitsmarkt finden, gründet die Generation Y eben ihre eigenen Startups und zwar genau in dem Bereich, den sie wie keine andere Generation dominiert: im Internet.


Teaser & Image “Vision”(adapted) by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Die Gesellschaft zwischen Religion, Technologie und Extremismus

Hacker sollen die Sicherheit von Tor erhöhen (Image by Ivan David Gomez Arce [CC BY 2.0] via Flickr)

Unsere Gesellschaft wird inzwischen eher von Technologie als von Religion geprägt – der Graben verläuft zwischen antimodernen Fundamentalismus und der postmodernen Mentalität der Jugend. Trotz aller Konflikte darf man sich keiner der beiden Welten entziehen. Kürzlich haben Extremisten sowohl bei dem Anschlag auf die Planned Parenthood Federation of America als auch bei der Schießerei in San Bernardino die hässliche Fratze der Religion enthüllt. Der Einfluss dieser Taten und die Demagogie der Wahlkampfperiode erzeugen in den USA Angst und Empörung. Inmitten dieser nationalen Kämpfe bereiteten sich viele Familien auf einen viel persönlicheren religiösen Kampf vor: die Frage, ob sie an Weihnachten in die Kirche gehen sollten oder nicht. Amerikaner identifizieren sich zunehmend nicht mehr mit Religion, wobei es signifikante Generationsunterschiede gibt.

Das Pew Research Center berichtete dieses Jahr, dass 35 Prozent der Milleniums-Generation, auch Generation Y genannt, also diejenigen, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind, religionsfrei sind. Viele junge Leute durchschreiten eine Kirchentür wahrscheinlich nur noch, um ihre Eltern an Weihnachten und Ostern zu besänftigen. Diese disparaten Trends beziehen sich alle auf das gleiche Phänomen: den kulturellen Wandel.

Das Alte und das Neue

Religiöse Extremisten wollen die Uhren der Moderne zurückdrehen, um eine Zeit wieder herzustellen, in der moralische Entscheidungen einfach waren und die Werte der Alten Welt vorherrschten. Die alten institutionellen Formen lassen sich hingegen nicht mit der postmodernen Mentalität der Generation Y vereinbaren.

Die Reaktion der Fundamentalisten auf die Moderne ist vorhersehbar. Sie fühlen sich bedroht von Individualismus, dem Umkippen der traditionellen Werte und der schrittweisen Dezimierung von Institutionen, die geschichtlich gesehen die moralische Ordnung aufrechterhalten haben. Neuartig bei der Reaktion der Fundamentalisten ist, dass sie moderne Technologien nutzen, um für ihre rückschrittliche Moral zu werben.

Die gleiche Technologie erweitert den Horizont der Generation Y mehr, als ihn einzuengen. Wie ich in meinem Buch „Finding Faith” dargelegt habe, bedeutet Tradition ihnen wenig. Sie wählen aus verschiedensten Optionen, darunter auch eine große Anzahl an Religionen und verschiedene andere Formen von Spiritualität.

Der gemeinsame Nenner der Fundamentalisten und des Individualismus der Generation Y ist die Über-Auswahl. Für die Ersteren ist Auswahl eine Bedrohung. Für die Letzteren ist sie eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung.

Eine Bedrohung aus zwei Richtungen

Bei vielen Amerikanern erzeugen beide kulturellen Trends Angst. Einheimischer Terrorismus erscheint als eine größere Bedrohung, wenn jeder mit jeglicher religiösen Tradition über das Internet radikalisiert werden kann. Und viele Großeltern machen sich Sorgen darüber, wie jüngere Generationen Sinn, Moral und selbst ewige Erlösung ohne Religion finden sollen.

In der Position des Großvaters verstehe diese Sorge durchaus, aber als Religionswissenschaftler bin ich sehr optimistisch bezüglich unserer Zukunft. Mit einer geliehenen Formulierung aus dem Feld der Ökonomie ausgedrückt, befindet sich die Durchschnittsreligion in einer Periode der kreativen Zerstörung. Vielleicht bricht sie auseinander, aber die heutige Kultur bietet der Religion auch die Möglichkeit, sich selbst zu erneuern.

Man muss nur die grauen Köpfe in den meisten Kirchen und Synagogen betrachten, um zu erkennen, dass diese Institutionen innerhalb dieser einen Generation so gut wie erschöpft sein werden. Ja, Mega-Kirchen mit hippen Pfarrern und zeitgemäßer Musik werden weiterhin Publikum anziehen, aber solche Gruppenversammlungen und kollektive Rituale können sich oberflächlich und leer anfühlen. Auch Mega-Kirchen sehen das Interesse und die reguläre Anwesenheit von jungen Erwachsenen schwinden.

Die alte christliche Kosmologie – Gott sendet einen Sohn, um die Welt zu erlösen; ein Gott, der allmächtig ist und doch, im Angesicht von Massengewalt, ohnmächtig zu sein scheint – funktioniert grundlegend für viele gebildete junge Erwachsene einfach nicht. Das Prinzip „spirituell, aber nicht religiös” zu sein, pauschalisiert das Verständnis der Menschen von Spiritualität, aber es signalisiert auch die Möglichkeit, dass der menschliche Geist nach etwas Tieferem als dem neuesten technologischen Schnickschnack strebt.

Ich bin der Ansicht, dass religiöse Institutionen die Vermittler der vier fundamentalen menschliche Bedürfnisse sind: dem Bedürfnis nach Gemeinschaft, den Ritualen der Erneuerung und Hoffnung, der Erfahrung, über sich selbst hinauszugehen, und des tieferen Sinn und Zwecks unseres Lebens.

Wenn religiöse Institutionen diese Erfahrungen nicht mehr länger übermitteln, brechen sie zusammen und neue Formen treten hervor. Zu Beginn fühlen sich diese neuen Formen vielleicht nicht so an und sehen auch nicht so aus wie die alten Religionen. Wahrscheinlich bestehen sie aus Kombinationen verschiedener Glaubensrichtungen und Glaubenspraktiken, die die älteren Menschen, welche die Verwahrer der institutionellen Erinnerungen sind, verunsichern. Aber unsere derzeitige Periode der kreativen Zerstörung wird womöglich das Saatbeet sein, auf dem die neuen Formen des religiösen Lebens keimen werden.

Das Prinzip der Achtsamkeit, bezogen aus Quellen der östlichen Religionen, findet beispielsweise bei vielen Amerikanern Resonanz. Eine wachsende Anzahl an Christen nimmt an kontemplativen Praktiken teil, eher auf der Suche nach einer Gotteserfahrung als nach einem abstrakten Glauben.

Leider sind auch die Fundamentalisten erfolgreich darin, die Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Erneuerung, Selbstfindung und Sinn zu erfüllen. Antimoderner Fundamentalismus mit Computererfahrung – ein faszinierendes und Angst einflößendes Paradoxon – wird nicht in absehbarer Zukunft aussterben. Weniger bedrohlich ist, dass sowohl Mega-Kirchen als auch Achtsamkeits-Meditationen therapeutische Versammlungen für gleichgesinnte Menschen anbieten können, was in diesen Zeiten der Angst und des kulturellen Flusses beruhigend ist.

Neue Formen treten hervor

Zur selben Zeit experimentieren sowohl die Religionsfreien als auch die Mitglieder der existierenden religiösen Institutionen mit neuen Formen von spirituellen Praktiken und bewussten Gemeinschaften. Sie verteilen Nahrungsmittel an Obdachlose, versammeln sich in Waschsalons, um mittellosen Arbeitern einen kostenlosen Waschservice anzubieten, und überschreiten allgemein eher die Möglichkeiten, die die Glaubensgemeinschaften traditionell definieren. Mit Bewegungen wie #blacklivesmatter erschaffen sie Rituale, die Ungerechtigkeiten kritisieren und die Gemeinschaft und sie selbst heilen.

Die Bereitschaft, mit religiösen Glaubensformen zu experimentieren, hat vorherig die Katholische Arbeiterbewegung hervorgebracht, bei der zeitgemäße klösterliche Ordnungen nach den Modellen des früh-modernen Europas, und Erneuerungsbewegungen aus jeglichen Glaubenstraditionen gestaltet wurden. Religiöse Institutionen können innerhalb eines menschlichen Lebens unveränderlich wirken, aber innerhalb eines Jahrhunderts oder Jahrtausends entwickeln sie sich kontinuierlich.

Es braucht Zeit, bis sich unsere kollektiven religiösen Impulse mit den neuen Formen zurechtfinden. In der Zwischenzeit wird es wahrscheinlich einige besorgte Großeltern geben, die um die Erlösung ihrer Nachkommen fürchten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „Kreuz“ by HannahJoe7 (CC0 Public Domain).


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Alle auf Los: Das Personal sortiert sich neu

Zukunft-Personal-Logo

Die Zukunft Personal 2015 liegt hinter uns. Drei Tage dichtes Programm und die Politik schreitet tapfer voran. // von Anja C. Wagner

Zukunft Personal 2015 (Image: Anja C. Wagner)

Grosse, bis vorgestern noch als sicher geltende, deutsche Marken ächzen unter der wachsenden Last, die auf sie einwirkt aufgrund der digitalisierten, globalen Märkte. Zirka zwei Drittel der DAX-Firmen arbeiten massiv an ihrer digitalen Transformation – sie kämpfen gegen den Verfall in die Bedeutungslosigkeit. Dem Mittelstand droht eine ähnliche Entwicklung angesichts der Automatisierung. Und “die Personaler” suchen eine neue Daseinsberechtigung; “Arbeiten 4.0” könnte ihre Chance sein. Dies und noch vieles mehr gab es auf der Zukunft Personal 2015 zu hören.

Smart Products & Services

Andreas Boes vom ISF München brachte es gut auf den Punkt. Es habe sich mittlerweile herum gesprochen: Selbst die deutsche Automobil-Industrie ahne, die durchgehende Digitalisierung könnte ihnen den Boden unter den Füßen entreissen. Zentrale Fragen kämen plötzlich auf, die kaum jemand zu beantworten wisse:

  • Was bedeutet heute Mobilität?

  • Was ist das Produkt?

  • Was ist der Wert des Produktes in Zeiten der Digitalisierung?

Das Produkt, so Volker Steuer von der Deutschen Bank in einer anderen Podiumsdiskussion, habe kaum noch einen Wert für sie. Entwickle man heute ein neues Angebot, das gut vom Markt angenommen werde, ziehe dies in kürzester Zeit zig Copycats hinter sich her. Zentrales Merkmal ihres Alleinstellungsmerkmal sei von daher auch zukünftig die fundierte Qualität ihrer Beratungsleistung. Egal ob Crowdfunding, Bitcoins oder Aktienmarkt – bei ihnen erhalte man auch weiterhin den besten Überblick, so muntert er sich selbst auf. Und baut zugleich eine Bedrohungswand auf: Deutschland wisse hoffentlich ob der gesellschaftspolitischen Bedeutung der Deutschen Bank zur Finanzierung des Mittelstands?! Deshalb habe er keine Angst vor einem Bedeutungsverlust seines Arbeitgebers.

Dann man tau, möchte man ihm zurufen – hoffentlich untergräbt die gesellschaftliche Entwicklung nicht diese Selbstgewissheit.

Auftritt der starken Frauen

Denn es herrsche schon ein gehöriger “Talking-Action-Gap” in den Unternehmen, so Jutta Rump von der Hochschule Ludwigshafen und INQA-Themenbotschafterin für Chancengleichheit und Diversity. Viele hätten die Zeichen der Zeit erkannt, derweil geschehe kaum etwas. Sowohl auf Seiten der Arbeitgeber_innen, als auch auf Seiten der Arbeitnehmer_innen. Letztere gäben ihre durchaus vorhandene, private Medienkompetenz an den Werktoren ab, so dass viele Berufe ihre digitalen Potenziale noch nicht einmal ansatzweise nutzten.

Auch bildeten wir munter weiter Berufsbilder aus, die es bald nicht mehr geben werde. Zum Beispiel den Beruf des Bankkaufmanns in der dualen Ausbildung, der vor allem für die Filialarbeit qualifiziert würde. Gleichzeitig wickeln die Banken derzeit im grossen Stil ihre Filialen ab. Der Beruf als solcher transformiert sich so massiv, vielleicht wird er gar obsolet. Auf all diese Fragen habe die Wissenschaft bislang noch nicht einmal ansatzweise Antworten für die zukünftige Aus- und Weiterbildung gefunden.

Roboter als Personal von morgen? (Image: Anja C. Wagner)

Eine deutliche Anpassung der Aus- und Weiterbildungen sei nötig, meint auch Josephine Hofmann vom Fraunhofer IAO, auch wenn gut geordnete Berufsbilder durchaus ihren Wert hätten. Den ewigen Fokus auf die nachrückenden Generationen und deren “Goldfischteiche” könne sich heute kein Unternehmen mehr leisten. 45+ Beschäftigte hätten noch 15-20 Jahre Berufsleben vor sich und jede Menge Erfahrung. Galten sie früher in dem Alter als auf dem Sinkflug in den Ruhestand befindlich und somit nicht mehr als förderungswürdig innerhalb der Unternehmen, so müsste hier schnellstmöglich nachjustiert werden.

Weg da: GenY is coming

Allerdings müssten sich auch die Babyboomer, der größte Aktivposten in der aktuellen Beschäftigungskultur, schneller bewegen in einer immer komplexeren Gesellschaft, so flankiert Jutta Rump diese Forderung. Und skizziert in einem kurzweiligen Ritt die groben Unterscheidungslinien hinsichtlich des Arbeitsverständnisses bei Babyboomern (1955-1970), Generation X, (1970-1985), GenY (1985-2000) und GenZ (>2000):

Das derzeit zu beobachtende, veränderte Führungsverständnis und die erforderlichen Anpassungen in den Unternehmen leitet sie von den demokratischen Strukturen innerhalb der Familien ab, die dort von den Babyboomern gegenüber ihren Kindern vorgelebt würden. Es waren nämlich die Werte der Babyboomer, die GenY aufgezogen haben mit transparenten Familienstrukturen, Abstimmung der Urlaubspläne, Demokratisierung des Alltags etc. pp. Heute wundern sie sich “auf der Arbeit„, warum diese Generation so respektlos sei und mitentscheiden wolle im Unternehmen.

Babyboomer, wie sie auch einer sei, seien aufgewachsen ohne Wahlmöglichkeiten. So gab es in ihrem Elternhaus nur einen Fernseher. Samstag abends um 18 Uhr wurde dort Sportschau geguckt. Ohne Diskussion. Als fussball-desinteressiertes Kind habe man alternativ die Wahl gehabt, ins eigene Zimmer zu gehen. Heute dagegen seien die Wahlmöglichkeiten sehr viel ausgeprägter. Entsprechend unterschiedlich seien auch die Erwartungen an den Job.

Babyboomer gehen aufgrund der sozialisierten Alternativlosigkeit davon aus, in einem bestimmten Beruf mindestens 5-10 Jahre durchhalten zu müssen. Entsprechend anspruchsvoll sind sie an ihren ausgeübten Job. Die GenY rechnet dagegen mit durchschnittlich 18 Monate in einem Job, Generation X immerhin mit 3-4 Jahre. Sie sind also flexibler und schneller veränderungswillig. Daraus folgt eine qualitative Ökonomisierung ihrer Loyalität: Während der Tätigkeit ist man dem Unternehmen gegenüber loyal, zu gegebener Zeit und bei wechselndem Interesse zieht man einfach weiter. Freude, Sinn und Perspektive sind zunehmend die definierenden Elemente des Berufslebens.

Angesichts dieser Dynamik gelten für GenY die Familie, Freund_innen, Partnerschaft als stabilisierende Elemente in einer unsicheren Arbeitswelt. Das brauchen sie für ihre Work-Life-Balance und das entspricht auch rationalem Verhalten. Da es rational erscheint, lässt sich heute auch ein Übersprungeffekt von jung auf alt beobachten: Die GenY-Ethik springt auf die Babyboomer über. Diese wollen jetzt auch so leben und ihren letzten 15-20 Arbeitsjahren einen Sinn geben. Für Unternehmen bedeutet dies: Das Generationen-Management wird immer schwieriger, da sie bald vier äußerst unterschiedliche Werte-Gerüste in ihrem Unternehmen vereinen müssten.

So gelten für GenY ein grosses Büro oder ein eigener Parkplatz nicht als Statussymbol, weil sie als erste Generation im großen materiellem Wohlstand aufgewachsen seien, so Steffi Burkhardt von gedankentanken. Sinn hingegen entwickelt sich zum immateriellen Statussymbol, mit Geld könne man nur wenige ihrer Altersgenoss_innen locken. Entsprechend sei es auch keine Respektlosigkeit, wie die GenY den Chefs entgegen träte, sie praktizierten vielmehr gleich die Kommunikation auf Augenhöhe. Wolle man diese Generation als Führungskraft betreuen, bräuchte es einer neuen Organisationsstruktur, weil eine qualitative Führung in dieser Art nur von 10-15 Menschen möglich sei. Die GenY wünsche sich eine viel individuellere Weiterbildung und Weiterentwicklung als die gängigen Angebote per Giesskannen-Prinzip.

Wer jetzt denkt, dies sei eine Wohlstandsdebatte in Europa, täusche sich, ergänzt Jutta Rump. Man kann weltweit ähnliche Entwicklungen hinsichtlich der GenY beobachten. Jedoch habe jeder Jahrgang ca. 20 Prozent Bildungsverlierer_innen, die äußerst aggressiv reagierten, da sie bei den anderen sehen, was möglich gewesen wäre. In dieser Vehemenz wäre dies vor der GenY noch nie sichtbar gewesen. Und diese Diskrepanz werde sich ausdehnen bei der GenZ. Aufgrund der hohen Jugendarbeitslosigkeit und der aktuellen politischen Instabilitäten in ihrer wichtigsten Sozialisationsphase werde sich diese Generation in reicheren, europäischen Staaten anders entwickeln als in südeuropäischen oder sonstigen Ländern. Hier entstehe gerade ein grosses, zukünftiges Konfliktpotenzial.

Hilfe für arme Unternehmen

Was also tun als armes, gebeuteltes Unternehmen? Thomas Sattelberger, INQA-Themenbotschafter für Personalführung, liest dem Auditorium die Leviten. Deutschland befinde sich in einer Sandwichposition zwischen dem “Digital House USA” und dem “Maschinenhaus China”. Statt sich dieser Herausforderung zu stellen, sei Deutschland gefangen in der Mystifizierung des Normalarbeitsverhältnisses. Es herrsche kein Unternehmerdenken, sondern Industriedenken vor.

Allerdings wäre eine Kombination aus Industrie 4.0 und Smart Services wichtig. Ein Auslutschen des alten Erfolgsmodells ‚Industrie & Maschine’ sei auch in der Aus- und Weiterbildung sichtbar. Es gäbe eine zu starke Dominanz von MINT’lern und Ökonomen in den Talentpools der Unternehmen. Personal würde als Maschine gedacht, statt als kreatives Modell, das Bildung, Arbeit und Führung geschickt verbände. Um dies aber denken zu können, bräuchte es mehr Diversity in den Unternehmen, ein Aufbrechen der alten, homogenen Arbeitskulturen.

Aber wie solle dies umgesetzt werden angesichts des vorherrschenden Beamtentums und der pseudo-seriösen Seniorität in den sicherheits- und stabilitätsorientierten Bürokratien? Es bräuchte die gesamte Palette der neuen Arbeitskulturen: Von vielfältigen Experimenten über den Abbau von Hierarchien und der Demokratisierung bis hin zu selbstverantwortlichen Teams, die die Vorteile dritter Orte außerhalb des Unternehmens übergangsweise nutzten und ein Biotop rund um die Unternehmen schafften, das fortschrittlich nach vorne scheitern könnte, statt in verkrusteten Strukturen zu überleben.

Gesundheit für alle

Hier brauche es vielfältiger Erneuerungsroutinen, die sich auch gesundheitsförderlich auswirkten, so unterstützt Natalie Lotzmann von SAP und INQA-Themenbotschaftern für Gesundheit diesen Gedankengang. Es sei ein enges Zusammenspiel von betrieblicher Förderung und individueller Eigenverantwortung erforderlich, um einen gesundheitsförderlichen Arbeitsplatz zu schaffen. Homeoffices und flexible Arbeitszeiten könnten z.B. diesen Aspekt gut unterstützen.

Denn Freude in der Arbeit sei eine globale Kategorie, die für alle Menschen weltweit wichtig ist. Und Freude empfinde man, wenn Sinn, Vertrauen, Wertschätzung und Respekt gegeben seien. Allerdings sei hier bei den Angestellten ein gehöriges Maß an Selbstorganisation vonnöten. Gegebenenfalls bräuchte es hier seitens des Unternehmens ein gewisses Coaching, um Menschen zu helfen, nach dem 80:20-Paretoprinzip zu verfahren.

Um die Führungskräfte für dieses Thema zu sensibilisieren, haben sie bei SAP einen “Business Health Future Index” entwickelt, der den Zusammenhang aufzuzeigen vermag, wie förderlich sich eine gesundheitsbewusste Arbeitskultur auf die geschäftliche Entwicklung auswirke. Es herrsche nämlich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Wohlbefinden der Mitarbeiter_innen und dem Geschäftserfolg.

Entsprechend hat SAP für seine Führungskräfte ein schlankes Führungsraster entwickelt, wie sie auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter_innen achten können. Lotzmann selbst vertritt konsequenter Weise die Ansicht, Führungskräfte müssten entlang der Qualifizierung und Weiterentwicklung ihrer jeweiligen Teammitglieder bezahlt werden, nicht entlang kurzfristiger Sales oder Gewinnmargen. Dies sei die primäre Aufgabe von heutigen Führungskräften: Das kollektive Wissen zu orchestrieren und auch zu ertragen, dass hochgradig kompetente Wissensarbeiter_innen eventuell sogar mehr verdienten als man selbst. Dies sei eine Herausforderung unserer Zeit.

Das Label „Arbeiten 4.0“

Alles in allem behandelten v.a. die zwei Thementage der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales auf der Zukunft Personal sehr interessante Punkte der neuen Marschroute in Richtung “Arbeiten 4.0” und glänzten weitestgehend durch inhaltliche Kompetenz. Es erschloss sich ein breites Panoptikum der notwendigen Entwicklungen für Unternehmen, die im Zuge der Digitalisierung heute anstehen.

Unternehmen stehen vor Herausforderungen durch das Personal (Image: Anja C. Wagner)

Auch wenn Stefan Kühl, Soziologe der Uni Bielefeld in der Pressekonferenz anmerkte, es seien aktuell die gleichen Fragen der Organisationsentwicklung wie eh und je und deshalb seien neue Begriffe wenig hilfreich, weil sie den Erkenntnissen der Vergangenheit im Wege stünden. Zudem erforderten flache Hierarchien eine stärkere Fokussierung auf informelle Hierachien und relevante Netzwerkknoten und insofern entwickelten sich dort indirektere Machtbeziehungen. Das alles werde derzeit ignoriert.

Der Ideologisierung einer verkitschten, neuen Arbeitskultur sehr frühzeitig kritisch entgegen zu treten, sei sicherlich sinnvoll. Gleichwohl markiere das neue Label “Arbeiten 4.0” eine Zäsur, unsere Zukunftsfähigkeit zu überdenken, so Jutta Rump abschliessend. Und Stefan Ries, Personalchef bei SAP, ergänzt, der Kapitalismus sei der evolutionäre Treiber, der börsennotierte Unternehmen treibe. So mache sich derzeit die schnelle Entwicklung in einer Reorganisation ihrer Arbeitsprozesse bemerkbar. Heute arbeite auch SAP nicht mehr nach dem Wasserfall-Modell, sondern agil im Scrum-Format. Nicht weil sie das toll fänden, sondern weil sie ansonsten vom Markt verschwinden würden. Um die Mitarbeiter_innen auf dem Weg mitzunehmen, planen sie insofern ein Investment in Höhe von 100 Millionen Euro, die sie in deren Weiterentwicklung stecken wollen.

Lessons Learned: Ein kurzes Fazit

Die Konferenz bot viele Möglichkeiten der Reflexion des Bestehenden in traditionellen Institutionen. Auch konnte man sich auf den Foren einige Fallbeispiele im Sinne von Best Practices anhören.

Zwar folgten die Messe-Stände weitestgehend noch dem alten Dogma von Karriere, Recruiting und Weiterbildung, gleichwohl geht die Politik hier erstaunlich positiv voran. Es ist schon rührig zu sehen, wie sich fortgeschrittene Ministeriumsbeamte bemühten, die Zeichen der Zeit aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen.

Dem ansonsten sehr konservativen Publikum steht allerdings noch deutlich sichtbar ein weiter Weg in die Zukunft bevor. Auch “die Personaler” kämpfen an allen Ecken und Enden um ihre Daseinsberechtigung. Hier ist in Auftreten wie Diversity noch viel Gestaltungspotenzial gegeben.

P.S. Ich habe derzeit eine Einladung zur Next:Economy Konferenz in San Francisco im November 2015 vorliegen. Eintritt und Reisekosten muss ich selbst zahlen. Mag das jemand sponsern? Einen Teil der Erkenntnisse publiziere ich dann öffentlich. Den ausführlichen Bericht reiche ich exklusiv an meine Gönner_innen weiter. Anyone? Bitte melden unter acwagner.info.


Teaser & Image von Anja C. Wagner


CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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Die Renaissance der Experience Economy

digital native (adapted) (Image by Maurizio Pesce [CC BY 2.0] via Flickr

Die Renaissance des „echten Erlebnis“ beginnt: Statt in Statussymbole investieren die Millenials lieber in die Experience Economy. Kehrt die Generation Y der digitalen vollvernetzten Welt den Rücken? Das “Look up” Video von Gary Turk hat im April vergangenen Jahres, wenn auch ziemlich überspitzt, ein vages Gefühl auf den Punkt gebracht: Die Furcht, dass wir allzuviel Zeit vor Bildschirmen verbringen, vor allem Smartphones, und darüber vielleicht das echte Leben verpassen. Und knapp 50 Millionen mal haben sich das Video Menschen in aller Welt angeschaut. Ironischerweise an einem Bildschirm.

Kann gut sein, dass dieser technologie- und zu guten Teilen selbstkritische Grundtenor hinter der Renaissance vom “echten Erlebnis” steckt. Für die Generation der heute 18-35 Jährigen (gerne als “Millennials” oder “Generation Y” bezeichnet) haben Momente und positive Erfahrungen im echten Leben jedenfalls einen erstaunlich hohen Stellenwert, der ganz deutlich über Dingen rangiert. Drei von vier Millennials, eine überwältigende Mehrheit, gaben in einer vom Online-Ticketing Anbieter Eventbrite durchgeführten Studie an, dass sie generell lieber Geld für Erfahrungen ausgeben als für Dinge, die sie gerne hätten, wie z.B. Autos. Diese scheinen übrigens als das deutsche Statussymbol ausgedient zu haben und werden durch soziales Kapital in Form von Selfies ersetzt, z.B. vom letzten Xletix Extrem-Hindernislauf, dem Holi Festival of Colours oder vom Bierfestival.

Diese neue Priorisierung von Erlebnissen über Dinge (auch Experientialismus genannt), hat einen ganzen Wirtschaftszweig im Schlepptau: die Experience Economy. In den USA geben Konsumenten seit Beginn der 80er immer mehr Geld für Live Events aus. Unter anderem deswegen sind so viele Altstars wieder auf Tour und können für Ihre Tickets teilweise richtig viel Geld verlangen.

Man könnte jetzt annehmen, dass dieser Drang hin zu “echten” Erlebnissen mit einer Abkehr von unserer digital vollvernetzten Welt einhergeht, aber das Gegenteil ist der Fall: Online Angebote sind mit die stärksten Treiber der rasant wachsenden Experience Economy. Wir können uns zu jeder Tages- und Nachtzeit Videos von Konzerten, Turnieren und verrückten Red Bull und Go Pro Stunts anschauen und davon träumen, dabei zu sein.

Wir posten Bilder auf Social Networks, die unseren Freunden zeigen sollen, wie wir das Leben gerade so richtig auskosten. All das verstärkt in unserer Netzgesellschaft ein ominöses Gefühl, das in den USA als FoMo schon ein fester Begriff ist: the Fear of Missing Out. Eine Mehrheit der Millennials gibt dort an, dass sie das Gefühl haben, etwas zu verpassen, wenn sie von Veranstaltungen erfahren, die ihre Freunde ohne sie besucht haben.

Auf der anderen Seite machen es neue Online-Angebote leichter, interessante Veranstaltungen zu finden und selbst zu organisieren. Mit einer Online-Plattform wie Eventbrite können auch unerfahrene Veranstalter Eventmanagement, Marketing, Online-Ticketing und -Anmeldungen sowie den Check-in vor Ort in wenigen Minuten selbst einrichten, ohne Vertragsbindung und Grundgebühren. Man zahlt erst dann Gebühren, wenn man auch wirklich Tickets verkauft (im Umkehrschluss heißt das übrigens, dass Veranstaltungen mit kostenlosem Eintritt auch kostenlos über Eventbrite organisiert werden können). Mit den zahlreichen Integrationen anderer Anbieter wie z.B. Mailchimp, Surveymonkey oder EventKingdom lässt sich die Funktionalität von Eventbrite zudem fast beliebig erweitern, wenn man seine Events professioneller und im großem Stil aufziehen will.

Veranstalter von Events aller Art, vor allem, wenn sie außergewöhnlich und mit einer echten Erfahrung gepaart sind, könnten die großen Gewinner der digitalen Revolution sein. Erlebnisse sind gefragt, und mit den passenden Tools ist es einfacher als je zuvor, eine Veranstaltung zu organisieren und dafür Tickets zu verkaufen, weil sie online leichter gefunden werden. Das sind gute Nachrichten für jeden, der Erfahrungen anbietet, also Konzertveranstalter, Anbieter von Sportevents, Supper Clubs, Modenschauen, usw. Aber auch für alle Marketing Manager und Netzwerker, die versuchen, die ansonsten schwer erreichbare Gruppe der Millennials emotional anzusprechen und enger an die eigene Marke zu binden.

Du hast eine Idee für eine Veranstaltung, aber keine Ahnung, wie du das Ganze organisieren kannst? Schau bei Eventbrite vorbei; noch bis zum 16. Mai zahlst du als Neukunde keine Servicegebühren für deine Events (weitere Infos dazu hier).


Image (adapted) „digital native“  by Maurizio Pesce (CC BY 2.0


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5 Lesetipps für den 13. April

In unseren Lesetipps geht es heute um Native Advertising auf Imgur, iPhone-kompatible Android Wear, Verbraucher-Bewertungen, die  Generation Y und Spotify. Ergänzungen erwünscht.

  • IMGUR Digiday: Picture this: Native ads come to Imgur: Der Bilderdienst Imgur hat im letzten Jahr allein seine Reichweite auf 31 Millionen Menschen verdoppelt. Jetzt hat Imgur bekannt gegeben, ein neues Produkt für Native Advertising zu veröffentlichen. Es sind „Promoted Posts“ geplant, eine Art Weiterentwicklung von „Sponsored Posts“. Ähnlich wie bei Instagram und Pinterest wird dieser Post dann bei mehr Nutzern angezeigt, indem dieser in die Bilderstreams des Users integriert wird. Die Promoted Post unterscheiden sich allerdings deutlich von denen bei anderen Diensten: Sie werden nur in der App sichtbar sein und nicht auf der Homepage, da auf dieser nur sehr wenige User unterwegs sind.

  • SMARTWATCH SmartCompany: Google working on Android Gear compatibility with iPhones – but will Apple allow it?: Google arbeitet an einer Funktion, um seine Android Wear  mit iPhones kompatibel zu machen. Dazu soll das iPhone eine bestimmte App benötigen, um volle Unterstützung für Benachrichtigungen und die Google Now Features zu erhalten. Allerdings ist es noch sehr unklar, ob Apple erlauben wird, dass die App in seinem Appstore erscheint. Damit würden viele Smartwatches, wie das Motorola Moto 360, die Asus Zenwatch und das LG Watch Urbane, in direkter Konkurrenz zu der AppleWatch treten.

  • VERBRAUCHER-BEWERTUNGEN heise online: USA: Möglicher Maulkorb für Verbraucher-Bewertungen: In den USA versuchen Anbieter sich immer wieder durch Vertragsklauseln vor negativen Bewertungen im Netz zu schützen. Selten werden diese allerdings vor Gericht eingeklagt und noch seltener wird diesen Recht gegeben. So passierte es aber in einem aktuellen Fall in New York, in dem zwei Paare ein Appartment in Paris gebucht hatten und dieses anschließend negativ bewerteten. Laut einer Vertragsklausel ist das allerdings nicht erlaubt, da sie für Beschwerden keine Blogs und Websiten nutzen dürfen. Der Richter lies das Verfahren überaschenderweise zu. Sollte das Gericht die Klausel als legal anerkennen, könnte das weitreichende Folgen haben.

  • GENERATION Y t3n: Konzern oder Startup: Wofür entscheidet sich die Generation Y?: Die Generation Y wird sich entscheiden müssen: Lieber in ein Startup? Oder ein klassischen Großkonzern? Eine Umfrage hat untersucht, worauf es beim Berufseinstieg der GenY wirklich ankommt: 40 Prozent der 778 befragten Medienstudenten deutscher Hochschulen können sich vorstellen, in einem Startupp zu arbeiten. Diese wünschen sich ein innovatives Arbeitsumfeld und Möglichkeiten der Einbeziehung bei Entscheidungen. Knapp über die Hälfte entscheidet sich hingegen für traditionelle Großkonzerne. Für diese Befragten spielt meist Prestige, die Statussymbole und das Gehalt eine übergeordnete Rolle.

  • SPOTIFY t3n: 400 Millionen US-Dollar: Spotify wappnet sich gegen Beats Music, Tidal und Co.: Spotify rüstet sich gegen die neue Konkurrenz, vorallem Apples Beats Music und Tidal. Der Streamingdienst sicherte sich daher in einer neuen Finanzierungsrunde 400 Millionen US-Dollar. Damit soll das Unternehmen jetzt 8,4 Milliarden US-Dollar wert sein. Ein Börsengang soll auch geplant sein. Spotify hat 60 Millionen Nutzer, von denen 15 Millionen einen monatlichen Beitrag zahlen, um werbefrei Musik streamen zu können. Das neue Kapital sei wohl dringend notwendig gewesen, da fast 70 Prozent der Einnahmen direkt an Rechteinhaber der Songs gehen.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

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C2C: Nächste Hürde in Mobile Payment ist eine Vertrauensfrage

Mobile Payment wird sozialer, doch noch fehlt es an Vertrauen der Verbraucher in die neuen C2C-Anbieter. // von Lou Shipley

Mobile Payment (Bild: Richard Tanzer Fotografie/VeroPay [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Common)

Mobile Bezahlung wird 2015 eines der heißesten Geschäftsmodelle, denn die Verbraucher ersetzen ab jetzt Bargeld und Kreditkarten durch ihre Smartphones. Dennoch gilt: wie rasch mobile Bezahlung wächst, ist abhängig von dem Vertrauen der Verbraucher, der Sicherheit und der Benutzerfreundlichkeit.

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„Fakt ist…!“ über die Generation Y und modernes Arbeiten

Interrail 07 - D10B - WiFi (adapted) (Image by Mr. Theklan [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Politiksendungen werden leider immer nur auf die meist schlechten Formate in der ARD oder im ZDF begrenzt, die diese Aufmerksamkeit nur selten durch Qualität rechtfertigen. Ganz anders als manche Sendung in den Dritten, wie zum Beispiel die Sendung „Fakt ist…!“ des Mitteldeutschen Rundfunk (MDR), die sich gestern mit dem Thema „Generation Y“ beschäftigte.

„Fakt ist…!“-Moderatorin Anja Heyde hatte für die interessante Sendung mit dem etwas unglücklich gewählten Titel „Frech, faul, fordernd – die Generation Y“ neben Prof. Dr. med. Christian Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Rostock, und dem Personalmanager Thomas Eggert, auch die Bloggerin Steffi Burkhart zu Gast.

 

Besonders interessant war der doch meist in der allgemeinen Debatte vernachlässigte Fakt, dass die Generation Y weniger mit dem Alter als vielmehr mit der persönlichen Einstellung zur Arbeit und auch dem Zugang zum Internet zu tun hat. Eggert wies daraufhin, dass die Einstellung zur verantwortungsvolleren Gestaltung der Arbeit nicht nur bei Jugendlichen existiert, sondern auch bei vergleichsweise älteren Angestellten: „Das ist nicht nur ein Thema der älteren Generation, warum soll nicht auch ich am Strand übers Internet meinen Job machen?“ Die Generation Y ist Begriff für eine bestimmte Denkweise, nicht für ein alterstechnische Gruppenzugehörigkeit.

Die in der Sendung angesprochenen Klischees – vom Strand aus arbeiten – oder die als positives Beispiel vorgestellten Firmen – Spreadshirt aus Leipzig und Elbdudler aus Hamburg – zeigten, dass es bei der Generation Y, neben der Denkweise, auch um den Zugang zum Internet geht. Die durch die globale Vernetzung entstehenden Möglichkeiten des grenzenlosen Arbeitens, die viele Jugendliche schon im Privatleben kennenlernen, werden auch am Arbeitsplatz eingefordert. Wird zum Beispiel schnell und unkompliziert mit Freunden kommuniziert, werden Restriktionen auf Arbeit nur schwer akzeptiert. Der Einsatz von Messengern für die interne Kommunikation und ortsunabhängiges Arbeiten sind nur zwei Beispiele für den Wandel.

Ein weiterer Gast der Sendung war der Tischlermeister Frank Bögelsack, der etwas uncharmant an die analogen Berufe erinnerte, vor allem im Handwerk, in denen sich die Vorstellungen der sogenannten Generation Y angeblich nicht umsetzen lassen. Zum Teil stimmt das sicher, denn während sich viele Medienkompetenzen privat schon vor dem Berufsleben angeeignet werden können, ist dies bei einem Handwerk natürlich nur teilweise und vor allem nur mit Disziplin möglich. Doch auch in einer Tischlerei oder einer Bäckerei gibt es Spielräume, wie die Bloggerin Steffi Burkhart anmerkte: „Es gibt immer verschiedene Stellschrauben, an denen ich als Unternehmen schrauben kann, um sich eben intern als auch nach außen attraktiv zu machen.“ Mobiles und zeitunabhängiges Arbeiten gehören sicher nicht dazu, durchaus aber auch individuelle Möglichkeiten der Selbstverwirklichung. Lehrjahre müssen deshalb noch keine Herrenjahre sein, aber es könnten auch Jahre der freien Entwicklung sein.

Nicht alle Mitglieder der Generation Y sind, egal ob analog (die Arbeit wird pünktlich erledigt, egal wann ich das mache) oder digital (die Arbeit wird pünktlich erledigt, egal von wo ich das mache), sind natürlich Musterbeispiele für die neuen Angestellten, doch die schwarzen Schafe, wie es in der Sendung hieß, sind kein Grund die Veränderungen per se abzutun. Burkhart merkte passenderweise an, dass sie sich bei der oft pauschalen Kritik an vermeintlich faulen und frechen Jugendlichen oft fragt, „warum sind denn junge Leute so, woher kommt das, welche Vorbilder haben den junge Menschen und nehmen wir jungen Menschen nicht die Perspektive und den Mut auch wirklich in die Zukunft zu gucken?“ In einen ehrlichen Antwort darauf steckt wohl das eigentliche Problem. Vielleicht kann eine mehr Freiheiten gebende Arbeitswelt auch ganz neue Motivationen bei Jugendlichen wecken.


Image (adapted) „Interrail 07 – D10B – WiFi“ by Mr. Theklan (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 2. Juni

In den Lesetipps geht es um Profis auf Airbnb, die aktuellen Generationen, Netzkultur im TV, die Digitalisierung unseres Denkens und Suchmaschinenzensur. Ergänzungen erwünscht.

  • AIRBNB Skift: The Professionalization of Airbnb Hosts: In den Rechtsstreitigkeiten von Airbnb in New York, Berlin und Amsterdam vertritt das Unternehmen meist die Position, dass die bestehenden Gesetze ein disruptives Peer-To-Peer-Geschäftsmodell nicht berücksichtigen, aber das eigentliche Problem sind nicht Menschen, die ab und zu ihre Zimmer oder Wohnung vermieten, sondern die Professionalisierung einiger Airbnb-Mitglieder, die ganze Hotels über die Plattform organisieren.
  • GENERATION X, Y, Z ARTE Future: Generation X, Y, Z und danach?: Digitale Revolution, Umweltprobleme, eine Ökonomie, die umgedacht werden muss: Die heutige Jugend tritt ihr Erwachsenenalter in einer Welt voller Herausforderung an. Aber auch voller Hoffnungen. Was zeichnet die Generationen X, Y und Z aus? Aus welchen Ressourcen können sie schöpfen, um die Welt von morgen zu gestalten? Die Arte-Sendung Square setzt sich mit den mit dem Internet aufgewachsenen Generationen auseinander.
  • NETZKULTUR iRights.info: Geheimwissen um Katzenbilder erreicht die Massenkultur: Auf iRights.info schreibt der Journalist Dirk von Gehlen, dass das Fernsehen und die Werbeindustrie die anarchische Netzkultur der Meme entdeckt haben. Oft bleibt davon nicht viel mehr übrig als das Schielen auf virale Reichweite. Andere aber greifen die Remix- und Memkultur gekonnt auf – und das Fernsehen wird wieder frech.
  • DIGITALISIERUNG The Catjects Project: Wie verändert die Digitalisierung unser Denken und unseren Umgang mit der Welt?: Der an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen lehrende Soziologe Dirk Baecker setzt sich in einem Debattenbeitrag mit der Frage auseinander, wie die Digitalisierung unser Denken und unseren Umgang mit der Welt verändert. Eine seiner Thesen dazu ist, dass wir Skandale brauchen, um die Oberfläche des Wandels zu durchdringen und den Verlust unserer Kontrolle über unsere Daten wieder gewahr zu werden.
  • RECHT AUF VERGESSEN Alvars Blog: Das Recht auf private Suchmaschinenzensur am Beispiel von Bettina Wulff: Auf seinem Blog setzt sich der Netzaktivist Alvar Freude mit dem EuGH-Urteil über das vermeintliche Recht auf Vergessen auseinander und zeigt am Beispiel von Bettina und Christian Wulff auf, was die Leute wohl nicht mehr von Google angezeigt haben möchten. Das wirkt wie ein Recht auf private Suchmaschinenzensur, die noch viele offene Fragen nach sich zieht.

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5 Lesetipps für den 21. Mai

In unseren Lesetipps geht es um Fotos vom Medienwandel, wie TTIP & Co. verhandelt werden, die Generation Y, Digitalisierung von Prosa zu Musik und Netflix kommt nach Europa. Ergänzungen erwünscht.

  • MEDIENWANDEL Marcus Schwarze: Von wo das Netz herkommt: Im Frühjahr 2014 reisten zwei Dutzend Journalisten aus Deutschland ins Silicon Valley, um etwas davon zu ergründen, was in dieser Zeit unsere Lebensumstände nachhaltig verändert. Unter dem Hashtag #crusa14 konnte man die Neuland-Entdeckern verfolgen. Marcus Schwarze hat jetzt Fotos vom Trip veröffentlicht und kommentiert.
  • TTIP & Co. Berliner Gazette: Wie mit TTIP und Co. Politik jenseits der Demokratie gemacht wird: Hinter verschlossenen Türen wird eine transatlantische Freihandelszone entworfen. Die Verhandlungsführer sind weder bekannt noch demokratisch legitimiert. Die genauen Vertragstexte, sei es TTIP, CETA, TPP oder TiSA, sind geheim. Ist dieses Verfahren zeitgemäß? Umweltingenieurin und Berliner Gazette-Autorin Tatiana Abarzúa kommentiert.
  • GENERATION Y Politik Digital: Generatin Y – Schöne, neue Arbeitswelt?: Die Arbeitswelt ist im Wandel. Man spricht von einer neuen Generation von Menschen, die flexibel, mobil und selbstbestimmt arbeiten möchte. Die sogenannte „Generation Y“ gilt als innovativ und sinnsuchend, aber auch als verwöhnt und faul. Politik und Wirtschaft passen sich nur langsam diesen neuen Bedürfnissen an, um keine Wähler und Mitarbeiter zu verlieren. Und auch Arbeitnehmer nutzen die neuen Modelle nur zögerlich und arbeiten meist nicht weniger und effizienter – wie es der technologische Fortschritt verheißt – sondern sind überarbeitet bis hin zum Burnout.
  • DIGITALISIERUNG Spiegel Online: TransProse analysiert Stimmung von Text und macht Filmmusik: Werden Filme in Zukunft automatisch durch Software-Tools vertont? Ein Forschungsprojekt hat mit dem Projekt TransProse erste Erfolge erzielt, indem es „Sequenzen von Noten bestimmt, die die emotionale Aktivität von Texten einfangen“. Es scheint so, dass rund 100 Jahre nach der Einführung des Tonfilms den Filmorchestern ein nächster Wandel bevorsteht.
  • NETFLIX Netzwertig.com: Netflix plant Debüt in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Ende 2014: Dass Netflix im deutschsprachigen Raum starten würde, war ein offenes Geheimnis. Jetzt nennt das Unternehmen erstmals einen Zeitraum: Ende 2014 soll es soweit sein. Für Martin Weigert ein weiterer Schritt des Streaming-Dienstes zu einem globalen Internetgiganten, der schon heute über 48 Millionen zahlende Abonnenten hat.

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