Studie zu Social Media: Was Katar von Facebook hält

Eine Studie zeigt, dass Katar das Land mit der am besten vernetzten Bevölkerung ist. Es gibt jedoch starke Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Eine zwischen September und Oktober 2014 durchgeführte Untersuchung legt dar, wie die Katarer soziale Medien nutzen und nach welchen Kriterien sie soziale Netzwerke favorisieren. Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden 500 Katarer und 500 Einwanderer zu ihren Gewohnheiten in sozialen Netzwerken befragt. Es zeigt sich, dass die beiden Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich im Internet agieren und die Bevölkerung des Wüstenstaates über eine erstaunliche digitale Mobilität verfügt.

Wenn man an das Land denkt, in dem die am besten vernetzten Menschen leben, so stellt man sich wahrscheinlich Japan oder Südkorea vor. Vielleicht auch die Vereinigten Staaten oder ein Land in Europa. Aber seid ehrlich: Hättet ihr auf den Wüstenstaat Katar getippt?

Wenn man von dem Emirat auf der arabischen Halbinsel spricht, ist meist die Rede von der umstrittenen Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 und der mutmaßlichen Unterstützung islamistischer Terroristen. Zudem sorgen die dort herrschende absolutistische Monarchie und die auf der Scharia beruhende Rechtssprechung bei vielen Menschen in der westlichen Welt nicht gerade für Sympathie. Dass der weltweit bekannte arabische Fernsehsender Al Jazeera seinen Sitz in Katar hat, geht meist unter. Nun zeigt eine aktuelle Studie zudem, dass die Bewohner Katars untereinander erstaunlich gut vernetzt und digital sehr mobil sind.

Die Studie wurde vom katarischen Ministerium für Information und Kommunikation in Auftrag gegeben. Die Verantwortlichen wollen dadurch Medienakteuren und Organisationen die zahlreichen Möglichkeiten im Bereich Social Media aufzeigen. Die Untersuchung soll keine Bestandsanalyse der Sozialen Kanäle darstellen, sondern einen gezielten Blick auf die Ansichten und das Verhalten der User werfen. Die Studie unterscheidet hierbei zwischen gebürtigen Katarern und Zuwanderern – Katar hat durch die vielen Gastarbeiter einen Ausländeranteil von 85 Prozent. Eine Trennung wäre sinnvoll, da die digitale Gesellschaft des Wüstenstaates sehr heterogen sei. Unterschiedliche Bevölkerungsgruppen würden dieselben Netzwerke auf sehr unterschiedliche Weise nutzen – was auch durch die Studie bestätigt wird.

Fast jeder nutzt WhatsApp

Insgesamt wurden acht Social Media-Dienste untersucht. Führender Anbieter ist der Kurznachrichtendienst WhatsApp, der von sage und schreibe 97 Prozent der katarischen Bevölkerung genutzt wird. Auch bei den Gastarbeitern ist die App sehr beliebt. Während die Einwanderer sonst aber vor allem traditionelle Netzwerke wie Facebook bevorzugen, nutzen die Katarer tendenziell jüngere Netzwerke wie Snapchat und Instagram. Facebook hingegen rangiert bei der gebürtigen Bevölkerung lediglich auf Platz fünf.

Einer der Gründe für die Ablehnung von Facebook, so die Autoren der Studie, könnte die Sorge vieler Katarer um ihre Privatsphäre sein. Das Zuckerberg-Netzwerk hat dabei bekanntlich nicht den besten Ruf. Diese Vermutung wird dadurch bestärkt, dass Katarer sehr selten Fotos auf Facebook posten und stattdessen auf Instagram ausweichen. Lediglich neun Prozent der Katarer würden Facebook auf diese Weise benutzen – während mit 47 Prozent fast die Hälfte der Einwanderer weniger Skrupel zu haben scheinen. Für die Katarer wäre es außerdem sehr wichtig, dass ein soziales Netzwerk auch mobil nutzbar ist und sie zudem nicht langweilt. 20 Prozent der Befragten würden ein Netzwerk verlassen, wenn sie von unterwegs keinen Zugriff darauf hätten.

Eine interessante Erkenntnis der Studie ist die Tatsache, dass viele Katarer zwar die sozialen Netzwerke umfangreich nutzen, diesen gleichzeitig jedoch kritisch gegenüberstehen. Immerhin 33 Prozent der katarischen Bevölkerung nutzen WhatsApp als Quelle für aktuelle Nachrichten – eine Rolle, die in anderen Ländern von Facebook und Twitter übernommen wird. Auf der anderen Seite gaben 85 Prozent der untersuchten Bevölkerung an, dass soziale Netzwerke dazu beitragen würden, Gerüchte und Falschmeldungen zu verbreiten. Dieser Punkt lässt jedoch Platz für Spekulation, denn es wäre interessant zu wissen, ob nun die Meldungen geringer Qualität sind oder den staatlichen Quellen widersprechen und dadurch in den Augen vieler Katarer unglaubwürdig erscheinen.

Ein weiterer Punkt, dessen Klärung sehr erhellend wäre, ist der Zusammenhang zwischen Wohlstand und digitaler Mobilität. Katar ist der Staat mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt (kaufkraftbereiningt) pro Kopf. Zwar lässt sich auf den ersten Blick erkennen, dass auch die Bevölkerung des ebenfalls wohlhabenden Norwegens sehr gut vernetzt ist, da 92 Prozent der Haushalte über einen Internetanschluss verfügen und bereits im Jahr 2004 90 Prozent der Bevölkerung ein Mobiltelefon besaßen. Trotzdem braucht es einen umfangreicheren internationalen Vergleich, um weitreichendere Schlüsse zu ziehen.


Image (adapted) „Smartphone“ by geralt (CC0 Public Domain)


Daniel Peter

studiert Politikwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg und arbeitet als redaktioneller Praktikant bei den Netzpiloten. Er hat bereits Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit gesammelt und versucht nun seine ersten Schritte in der Welt der Medien. Er interessiert sich für Politik, Umweltschutz, Medien und Fußball. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.