Warum uns das Smartphone nicht mehr begeistert

Das Smartphone ist mittlerweile kaum noch aus unserem Leben wegzudenken. Und trotzdem nichts besonderes mehr. // von Felicitas Hackmann

Das Smartphone im Alttag verliert seinen Reiz

„Da hätte ich mehr erwartet“. Enttäuschte Blicke als eine Freundin mir mein Smartphone zurückgab. „Früher waren iPhones irgendwie aufregender“, fügte sie hinzu. Ja. Aber wie viel können wir noch erwarten? Wie viel Überraschung kann Hardware uns noch liefern und in wiefern kann ein Alltagsgegenstand uns überhaupt noch beeindrucken?


Warum ist das wichtig? Das Smartphone ist zum Alltagsgegenstand geworden. Es ist so selbstverständlich in unser Leben integriert wie ein Auto oder ein Mixer.

  • Smartphone Tag und Nacht – ohne ist nichts mehr los.
  • Womit kann Hardware noch überraschen, wenn sie alltäglich gewurden ist?
  • Funktionierende Hardware als Basis für funktionierende Software ist das neue „Muss“.

Das Smartphone ist unser ständiger Begleiter

Wenn ich wach werde, geht meine Hand direkt ans Telefon. Wecker aus. Dann leuchtet da eine zweistellige Zahl über der Email-App, „Öffne mich!“. Manchmal gibt es ein bisschen was auf Whatsapp, ein paar schöne Instagram-Bilder, Twitter, Facebook. Guten Morgen.

Und nachts stelle ich als letzte Handlung, bevor die Augen zu fallen, in meinem Telefon meinen Wecker. Doch auch dazwischen, zwischen Wecker aus und Wecker an, passiert jede Menge mit der mobilen Telefonzelle.

Wir legen es kaum aus der Hand. Wofür auch? Es unterstützt uns in so gut wie allem.

Apps schießen aus dem Boden und möchten unser Leben einfacher machen. Sport, Ernährung, Kommunikation, Fortbewegung, einkaufen, Fotos machen, Musik hören, Filme schauen, Geschichten anhören. Hinzukommen Gesundheitsapps und solche, die unsere Finanzen im Blick haben.

So ist das Smartphone zu einem immerzu leuchtenden und piependen Gerät geworden, das wir stets bei uns tragen und mit dem wir unser Leben digitalisieren. Es lebt quasi mit uns. Selbst im Krankenhaus schalten wir es nicht ab, im Flugzeug sowieso nicht und ein leerer Akku erzeugt nervöses Zucken.

Unterm Strich: Was vor einigen Jahren noch „Woooww“, „Ohhh“ und „Ahhh“ hervorgerufen hat, ist jetzt selbstverständlich geworden. Es ist wie ein Auto. Ein Auto rollt und spielt Musik. In den Eigenschaften gibt es eigentlich nicht so viel, was noch kommen kann. (Außer vielleicht, dass es fliegt.)

Was können wir von Smartphones noch erwarten

Das Smartphone alleine (also ohne Kombination mit z. B. einer Smartwatch) kann sich nur in wenigen Disziplinen verbessern: eine längere Akkulaufzeit, eine bessere Kamera, ein größerer Speicher, ein unkaputtbares Display, vielleicht etwas wasserfester. An Größe und Gewicht kann man noch schrauben. Aber eigentlich ist es doch immer so, dass es für manche zu groß, für andere zu dünn, für wieder andere zu leicht ist.

Der Rest ist an sich Software. Apps oder OS Updates.

Es funktioniert!

Vor ein paar Wochen kaufte ich ein neues Smartphone, das iPhone 6. Anders als früher gibt es selbst beim Unboxing keine Zalando-Kreischen mehr. Stattdessen war ich besorgt, dass mein Backup irgendwie nicht funktionieren würde (damit hab ich schon mal fünfeinhalb Stunden im Apple Store verbracht).

Aber alles lief überraschend einwandfrei. Und das stimmte mich ausgesprochen glücklich. Die Tatsache, dass nichts schiefging.

Nachdem mein altes Gerät fast auseinander gefallen ist und ich eigentlich nur von Steckdose zu Steckdose gelaufen bin, ist jetzt wieder Ruhe eingekehrt. Der Akku hält ungefähr den ganzen Tag, die Kamera ist klasse und das Telefon an sich funktioniert. Und dass es funktioniert ist das, was ich von diesem Gerät erwarte. Denn wenn es einfach ausgeht oder der Akku immer leer ist, kann ich alle Vorteile, die es meinem Leben liefern soll, nicht nutzen.

An den schönen großen Display hab ich mich jetzt gewöhnt, es passt in alle Clutchtaschen, und nein, es hat sich nicht gebogen.

Ich fange nicht an hysterisch zu kreischen, wenn es mal hinfällt – so ist das mit Gebrauchsgegegenständen eben. Und das ist eben jetzt geworden. Smartphones sind Alltagsgegenstände geworden, die man eben hat. Sie haben ihren Preis, aber wenn man bedenkt wie exzessiv wir sie nutzen und dass sie weniger schlafen als wir, sind sie auch ihr Geld wert.


Teaser & Image by Alejandro Escamilla (CC0)



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Felicitas Hackmann

Felicitas Hackmann

studierte Medienwissenschaft in Siegen und arbeitete zwischendurch und danach in Startups wie z.B. Airbnb und Stuffle. Nach San Francisco und Hamburg, ging es 2014 nach Berlin, wo sie als freie Reporterin, für z.B. VentureVillage, schreibt. Ohne Twitter, Foursquare und Spotify geht es nicht! Alles weitere gerne in 140 Zeichen an @frau_feli.

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2 comments

  1. Als erstes muss ich Ihnen in vielen ihrer Denkansätze zustimmten, doch bin ich davon überzeugt, dass die Problematik eine andere ist. Ich selbst programmiere seit meinem 13ten Lebensjahr (mittlerweile bin ich 19) und erfahre immer wieder das Softwareentwickler zwar so gut wie ungebundene Hände haben und in einer Vielzahl vertreten sind, die Hardwareentwicklung allerdings allein den Smartphoneherstellern überlassen wird. Ich selbst hätte einige, problemlos realisierbare Ideen, die das Smartphone (meiner Meinung nach) um einige außerordentlich nützliche und innovative Funktionen erweitern könnten. Im Gegensatz zu der Software, an der Tausende Appentwickler weltweit arbeiten, kümmert sich um die Hardware nur ein Bruchteil an Personen. Wir alle könnten davon profitieren wenn Smartphonehersteller jedem eine Möglichkeit geben würde Denkanstöße zu übermitteln und aktiv an neuen Produkten mitzuarbeiten, anstatt einen ewigen Konkurrenzkampf zu wahren.

    Einen frohen dritten Advent, Luis M.

  2. Na das ist ja mal eine interessante Feststellung. Ich weiß noch als ich mein erstes Teil in Händen hielt. Damals war das faszinierend. Aber anders als die Fetischbesitzer war das Teil für mich immer ein Gebrauchsgegenstand. Und so ist es auch heute. Dennoch werde ich nervös wenn es herabfällt, sind doch darauf viele wichtige Daten und Ersatz ist auch nicht so schnell beschafft.

    Wer jedoch das Wunder hinter dem Gerät wiederentdecken will, muss sich nur im Detail vor Augen halten was alles notwendig ist um jene Bilder auf den Screen zu zaubern die wir uns täglich ansehen.

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