Google Nest Mini im Test: Ein Winzling haut auf die Pauke

Neben den Pixel-Smartphones hat Google auch sein günstigstes Lautsprecher-Modell aktualisiert und daher zusätzlich zum Google Pixel 4 (Test) den Google Nest Mini vorgestellt. Damit vereinheitlicht der Tech-Konzern weiter seine Smart-Home-Geräte, die er alle unter der Produktmarke Nest zusammenführt – wie etwa auch den Google Nest Hub (Test). Ist das einfach nur alter Wein in neuen Schläuchen? Nein, Googles kleinster Smart Speaker heißt nicht nur anders, er kann auch etwas mehr. Reicht das für eine Kaufempfehlung? Um das zu beantworten, hatte ich den Google Nest Mini im Test.

Design des Google Nest Mini im Test: Fast alles beim Altem

Das 2019-er Model unterscheidet sich äußerlich nicht vom Original aus 2017. Sogar die Maße (98 x 42 mm) sind identisch, das Gewicht mit 181 g nur acht Gramm höher. Allerdings setzt Google stärker auf eine umweltfreundlichere Verarbeitung. So besteht die Stoffoberfläche vollständig aus recycelten Plastikflaschen. Laut Google reicht eine 0,5-Liter-PET-Flasche für das textile Finish von zwei Nest Mini. Das Gehäuse des neuen Modells fertigt Google zu 35 Prozent aus wiederverwendetem Kunststoff – gegenüber 20 Prozent beim Home Mini.

Farblich steht hierzulande weiter eine hellgraue („Kreide“) und eine dunkelgraue („Carbon“) Variante zur Auswahl. Blau und Rot spart sich Google für andere Märkte auf, während der Google Home Mini auch im deutschen Handel in Rot erhältlich ist. Wer den Nest Mini an der Wand befestigen möchte, kann dies jetzt mithilfe eines Bohrlochs auf der Unterseite tun. Beim Original-Lautsprecher funktioniert das nur mit Halterungen von Drittherstellern.

Google Nest Mini Wandhalterung
Wegen einer Aussparung auf der Rückseite lässt sich der Nest Mini jetzt auch ohne Zubehör von Drittherstellern an der Wand montieren. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Neue Technik des Google Nest Mini im Test kaum spürbar

Unter der Haube hat der Tech-Konzern den smarten Lautsprecher umfassender überarbeitet. Statt zwei nehmen jetzt drei Mikrofone Sprachbefehle entgegen. Dadurch soll der Sprachdienst Google Assistant Kommandos der Nutzer besser von lauten Hintergrundgeräuschen trennen können. In der Praxis fällt es mir schwer, einen Unterschied festzustellen. Home Mini und Nest Mini reagieren bei lauter Musik gleich schnell und zuverlässig.

Damit der Smart Speaker Kommandos schneller verarbeitet und dazu nicht in die Cloud schicken muss, setzt Google auf eine starke Rechenhardware. Neben einem 64bit-Vierkern-Prozessor mit 1,4 GHz zählt dazu ein spezieller Machine-Learning-Chip. Deutschsprachige Nutzer haben davon aber noch nichts. Denn die Offline-Sprachverarbeitung funktioniert derzeit nur auf Englisch – wie auch beim Pixel 4. Vom Hardware-Tuning kann ich beim Google Nest Mini im Test ebenfalls noch nichts spüren. Er reagiert sogar minimal langsamer als der Home Mini, der auch weiterhin eine Cloud-Verbindung braucht.

Die Bedienung am Gehäuse hat Google um einen Näherungssensor ergänzt. Dadurch weisen die beleuchteten Lautstärketasten den Weg, bevor ich meine Hand aufs Gerät lege. Allerdings fällt die Sensorreichweite sehr gering aus. Im Test berühren meine Finger schon fast den Stoff, ehe die LEDs zu leuchten beginnen.

Die Touch-Oberfläche ist nun komfortabler zu bedienen. Um einen Audio-Stream beim Home Mini zu starten oder zu stoppen, ist ein langer Druck auf die seitliche Lautstärketaste notwendig. Diese Mehrfachbelegung gibt es beim Nest Mini nicht mehr. Ein einfacher Druck in der Mitte steht nun für Play oder Pause. Die Lautstärke lässt sich aber unverändert auf beiden Seiten ändern.

Google Nest Mini Näherungssensor
Ein Näherungssensor lässt LEDs aufleuchten und weist den Weg zu den Lautstärketasten. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Erhalten bleibt ein physischer Schiebeschalter am Gehäuse, der die Mikrofone aktiviert oder verstummen lässt. Die Energiezufuhr erfolgt jetzt über eine Gleichstrombuchse statt über Micro-USB. Das passende Netzteil bringt 15 Watt statt 9 Watt Leistung. Die verbesserte Klangleistung braucht offenbar mehr Energie.

So klingt der Google Nest Mini im Test

Google verspricht beim Nest Mini einen zweimal so starken Bass. Diese Angabe kann ich in der Praxis nicht überprüfen, höre dem Google Nest Mini im Test aber eine deutlich verbesserte Tiefenleistung an. Dadurch klingt der Lautsprecher voller und präsenter. Das liegt wohl überwiegend an der verbesserten Signalverarbeitung von Googles Tuning-Software, denn der Treiber selbst ist mit 40 mm gleich groß geblieben.

Etwas lauter kommt das neue Modell ebenfalls rüber. Trotzdem reicht der Google Nest Mini im Test klanglich nicht über Küchenradio-Niveau hinaus. Ebenso wie beim Vorgänger fehlen dafür zu viele Details in den Mitten und Höhen.

Google Nest Mini Gleichstrombuchse
Weil der kräftigere und lautere Klang mehr Saft braucht, tankt der Nest Mini nicht per Micro-USB, sondern per Gleichstrombuchse neue Energie. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Der für diese kompakte Form typisch beengte Klang lässt sich aufwerten, wenn man mindestens zwei Geräte koppelt. Für Stereo-Sound mit definiertem rechten und linken Kanal sind offenbar zwei Nest Mini nötig. Hingegen das Zusammenspiel als Gruppe ohne Kanaltrennung gelingt mir im Test auch mit einem Nest Mini und einem Home Mini erfolgreich.

Musik nimmt der Google Nest Mini im Test vorzugsweise von Streaming-Diensten entgegen. Bei Google Play Music und Deezer setzt dies kostenpflichtige Abos voraus. Mit YouTube Music und Spotify funktioniert das auch mit den Gratis-Varianten. Amazons und Apples Musik-Dienste fehlen weiterhin. Wer diese bevorzugt, greift lieber zum Echo Dot.

Mit dem Netzwerk nimmt der Nest Mini Kontakt über WLAN bis zum Standard ac sowohl mit 2,4-GHz- als auch 5 GHz-Frequenzen auf. Bluetooth hat Google von der Version 4.1 auf 5 aktualisiert. Der Kurzstreckenfunk der einzige Weg, um den Nest Mini lokal mit Musik zu füttern. Mit Chromecast Audio geht das nicht, ein Klinkenstecker fehlt.

Fazit: Sinnvoll aktualisiert, aber das Original tut es auch

Der Google Nest Mini hat nicht nur einen neuen Namen. Äußerlich setzt Google nun auf noch mehr nachhaltige Materialen und verbaut im Inneren bessere Klang- sowie neuere Rechen- und Funktechnik. Auf diese Weise hat der Tech-Konzern das Einsteiger-Modell unter seinen Lautsprechern sinnvoll aktualisiert – auch wenn nicht alle Funktionen im Test so deutliche Verbesserung bringen, wie Google es bewirbt. Der Preis von 60 Euro dürfte erfahrungsgemäß im Zuge von Aktionen noch stark sinken. Wer noch einen Home Mini für 40 Euro oder weniger erwischt, macht auch nichts falsch. Und wer schon einen hat, braucht das Upgrade nicht unbedingt. Trotzdem erweist sich der Google Nest Mini im Test als solider Lautsprecher für den Einstieg ins sprachgesteuerte Smart Home.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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