Funkey S Test – Retro-Gaming als Schlüsselanhänger?!

Der originale Gameboy war damals ein ziemlicher Backstein und erst sein Nachfolger der Gameboy Color brachte nicht nur Farbe ins Leben, sondern auch ein deutlich handlicheres Format. Dass das ganze irgendwann auch im Schlüsselanhänger-Format möglich sein könnte, hätte ich mir damals aber sicherlich nie gedacht. Der Funkey S macht aber genau das. Der über Kickstarter finanzierte Mini-Handheld emuliert zahlreiche Handhelds und ältere Konsolen vom NES bis zur ersten PlayStation und passt dabei sogar in die Feuerzeugtasche einer Hose.

Als passionierter Gamer konnte ich mir dieses Gadget nicht entgehen lassen. Zwar entdeckte ich den Funkey S erst nach dem Crowdfunding, aber zum Glück werden die Minihandhelds fleißig nachproduziert. Wegen der aktuellen Chipknappheit und offenbar recht hoher Anfrage muss man allerdings mit etwas Wartezeit rechnen.

Etwas Handheld-Nostalgie findet ihr übrigens auch in unserem Artikel über die verrücktesten Gadgets des Game Boys.

Ein Gimmick – aber nicht nutzlos

Zum Glück war mir von vorn herein klar, dass der Funkey S für mich kein Gerät zum regelmäßigen Dauerzocken wird. Dafür ist er einfach nicht gemacht. Es ist eher etwas, dass man als Gimmick einfach haben möchte. Das heißt aber nicht, dass er nicht praktisch sein kann. Möchte man ohne Rucksack irgendwo hin und braucht für die Fahrt in der Bahn oder Wartezeiten eine Beschäftigung, ist der kleine Mini-Handheld perfekt. Es fühlt sich nicht nach Gepäck an. Meine Schlüssel brauchen mehr Platz in der Hosentasche.

Der Funkey S ist außerdem ein absolutes Leichtgewicht. Das liegt aber auch daran, dass das Gehäuse komplett aus Kunststoff besteht. Trotzdem überzeugt es von der Verarbeitung. Beim Aufklappen rastet  der Bildschirm zwar nur auf der weitesten Position ein, dort aber äußerst stabil. Beim Zuklappen macht es ein angenehm zuschnappendes Geräusch.

Das Gerät lässt sich in drei Farben bestellen. Original Purple erinnert dabei stark an den Gameboy Advance, dessen SP-Variante der Funkey S auch nachempfunden ist. Atomic ist dagegen eine durchsichtige Variante, die einen Blick aufs Innenleben zulässt. Auch das erinnert an einige Modelle der Gameboys. Für mich, der nie einen Super Nintendo besaß, wurde es aber das Retrogaming Gray. Dieses orientiert sich nämlich an den alten Nintendo-Konsolen. Da der Funkley S mit austauschbaren farbigen Knöpfen ausgeliefert wird, können wir die dunkelgrauen Tasten gegen eine Super Nintendo-gefällige Gamepad-Variante austauschen.

Der Sound des Funkey S versetzt jetzt keine Berge ist aber für die Größe des kleinen Gerätes echt überraschend gut. Leider gibt es weder einen Klinkenanschluss noch USB-C, um Köpfhörer anzuschließen. Das ist besonders als Gerät für unterwegs sehr schade, weil ich so in der Bahn oder im Wartezimmer auf Sound verzichten muss.  

Der Funkey S in 3 verschiedenen Farben
Der Funkey S kommt in 3 verschiedenen Farben. Farbige Austauschtasten lassen den Retro-grauen Funkey S wahlweise auch in SNES-Farben bestücken. Image by the Funkey Project.

Spielbarkeit – Erhöhter Schwierigkeitsgrad

Wer sich einen Funkey S holt, sollte sich über die Probleme des Formfaktors im Vorfeld klar sein. Das Display ist sehr klein, dass man Details und große Textmengen nicht so komfortabel sieht. Auch sind die Tasten sehr eng beieinander und erschweren das Spielen. Die Tasten an sich fühlen sich aber gut an, lediglich L und R sind bei mir noch etwas schwergängig.

Im Funkey S-Test habe ich mich unter anderem an den Klassiker „König der Löwen“ und diversen Versionen von Mario Kart gewagt. Wie zu erwarten ist das Gerät nur begrenzt geeignet für bockschwere Jump & Runs. Mario Kart lässt sich durchaus spielen, auch wenn ich wegen der schwergängigen Schultertasten weitgehend aufs Driften verzichtet habe. Die Größe des Geräts sorgt in reaktionslastigen Spielen also schon für einen merklich höheren Schwierigkeitsgrad, macht sie aber nicht unspielbar.

Trotzdem rate ich eher zu ruhigeren Spielen. Pokemon oder Harvest Moon eigneten sich im Funkey S-Test beispielsweise perfekt für den kleinen Handheld. Dafür sorgte nicht nur das entspannte Gameplay, sondern auch, dass es gute Gelegenheitsspiele sind. Aber auch JRPGs kann man sich durchaus auf dem Mini-Gameboy gönnen.

Abstriche gibt es bei der Laufzeit. Der verbaute 410mAh-Akku schafft rund 1,5 Stunden Laufzeit. Für einen langen Flug müsst ihr also auch andere Beschäftigungen mit einplanen. Die Ladezeit beträgt von 0 auf 100% Ladung ungefähr eine Stunde.

Ein Zollstock am Funkey S zeigt, wie klein  das Gerät ist.
Nicht einmal 4,5cm breit – bei den Abmessungen kann man keine Premium-Gaming erwarten. Aber cool ist es trotzdem. Image by Stefan Reismann.

Kleines Gerät, großartige Software

Für eine große Überraschung sorgte die Software im Funkey S-Test. Diese ist nämlich wirklich herausragend gut. Das Interface ist schön aufgeräumt gestaltet und kommt in mehreren Varianten daher. Nutzergenerierten Oberflächen steht außerdem auch nichts im Weg, weil der Funkey-S sowohl Open Hardware, als auch Open Source ist.

Praktisch ist übrigens auch die Funktionstaste. Diese ermöglichen Tastenkombinationen, durch die ihr nicht erst ins Menü müsst, um Bildschirmhelligkeit oder Lautstärke anzupassen. Auch sonst ist alles super durchdacht. Beim Schließen des Geräts geht es auf Standby und speichert den aktuellen Spielstand. Beim Aufklappen öffnet das Spiel innerhalb von wenigen Sekunden wieder an der Spielposition. Ich kann aber auch über mehrere Spiele hinweg direkt wieder fortsetzen, wo ich zuletzt aufgehört habe – echt praktisch!

Die Bedienung des Funkey S im Test war so gut, dass man sich eigentlich wünscht, sie hätten noch ein Gerät mit dem Funkey-OS in „Normalgröße“. Ich würde einen Funkey XXL sicherlich kaufen – vorausgesetzt, man kann dann auch endlich Kopfhörer anschließen.

Diese Emulatoren unterstützt der Funkey S

Der Funkey S unterstützt eine ganze Reihe alter Konsolen und Handhelds. Die vorinstallierten Spiele sind dabei lizenzfreie Spiele, aber über ROM-Anbieter bekommt ihr im USB-Modus schnell eure Lieblingsspiele auf den Mini-Handheld. Folgende Emulatoren bietet der Funkey S:

  • Gameboy
  • Gameboy Color
  • Gameboy Advance
  • Nintendo Entertainment System
  • Super Nintendo
  • Game Gear
  • SEGA Master System
  • SEGA Genesis
  • TurboGrafX
  • Lynx
  • NeoGeo Pocket
  • Wonder Color
  • PlayStation

Eine große Liste bekannter Konsolen, bei der vor allem die PlayStation überrascht. Bei PlayStation-Spielen gerät die Hardware allerdings teils an ihre Grenzen. Nicht jedes Spiel läuft darauf ruckelfrei. Hier heißt es ausprobieren, welche Spiele für euch annehmbar darauf laufen. Von der Performance mal abgesehen sind ohnehin nicht alle PlayStation-Spiele optimal für das extrem kleine Display.

Gameboy Advance & PlayStation mit Zusatzaufwand

Wenn ihr das erste Mal versucht, ein PlayStation- oder Game Boy Advance-Spiel mit dem Funkey S zu starten bekommt ihr vermutlich eine Fehlermeldung. „BIOS FILE MISSING“ heißt es da weiß auf schwarz. Ich vermute mal, dass es rechtliche Gründe hat, dass diese vergleichsweise „neueren“ Konsolen nicht out-of-the-box funktionieren. Die zusätzliche Bios-Datei für die Konsolen bekommt ihr allerdings ziemlich einfach. The Funkey Project bietet auf ihrer Seite eine Anleitung zur Installation der Bios-Dateien an.

Fazit: Ist der Funkey S im Test mehr als ein Gimmick?

Wie viel Spaß ihr am Funkey S habt, hängt enorm von den Erwartungen ab. Mir war schon vor dem Funkey S Test klar, dass es sich vor allem um ein Gimmick handelt. Trotzdem konnte es mich beeindrucken. Die Software ist sensationell gut und lässt mich auf ein großes Geschwisterchen hoffen, dass auch für ernsthaftes Spielen taugt.

Es liegt weniger an der Verarbeitung, als an der Größe des Funkey S, dass es sich nicht für lange Gaming-Wochenenden eignet. Das kompakte Format sorgt für eine schwierigere Steuerung und das 1.52”-Display ist quasi Gaming auf einer Smart Watch. Trotzdem war ich erstaunt, wie viel ich trotz Display-Größe doch erkennen konnte. Warten wir aber mal ab, was meine Augen in 10 Jahren dazu sagen.

Mit einem Preis von 65€ muss man sich natürlich überlegen, ob man sich nicht fürs doppelte Geld einen potenteren Retrogaming Handheld holt. Wir stellen hier übrigens einige der besten Retro-Handheld-Konsolen vor. Für mich ist es der Funkey S aber definitiv wert. Mein innerer Nerd freut sich einfach, was dieses kleine Gerät alles abspielt. Es ist mein mit Abstand teuerster aber auch coolster Schlüsselanhänger. Ich geh dann jetzt nochmal bei einer Runde Aladdin verzweifeln. 

Die RG351P Handheld Spielkonsole ist übrigens eine gute Alternative, wenn ihr einen größeren Retro-Handheld sucht (Provisionslink)


Image by Stefan Reismann

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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