Verrückte Game Boy Gadgets – Fancy Gaming der 90er

Erinnert ihr euch auch noch an die verrückten Game Boy Gadgets? Heute machen uns PCs, Konsolen oder Smartphones das Zockvergnügen sehr einfach. Per Spielestreaming brauchen wir nicht einmal ein leistungsstarkes Endgerät. In den 90ern war vor allem das mobile Gaming noch deutlich schwieriger. Abends im Auto wurde jede Straßenlaterne sehnsüchtig erwartet, da sie einen kurzzeitigen Blick auf das nicht selbst beleuchtete Display des Game Boys gewährte. Auch das gemeinsame zocken war so ganz ohne Internet keine Selbstverständlichkeit.

Der Game Boy hatte nicht nur die Unverwüstlichkeit eines Nokia 3310, sondern auch erstaunlich viele Möglichkeiten, die Schwächen des Geräts auszubügeln oder gänzlich neue Funktionalitäten zu nutzen. Wir schwelgen nochmal in Erinnerungen an die verrückten Game Boy Gadgets, die vielen Besitzern des legendären Handhelds noch in bester Erinnerung geblieben sind.

Spiele für Game Boy und viele weitere Klassiker lassen sich unter anderem auf dem Anbernic RG351P – Handheld spielen (Provisionslink)

Es werde Licht

Autofahrten zu später Stunde waren in meiner Game Boy-Kindheit eine Geduldsprobe. Wie eingangs erwähnt, waren die Bildschirme nicht beleuchtet und man sah bei Dunkelheit absolut nichts. Straßenlaternen und entgegenkommende Autos waren für mich im wahrsten Sinne des Wortes Lichtblicke. Für den rundenbasierten Kampf in Pokémon funktionierte das ganz gut, reaktionslastige Spiele waren aber selbstverständlich unmöglich.

Kids today will never know the struggle

Eines der essentiellsten Game Boy-Gadgets war daher die Lampe für den Handheld, die es in unterschiedlichsten Variationen gab. Manche wurden aufgesteckt und gaben ihr Licht nahe des Bildschirms, andere hatten sogar einen Schwanenhals. Damit ließ sich das Licht genau so positionieren, wie es für einen selbst am besten war. Es gab sogar Lampen, die in eine Bildschirmlupe integriert waren. Damit sah man nicht nur mehr bei Dunkelheit, sondern allgemein alles etwas größer.

Kamera und Drucker für den Game Boy

Es war dieses eine verrückte Game Boy-Gadget, das ich immer haben wollte, aber nie selbst besaß. 1998 veröffentlichte Nintendo eine Kamera und einen Drucker für den Game Boy, die vor allem vom gemeinsamen Zusammenspiel profitierten.

Die Kamera bot satte 4 Graustufen und mit einer Auflösung von 128×12 unglaubliche 0,014 Megapixel. Eine grausam schlechte Auflösung, aber damals die kleinste und günstigste Digitalkamera auf dem Markt. Trotzdem oder gerade deswegen hatte die Game Boy Kamera aber auch eine ganz eigene Ästhetik. Fun Fact: Das Album Cover zu Neil Youngs „Silver & Gold“ schoss seine Tochter mit eben solcher Kamera.

Auch der Drucker war zwar vergleichsweise günstig, aber qualitativ ähnlich billig. Durch den Thermodruck sind die Bilder nicht wirklich langlebig. Dafür ließen sich durch das selbstklebende Papier immerhin tolle Sticker machen. 

Damals war ich ziemlich neidisch auf meinen Cousin, der diese coolen Gadgets für den Game Boy besaß. Die Qualität der Bilder, sowohl von der Kamera als auch vom Drucker, war für mich damals echt toll. Meine Eltern hatten nachblickend aber schon Recht, dass es in keinem Verhältnis zum teuren Preis des Druckpapiers stand. Damals hätte ich Kamera und Drucker aber trotzdem verdammt gerne gehabt.

Linkkabel

„Always on“ war damals noch nicht. Mit dem Release des ersten Game Boys 1989 lag man auch noch weit vor dem ersten großen Internet-Boom. Das Linkkabel ermöglichte aber dennoch das gemeinsame Spielen über zwei Geräte.

Popularität erlangte das Linkkabel vor allem durch die Pokémon-Spiele. Der Tausch von Pokémon war nicht nur ein nettes Extra – manche Pokémon waren nur in einer Edition verfügbar oder entwickelten sich nur durch Tausch weiter. Wer zu den coolen Kids gehören wollte, brauchte also unbedingt ein Linkkabel. Mit dem konnte man sich natürlich auch aufs feinste duellieren. Das brachte die Menschen auch enger zusammen. Sogar Wortwörtlich: Die Kabel waren nämlich nicht so lang, wie in der Werbung vielleicht suggeriert wurde.

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Lange dauerte dafür manchmal das Verbinden zum Pokémon-Tausch. Man konnte aber immerhin sogar bis zu vier Geräte mit dem richtigen Adapter verbinden. Später gab es die Kabel passend zum Game Boy Color auch in sehr bunten Farben und teils auch ohne zusätzliches Adapter mit gleich vier Anschlüssen. Da bekam „Spielen im Kreis der Pokémon-Fans“ eine ganz andere Bedeutung. Auch ließen sich per Linkkabel sogar verschiedene Geräte wie Game Boy Advance, Game Boy Color oder sogar ein Game Cube miteinander verbinden.

Rumble Cardriges & Game Boy Pulse Pak

Nintendo nahm mit dem Rumble Pak für den Nintendo 64-Controller eine Pionierrolle im Gaming ein. Es dauerte nicht lange, bis das Konzept der Vibration zum neuen Standard für Controller wurde. Auch für den Game Boy wurde an dieser Stelle nachgerüstet.

Unter anderem gab es Spiele, deren Spielmodul mit einem Rumble-Motor ausgestattet waren. Diese Spiele hatten tatsächlich ihr eigenes Batteriefach direkt im Spielmodul drin, um ihre Rumble-Funktion zu versorgen. Das war schon irgendwie sehr cool, wenn auch etwas sperrig, wenn jedes Spiel dieses Feature auf dem Modul als Hardware mitbringen musste.

Allerdings gab es auch das Game Boy Pulse Pak, dass sich unten an den Game Boy anbringen ließ. Was an sich ganz „praktisch“ klingt, hatte seinen großen Haken: Zwischen dem Pulse Pak und den Spielen wurden keine Informationen ausgetauscht. Seinen Rumble-Effekt generierte das Pulse Pak einzig anhand von Musik und Sound. Solange Musik dudelte, rödelte auch das Pulse Pak in der Hand. Schön war das nicht, aber irgendwie dann doch ein bisschen Fancy Gaming mit Game Boy Gadgets.

Nintendo 64 Transfer Pak

Das Nintendo 64 Transfer Pak ermöglichte den Austausch von Daten zwischen Game Boy- und Nintendo 64-Spielen. Wirklich viele Spiele profitierten davon allerdings nicht. Am prominentesten waren auch beim Nintendo 64 Transfer Pak vor allem die Pokémon-Spiele. So konntet ihr eure mit Liebe trainierten Pokémon aus den Game Boy-Spielen ins Spiel Pokémon Stadium übertragen. Pokémon Stadium war ein Ableger der Reihe, der sich ganz auf die Pokémon-Kämpfe konzentrierte und diese endlich in die dritte Dimension holten.   

Super Game Boy

Auch ein kleines Highlight meiner Kindheit. Der Super Game Boy war ein Modul für den Super Nintendo, in das man Game Boy-Spiele stecken konnte. Diese ließen sich dann ganz bequem mit dem Controller auf dem großen Bildschirm spielen. Das war deutlich bequemer, als den grauen Backstein die ganze Zeit in der Hand zu halten. Außerdem ließ sich die Farbpalette und die Umrandung des virtuellen Game Boy-Bildschirms selbst anpassen.

Interessanter Fact: Die Hardware des Super Nintendos konnte den Game Boy selbst nicht emulieren. In dem Modul war daher die Hardware des Game Boys verbaut, die lediglich Eingabesignale von der Konsole entgegen nahm. Wegen den unterschiedlichen Takten von Konsole und Handheld liefen die Spiele außerdem 2,4% schneller.

Wie auch die Kamera und der Drucker, gehörte der Super Game Boy zu den verrückten Game Boy Gadgets, die ich selbst nie besaß. Das lag aber vor allem daran, dass wir Zuhause eher die SEGA-Konsolen hatten. Ihr wisst schon, die mit dem blauen Ring-süchtigen Igel.

Handy Boy & Booster Boy

Zum Schluss nochmal ein bisschen was zum Schmunzeln. Mit dem Handy Boy und Booster Boy erschienen zwei Abnormitäten, die es mit der „Verbesserung“ des Handhelds einfach mal etwas zu weit getrieben haben. Beide Produkte wollten eine bessere Version des Game Boys erschaffen und bauten ihm dafür sozusagen einen Superheldenanzug… oder eher einen eigenen Mech. Der ohnehin schon massive Game Boy bekam eine weitere, noch wuchtigere Hülle verpasst.

Der Booster Boy von Saitek hatte aber auch eine enorme Liste an Features: Größere Buttons, Analogstick, Lupe mit integriertem Licht, Stereo-Lautsprecher, zusätzliche Batterieverstärkung mit 4 fetten LR14 Batterien und Stauraum für Spiele und Zubehör. Ein Video sagt aber manchmal mehr als 1.000 Worte:

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So wirklich Handheld war der Booster Boy also nicht. Zum längeren Spielen ohne Ablagefläche war er jedenfalls zu gewaltig und auch im Rucksack blieb wenig Platz für andere Sachen, wenn man den Booster Boy mit im Gepäck hatte. Es war der Höhepunkt verrückter Game Boy Gadgets und ist zumindest für Sammler auch noch immer ein richtiges Highlight.


Image by kongvector via Adobe Stock

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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