Wie entwickelt man ein eigenes Spiel? Guide für Einsteiger und Anfänger

Spiele sehen dank vieler technischer Innovationen immer toller aus, werden immer komplexer und immersiver. Doch mit dem technischen Fortschritt in der Spieleindustrie entwickeln sich nicht nur die Spiele weiter. Auch die Tools und Werkzeuge, die Spieleentwickler verwenden, werden immer besser und vor allem zugänglicher. Aufwendige Arbeitsschritte werden uns abgenommen, Programme sind einfacher zu benutzen und somit sinkt auch die Hürde, selbst ein Spiel zu programmieren. Die Indie-Developer-Szene wird dadurch immer größer und Spiele wie Stardew Valley (Provisionslink) oder auch Undertale (Provisionslink) beweisen eindeutig, dass einzelne Personen mit genügend Leidenschaft großartige Spiele entwickeln können. Aber wie entwickelt man ein eigenes Spiel? Was muss man dabei beachten? Welche Software sollte man nutzen und wie beginnt man mit der Spieleentwicklung? Für Anfänger, die sich solche Fragen stellen, liefern wir mit diesem Artikel die Antworten und geben euch ein paar Tipps, mit denen ihr hoffentlich bald euer eigenes Spiel entwickelt. 

Dieser Artikel gliedert sich in zwei Teile. Im ersten Teil geht es hauptsächlich um die Herangehensweise an die Spieleentwicklung und den Designprozess als solchen. Im zweiten Teil gehen wir dann auf konkrete Tools, Engines und Quellen für Game Assets ein.

Was für ein Spiel will ich entwickeln?

Bevor ihr euch an einen Compuer setzt oder irgendwelche Spielfiguren für ein Brettspiel schnitzt (ja, alles schon gemacht) solltet ihr euch fragen, was für ein Spiel ihr überhaupt machen wollt, um eine grobe Vorstellung dessen zu bekommen, was ihr erreichen wollt. Stellt euch selbst Fragen über euer Spiel und versucht diese zu beantworten. So formt ihr die Idee eures Spiels. Das können Frage sein wie: “Ein digitales oder ein analoges Spiel? Ein Brettspiel? Ein Kartenspiel? Ein Shooter? Ein Rollenspiel oder vielleicht doch ein Aufbauspiel? Worum soll es gehen? Was für eine Stimmung soll es vermitteln?”. Ihr müsst euer Spiel noch nicht bis ins letzte Detail kennen, einige Dinge werdet ihr im Prozess herausfinden. Aber eine Art Startpunkt und ein grobes Ziel zu haben, hilft euch erstmal ins eigentliche Tun zu kommen. 

In diesem Artikel werden wir uns übrigens eher im digitalen Sinne auf die Frage “Wie entwickelt man ein eigenes Spiel?” beziehen. Hier sind gerade technische Hürden für viele deutlich größer. Insbesondere die Designprozesse, die wir in diesem Guide aufführen, könnt ihr aber natürlich trotzdem auf die Entwicklung analoger Spiele übertragen.

Übrigens findet ihr viele der Tipps aus diesem Artikel auch in unserem Podcast mit Ralf Hebecker – Professor für Game Design und Production an der HAW Hamburg. Also hört unbedingt mal in die Folge rein:

Denkt nicht zu groß!

Viele, die ein eigenes Spiel entwickeln wollen, neigen dazu, etwas zu groß zu denken. “Ich mag Open World-Rollenspiele mit Crafting-Elementen und einer wunderschönen grafischen Gestaltung, also mache ich mein eigenes Open World-Rollenspiel mit Crafting-Elementen und einer wunderschönen grafischen Gestaltung!”, habe ich schon so manchen sagen hören. Der Punkt hierbei ist: Das wird nichts! Ich will euch nicht demotivieren, aber das werdet ihr auf gar keinen Fall alleine schaffen. Besonders nicht dann, wenn ihr noch am Anfang eurer Game Design-Karriere steht. 

Solche Spiele werden nämlich in der Regel von Teams mit einer Größe von 40 bis 200 Leuten gemacht. Diese Teams bestehen aus absoluten Spezialisten auf ihren Gebieten. Ihr findet, die Natur in Witcher 3 sieht toll aus? Das tut sie! Hier haben Leute auch an so gut wie NICHTS anderem gearbeitet. Sucht euch für den Beginn eurer Game Design-Karriere lieber etwas Kleines, das ihr selbst in nicht allzu langer Zeit umsetzen könnt. Ein Projekt, für das ihr maximal drei Monate braucht. Oder sogar noch kleiner: Eine Woche oder einen Tag. So sorgt ihr für erste schnelle Erfolgserlebnisse, sichert euch den Spaß an der Sache auch weiterhin und lernt neue Dinge in einem vernünftigen Rahmen. Euer zweites und drittes Spiel könnt ihr dann immer größer werden lassen und auf dem aufbauen, was ihr in den ersten Projekten gelernt habt.

Ich selbst mache meistens nur kleine Spiele. Für mich ist es ein Hobby und das soll mir selbst Spaß machen. Mir gefällt es, zeitlich beschränkt zu sein und mich auf wenige, wesentliche Konzepte zu konzentrieren. Über viele kleine Projekte kann ich außerdem immer mehr Erfahrung sammeln, die ich dann ins nächste Projekt mitnehme. In unserem Podcast Tech und Trara haben wir mit Indie-Entwickler Philipp Stollenmayer gesprochen. Auch der fokussiert sich eher auf simple Spiele, die auf einer starken Idee basieren – den Apple Design Award hat er übrigens auch gewonnen.

In diesem Video des Kanals Extra Credit findet ihr außerdem ein paar gute Tipps für euer erstes Game. Auch darin wird der Tipp, klein anzufangen gegeben und die Gründe dafür werden gut nachvollziehbar erläutert:

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Ein eigenes Spiel entwickeln: Der Design-Prozess

In diesem Abschnitt soll es um den eigentlichen Design- und Entwicklungsprozess gehen. Hier klären wir Fragen zum Beginn der Entwicklung eines eigenen Spiels, den Schritten dazwischen und dem nötigen Mindset. 

Wo fange ich an?

Nachdem ihr euch nun also für eine grobe Richtung entschieden habt, könnt ihr loslegen! Ihr könnt nun anfangen, Dinge auszuarbeiten und konkret zu machen. Wie schnell ihr in die eigentliche Umsetzung kommen könnt, hängt ein wenig von der geistigen Vorarbeit ab, die ihr bisher geleistet habt. Wenn ihr beispielsweise bisher nur festgelegt habt, dass euer Spiel eine “düstere Stimmung” haben soll, dann ist es schwierig, etwas Konkretes zustande zu bringen. Solltet ihr euch beispielsweise schon auf ein Genre festgelegt haben, könnt ihr damit anfangen, die genretypischen Mechaniken und Elemente umzusetzen. Nehmen wir mal ein Beispiel: 

Ihr wollt einen düsteren 2D-Plattformer machen. Dann fangt erstmal damit an, die grundlegenden Mechaniken einzubauen. Euer Charakter – den ihr zu diesem Zeitpunkt am besten stilisiert darstellt – sollte laufen und springen können. Solltet ihr euch für noch kein Genre entschieden haben, fangt weiter vorne an. Nehmt euch irgendein typisches Genre und probiert aus, ob es euch gefällt. Falls nicht, schmeißt ihr einfach alles über den Haufen und nehmt euch ein anderes Genre und setzt andere Mechaniken um. 

Baut euer Spiel in dieser frühen Phase aus ganz simplen Grafiken, die ihr entweder prototypisch selbst erstellt oder irgendwo online sucht (weiter unten im Artikel findet ihr zum Thema “Game Assets” einige Hinweise), ein Level. Nun habt ihr bereits einen ersten kleinen Prototypen. Spielt ihn und schaut, wie sich das ganze für euch anfühlt. 

Prototyping: Denkt in Iterationen

Ganz wichtig: Wenn ihr ein eigenes Spiel entwickelt, denkt nicht nur an das fertige Spiel. Denkt vielmehr in kleinen Iterationen und entwickelt immer wieder spielbare Prototypen. Spielt diese, verbessert sie und erweitert sie. Natürlich ist es sinnvoll, dabei euer finales Ziel im Auge zu behalten, aber seid immer bereit, dieses Ziel auch zu verändern, wenn ihr merkt, dass beim Ausprobieren eures Spiels noch viel bessere Ideen entstanden sind. Bleiben wir mal bei unserem Beispiel aus dem voherigen Abschnitt:

Euer Spiel ist noch ganz am Anfang. Euer Spieler kann laufen und hüpfen. Spielt diesen ersten Prototypen nun und fragt euch, ob diese Basis-Mechaniken „Laufen“ und „Hüpfen“ eigentlich Spaß machen? Die Dinge, die der Spieler am häufigsten tut, sollten Spaß machen und sich gut anfühlen. Ein Shooter, in dem das Schießen keinen Spaß macht, wäre doch ein ziemlich schlechtes Spiel, oder nicht? Wenn Mechaniken keinen Spaß machen, dann ändert sie und versucht sie zu optimieren. So knüpft ihr euch iterativ euer Spiel vor und baut es immer weiter aus. Vermutlich ist es auch noch nicht allzu spannend, in einem Level ohne Aufgabe und Ziel herumzuhüpfen. Soll euer Spiel Gegner haben? Ja? Dann baut welche ein. Soll der Spieler diesen Gegnern nur ausweichen können oder kann er gegen sie kämpfen? 

Wenn ihr euch bei solchen Fragen nicht sicher seid, probiert die verschiedenen Varianten aus. Schaut, was sich besser anfühlt und was besser zu eurem Spiel passt. Was fühlt sich mehr nach dem Spiel an, das ihr machen wollt?

Lasst andere euer Spiel spielen

Über verschiedene Iterationen wird euer Spiel immer mehr Gestalt annehmen und irgendwann werdet ihr an einen Punkt kommen, an dem sich das ganze einigermaßen rund anfühlt. Ihr kennt die wichtigsten Mechaniken eures Spiels, der Spieler hat eine Art Aufgabe oder Ziel (es gibt übrigens auch Spiele, die das bewusst vermeiden und den Spieler dazu bringen, sich selbst ein Ziel zu setzen. Zum Beispiel Minecraft) und das Spiel ist spielbar. 

An diesem Punkt angekommen, seid ihr vermutlich schon völlig blind für euer eigenes Spiel. Immerhin wisst ihr genau wie es funktioniert. Ihr wisst, was, wann und warum passieren wird. Damit könnt ihr nicht mehr das beste Urteil darüber treffen, ob euer Spiel überhaupt Spaß macht. Also: Lasst andere das Spiel spielen. Beobachtet sie dabei. Verstehen sie, wie euer Spiel funktioniert? Reagieren sie an bestimmten Stellen so, wie ihr es euch erhofft habt? Fragt sie nach Feedback. Was kann man verbessern? Was macht Spaß? Was macht keinen Spaß?

Diese Rückmeldungen sind für einen Game Designer Gold wert. Denn hier habt ihr Meinungen zu eurem Spiel, die ihr nun in euer Game Design mit einbeziehen könnt.

Formt das Spiel immer weiter

Falls ihr alleine an einem Spiel arbeitet, besteht der Entwicklungsprozess im Grunde aus drei Säulen. Da wäre einmal das Game Design. Also die Regeln, die euer Spiel bestimmen. Dann ist da die technische Säule. Ihr müsst schließlich die Regeln, die ihr euch ausdenkt irgendwie implementieren. Ob ihr dafür Code braucht oder in einem Programm arbeitet, das ohne Code auskommt, ist egal. Und zu guter Letzt steht da die gestalterische Säule. Hier geht es um Grafiken, Sounds und die gesamte Ästhetik eures Spiels. 

Alle drei Säulen sind wichtig und alle wollen beachtet werden. Es ist aber utopisch, dass ihr von Anfang an, allen Säulen dieselbe Beachtung schenken könnt. Dafür bedeuten einfach all diese Bereiche der Spieleentwicklung zu viel Arbeit. In großen Studios gibt es für die verschiedenen Bereiche eigene Teams, die sich dann nur um ganz konkrete Teilaufgaben kümmern. Weil all das sehr viel Zeit braucht und Arbeit macht, habe ich euch ja geraten, zu Beginn eher auf simple Prototypen zu setzen. Baut eure Level erstmal aus einfachen Blöcken und lasst euren Player und andere Charaktere so simpel wie möglich. Konzentriert euch erstmal auf das Game Design und die Umsetzung dessen. Denn gerade die Umsetzung kann manchmal eine Menge Arbeit beanspruchen. Hier müsst ihr Dinge häufig erst verstehen und viel ausprobieren. Wenn ihr das Gefühl habt, euer Spiel technisch einigermaßen umgesetzt zu haben und der Meinung seid, euer Spiel funktioniert gut und macht Spaß, dann könnt ihr es sukzessive ausgestalten. Ihr könnt bessere 3D-Modelle einbauen und eure Charaktere detaillierter darstellen. Ihr könnt eventuell eine bessere UI implementieren und dafür sorgen, dass Farben und Licht aufeinander abgstimmt sind. 

Kommt zum Punkt

Eigentlich gibt es nie diesen einen Punkt, an dem man sagt: “So, jetzt ist mein Spiel fertig!”. Es gibt schließlich immer noch etwas zu verbessern und zu justieren. Ihr werdet aber füher oder später an diesen Punkt kommen müssen. Denn irgendwann sieht man einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und irgendwann machen Verbesserungen ein Spiel auch einfach nicht mehr besser. Deswegen setzt euch unbedingt eine Deadline, zu der ihr fertig sein wollt. Selbst, wenn ihr diese Deadline nicht einhaltet und noch eine Woche dranhängt, habt ihr so einen zetilichen Rahmen gesteckt, der euch hilft, einen Punkt zu machen und mit eurem Spiel fertig zu werden!

Wie entwickelt man ein eigenes Spiel? Die Sache mit dem Programmieren

Muss ich programmieren können, um ein Spiel zu entwickeln? Für den Fall, dass ihr ein analoges oder ein Brettspiel entwickelt, lautet die Antwort: Nein! Für den Fall das ihr ein Computerspiel entwickelt wollt, lautet die Antwort: Vielleicht! 

Das Programmieren schreckt eine Vielzahl von angehenden Game Designern ab. Und ja, es bedarf etwas Einarbeitung, wenn ihr euer Spiel selbst coden wollt. Ihr müsst aber nicht unbedingt. Es gibt eine ganze Reihe von Tools und Programmen, die euch Spiele erstellen lassen, ohne dass ihr eine einzige Zeile Code schreiben müsst. Gerade zu Beginn ist das Super, um sich erstmal auf das Game Design an sich zu konzentrieren. Also zum Beispiel Fragen wie: “Was soll der Spieler erleben?”, “Wie gestalte ich die Welt?” und so weiter. 

Komplexere Spiele werden früher oder später nicht ohne Code auskommen, aber das sollte euch nicht abschrecken. Generell ist es natürlich hilfreich programmieren zu können. Legt euch zu Beginn nicht mehr Steine in den Weg, als nötig. 

Game Engines und Programme ohne Coding

Wie bereits gesagt, müsst ihr nicht unbedingt programmieren können, um ein Spiel selbst zu entwickeln. Es gibt eine ganze Reihe von Tools, Engines und Programmen, die euch helfen ein Spiel zu entwickeln, ganz ohne Programmieren zu müssen. Hier einige Beispiele

RPG Maker

Mit dem RPG Maker (Provisionslink) könnt ihr – wie der Name bereits vermuten lässt – RPGs, also Rollenspiele umsetzen. Zwar müsst ihr euch auch hier etwas einarbeiten, aber ihr kommt ganz gut ohne Coding zurecht. Wer möchte kann den RPG Maker außerdem durch eigene Grafiken und Plugins erweitern und sich so von dem Look anderer RPG-Maker-Spiele abheben.

In diesem Tutorial lernt ihr die Basics des RPG Makers:

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Verfügbar auf: Windows, MacOS und Linux

Kosten: 15-20 Euro

Stencyl

Stencyl ist kostenlos und eine ebenfalls recht simple Game Engine, die auf kleinere 2D-Spiele ausgelegt ist. Man findet sich sehr schnell in ihr zurecht und kleinere Spiele lassen sich damit sehr gut umsetzen. So zum Beispiel Plattformer, Horizontale Shooter oder auch Top-Down-Spiele. Hier könnt ihr fertige oder selbst erstellte Game Assets importieren und diese in euer Spiel einbauen. Die Logik eures Spiels setzt ihr hier entweder mit Code, oder einer visuellen Variante um. 

Hier findet ihr ein gelungenes Tutorial für den Einstieg in Stencyl:

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Verfügbar auf: Windows, MacOS und Linux

Kosten: kostenlos

Boxels

Während der RPG Maker und Stencyl doch noch etwas Einarbeitung erfordern, könnt ihr mit Bloxels eigentlich ziemlich unvermittelt loslegen und eigene Spiele bauen. Das Ganze ist nämlich eher auf Kinder ausgelegt und braucht nicht wirklich viel Einarbeitung. Auch hier seid ihr auf Plattformer und 2D-Spiele beschränkt. Aber besonders, um mit dem Game Design loszulegen, empfiehlt sich Boxels sehr. 

Verfügbar auf: Windows, MacOs, iOS und Android

Kosten: 19,99 Dollar

Game Engines und Programme mit Coding

Neben diesen vergleichsweise simplen Programmen gibt es natürlich auch noch anspruchsvollere Tools. Die wichtigsten sind Unity für 2D- und 3D-Spiele, die Unreal Engine für 3D-Spiele sowie Game Maker für 2D-Spiele. Diese Game Engines werden in der Regel auch von Profis verwendet und erfordern auch sehr viel Einarbeitung. Wenn ihr euer erstes Spiel entwickelt oder euch erstmal auf das Design konzentrieren wollt, seid ihr mit diesen Engines nicht so gut und schnell. Auf lange Sicht ist es aber durchaus sinnvoll sich in mindestens eines dieser Programme einzuarbeiten. Für den Anfang würde ich euch Unity empfehlen, da hier das Interface am simpelsten ist. Solltet ihr jedoch unbedingt grafisch sehr schöne Spiele machen wollen, kann ich eher die Unreal Engine empfehlen. Die ist allerdings sehr viel komplexer und weniger zugänglich. Solltet ihr euch dagegen lediglich auf 2D-Spiele beschränken wollen, fahrt ihr mit dem Game Maker 2D am besten.

In diesem Artikel haben wir uns bereits mit den besten Game Engines für Anfänger beschäftigt. Neben Unity und Unreal Engine findet ihr dort noch ein paar andere Engines, die ihr verwenden könnt. Sowohl mit, als auch ohne Coding. 

Woher bekomme ich Game Assets für mein Spiel?

Neben einer Engine braucht ein Spiel natürlich auch eine Grafik. Sogenannte Game-Assets. Diese Game Assets können beispielsweise euer Charakter, Level-Elemente oder auch die Gegner sein. Je nach Art des Spiels fallen Game Assets größer und komplexer aus. So ist es natürlich etwas einfacher, ein 2D-Asset zu erstellen, als ein 3D-Asset. 

Um für euer eigenes Spiel an solche Game Assets zu kommen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder erstellt ihr sie selbst oder ihr nehmt fertige Assets. Für beide Varianten wollen wir euch hier einige Tipps geben. 

Game Assets selbst erstellen

Solltet ihr mit dem Game Development gerade erst anfangen, würde ich euch davon abraten, die Assets in eurem Spiel selbst zu erstellen. Falls ihr es aber doch unbedingt wollt, baut euer Spiel am besten auf einer simplen Ästhetik auf. Ein gutes Beispiel dafür, dass man auch mit einer simplen Gestaltung ein großartiges Spiel entwickeln kann, ist “Thomas was Alone” von Indie-Entwickler Mike Bithell. Das setzt nur auf verschiedenfarbige Blöcke und erzeugt dennoch eine tolle Stimmung:

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Hier sind einige Programme, mit denen ihr euch selbst einfache Game Assets erstellen könnt.

2D-Assets selbst erstellen

Für ein 2D-Spiel gibt es eine ganze Reihe von guter Software. So könnt ihr hier natürlich Photoshop und Adobe Illustrator benutzen. Aber auch kostenlose Programme wie das Vektorgrafikprogramm Gravit-Designer oder auch Paint lassen sich gut für diesen Zweck verwenden. 

Pixel-Grafik könnt ihr natürlich auch mit Paint oder Photoshop erstellen. Ich kann euch aber außerdem das Programm Aseprite empfehlen. Das wurde eigens für das Pixeln entwickelt und bietet einige sehr praktische Funktionen für Game Assets. So zum Beispiel das animieren von Grafiken oder den Export in ein Sprite Sheet. 

Hier findet ihr ein, wie ich finde, sehr gelungenes Tutorial zur Erstellung von Pixel-Grafiken mit Aseprite: 

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3D-Assets selbst erstellen

Generell würde ich euch davon abraten, als erstes Spiel ein 3D-Spiel zu entwickeln. Das wird nämlich sowohl aus künstlerischer, als auch aus programmiererischer Sicht etwas komplizierter. Dennoch gibt es auch hier eine ganze Menge sehr gute und auch Teils kostenlose Tools, mit denen ihr eure eigenen Assets erstellen könnt. Macht euch hier nur auf eine deutlich steilere Lernkurve gefasst.

So wäre da zum einen Blender. Das Tool ist Open Source und daher kostenlos für jeden Verfügbar. Allerdings ist es trotzdem Industrie-Standard und wird weltweit von 3D-Artist, Indie-Entwicklern und Animatoren benutzt. Blender benötigt zu Beginn jedoch sehr viel Einarbeitung, bis ihr wirklich ansehnliche Modelle erstellen könnt. Um Blender zu lernen, kann ich euch den Kanal Blender Guru empfehlen. Hier findet ihr massenweise gute Tutorials, die ihr beim Schauen durcharbeiten könnt. 

Alternativ könnt ihr auch auf MagicaVoxel setzen. In diesem Programm basiert jedes Modell, dass ihr erstellen könnt auf sogenannten Voxeln – also kleinen Quadern. Der Einstieg in MagicaVoxel ist sehr viel einfacher als in andere 3D-Software. Lest auf jeden Fall mal diesen Artikel zu dem Programm. Dort findet ihr mehr Informationen und einen Einblick darin, was ihr damit für tolle Modelle erstellen könnt. 

Der Unity Asset Store und der UE Marketplace

Natürlich findet ihr online auch eine ganze Menge fertiger Game Assets, die ihr für euer Spiel verwenden könnt. Das sind Modelle, Grafiken, Shader und Materialien, die andere bereits erstellt haben. Es gibt sowohl eine ganze Menge kostenlose, als auch viele kostenpflichtige Game Assets. Nicht immer ist es nötig, Geld zu bezahlen, aber häufig sind bezahlte Assets qualitativ hochwertiger. 

Eine großartige Quelle für kostenlose Game Assets ist beispielsweise der Unity Asset Store. Hier findet ihr unzählige Assets und ganze Asset-Packs. Ihr könnt ihr nach Preis oder Art der Assets filtern und diese ganzen fertigen Materialien und Modelle in euer Spiel einbauen. Dabei gibt es auch eine ganze Reihe von Assets, die Unity selbst herausgibt. Gerade zu Beginn können diese Asset-Packs sehr sinnvoll sein, da sie oft den gesamten Prozess erleichtern und beispielsweise eigens dafür gedacht sind, ein Spiel erst mal zu prototypen – also sehr simpel umzusetzen. So zum Beispiel Snaps – eine Sammlung von Asset Paketen, die das bauen von Leveln stark vereinfacht.

Auch die Unreal Engine verfügt über einen solchen Store. Im Unreal Engine Marketplace findet ihr ebenfalls unzählige Assets und Elemente, die ihr in euer Spiel einbauen könnt. 

Weite Plattformen für Game Assets

Neben den Stores der großen Game Engines, gibt es noch weitere Plattformen, auf denen ihr an fertige Game Assets kommt. Zum Beispiel findet ihr viele 2D-Grafiken, Sprites und Spritesheets auf der Seite Itch.io. Auf der Indie-Plattform stellen Artist und auch Indie-Entwickler ihre Projekte und Spiele online. Das könnt ihr auch mit eurem fertigen Spiel machen und so dafür sorgen, dass andere euer Spiel spielen können. Die Seite Sketchfab dagegen ist eine super Bezugsquelle für 3D-Modelle. Teils sind diese sogar schon animiert. 

Auf beiden Seiten gibt es sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Assets.

Es ist viel Arbeit, aber es lohnt sich

Ihr seht schon: Ein eigenes Spiel zu entwickeln, ist ein ganzes Stück Arbeit. Der Einstieg ist schwierig und ihr werdet ganz sicher Fehler machen und auch mal frustriert sein. Aber bleibt dran! Es lohnt sich wirklich und wenn ihr dann erstmal etwas zustande gebracht habt, fühlt sich das wirklich gut an. Ich hoffe, dieser Guide hilft euch mit den kleinen Startschwierigkeiten und ihr seid nun bereit, loszulegen!


Titelbild von deagreez via stock.adobe.com

Moritz Stoll

kann vieles, aber nichts so richtig. Beschäftigt sich gerne und viel mit Tech und Trara, ist fester Bestandteil der Netzpiloten-Redaktion und moderiert den Netzpiloten-Podcast Tech und Trara. Die (digitale) Welt ist für ihn ein Ort voller Möglichkeiten und spannender Technologien, die man ausprobieren, bearbeiten und hinterfragen kann.


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