Falt-Smartphones – eine Übersicht

Groß, größer, zu groß für die Hosentasche. Der Trend zu immer größer werden Smartphones sorgte bei Kunden und Herstellern irgendwann für Probleme. Handys in Tablet-Größe passen halt irgendwann immer schlechter in die Tasche. Die Lösung bringt ein alter Trend: Klapphandys. Dieses vor allem ab 2000 beliebte Handy-Format soll nun in moderner Falt-Variante die Zukunft des Smartphones sein. Eine kurze Übersicht über den aktuellen Stand der Dinge.

Samsung legt vor – und rudert zurück

Mit dem Samsung Galaxy Fold startete Samsung als erster großer Hersteller in den Falt-Smartphone-Markt ein. Für knapp 2100 Euro ist das teuerste Handy des koreanischen Unternehmens aktuell erhältlich. Im Falt-Zustand sieht das Fold wie ein Standard-Galaxy-Handy aus, mit schmalen OLED-Display und einer etwas kleineren 4,6 Zoll Diagonale. Doch ausgeklappt kommt das Handy auf eine beeindruckende Diagonale von 7,3 Zoll und kann trotzdem noch in die Hosentasche gesteckt werden. Ein weiterer Vorteil: das gefaltete Display ist natürlich um einiges besser geschützt. Gefaltet kann dem Bildschirm kaum etwas passieren. Auch ist das Falt-Smartphone sehr hochwertig gefertigt. Vor allem die Haptik des Scharniers überzeugt aktuelle Tester. Das Gerät lässt sich wunderbar aufklappen, ohne dass man das Gefühl hätte, es würde sofort auseinander fallen.

Dabei war der Start des Folds ein Fehlschlag. Kurz vor Release im April kamen Geschichten verschiedener Tester ans Licht, die über erhebliche Probleme des neuen Geräts berichteten. Unter dem #FoldGate trendeten die Makel bald schon auch auf Twitter. Probleme macht ausgerechnet das neue Feature eines faltbaren Displays. Teils haben Tester versehentlich eine Schutzschicht abgezogen, die sie fälschlicherweise für eine entfernbare Schutzfolie hielten und merkten kurz darauf, dass die Schicht für das Display essenziell wichtig ist. Andere Fälle von teils nur auf einer Hälfte kaputten Displays kamen aber auch trotz vorhandener Schutzschicht zustande. Die überarbeitete Variante des Samsung Galaxy Folds erschien dann im September diesen Jahres. Hier wurde zum Beispiel die obere Schutzschicht vergrößert, damit sie auf jeden Fall als integraler Bestandteil des Displays erkennbar ist.

Samsung Galaxy Fold
Image by Samsung

Die Konkurrenz: das Huwaei Mate X

Der größte Rivale ist dabei definitiv das Huawei Mate X des chinesischen Herstellers, der in den vergangenen Jahren immer wichtiger auf dem Markt wird. Anders als das Fold, lässt sich das Falt-Smartphone nach außen knicken, wodurch der Schutzfaktor natürlich etwas verloren geht. Dafür zieht das Mate X in Sachen Bildschirmdiagonale vorbei: stolze 8 Zoll ist der Full-HD-Bildschirm groß. Faltet man das „Phablet“ zusammen, kommt die Vorderseite auf 6,6 Zoll Diagonale. Auch das ist für ein „normales“ Smartphone relativ groß. Der „Falcon Wing“ getaufte Klapp-Mechanismus soll Technologie und Ästhetik auf einen gemeinsamen Nenner bringen. Aufgeklappt ist das Display 5,4 mm dünn, zusammengeklappt bringt es das Mate X auf 11 mm. Auch ein lückenloses 5G-Signal ist durch die eingebaute Antenne gegeben. Auch die für Huawei obligatorische Leica-Kamera schießt gute Bilder. Das Gesamtpaket ist dann für 2.300 Euro zu haben. Damit ist das Huawei Mate X das teuerste Smartphone der Welt.

Auch hinter dem Display lässt Huawei sich nicht lumpen. Mit dem Ziel die Tür zum Smart Living zu öffnen, kommt das Huawei Mate X bereits mit 5G auf den Markt. Der neue Mobil-Standard kann also kommen. Das im Januar erst vorgestellte Balong-5000 5G-Modem wird zusammen mit einem leistungsstarken Kirin 980 verknüpft.

Damit dieses Powerhouse auch genug Saft hat, setzt der chinesische Hersteller auf einen zweigeteilten Akku – einen je Displayhälfte. Zusammen bringt es der Akku auf eine stolze Kapazität von 4.500mAh. Mit Huawei Super Charge braucht der Akku lediglich 30 Minuten, um wieder auf 85 Prozent zu laden.

Huawei Mate X by Kārlis Dambrāns via flikr.com (CC BY 2.0).
Das Huawei Mate X macht dem Samsung Galaxy Fold Konkurrenz. Image by Kārlis Dambrāns via flikr.com (CC BY 2.0)

Die ersten Falt-Smartphones

Das ZTE Axon M war das erste erhältliche Smartphone, welches sich dem Falt-Konzept annäherte. Das klobige Gerät des chinesischen Herstellers bot als erstes Gerät ein Smartphone mit Dual-Screen, ein bisschen, wie beim Nintendo DS. Falten ließ sich das Gerät aber nicht, dafür aber klappen.

Das erste echte faltbare Smartphone erschien bereits 2018 und wurde von keinem großen Hersteller produziert. Die Display-Marke Royole verkauft ihr Flexpai für einem Prei von 1150 Euro. Das eher bieg- als faltbare Mobiltelefon bietet im Tablet-Modus ein 7,8 Zoll großes AMOLED-Display mit einer Full-HD-Auflösung von 1.440 x 1.920 Pixeln. Im zusammengeklappten Zustand besitzt das vorderseitige, größte Smartphone-Display ein 16:9-Format, während das zweite Display durch die verbaute Kamera eine vergleichsweise große Gehäuse-Fläche und ein entsprechend dünnes 18:9-Format vorweisen kann.

Große Probleme macht vor allem die Performance des Telefons. Denn trotz möglicher High-End-Hardware hat das Royole FlexPai spürbare Probleme damit, zwischen Tablet- und Handy-Modus zu wechseln. Die Umstellung dauert teilweise mehrere Sekunden. Außerdem laden und schließen Apps unerträglich langsam. Ähnliche Verzögerungen finden sich auch bei der Kamera und anderen Systemfunktionen wieder. Auch in der Verarbeitung lässt das Telefon zu wünschen übrig.

Falt-Smartphones für Nostalgiker: das Motorola Razr

Auch Motorola steigt im kommenden Jahr in den Fold-Smartphone-Markt mit ein. Ihr erstes Gerät Razr setzt voll auf die Nostalgie-Schiene. Es sieht aus, wie das klassische Razr-Klapphandy, das sich Anfang der 2000er wie warme Semmeln verkaufte.

Anders als Samsung und Huawei löst sich Motorola dabei quasi zwangsläufig vom aktuell üblichen Smartphone-Design. Das neue Razr hat außen ein geradezu winzig anmutendes 2,7-Zoll-Bildschirmchen. Aufgeklappt entfaltet sich innen aber ein 6,2 Zoll großes Flex-Display mit 2142 x 876 Pixeln Auflösung, was einem Bildseitenverhältnis von 21:9 entspricht, so wie im Kino. Anders als etwa bei Samsung Galaxy Fold 5G wird man also beim Filmegucken keine dicken schwarzen Balken ober- und unterhalb des Displays sehen.

Das LG G8X ThinQ

Auch der südkoreanische Hersteller LG stieg in diesem Jahr mit in den Falt-Handy-Markt ein. Das neue Flaggschiff des Unternehmens trägt den Namen G8X ThinQ und besteht ebenfalls nicht aus einem faltbaren, sondern zwei verbundenen Bildschirmen. Das Handy besteht eigentlich aus einem autarken Gerät, kann aber mit einer Hülle und einem zweiten Gerät erweitert werden.

Der sekundäre Bildschirm wird über USB-C mit Hilfe von Federkontaktstiften verbunden. Es hat die gleiche Größe wie das primäre Display, sodass es wie ein eingespieltes Paar aussieht. Das Scharnier ist stark verbessert und bietet volle 360 Grad Neigungsfreiheit bei guter Robustheit. Auf der Außenseite befindet sich ein kleiner 2,1 Zoll Bildschirm, auf dem Sie schnell einen Blick auf die Uhrzeit oder Ihre Benachrichtigungen werden können.

Die große Krux des Faltens

Die Idee des Falt-Smartphones, zum formen und biegen, ist noch nicht ganz ausgereift. Probleme macht bei der aktuellen Herstellung vor allem ausgerechnet das ständige Falten. Im normalen Alltag nimmt man sein Smartphone 30 bis 50 Mal pro Tag in die Hand. Wenn man jeden Tag sein Handy 50 Mal auf und zu klappt, bleiben die Verbrauchsspuren nicht aus. Außerdem sollen ja keine sichtbaren Kick – und Faltstellen auftreten und das Gerät nicht womöglich einfach auseinanderbrechen. Doch bis die Technik so weit und die Falt-Handys im Preis erschwinglich sind, dauert es noch ein paar Jahre.

Aber was macht Apple in Bezug auf Falthandys? Bisher noch nicht viel. Apple meldet bereits zahlreiche Patente zum mutmaßlichen iPhone X Fold an und die Gerüchteküche sorgt für mächtig Stoff: Interessante Spekulationen, Render-Bilder und Videos kursieren im Netz, die ein beeindruckendes Design und futuristische Features des potenziellen faltbaren iPhones zeigen. Ob Apple einmal mehr die Technik auf ein neues Level bringen kann, wird sich zeigen.


Beitragsbild von Marco Verch via flikr.com (Creative Commons 2.0).

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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