Facebooks Zukunft: Not macht erfinderisch

Facebook bestimmt derzeit mal wieder die Titelzeilen der Onlinemedien. Der Kauf von Instagram, der zur Milliardeninvestition wurde und ein verpatzter Börsengang stellen geneigte Glaskugel-Leser vor großen Rätseln. Wie stehen die Zeichen denn nun? Wird der miserable Börsengang der Anfang vom Ende sein? Und wird Facebook weitere große Investitionen wagen? Oder werden Aktionäre der Ausgabenflut ein jähes Ende setzen? Not macht erfinderisch und so lesen wir derzeit von drei großen Zukunftsvisionen.

Der Weg zum Global Player

Facebooks Erfolg beruht, zumindest wenn es nach Mark Zuckerberg persönlich ginge, auf nur einer Komponente: die Nutzerzahlen. Nicht zuletzt seit dem Börsengang zählt seine eigene Meinung allerdings nicht mehr ganz so viel. Während die Anzahl neuer Profile in die Höhe schießt, stagniert der Gewinn des sozialen Netzwerkes auf immer schlechtere Werte. Zuckerberg war dies schon immer egal. Es ginge dem ehemaligen Harvard-Studenten nie darum Rekordumsätze zu generieren, sondern vielmehr darum sein Produkt, technisch zugunsten der Nutzererfahrung, weiterzuentwickeln.

Darum geht ohne Facebook auch kaum noch was. Es ist ein fester Bestandteil unseres digitalen Lebens geworden und darauf verzichten möchte, bis auf wenige Ausnahmen, keiner mehr. Das was Facebook konnte, hat es gemacht. Der digitale soziale Austausch, die Einbindung interessanter Inhalte und die Möglichkeit zu erfahren, womit sich der Freund am anderen Ende der Welt so beschäftigt, gehören zu den revolutionären Vorstößen, die die Plattform zum Innovationstreiber machte.

Doch der große Wachstum und der steigende Einfluss in Wirtschaft und Technik machte Facebook am Ende nunmehr zum Global Player, der zu funktionieren hat und der liefern muss, um jeden Preis. Um seinen Marktwert zu erhalten und weiter eine tragende Säule im Internetbusiness zu bleiben hat Facebook Wege eingeschlagen, die derzeit auf dem Prüfstand stehen. Ob diese dafür sorgen, dass das Konzept – mobile Anzeige zu verkaufen – den ersehnten Erfolg bringen werden, ist fraglich.

Facebook wird zur Suchmaschine

Wenn Facebook derzeit etwas schlecht macht, dann sind es die Suchfunktionen innerhalb der Plattform. Nutzt man die Suche, so findet man zwar Profile, Seiten und Anwendungen, doch was Inhalte angeht, so tut sich das soziale Netzwerk schwer. Ein großer Fehler, wenn man beachtet, dass Millionen von Links pro Tag von den Usern und den Seitenbetreibern in den Facebook-Kosmos hinausgegeben werden. Nicht zuletzt auch durch die Automatisierung in Form des Frictionless Sharings. Facebook benötigt von der Sache nicht mal Crawler, die die Webseiten im Web durchsuchen. Der Nutzer übernimmt die Aufgabe.

Durch eine verbesserte Suche innerhalb der eigenen Sphäre, würde es Facebook leicht haben, zu den Ergebnissen auch eine passende Anzeige daneben zu platzieren. Das Google-Modell innerhalb des sozialen Netzwerkes hätte meiner Meinung nach Potential. Auch Martin Weigert bemerkt in seinem Artikel „Warum Facebook eine Suchmaschine starten sollte“, den Nutzen und stellt klar, dass die Suchwortvermarktung eine „ultimative, relativ krisenfeste Cash-Cow“ ist.

Facebook wird zum Hardware-Hersteller

Außerdem geht die Mär vom Facebook-Phone um. Und diese Mär, beruht darauf dass angeblich ausrangierte Apple-Entwickler von Facebook engagiert worden, um dem sozialen Netzwerk ein Smartphone zu bauen. Der Grund besteht darin, dass Zuckerberg anscheinend Angst hat, nur zur App für andere mobile Plattformen zu werden. Ob das Grund genug ist, sich auf einem der wohl härtesten Märkte der Welt zu stürzen, bleibt vorerst offen. Zumindest gibt Zuckerberg selbst keine Aufschlüsse, aber auch Dementis finden sich nicht.

Dafür aber jede Menge Gerüchte, die von Mitarbeitern gestreut werden. So berichtete der Bits-Blog, der New York Times vor einigen Tagen etwas ausführlicher darüber:

„Employees of Facebook and several engineers who have been sought out by recruiters there, as well as people briefed on Facebook’s plans, say the company hopes to release its own smartphone by next year. These people spoke only on the condition of anonymity for fear of jeopardizing their employment or relationships with Facebook.“

Ein Facebook-Phone im kommenden Jahr? Das wäre meiner Meinung etwas sehr ehrgeizig. Obgleich Gerüchte dieser Art schon lange existieren und der soziale Riese sicherlich einen Plan dafür in der Schublade hat. Doch diese Abteilung neu aufzubauen und sie funktionsfähig zu machen, passiert nicht über Nacht. Und des Weiteren hat Zuckberg derart große Investitionen eigentlich nicht mehr vorgehabt, wie er nach seinem Instagram-Deal behauptete. Eine Facebook-Phone halte ich für möglich, allerdings nicht im nächsten Jahr und nicht Hals über Kopf.

Facebook wird zum Browser

Einen eigenen Browser zu liefern, dürfte wohl die machbarste Option dieser drei Zukunftsvisionen sein. Und Anlass zur Diskussion lieferten Meldungen darüber, dass Facebook an Opera interessiert ist. Doch was will Facebook mit dem Produkt? Natürlich kann das Unternehmen durch einen hauseigenen Browser mehr Daten über seine Nutzer sammeln. Durch das Surfverhalten. Doch ist die Erhebung von Daten bei Facebook ja eigentlich nicht das Problem, sondern vielmehr die Verarbeitung und die Ausgabe dieser in Form relevanter Anzeigen, die zudem Verkäufe generieren.

Glaubt man Meldungen wie denen von Reuters so wäre diese Investition eine weitere Milliarden-Entscheidung. Doch ist Zuckerberg bereit dafür? Und würdet Ihr dieses Produkt nutzen?

Facebook- und Rockmelt-Entwickler haben sich unlängst vor einem Jahr zusammengetan und einen Facebook-Browser auf Chrome-Basis entwickelt, der in Form einer Anwendung, einen geradezu tollen Mehrwert für geneigte Facebook-Nutzer leistet. Integrierte RSS-Reader, verbesserte Sharing-Möglickeiten und eine Tool-Bar, die den Chat ausmachen, sorgen dafür dass die Facebook-Infrastruktur, einem auf jeder x-beliebigen, angesurften Seite zur Verfügung stehen. Ich selber nutze diese Browser-Applikation gerne. Doch ist die Anzahl der User weltweit so irrelevant, dass man kaum noch davon in der Presse liest. Ein zweiter Versuch könnte dem Abhilfe leisten.

Potential ja oder nein?

Was denkt Ihr über diese Gerüchte? Browser, Suchmaschine oder doch Smartphone? Ich halte alles für möglich jedoch glaube ich, dass man für all diese Investitionen eine Menge Geld in die Hand nehmen muss. Eine Entscheidung die Mark Zuckerberg nie besonders schwer fiel, jedoch nun durch die Verpflichtung gegenüber seinen Aktionären, sicherlich auf Zustimmung und einer Art von Absegnung stoßen muss. Der Börsengang brachte Facebook viel frisches Geld, aber kostet auch die Eigenständigkeit.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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1 comment

  1. Der Börsengang hat bislang nur kurzweilig Geld eingebracht bei den Alt-eingesessenen, die sich schon vorher damit „eindecken“ konnten. Davon wurde mal wieder eine Übernahme finanziert.Alles in allem ist es aber kein Erfolg, sondern ein Imageschaden geworden mit der Aktie, da sie stetig fällt entgegen aller Wünsche & Versprechungen- da ein heillos überschätzter Wert eines Unternehmens vorherrschte, bei dem nicht viel dahinter steckt. Auch eine Kunst- auf dem Rücken der User & den armen Seelen ausgetragen, die Aktien kauften & jetzt im Minus stehen.

    Facebook kauft so ziemlich alles auf- ohne dabei so recht positioniert zu sein. Mir fehlt ganz ehrlich ein Konzept, was das ganze „rund“ macht. Bei Google ist es klar: Suchmaschine plus vieler nutzvoller (auch aufgekaufter) Tools. Den Jahresgewinn von Facebook macht Google in einem Monat & Fb sollte sich langsam wirklich Gedanken machen, wie lange die User den Datenraub (über das sich das ganze Konstrukt finanziert) noch länger mitmachen…

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