die besten deutschsprachigen Film-Podcasts

Nach einem langen Jahr der Entbehrungen sind die Kinos in Deutschland nun endlich wieder für das Publikum geöffnet. Nun überschlagen sich allerdings die Releases und beinahe jede Woche löst ein Blockbuster den Nächsten ab. Kinojunkies kommen dadurch natürlich auf ihre Kosten. Ob Action, Horror, Drama, Oscarpreisträger, Fantasy oder Comedy. Jedes Genre ist momentan auf der großen Leinwand zu sehen. Doch wer keine Dauerkarten besitzt, könnte ob des Angebots etwas überfordert sein. Um trotzdem zu gewährleisten, dass keine Perle unter diesem Haufen verloren geht, solltet ihr überlegen, euch anderweitig informiert zu halten. Denn dann kann man abwägen, was am besten zum eigenen Geschmack passt. Oder man erfährt, ob man auf das Heimrelease warten kann oder welchen Film man unbedingt im Kino erleben muss. Was könnte es dafür nur Besseres geben als eine wöchentliche Besprechung der aktuellsten Releases und neuesten Produktionen? Die magische Losung für Interessierte heißt in diesem Fall Film-Podcasts.

Mit ihnen bleibt man immer auf dem Laufenden über aktuelle Kinofilme und kann sich ein Bild machen, welcher Podcast denn meinem Sehverhalten und Geschmack am nächsten kommt. Dadurch wird eine Empfehlung aus dieser Quelle mehr wert als generelles Pressefeedback und man kann die Erwartungshaltung entsprechend anpassen – ein wichtiger Faktor bei Kinovorstellungen. Daher bekommt ihr hier nun eine umfassende Übersicht über die aktuellsten und besten deutschsprachigen Film-Podcasts. Vielleicht findet ihr ja ein zukünftiges Filmorakel nach eurem Geschmack.

Falls ihr danach angefixt seid, dann schaut euch auf jeden Fall auch unsere Liste der beste True Crime Podcasts an. Außerdem haben wir kürzlich auch die aktuelle Situation des Kinos in Anbetracht der Streaming-Konkurrenz analysiert.

CUTS – der kritische Film-Podcast/ ehemals SHOTS

Den Anfang macht CUTS. Früher unter dem Namen SHOTS bekannt, ist CUTS eine Weiterführung des beliebten Film-Podcasts von Christian Eichler. In der Regel handelt es sich um das klassische Ein-Film-pro-Folge-Format. Vor allem Highlightfilme eines Jahres oder die großen Blockbuster werden genauer unter die Lupe genommen. Christian hat dabei oft Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen aus der Medienwelt. CUTS besticht durch etliche Rubriken mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Eine beliebte Rubrik sind die Classics, wo die Klassiker der Filmgeschichte besprochen werden. Das kann „Alien“ sein, oder „E.T.“ oder was euch sonst noch unter dem Begriff einfällt, jeder hat da eigene Schätze. Dann gibt es Sonderfolgen über Videospiele, sowie Spezialfolgen zu großen Filmfestivals wie Cannes, Berlinale oder Venedig. Sehr cool, finden wir, da einzigartig in der Podcast-Landschaft.

Was die Veröffentlichung betrifft, so ist CUTS etwas unzuverlässig und unregelmäßig. Im Durchschnitt solltet ihr aber jede Woche eine neue Folge bekommen. Deren Länge kann dann stark variieren, von sehr kurz bis sehr lang, aber im Mittel gehen sie 60 Minuten. Bei CUTS ist eigentlich alles dabei, nur das kann einem Podcast auch ins eigene Fleisch schneiden. Zu viele Rubriken können verwirren und neue Hörer*Innen abschrecken. Trotzdem bekommt ihr mit CUTS einen guten Allrounder, der sowohl Klassiker bespricht, als auch neue Kinostarts, Geheimtipps und vieles mehr.

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Empfohlene Folge: Once Upon a Time in Hollywood – Hat Tarantino noch was zu melden?

Kino+

Das Marvel unter den Film-Podcasts, zumindest was Beliebtheit und Größe angeht. Und eigentlich kein „echter“ Podcast, immerhin handelt es sich hier nur um die Audiospur der gleichnamigen Sendung. Trotzdem ist die Podcast-Variante ebenfalls großartig für Kino- und Filmfans, die gerade unterwegs lieber die datensparende Variante bevorzugen. Gastgeber Daniel Schröckert ist der Fachmann für Filme, allein sein Letterboxd umfasst über 5000 Filme. Er kennt wirklich jeden noch so nischigen Streifen. Darüber hinaus ist er grundsympathisch und stets an seinen Gästen und deren Meinung interessiert. Wöchentlich sitzt er mit unterschiedlicher Besetzung auf seiner Couch, bespricht dabei, was seine Gäste als Letztes gesehen haben und geht auf News und Updates zu Hollywood, Deutschland und internationalen Filmmeldungen ein.

Als Zuschauer*In geht man immer etwas schlauer aus der Sendung oder dem Podcast heraus, ohne gelangweilt zu sein. Denn Schröckert und seine Gäste bieten jede Folge hörenswerte Gespräche über altbekanntes, nagelneues und alles dazwischen an. Daneben gibt es seltener Gäste wie Steven Gätjen oder Oliver Kalkofe, die alle durch ihre Filmliebe miteinander verbunden sind. Wer im Bilde sein will und eine gute Mischung aus Nische und Mainstream sucht, dem ist Kino+ nur zu empfehlen.

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Empfohlene Folge: Monsterhaftes Kino+ Spezial | Godzilla vs. Kong

Kino oder Couch

Natürlich darf ein Interview-Format in dieser Liste der besten Film-Podcasts nicht fehlen. Und wer wäre besser geeignet, den Stars auf den Zahn zu fühlen, als „unser Mann in Hollywood“ Steven Gätjen. Der hat sich mit seinem Podcast ein Liebhaberprojekt realisiert und widmet sich darin voll und ganz seiner Leidenschaft Film. Und besonders gerne teilt er seine Liebe dafür mit anderen Menschen, die ähnlich denken. Ob Hollywood-Stars, Musiker*Innen, Schauspieler*Innen oder Personen, die in ihrem Beruf wenig oder nichts mit Film zu tun haben. Steven spricht voller Hingabe mit Ihnen über deren liebste Filme, über die titelgebende Frage Kino oder Couch oder über Lebensweisheiten.

Wer reinhört, sollte Interesse am Gast mitbringen, da die Fragen an sich in jedem Interview gleich sind. Trotzdem sind die Antworten spannend und jeder Gast bekommt Stevens volle Aufmerksamkeit. Durch seine sympathische und immer freudige Ausstrahlung schafft es Steven, aus jedem Gast noch einen Funken mehr Elan herauszuholen und so ein dynamisches Gespräch zu entwickeln. Wer etwas dazulernen möchte, der könnte bei den Gästen ohne spezifischen Filmhintergrund etwas enttäuscht sein. Dann lieber die Folgen mit Branchenkenner*Innen anhören. Alles in allem ein schöner Film-Podcast mit Fokus auf einzelne Gäste und deren Beziehung zu Kino.

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Empfohlene Folge: Olli Schulz – Statt nen Porsche hab ich mir nen großen Fernseher gekauft

WIMAF

Ein wahrer Schatz auf dem deutschen Film-Podcast Markt ist „Wiedersehen macht Freude“. Hier sind der ehemalige Viva-Moderator Nils Bockelberg und seine Ehefrau Maria Lorenz-Bockelberg (die bei uns selbst auch bereits Podcast-Empfehlungen gegeben hat) die Hauptrollen. In jeder Folge sprechen die beiden über einen einzelnen Film, den sie gemeinsam vorab gesichtet haben. Im Anschluss reden sie dann über ihre Notizen. Nun wird der Film chronologisch besprochen – und das nicht zu wenig. Beide finden immer witzige Details und ihnen fällt jede Ungereimtheit sofort auf, diese werden dann auch gnadenlos als Witzematerial missbraucht. Es hilft als Zuhörer*In also ungemein, den Film selbst gesehen zu haben, im Optimalfall kurz vorm Hören. Spoiler sind selbstverständlich und gehören zum Podcast dazu. Wenn man sich darauf einlassen kann, dann bietet WIMAF enormes Hörvergnügen. Besonders Folgen mit Gästen können noch eine Schippe drauflegen, da dadurch die Dynamik um eine dritte Person erweitert wird, was alle Beteiligten noch mehr beflügelt und den Entertainment-Faktor potenziert.

Seit diesem Jahr hat sich das Konzept leider etwas verändert. Jetzt ist kein einzelner Film oder eine Reihe mehr im Fokus, sondern mehrere aktuelle Produktionen. Das verlagert das Interesse natürlich etwas, stellt aber dennoch die übliche Energie des Paares in den Mittelpunkt der Aufzeichnung. Und die sollte man mögen, denn bis die beiden schlussendlich beim Thema angelangt sind, können einige Minuten ins Land ziehen. Fans der beiden kommen immer noch auf ihre Kosten, doch es gibt einen Wehrmutstropfen: WIMAF ist schon seit April in der Pause. Wir ballen daher die Fäuste für ein Halleluja und hoffen, die beiden bald wieder auf den Ohren begrüßen zu dürfen.

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Empfohlene Folge: Anja Rützel & Friedhof der Kuscheltiere

Zwei wie Pech und Schwafel

Wer oft auf YouTube unterwegs ist, könnte Robert Hofmann und David Hain kennen. Oder ihre Channels „DVDKritik“ und „BeHaind“. Das Duo aus Filmkritiker und Content-Creator ist erst seit diesem Jahr im Bereich Film-Podcasts unterwegs, aber schon jetzt wollen wir ihre wöchentliche Meinung nicht mehr missen. Denn die geben sie oft zum Besten, aber nicht etwa auf eine unsympathische Weise. Eher sind sie überzeugt von ihren Worten und können das auch anschaulich vermitteln, während sie über aktuelle Kinostarts diskutieren. David hat dabei meistens die kritischere Haltung, doch eine selbstbewusste Kritik ist momentan irgendwie interessanter und unterhaltsamer anzuhören als das übliche „Geschmäcker sind verschieden“-Gerede. Robert ist dann der muntere Ruhepol, der David öfters wieder beruhigt, wenn er in einer Schimpftirade versinkt. Abseits davon bietet sich der Film-Podcast jeden Donnerstag gut als News-Update und Review-Kanal an, falls ihr mal ein oder zwei recht qualifizierte Meinungen zu einem Film hören möchtet.

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Empfohlene Folge: Episode 22 – Vom blauen Engel zur Black Widow – Frauen im Film

GenreGeschehen

GenreGeschehen ist Nerd-Talk pur. Hier steht allein eins im Mittelpunkt: Filme. Keine Gäste, keine Rubriken, kein Hauptthema – nur drei Männer, die täglich Filme für ihre Arbeit schauen und anschließend darüber reden. Leidenschaft wird hier nämlich großgeschrieben. Tino Hahn, André Hecker und erneut Daniel Schröckert heißen die drei Macher. Allesamt haben sie beruflich mit der Rezeption von Filmen zu tun und müssen daher bestens informiert sein. Und dieses Wissen geben sie oft brühwarm an die Zuschauer*Innen weiter. Wie der Titel schon andeutet, stehen hier nicht nur Marvel und der neueste Action-Blockbuster im Fokus. Vielmehr wird dem Genrekino eine Bühne bereitet, auf der sich die drei grazil bewegen können. Denn sie alle haben eine Leidenschaft für Autoren- und Arthousekino, was man ihnen deutlich anhört. Dadurch sind die Diskussionen sehr lebhaft, aber trotzdem sachlich und gehaltvoll. Als Zuhörer*In kann man sich neben so viel geballtem Filmwissen manchmal recht klein vorkommen.

Daher gehört er nicht zu den Film-Podcasts, die man uneingeschränkt empfehlen kann. Dafür ist er zu Special Interest. Aber wenn ihr unsere anderen besten Film-Podcasts fertig habt, solltet ihr GenreGeschehen unbedingt ausprobieren. Es eignet sich für alle, die gern tiefer in die Materie Film einsteigen möchten und sich für andere Meinungen interessieren.

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Empfohlene Folge: Lore statt Gore

Eine Stunde Film – Deutschlandfunk Nova

Was bisher auf dieser Liste der besten Film-Podcasts fehlt, ist beschreibend und traurig zugleich. Bisher ist nämlich der deutsche Film recht unterrepräsentiert. Dies hat diverse Gründe, aber unter anderem sind viele Film-Liebhaber*Innen nicht unbedingt die größten Fans der nationalen Filmindustrie. Doch das dahinter ein altes Vorurteil liegt, will Eine Stunde Film unter Beweis stellen. Zwar redet der Host Tom Westerholt auch über internationale Erfolge, doch der deutsche Film- und Fernsehmarkt ist besonders vertreten. Das mag dem Rundfunkbeitrag geschuldet sein. Dies merkt man auch im Programm, denn Funk- oder ÖRF-Produktionen werden häufig besprochen. Was den Podcast besonders macht, sind die teils hochkarätigen Interview-Gäste aus Hollywood und der ganzen Welt. Leider ähneln diese Gespräche oft einem dieser leidigen Presse-Interviews mit Schauspieler*Innen während der Promo-Tour für einen Film. Daher kommt es etwas oberflächlich daher, unterhält aber dennoch. Jeden Dienstag kommt eine Folge, die sich zwischen 30 und 50 Minuten Laufzeit bewegt.

Die Nähe zu deutschen Produktionen hat hier auch weitere Vorteile. Denn in vielen Spezialfolgen geht der Podcast auf die Abläufe hinter der Kamera ein. Dann steht ein/e Synchronsprecher*In im Mittelpunkt, oder ein/e Szenenbildner*In. Da lernt man dann einiges, was vor der Linse geschieht, mit anderen Augen zu betrachten. Was man dem Podcast leider anmerkt, ist die Zeit seiner Veröffentlichung. Denn ein Großteil der Folgen wurde während Corona produziert und da war bekanntlich nicht viel los im Kino. Macht aber nichts, Deutschlandfunk Nova hat es dennoch geschafft, einen tollen Podcast über Filme zu erschaffen. Wer sich für deutsche Produktionen interessiert, muss Eine Stunde Film hören.

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Empfohlene Folge: Filmtitel – Wie aus „13 Reasons Why“ bei uns „Tote Mädchen lügen nicht“ wird


Image by starlineart via Adobe.Stock

Lennart Brauer

Lennart Brauer kann - nach eigener Aussage - von allem ein bisschen, aber nichts so richtig und versucht deshalb, immer genug dazuzulernen, um über diesen Fakt hinwegzutäuschen. In den letzten Jahren aktiv als Student unterwegs, ist er nun bereit, sein Spektrum zu erweitern und sich bei Netzpiloten als Redakteur zu beweisen. Dabei kann er mit ausgezeichnetem Halbwissen in den Bereichen Film, Serien, Games, Geschichte und Politik glänzen und solange niemand zu viel nachfragt, wird dieser Status auch erst einmal unverändert bleiben.


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