Zeitgeist Technik: Was ist eigentlich mit Ebay los?

Irgendwie ist eBay doch jedem ein Begriff. Wer die Plattform noch nicht genutzt hat, der hat zumindest davon schon einmal gehört: Einer der größten Marktplätze im weltweiten Internet. Bereits seit 1995 kann man auf dieser Plattform alte, neue oder gebrauchte Artikel verkaufen und kaufen, sofort kaufen oder vielleicht auch nur zum Spaß dafür bieten – auf dieser großen Auktionsplattform ist vieles möglich. Weltweit hat eBay inzwischen 164 Millionen aktive Käufer.

Seit dem Start kann die Auktionsplattform eine Menge Meilensteine vorweisen, wie beispielsweise im Jahre 2003: eBay steht auf Platz acht der Fortune-Liste, der am schnellsten wachsenden Unternehmen. Oder zum zehnten Geburtstag des deutschen eBay-Marktes – seitdem hat es 4,4 Milliarden abgegebene Gebote und 1,1 Milliarden verkaufte Artikel gegeben. Natürlich gab es im Laufe der Zeit auch ein paar äußerst kuriose Auktionen, wie zum Beispiel den Verkauf eines halben 20 Euro-Scheins für nur 8,25 Euro (ein echtes Schnäppchen!) oder das Auto des damaligen Papstes. Wäre ja auch irgendwie langweilig, wenn sich manche Menschen nichts Verrücktes einfallen lassen würden.

Konkurrenz lauert überall

eBay ist scheinbar ein stetig wachsendes Unternehmen, was Jahr für Jahr lauter kleine Erfolge feiert. Aber wie wird das Ganze eigentlich in Zukunft aussehen? Immerhin ist eBay schon seit einigen Jahren nicht mehr allein auf dem Onlinemarkt und hat zunehmend mit Konkurrenz zu kämpfen. Anbieter wie Amazon, Fairmondo oder Shpock setzen vieles daran, günstiger und einfacher als eBay zu sein. Und so wie ich das in letzter Zeit wahrgenommen habe, ist es um eBay ganz schön ruhig geworden.

Deshalb habe ich mich mal wieder durch die Weiten der Plattform geklickt. Wie mir aber aufgefallen ist, hatte ich mich schon gefühlte hundert Jahre nicht auf dem Portal herumgetrieben. Vieles hat sich verändert. Neben der Aufmachung auch die Art, wie die Ware präsentiert wird – das gefällt mir.

eBay Shop Screenshot (Image by eBay)
eBay Shop (Image: Screenshot by eBay)

Keine Spur mehr von selbstgeknipsten, schlecht beleuchteten Fotos von Dachbodenfunden – die Seite wirkt gar nicht mehr so sehr wie eine Trödel-Plattform, bei der jeder sein Zeugs loswerden möchte. Im Gegenteil: Bei fast jedem Treffer stoße ich auf eine zeitgemäße, moderne Aufmachung mit noch moderneren Artikeln, die zudem teilweise mit kleinen Werbeteasern versehen sind.

eBay Startseite Screenshot (Image by eBay)
eBay Startseite (Image: Screenshot by eBay)

Ich habe zwar selber auch schon mal etwas auf eBay verkauft oder auch eingekauft (na gut, im Verhältnis habe ich sehr viel öfter selbst eingekauft) und war auch immer zufrieden – bis schließlich Amazon kam. Irgendwann habe ich das erste Mal bei Amazon herumgestöbert und schon hatte ich ein Nutzerkonto, das sich bequem mit meinem Bankkonto verbinden ließ – eine Entwicklung, mit der sich eBay noch heute schwer tut. Die Waren, die bald nicht mehr nur aus gebrauchten Büchern bestanden, waren nur noch einen Klick entfernt. Noch ein bisschen später und ich habe was völlig Neues entdeckt: die Tausch- und Sammelgruppen bei Facebook.

Online-Flohmärkte, die sich unterschwellig entwickeln

Der Marktführer Facebook stellt derzeit eine große Gefahr für eBay dar. Dass man auf Facebook verschiedenste Gruppen für die unterschiedlichsten Zwecke gründen kann, ist ja nichts Neues mehr. Genauer betrachtet bin ich auch in unzähligen Gruppen zu finden, die nicht wirklich nützlich, aber einfach in Vergessenheit geraten sind. Allerdings stechen immer öfter die Facebook-Flohmarkt-Gruppen ins Auge, die den eBay-Kleinanzeigen ziemlich ähneln. Diese gibt es in so vielen Ausführungen, dass man sie kaum noch zählen kann. Ich bin in einigen Gruppen aus meiner Umgebung angemeldet und bekomme regelmäßig – ja eigentlich mehrmals täglich Nachrichten, dass Herr X. oder Frau Y. aus Z. mal wieder etwas zum Verkauf reingesetzt hat.

Was ich persönlich an dem Ganzen sehr praktisch finde, ist, dass meine Freunde und Familie direkt sehen können, wenn ich etwas verkaufe – vorausgesetzt natürlich, sie befinden sich in derselben Gruppe. Sind die Gruppen aber nicht „geheim“ oder „geschlossen“ sondern „öffentlich“, können sie auch so mitbekommen, wenn ich etwas verkaufen möchte – ziemlich praktisch eigentlich. Kennt man sich untereinander, dann spricht sich so ein Artikel gleich viel schneller rum unter all den bekannten Menschen.

Bei eBay ist das schon schwieriger. Hier treffe ich viel weniger Freunde und Familie, Bekannte oder entfernte Verwandte – eigentlich treffe ich kaum jemanden. Zwar ist eBay deutlich größer, allerdings kann Facebook fast zehn Mal so viele Nutzer wie Ebay vorweisen. Und seit letztem Jahr, hat Facebook nun auch die Kleinanzeigen-Funktion für Flohmarkt-Gruppen. Die Furcht, dass Facebook vielleicht mal mit seinen Flohmarkt-Gruppen erfolgreicher sein könnte als eBay mit seinen Kleinanzeigen, ist also nicht unbegründet.

Fazit: Die Plattform bleibt Geschmackssache

Aber ich denke, dass jede Plattform für sich seine Vor- und Nachteile hat. Facebook ist alles andere als anonym, sodass jeder sehen kann was man verkauft – dem einen mag es gefallen und sich als nützlich erweisen, dem anderen eher nicht. Bei eBay trifft man als unregelmäßiger Verkäufer vermutlich auf weniger potenzielle Käufer, da auch die Bewertungen der Verkäufer bei eBay eine wichtige Rolle spielen. Hier muss man allerdings nicht sein komplettes Privatleben mehr oder weniger freiwillig offenlegen, sondern kann relativ anonym genau das tun, was er eigentlich vorhatte: Waren loswerden.

Doch es ist und bleibt Geschmackssache – jeder sollte sich auf den Plattformen bewegen, auf denen er sich am wohlsten fühlt. Bleibt also abzuwarten, wie sich das Rennen zwischen Facebook und eBay noch entwickeln wird. Ich gehe jetzt erst einmal eine Runde Shoppen oder Spaßbieten. 3…2…1…meins!

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Jennifer Eilitz

Jennifer Eilitz

kommt aus der Lüneburger Heide, hat Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HAW in Hamburg studiert und arbeitet jetzt bei den Netzpiloten als Social Media Managerin. Wenn sie nicht gerade für die Netzpiloten schreibt, dann schreibt sie an ihren Romanen, die im Bookshouse und Edel Elements Verlag erscheinen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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