lefloid

YouTube: Die „Tagesthemen“ für Jugendliche

Die Jugend schaut Nachrichten nicht mehr im Fernsehen, sondern auf YouTube. Dort präsentieren Nachrichtenmacher wie LeFloid und Was geht Ab!? den Jugendlichen die neuesten Informationen so, wie diese sie haben wollen. // von Lukas Menzel

lefloid

Nicht Caren Miosga, Claus Kleber oder Thomas Roth, sondern LeFloid, Fräulein Chaos oder theClavinover heißen die Nachrichtenmacher für viele Jugendliche. Auf der Online-Videoplattform YouTube versammeln sie das junge Publikum und versorgen die 16 bis 24 Jährigen tagtäglich mit den neuesten Nachrichten. Alleine zwei Millionen Abonnenten kann der bekannteste deutsche Newsmoderator im Netz, LeFloid, vorweisen und erreicht mit seinem Newsformat LeNews nicht selten mehr als eine Million Zuschauer. Damit gehört der Berliner und Preisträger des Grimme Online Awards zu den erfolgreichsten YouTubern in Deutschland und erreicht mit seinen LeNews die Jugendlichen wie keine zweite Nachrichtensendung.


Warum ist das Wichtig? Für viele Jugendlichen hat YouTube dem Fernsehen längst den Rang abgelaufen. Auch Nachrichten erfreuen sich auf der amerikanischen Videoplattform großer Beliebtheit.

  • Das Fernsehen bietet den Jugendlichen nicht das, was sie sehen wollen. Im Internet auf YouTube gibt es aber Alternativen.

  • YouTuber wie LeFloid erreichen mit ihren Videos hunderttausende bis hin zu Millionen junge Zuschauer.

  • Nachrichten funktionieren auf YouTube anders als im Fernsehen. Sie sind schneller, interaktiver und unterhaltsamer gestaltet.


Mit jeder Menge Action, Humor und einer Schnelligkeit, springt Florian Mundt, wie LeFloid bürgerlich heißt, in seiner Newssendung von einem Thema zum Nächsten. Die jungen Menschen begeistert er nämlich nicht durch ausführliche Hintergrundinformationen oder zielsichere Analysen, sondern durch jede Menge Unterhaltung und Interaktion. Damit will er sich klar von Fernsehnachrichtensendungen wie der Tagesschau oder heute abgrenzen. „Mich oder andere junge Leute erreicht man nicht, wenn ein Nachrichtensprecher monoton von den schrecklichen Geschehnissen des Tages erzählt, danach zum Sport geht und danach zum Wetter und das war’s – das ist eine Einbahnstraße, es ist keine Interaktion da„, macht Mundt im Interview mit Tagesschau.de deutlich.

Die Mischung aus Unterhaltung und Informationen macht’s

Aus diesem Grund sind seine „Action News“, wie er die Art seiner Nachrichtensendung beschreibt, oft von Ironie und Satire geprägt, durch die die Videos mehr an eine Unterhaltungs- denn Informationssendung erinnern. Thematisch spricht Mundt jedoch weitgehend wichtige Nachrichten an, die auch in der Tagesschau behandelt werden. Anders als dort, gibt Mundt aber nicht nur die jeweiligen Informationen wieder, sondern bricht die Themen gekonnt auf die Quintessenz herunter und gibt dazu seinen Kommentar ab. Seine eigene Meinung ist dabei elementarer Bestandteil seiner Sendung und so macht er offen deutlich, was er über den Klimawandel oder bestimmte Politiker denkt. Dafür bekommt er auch gerne mal Kritik, da er hierdurch indirekt die Meinung von hunderttausenden Zuschauern beeinflusst. Er selbst sieht sich aber gar nicht als Journalist, sondern als Videoblogger und Entertainer, der einfach nur das Weltgeschehen kommentiert. So schafft er es auch Jugendliche, die die Nachrichtensendungen im Fernsehen scheuen, von aktuellen Themen zu begeistern und über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Zusätzlich stellt Mundt all denen Zuschauern, die mehr Informationen zu den jeweiligen Themen haben möchten, Verlinkungen auf passende Artikel bereit.

Professionell produzierte Nachrichten für Jugendliche

Auch wenn Mundt mit seinen Format LeNews eine Reichweite erreicht, wie kein zweiter Nachrichtenmacher im Internet, ist er nicht der Einzige, der Nachrichten über das Internet publiziert. Mittlerweile gibt es in Deutschland sogar einen professionell produzierten Nachrichtenkanal, bei dem vergleichbar mit der Tagesschau, täglich die wichtigsten News und Informationen aus der ganzen Welt präsentiert werden. Was geht Ab!? nennt sich dieser, hinter dem das größte deutsche Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft steckt. Ein ganzes Team aus Redakteuren recherchiert täglich und seriös die neuesten Nachrichten, welche dann in Videoform aufbereitet vorgestellt werden. Die Themen richten sich weitgehend danach, was die jungen Zuschauer sehen möchten, die sich selber aktiv über die sozialen Medien in die Themenauswahl einbringen können.

Allgemein spielt die Interaktion zwischen den Nachrichtenmachern und den Zuschauern, der Community, eine weitaus größere Rolle als beim Fernsehen. Durch Bewertungen und Kommentare kann die Community sofort und direkt ihr Feedback und ihre Meinung mitteilen, sodass die Macher von Was geht Ab!? sofort sehen können, ob sie beispielsweise ein Thema umfassend erklärt haben oder noch Fragen offen sind. In einem extra Format, dem Community Check, wird sogar gesondert auf die Stimmen aus der Community eingegangen.

Die Tagesschau für die Jugend

Somit sind die Zuschauer anders als im Fernsehen fester Teil des Konzepts und können sich in die Sendung aktiv mit einbringen. Sie entscheiden darüber, welche Nachrichten gezeigt und wie sie diese Nachrichten vermittelt haben wollen. Der Erfolg von LeFloid und Was geht Ab!? zeigt, dass die jungen Zuschauer nicht nur reine Informationen, wie beispielsweise bei der Tagesschau möchten, sondern dass sie Nachrichten, Unterhaltung und Interaktion in einer Sendung haben wollen. Dies bietet ihnen das Fernsehen nicht, die Videoplattform YouTube mit ihren zahlreichen Machern aber schon.


Teaser & Image by republica/Gregor Fischer (CC-BY 2.0)


Schlagwörter: , , , , ,
Lukas Menzel

Lukas Menzel

ist als Digital Native tagtäglich in den Weiten des Netzes unterwegs. Er berät als Teil der Becker-Banse Medien Unternehmen zu den Themen Social Media, Webdesign und Webvideo. Dazu leitet er das Online-Magazin Broadmark und ist auch auf Twitter zu finden. Bis März 2015 war er Teil der Netzpiloten-Redaktion.

More Posts - Twitter