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„Wenn die Möglichkeit da ist, unterrichte ich digital!“: Einblicke in die Lehrerwelt

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In Zusammenhang mit der Digitalisierung der Bildung wird auch viel über die Lehrer und Lehrerinnen geredet. Kommen sie mit dem Wandel gut klar? Wollen sie überhaupt irgendwas ändern? Um diese Mutmaßungen zu beenden, haben wir nachgefragt. Im Gespräch mit dem Schweizer Deutschlehrer Philippe Wampfler geht es um seinen eigenen digitalen Unterricht, Tipps für Neueinsteiger und das Mädchen-Jungen-Klischee.


Philippe Wampfler unterrichtet Deutsch, Philosophie und Medienkunde an der Kantonsschule Wettingen (Schweiz). Als Autor und Berater arbeitet er zu digitaler Bildung. Zudem ist er als Dozent für Fachdidaktik Deutsch an der Uni Zürich in der Lehrerausbildung tätig.


Lina Carnap: In Ihrem Buch schreiben Sie “Medienkompetenz ergibt sich aus einer Kombination von Wissensaufbau, Mediennutzung und Medienreflexion”. Können Sie dies näher erläutern?

Philippe Wampfler: Medienkompetenz erlangt man nicht nur darüber, dass jemand vor einem steht und einen Vortrag hält. Um medienkompetent zu werden, muss man die Medien benutzen. Der Umgang mit diesen muss ausprobiert und verankert werden. Gleichzeitig muss man immer wieder die Auswirkung des Einsatzes der digitalen Medien auf einen selber und seine Umgebung reflektieren.

Was bedeutet das für die Lehrkräfte?

Jeder und jede, die unterrichtet, muss auch jedes Mal wieder dazu lernen. Zu belehren ohne zu lernen, führt zu einer sehr einseitigen Angelegenheit. Gerade wenn es um Medien und Mediennutzung geht, muss man sich speziell als Lehrkraft ständig mit neuen, sich wandelnden Trends und Tools auseinandersetzten, mit denen die Schülerinnen und Schüler eventuell besser umgehen können. Passiert dies nicht, kommt es oft dazu, dass Lehrkräfte glauben, ihre Schülerinnen und Schüler vor den Gefahren schützen zu müssen, die das Internet mit sich bringt. Dabei verpassen sie aber oft die richtige Ansprache.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Ein Paradebeispiel ist die Aktion von vielen Lehrkräften, die ihren Schülerinnen und Schülern etwas über Internetsicherheit beibringen wollen. Dabei rufen sie dazu bei Facebook auf, ihr Bild zu teilen, auf dem sie ein Schild hochhalten mit der Aufschrift „Bitte teilt dieses Bild, damit meine Schülerinnen und Schüler sehen können, wie schnell ein Foto bei vielen Menschen auf der ganzen Welt gesehen werden kann“.

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Philippe Wampfler – Image by politik-digital

In dem Fall hat das nicht wirklich viel mit der Realität zu tun. Man erzeugt einen Effekt, der auf die Schülerinnen und Schüler persönlich so nicht zutrifft und verfehlt dabei über Dinge zu reden, die für die Jugendlichen wirklich wichtig sind.

Kommen wir auf Ihren eigenen Unterricht zu sprechen. Ist Ihr Unterricht immer digital?

Wenn in meinem Unterricht die Möglichkeit besteht, etwas digital zu bearbeiten, dann versuche ich das auch umzusetzen. Auch die Schülerinnen und Schüler arbeiten dann an ihren Laptops. Wir nehmen jetzt einen neuen Roman im Unterricht durch. Den versuchen wird biographisch aufzuarbeiten. Dazu sollen die Schülerinnen und Schüler im Internet recherchieren, in Schreibprogrammen dokumentieren und sich dann in Gruppen austauschen.

Spielen Stift und Zettel da überhaupt noch eine Rolle?

Teilweise greifen wir noch zu Stift und Zettel. Aber das, was geht, versuchen wir am Laptop zu erledigen. Dazu muss man sagen, dass dieses Konzept nur umsetzbar ist, da die meisten ihren eigenen Laptop mitbringen. Anders würde es gar nicht gehen.

Abgesehen vom Unterschied zwischen Stift und Tastatur, was ist die Besonderheit Ihres digitalen Unterrichts?

Was ich versuche ist, dass alles, was die Schülerinnen und Schüler schreiben, in irgendeiner Form veröffentlicht wird. Auf einem Blog beispielsweise. So merken die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Texte tatsächlich auch wichtig sind, dass es Außenstehende lesen können. Sie bekommen ein Publikum. Dies steigert natürlich auch die Motivation ungemein.

Gab es auch schon Situationen, in denen etwas gar nicht funktioniert hat?

Natürlich funktioniert mal was nicht. Das kommt immer wieder vor. Aber nur so kann man neue Sachen ausprobieren. Manchmal klappt es und manchmal eben nicht. Der Einsatz von digitalen Medien an sich ist noch lange kein Selbstläufer. Daher ist die Reflexion, wie vorhin schon angesprochen, ein sehr entscheidender Schritt.

Sie integrieren auch die Sozialen Medien in Ihren Unterricht. Sind diese unbedingt notwendig?

Für vieles, was man im Unterricht machen möchte, ist der Einsatz von Sozialen Medien nicht direkt notwendig. Dennoch gibt es zwei wesentliche Punkte, weswegen es auch sinnvoll sein kann, Soziale Medien in der Schule zu behandeln. Zum einen ist es für Jugendliche wichtig, die Nutzung von Sozialen Medien zu reflektieren. Beispielweise ist es interessant, sich mit den Schülerinnen und Schülern YouTube-Videos anzugucken, um herauszuarbeiten, welche rhetorischen Mittel benutzt werden. So lernen sie auch diese einzuschätzen und zu bewerten. Zum anderen sind Soziale Medien oft mit dem Image behaftet, dass sie sehr unprofessionell und oberflächlich sind und eigentlich nur der Unterhaltung dienen. Hier ist es mir wichtig aufzuzeigen, wie man die Medien professionell nutzen kann.

Was können Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen mitgeben, die gerade überlegen digitale Technologien und Medien im Unterricht zu benutzen? Was sind die drei wichtigsten Regeln für das Digitalisieren des Schulunterrichts?

Das erste ist, dass man es einfach mal ausprobiert. Natürlich muss man auch damit rechnen, dass es nicht gleich funktioniert, dass es auch demotivierend am Anfang sein kann. Davon sollte man sich aber nicht entmutigen lassen. Dies führt dann zur zweiten Regel: Die Interessierten sollten vorerst nicht mit dem größten Projekt anfangen. Sondern sich in kleinen Schritten herantasten. Angefangen eventuell mit der kleinstmöglichen Teststufe: ein Projekt mit einem kleinen Blog zu begleiten. Ganz wichtig ist hierbei natürlich wieder das Reflektieren seitens der Lehrkräfte.

Als drittes ist es natürlich extrem hilfreich, sich mit anderen Lehrkräften zu connecten. Der Austausch mit anderen Lehrerinnen und Lehrern, die sich in ähnlichen Situationen befinden, kann sehr hilfreich sein.

Wo findet dieser Austausch statt?

Für mich ist beispielsweise Twitter da am entschiedensten. Über verschiedene Hashtags kann man sich mit vielen Lehrkräften austauschen und neue Ideen gewinnen. Aber ich weiß auch, dass Twitter nicht bei allen gut ankommt. Muss es auch nicht, denn es gibt auch zahlreiche Gruppen auf Facebook. Dort unterstützen sich die Lehrer gegenseitig und helfen einander. Vor allem auch für Referendare kann das der anfänglichen Überforderung Abhilfe schaffen.

In dem Zusammenhang: unterstützen Sie den Ansatz von Open Educational Resources (OER), Materialien generell zugänglich zu machen?

Generell bin ich der Meinung, dass alle Materialien für alle zugänglich sein sollten. Ich selbst veröffentliche meine Materialien, außer eventuell die, die ich schnell mal in kürzester Zeit und auf den letzten Drücker konzipiert habe. Meine Schülerinnen und Schüler können dann darauf zurückgreifen. Aber so können sich auch andere Kolleginnen und Kollegen Ideen oder Anreize holen.

Ist es mehr oder weniger Arbeit, digitale Medien im Unterricht einzusetzen?

Ich würde nicht sagen, dass das eine mehr oder weniger Arbeit mit sich bringt. Die Arbeitsaufteilung ist aber eine andere. Wenn man digitale Medien im Unterricht einsetzt, ist dabei sehr entscheidend, dass man immer am Ball bleiben muss. Ein konstantes Lernen und sich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen, ist sehr wichtig. Denn die Jugendwelt generell, aber vor allem auch in Hinblick auf die digitalen und sozialen Medien verändert sich ständig.

Wenn man jedoch weiß, wie man die Medien einsetzen kann, dann ergeben sich daraus viele Möglichkeiten, den Unterricht effektiv und abwechslungsreich zu gestalten. Dies verschafft einem dann schon eine große Erleichterung.

Sie befassen sich auch mit dem Thema Gender. Können Sie für den Einsatz digitaler Medien schon Bilanz ziehen, ob überhaupt ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen in der Annahme der neuen Unterrichtsmethoden besteht?

Da Mädchen und Jungen unterschiedlich sozialisiert werden, kann man in Bezug auf Technologien schon verschiedene Muster erkennen. Ganz plakativ gesagt tendieren Jungs dazu, die Möglichkeiten zum Spielen oder Video gucken zu nutzen. Bei den Mädchen kann ich feststellen, dass sie sich vor allem mit dem kommunikativen Aspekt der Medien auseinandersetzen. Dies sind grobe Tendenzen, die mir auffallen. Hier ist auch wichtig, diese zu reflektieren. Was ich immer wieder versuche, ist die Mädchen anzuregen, sich auch mal mit einem Computerspiel auseinanderzusetzen und dieses zu spielen. Andersherum gilt das natürlich genauso für die Jungs, denen ich vorschlage, sich an Foren oder Chats zu beteiligen.

Nun wird den Lehrerinnen und Lehrern oft vorgehalten, dass sie nicht digital-affin sind. Was machen Sie für Erfahrungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen?

Natürlich lastet dieses Image auf dem Lehrerbild. Aber ich würde nicht meinen, dass man das so einfach sagen kann. Es gibt viele Lehrkräfte, die sehr motiviert sind, Neues dazu zu lernen und sich Kompetenzen in diesem Bereich aneignen wollen. Natürlich gibt es auch andere, die sehr verunsichert sind. Sie empfinden es als große Herausforderung, einen Unterricht mit digitalen Medien glaubwürdig zu gestalten. Vor allen bei jungen Lehrkräften sollten digitale Medien aber keine Hürde sein, die sie nicht überwinden können. Wichtig ist hier, Schritt für Schritt Erfahrung zu sammeln und so Verunsicherungen abzubauen.

Können dabei Weiterentwicklungen in der Lehrerausbildung helfen?

Es gab dazu jüngst einen Beitrag. Darin wurde festgestellt, dass es unbestritten ist das sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte Medienkompetenzen erwerben müssen. Auch das dies in der Ausbildung verankert sein muss, ist akzeptiert. Nicht einig ist man sich jedoch darüber, wie dies in der Ausbildung beigebracht werden sollte. Obwohl es schon Angebote zum Einsatz von digitalen Medien im Unterricht gibt, ist dieses Thema in den einzelnen Fachdidaktiken noch zu wenig präsent. Dies sollte geändert werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Politik Digital“ unter CC BY-ND 4.0.


Image (adapted)„Read“ von Wokandapix (CC0 Public Domain)


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Eröffnung des ersten YouTube-Space in der MENA-Region

Los Angeles, London, Tokyo, New York City, Berlin, Sao Paolo, Mumbai, Toronto, Paris und nun auch Dubai: Mit der Eröffnung des zehnten YouTube-Space gibt das Google-Unternehmen den YouTubern in der MENA (Middle East & North Africa) – Region ein Zuhause. In den neuen Räumlichkeiten wird genau das möglich gemacht, wofür YouTube schon als Online-Plattform bekannt ist: Lernen, vernetzen und erschaffen. Nur diesmal in organisierten Workshops und Events mit bekannten Bloggern, die Einblick in ihre Arbeit geben und ihre Tipps und Tricks mit anderen ‚Creators‘ teilen. Der erste Space wurde 2012 gelauncht – seitdem nahmen 150.000 Menschen weltweit an über 19.000 Stunden Workshops teil und produzierten mehr als 15.000 Videos.

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Diana Baddar by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai

Die offizielle Eröffnung des #YouTubeSpaceDXB, dessen Standort in der Alserkal Avenue in Zusammenarbeit mit Dubai Studio City geplant ist, wird für das zweite Quartal dieses Jahres anvisiert.

Erste Einblicke gewährte die Presseveranstaltung im Dezember, bei der ich Diana Baddar traf. Sie ist Head of Video Partnerships in der MENA-Region und sprach mit mir über die Entwicklung und Ziele der YouTube-Community. Das Jobangebot von YouTube vor vier Jahren kam für die Palästinenserin, die zuvor eher für klassische Sender arbeitete, sehr überraschend: „Ich startete das Abenteuer mit YouTube und es war bis jetzt eine unglaubliche Reise. Eine Achterbahnfahrt.“  Nicht nur, weil man so viele kreative Menschen kennenlernt, sondern auch, weil man unwahrscheinlich viel mit den sozialen Netzwerken bewegen kann.

YouTube ist das Sprachrohr der jungen Generation

YouTube sollte man nicht unterschätzen, denn es ist das neue Sprachrohr einer jungen Generation – besonders in der MENA-Region, wo laut des Arab Media Outlook Reports 50 Prozent der Bevölkerung unter 24 Jahre alt ist und die Jugend täglich mindestens zwei Stunden mit den sozialen Netzwerken und Online-Videos verbringt. Außerdem ist die hiesige YouTube-Community die zweitstärkste nach den USA: „Die Menschen lieben YouTube hier! Deswegen ist es super, dass wir hier ein Space eröffnen, da wir das Gefühl haben, dass alle an die Region glauben“, erklärt Baddar stolz.

Die junge Generation ist nicht nur Konsument, sondern auch immer mehr der Produzent der Inhalte: „Als ich anfing, für YouTube zu arbeiten, nutzten es vor allem Medien. Es gab nur wenige ‚Creators‘“, erzählt Baddar, die in Kuwait geboren und in Kanada aufgewachsen ist. Mittlerweile ist das soziale Netzwerk immer mehr die Plattform für private Blogger, die per Video ihr Wissen, Talent und Leben teilen: „Sie wählen YouTube aus, weil sie über alles sprechen können, was sie wollen. Niemand kann sie aufhalten oder ihnen verbieten, etwas zu tun“, erklärt Baddar. Ein Gefühl, das Baddar auch mit den Emiraten verbindet. Für sie ist gerade Dubai „ein Ort der Möglichkeiten – so kitschig wie das klingen mag. Ich kam für einen Urlaub hierher und entschied mich, meine Karriere hier weiterzuführen, da es mir so gut gefiel.“

„Put a face on it!“

Die Creator-Community soll durch die YouTube-Spaces weltweit gestärkt werden, die durch den Treffpunkt und die zur Verfügung gestellte Technik Raum und Möglichkeiten zur Kreativität bekommen. Baddar setzt dabei besonders auf weibliche Creator in Dubai: „Mir fiel auf, dass es wenig weiblichen Content in der MENA-Region gab. Wo waren die Mädchen, die in der Sprache sprechen, die die Community versteht? Klar gab es schon Bethany Mota oder Michelle Phan – phantastische Künstlerinnen – aber keine von ihnen war arabischer Herkunft. Also habe ich versucht, die Mädchen mit einzubeziehen, damit sie die Stimme ihrer Generation werden.“

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YouTube Space Dubai by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai

Bei ihrer Suche nach Vorreiterinnen stieß sie auf den Kanal von Jay Sajer, damals unter Jays Cherry bekannt, einer erfolgreichen Bloggerin aus Saudi Arabien: „Sie hatte bereits hunderttausende Follower, doch keiner wusste, wer sie genau war, da sie nie ihr Gesicht in ihren Videos zeigte. Ich traf sie und sagte ihr, dass sie irgendwann eine Pionierin sein wird mit dem, was sie tut. Es wird vielen Mädchen helfen, wenn sie sich zeigt. YouTube braucht mehr Mädchen wie sie – aus Saudi, Marokko, Dubai oder Ägypten.“ Das gute Zureden ermutigte die junge Frau. Wenige Monate später veröffentlichte sie das Video Put a face on it!, für das sie viel positives Feedback erntete: „Die Menschen liebten sie noch viel mehr! Jay war eine der Ersten, die Produkt-Review machte und ihre eigene Meinung sagte – das klingt so einfach, aber das gab es in der Form bis zu dem Zeitpunkt kaum.“ Für Baddar ist es ein persönliches Anliegen, junge Frauen zu stärken, da sie es selbst geschafft hat, ihren Weg im Nahen Osten erfolgreich zu gehen: „Mein Traum ist es, dass in den nächsten fünf Jahren die Hälfte der Content-Creator in der Region weiblich ist. Das würde mich unfassbar stolz machen.“

Für die Umsetzung sind bereits im YouTube-Space Dubai einige Events und Workshops speziell für Frauen geplant: „Wir feiern hier zum Beispiel den internationalen Frauentag. Für Außenstehende mag das vielleicht banal klingen, aber hier ist es wichtig, zu zeigen, dass wir Frauen unterstützen und feiern. Sie müssen gesehen und gehört werden!“


Image „YouTube Space Dubai“ by Memac Ogilvy Public Relations – Dubai


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Netzpiloten sind Partner des Kindermedienkongress 2016

Am 14.11.2016 von ca. 10.00 – 18.00 Uhr veranstaltet die Akademie der Deutschen Medien wieder einmal einen Kindermedienkongress im Literaturhaus München. Das diesjährige Thema ist „Snapchatter, Pokémon GO-Jäger und … Leser? Wie Content Kids auch morgen noch überzeugt“.

Heutzutage starten Kinder immer früher mit Social Media, mobile Games und anderen digitalen Medien auf Smartphone und Tablet. Gleichzeitig geht in manchen Kindermediensparten der Trend wieder stärker Richtung Print. Was bedeutet das konkret für Verlage und Medienhäuser? Was macht erfolgreiche kanalübergreifende, multimediale Produkt- und Markenwelten für Kinder aus? Was sind die bisherigen Learnings der Medienhäuser aus dem Digitalbusiness und welche Konzepte haben neben Candy Crush und Co. überhaupt eine Chance? Welche Möglichkeiten bieten Snapchat, Youtube, Instagram und Co., um Kinder und Eltern besser zu erreichen? Und wie werden Printmedien heute erfolgreich? Das sind Fragen, die auf dem Kindermedienkongress geklärt werden.

Das Programm gestaltet sich kreativ: Unter anderem redet Axel Dammler, geschäftsführender Gesellschafter von iconkids & youth über das Thema „Alles Smartphone oder was? Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen“. Axel Dammler ist dieses Jahr auch Moderator des Kindermedienkongresses. Außerdem dabei: Daniel Zoll, Redaktionsleiter von JAM FM, das RTL Radio Center Berlin sowie Snapchat – Fakten, Trends und Nutzungspotenzial für Medienunternehmen. 

Mehr Infos zu den anderen Beiträgen erhaltet ihr auf der Seite des Events.

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Mädchen schneiden in der Schule besser ab – sind aber weniger zufrieden

child (image by KokomoCole [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Die übliche Diskussion über die Erfahrungen von Kindern in der Schule fokussiert sich auf akademische Leistungen, persönliche Entwicklung sowie Bewertung der Schule. Fragt man Lehrer, Eltern oder politische Entscheidungsträger, was das wichtigste Angebot einer Schule sei, wird die Antwort eindeutlig sein: Bildung. Sie möchten, dass Kinder Wissen und Fähigkeiten entwickeln, die ihnen helfen, eine Karriere aufzubauen und erfolgreiche Erwachsene zu werden.

Natürlich befassen sie sich auch mit den persönlicheren Aspekten der Schule. Niemand möchte, dass ein Kind gemobbt wird oder unter Unsicherheit leiden muss. Dennoch wird es angesichts der steigenden Bedeutung von Qualifikation, Performanz, Schulbewertung und Verantwortlichkeit von Lehrern einmal Zeit, sich anzuschauen, ob und wie die sozialen Aspekte der Schulumgebung in bildungsbezogenen Diskursen als gegeben betrachtet oder zumindest überschattet werden.

In den vergangenen drei Jahren hat unsere Forschungsgruppe der Universität von Cardiff die unterschiedliche Wahrnehmung der Schulerfahrungen von Mädchen und Jungen analysiert. Unsere Studie bezieht ca. 1500 Schüler an 29 verschiedenen Grund- und Sekundarschulen in ganz Wales ein und förderte eine Fülle an Informationen zu Tage – nicht zuletzt, dass Mädchen in der Schule einfach weniger zufrieden sind als Jungen.

Wie ist das möglich? Gewöhnlich erzielen Mädchen in der Schule besser Noten als Jungen, aber warum sind sie nicht ebenso zufrieden wie ihre männlichen Pendants? Wir haben Schüler zu einer Vielzahl von Faktoren befragt, einschließlich der Lernumgebung ihrer Schule und der Eigenschaften der Institutionen als Ort der Sozialisierung, persönlicher Leistung sowie subjektives Wohlbefinden. Insgesamt haben wir mehrere wichtige, geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Wahrnehmung des eigenen Schulbesuchs aufgedeckt.

Beispielsweise waren weibliche Schüler gegenüber der Schule als Institution positiver eingestellt als Jungen. Sie hatten den Eindruck, dass das Schulpersonal große Erwartungen an sie hat, gute Noten und Fortschritt belohnt und sich für ihre akademischen Leistungen interessiert. Dennoch waren ihre Aussagen zur Wahrnehmung der Schule sehr unterschiedlich.

Knapp 25 Prozent der weiblichen Schüler sagten, dass sie sich Sorgen um ihre schulischen Leistungen machen würden, im Vergleich fanden sich hier nur 16,5 Prozent bei den Jungen. Circa 24 Prozent der Mädchen hatten das Gefühl, nicht in die Schule zu gehören, verglichen mit nur 8,8 Prozent bei den Jungen. Zusätzlich konnten fast 20 Prozent der Mädchen nicht mit der Aussage übereinstimmen, dass die Schule ein Ort sei, an dem „meine Lehrer mich gut kennen“, verglichen mit 12 Prozent der teilnehmenden Jungen. Leider werden die Antworten der Teilnehmer nicht besser mit dem Fortschreiten in der Schule. Die Befragungen wurden in zusätzlichen jährlichen Durchläufen wiederholt und die negativen Antworten wurden nicht nur beibehalten, sondern haben in einigen Fällen sogar zugenommen.

Geschlecht und Schulausbildung

Frühere Untersuchen der American Psychological Association und der britischen Organisation UCAS fanden heraus, dass Mädchen insgesamt in den meisten (oder allen) Schulfächern bessere Leistungen erbringen als Jungen und dass sich dieser Trend in vielen Ländern seit dem frühen 20. Jahrhundert manifestiert hat. Die Medien verbreiten diese Erkenntnisse häufig in Verbindung mit einer Art moralischer Panikmache, in der Interessenvertreter händeringend versuchen, den Diskurs in die Richtung der wahrgenommenen Bedrohung der Entwicklung und des zukünftigen Erfolgs männlicher Schüler zu lenken.

Die Geschlechterkluft in der Bildung wird oft dem Mangel an männlichen Lehrern beigemessen. Dennoch hat eine Studie nach der anderen festgestellt, dass das Geschlecht des Lehrers keinen messbaren Einfluss auf die akademischen Leistungen von Schülern hat. Vielmehr scheinen Mädchen bessere Leistungen zu bringen, weil sie laut einer amerikanischen Studie eine positivere Auffassung von Bildung haben, mehr lesen, mehr lernen und ein besseres Verhalten aufweisen als Jungen. unsere Forschung bestätigt diese Behauptung.

Auch wenn die geringeren akademischen Leistungen der Jungen in der Schule besorgniserregend sind, muss Folgendes bedacht werden: auch wenn Mädchen in der Schule bessere Leistungen bringen als Jungen, sind diese Erfahrungen oft genug mit Zweifel, Entfremdung und Angst behaftet.

Schulen als soziale Räume

Schulen sind weit mehr als ein Ort des Lernens, sie sind ebenso komplizierte Schauplätze sozialer Aktivitäten. Dieselben gesellschaftlichen Einstellungen, Praktiken und Diskurse, die auch außerhalb der Schule präsent sind, existieren auch innerhalb dieser mikrosozialen Umgebung. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Schüler nicht die Komplexität des Erwachsenenlebens ablegen, wenn sie die Schulräume betreten. Wenn überhaupt werden sie für einige noch intensiviert.

Die Schülerinnen, die an der Studie teilgenommen haben, sind der Auffassung, dass die gegenwärtige Situation junger Frauen in einer patriarchalisch organisierten Gesellschaft implizit und explizit auf die sozialen Praktiken im Schulwesen zurückzuführen ist. Die Wahrnehmung des Körpers und die Aktivität in sozialen Medien sind beispielsweise aktuelle Themen, die mit dem sozialen Druck in Verbindung gebracht werden, der potenziell die emotionalen Probleme von Mädchen vergrößert. Die Reaktionen darauf fokussieren sich meistens auf den Einfluss dieser Probleme auf das Leben von Mädchen, ohne jedoch mit einzubeziehen, wie das Bild des weiblichen Körpers in der Gesellschaft konstruiert und reproduziert wird. Die Schulen bilden in diesem Prozess das Instrument.

Obwohl behördliche Versuche unternommen werden, um diese Geschlechterkluft zu schließen, muss ein größerer Aufwand betrieben werden, um die gesellschaftlichen Erfahrungen und das Wohlbefinden von Schülern (und insbesondere von Mädchen) in der Schule zu verstehen und zu verbessern.

Das Einbeziehen von Konzepten wie Gender Fluidity in die Prozesse des Schulalltags sowie Unterrichtsmaterialien kann glaubwürdige Lernmöglichkeiten liefern, um sich mit Konzepten von Identität und Geschlecht auseinanderzusetzen.

Organisationen wie die Association of Teachers and Lecturers und die Gender and Education Association sind bereits an vorderster Front, um Lehrer bei der Implementierung von kritischen, transformativen Praktiken im Klassenzimmer anzuleiten. Zusätzlich zum praktischen Engagement zu den Themen Geschlecht und Identität – Faktoren, die das Leben jedes Schülers in der Schule betreffen – können die philosophischen Strömungen, die in die neuen und entstehenden Lehrpraktiken eingebettet sind, informieren und einen inklusiveren Bildungsethos für Schulen kräftigen und eine unterstützende und angenehme Umgebung für alle Schüler schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Child“ by KokomoCole (CC0 Public Domain)


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10 Jahre Deutsch-Norwegisches Jugendforum

Seit 2007 sensibilisiert das Deutsch-Norwegische Jugendforum mit Schüleraustauschen und Sprachcamps für die sprachliche Vielfalt in Europa. Zum 10-jährigen Jubiläum der Initiative treffen sich dieses Jahr Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren zu Workshops und einem Festakt vom 23. bis 26. September in Berlin. Sie können sich mit anderen Jugendlichen aus Norwegen und Deutschland austauschen und sich inspirieren lassen, wie man selbst zum Helden werden kann. Man kann Neues über das andere Land erfahren und Freunde fürs Leben finden. Workshops gibt es zu den Schwerpunkten Medien und Meinung, Sprache und Kreativität, und Bild und Bühne. „Jeder Workshop schaffte es auf seine Weise, das Motto umzusetzen und dabei Erstaunliches auf die Beine zu stellen.“, sagte eine Teilnehmerin am DNJF 2015.

Erstmals werden auch Projekte wie Blogs, Foren oder Zeitschriften mit deutsch-norwegischem Schwerpunkt von den Jugendlichen konzipiert und umgesetzt. Mentoren aus Wissenschaft und Praxis begleiten diese Projektcamps. Die Netzpiloten sind gerne dabei!

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • ARBEIT4.0 zeit: Beschäftigte sind durch Digitalisierung stärker belastet: Der zunehmende Einsatz digitaler Technik bringt aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Beschäftigten nicht automatisch bessere Arbeitsbedingungen. Im Gegenteil: Von den Arbeitnehmern, die in hohem oder sehr hohem Maße digitalisiert arbeiten, geben 46 Prozent an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch größer geworden sei. 45 Prozent sehen dagegen keine Veränderung, lediglich neun Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung entlastet. Die Zahlen sind erste Ergebnisse aus einer repräsentativen Befragung des DGB.

  • ROAMING sueddeutsche: Keine Roaming-Gebühren in der EU für 90 Tage pro Jahr: Seit Jahren arbeitet die EU daran, das Telefonieren im Ausland billiger zu machen. Mittlerweile auch mit einigem Erfolg: Im Laufe des kommenden Jahres sollen die Roaming-Kosten für Telefonate im EU-Ausland wegfallen. Das ist zumindest der Plan, den die EU-Staaten und das Europaparlament bereits beschlossen haben. Doch aus Sicht der Industrie gibt es ein Problem: Wenn es keine Roaming-Gebühren mehr gibt, könnte sich ja ein Kunde einen günstigen Tarifvertrag im Ausland besorgen und damit womöglich weit unter den üblichen Tarifen in seinem Heimatland telefonieren.

  • IFA horizont: Haben wir einen Innovations-Gipfel erreicht?: Entwickelt sich die IFA in Berlin so langsam zu einer Messe des Altbewährten? Auch dieses Jahr gab es nicht wirklich Innovationen in den Bereichen. Stattdessen üben sich die Hersteller am Feintuning ihrer Fernseher oder Smartphones: größere Displays, leistungsfähigere Akkus, bessere Bildqualität. „Wir haben derzeit einen Innovations-Gipfel erreicht, denn es gibt nichts, was man tun könnte, das wirklich neu wäre.“ so Branchen-Experte Amir Tamannai. Haben wir aktuell einen Innovations-Gipfel erreicht?

  • THREEMA heise: Threema lockt WhatsApp-Nutzer mit Sonderpreis: „Für kurze Zeit“ gibt’s den Ende-zu-Ende-verschlüsselten Messenger deutlich verbilligt. Insbesondere iOS-User profitieren. Der Schweizer Instant-Messaging-Dienst Threema, der mit hoher Sicherheit dank Ende-zu-Ende-Verschlüsselung wirbt, versucht, von Facebooks neuen Datenschutzbedingungen gefrustete WhatsApp-User zu gewinnen: Noch bis Donnerstagabend kann man beim Kauf der App für iOS und Android kräftig sparen.

  • SMARTPHONE futurezone: Handy statt Tabak: Mehr Jugendlichen droht Internetsucht: Und ewig lockt das Smartphone: Eltern nehmen eine ausufernde Internetnutzung von Jugendlichen aus Sicht eines Suchtforschers noch zu selten als Problem wahr. „Man muss das Bewusstsein stärken, dass Online-Spiele und soziale Netzwerke eine hohe Bindungskraft haben können. Jugendliche kommen immer früher in Kontakt mit einem potenziell abhängig machenden Verhalten“, sagte Professor Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie zum Auftakt des von ihm geleiteten Deutschen Suchtkongresses in Berlin. Dabei kommen von Montag an etwa 600 Suchtexperten zusammen.

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Asoziales Verhalten – Es ist alles in deinem Kopf

Punch (adapted) (Image by Edgar Languren [CC0 Public Domain] via flickr)

Viele Jahre lang haben Wissenschaftler geglaubt, dass es eine Verbindung zwischen gravierendem asozialem Verhalten und verhaltensauffälliger Entwicklung gibt. Jedoch gab es sehr wenig Forschung, die sich mit dieser Theorie beschäftigt. In einer kürzlich durchgeführten Studie nutzten wir MRT-Scans, um die Hirne von Teenagern zu untersuchen, bei denen eine Verhaltensstörung diagnostiziert wurde; also eine psychiatrische Erkrankung, die starkes asoziales Verhalten und Aggression mit sich bringt. Diese Scans lieferten weitere Belege dafür, dass Verhaltensstörungen echte psychiatrische Störungen sind, und nicht, wie manche Experten behaupten, eine übertriebene Form von jugendlicher Rebellion. Wir untersuchten die Hirne von 58 jungen Teilnehmern im Alter von 16 bis 21 mit Verhaltensstörung und von 25 gesunden Kontrollpersonen in der selben Altersgruppe. Wir benutzten die Scans, um die Dicke von 68 unterschiedlichen Teilen der äußeren Hirnrinde zu messen – diese hat unter Anderem Einfluss auf Bereiche wie Bewusstsein, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung und Sprache. Anschließend maßen wir den Grad der Ähnlichkeit zwischen diesen verschiedenen Regionen der Rinde. Diese Ähnlichkeitsmessung sagt etwas darüber aus, ob unterschiedliche Bereiche der Hirnrinde sich in einem vergleichbaren Verhältnis entwickeln. Dies wäre ein Hinweis darauf, dass sie „zusammen wachsen“ – das würde wiederum bedeuten, dass sie zusammenarbeiten und funktional verbunden sind. Man kann zudem messen, ob sie sich in einem sehr unterschiedlichen Verhältnis entwickeln. Dies würde nahelegen, dass sie unterschiedliche Funktionen haben. Wir rechneten damit, herauszufinden, dass die jungen Leute mit der Verhaltensstörung Letzteres aufweisen würden, also weniger Ähnlichkeit zwischen der Dicke verschiedener Teile der Hirnrinde als die gesunden Kontrollpersonen. Wir wurden von den Ergebnissen überrascht. Sie zeigten klare Unterschiede zwischen den jungen Leuten, deren Verhaltensprobleme bereits früh im Leben begonnen hatten, und denen, derer Verhaltensprobleme in der Pubertät begannen. Allerdings unterschieden sich beide Gruppen von der gesunden Kontrollgruppe. Wir stellten fest, dass diverse Teile der Hirnrinde sich in Bezug auf die Dicke der Hirnrinde bei den Teenagern, die bereits in jungen Jahren Verhaltensprobleme entwickelt hatten, deutlich mehr ähnelten, als bei den gesunden Kontrollpersonen. Dies legt den Schluss nahe, dass die Entwicklung des Gehirns bei Kindern, die früh an Verhaltensproblemen leiden, viel synchroner vonstatten geht. Es könnte bedeuten, dass ihre Gehirne weniger speziell geprägt sind. Im Gegensatz dazu entwickeln sich bei normal entwickelten Kindern typischerweise die Teile der Rinde, die nahe beieinander liegen, mit ähnlicher Geschwindigkeit, während andere, die weiter voneinander entfernt liegen oder die unterschiedliche Funktionen haben, sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit entwickeln. Das bedeutet, dass die Hirne normal entwickelter Kinder strenger in verschiedene Netzwerke unterteilt sind, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Doch wir wissen nicht, in welcher Verbindung diese Spezialisierung zu asozialem Verhalten steht. Dieses Muster der verstärkten Ähnlichkeit zwischen verschiedenen Bereichen der Hirnrinde bei Jugendlichen mit frühen Verhaltensproblemen könnte durch die verzögerte Entwicklung der Regionen erklärt werden, die sich normalerweise in der frühen Kindheit entwickeln. Oder es könnte daran liegen, dass die Regionen, die normalerweise später im Leben reifen, sich hier früher entwickeln. Eine andere Feststellung, die uns überraschte, war das Ausmaß dieser strukturellen Veränderungen. Statt Unterschiede zwischen den Gruppen in spezifischen Teilen des Hirns zu finden, die zuvor bereits mit asozialem Verhalten in Verbindung gebracht wurden – beispielsweise im Frontalkortex – fanden wir weitgehende Veränderungen quasi über die gesamte Hirnrinde verteilt. Jedoch fanden wir auch ein völlig anderes Veränderungsmuster der Rindendicke bei den Teenagern, deren Verhaltensprobleme sich in der Jugend entwickelten (die „Spätzünder“). Unterschiedliche Bereiche ihrer Hirnrinde wiesen im Vergleich mit den normal entwickelten Jugendlichen sogar noch weniger Ähnlichkeit miteinander auf. Dies war ebenfalls ein weit verbreitetes Muster, das viele verschiedene Bereiche des Hirns betraf, nicht nur ein oder zwei spezifische Regionen. Dieses Ergebnis könnte Veränderungen der Gehirnentwicklung widerspiegeln, die insbesondere in der Jugend auftreten. Beispielsweise entwickeln sich bei dieser Gruppe Hirnregionen, deren Entwicklung normalerweise in der späten Kindheit oder Jugend stattfindet, langsamer als bei gesunden Personen.

Neue Wege öffnen

Diese Ergebnisse liefern einige der stärksten Belege dafür, dass Anomalien in der Entwicklung des Gehirns möglicherweise zur Entwicklung ernsthaften asozialen Verhaltens in der Kindheit oder der Jugend beitragen. Sie legen außerdem den Schluss nahe, dass es wichtige Unterschiede zwischen den Gehirnstrukturen der Leute, die bereits früh Verhaltensprobleme entwickeln, und denen solcher Personen, die in ihrer Jugend „auf die schiefe Bahn geraten“ sind, gibt. Studien, die die Veränderungen in der Gehirnentwicklung und asoziales Verhalten über längere Zeiträume hinweg verfolgen, sind notwendig, um herauszufinden, ob das Verhalten einer Person sich verbessert, wenn die Entwicklung ihres Gehirns sich normalisiert. Und die Methode, die wir nutzten, um den „Schaltplan“ des Gehirns zu studieren, könnte in Zukunft auch genutzt werden, um den Einfluss von Psychotherapien oder Medikamenten zu untersuchen, oder um bei Kindern mit hohem Risiko – wie beispielsweise die jüngeren Geschwister jugendlicher Straftäter – intervenieren zu können, bevor sie ernsthafte Verhaltensprobleme entwickeln. Es wird außerdem wichtig sein, herauszufinden, ob die Veränderungen, die wir in den Hirnen der Teenager mit Verhaltensproblemen feststellten, von umweltbedingten Risikofaktoren verursacht werden; beispielsweise Missbrauch, Vernachlässigung oder Alkohol- und Tabakkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Weiterhin gilt es, herauszufinden, ob die Veränderungen zum Teil auch von genetischen Unterschieden zwischen den Personen mit Verhaltensproblemen und den normal entwickelten Jugendlichen verursacht werden könnten. Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Punch“ by Edgar Languren (CC0 Public Domain)


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  • CAR SHARING welt: Das ist Volkswagens peinlichstes Investment: Smartphone-Revolution und Digitalisierung werfen auch die Regeln der Mobilität um – das versetzt nun auch die großen Autokonzerne in Aufruhr. Japans Autoriese Toyota hat sich an der Taxi-Konkurrenz Uber beteiligt, und auch Daimler zeigt sich seit Neuestem gerne im Glanz des wertvollsten Tech-Unternehmens abseits der Börse – und deutet Kooperationen an. Nur VW will Car Sharing irgendwie noch nicht so richtig wahrhaben.
  • GOOGLE heise: Googles Forscher bauen analogen Quantencomputer mit neun Qubits: Forscher bei Google und an der Universität des Baskenlandes haben einen so genannten analogen Quantencomputer mit neun Qubits entwickelt. Derartige Quantencomputer unterscheiden sich stärker von konventionellen Rechnern als die digitale Variante, die bislang die meiste Forschungsarbeit und die höchsten Budgets auf sich gezogen hat. Analoge Quantencomputer sind theoretisch weniger gut verstanden, könnten sich aber als leichter zu skalieren erweisen, wie Technology Review online in „Quantencomputer: Analog statt digital“ berichtet.
  • APPLE internetworld: WWDC: Apple setzt auf künstliche Intelligenz und Apple Pay: In San Francisco findet gerade die Worldwide Developers Conference (WWDC) statt. Auch Apple stellt hier neue Software für die Zukunft vor. Experte Marc Gurman verkündet, dass Apple für 2017 Großes geplant habe. Gerüchten zufolge, soll sich Apple zum Beispiel im Bereich Virtual Reality einige Patente gesichert haben und an einem Apple-Elektro-Auto arbeiten. Genaue Angaben sind hier aber noch nicht gemacht worden. Wir dürfen also gespannt sein!
  • TELEKOM golem: Telekom bietet Wi-Fi-Paket für Städte: Die Deutsche Telekom will Städten und Kommunen ein Paket für den Ausbau von offenem Wi-Fi in öffentlichen Einrichtungen anbieten. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf das Unternehmen, die Telekom hat Golem.de den Bericht bestätigt. Die Pakete sollen unter dem Namen Public WLAN 4.0 verkauft werden. Mit ihnen sollen Nutzer an öffentlichen Plätzen in Zukunft eine Stunde lang kostenlos online gehen können oder Flüchtlingsunterkünfte mit Internet versorgt werden. Wi-Fi-Hotspots entlasten zudem das Mobilfunknetz.
  • BILDUNG politik-digital: Juuuport – Jugendliche helfen Jugendlichen im Internet: Cybermobbing, Sexting oder unseriöse Geschäftsmodelle – die Unweiten des Internets und der sozialen Medien konfrontieren Kinder und Jugendliche heutzutage mit vielen Fragen rund um den richtigen Umgang mit der digitalen Welt. Was, wenn Eltern und Lehrer keine Antworten parat haben? Das Portal „Juuuport“ bietet ein Konzept auf Augenhöhe: Jugendliche beraten Jugendliche.
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Licornes vs. Haters – mit Einhörnern gegen Cyber-Mobbing

Lego Einhorn (Image by d97jro [CC0 Public Domain], via Pixabay

Es tummelt sich zuviel Hass in der virtuellen Welt. Um den Diskriminierungen entgegenzuwirken, ersetzt die französische Assoziation „Respect Zone“ in ihrer originellen Kampagne „Licornes vs. Haters“ (dt. etwa: Einhörner gegen Neider) Beleidigungen von Internetnutzern mit niedlichen Emojis. Anhand eines Plugins werden in den Kommentarbereichen von Blogs, Informationsseiten oder Foren respektlose Publikationen nach Veröffentlichung durch harmlose Bildchen ausgetauscht.

„Solche {Wölkchen} wie dich sollte man alle {Häschen}!“

„Du Nutte“ (das Schimpfwort, das im Übrigen Tabellenführer der meist genutzten Beleidigungen laut “Respect Zone” ist) wird dann zu „Du {Muffin + Wolke}“. Auf der Videoplattform YouTube wirbt die französische Vereinigung, die sich seit 2014 für mehr Respekt im Internet einsetzt, für ihr Projekt „Licornes vs. Haters“ und zeigt dabei Situationen aus dem Alltag:

In der Sprache der Jugendlichen

Die klare Zielgruppe der Kampagne sind Schulkinder und Jugendliche. Und das aus gutem Grund: Laut einer Studie des französischen Bildungsministeriums im November 2014 geben zwei von zehn Schülern an, bereits Opfer von Cyber-Mobbing via SMS, Mail oder in den sozialen Netzwerken gewesen zu sein.

Nicht anders sieht es in Deutschland aus: Laut einer internationalen Studie von Vodafone und dem Meinungsforschungsinstitut YouGov im September 2015 ergab sich unter deutschen Jugendlichen ein ähnlich bedenkliches Bild. Fast jeder fünfte Jugendliche gab an, schon einmal unter Hassattacken im Internet gelitten zu haben.

Die Idee der Kampagne ist, den Hass lächerlich zu machen: „Wir bieten Kontra mit einer Geste, die die Sprache der Jugendlichen spricht – die Botschaft kommt an, ohne dass wir belehrend sind“, erklärt Philippe Coen, Präsident und Gründer von Respect Zone. Beleidigungen ins Leere laufen zu lassen, soll gerade den jungen Internetnutzern einen Denkzettel verpassen. „Das Ziel ist, dass sich jeder Nutzer selbst zu zügeln lernt. Er muss wissen, dass das, was er schreibt, Personen verletzen kann.“

Die Charta für ein respektvolles Online-Verhalten

Ein wenig schulmeisterlicher geht es auf Respect Zone selbst zu: Regeln für ein besseres, respektvolleres Verhalten sind in der eigenen Charta zusammengefasst. Diese wurde bereits auf Englisch, Italienisch, Griechisch und Niederländisch übersetzt und zusammen mit dem Logo zum Download bereitgestellt. Ein lobenswertes Engagement, das von namhaften Organisationen wie der UNESCO bereits anhand der Einbindung des Logos auf der Homepage unterstützt wird.

Die Einhorn-Kampagne wartet bisher noch auf den durchschlagenden Erfolg – obwohl die Reaktionen bei der Präsentation der Projekts in Schulen und Workshops meist mit einem „Genial!“ und großer Begeisterung quittiert wird, beklagt Coen.  „Das zeigt die Verlegenheit der Medien auf die schwierige Frage der Moderation ihrer Seiten und den Fakt zu reagieren, dass mindestens 27 Prozent der Kommentare beleidigend, gewalttätig oder hasserfüllt sind.


Image „Lego Einhorn“ by d97jro (CC0 Public Domain)


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Medienkonsum: Relevant ist, was interessiert

Matthias Bannert über Medien (Teaser by Christian Kahler)

Im Interview mit dem digitalen Journalisten und Medienschaffenden Matthias Bannert geht es um die Zukunft des Medienkonsums, den Hunger auf Neues, aktuelle Trends im Journalismus und den Medien und News für Teenager. Matthias Bannert war Gründungschefredakteur der Samsung-Springer-News-App “Upday” und ist zurzeit Redaktionsleiter des Springer-Jugendmagazins “Celepedia”. Seine Ausbildung hat er 2012 bis 2013 an der Axel Springer Akademie absolviert. Zwischenzeitlich war er für digitale Projekte von “Bild” in Berlin und Los Angeles tätig. Ich habe ihn in Berlin zum Interview getroffen und mich mit ihm vor allem über den Medienkonsum der Gegenwart und Zukunft unterhalten.

Hendrik Geisler: Woher bekommst Du täglich Deine Informationen?

Matthias Bannert: Das meiste über Social Media, vor allem Twitter, wenn ich die Zeit habe. Bei Twitter habe ich drei Accounts, die ich eigentlich alle gerne lese. Um die wichtigsten Informationen nicht zu verpassen, habe ich meine Lieblingsaccounts in einer Liste angelegt. Wenn ich wenig Zeit habe, gehe ich halt nur die durch. Ansonsten informiere ich mich querbeet, vor allem aber in sozialen Medien und teilweise Aggregatoren. Ich habe den perfekten Aggregator aber noch nicht gefunden. Wenn ich ein bisschen länger Zeit habe und mich umfassend informieren möchte, surfe ich besonders “Spiegel Online” und “bild.de” einfach von oben nach unten ab.

HG: Wie wird Dein Medienkonsum wohl in zehn Jahren aussehen?

MB: In zehn Jahren werde ich meine News nicht mehr suchen, sondern meine News werden mich finden. Ich werde sie da konsumieren, wo ich mich gerade aufhalte, bei dem, was ich in dem Moment tue. Vielleicht auf meinem Smartphone, wenn es sowas noch gibt, oder integriert in ein Kleidungsstück, eine Uhr, ein TV-Gerät, eine Waschmaschine. Auf jeden Fall werden die News da sein, wo ich gerade bin, und sie werden personalisiert sein. Ich werde keine Tageszeitung haben, keine Webseite aufrufen, keine App installiert haben, sondern die News bei dem, was ich täglich tue, quasi im Vorbeigehen konsumieren. Vielleicht beim Blick auf einen Kalender, vielleicht in der Dusche.

HG: Und was wird Dein eigener Beitrag dazu sein?

MB: Hoffentlich ein Teil der Technologie, die alles bereitstellt. Oder ich bin Teil des Content-Teams, das die News bereitstellt und auf verschiedene Plattformen anpasst. Das könnte ich mir gut vorstellen. Hoffentlich in einer Position, in der ich gut Geld damit verdienen kann, meine News in andere Produkte zu implementieren.

HG: Du hast früh ein Wissenschaftsmagazin gegründet, mit 18 hattest Du einen eigenen Verlag, Du hast ein lokales Sportnachrichtenjournal ins Leben gerufen, bist Absolvent der Axel Springer Akademie, hast mit Zoom Berlin hyperlokalen Journalismus gemacht, warst Chefredakteur von Upday Deutschland und bist jetzt Redaktionsleiter bei Celepedia. Woher kommt der Hunger auf das Neue im Journalismus?

MB: Der Hunger kommt aus einem ganz natürlichen Verhalten bei Journalisten. Journalisten suchen immer nach Neuigkeiten, nach Veränderungen. Auch auf mich trifft es zu, dass ich mich einfach dafür begeistere, Trends hinterherzujagen. Ich habe das, was ich gemacht habe, meist aus dem entwickelt, was mich selbst interessiert hat. Als ich mich extrem für Wissenschaftsjournalismus interessiert habe, habe ich das Magazin gegründet, das ich selber gerne lesen möchte. Danach habe ich mich als Leser und als Autor mit Lokaljournalismus beschäftigt und habe angefangen, meine Ideen, die ich bei der Arbeit für eine Regionalzeitung entwickelt habe, in die Tat umzusetzen. Bei der Axel Springer Akademie wurde ich dann in dem ausgebildet, was ich auch wirklich machen wollte, nämlich Journalist sein. Alles andere hat sich ergeben. Zoom Berlin war ein Projekt von Axel Springer, da kam die Initiative nicht von mir selbst, aber es war für mich spannend, mich mit Hyperlokaljournalismus zu beschäftigen. Das war damals eine Zeitlang groß im Trend. Zumindest werde ich nicht müde, mich neuen Wegen anzuschließen. Und ich hoffe, dass noch einige kommen werden, sonst werde ich mich irgendwann langweilen.

HG: Was ist denn der aktuelle Trend, an dem Du jetzt gerade arbeitest?

MB: Ich beschäftige mich, wie bei Upday auch, weiter mit der Personalisierung von News. Ich glaube, dass der nächste große Trend ist, zielgruppenspezifischen Journalismus zu machen. Wenn man sich viele Jugendportale anguckt, beispielsweise Celepedia, versuchen viele Medienhäuser nun, Leute zu erreichen, die klassische Medien – und dazu gehören für mich auch Internetseiten – nicht mehr erreichen. Das sind ganz junge Menschen unter 18, teilweise erst zwölf Jahre alt, die Medien ganz anders konsumieren als wir und unsere Eltern es je getan haben. Das finde ich total spannend, für diese Gruppe Journalismus zu machen, bzw. eine Form zu finden, diese Menschen mit News zu erreichen.

HG: Wie erreicht man die denn?

MB: Man muss dahin gehen, wo sich die Zielgruppe aufhält. Und im Fall von Teenagern sind das soziale Medien, teilweise Messenger wie WhatsApp. Das sind auch Misch-Apps wie Snapchat, die teilweise Content-Plattform, zum Teil soziales Netzwerk oder Messenger sind. Man muss die Nachrichten auf den Plattformen verteilen, auf denen sich beispielsweise Teenager aufhalten. Ich glaube, dass sich die Jugendlichen von heute gar nicht dafür interessieren, wo sie die News herbekommen. Die surfen durch ihren Tumblr-Feed und wollen dann dort einen Teil ihrer Medien konsumieren. Und zwar in einer Form, die nativ ist. Bei Tumblr können das etwa Videos oder längere Texte sein, bei Snapchat muss das Video im Hochformat und höchstens zehn Sekunden lang sein. Auch bei Instagram oder Vine müssen Videos kurz sein. Teenager wollen sich nicht darum kümmern, ob etwas Journalismus ist und gelesen werden muss. Sie wollen in ihrem normalen Alltag Informationen in sozialen Medien so, wie diese dort natürlich zu finden sind, konsumieren.

HG: Ist das eine gute oder schlechte Entwicklung?

MB: Ich glaube, dass Entwicklungen nie gut oder schlecht sind, sondern dass sie sind, wie sie eben sind. Wir als Medienschaffende müssen uns diesen Entwicklungen anpassen. Das haben wir schon immer getan. Als der Farbdruck kam, haben die Zeitungen auf Farbdruck umgestellt. Da hat sich niemand gefragt, ob die Farbbilder in der Zeitung jetzt gut oder schlecht sind. Und als das Fernsehen aufkam, haben alle Videos produziert und als das Radio aufkam, haben alle Radio gemacht. Die Frage nach Anpassung hat sich nie gestellt. Ich frage mich immer, warum wir Medienhäuser uns in den letzten zehn Jahren so schwer damit getan haben, die Entwicklungen aufzunehmen und teilweise an alten, blöden Dingen festhalten, die völlig out of date sind.

HG: Geht es bei den Nachrichten, die Teenager lesen wollen, nur um YouTuber, Beauty und Trends? Was sind überhaupt relevante Nachrichten?

MB: Nein, ich denke, dass Teenager genauso auch an, sagen wir mal, ernsteren Themen interessiert sind. Sie gehen ja nicht mit Scheuklappen durch die Welt. Die Herausforderung ist es, einen teenagergerechten Zugang zu ihnen zu finden. Das kann beispielsweise über eine altersgerechte Sprache geschehen. Außerdem funktioniert es immer gut, wenn man einen persönlichen Zugang schafft, indem man die Flüchtlingskrise beispielsweise anhand eines geflohenen Gleichaltrigen beschreibt. Das gilt im Übrigen auch für Erwachsene. Relevant ist, was interessiert – und das gilt für alle Zielgruppen.

HG: Du hast mit Deinen 28 Jahren schon ein paar Sachen gegründet und warst an vielem beteiligt. Was braucht man Deiner Meinung nach, um erfolgreich zu sein?

MB: Viel Geld als Startkapital (lacht). Nein. Also, was ich in den letzten Jahren festgestellt habe ist, dass man vor allem ein gutes Team braucht. Du brauchst Menschen in der Zusammenarbeit, die Dinge ausgleichen können, die man selber nicht schafft. Wenn das Team an sich harmoniert, ist die Idee, die man verfolgt, zweitrangig. Oft ist nicht die Idee das Entscheidende, sondern das Team und wie es miteinander zusammenspielen kann. Ohne ein Beispiel zu nennen: Man sieht immer wieder Firmen nicht daran scheitern, dass sie eine schlechte Idee haben, sondern sich im Team falsch aufgestellt haben und das falsche Management haben oder vielleicht auch den falschen Investor. Meine Gründungen waren alle nicht so erfolgreich, dass ich mich zur Ruhe setzen könnte, und das scheiterte wirklich an den richtigen Projektpartnern. Ich habe zwar journalistische Portale gemacht, die auch halbwegs publizistisch funktioniert haben, die aber an der Vermarktung gescheitert sind. Wenn ich heute nochmal etwas Neues gründen würde, würde ich mich genau um diese Faktoren kümmern: Dass im Team Leute sind, die sich um diese Aufgabe kümmern. Die das übernehmen können, was ich selber nicht erfüllen kann.

HG: Gibt es ein Medienprojekt, auf das Du Dich momentan besonders freust oder spannend findest?

MB: Es gibt kein einzelnes Projekt, das ich spannend finde. Insgesamt aber die Bewegung der sozialen Netzwerke zu Content-Anbietern. Wohin bewegt sich Facebook in den nächsten Jahren, auch als Konzern im Konglomerat mit WhatsApp und Instagram? Was passiert aus einer erst belächelten App wie Snapchat, die immer mehr Content anbietet? Was macht das mit Medienunternehmen? Geben wir da etwas aus der Hand, was bisher unser Monopol war? Auch Twitter ist interessant, wurde jahrelang gehyped und steht jetzt am Scheideweg und es entscheidet sich, ob Twitter so bleibt, wie es ist oder ob es sich total verändert. Es gibt kein einzelnes Projekt, das ich spannend finde. In sozialen Medien wird momentan aber vieles ausgetestet, was uns demnächst noch sehr beschäftigen wird.


Teaser & Image by Christian Kahler


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Die Gesellschaft zwischen Religion, Technologie und Extremismus

Hacker sollen die Sicherheit von Tor erhöhen (Image by Ivan David Gomez Arce [CC BY 2.0] via Flickr)

Unsere Gesellschaft wird inzwischen eher von Technologie als von Religion geprägt – der Graben verläuft zwischen antimodernen Fundamentalismus und der postmodernen Mentalität der Jugend. Trotz aller Konflikte darf man sich keiner der beiden Welten entziehen. Kürzlich haben Extremisten sowohl bei dem Anschlag auf die Planned Parenthood Federation of America als auch bei der Schießerei in San Bernardino die hässliche Fratze der Religion enthüllt. Der Einfluss dieser Taten und die Demagogie der Wahlkampfperiode erzeugen in den USA Angst und Empörung. Inmitten dieser nationalen Kämpfe bereiteten sich viele Familien auf einen viel persönlicheren religiösen Kampf vor: die Frage, ob sie an Weihnachten in die Kirche gehen sollten oder nicht. Amerikaner identifizieren sich zunehmend nicht mehr mit Religion, wobei es signifikante Generationsunterschiede gibt.

Das Pew Research Center berichtete dieses Jahr, dass 35 Prozent der Milleniums-Generation, auch Generation Y genannt, also diejenigen, die zwischen 1981 und 1996 geboren sind, religionsfrei sind. Viele junge Leute durchschreiten eine Kirchentür wahrscheinlich nur noch, um ihre Eltern an Weihnachten und Ostern zu besänftigen. Diese disparaten Trends beziehen sich alle auf das gleiche Phänomen: den kulturellen Wandel.

Das Alte und das Neue

Religiöse Extremisten wollen die Uhren der Moderne zurückdrehen, um eine Zeit wieder herzustellen, in der moralische Entscheidungen einfach waren und die Werte der Alten Welt vorherrschten. Die alten institutionellen Formen lassen sich hingegen nicht mit der postmodernen Mentalität der Generation Y vereinbaren.

Die Reaktion der Fundamentalisten auf die Moderne ist vorhersehbar. Sie fühlen sich bedroht von Individualismus, dem Umkippen der traditionellen Werte und der schrittweisen Dezimierung von Institutionen, die geschichtlich gesehen die moralische Ordnung aufrechterhalten haben. Neuartig bei der Reaktion der Fundamentalisten ist, dass sie moderne Technologien nutzen, um für ihre rückschrittliche Moral zu werben.

Die gleiche Technologie erweitert den Horizont der Generation Y mehr, als ihn einzuengen. Wie ich in meinem Buch „Finding Faith” dargelegt habe, bedeutet Tradition ihnen wenig. Sie wählen aus verschiedensten Optionen, darunter auch eine große Anzahl an Religionen und verschiedene andere Formen von Spiritualität.

Der gemeinsame Nenner der Fundamentalisten und des Individualismus der Generation Y ist die Über-Auswahl. Für die Ersteren ist Auswahl eine Bedrohung. Für die Letzteren ist sie eine Möglichkeit zur Selbstdarstellung.

Eine Bedrohung aus zwei Richtungen

Bei vielen Amerikanern erzeugen beide kulturellen Trends Angst. Einheimischer Terrorismus erscheint als eine größere Bedrohung, wenn jeder mit jeglicher religiösen Tradition über das Internet radikalisiert werden kann. Und viele Großeltern machen sich Sorgen darüber, wie jüngere Generationen Sinn, Moral und selbst ewige Erlösung ohne Religion finden sollen.

In der Position des Großvaters verstehe diese Sorge durchaus, aber als Religionswissenschaftler bin ich sehr optimistisch bezüglich unserer Zukunft. Mit einer geliehenen Formulierung aus dem Feld der Ökonomie ausgedrückt, befindet sich die Durchschnittsreligion in einer Periode der kreativen Zerstörung. Vielleicht bricht sie auseinander, aber die heutige Kultur bietet der Religion auch die Möglichkeit, sich selbst zu erneuern.

Man muss nur die grauen Köpfe in den meisten Kirchen und Synagogen betrachten, um zu erkennen, dass diese Institutionen innerhalb dieser einen Generation so gut wie erschöpft sein werden. Ja, Mega-Kirchen mit hippen Pfarrern und zeitgemäßer Musik werden weiterhin Publikum anziehen, aber solche Gruppenversammlungen und kollektive Rituale können sich oberflächlich und leer anfühlen. Auch Mega-Kirchen sehen das Interesse und die reguläre Anwesenheit von jungen Erwachsenen schwinden.

Die alte christliche Kosmologie – Gott sendet einen Sohn, um die Welt zu erlösen; ein Gott, der allmächtig ist und doch, im Angesicht von Massengewalt, ohnmächtig zu sein scheint – funktioniert grundlegend für viele gebildete junge Erwachsene einfach nicht. Das Prinzip „spirituell, aber nicht religiös” zu sein, pauschalisiert das Verständnis der Menschen von Spiritualität, aber es signalisiert auch die Möglichkeit, dass der menschliche Geist nach etwas Tieferem als dem neuesten technologischen Schnickschnack strebt.

Ich bin der Ansicht, dass religiöse Institutionen die Vermittler der vier fundamentalen menschliche Bedürfnisse sind: dem Bedürfnis nach Gemeinschaft, den Ritualen der Erneuerung und Hoffnung, der Erfahrung, über sich selbst hinauszugehen, und des tieferen Sinn und Zwecks unseres Lebens.

Wenn religiöse Institutionen diese Erfahrungen nicht mehr länger übermitteln, brechen sie zusammen und neue Formen treten hervor. Zu Beginn fühlen sich diese neuen Formen vielleicht nicht so an und sehen auch nicht so aus wie die alten Religionen. Wahrscheinlich bestehen sie aus Kombinationen verschiedener Glaubensrichtungen und Glaubenspraktiken, die die älteren Menschen, welche die Verwahrer der institutionellen Erinnerungen sind, verunsichern. Aber unsere derzeitige Periode der kreativen Zerstörung wird womöglich das Saatbeet sein, auf dem die neuen Formen des religiösen Lebens keimen werden.

Das Prinzip der Achtsamkeit, bezogen aus Quellen der östlichen Religionen, findet beispielsweise bei vielen Amerikanern Resonanz. Eine wachsende Anzahl an Christen nimmt an kontemplativen Praktiken teil, eher auf der Suche nach einer Gotteserfahrung als nach einem abstrakten Glauben.

Leider sind auch die Fundamentalisten erfolgreich darin, die Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Erneuerung, Selbstfindung und Sinn zu erfüllen. Antimoderner Fundamentalismus mit Computererfahrung – ein faszinierendes und Angst einflößendes Paradoxon – wird nicht in absehbarer Zukunft aussterben. Weniger bedrohlich ist, dass sowohl Mega-Kirchen als auch Achtsamkeits-Meditationen therapeutische Versammlungen für gleichgesinnte Menschen anbieten können, was in diesen Zeiten der Angst und des kulturellen Flusses beruhigend ist.

Neue Formen treten hervor

Zur selben Zeit experimentieren sowohl die Religionsfreien als auch die Mitglieder der existierenden religiösen Institutionen mit neuen Formen von spirituellen Praktiken und bewussten Gemeinschaften. Sie verteilen Nahrungsmittel an Obdachlose, versammeln sich in Waschsalons, um mittellosen Arbeitern einen kostenlosen Waschservice anzubieten, und überschreiten allgemein eher die Möglichkeiten, die die Glaubensgemeinschaften traditionell definieren. Mit Bewegungen wie #blacklivesmatter erschaffen sie Rituale, die Ungerechtigkeiten kritisieren und die Gemeinschaft und sie selbst heilen.

Die Bereitschaft, mit religiösen Glaubensformen zu experimentieren, hat vorherig die Katholische Arbeiterbewegung hervorgebracht, bei der zeitgemäße klösterliche Ordnungen nach den Modellen des früh-modernen Europas, und Erneuerungsbewegungen aus jeglichen Glaubenstraditionen gestaltet wurden. Religiöse Institutionen können innerhalb eines menschlichen Lebens unveränderlich wirken, aber innerhalb eines Jahrhunderts oder Jahrtausends entwickeln sie sich kontinuierlich.

Es braucht Zeit, bis sich unsere kollektiven religiösen Impulse mit den neuen Formen zurechtfinden. In der Zwischenzeit wird es wahrscheinlich einige besorgte Großeltern geben, die um die Erlösung ihrer Nachkommen fürchten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image „Kreuz“ by HannahJoe7 (CC0 Public Domain).


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5 Lesetipps für den 11. März

In unseren heutigen Lesetipps geht es um Drohnen, Yik Yak, deutsche Medien, Gewalt im Namen der Ehre und eine Binary Watch. Ergänzungen erwünscht.

  • DROHNEN The Verge: The Secret Service is training to knock dangerous drones out of the sky: Nachdem vor 2 Wochen eine Drohne direkt vor dem weißen Haus abgestürzt war, hat der amerikanische Geheimdienst nun mehrere Tests durchgeführt, welche dabei helfen sollen, sich zukünftig vor kleineren Drohnen zu schützen. Getestet wurden unter anderem Möglichkeiten, die Drohnen per Radar aufzuspüren, deren Steuerungssignal zu stören oder die Drohne vom Himmel zu holen. Da die Tests in der Nacht stattfanden und der Presse im Vorfeld nur wenig berichtet wurde, war das Interesse an den Tests natürlich hoch.

  • YIKYAK Slate: Yik Yak: The anonymous messaging app with a terrible rep is actually pretty great.: Mit der App Yik Yak ist es Usern möglich, völlig anonym kleine Botschaften an andere User zu senden, welche dann bewertet werden. Grade unter amerikanischen Jugendlichen, vor allem Schülern, ist die App sehr beliebt. Doch leider wurde die App häufig für Dinge wie Cybermobbing, rassistische Kommentare oder sogar für Amoklaufdrohungen verwendet. Darum wurde in der amerikanischen Presse sehr negativ über Yik Yak berichtet. Die Slate möchte jedoch auf die positiven Aspekte der App aufmerksam machen.

  • DIGITALISIERUNG Tobias Schwarz’s Logbook: Funkhaus Wallrafplatz: „Sind deutsche Medien technikfeindlich?“: Am 07. März 2015 wurde in der WDR5 Sendung “Funkhaus Wallrafplatz“ über die vermeintliche Technikfeindlichkeit und Technophobie der deutschen Medien diskutiert. Anwesend waren der Projektleiter der Netzpiloten Tobias Schwarz sowie der Blogger Michael Seeman. Auf seinem Blog beschreibt Tobias Schwarz nun den Hergang der Diskussion, beleuchtet einige der interessanten Thesen und schreibt über seine eigene Meinung zu dem Thema.

  • KULTUR Frankfurter Allgemeine: Sibel Kekilli gegen Gewalt im Namen der Ehre: In einer Rede zum Thema “Gegen Gewalt im Namen der Ehre“ spricht Sibel Kekilli über die Unterdrückung von Frauen in der muslimischen Gesellschaft. Sie spricht von ihrer großen Liebe zu ihrer Kultur, von vielen Wundern und Schätzen, aber auch von der Gnadenlosigkeit der selbigen. Sie spricht die Männer direkt an, fragt sie, ob sie Angst vor freien Frauen hätten, warum sie vertrieben werden. Außerdem spricht sie auch über ihre eigene Vergangenheit, darüber, wie sie behandelt wurde und was sie erdulden musste.

  • TECHNIK t3n: Nerd-Chic: Quelloffene Binär-Uhr statt Smartwatch: Nachdem Apple den Termin zum Verkaufsstart der Apple Watch bekanntgegeben hat, veröffentlichte der texanische Ingenieur Jordan Willis Baupläne seiner binären Armbanduhr. Es handelt sich hierbei um eine Leiterplatine, an die 2 Knöpfe und eine Reihe von Farbigen LEDs angeschlossen wurden. Gesteuert wird die Binary Watch von einem Mikrocontroller, welcher über ein Flachbandkabel programmiert wird. Dieses Kabel dient der Uhr auch als Armband. Mit einer Knopfzelle bestückt soll die Uhr etwa 3 Monate lang halten.

Die morgendlichen Lesetipps und weitere Linktipps am Tag können auch bequem via WhatsApp abonniert werden. Jeden Tag informiert dann Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz persönlich über die lesenswertesten Artikel des Tages. Um diesen Service zu abonnieren, schicke eine WhatsApp-Nachricht mit dem Inhalt arrival an die Nummer +4917622931261 (die Nummer bitte nicht verändern). Um die Nachrichten abzubestellen, einfach departure an die gleiche Nummer senden. Wir werden, neben dem Link zu unseren morgendlichen Lesetipps, nicht mehr als fünf weitere Lesetipps am Tag versenden.

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Schule: Lässt sich der Fortschritt durch Verbote aufhalten?

Obwohl vielen Kindern und Jugendlichen das Mitbringen von Smartphones in die Schule verboten ist, besagt eine aktuelle Studie des Meinungsforschungsinstituts Aris das genaue Gegenteil. // von Lars Sobiraj

Netzpiloten-Autor Lars Sobiraj beim Safer Internet Day 2015

Im Auftrag des Branchenverbands BITKOM wurden bundesweit 512 Schüler weiterführender Schulen im Alter von 14 bis 19 Jahren befragt. Für sie gehören Mobiltelefone genauso in die Schultasche, wie ihr Pausenbrot, ihre Schulhefte oder Bücher. Momentan sind die Geräte an vielen Schulen verboten. 66 Prozent der Befragten geben an, dass die Nutzung während des Unterrichts untersagt ist. Manchen Leitern geht das noch nicht weit genug. In einigen Schulen dürfen Mobiltelefone grundsätzlich nicht mitgeführt werden.

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YouTube: Die „Tagesthemen“ für Jugendliche

republica 2014, Tag 2 - LeFloid aka Florian Mundt (adapted) (Image by republica [CC BY 2.0] via Flickr)

Die Jugend schaut Nachrichten nicht mehr im Fernsehen, sondern auf YouTube. Dort präsentieren Nachrichtenmacher wie LeFloid und Was geht Ab!? den Jugendlichen die neuesten Informationen so, wie diese sie haben wollen. Nicht Caren Miosga, Claus Kleber oder Thomas Roth, sondern LeFloid, Fräulein Chaos oder theClavinover heißen die Nachrichtenmacher für viele Jugendliche. Auf der Online-Videoplattform YouTube versammeln sie das junge Publikum und versorgen die 16 bis 24 Jährigen tagtäglich mit den neuesten Nachrichten. Alleine zwei Millionen Abonnenten kann der bekannteste deutsche Newsmoderator im Netz, LeFloid, vorweisen und erreicht mit seinem Newsformat LeNews nicht selten mehr als eine Million Zuschauer. Damit gehört der Berliner und Preisträger des Grimme Online Awards zu den erfolgreichsten YouTubern in Deutschland und erreicht mit seinen LeNews die Jugendlichen wie keine zweite Nachrichtensendung.

Mit jeder Menge Action, Humor und einer Schnelligkeit, springt Florian Mundt, wie LeFloid bürgerlich heißt, in seiner Newssendung von einem Thema zum Nächsten. Die jungen Menschen begeistert er nämlich nicht durch ausführliche Hintergrundinformationen oder zielsichere Analysen, sondern durch jede Menge Unterhaltung und Interaktion. Damit will er sich klar von Fernsehnachrichtensendungen wie der Tagesschau oder heute abgrenzen. „Mich oder andere junge Leute erreicht man nicht, wenn ein Nachrichtensprecher monoton von den schrecklichen Geschehnissen des Tages erzählt, danach zum Sport geht und danach zum Wetter und das war’s – das ist eine Einbahnstraße, es ist keine Interaktion da„, macht Mundt im Interview mit Tagesschau.de deutlich.

Die Mischung aus Unterhaltung und Informationen macht’s

Aus diesem Grund sind seine „Action News“, wie er die Art seiner Nachrichtensendung beschreibt, oft von Ironie und Satire geprägt, durch die die Videos mehr an eine Unterhaltungs- denn Informationssendung erinnern. Thematisch spricht Mundt jedoch weitgehend wichtige Nachrichten an, die auch in der Tagesschau behandelt werden. Anders als dort, gibt Mundt aber nicht nur die jeweiligen Informationen wieder, sondern bricht die Themen gekonnt auf die Quintessenz herunter und gibt dazu seinen Kommentar ab. Seine eigene Meinung ist dabei elementarer Bestandteil seiner Sendung und so macht er offen deutlich, was er über den Klimawandel oder bestimmte Politiker denkt. Dafür bekommt er auch gerne mal Kritik, da er hierdurch indirekt die Meinung von hunderttausenden Zuschauern beeinflusst. Er selbst sieht sich aber gar nicht als Journalist, sondern als Videoblogger und Entertainer, der einfach nur das Weltgeschehen kommentiert. So schafft er es auch Jugendliche, die die Nachrichtensendungen im Fernsehen scheuen, von aktuellen Themen zu begeistern und über das aktuelle Weltgeschehen zu informieren. Zusätzlich stellt Mundt all denen Zuschauern, die mehr Informationen zu den jeweiligen Themen haben möchten, Verlinkungen auf passende Artikel bereit.

Professionell produzierte Nachrichten für Jugendliche

Auch wenn Mundt mit seinen Format LeNews eine Reichweite erreicht, wie kein zweiter Nachrichtenmacher im Internet, ist er nicht der Einzige, der Nachrichten über das Internet publiziert. Mittlerweile gibt es in Deutschland sogar einen professionell produzierten Nachrichtenkanal, bei dem vergleichbar mit der Tagesschau, täglich die wichtigsten News und Informationen aus der ganzen Welt präsentiert werden. Was geht Ab!? nennt sich dieser, hinter dem das größte deutsche Multi-Channel-Netzwerk Mediakraft steckt. Ein ganzes Team aus Redakteuren recherchiert täglich und seriös die neuesten Nachrichten, welche dann in Videoform aufbereitet vorgestellt werden. Die Themen richten sich weitgehend danach, was die jungen Zuschauer sehen möchten, die sich selber aktiv über die sozialen Medien in die Themenauswahl einbringen können.

Allgemein spielt die Interaktion zwischen den Nachrichtenmachern und den Zuschauern, der Community, eine weitaus größere Rolle als beim Fernsehen. Durch Bewertungen und Kommentare kann die Community sofort und direkt ihr Feedback und ihre Meinung mitteilen, sodass die Macher von Was geht Ab!? sofort sehen können, ob sie beispielsweise ein Thema umfassend erklärt haben oder noch Fragen offen sind. In einem extra Format, dem Community Check, wird sogar gesondert auf die Stimmen aus der Community eingegangen.

Die Tagesschau für die Jugend

Somit sind die Zuschauer anders als im Fernsehen fester Teil des Konzepts und können sich in die Sendung aktiv mit einbringen. Sie entscheiden darüber, welche Nachrichten gezeigt und wie sie diese Nachrichten vermittelt haben wollen. Der Erfolg von LeFloid und Was geht Ab!? zeigt, dass die jungen Zuschauer nicht nur reine Informationen, wie beispielsweise bei der Tagesschau möchten, sondern dass sie Nachrichten, Unterhaltung und Interaktion in einer Sendung haben wollen. Dies bietet ihnen das Fernsehen nicht, die Videoplattform YouTube mit ihren zahlreichen Machern aber schon.


Image (adapted) „republica 2014, Tag 2 – LeFloid aka Florian Mundt“ by re:publica (CC BY 2.0)


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Jugendliche wollen Musik

Eltern und Web - Medienlotse

Katrin Viertel von Medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es ums Musikhören und -beschaffen.

Wenn es um Filme und Musik aus dem Netz geht, sind mir meine Kinder (14 und 16 Jahre) weit voraus. Sie wissen, was es wo zu streamen, runterzuladen und zu tauschen gibt. Was davon legal oder illegal ist, interessiert sie nicht. Ich gestehe, dass es mich zwar interessiert, dass ich aber schlicht nicht mehr Bescheid weiß. Immerhin frage ich mich noch, ob sich die Kinder strafbar machen. Muss, kann, sollte ich verhindern, dass sie sich ihre Lieblingsstücke aus dem Internet holen?

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Die Polizei und KiPo, das Gute und das Böse

Seit Jahr und Tag laufen die Gutmenschen Edlen durchs Land und propagieren Verbotsschilder und Netzsperren. Die Kriminalität im Internet. Es ist von rechtsfreien Räumen die Rede und manchmal schwingt sich jemand auf, die in eine der reichsten deutschen Familien eingeheiratet hat, im Qualitätssender RTL die Täter zu stellen. Dieses Thema kennt nur die Guten und die Bösen. Endlich mal etwas, was der mentalen Belastungsgrenze des deutschen Stammtisches angemessen ist.

Aber wie sieht es aus, wenn man in medias res geht. Denn seltsamerweise ist weder die Sauberkeit, noch die Höflichkeit und auch nicht der Reichtum dieses Landes am Stammtisch entstanden. Im BKA tummeln sich 6 Vollzeitäquivalente zum Thema Löschen von Kinderpornoseiten. Das macht bei 5000 Beschäftigten gerade mal ein gutes Promille aus. Offenbar ist den Sonntagsrednern und ihren Gattinen nicht klar, dass der Abbau des Sozialstaats nicht nur Integrationsunfähige produziert sondern auch eine riesige Brache an unbeobachteten Feldern der Kriminalität. Und es nützt nichts, den perspektivlosen Jugendlichen ohne Hauptschulabschluß ihre einzigen Chance auf Anerkennung (innerhalb der peergroup) als Dämonie unterzuschieben. Und es nützt auch nichts, wenn das Fräulein vom ehemals unbekannten und wenig beruflich profiliertem Fürsten so eben mal ein paar Pädophile vom Chat ins wahre Leben lockt.

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