Warum ein neues Gerät kaufen, wenn das alte noch gut genug ist?

Unsere Laptops, PCs,  Smartphones und Tablets sind längst gut genug für das, was der Normalnutzer damit anstellt – warum müssen wir also ständig neue Geräte kaufen? Sie kommen fast täglich neu auf den Markt und jedes verspricht ein bisschen besser zu sein, als die Konkurrenz. Dabei unterscheiden sich die Geräte oft nur minimal von Vorgängern und Konkurrenz. Die Hersteller wollen natürlich, dass wir die neuen Modelle kaufen und preisen diese daher entsprechend an. Doch sind unsere vorhandenen Geräte tatsächlich schon so alt und langsam, dass sie ersetzt werden müssen? Diese Frage wird nur in den seltensten Fällen mit „Ja“ beantwortet, aber die neuen Geräte trotzdem angeschafft. Ein Plädoyer für Geräte, die gut genug sind.

Neu ist immer besser!?

Ein neues Smartphone, ein neues Tablet oder Laptop – sie alle erscheinen uns wie die Lösung all unserer Probleme, bieten all die neuen Funktionen, die das Leben mit den derzeitigen Modellen nahezu unerträglich gemacht haben, sind viel schneller als die lahmen Krücken, die sich derzeit in unserem Besitz befinden und sehen zudem auch noch viel schicker aus. Es gibt also viele Gründe, unseren Fuhrpark elektronischer Geräte ständig auf den neuesten Stand zu bringen – allerdings sind diese Gründe bei genauerem Hinsehen eigentlich keine triftigen Gründe, sondern überwiegend nur Augenwischerei. Ein Haufen Illusionen, die von den Herstellern durch geschickte Werbekampagnen geweckt werden. Bei genauerer Betrachtung halten diese neuen Geräte aber nur selten, was die Hersteller und wir selber uns versprechen.

Werfen wir mal einen genaueren Blick auf den Smartphone-Markt. Nahezu alle Hersteller bringen jedes Jahr neue High-End-Geräte heraus. Für diese neuen Modelle müssen natürlich Kaufanreize geschaffen werden, denn schließlich will man ja Umsatz machen. Also werden die Spezifikationen leicht angehoben – ein schnellerer Prozessor, etwas mehr RAM, ein paar mehr Megapixel für die Kamera – und ein paar pfiffige neue Software-Features hinzugefügt. Bei der Präsentation wird das entsprechende Gerät dann als das Nonplusultra – das beste Gerät aller Zeiten – angepriesen. Von wirklich allen Herstellern. Viele Verbraucher wollen dann gleich eines dieser neuen Wundergeräte haben, denn ihr derzeitiges Gerät ist ja schon fast ein ganzes Jahr alt und somit eigentlich aus der digitalen Steinzeit. Doch stimmt das denn? Ist ein Vorjahresmodell schlecht, nur weil es die neuesten Wunderfunktionen nicht besitzt? Natürlich nicht. Wir leben in einer Zeit, in der die meisten Smartphones, Tablets und Laptops auf dem Markt über so viel Leistung und Features verfügen, dass sie für den Normalnutzer vollkommen ausreichen. In den Anfangszeiten der Smartphones war das sicher noch anders, aber inzwischen sind die Geräte aus den Kinderschuhen entwachsen. Die aktuellen Geräte unterscheiden sich nicht nur kaum von den Vorjahresmodellen, sondern auch kaum noch von den Geräten der Konkurrenz.

Langlebigkeit ist kein Geschäftsmodell

Wenn also Geräte von vor 3 Jahren, wie etwa das Samsung Galaxy S3 oder das iPhone 5 noch ausreichend Leistung bieten um die aktuellen Apps auszuführen und Anforderungen eines Ottonormalnutzers zu erfüllen, müssen wir nicht den alljährlichen Upgrade-Wahn mitmachen, sondern dem Reiz des Neuen widerstehen und uns damit abfinden, dass unsere Geräte vielleicht nicht die neueste Kameratechnologie, den schnellsten Prozessor oder die neuesten Software-Features besitzen, aber dennoch gut genug ist. Für Nutzer wird es zudem immer leichter, sich gebrauchte Gadgets zu kaufen, defekte Geräte reparieren und neue versichern zu lassen. Doch die Hersteller arbeiten recht stark gegen die boomenden Geschäftszweige an, indem sie die Geräte zum Beispiel so gestalten, dass sie immer schwieriger und aufwändiger zu reparieren sind. Auch geplante Obsoleszenz wir immer wieder einigen Herstellern vorgeworfen, was nicht ganz abwegig erscheint, denn Langlebigkeit ist kein Geschäftsmodell, mit dem ein Unternehmen lange überleben kann.

Ein weiteres Problem, das durch die alljährliche Aufrüstung unserer Gadgets entsteht ist ein monströser Berg aus Elektroschrott, der Jahr für Jahr weiter ansteigt. Auch wenn wir die ausgedienten Geräte nicht wegwerfen, sondern weitergeben oder verkaufen, am Ende dieser Kette wird doch ein Gerät aussortiert, das auf den Abfall wandert. Im vergangenen Jahr wurden laut einem Bericht der United Nations University zufolge weltweit 41,8 Millionen Tonnen Elektroschrott angehäuft – so viel wie noch nie. Auch wenn der Großteil davon Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen sind, machen Mobiltelefone, Computer, Laptops und ähnliche Gadgets immerhin 7 Prozent der Gesamtmenge aus. Dies ist ein stetig wachsendes Problem, nicht nur, weil die Umwelt unter den Altgeräten leidet, da nur ein geringer Prozentsatz davon ordnungsgemäß recycelt wird, sondern auch weil der Elektroschrott überwiegend in Entwicklungsländer geschifft wird, wo bei der Rückgewinnung der Wertstoffe durch den Einsatz primitiver Mittel auch Schadstoffe freigesetzt werden, die Menschen und Umwelt massiv schädigen. Auch die Gewinnung der seltenen Erden und anderer Rohstoffe in Konfliktregionen, oder die Produktion der Geräte in asiatischen Fabriken finden überwiegend unter menschenunwürdigen Zuständen statt. Es gibt am Ende also mehr gute Gründe sich mit den Geräten anzufreunden, die noch gut genug sind, als Gründe, diese mit neuen Modellen zu ersetzen.


Teaser & Image (adapted) by Phil Roeder (CC BY 2.0)


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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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