Tracker sind überall – und es werden immer mehr. Gut so!

Wir könnten eine bemerkenswerte Menge an Informationen über eine Person und ihren Gesundheits- und Sicherheitszustand sowie ihre Umgebung sammeln, wenn wir ein Tracking-Gerät applizieren würden. Betrachten wir zum Beispiel die jüngste Chemiekatastrophe in Tianjin, bei der 173 Menschen gestorben sind. Ermittler fanden heraus, dass die Explosion aufgrund von illegalen und unsicher gelagerten Gefahrstoffen entstand. Was wäre geschehen, wenn die Behörde frühzeitig Warnungen bezüglich der illegalen Bestandsgrenzen erhalten hätten, oder über den Zustand der Nitrozellulose, die das Feuer entfacht hatte, als sie austrocknete und überhitzte?

Bei Vorkommnissen wie diesen kann Tracking durchaus wichtige Probleme lösen und, was noch viel wichtiger ist, Leben retten. Bei der Untersuchung zu Data61 von CSIRO haben wir eine Sicherheitsplakette entwickelt, die die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten soll. Die Plakette zeichnet die Position des Trägers via Bluetooth und GPS auf, egal ob sich die Person drinnen oder draußen aufhält. Sie misst durch spezielle Sensoren, wie lange man schädlichen Gasen oder Strahlung ausgesetzt ist. Das Hauptziel der Plakette ist es, jegliche Art einer erhöhten Belastung durch Chemikalien oder Strahlung aufzuzeichnen und Arbeiter sowie Arbeitgeber über Maßnahmen zur Abhilfe zu informieren. Arbeiter, die eine Sicherheitsplakette effektiv nutzen, können zu mobilen Sensoren werden, die uns darüber informieren, was gerade am gesamten Arbeitsplatz passiert. Durch ihre Bewegung können die Plaketten Daten verschiedener Bereiche zu unterschiedlichen Uhrzeiten erfassen. Das ermöglicht, die Arbeitsstätte effektiver und kostengünstiger abzudecken als es mit stationären Sensoren möglich gewesen wäre.

Wenn Arbeiter in Chemiefabriken wie in Tianjin solche Plaketten mit den entsprechenden Sensoren tragen, können erhöhte Mengen an schädlichen Chemikalien entdeckt werden. Das hat zur Folge, dass Behörden frühzeitig alarmiert und Unfälle verhindert werden können.

Mikro-Größe, Makro-Potential

Das Tracking einzelner Tiere ist ebenso aufschlussreich wie die des Menschen. Wir haben kleine solarbetriebene Tracking-Geräte mit GPS-Funktion an den Körpern von Flughunden angebracht. Andere Sensoren zeichnen  Temperatur, Druck, Sonneneinstrahlung und Geräusche auf. Die Informationen, die wir von diesen Sensoren erhielten, lieferten uns nicht nur viele Informationen darüber, wie Fledermäuse Saatgut über die Landschaft verteilen, sondern gaben auch einen Einblick über die Funktion der Tiere in der Virusverbreitung.

Die markierten Tiere fungieren auch als Sensoren für die Umwelt. Sie können wertvolle Informationen über Umweltbedingungen in weiten Teilen des Landes liefern, die zuvor nicht zugänglich waren. So wurden beispielsweise Temperaturdaten von mobile Sensoren aufgezeichnet, die Informationen über Bedingungen der Orte lieferten, zu welchen die Tiere zogen. Ein Mikrofon kann sogar die Klanglandschaft in abgelegenen und schwer zugänglichen Bereichen erfassen.

In ähnlicher Weise kann ein Tracker mit Gas- oder Geräuschsensoren bei öffentlichen Verkehrsmitteln wie Leihfahrrädern, Bussen, Zügen, Straßenbahnen und Fähren angebracht werden. Diese Fahrzeuge können für die Stadt eine günstige Aufzeichnungsmöglichkeit über Elektrosmog oder Lärmverschmutzung darstellen. Da die Sensoren immer kleiner werden, ist es möglich, mehr von ihnen an das Aufzeichnungsgerät anzubringen. Sensoren, die in der Lage sind, Gefahren für die menschliche Gesundheit oder die biologische Sicherheit aufzuzeichnen, werden sich bald in diesen Bereichen verbreiten. So senden die mobilen Tracking-Geräte frühzeitige Warnungen vor schädlichen Bedrohungen in die Umgebung aus.

Natürlich müssen ethische und rechtliche Fragen rund um Schutz und Eigentum der Daten und deren Wiederverwendung sowohl im öffentlichen Bereich als auch im privaten Sektor mit Sorgfalt behandelt werden.

Spielchen mit Telefonaufzeichnungen

Tracking ist jedoch nicht auf spezielle Geräte angewiesen. Smartphones und andere Geräte, die wir ständig bei uns tragen, zeichnen bereits unsere Aufenthaltsorte und Informationen über unsere Umgebung auf. Während die Öffentlichkeit zunehmend bewusster und besorgter über die Auswirkungen unserer Privatsphäre wird, gibt es noch einen Silberstreif am Horizont, wenn es darum geht, Menschen aufzuzeichnen.

Tatsächlich haben jüngste Forschungen gezeigt, dass Informationen über den Aufenthaltsort durch Mobiltelefone dabei helfen können, die Quelle von Infektionskrankheiten wie Malaria auf nationaler Ebene zu lokalisieren. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch auf andere Ausbrüche von Infektionskrankheiten angewendet werden. Anhand des weltweite Flugverkehrs kann man ein Muster erstellen, um so den Ausbreitungszeitpunkt von Epidemien über Länder und Kontinente hinweg vorherzusagen.

In Australien arbeiten wir an Projekten, die verschiedene Datensätze verwenden, von Tweets mit Geotags bis hin zu  Gesprächsaufzeichnungen über Handys. Mit diesen Daten kann die Ausbreitung von durch Moskitos übertragbare  Krankheiten wie dem Dengue-Fieber vorhergesagt werden und man versucht, diese Ausbreitung zu verhindern. Solche Bemühungen stellen einen eindeutigen Nutzen für das Gesundheitswesen dar, da sie zu verringerten Infektionsraten führen oder die staatliche Reaktion unterstützen.

Rundumbeobachtung

Allerdings dürfen diese ganzen Vorteile nicht auf Kosten der individuellen Privatsphäre gehen. Es ist enorm wichtig, dass solch eine Praxis wie Tracking und die entsprechende Datennutzung unter strengen ethischen Rahmenbedingungen abgehalten wird. Der erste Schritt könnte beispielsweise sein, identifizierbare Informationen aus Studien zu löschen. Allerdings ist dies allein ebenso nicht ausreichend.

Bewegungsmuster von Personen können dazu verwendet werden, um auf ihre Identität zu schließen, indem die von ihnen meistbesuchten Orte oder Adressen nachverfolgt werden. Glücklicherweise können Studien, die die Bewegungsmuster einer Person als Vertreter für das Ausbreiten einer Krankheit nutzen, auf gesammelte Daten der Bevölkerung zurückgreifen. In diesem Szenario werden individuelle Bewegungsmuster kombiniert, um dadurch den Hauptstrom in einer Gegend erfassen zu können. Diese Ströme können dazu genutzt werden, die Bereiche mit dem größten Risiko für Infektionen darzustellen. Gleichzeitig können gezielten Gegenmaßnahmen eingeführt werden.

Zwei Bereiche, in denen solche Überwachungen bereits Vorteile bringen könnten, wären Gesundheit und Biosicherheit. Diese Technologie könnte den geographischen Fortschritt von Infektionskrankheiten verfolgen, wodurch Prävention und Vorbereitung unterstützt werden könnten.

Die elektronische Aufzeichnung von einzuführenden Warensendungen könnten ebenso eine unterstützende Funktion in Sachen Biosicherheit übernehmen, da sie zu einem schnellen Auffinden von Schädlingsbefall beitragen kann. Auch in Sachen Transport ist man hier vorn mit dabei: mit Hilfe von kartenbasierten Anwendungen, die Updates zu den aktuellsten Verkehrsbedingungen liefern und im Austausch mit den Positions- und Geschwindigkeitsdaten.

Information ist unglaublich wichtig und die Tracking-Technologie kann eine Fülle von Informationen von uns und unserer Umgebung zur Verfügung stellen. Dies tut es bereits für die Tierwelt, und genau dasselbe kann es auch für die Menschen tun. Wenn wir die Probleme im Bereich der Privatsphäre und der Sicherheit lösen, können wir Technik entwickeln, mit der auch kleinere Dinge über einen längeren Zeitraum verfolgt werden und so eine Fülle an Daten für den Aufbau neuer Dienste für den allgemeinen Nutzen zur Verfügung gestellt werden kann.

Eine Frage aber bleibt: Wie viel Privatsphäre sind wir bereit aufzugeben für die potentiellen Vorteile dessen, was die Tracking-Technologie für die Menschheit tun kann?

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Im Falle von inhaltlichen Abweichungen der deutschen Übersetzung vom englischen Urtext gilt allein die Fassung des englischen Urtextes.


Image (adapted) „Rush Hour“ by Justin Wolfe (CC BY 2.0)


The Conversation

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Raja Jurdak

Raja Jurdak

ist Wissenschaftler des Zentrums für wissenschaftliche Forschung (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation) in Canberra. Er leitet die Untersuchungen im Bereich der "Sensing Systems Group" in Brisbane und Hobar.

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