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Warum ich meine Genomsequenz für die Öffentlichkeit gespendet habe

DNA (adapted) (Image by PublicDomainPictures [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Vor ein paar Jahren habe ich mein komplettes Genom sequenzieren lassen – alle sechs Milliarden Basenpaare. Und anstatt es für mich selbst zu behalten, habe ich es als erster Mensch weltweit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, indem ich es dem Personal Genome Project UK, einer von Forschern geleiteten Organisation, gespendet habe. Da jeder auf die Daten zugreifen kann, kann die Öffentlichkeit – in Zusammenarbeit mit professionellen Wissenschaftlern – einen Beitrag zur Datenanalyse leisten.

Meine Spende habe ich unter dem umstrittenen Prinzip der freiwilligen Zustimmung gemacht. Vier andere Leute haben dies seitdem getan. Das bedeutet, dass wir damit einverstanden sind, dass unsere personenbezogenen Daten für jedermann frei zugänglich sind und keinen Anspruch auf Privatsphäre erheben. Das Projekt hört nicht bei der Verbreitung persönlicher Genomsequenzen auf, sondern geht weit darüber hinaus, indem es die Daten mit persönlichen Gesundheitsdaten, Informationen über Merkmale und die Umweltexposition des Einzelnen verknüpft. Gerade diese reichhaltige Informationsvielfalt macht die Initiative zum persönlichen Genomprojekt einzigartig und mächtig.

Daten aufdecken

Die menschliche Genomsequenz kann auch als der ultimative digitale Identifikator angesehen werden – wir alle haben eine einzigartige Sequenz. Derzeit werden die meisten Humangenom-Daten anonym gehalten, und es ist nicht generell möglich, diese Daten mit den persönlichen Daten der Versuchspersonen zu verknüpfen. Aber das reduziert die potenzielle Nutzbarkeit erheblich.

Je mehr Genome wir mit zusätzlichen Informationen verknüpfen können, desto näher rücken wir an die Aufdeckung der genauen Merkmale und Bedingungen heran, die mit welchen Genen verbunden sind. Wenn wir das wissen, werden die Behandlungsmöglichkeiten enorm sein. Es wird eine echte, personalisierte medizinische Behandlung ermöglichen, in der wir Krankheiten vorhersagen können und genau wissen, auf welche Behandlungsmöglichkeiten jeder einzelne Mensch anspricht. Da die wissenschaftliche und medizinische Forschung solche Entdeckungen immer wieder macht, können diese in Zukunft durch aktualisierte Genomberichte mit den Teilnehmern der Projekte geteilt werden.

Viele führende Wissenschaftler sind der Meinung, dass es äußerst schwierig ist, genomische Daten anonym zu halten. Obwohl es Versuche gibt, die Methoden zu verbessern, gab es Fälle in denen anonyme Probanden in Forschungsarbeiten leicht identifiziert werden konnten. Oft anhand von Informationen wie Alter, Geschlecht und Postleitzahl. Vielleicht müssen wir also die Vorstellung aufgeben, dass Daten für alle Ewigkeit vollkommen anonymisiert werden können.

Es gibt Großartiges über den Beitritt zum persönlichen Genomprojekt zu berichten. Man erhält Zugang zu einem Team führender Genforscher und Bioinformatiker und bekommt detaillierte Infos über sein persönliches Genom. Ich fand meinen persönlichen Genombericht sehr hilfreich. Es hat mögliche Gesundheitsrisiken aufgezeigt, von denen ich einige mit meinem Hausarzt besprochen habe.

Eine weitere, sehr nützliche Erkenntnis ist, dass ich mehrere DNA-Varianten habe, die mich daran hindern, viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente in meinem Körper abzubauen oder zu transportieren. Infolge dessen weiß ich auch, welche Stoffe bei mir funktionieren. Tatsächlich könnte möglicherweise sogar eine bestimmte Art Droge für mich tödlich sein. Gut, dass ich das weiß.

Ich möchte die Menschen auf jeden Fall ermutigen, an dem Programm teilzunehmen. Sobald Hunderttausende oder gar Millionen von Teilnehmern an der Konferenz beteiligt sind, wird das Wissen, das wir über die Auswirkungen unserer Genome auf unsere Gesundheit, unsere Eigenschaften und unser Verhalten gewinnen, einzigartig sein. Obwohl wir nicht genau vorhersagen können, was wir lernen werden, ist es wahrscheinlich, dass wir Einblicke in psychische Gesundheitsbedingungen, den Medikamenten-Stoffwechsel, persönliche menschliche Ernährung, unsere Allergien und Autoimmunerkrankungen gewinnen werden. Wir erfahren mehr über unsere Lebenserwartung, Diabetes, Herz-Kreislauf-Gesundheit und mögliche Krebserkrankungen.

Ein schwieriges Thema

Aber ich bin mir auch bewusst, dass es nicht für jeden infrage käme, sein persönliches Genom sequenziert zu bekommen. Manche Leute wollen es einfach nicht wissen und spüren, dass die Information für sie eine Menge Ängste auslösen könnte. Niemand sollte sich gezwungen fühlen, sein Genom sequenzieren zu lassen.

Ich fand heraus, dass bei meiner Sequenzierung meines Genoms ein erhöhtes Risiko für eine seltene, unangenehme Krankheit festgestellt wurde und begann sofort, Symptome zu entwickeln. Als medizinische Tests schließlich aufdeckten, dass ich nicht die notwendigen Bedingung erfüllte, verschwanden die Symptome. Das zeigt, dass solche Informationen psychosomatische Symptome verursachen können.

Eine weitere Frage, über die sich mancher vielleicht den Kopf zerbricht, ist, wie die Daten von privaten Unternehmen, einschließlich Arbeitgeber oder Versicherungen, genutzt werden können. Obwohl die Forscher sich nicht mit Genen beschäftigt haben, die mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung stehen, sind die Rohdaten für jedermann zur Analyse da. Zwar dürfen Versicherungsunternehmen derzeit noch keine Entscheidungen auf der Grundlage genomischer Daten treffen, einige könnten jedoch befürchten, dass sich dies in Zukunft ändern könnte.

Die Familie ist ein weiterer wichtiger Faktor. Schließlich teilen wir unsere Geninformationen mit unseren Eltern und Kindern – und vielleicht möchten wir das Thema vor der Bekanntgabe unseres Genoms mit ihnen besprechen. Eine andere Sache, die man bei der genomischen Prüfung bedenken sollte, ist, dass man unter Umständen herausfinden könnte, dass die eigenen Elternteile vielleicht nicht die sind, mit denen wir aufgewachsen sind. Dies geschieht in bis zu zehn Prozent der Fälle.

Ich verstehe sehr wohl, dass diese Dinge für bestimmte Menschen von Bedeutung sein können. Ich habe sie alle in Betracht gezogen, aber ich habe beschlossen, dass letztendlich eine Vorbereitung auf das Schlimmste die beste Vorbereitung ist. Wenn man weiß, dass man ein erhöhtes Risiko für eine bestimmte Krankheit aufweisen könnte, kann man frühzeitig handeln – zum Beispiel durch eine Ernährungsumstellung oder durch medizinische Spezialbehandlungen. Neben der Spende meiner Gendaten für das Gemeinwohl war dies wohl das Wichtigste für mich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „DNA“ by PublicDomainPictures (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Drei Gründe, zweimal über die Hirnkartierung nachzudenken

Kopf 1 (adapted) (image by geralt [CC0] via pixabay)

Das Gehirn hat eine wichtige Geografie. Die Großhirnrinde (die graue, äußere Schicht des Gehirns) ist in unserem Schädel so gefaltet, dass die Verbindungswege zwischen unseren Neuronen abgekürzt und die kognitiven Funktionen verbessert werden können. Und natürlich sind diese Faltungen äußerst kompliziert gestaltet. Um die Struktur des Gehirns zu verstehen, nutzen Neurowissenschaftler Orientierungspläne, um dessen Komplexität abzubilden. Auf einer Landkarte werden typischerweise Städte, Ortschaften, Länder und Kontinente abgebildet. Ganz ähnlich werden auch die Bereiche des Gehirns durch einen Mappingprozess räumlich definiert, gekennzeichnet und verständlich gemacht.

Die Hirnkartierung ist der Schlüssel, um unser Hirn zu verstehen. Die Bevölkerung wird immer älter – einer von drei Senioren wird voraussichtlich mit Anzeichen von Alzheimer oder Demenz sterben. Das Abbilden von verschiedenen Bereichen des Gehirns kann zu einer früheren Identifizierung degenerativer Erkrankungen führen. Wir sind besser als je zuvor in der Lage, den entsprechenden Volumenverlust im Gehirn aufgrund des fortschreitendem Alter aufzuzeichnen. Das wiederum könnte Menschen mit möglichen kognitiven Behinderungen helfen. Wir versuchen, herauszufinden, ob das Hirn sich altersgerecht verhält. Hierfür nutzen wir eine Art „Body Mass Index” für das Hirn.

Und wir versuchen sogar, kranke Menschen durch die Stimulation von spezifischen abweichenden Bereichen des Gehirns zu therapieren, zu bilden und medizinisch zu behandeln. In dieser Hinsicht spielt die Hirnkartierung eine wichtige Rolle bei der Strukturierung des Gehirns – vor allem, wenn es darum geht, degenerative Erkrankungen zu erkennen.

Die “Neurokartografie” ist eine neuartige Möglichkeit, um die Komplexität des Gehirns zu prüfen und verstehen. Doch sie wurde von Wissenschaftler, die sich mit der Dekonstruktion dieser Hirnschaltpläne beschäftigen, nur wenig beachtet. Dabei gibt es durchaus Gründe, um die Hirnkartierung kritisch zu betrachten.

Karten sind nicht neutral

Karten bilden unsere Welt nicht neutral ab, sondern sie sind soziale und politische Konstruktionen. Ländergrenzen betonen und bewahren die Autorität des Landes. Dies hat eine enorme Wirkung auf die geografische Vorstellung des Bürgers, der eine solche Karte benutzen.

Die Art und Weise, wie die dreidimensionale Geografie der Erde auf eine zweidimensionale Karte abgeflacht wird, ist auch oft politisch gefärbt. Die Mercator-Projektion, die meistbenutzte Karte der Welt, pumpt die Größe der Länder im Norden auf – ein schiefes Bild. Es existiert einfach keine perfekte Weltkarte.

Karten sind nützlich, um eine komplexe Welt mit ihren vielen Details begreifbar zu machen und zu vereinfachen. Sie stellen ein Mittel dar, um Grenzen zu ziehen und bewahren, um Argumente für sich zu gewinnen und um die Agenda weiterzuverfolgen. Sie sollen Geschichten erzählen, inkomplette Wahrheiten darstellen und als ästhetische Objekte fungieren. In dieser Funktion sind in alle Karten soziale und politische Mächte eingebettet. Das ist besonders zu berücksichtigen, wenn die Karten als Mittel der wissenschaftlichen Autorität herangezogen werden.

Alle Karten – egal, ob es sich hierbei um geografische oder neurologische Darstellungen handelt – müssen kritisch bewertet werden. Sie haben eine inhärente Kraft, für ein gewisses Bewusstsein zu sorgen. In die nun beginnende Phase der Hirn-Kartierung muss uns bewusst werden, wie sehr wir ähnliche Vorstellungen in diesem Bereich beeinflussen oder beschmutzen können. Wir müssen prüfen, wie, warum und wo diese Art der Kartierung produziert und benutzt wird.

Es gibt keine Einheitsgröße

Die Hirnkartierung wird als Mittel der wissenschaftlichen Autorität herumgereicht und gilt damit als seriös. Doch das perfekte Gehirn gibt es nicht – und auch nicht die perfekte Hirnkartierung. Die Verschiedenheit der einzelnen Hirnvolumen, Formen und Dichten ist enorm. Globale und regionale Hirnvolumen spiegeln den lebenslangen zusätzlichen und interaktiven Einfluss mehrfacher genetischer, ökologischer und empirischer Faktoren.

Die Einheitsgröße der Karte spiegelt nicht die Vielfalt der Gehirne, auch wenn diese manchmal wichtig ist, um die Denkweise größerer Menschenmassen zu verstehen. Kritik ist also wichtig. Dank unserer Erfahrung wissen wir, dass die wissenschaftliche Repräsentation des Gewisses uns zu Orten führen kann, an denen die Autorität der Karte nicht hinterfragt wird und andere mögliche Interpretationen offenlässt.

Es gibt auch kein perfektes Beispiel für ein schizophrenes Gehirn. Jeder Patient ist einzigartig und die Gesundheit des Gehirns muss im Zusammenhang mit anderen Faktoren bewertet werden. Der Plan muss mit einem Arztbesuch und umfangreiche Untersuchungen beginnen. Unter anderen ist die Familien- und die individuelle Krankheitsgeschichte wichtig. Auch können eine Blutuntersuchung, eine kognitive Prüfungen und ein MRI wichtige Hinweise geben. Hier kann eine Hirnkartierung eher ablenken, weil sie einen personalisierten Ansatz einer individuellen Person liefert.

Im digitalen Zeitalter hat sich die Idee des Eigentums verändert

Ebenso wichtig ist es, die Fortschritte in der digitalen Technologie zu überprüfen. Dies dient dazu, um zu verstehen, wie das Gehirn in eine Karte umgewandelt wird. Die Hirnkartierung hat innerhalb des technologischen Fortschrittes in den letzten 30 Jahren, wie die MRI-Scanner, einen massiven Wandel durchgemacht. Heute ist es möglich, die Karten einfacher zu verteilen und produzieren. Dass ermöglicht eine positive Interaktivität zwischen Wissenschaftler und einem großen Publikum. Projekte wie ENIGMA, das Human Brain Project (HBP) und die BRAIN Initiative bieten bereits eine Plattform für Beiträge und für eine umfassendere Zusammenarbeit auf dem Feld der Hirnkartierung.

Wie die Karte selbst, hat auch die Technologie implizite soziale und kulturelle Vorurteile, die dargelegt werden sollen, um richtig zu verstehen, wie, warum und wo Gehirn-Karten produziert und benutzt werden.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist rigoroser denn je, aber Gehirn-Karten haben noch nicht unser komplettes Leben verändert. Google Earth und Google Maps haben die Art verändert, wie wir ihnen unserer Umgebung umgehen – als die Technik eingeführt wurde, hätten wir uns eine Nutzung, wie sie heute stattfindet, nicht einmal träumen lassen. Wenn wir also ein wenig spekulieren – was wäre, wenn wir uns mit unserem Bewusstsein durch die Städte bewegen könnten, so wie wir uns jetzt durch die Städte bewegen, in denen wir leben oder die wir besuchen?

Denkt man ein paar Schritte weiter, kommt man unweigerlich zu der Frage, wie die möglichen Vor- oder Nachteile der VR-Technologie für die Hirnkartierung aussehen könnte. Wie können wir Gehirn-Karten in Zukunft visualisieren und erleben? Und sind wir in der Lage, die Hirnkartierung in Hinblick auf Eigentum und Urheberschaft besser sicherzustellen, als Laien dies tun würden?

Diese und anderen Fragen müssen bedacht werden. Die Hirnkartierung entwickelt sich schnell und es ist wichtig, dass wir eine kritischere Vorgehensweise anwenden, um diese Vorgänge zu verstehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Kopf “by geralt (CC0 Public Domain)


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Schimpansen und ihre Freunde chillen besser: Neue Studie gegen Stress

Ob es um den Trost nach dem Tod eines geliebten Menschen geht oder um Mitgefühl, wenn unser Team wieder einmal verloren hat – unsere sozialen Beziehungen sind für den Versuch, ein glückliches, weniger stressfreies Leben zu führen, unbezahlbar. Die Rolle von sozialen Interaktionen und Bindungen zur besseren Stressreduzierung wurden bei vielen Spezien untersucht, von Ratten bis zum Elefanten.

Aber die Jury ist sich noch nicht sicher, wie Freunde uns dabei helfen, mit Stress auf einem psychologischen Level umzugehen. Neue Forschungen zu Beziehungen zwischen Schimpansen suggerieren, dass Freunde nicht nur einfach einen „sozialen Puffer“ erschaffen, indem sie uns in stressigen Zeiten helfen. Sie reduzieren möglicherweise auch das Stresslevel im Allgemeinen, indem sie in unserem Leben einfach nur anwesend sind, wodurch die Art und Weise reguliert wird, wie unser Körper mit Hormonen, die ein Anzeichen für Stress sind, umgeht.

Stress wurde ausführlich bei zahlreichen nicht-menschlichen Primaten erforscht, einschließlich bei Schimpansen, Makaken und Pavianen und wir wissen, dass er verheerend sein kann. Zum Beispiel können hohe Stresslevel bei Pavianen Magen- und Darmgeschwüre verursachen und sogar zu einem früheren Tod führen. Starke soziale Bindungen agieren anscheinend als ein Puffer gegen die schlimmsten Folgen von Stress. Es gibt einen umfassenden gesundheitlichen Nutzen hierdurch, zum Beispiel einen überraschenden Anstieg in der Überlebensrate von Säuglingen unter den weniger gestressten Pavian-Müttern.

Wenn es darum geht, was im Körper passiert, wissen wir, dass ein gutes soziales Umfeld mit einer Abnahme der Hormone, die ein Anzeichen für Stress sind, wie etwa Glucocorticoide, korreliert. Aber wir wissen nicht genau, wie das vonstatten geht.

Sozialer Puffer

Ein neulich veröffentlichter Artikel im Nature Communications Journal erforscht zwei mögliche Mechanismen hinter der Art und Weise, wie soziale Bindungen als ein Puffer in Sachen Stress bei Schimpansen agieren. Die Forscher betrachteten zwei gegensätzliche Theorien: ob „Bindungspartner“ (dies entspricht bei den Schimpansen einem Freund) die besonders stressigen Zeiten einfach weniger stressig machen oder ob die Effekte dieser Partnerschaft im Verlauf des Tages bemerkt werden.

Die Forscher beobachteten wild lebende Schimpansen auf einem schon seit langem bestehenden Gelände in Uganda über einen Zeitraum von zwei Jahren, wobei eine Reihe aggressiver und kooperierender sozialer Interaktionen beobachtet wurden.

Dazu gehörten die Zeiten, zu denen die Tiere geruht, gegenseitig Fellpflege betrieben oder zu denen sie Herdenmitglieder anderer Schimpansengruppen gesehen oder gehört haben. Die Forscher haben die Stresslevel der Schimpansen gemessen, indem sie umfangreiche Urin-Proben gesammelt haben, um diese auf das Vorkommen von Glucocorticoide zu testen.

Um eine potenzielle Stress-Situation zu erschaffen, wartete ein erfahrener Assistent der Fachrichtung, bis kleine Gruppen der Schimpansen in der Nähe der Grenzen des Territoriums waren und trommelte dann auf die großen Baumwurzeln. Dies ahmte das Trommelgeräusch nach, das die Schimpansen erzeugen, um innerhalb und zwischen den sozialen Gruppen zu kommunizieren. Man wollte sehen, wie diese Konfrontation mit dem Trommeln von den einzelnen Schimpansen wahrgenommen wird, abhängig von ihrer sozialen Unterstützung.

Der Hormonpegel im Urin der Schimpansen zeigte, dass sie – vielleicht wenig überraschend – dazu neigen, gestresster zu sein, wenn sie einem Tier einer anderen Gruppe begegnen (oder glauben, einem solchen zu begegnen). Aber die Forschung zeigte auch, dass die sozialen Beziehungen den Stress augenscheinlich immer reduzierten, aber eben nicht in den stressigsten Situationen. Dies suggeriert, dass es für Schimpansen wichtig ist, einen „Bindungspartner“ zu haben, mit dem sie regelmäßig in freundlicher und kooperativer Weise interagieren können und dem gegenüber sie sich nur selten aggressiv verhalten.

Es scheint, als ob die tägliche Präsenz von Bindungspartnern während, sowohl innerhalb als auch außerhalb stressiger Situationen, tatsächlich das System reguliert, das den Hormonhaushalt des Körpers steuert, wodurch das gesamte Stresslevel reduziert wird. Während die aktive Unterstützung eines Bindungspartners das Glucocorticoide-Niveau am meisten senkt, führt ihre bloße Anwesenheit auch zu weniger Stress.

Obwohl es in dieser Studie nicht bewiesen wurde, glauben die Autoren, dass Oxytocin (das oft auch als „Liebeshormon“ bezeichnet wird) möglicherweise auch für diese Regulierung verantwortlich ist. Allgemeiner gesagt hilft dieses Hormon-Gleichgewicht möglicherweise auch dabei, das Immunsystem, die Herzfunktion, die Fruchtbarkeit, die Stimmung und sogar die Wahrnehmung zu verbessern.

Es ist einfach, die Schimpansen in Gedanken durch Menschen zu ersetzen und statt der Bezeichnung „Bindungspartner“ die Bezeichnung „Freund“ zu verwenden. Wir alle stellen fest, dass schwere Zeiten mit einer freundschaftlichen Schulter zum Ausweinen einfacher zu bewältigen sind. Selbst in einem alltäglichen Kontext ist unser Leben dieses kleine bisschen schöner, wenn wir wissen, dass unsere Freunde da sind.

Aber diese Abhandlung zeigt auf, dass die Bildung und die Instandhaltung solcher enger sozialer Bindungen mit anderen einen bedeutenden, messbaren Nutzen für das körperliche und seelische Wohlergehen der Schimpansen hat und es wird auf einem physiologischen Level reguliert. Dies könnte uns nicht nur bei unserem weiteren Verständnis der Evolution des menschlichen Sozialverhaltens helfen, sondern auch die Art beeinflussen, wie wir mit körperlichen Krankheiten und seelischen Schmerzen innerhalb der menschlichen Gemeinschaften umgehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „chimps“ by Pixel-mixer (CC0 Public Domain)


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Warum wir immer verlängerte Wochenenden haben sollten

Car driver (image by Unsplash [CC0 Public Domain] via Pexels)

Wenn wir uns ein paar freien Tagen im August oder einem verlängerten Wochenende nähern, könnten wir über die Zeit nachdenken, die wir der Arbeit widmen. Was wäre, wenn jedes Wochenende drei oder sogar vier Tage dauern würde? Was wäre, wenn der Großteil der Woche für Aktivitäten zu Verfügung stehen würde, statt für die Arbeit? Was wäre, wenn unsere Zeit für arbeitsfreie Aktivitäten unserer Wahl reserviert wäre?

Diese Fragen zu stellen, lädt geradezu zu utopischem Denken ein. Während weniger Stunden zu arbeiten prinzipiell eine gute Idee ist, ist es in der Praxis nicht durchführbar. Tatsächlich würde diese Errungenschaft mit dem Risiko des niedrigen Verbrauchs und der erhöhten wirtschaftlichen  Not einhergehen.

Für einige Befürworter der Arbeitsmoral liegt der Weg zu Gesundheit und Glück in der Verewigung in der Arbeit und nicht in dessen Reduktion. Arbeit macht uns gesünder und glücklicher. So eine arbeitsbejahende Ideologie wird für die Legitimation von Sozialreformen eingesetzt. Damit werden die Arbeitslosen, unabhängig von deren Lohnsätzen und qualitativen Merkmalen, zur Arbeit gezwungen. Es bietet auch eine ideologische Barriere für den Fall, weniger Zeit bei der Arbeit verbringen zu wollen. Weniger zu arbeiten, wird als eine Bedrohung für unsere Gesundheit und unser Glück präsentiert – und nicht als eine Möglichkeit, diese zu verbessern.

Dennoch ist die Idee, weniger zu arbeiten, nicht nur möglich, sondern auch die Grundlage für eine bessere Lebensqualität. Es ist ein Zeichen dafür, wie es dazu kam, dass wir Arbeit und dessen Einfluss in unserem Leben akzeptieren und wir diese Idee nicht sogleich begreifen.

Der Preis für mehr Arbeit

Immer mehr Studien zeigen die Kosten der Verlängerung der Arbeitszeit für die Menschen auf. Dazu kommt noch eine schwindende körperliche und geistige Gesundheit. Lange Arbeitszeiten können das Risiko für einen Schlaganfall, koronare Herzerkrankungen und die Entwicklung von Typ-2 Diabetes erhöhen.

Weil wir die meiste Zeit arbeiten, verlieren wir potentielle Zeit für unsere Freunde und Familie. Desweiteren geht uns die Möglichkeit verloren, einfach zu leben und Dinge zu tun, die das Leben wertvoll und lebenswert machen. Unser Leben ist oft zu sehr mit unserer Arbeit verbunden, als dass wir wenig Zeit und Energie für die Suche für alternative Lebensweisen finden – kurz gesagt, unsere Fähigkeit, unsere Talente und Potenziale zu finden, ist durch unsere Arbeit eingeschränkt. Arbeit lässt uns nicht selbständiger werden, sondern sie hemmt uns und macht es schwieriger, unsere Wünsche auszuleben.

All dies spricht für die Notwendigkeit, weniger zu arbeiten. Wir sollten die Arbeitsmoral herausfordern und alternative Lebensweisen vorantreiben, die weniger arbeitsorientiert sind. Und wenn weniger Lebenszeit bei der Arbeit verbracht wird, sondern wir uns mit der Beseitigung von Arbeitsausbeutung beschäftigen, können wir auch die eigenen Vorteile von Arbeit an sich besser erkennen. Weniger zu arbeiten, mag nicht nur ein Mittel sein, um besser zu arbeiten, sondern auch, um das Leben mehr zu genießen.

Hindernisse für weniger Arbeit

Der technologische Fortschritt wurde in den vergangenen Jahrhunderten kontinuierlich vorangetrieben, um die Produktivität zu steigern. Nicht immer hat der Produktivitätsgewinn jedoch zu kürzeren Arbeitszeiten geführt. Zumindest in der Neuzeit wurde dieser Überfluss dazu verwendet, um die Erträge der Kapitalseigentümer zu erhöhen. Dies geschah zumeist auf Kosten der gleichbleibenden Löhne für die Arbeiter.

Der mangelnde Fortschritt bei der Arbeitszeitverkürzung in den modernen kapitalistischen Wirtschaften spiegelt stattdessen den Einfluss von Ideologie und Macht wider. Einerseits haben die Auswirkungen des Konsums starke Kräfte zugunsten längerer Arbeitszeiten geschaffen – die Arbeitnehmer sind ständigen Überredungsversuchen ausgesetzt, mehr zu kaufen und sind damit zu mehr Arbeit gezwungen, um mit dem neuesten Trend oder Mode mitzuhalten und bei ihren Kollegen nicht hintenanzustehen.

Andererseits hat die geschwächte Kraft der Arbeit verglichen mit der des Kapitals ein Umfeld geschaffen, das sich zur Verlängerung der Arbeitszeit eignet. Die kürzlich bekannt gewordenen Arbeitspraktiken bei Amazon sprechen für die Macht des Kapitals, den Arbeitern schlechte Arbeitsbedingungen einschließlich übermäßiger Arbeitsstunden aufzuerlegen. Die Auswirkungen der steigenden Ungleichheit hat auch eine Kultur langer Arbeitszeiten genährt, welche durch die Erhöhung der wirtschaftlichen Notwendigkeit mehr zu arbeiten hervorgerufen wurde.

David Gräber tätigte die provokante Behauptung, dass sich zeitgleich mit der Weiterentwicklung der Technologie die – wie er es nennt – „bullshit“ oder sinnlosen Arbeitsplätze vervielfacht haben. Das ist der Grund, warum wir bei Keynes Vorhersage nicht umsetzen konnten, dass wir alle als Folge des technischen Fortschritts im 21. Jahrhundert nur 15 Stunden in der Woche arbeiten.

Stattdessen leben wir in einer Gesellschaft, in der Arbeit geschaffen wird, die keinen sozialen Wert hat. Der Grund dafür ist nach Gräber die Notwendigkeit der herrschenden Klasse die Arbeiter in der Arbeit zu halten. Während die Technik mit dem Potenzial, die Arbeitszeit zu verkürzen, existiert, ist die herrschende Klasse nicht bereit, dieses Potenzial zu erkennen. Dies begründet sich mit der politischen Herausforderung einer arbeitenden Bevölkerung mit verfügbarer Zeit. Weniger arbeiten wäre möglich und wünschenswert, wird jedoch durch politische Faktoren blockiert.

Arbeiten für den Wandel

Wie oben erwähnt, sind die Kosten für lange Arbeitszeiten schlechtere Gesundheit und ein geringeres Wohlbefinden der Arbeiter. Für die Arbeitgeber entstehen dadurch Kosten in Hinblick auf eine geringere Produktivität und eine geringere Rentabilität. Jedoch bleiben diese Kosten trotz Beweise für deren Existenz unbemerkt. Auch hier kann politisch erklärt werden, warum kürzere Arbeitszeiten von vielen Arbeitgeber nicht angenommen wurden.

Experimente für kürzere Arbeitszeiten existieren bereits. Uniqlo, ein japanischer Einzelhändler für Bekleidung, ermöglicht es seinen Mitarbeitern, für vier Tage in der Woche zu arbeiten. Über dieses Modell wurde auf positive Weise ausschweifend berichtet. Die Mitarbeiter profitieren von einer besseren Work-Life-Balance, während das Unternehmen die Vorteile von niedrigeren Arbeitskosten aufgrund der geringeren Umsatzkosten erntet.

Doch bei näherer Betrachtung hat das neue Schema von Uniqlo seine Schattenseiten. Als Gegenleistung für eine viertägige Arbeitswoche wird von den Arbeitern erwartet, dass sie in zehnstündigen Schichten während ihrer Einsatztage arbeiten, eine 40-Stunden-Woche wird also in vier Tage gequetscht.

Dies ist nicht nur eine Erweiterung der normalen Länge eines Arbeitstages, sondern bringt die möglichen Gewinne einer viertägigen Arbeitswoche in Gefahr. Arbeiter könnten nach dieser vier-Tage-Woche dermaßen erschöpft sein, dass sie einen ganzen Tag für die Erholung dieser Strapazen benötigen. In diesem Fall wird sich ihre Qualität der Arbeit und des Lebens überhaupt nicht verbessert haben, sondern diese wird durch die möglicherweise erlittenen negativen Auswirkungen gemindert, die erst durch Übermüdung verursacht werden.

Ironischerweise veranschaulichen die Systeme, wie sie von Uniqlo eingeführt wurden, die Hindernisse, welche bestehen bleiben, um weniger Arbeit zu erreichen. Nur eine Reduktion der Wochenarbeitszeit auf 30 Stunden oder weniger kann als ein echter Fortschritt für das Erreichen der kürzeren Arbeitszeit angesehen werden.

Damit wir ein drei- oder idealerweise viertägiges Wochenende erreichen – und genießen – können, bedarf es einer Gesellschaft, die die vorherrschende Arbeitsmoral untergräbt. Wir müssen die Idee,  weniger zu arbeiten, als ein gut gelebtes Leben wahrnehmen. Wir müssen ein leben ablehnen, in dem Arbeit als Ein und Alles und das Ende allen Erlebens gilt.

Genießen wir unsere freien Tage, solange wir können. Wir sollten es als eine Erinnerung an ein Leben ansehen, das machbar sein könnte – ein Leben, das wir zu erreichen versuchen, indem wir  Lösungen finden, um die wirtschaftlichen und politischen Barrieren für weniger Arbeit zu überwinden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Car driver“ by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Macht die Arbeit am Computer krank?

startup (image by StartupStockPhotos[CC BY 1.0] via Pixabay

Sie folgen uns ins Büro, begleiten uns in den Feierabend und leisten uns Gesellschaft im Schlafzimmer: Computer, Laptops, Tablets und Smartphones sind unsere ständigen Begleiter. Egal ob im Job oder in der Freizeit, diese Geräte sind einfach nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Doch so hilfreich diese technischen Helfer für uns auch sein mögen, so schädlich sind sie auf Dauer für unseren Körper. Vielen ist gar nicht bewusst, wie sehr sie ihren Körper durch die Dauernutzung von Laptops & Co. belasten.

Augen zu und durch?

Wir verbringen einen Großteil unseres Tages damit auf einen Bildschirm zu starren. Das geht morgens bei der Arbeit los und hört oft erst abends beim Lesen von Artikeln auf dem Tablet auf. Doch da lauert schon die erste Gefahr: Das LED-Licht der Displays stört unsere Augen. Rötungen, Augenschmerzen getrübte oder doppelte Sicht sowie Kopfschmerzen – oft als Computer-Vision-Syndrom zusammengefasst – sind die Folge.

Risiko Augenkrankheiten

Das Risiko auf Augenkrankheiten hängt dabei nicht nur von der Dauer am Bildschirm, sondern auch von dessen Eigenschaften ab. Drei Faktoren beeinflussen, wie sehr unsere Augen vom Display belastetet werden

  1. Die Auflösung

Je nachdem, wie scharf das Bild am Display ist, müssen unsere Augen sich mehr oder weniger anstrengen, um es zu erkennen.

  1. Der Kontrast

Damit ist der Kontrast zwischen den Buchstaben und dem Vergleich im Hintergrund gemeint. Je schwammiger der Unterschied, desto schwieriger ist es für unsere Augen etwas zu erkennen.

  1. Die Helligkeit

Die Stärke des Lichts, das vom Display ausgeht, beeinflusst ebenfalls unsere Augen. Zu grelles Licht kann schmerzen, zu dumpfes Licht strengt an.

Daneben ist auch noch die Schriftgröße wichtig: Je kleiner etwas auf dem Bildschirm erscheint, umso mehr müssen sich unsere Augen anstrengen, um es zu lesen. Auch starke Spiegelungen auf dem Display, besonders intensiv bei Smartphones, belasten die Augen.

Wer seinen Augen mal eine Ruhepause vom Monitorstarren gönnen möchte, dem empfehlen Experten spezielle Augenübungen. Dazu gehört häufigeres Blinzeln. Denn die Augen trocknen durch das konzentrierte Schauen auf den Monitor schneller aus. Blinzeln sorgt dafür, dass sie mehr Flüssigkeit bekommen. Es kann auch gut tun, die Augen eine Weile komplett zu schließen oder die Hände einige Minuten davor zu halten. So können sich die Augen vom Flimmerlicht erholen.

LED-Licht wirkt wie Koffein

Neben dem erhöhten Risiko auf Augenkrankheiten, haben Wissenschaftler noch eine weitere Gefahr in den Displays entdeckt: Sie stören unseren natürlichen Schlafrhythmus. Gerade wenn wir vor dem Schlafengehen noch kurz auf das Smartphone schauen und hier lesen oder chatten, sorgt das LED-Licht am Display dafür, dass unsere Müdigkeit verfliegt. Grund dafür sind möglicherweise die blauen Wellenlängen, die Smartphones oder Tablets ausstrahlen. Unsere Netzhaut scheint besonders empfindlich auf blaue Wellenlängen um 480 Nanometer zu reagieren. Sie signalisieren dem Körper Wachsamkeit. „Eine solche ‚Blaudusche‘ macht uns sehr schnell wach“, erklärt der Leiter des Zentrums für Chronobiologie an der Universität Basel, Christian Cajochen. „Das ist wie ein Koffeineffekt.“

Studien belegen darüber hinaus, dass das häufige Nutzen von Computern am Abend auslaugt. Wissenschaftler der belgischen Universität Leuven befragten über 1600 Schüler zwischen 13 und 17 Jahren zu ihren Smartphone-Gewohnheiten vor dem Zubettgehen. Das Ergebnis: Wer das Handy öfter als einmal pro Woche nutzte, nachdem er das Licht bereits ausgeschaltet hatte, bei dem war die Wahrscheinlichkeit fünfmal so hoch, dass er am nächsten Tag müde war.

Wer also seinen Augen etwas Gutes tun möchte, der sollte vor dem Schlafengehen nicht mehr zum Smartphone greifen. Es gibt zudem Applikationen, die das aggressive LED-Licht speziell für unsere Augen in angenehmere Wellenlängen bringen, und sie so schonen.

Kleines Gerät, große Wirkung: Die Arbeit am Bildschirm belastet uns vom Nacken bis zum Handgelenk

Doch die Augen sind längst nicht der einzige Körperteil, der unter der häufigen Nutzung von Computern, Laptops, Tablets und Smartphones leiden muss. Auch unsere Gelenke, Muskeln und Knochen werden in Mitleidenschaft gezogen.

Repetitive Bewegungen belasten die Gelenke

Das liegt zum einen daran, dass wir vor dem Bildschirm immer wieder die gleichen Bewegungen machen, sei es das Klicken mit der Maus oder das Tippen auf der Tastatur. Doch solche wiederkehrenden Bewegungen belasten unsere Gelenke, Muskeln, Sehnen und Nerven und können im schlimmsten Fall zu den sogenannten Repetitive Stress Injuries (RSI) führen. Der qualvolle Schmerz, den wir im Daumen durch zu häufiges SMS-Tippen verspüren, hat sogar seinen eigenen Namen – De Quervain’s Syndrom. Andere bekannte Folgen sind Sehnenscheidenentzündungen und das Karpaltunnelsyndrom, oft ausgelöst durch Dauertippen sowie die ungesunde Haltung unserer Handgelenke am Laptop.

Wer daher häufig am PC tippt, sollte etwa alle 30 Minuten innehalten und seine Handgelenke kreisförmig drehen. Eine weitere Entspannungsübung ist das breite Ausstrecken aller Finger während die Handgelenke gerade gehalten werden.

Laptop-Nutzer, die häufig in die Tasten hauen, sollten darüber hinaus versuchen, die Tastatur vom Bildschirm zu entkoppeln, zum Beispiel durch einen externen Monitor. Denn die Haltung, die wir beim Tippen am Laptop einnehmen ist durch die Form des Geräts besonders schädlich für unsere Handgelenke.

Touchscreen-User haben zudem noch ein ganz anderes Problem. Studien zeigen, dass wir bis zu achtmal so heftig auf Touchscreens einhauen als auf taktile Tastaturen, weil wir eben kein fühlbares Feedback dafür bekommen, wenn wir eine Taste gedrückt haben. Das belastet die Sehnen und Handgelenke zusätzlich. Wer also viel am Tablet mit einem Touchscreen arbeitet, kann Klickgeräusche als Drück-Bestätigung einstellen oder sein Gerät an eine externe Tastatur anschließen

Nackenschmerzen sind vorprogrammiert

Das Arbeiten am Bildschirm strapaziert schließlich auch unseren Nacken, bis hin zum gesamten Rücken. Denn eine gekrümmte Position über Stunden einzuhalten, ist alles andere als natürlich. Wer am PC vom Schreibtisch aus arbeitet kann diese Haltung immerhin noch körpergerecht gestalten. Schreibtische können heutzutage verstellt werden, genau so wie Stühle – von ergonomischen Sitzgelegenheiten einmal ganz abgesehen.

Wer aber bei flexibleren Geräten wie Laptops, Tablets oder Smartphones eine genau so flexible Haltung einnimmt (beispielsweise auf dem Bauch), tut weder seinem Nacken noch seinem Rücken etwas Gutes. Denn je mehr wir uns verbiegen, um auf den Bildschirm zu schauen, desto stärker beansprucht das unsere Nackenmuskulatur und den Rücken. Tablet-Nutzern wird deshalb geraten das Gerät horizontal zu halten, um so den Nacken zu entlasten. Wer gerne vom Sofa aus arbeitet, sollte immer wieder zurück zum Schreibtisch wechseln. Kurze Sportübungen zwischendurch helfen ebenfalls dabei, die Muskulatur zu entspannen. Das kann von der einfachen Streckung bis hin zum Laptop-Yoga reichen.

Klar ist, wir können uns in den seltensten Fällen weigern, Computer und Smartphones zu benutzen  – selbst wenn wir es wollten. Die beste Vorbeugung gegen die davon ausgehenden Gesundheitsrisiken sind daher wiederholte Arbeitspausen, eine ergonomische Haltung vor dem Bildschirm und Sport.


Image „Startup“ by StartupStockphotos (CC BY 1.0)


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Tracker sind überall – und es werden immer mehr. Gut so!

Rush Hour (adapted) (Image by Justin Wolfe [CC BY 2.0] via flickr)

Wir könnten eine bemerkenswerte Menge an Informationen über eine Person und ihren Gesundheits- und Sicherheitszustand sowie ihre Umgebung sammeln, wenn wir ein Tracking-Gerät applizieren würden. Betrachten wir zum Beispiel die jüngste Chemiekatastrophe in Tianjin, bei der 173 Menschen gestorben sind. Ermittler fanden heraus, dass die Explosion aufgrund von illegalen und unsicher gelagerten Gefahrstoffen entstand. Was wäre geschehen, wenn die Behörde frühzeitig Warnungen bezüglich der illegalen Bestandsgrenzen erhalten hätten, oder über den Zustand der Nitrozellulose, die das Feuer entfacht hatte, als sie austrocknete und überhitzte?

Bei Vorkommnissen wie diesen kann Tracking durchaus wichtige Probleme lösen und, was noch viel wichtiger ist, Leben retten. Bei der Untersuchung zu Data61 von CSIRO haben wir eine Sicherheitsplakette entwickelt, die die Sicherheit am Arbeitsplatz gewährleisten soll. Die Plakette zeichnet die Position des Trägers via Bluetooth und GPS auf, egal ob sich die Person drinnen oder draußen aufhält. Sie misst durch spezielle Sensoren, wie lange man schädlichen Gasen oder Strahlung ausgesetzt ist. Das Hauptziel der Plakette ist es, jegliche Art einer erhöhten Belastung durch Chemikalien oder Strahlung aufzuzeichnen und Arbeiter sowie Arbeitgeber über Maßnahmen zur Abhilfe zu informieren. Arbeiter, die eine Sicherheitsplakette effektiv nutzen, können zu mobilen Sensoren werden, die uns darüber informieren, was gerade am gesamten Arbeitsplatz passiert. Durch ihre Bewegung können die Plaketten Daten verschiedener Bereiche zu unterschiedlichen Uhrzeiten erfassen. Das ermöglicht, die Arbeitsstätte effektiver und kostengünstiger abzudecken als es mit stationären Sensoren möglich gewesen wäre.

Wenn Arbeiter in Chemiefabriken wie in Tianjin solche Plaketten mit den entsprechenden Sensoren tragen, können erhöhte Mengen an schädlichen Chemikalien entdeckt werden. Das hat zur Folge, dass Behörden frühzeitig alarmiert und Unfälle verhindert werden können.

Mikro-Größe, Makro-Potential

Das Tracking einzelner Tiere ist ebenso aufschlussreich wie die des Menschen. Wir haben kleine solarbetriebene Tracking-Geräte mit GPS-Funktion an den Körpern von Flughunden angebracht. Andere Sensoren zeichnen  Temperatur, Druck, Sonneneinstrahlung und Geräusche auf. Die Informationen, die wir von diesen Sensoren erhielten, lieferten uns nicht nur viele Informationen darüber, wie Fledermäuse Saatgut über die Landschaft verteilen, sondern gaben auch einen Einblick über die Funktion der Tiere in der Virusverbreitung.

Die markierten Tiere fungieren auch als Sensoren für die Umwelt. Sie können wertvolle Informationen über Umweltbedingungen in weiten Teilen des Landes liefern, die zuvor nicht zugänglich waren. So wurden beispielsweise Temperaturdaten von mobile Sensoren aufgezeichnet, die Informationen über Bedingungen der Orte lieferten, zu welchen die Tiere zogen. Ein Mikrofon kann sogar die Klanglandschaft in abgelegenen und schwer zugänglichen Bereichen erfassen.

In ähnlicher Weise kann ein Tracker mit Gas- oder Geräuschsensoren bei öffentlichen Verkehrsmitteln wie Leihfahrrädern, Bussen, Zügen, Straßenbahnen und Fähren angebracht werden. Diese Fahrzeuge können für die Stadt eine günstige Aufzeichnungsmöglichkeit über Elektrosmog oder Lärmverschmutzung darstellen. Da die Sensoren immer kleiner werden, ist es möglich, mehr von ihnen an das Aufzeichnungsgerät anzubringen. Sensoren, die in der Lage sind, Gefahren für die menschliche Gesundheit oder die biologische Sicherheit aufzuzeichnen, werden sich bald in diesen Bereichen verbreiten. So senden die mobilen Tracking-Geräte frühzeitige Warnungen vor schädlichen Bedrohungen in die Umgebung aus.

Natürlich müssen ethische und rechtliche Fragen rund um Schutz und Eigentum der Daten und deren Wiederverwendung sowohl im öffentlichen Bereich als auch im privaten Sektor mit Sorgfalt behandelt werden.

Spielchen mit Telefonaufzeichnungen

Tracking ist jedoch nicht auf spezielle Geräte angewiesen. Smartphones und andere Geräte, die wir ständig bei uns tragen, zeichnen bereits unsere Aufenthaltsorte und Informationen über unsere Umgebung auf. Während die Öffentlichkeit zunehmend bewusster und besorgter über die Auswirkungen unserer Privatsphäre wird, gibt es noch einen Silberstreif am Horizont, wenn es darum geht, Menschen aufzuzeichnen.

Tatsächlich haben jüngste Forschungen gezeigt, dass Informationen über den Aufenthaltsort durch Mobiltelefone dabei helfen können, die Quelle von Infektionskrankheiten wie Malaria auf nationaler Ebene zu lokalisieren. Ein ähnlicher Ansatz könnte auch auf andere Ausbrüche von Infektionskrankheiten angewendet werden. Anhand des weltweite Flugverkehrs kann man ein Muster erstellen, um so den Ausbreitungszeitpunkt von Epidemien über Länder und Kontinente hinweg vorherzusagen.

In Australien arbeiten wir an Projekten, die verschiedene Datensätze verwenden, von Tweets mit Geotags bis hin zu  Gesprächsaufzeichnungen über Handys. Mit diesen Daten kann die Ausbreitung von durch Moskitos übertragbare  Krankheiten wie dem Dengue-Fieber vorhergesagt werden und man versucht, diese Ausbreitung zu verhindern. Solche Bemühungen stellen einen eindeutigen Nutzen für das Gesundheitswesen dar, da sie zu verringerten Infektionsraten führen oder die staatliche Reaktion unterstützen.

Rundumbeobachtung

Allerdings dürfen diese ganzen Vorteile nicht auf Kosten der individuellen Privatsphäre gehen. Es ist enorm wichtig, dass solch eine Praxis wie Tracking und die entsprechende Datennutzung unter strengen ethischen Rahmenbedingungen abgehalten wird. Der erste Schritt könnte beispielsweise sein, identifizierbare Informationen aus Studien zu löschen. Allerdings ist dies allein ebenso nicht ausreichend.

Bewegungsmuster von Personen können dazu verwendet werden, um auf ihre Identität zu schließen, indem die von ihnen meistbesuchten Orte oder Adressen nachverfolgt werden. Glücklicherweise können Studien, die die Bewegungsmuster einer Person als Vertreter für das Ausbreiten einer Krankheit nutzen, auf gesammelte Daten der Bevölkerung zurückgreifen. In diesem Szenario werden individuelle Bewegungsmuster kombiniert, um dadurch den Hauptstrom in einer Gegend erfassen zu können. Diese Ströme können dazu genutzt werden, die Bereiche mit dem größten Risiko für Infektionen darzustellen. Gleichzeitig können gezielten Gegenmaßnahmen eingeführt werden.

Zwei Bereiche, in denen solche Überwachungen bereits Vorteile bringen könnten, wären Gesundheit und Biosicherheit. Diese Technologie könnte den geographischen Fortschritt von Infektionskrankheiten verfolgen, wodurch Prävention und Vorbereitung unterstützt werden könnten.

Die elektronische Aufzeichnung von einzuführenden Warensendungen könnten ebenso eine unterstützende Funktion in Sachen Biosicherheit übernehmen, da sie zu einem schnellen Auffinden von Schädlingsbefall beitragen kann. Auch in Sachen Transport ist man hier vorn mit dabei: mit Hilfe von kartenbasierten Anwendungen, die Updates zu den aktuellsten Verkehrsbedingungen liefern und im Austausch mit den Positions- und Geschwindigkeitsdaten.

Information ist unglaublich wichtig und die Tracking-Technologie kann eine Fülle von Informationen von uns und unserer Umgebung zur Verfügung stellen. Dies tut es bereits für die Tierwelt, und genau dasselbe kann es auch für die Menschen tun. Wenn wir die Probleme im Bereich der Privatsphäre und der Sicherheit lösen, können wir Technik entwickeln, mit der auch kleinere Dinge über einen längeren Zeitraum verfolgt werden und so eine Fülle an Daten für den Aufbau neuer Dienste für den allgemeinen Nutzen zur Verfügung gestellt werden kann.

Eine Frage aber bleibt: Wie viel Privatsphäre sind wir bereit aufzugeben für die potentiellen Vorteile dessen, was die Tracking-Technologie für die Menschheit tun kann?

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion. Im Falle von inhaltlichen Abweichungen der deutschen Übersetzung vom englischen Urtext gilt allein die Fassung des englischen Urtextes.


Image (adapted) „Rush Hour“ by Justin Wolfe (CC BY 2.0)


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