Social Collaboration: eine Chance für Unternehmen?

Das readwriteweb hat in einem interessanten Beitrag von Alex Iskold die Frage nach dem sozialen Unternehmen gestellt und beurteilt, was funktioniert und was nicht. Blogpilot Björn Rohles hat eine deutsche Zusammenfassung und Erweiterung des Beitrags erstellt und fragt: Wie können Unternehmen Social Collaboration einsetzen?

Einleitung: worum geht es?

Social Collaboration ist als Schlagwort des Web 2.0 auch in den Unternehmen angekommen. Und warum sollten Entwicklungen, die im Web funktionieren, nicht auch innerhalb eines Unternehmens gewinnbringend einsetzbar sein? Und so stellen sich einige Fragen:

  • Welche Vorteile könnte es bieten, wenn ein Unternehmen bloggt?
  • Lassen sich Social Collaboration Werkzeuge in Unternehmen einsetzen?
  • Könnten soziale Netzwerke, die im Web in allen möglichen Formen en vogue sind, auch für Unternehmen sinnvoll sein?
  • Wie lässt sich Wissen innerhalb eines Unternehmens gut weitergeben? Könnte das Web 2.0 dabei helfen?
  • Und nicht zuletzt: wo liegen die Risiken für ein Unternehmen, das auf Social Collaboration setzen möchte?

Die Forderung: Agile Unternehmen

Unternehmen stehen vor einem schleichenden Wandel: die klassische hierarchische Struktur erweist sich als mehr und mehr ungeeignet, um Informationen schnell genug bearbeiten zu können. Unternehmen müssen agiler werden.

Der Weg dahin führt weg von der klassischen Hierarchie, in der Abteilungen über ihre Manager miteinander kommunizieren. Bottom-Up statt Top-Down: Einzelne Mitarbeiter organisieren selbstständig ihre Arbeitsprozesse und sprechen nach Bedarf mit anderen Mitarbeitern, auch aus anderen Abteilungen. Die Manager schaffen dabei die Voraussetzungen für diese direkte Kommunikation.

Genau in dieser Selbstorganisation liegt die Stärke von Social Collaboration in Zeiten des Web 2.0: Web-Werkzeuge vereinfachen ungemein die Kommunikation und die Zusammenarbeit. Der folgende Abschnitt gibt Empfehlungen, welche Werkzeuge sich wofür eignen könnten.

Die Chancen: Social Collaboration in Unternehmen

Es gibt einige Dienste, die die soziale Zusammenarbeit innerhalb eines Unternehmens vereinfachen können:

  1. offenes Firmenintranet: Viele Unternehmen besitzen bereits seit Jahren ein Firmenintranet. Der Nachteil: die meisten dieser Intranets sind nur zum Lesen gedacht. Diese Seiten für die Mitarbeiter zur Bearbeitung zu öffnen, könnte ein firmeninternes soziales Netzwerk mit allen erdenklichen Vorteilen schaffen: Offenheit für alle und eine einfache Kommunikation.
  2. Logo von del.icio.usSocial-Bookmarking-Dienste: Dienste wie del.icio.us ermöglichen bereits seit längerer Zeit, interessante Seiten zu speichern und mit anderen zu teilen. Mitarbeiter könnten so die Lesezeichen von anderen Mitarbeitern verfolgen und über Schlagworte nach Informationen suchen, die für ein aktuelles Projekt hilfreich sind. Vorteile wären also sowohl Entdeckung als auch Konservierung von Wissen.
  3. Wikis: Wikis sind einfache Mittel, um firmeninternes Wissen zu dokumentieren und weiterzugeben. Im Gegensatz zu irgendwelchen Word-Dokumenten liegen Wikis an einer zentralen, für alle verfügbaren Stelle, sind immer aktuell und lassen sich einfach von jedem Mitarbeiter ergänzen.
  4. Projektmanagement: Iskold empfiehlt Dienste wie basecamp, um den Überblick über die Abwicklung von Projekten innerhalb eines Unternehmens zu behalten. Solche Dienste sind einfach, bieten alle erforderlichen Möglichkeiten und von überall erreichbar.
  5. Web Office: Online-Dienste wie Google Docs ermöglichen es, über eine Weboberfläche gemeinsam an einem Dokument zu arbeiten. Solche Dienste sind nicht nur einfach und günstig, sondern geben jedem Mitarbeiter die Möglichkeit, jederzeit an einem Projekt zu arbeiten, unabhängig von Software- oder Hardwarevoraussetzungen (abgesehen natürlich von einem Internetzugang).
  6. Corporate Blogs: Unternehmen können über Blogs sowohl mit Interessenten als auch mit Mitarbeitern kommunizieren. Zu diesem Thema gibt es bei den blogpiloten bereits umfangreiches Material.
  7. Microblogging und Instant Messaging: von Derek in den Kommentaren zum Beitrag angeregt, spielen Microblogging-Dienste wie Twitter und Instand Messaging (ICQ, Skype) ihre Stärken auch in Unternehmen aus. Neben einfacher und schneller Kommunikation bieten sie sich besonders für Statusupdates an, die mitteilen, welcher Mitarbeiter gerade woran arbeitet. Auch über Twitter gibt es bei den blogpiloten bereits umfangreiches Material.

Die Gefahren: Sicherheit und Verschwiegenheit

Kein Licht ohne Schatten: Unternehmen müssen sich über die Sicherheit von wichtigen Daten Gedanken machen. Sie müssen sicherstellen, dass sensible Informationen nur bestimmten Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Mehrere Sicherheitsstufen könnten hierzu eine Lösung darstellen.

Außerdem müssen Unternehmen Regeln aufstellen, die verhindern, dass sensible Informationen zu früh bekannt werden. Gerade während der Entwicklung eines Produkts ist Verschwiegenheit das oberste Gebot, um den Wettbewerbsvorteil nicht zu verlieren.

Zusammenfassung

Social Collaboration lässt sich auch innerhalb eines Unternehmens gewinnbringend einsetzen. Einfachheit und Zeitersparnis sprechen für diesen Einsatz. Die Risiken müssen durch geeignete Maßnahmen kontrolliert werden. Neben der Arbeitserleichterung spricht aber auch der Aufbau eines sozialen Netzwerks für Social Collaboration in Unternehmen: ein solches Netzwerk wird die Verbundenheit eines Mitarbeiters mit seinem Arbeitsplatz vergrößern.

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Björn Rohles

Björn Rohles

ist Medienwissenschaftler und beobachtet als Autor („Grundkurs Gutes Webdesign“) und Berater den digitalen Wandel. Seine Themenschwerpunkte sind User Experience, anwenderfreundliches Design und digitale Strategien. Er schreibt regelmäßig für Fachmedien wie das t3n Magazin, die Netzpiloten oder Screenguide.

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