Warum die SMS trotz Nutzungsrückgang nicht stirbt

Seit zwei Jahren geht die Zahl der versendeten SMS in Deutschland massiv zurück, doch das Ende der Kurznachrichtentechnologie ist deswegen noch lange nicht in Sicht. Bis vor zwei Jahren ist die Zahl der versendeten SMS in Deutschland stetig gestiegen. Mit der starken Verbreitung der Smartphones und die Beliebtheit von Instant Messengern hat dieses Wachstum nun aber ein Ende gefunden und viele Beobachter prophezeiten daraufhin sogar das Ende der Kurznachricht. Die Zahl der gesendeten SMS ist zwar stark rückläufig, doch wird die Technologie nicht komplett von Instant-Messenger-Apps verdrängt, da es immer noch viele Anwendungsbereiche gibt, in denen die SMS überlegen ist.

The Rise and Fall of SMS

Die erste SMS wurde 1992 versendet und mit der starken Verbreitung vom Mobiltelefonen ab Mitte der 90er Jahre etablierte sich die Kurznachricht als ein unheimlich beliebter und kostengünstiger Weg, um schnell kurze Mitteilungen an seine Kontakte zu senden. Trotz Aufkommen der Smartphones konnte die SMS bis 2012 ein stetiges Wachstum verzeichnen – fast 60 Milliarden Kurznachrichten wurden in dem Jahr laut BITCOM verschickt. 2013 war das Wachstum dann aber erstmals zu Ende – es wurden plötzlich nur noch 37,9 Milliarden Nachrichten verschickt, ein Rückgang von 37 Prozent. Diese Talfahrt setzte sich 2014 fort und die Anzahl der versendeten Kurznachrichten ging erneut 41 Prozent auf 22,5 Milliarden Nachrichten zurück. Die Zahl der versandten SMS hat sich innerhalb von nur 2 Jahren mehr als halbiert. Ein Grund das Ende der Technologie auszurufen ist es aber trotzdem nicht, denn selbst 2015 und mit dem Boom von Smartphones und Instant-Messaging-Apps wie WhatsApp oder Snapchat, gibt es noch viele sinnvolle Anwendungsbereiche für die SMS.

SMS ist der effektivste Weg, Nutzer zu erreichen

Im Vergleich zu E-Mails oder OTT-Messenger-Apps (Over The Top) wie WhatsApp ist SMS ein deutlich effektiverer Weg um Nutzer zu erreichen. Die SMS weist im Vergleich zu OTT-Apps und E-Mail die höchste Engagement-Rate auf – in 90 Prozent der Fälle wird eine SMS innerhalb von 3 Minuten Minuten gelesen. Zusammen mit einer niedrigen Nutzungshürde ist die SMS der perfekte Kanal, um kurze, zeitkritische Inhalte zu senden, was sich viele Unternehmen für Informationen oder Werbung zunutze machen.

Universelle Kommunikation

Die Technologie zum Senden und Empfangen von SMS ist nicht von einer mobilen Internetverbindung abhängig. Jeder, der ein Mobiltelefon besitzt, kann die Kurznachrichten nutzen. Wer noch ein Feature-Phone benutzt, wird also nicht von der Kommunikation ausgeschlossen, wie es etwa bei OTT-Apps wie WhatsApp, WeChat, Facebook Messenger etc. der Fall ist. Auch sind diese Apps nicht immer für alle Smartphone-Betriebssysteme oder ältere Versionen derer erhältlich. Und bevor man die Großeltern an ein Smartphone und WhatsApp gewöhnt, sendet man ihnen die Geburtstagsgrüße lieber weiter per SMS.

Zwei-Faktor-Authentifizierung und Online-Banking-TAN

Auch wenn für persönlichen Informationsaustausch inzwischen OTT-Messenger-Apps der SMS den Rang in Sachen Popularität abgelaufen haben, gibt es noch genug unpersönliche Informationen, für die die SMS nach wie vor optimal ist. Der erfreuliche (und empfehlenswerte) Anstieg der Zwei-Faktor-Authentifizierung sorgt dafür, dass immer mehr Sicherheitscodes per SMS übermittelt werden. Auch die TAN für Vorgänge beim Online-Banking kann bisher auf keinem anderen Weg so schnell und effektiv an die Nutzer übermittelt werden.

Lang lebe die SMS

Die Mobilfunkbetreiber beklagen zwar den Rückgang der SMS um über die Hälfte innerhalb von zwei Jahren, doch das ist eher in den Umsatzeinbußen begründet. Jahrelang waren SMS-Dienste eine Goldgrube, bei der die Provider an jeder gesendeten Kurznachricht verdienten – an einer WhatsApp-Nachricht verdienen die Provider jedoch nichts, da für diese lediglich die mobile Datenverbindung verwendet wird, die bei den meisten Nutzern in Form einer Flatrate abgerechnet wird. Aber seien wir doch mal ehrlich, 22,5 Milliarden SMS ist immer noch verdammt viel und entspricht ungefähr den Zahlen von 2007. Doch die SMS wird trotz des technischen Fortschritts, zumindest in naher Zukunft, auch noch weiterhin Bestand haben. Totgesagte leben eben doch länger.


Image (adapted) „sms“ by glasseyes view (CC BY-SA 2.0)


 

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Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind.

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