All posts under Instant Messenger

WhatsApp-Überwachung: Neue Forderungen verfehlen das Ziel

spy-whatsapp-messages (adapted) (Image by Sam Azgor [CC BY 2.0] via Flickr)

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert eine juristische Grundlage für den Zugriff der Bundesbehörden auf WhatsApp-Kommunikation. Das soll nach Ansicht des Ministers bei der Terrorismus-Bekämpfung helfen. Hermanns Äußerungen zeigen, dass die gefährliche und kontraproduktive Idee, Hintertüren in Software einzubauen, noch immer nicht gänzlich tot und begraben ist (und im Wahlkampf nur allzu gerne reaktiviert wird). Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Joachim Hermann fordert WhatsApp-Überwachung

Gegenüber der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung „Rheinische Post“ sagte Herrmann: „Wir wissen, dass die Terroristen WhatsApp nutzen, deshalb müssen wir die gesetzliche Kontrollmöglichkeit nach der Wahl sofort angehen.“ Herrmann kritisierte die SPD dafür, dass sich bislang in dieser Sache nichts getan hat. Er sagte: „Seit einem Jahr mahnen wir das bei der SPD an, geschehen ist nichts.“

Staatstrojaner oder Backdoor

Wie genau er sich die technische Umsetzung seiner Forderungen vorstellt, sagte Herrmann nicht. Es gibt allerdings nicht viele realistische Möglichkeiten. WhatsApp-Chats sind seit letztem Jahr standardmäßig verschlüsselt. Die Verschlüsselung ist so umgesetzt, dass die Daten auf dem kompletten Übertragungsweg geschützt sind, und bestand schon mehrere Audits und Tests von IT-Sicherheitsfachleuten. Das lässt Angreiferinnen und Angreifern, selbst staatlichen mit entsprechenden Mitteln, nicht viele Optionen.

Joachim Herrmann (adapted) (Image by JouWatch [CC BY-SA 2.0] via flickr)
Möchte gern in euer Handy schauen: Joachim Herrmann (adapted) (Image by JouWatch [CC BY-SA 2.0])

Eine mögliche – wenn auch aufwändige – Variante wäre der Einsatz eines sogenannten Staatstrojaners, also einer von den Behörden entwickelten und gesteuerten Schadsoftware, die die Daten direkt bei einem der Gesprächspartner abgreift. Dieses Vorgehen birgt eine ganze Reihe von Risiken, von der Kompromittierung des betroffenen Systems mit nachfolgendem Eindringen böswilliger Dritter bis hin zur Möglichkeit, dass die staatliche Schadsoftware oder die zu ihrer Platzierung vorgesehenen, meist bewusst offen gelassenen Sicherheitslücken Kriminellen in die Hände fallen. Dass Letzteres keineswegs nur ein unrealistisches Horrorszenario ist, zeigt sehr deutlich der Fall des destruktiven Ransomware-Schädlings WannaCry.

Die zweite, noch bedenklichere Variante ist die bewusste Platzierung einer Backdoor – also einer zusätzlichen Zugriffsmöglichkeit – für die Behörden. Davon abgesehen, dass die Software-Anbieter dem kaum zustimmen dürften – immerhin gehört WhatsApp zu Facebook, also einem US-Unternehmen, das nicht an deutsches Recht gebunden ist – ist diese Option alles andere als wünschenswert. Wie staatliche Schadsoftware kann auch eine solche Backdoor Kriminellen in die Hände fallen, sei es durch einen Insider, der entsprechende Informationen weitergibt, oder schlichtweg durch einen Angreifer mit Fertigkeiten in der IT-Forensik und womöglich einem Quäntchen Glück. In diesem Fall wären die sensiblen Daten sämtlicher WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer gefährdet.

Gefährlich und ineffektiv

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine realistische Möglichkeit gibt, Joachim Herrmanns Forderungen auf eine Art und Weise umzusetzen, die die IT-Sicherheit und den Datenschutz nicht in unverantwortlicher Weise schwächt. Es ist nicht genau zu sagen, ob der CSU-Minister sich lediglich keine Gedanken über die technischen Hintergründe gemacht hat – was bei einem derartigen Thema zumindest fahrlässig wäre – oder die Vielzahl von negativen Nebeneffekten billigend in Kauf nimmt, um medienwirksam einen scheinbar bedeutsamen Schritt gegen den Terrorismus zu unternehmen.

So oder so müssen Joachim Herrmanns Pläne ebenso energisch bekämpft werden wie ähnliche Forderungen (meist konservativer) Politikerinnen und Politiker im In- und Ausland. Das gilt umso mehr, als eine WhatsApp-Überwachung keineswegs so effektiv gegen den Terrorismus sein dürfte, wie der Minister sich das anscheinend vorstellt. Mitglieder entsprechender Gruppen könnten leicht auf andere, weniger bekannte Dienste ausweichen – oder nutzen ohnehin keine Instant Messenger. Eine Kompromittierung verschlüsselter Kommunikation, gerade im Falle eines so populären Dienstes wie WhatsApp, würde somit vor allem vollkommen unbeteiligte Nutzerinnen und Nutzer mit einem legitimen Interesse an privater und sicherer Telekommunikation treffen.


Image (adapted) „Joachim Herrmann“ by JouWatch (CC BY-SA 2.0)

Image (adapted) „Spy Whatsapp Messages“ by Azgor (CC BY 2.0)


Weiterlesen »

FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • FACEBOOK businessinsider: Facebook wants to launch its big attack on TV next month – here’s what we know Facebook hat schon vor einer Weile angekündigt den Streaming-Platzhirschen Amazon Prime und Netflix Konkurrenz machen zu wollen. Im Juni soll nun das Projekt rund um eigens produzierte Serieninhalte starten. Derzeit sind rund zwei Dutzend Serien geplant. Facebook will damit einen weiteren Schritt in die Richtung gehen, um mehr Kontrolle über den Kontent auf der eigenen Plattform zu haben. Für den Angriff auf TV und Streaming-Konkurrenz hat sich Facebook im Dezember den Collegehumor-Mitgründer Ricky Van Veen an Bord geholt, der seitdem als strategischer Kreativdirektor fungiert.

  • APP spiegel: Wie Tellonym mit Mobbing kämpft Die Anonymität im Netz ist einer der größten Katalysatoren für Cyber-Mobbing und ein stets ernstzunehmendes Problem. Mit jedem Aufkommen von neuen Plattformen zur sozialen Interaktion, gibt es auch neue Möglichkeiten Hassbotschaften zu verbreiten. Die App „Tellonym“ gibt den Nutzern die Möglichkeit anonyme Nachrichten zu verschicken. Schon die Frage-und-Antwort-Plattform Ask.fm stand vor Jahren in der Kritik eine ideale Cybermobbing-Plattform zu sein. Auch Tellonym hat solches Potential, behauptet aber aktiv dagegen vorzugehen.

  • RE:PUBLICA zeit: Mit den Trollen tanzen: Die re:publica, die Konferenz rund um soziale Medien und die digitale Gesellschaft, steht in den Startlöchern! Rund 8.000 Menschen diskutieren ab heute bis Mittwoch über Digitalisierung und was sie mit uns macht. Die erste re:publica fand 2007 in der Kalkscheune neben dem Friedrichstadtpalast statt. Der Mann, an dem sich die Netzgemeinde in diesem Jahr inhaltlich abarbeiten wird, ist Donald Trump.

  • MESSAGING heise: Datenschutzbeauftragter warnt vor WhatsApp & Co. An Schulen: Messaging-Dienste wie WhatsApp, der Facebook Messenger, Telegram und Co. gehören zum Alltag dazu, so natürlich auch zu dem von deutschen Schülern. Der Datenschutzbeauftragte von Rheinland-Pfalz, Dieter Kugelmann, weist darauf hin, dass WhatsApp zu schulischen Zwecken tabu ist. Manch ein Lehrer sage, in einer WhatsApp-Gruppe könne er am einfachsten Hausaufgaben verteilen. Kugelmann sieht darin aber ein Risiko. Nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Hamburg darf Facebook weiter keine Daten deutscher Nutzer von WhatsApp nutzen.

  • STROMNETZAUSBAU heise: Stromnetzausbau: weiter Rückstand bei Autobahnen: Jahrelang ging es beim Stromnetzausbau kaum voran. Jetzt nimmt der Ausbau langsam Fahrt auf. Die Bundesnetzagentur hofft, mit Erdkabeln langwierige juristische Streitigkeiten zu vermeiden. Der für die Energiewende dringend nötige Stromnetzausbau kommt nach jahrelangen Verzögerungen langsam in Gang. Es bleibt aber dabei, dass die drei großen neuen Nord-Süd-Stromautobahnen zur Versorgung Bayerns und Baden-Württembergs bis zur Abschaltung der letzten deutschen Atomkraftwerke 2022 noch nicht fertig sein werden.

Weiterlesen »

Starke Kryptographie: Signal bekommt gute Noten

iphone-image-by-relexahotels-via-pixabay

Ein Experten-Team bewertete die Verschlüsselung des Krypto-Messengers „Signal”, programmiert von der Non-Profit-Softwareorganisation Open Whisper Systems (OWS), kürzlich als sehr gut. In einem umfassenden Forschungsbericht erklären sie, wie die OWS-Entwickler die Kommunikation ihrer Nutzer gegen unbefugte Zugriffe absichern. Zudem schützt OWS die Privatsphäre seiner Nutzer auch auf politischem und juristischem Wege. All das sind ausgezeichnete Nachrichten: in einer Welt zunehmender Überwachung steht Smartphone-Nutzern ein zuverlässiges Werkzeug zur Verfügung, sich dieser Überwachung (zumindest teilweise) zu entziehen.

Gute Noten für Verschlüsselungs-Technik

Signal, eine App, die verschlüsseltes Instant Messaging und die Verschlüsselung von SMS anbietet und für Android, iOS sowie mittlerweile auch für den Desktop zur Verfügung steht, wurde einem umfassenden Sicherheits-Audit unterzogen. Dieser wurde durchgeführt durch ein fünfköpfiges Team von Sicherheitsforschern aus Australien, Großbritannien und Kanada.

Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Experten in einem Bericht mit dem Titel „A Formal Security Analysis of the Signal Messaging Protocol“. Darin kommen sie zu dem Schluss, dass der Messenger eine gut durchdachte Sicherheits-Architektur aufweist, die auch im Falle einer Kompromittierung den Schaden wirksam begrenzt. Dadurch, dass Signal zu Beginn jeder Chat-Sitzung einmalige Schlüssel austausche, lasse sich nämlich auch nach einer Kompromittierung meist nur der Text dieser Sitzung, nicht aber der Inhalt älterer oder zukünftiger Chat-Konversationen, entschlüsseln. Sicherheitslücken oder Design-Fehler konnten die Forscher bei Signal keine entdecken.

Da es keine festgelegten Ziele gebe und Signal in vieler Hinsicht technisches Neuland betrete, sei es unmöglich, festzustellen, ob die App ihre Ziele erfülle, so die Forscher. Es lasse sich aber zusammenfassend sagen, dass Signal seinen Nutzern einen sehr zufriedenstellende Schutz biete. Sie fügen hinzu: „Wir haben keine bedeutenden Fehler im Design [des Messengers] entdeckt, was sehr ermutigend ist.“

Die Sicherheitsforscher ließen OWS einige Vorschläge zukommen, wie der Signal-Messenger mit vertretbarem Aufwand noch weiter verbessert werden kann. Diese betreffen unter anderem den Schlüssel-Austausch und die Absicherung des Protokolls gegen unzureichende oder kompromittierte Pseudo-Zufallszahlen (diese werden bei kryptographischen Protokollen zur Generierung der Schlüssel benutzt und meist über eine Software auf dem Gerät erzeugt).

Starke Kryptographie für Alle

Die beteiligten Wissenschaftler betonen, dass ihr Forschungsbericht nicht das letzte Wort zum Thema Signal sein sollte. Einige Punkte, wie etwa genutzte, nicht von OWS stammende Programm-Bibliotheken und Unterschiede in der Umsetzung des Protokolls zwischen Apps und Geräten, haben sie nicht analysiert. Dennoch lässt das Vertrauensvotum aus so berufenem Munde hoffen. Die auch von NSA-Whistleblower Edward Snowden empfohlene App scheint zu halten, was sie verspricht.

Das sind umso bessere Nachrichten, als dass das Signal-Protokoll mittlerweile auch Nutzern der Messenger WhatsApp und Facebook Messenger zur Verfügung steht (allerdings im Falle von Facebook nur, wenn der Nutzer dies ausdrücklich einstellt). Kryptographie ist derzeit eindeutig auf dem Weg in den Mainstream. Da ist es umso erfreulicher, wenn diese Kryptographie hohen Ansprüchen in Sachen Sicherheit genügt.

Kampf den Überwachern: Per App und vor Gericht

Ebenfalls positiv zu bewerten ist, dass OWS auch über die Entwicklung robuster Verschlüsselung hinaus die Sicherheit und Privatsphäre der Nutzer hoch hält. Das zeigt der Umgang des Non-Profit-Entwicklerstudios mit einer Anfang des Jahres erfolgten Anfrage der US-Behörden zur Herausgabe von Nutzerdaten. Die Behörden mussten schließlich unverrichteter Dinge wieder abziehen. Auch das ist ermutigend für Nutzer, die sich staatlicher Überwachung entziehen wollen.

Hoffnung für die digitale Zukunft

Verschlüsselung schützt nicht nur vor Online-Kriminalität, sondern auch vor staatlicher Kompetenzüberschreitung. Für Menschen in autoritären Regimes kann das im Ernstfall überlebenswichtig sein. Aber auch in demokratischen Staaten liegt in Sachen Überwachung vieles im Argen; Bündnis-Verpflichtungen und der Kampf gegen den (als Bedrohung maßlos aufgebauschten) Terrorismus sorgen für eine immer weitere Einschränkung individueller Rechte.

Stillschweigend oder durch hastig durchgewinkte Überwachungsgesetze legitimiert wird die private Kommunikation immer häufiger zum Schnüffeln freigegeben. In diesen Zeiten brauchen wir Verschlüsselung als wichtigstes Werkzeug der digitalen Selbstverteidigung. Umso wichtiger ist es, dass diese Verschlüsselung vernünftig durchdacht ist und stetig überprüft und verbessert wird. Die neuesten Nachrichten sind in diesem Kontext – man möge das Wortspiel verzeihen – ein sehr ermutigendes Signal.


Image „Iphone“ by relexahotels (CC0 Public Domain)


Weiterlesen »

Whatsapp zu, Affe tot. (Naja, fast)

Smartphones (adapted) (Image by Esther Vargas [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Der bekannte Whatsapp-Affe wird sich wie eine Epidemie unter uns und auf unseren Smartphones ausbreiten.

Es gibt zwei Arten von Menschen, die ich überhaupt nicht ausstehen kann. Zum einen sind es die, die übermäßig viele Emojis beim Chatten einsetzen. Das nervt!  Zum anderen gibt es ja auch eine Spezies, die gänzlich ohne Emojis und Emoticons auskommt. Das sind meistens die Leute, die das ganze “Instant-Messenger-ersetzen-unsere-Face-to-Face-Kommunikation”-Prinzip nicht verstanden haben.

Aber lassen wir das. Mir geht es heute um Emojis. Genauer gesagt, um diese drei Affen.

Emoji 300x490   Emoji2 300x490

Anscheinend findet die auf einmal jeder oberaffengeil. Und ich frage mich, wieso. Dislike, Leute, dislike! Was treibt euch nur dazu, massig und völlig kontextfern Symbole aus einer buddhistischen Lehre in eurer täglichen Kommunikation zu verwenden?

Es nervt. Das kindliche Design dieser Dinger macht mich aggressiv. Diese Affenköpfe ziehen jeden Satz ins Lächerliche. Ja, wirklich. Unerträglich.

Ich frage mich, wie kommt man auf sowas? Kommt sowas bei raus, wenn die Whatsapp-Facebook-was-auch-immer-Kreativleute zusammen sitzen?

  • “Ey, ihr Affen, jetzt mal Brainstorming!”
  • “Super Idee, Chef!”

Wie der grinsende Kackhaufen entstanden ist, kann man sich ja denken. Oder auch nicht.

Ich befürchte, die Affen werden sich ausbreiten. Wie eine Epidemie. Heute noch in Whatsapp, morgen schon auf deinem T-Shirt!

Ein Blick in die Google-Vorschläge bestätigt meine leisen Vorahnungen:

Google 300x490

Leute, ich glaube, es gibt kein Entkommen. Wie damals mit den Hipsterdreiecken, ihr erinnert euch? Die waren auch alle so schön deep, aber gleichzeitig noch flach genug, dass man auch hardcore bekifft noch den Sinn versteht. Ergo, kommt an. Genau sowas steht uns nochmal bevor. Die Erinnerung ist zumindest bei mir noch frisch genug, dass ich mit Grauen in unsere, sich immer mehr digitalisierende Zukunft blicke. Bald sind sie überall.

Höchste Zeit also, sich zu wehren. Nachdem ich mit meiner “Ich-ignoriere-die-Dinger-einfach”-Masche nicht weitergekommen bin, habe ich kurzzeitig überlegt, meine Affen-Emojis verwendenen Kontakte eiskalt zu blockieren, aber diesen Gedanken schnell wieder verworfen. Vielleicht erfindet ja mal ein schlauer Informatiker eine App, die die Affen aufgrund ihrer Algorithmen erkennt und ausblendet. Das wäre mal richtig nice!

Bis dahin lasst uns das Ganze einfach mal mit Humor nehmen. Denkt mal ganz einfach. Da schickt dir jemand einen Affen und was machst du? … Du gibst ihm eine Banane.

Whatsapp 300x490


Image (adapted) “Smartphones” by Esther Vargas (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

Warum die SMS trotz Nutzungsrückgang nicht stirbt

sms (adapted) (Image by glasseyes view [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Seit zwei Jahren geht die Zahl der versendeten SMS in Deutschland massiv zurück, doch das Ende der Kurznachrichtentechnologie ist deswegen noch lange nicht in Sicht. Bis vor zwei Jahren ist die Zahl der versendeten SMS in Deutschland stetig gestiegen. Mit der starken Verbreitung der Smartphones und die Beliebtheit von Instant Messengern hat dieses Wachstum nun aber ein Ende gefunden und viele Beobachter prophezeiten daraufhin sogar das Ende der Kurznachricht. Die Zahl der gesendeten SMS ist zwar stark rückläufig, doch wird die Technologie nicht komplett von Instant-Messenger-Apps verdrängt, da es immer noch viele Anwendungsbereiche gibt, in denen die SMS überlegen ist.

The Rise and Fall of SMS

Die erste SMS wurde 1992 versendet und mit der starken Verbreitung vom Mobiltelefonen ab Mitte der 90er Jahre etablierte sich die Kurznachricht als ein unheimlich beliebter und kostengünstiger Weg, um schnell kurze Mitteilungen an seine Kontakte zu senden. Trotz Aufkommen der Smartphones konnte die SMS bis 2012 ein stetiges Wachstum verzeichnen – fast 60 Milliarden Kurznachrichten wurden in dem Jahr laut BITCOM verschickt. 2013 war das Wachstum dann aber erstmals zu Ende – es wurden plötzlich nur noch 37,9 Milliarden Nachrichten verschickt, ein Rückgang von 37 Prozent. Diese Talfahrt setzte sich 2014 fort und die Anzahl der versendeten Kurznachrichten ging erneut 41 Prozent auf 22,5 Milliarden Nachrichten zurück. Die Zahl der versandten SMS hat sich innerhalb von nur 2 Jahren mehr als halbiert. Ein Grund das Ende der Technologie auszurufen ist es aber trotzdem nicht, denn selbst 2015 und mit dem Boom von Smartphones und Instant-Messaging-Apps wie WhatsApp oder Snapchat, gibt es noch viele sinnvolle Anwendungsbereiche für die SMS.

SMS ist der effektivste Weg, Nutzer zu erreichen

Im Vergleich zu E-Mails oder OTT-Messenger-Apps (Over The Top) wie WhatsApp ist SMS ein deutlich effektiverer Weg um Nutzer zu erreichen. Die SMS weist im Vergleich zu OTT-Apps und E-Mail die höchste Engagement-Rate auf – in 90 Prozent der Fälle wird eine SMS innerhalb von 3 Minuten Minuten gelesen. Zusammen mit einer niedrigen Nutzungshürde ist die SMS der perfekte Kanal, um kurze, zeitkritische Inhalte zu senden, was sich viele Unternehmen für Informationen oder Werbung zunutze machen.

Universelle Kommunikation

Die Technologie zum Senden und Empfangen von SMS ist nicht von einer mobilen Internetverbindung abhängig. Jeder, der ein Mobiltelefon besitzt, kann die Kurznachrichten nutzen. Wer noch ein Feature-Phone benutzt, wird also nicht von der Kommunikation ausgeschlossen, wie es etwa bei OTT-Apps wie WhatsApp, WeChat, Facebook Messenger etc. der Fall ist. Auch sind diese Apps nicht immer für alle Smartphone-Betriebssysteme oder ältere Versionen derer erhältlich. Und bevor man die Großeltern an ein Smartphone und WhatsApp gewöhnt, sendet man ihnen die Geburtstagsgrüße lieber weiter per SMS.

Zwei-Faktor-Authentifizierung und Online-Banking-TAN

Auch wenn für persönlichen Informationsaustausch inzwischen OTT-Messenger-Apps der SMS den Rang in Sachen Popularität abgelaufen haben, gibt es noch genug unpersönliche Informationen, für die die SMS nach wie vor optimal ist. Der erfreuliche (und empfehlenswerte) Anstieg der Zwei-Faktor-Authentifizierung sorgt dafür, dass immer mehr Sicherheitscodes per SMS übermittelt werden. Auch die TAN für Vorgänge beim Online-Banking kann bisher auf keinem anderen Weg so schnell und effektiv an die Nutzer übermittelt werden.

Lang lebe die SMS

Die Mobilfunkbetreiber beklagen zwar den Rückgang der SMS um über die Hälfte innerhalb von zwei Jahren, doch das ist eher in den Umsatzeinbußen begründet. Jahrelang waren SMS-Dienste eine Goldgrube, bei der die Provider an jeder gesendeten Kurznachricht verdienten – an einer WhatsApp-Nachricht verdienen die Provider jedoch nichts, da für diese lediglich die mobile Datenverbindung verwendet wird, die bei den meisten Nutzern in Form einer Flatrate abgerechnet wird. Aber seien wir doch mal ehrlich, 22,5 Milliarden SMS ist immer noch verdammt viel und entspricht ungefähr den Zahlen von 2007. Doch die SMS wird trotz des technischen Fortschritts, zumindest in naher Zukunft, auch noch weiterhin Bestand haben. Totgesagte leben eben doch länger.


Image (adapted) „sms“ by glasseyes view (CC BY-SA 2.0)


 

Weiterlesen »

BBC News nutzt Line-Messenger als Distributionskanal für Videos

Line Messenger (Bild: LINE)

Die britische BBC hat einen eigenen Account im Instant Messenger Line gestartet. Über den Kanal will man international Nachrichten in Form kurzer Videos verbreiten. // von Daniel Kuhn

Line Messenger (Bild: LINE)

Die BBC experimentiert viel mit Distributionskanälen für die eigenen Nachrichten herum. Eines dieser Experimentierfelder sind Chat-Apps für Smartphones. Nach einigen Testläufen, die auf bestimmte Länder und News-Ereignisse beschränkt waren, hat die BBC nun einen eigenen internationalen Kanal in der Messenger-App Line gestartet. Hier werden in Form von 15 Sekunden kurzen Videos die wichtigen News-Themen des Tages an die Nutzer gesendet.

Weiterlesen »

Weiterlesen »

ICQ.. Gibt’s die noch?

icqICQ kennt mit Sicherheit jeder im deutschen Raum, der mindestens der Generation 1990er angehört. Erinnert Ihr euch? ICQ war DER Instant-Messenger schlechthin auf jedem PC und Laptop der neuen Digitalen. ICQ hatte seinen Peak in der Wahrnehmung der Deutschen so in etwa in den Jahren 2000 bis 2005. In der Zeit ging der Messenger jedenfalls bei mir auf Sendung. Seit nun einigen Jahren ist es allerdings still geworden um das israelische Unternehmen und deren Produkt. Nicht unschuldig daran war mit Sicherheit der Siegeszug sozialer Netzwerke wie Facebook (oder StudiVZ) mit deren innovativen Chatfunktionen. Umso mehr verwundert es jetzt, dass die Existenz dieser Social-Web-Raketen dem Projekt auch wieder Auftrieb geben soll. Wie und was sich ICQ da gedacht hat, habe ich nämlich am Wochenende bei einem Hausbesuch erfahren dürfen. Die ICQ-Strategen rundum Mor Yegerman (COO), Moshe Kigler (VP Products), Alexander Erlmeier (Country Manager D,A,CH) und Anna Kainer (Social Media Manager) haben sich nämlich zehn Experten der deutschen (und österreichischen) Blogger-Elite ins Hauptquartier geholt, um mal zu zeigen, woran sie in der letzten Zeit gearbeitet haben. Ich bin zwar kein Mobile-Experte, aber interessiert hat es mich dennoch aus verschiedenen Gründen.

Weiterlesen »

Weiterlesen »