Snapchat: Die Faszination des Nichts

Facebook, Twitter, Instagram und Google+ sind die Schwergewichte unter den sozialen Netzwerken, die sich seit Jahren über wachsende Nutzerzahlen freuen. Unter Teenagern hat Snapchat allerdings eine große Abwanderungswelle aus den bekannten Netzwerken ausgelöst und diese somit unter Zugzwang gesetzt. So lange man versucht, die App mit den anderen Netzwerken zu vergleichen, erschließt sich die Faszination für Snapchat tatsächlich nicht, ein Vergleich mit der Sitcom Seinfeld schafft da allerdings Abhilfe.

Ich muss gestehen, dass auch ich Snapchat zwar ausprobiert habe, sich mir die Begeisterung vieler Nutzer an den vergänglichen Nachrichten aber nicht erschließen wollte. Erst ein Vergleich mit meiner persönlichen Lieblings-Sitcom Seinfeld, von Cnet-Autorin Jennifer Van Grove, öffnete mir kürzlich die Augen.

Um es kurz zusammenzufassen: Es geht um Nichts! Mit diesen Worten beschrieb George Costanza in der Serie selbst ihren Inhalt und genau darum geht es auch bei Snapchat. Bei Facebook, Twitter und Google+ teilen wir Beiträge, die ewig konserviert werden – diese zum Personal Branding und sollen vor allem Aufmerksamkeit erregen. Nicht so bei Snapchat – hier ist der Fokus ein anderer, nämlich nichts. Mit den Kontakten werden nicht etwa bedeutsame oder geistreiche Beiträge mit heischendem Blick auf die Likes geteilt – sondern Momentaufnahmen aus unserem Alltag, die mit einem Verfallsdatum versehen sind (zumindest fast). Dieser Alltag besteht zum großen Teil aus kleinen belanglosen Momenten, die es nicht wert sind, über Facebook oder Twitter in die weite Welt geteilt zu werden – ein paar enge Freunde dürften sich aber sicher daran erfreuen, zumindest für einen kurzen Moment. Bei Snapchat können Inhalte komplett ohne den Filter der Öffentlichkeit geteilt werden.

Dass Snapchat sich vor allem bei jungen Nutzern so großer Beliebtheit erfreut, überrascht nicht. Sie bewegen sich ständig in der Öffentlichkeit, nicht zuletzt auch durch die Tatsache, dass inzwischen sogar die Eltern bei Facebook aktiv sind und so ein Auge auf die Kinder haben. Snapchat bietet somit ein Rückzugsgebiet, in dem es nicht mehr primär um den Inhalt, sondern vielmehr den Kontext geht und dieses Konzept dürfte auch älteren Nutzern gefallen.


Image (adapted) “Smartphones“ by clasesdeperiodismo (CC BY-SA 2.0)


Schlagwörter: , , ,
Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus