Tobias GillenShortcut Reader: Echter Mehrwert für die Print-Leser

Unser Autor Tobias Gillen hat das Osterwochenende für einen Test der App Shortcut Reader genutzt. Sein erstes Fazit fällt durchaus positiv aus, auch wenn deutsche Medien mal wieder ein Trauerspiel abgeben.

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Die Medien-App Shortcut Reader stellt eine der innovativsten Antworten auf den Medienwandel in der Zeitungsbranche dar. Wenn Nutzer ein Foto eines Artikels knipsen, stellt die App eines Schweizer Startups eine Verbindung zum digitalen Gegenstück des Artikels her. Print und Online verschmelzen dadurch ein Stück mehr und hinterlassen zufriedene Zeitungsleser. Leider noch kaum in Deutschland, wie unser Autor in seinem Test schreibt.

Während meines osterlichen Schweiz-Aufenthalts habe ich die Möglichkeit bekommen, mal in das wöchentliche Magazin “Die Weltwoche” zu schauen und bin dort im Editorial (hier: “Intern”) auf den Hinweis gestoßen, man könne “Weltwoche”-Artikel “mit dem iPhone empfehlen und aufbewahren sowie Zusatzinhalte entdecken.” Dazu sei die App Shortcut Reader nötig, die ich natürlich sofort heruntergeladen und ausprobiert habe. Mein erstes Fazit: Wow! Doch im folgenden Artikel mehr dazu, wie Zeitungen und Magazine ihren Lesern für einen verhältnismäßig angenehmen Preis deutlichen Mehrwert bieten können und warum es schade ist, dass der Shortcut Reader in Deutschland nur von drei Publikationen angeboten wird.

Beispiel: Fritz, Karl und die “Weltwoche”

Fritz sitzt in Bern und liest die “Weltwoche”. Dabei fällt ihm ein Artikel über Sonntagsblätter auf, der von Kurt W. Zimmermann auf Seite 19 der 10. Ausgabe veröffentlicht wurde. Fritz ist der Meinung, dass dieser Artikel auch seinen Kollegen Karl in Hamburg interessieren könnte und hatte bisher nun mehrere Möglichkeiten, ihm diesen Artikel zu zeigen:

1) “Weltwoche” mitbringen: Sicherlicher eine sinnvolle Methode. Allerdings müsste er dafür zeitnah nach Hamburg kommen, was nicht der Fall ist.

2) Artikel online suchen. Gute Idee, der Artikel ist aber leider nur im Print erschienen.

3) Artikel abfotografieren. Das kommt dem Shortcut Reader schon sehr nah, allerdings geht hier die Qualität drauf.

Besser wäre es, den Shortcur Reader zu nutzen, der wie folgt funktioniert:

1) Shortcut Reader öffnen.

2) Den Artikel abscannen (siehe Bild 1 oben).

3) Kurz warten.

4) Den Artikel mit optimaler Qualität als Bilddatei auf dem Handy haben (siehe Bild 2 oben).

5) Über Twitter, Facebook, Mail und SMS/iMessage den Link zum Bild verschicken siehe Bild 3 oben).

Kurz um: Shortcut Reader macht Printartikel teilbar und sozialmedial verknüpfbar. Zudem kann man die Texte auch unterwegs lesen, ohne gleich die ganze Zeitung oder das ganze Magazin mitzunehmen.

Reicht an nützlichen Funktionen

Doch es gibt zwei weitere Funktionen, die ich als sehr angenehm empfinde:

1. Evernote-Integration

Zwar speichert der Shortcut Reader die einzelnen Seiten und Artikel “offline” ab, sodass man sie immer dabei hat. Aber viele Smartphone-Nutzer benutzen lieber den Dienst Evernote, um Dokumente und Notizen abzulegen. Eine entsprechende Integration ist hier verfügbar.

Scannt man einen Artikel ein, wird dieser direkt und automatisch in die Evernote-Notizen gefügt und man kann ihn dort verwalten. Das macht natürlich besonders dann Sinn, wenn man die App ausgiebig nutzt und eine Ordnung in Evernote findet. Die normale Sortierung der Seiten im Shortcut Reader selbst genügt aber grundsätzlich auch vollkommen.

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2. Digitale Zusatzinformationen zu den analogen Texten

Die Zeitung hat durch den Shortcut Reader hier die Möglichkeit, dem Nutzer auf digitalem Weg Informationen zu den analogen Texten an die Hand zu geben. Diese Art der augmented reality (“erweiterte Realität”) findet man unter anderem auch beim gedruckten “SPIEGEL” in Form von QR-Codes (zu deren Scan sich Shortcut Reader übrigens auch eignet), die auf digitale Inhalte verweisen – etwa ein Video.

Die “Weltwoche” nutzt diese Möglichkeiten meiner Meinung nach noch zu wenig aus. Unter den von mir getesteten Artikeln und Seiten finden sich stets nur Links zur Illustration, Facebook, Twitter und der Website. Die “NZZ am Sonntag” nutzt diese Möglichkeiten ausgedehnter aus, vergisst aber die für sie durchaus nützlichen Links auf Twitter, Facebook und Website.

Bisher nur drei Publikationen aus Deutschland

Aber natürlich – das kann man sich bei den vielen Vorteilen fast schon denken – gibt es die Dienstleistung des Shortcut Readers nicht umsonst. Umsonst zwar für die Nutzer, die Zeitungen und Magazine müssen aber je nach Auflage einen monatlichen Preis bezahlen, um sich vom Shortcut Reader scanbar zu machen.

Tabelle

Und vermutlich liegt genau hier der Hund begraben. Vermutlich wird der Dienst einfach noch zu selten genutzt, sodass es sich für eine Zeitung nicht lohnen wird, ihn zu kaufen. Doch finde ich die Vorteile für den Nutzer sehr schlagkräftig. Es scheint so zu sein, dass einer den Anfang machen muss, damit der Dienst bekannter und damit auch mehr genutzt wird. Sobald dies der Fall ist, dürften auch andere Publikationen nachziehen. Bisher sind weltweit 41 Zeitungen dabei und 27 Magazine, davon die “Computerwoche”, “CHIP” und “CHIP Foto-Video” aus Deutschland. Die Schweiz ist mit 18 Magazinen und 12 Zeitungen am häufigsten vertreten, darunter auch die “NZZ am Sonntag”, “20 Minuten” und “Blick”.

Fazit

Mir persönlich – und das dürfte man bis hierher festgestellt haben – gefällt der Shortcut Reader sehr gut. Ich bin generell sehr interessiert an den Entwicklungen im Bereich der augmented reality und finde dadurch schon QR-Codes und Co. spannend. Ein Dienst, wie ihn kooaba mit dem Shortcut Reader anbietet, hat mir persönlich gefehlt, da ich gerne auch Printartikel weiterempfehlen würde. Eine Publikation, die vielleicht – warum auch immer – noch nicht so viel Wert auf einen Internetauftritt legt, könnte hier ohne viel Aufwand auch im sozialen Web über Twitter und Facebook neue Zusprüche finden. Mich überzeugt das Konzept und ich würde mir wünschen, dass mehr Zeitungen es nutzen würden. Hiermit kann man dem Leser einen echten Mehrwert bieten.

Übrigens kann man als Privatperson gegen eine kleine Gebühr auch eigene Shortcuts erstellen. Auch diese Möglichkeit finde ich sehr spannend. Sobald getestet, erhaltet ihr die Erfahrungen dann auch hier.


Die App Shortcut Reader gibt es für Android, iOS und Windows Phone.


Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf tobiasgillen Blog.



Über den Autor / die Autorin
ist freiberuflicher Medien- und Technikjournalist und Blogger. Nebenher schreibt er Bücher und E-Books und ist bei Twitter, Facebook und Google+ zu finden.

 

5 Kommentare zu “Shortcut Reader: Echter Mehrwert für die Print-Leser”
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