Von Roboter bis Chatbots: Was bringt die Zukunft der Arbeit 4.0?

Wir schreiben das Jahr 2020. Eine Frau macht ihren alljährlichen Gesundheitscheck beim Hausarzt. Doch als die Sprechstundenhilfe die Tür zum Behandlungsraum öffnet, findet sie hier keinen Arzt, sondern stattdessen lediglich verschiedene Instrumente und einen großen Monitor. Vom Bildschirm aus wünscht ihr Hausarzt ihr einen „guten Morgen“ und erklärt ihr, wie sie selbst ihren Puls messen, ihren Brustkorb abhören und ihre Reflexe testen kann. Zehn Minuten später ist die Untersuchung vorbei, die Daten werden per Internet an den Hausarzt weitergeleitet, die Ergebnisse bekommt die Patientin per E-Mail zugeschickt. Sieht so die Zukunft der Arbeit aus? Wenn man den aktuellen Prognosen glauben kann, durchaus! Die Digitalisierung unserer Gesellschaft hört schließlich nicht bei selbstfahrenden Autos, Chatbots und dem Internet der Dinge auf – natürlich wird auch unsere Arbeitswelt davon beeinflusst. Arbeit 4.0 nennen Experten diese rasant schnelle Digitalisierung. Die Bundesregierung erachtet diesen Prozess als so wichtig, dass sie dazu sogar ein Grünbuch herausgegeben hat.

Digitalisierung der Arbeit wird zum Standard

Die ersten Veränderungen sind in vielen Branchen schon deutlich spürbar: Internetversandhäuser verkaufen mehr Bücher als ein Buchgeschäft, eine Internet-Suchmaschine macht der Autobranche Konkurrenz und ein Online-Videokanal bringt mehr Stars hervor als jedes Plattenlabel. Natürlich ist nicht jede Branche gleich stark von der Digitalisierung der Arbeitswelt betroffen, doch eins ist klar: Internetfirmen dringen vermehrt in analoge Bereiche. Das beeinflusst nicht nur die Unternehmen, sondern auch Arbeiter querbeet. Während sich Automechaniker noch vor wenigen Jahren bei ihrer Arbeit die Ärmel hochkrempelten und unter die Motorhaube guckten, werden jetzt Autos mithilfe von Software repariert. Lehrer tauschen Tafel und Kreide gegen ein digitales Whiteboard aus und Steuerberater werden immer öfter durch digitale Programme ersetzt. Damit ist auch klar: Unsere Arbeit wird stärker an die digitale Entwicklung gekoppelt und IT-Kenntnisse werden in jedem Job immer wichtiger. Arbeitgeber setzen einfach voraus, dass ihre Mitarbeiter sich schnell an neue Technologien gewöhnen und damit umgehen können.

Halbwertszeit für Wissen wird immer kürzer

Die Herausforderung dabei ist nicht so sehr das Erlernen eines neuen Programms, sondern die Tatsache, dass die Halbwertszeit für Wissen immer kürzer wird. Je schneller neue Technologien erfunden und alte verbessert werden, desto schneller ist auch unser digitales Wissen überholt. Wir werden uns also daran gewöhnen müssen, uns in immer kürzeren Abständen in neue Technologien einarbeiten zu müssen. Mitunter bedeutet das auch, dass ein großer Teil dessen, was jemand in seiner Ausbildung lernt, in ein paar Jahren schon nicht mehr aktuell oder sogar völlig überholt ist. Das Wissen aus der Ausbildung mag damit schon bald nicht mehr so gefragt sein wie die Lernfähigkeit einer Person. Die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, eine hohe IT-Kompetenz sowie interdisziplinäres Denken und Handeln gehören daher schon jetzt zu den Schlüsselanforderungen in der Arbeitswelt. So mancher mag sich davon eingeschüchtert fühlen. Denn man muss damit nicht nur ständig mit dem technologischen Zeitgeist mithalten können, viele klassische analoge Jobs werden mit dem Wandel zur Arbeit 4.0 auch verloren gehen. Je nachdem, wen man fragt, sehen die Zahlen dazu sehr unterschiedlich aus. Doch klar ist: Viele Jobs wird es bald schon nicht mehr geben. Gleichzeitig bringt die Digitalisierung der Arbeit aber auch viele neue Berufe mit sich. Denn wenn alles von Maschinen gesteuert wird, muss es schließlich auch mehr Fachleute geben, die diese Maschinen entwickeln und bedienen können. Denken wir nur zurück an die Industrielle Revolution. Das Fließband hat sicher viele Jobs gekostet, doch auch neue Möglichkeiten eröffnet. Ähnliches könnte auch von der digitalen Revolution zu erwarten sein.

Was bedeutet Arbeit 4.0 für die älteren Generationen?

Doch nicht jeder kann so optimistisch in die Zukunft blicken. Gerade ältere Arbeitnehmer fühlen sich von den neuen Trends überrollt. Denn sie sind nicht wie die „Digital Natives“ mit dieser Technologie aufgewachsen und natürlich ist es im Alter auch nicht mehr so leicht, etwas Neues zu lernen. Doch selbst für die Generation 50+ kann der Prozess zur Arbeit 4.0 auch Vorteile haben, glaubt Laura Geiger vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (hierzu mehr im Interview mit Laura Geiger): „Es ist schwer, zuverlässige Prognosen über die Zukunft der Arbeit zu treffen. Aber neben einer Zunahme der Belastung für ältere Arbeitnehmer ist natürlich auch eine psychische Entlastung durch die stärkere Automatisierung und Digitalisierung denkbar.“ Wenn also immer mehr Arbeitsprozesse digitalisiert werden, kann das nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Erleichterung sein. Statt sich Details merken zu müssen, übernimmt das eine Software. Statt schwere körperliche Arbeit leisten zu müssen, können Maschinen eingesetzt werden. Angesichts der niedrigen Geburtsraten in Ländern wie Deutschland ist es durchaus denkbar, dass die Digitalisierung der Arbeit auch gerade dafür genutzt wird, um unsere alternde Gesellschaft zu entlasten. Die Silver Surfer wurden schließlich auch schon als lukrative Zielgruppe entdeckt. Wer sagt denn, dass sie nicht auch aktiv am Prozess der Digitalisierung der Arbeit beteiligt werden?

Spannende Zukunft der Arbeit 4.0

Wo genau uns die Zukunft der Arbeit 4.0. hinführt, ist nicht abzusehen. Doch wir werden uns sicherlich in Zukunft auf viele krasse Veränderungen in der Arbeitswelt gefasst machen müssen. Roboter könnten die Arbeit von Babysittern und Altenpflegern übernehmen, Ärzte könnten komplizierte Operationen mithilfe von technischen Assistenten durchführen, und Chatbots könnten das Schreiben von Artikeln für Journalisten übernehmen. Welche Neuerungen sich durchsetzen, ist nicht sicher. Doch eins ist klar: Auf uns wartet eine neue, spannende Arbeitswelt 4.0.


Image (adapted) „Gimme Work !“ by Arthur Caranta (CC BY-SA 2.0)


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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